Riga ist mit rund 605.000 Einwohnern die Hauptstadt Lettlands und die größte Stadt im Baltikum. Die Stadt liegt an der Mündung der Düna in den Rigaischen Meerbusen, rund 15 Kilometer landeinwärts von der Ostsee. Gegründet 1201 durch Bischof Albert von Buxhoeveden, wurde Riga schnell zu einer der wichtigsten Hansestädte Nordeuropas. Heute prägen drei Epochen das Stadtbild — die mittelalterliche Altstadt (Vecriga) mit Backstein-Kirchen, Gildehäusern und dem ikonischen Schwarzhäupterhaus, das weltweit größte geschlossene Jugendstil-Viertel mit über 800 Häusern aus den Jahren 1900 bis 1914 und der Zentralmarkt in fünf umgebauten Zeppelin-Hangars. Seit 1997 ist die Altstadt UNESCO-Weltkulturerbe. Wer aus Deutschland anreist, fliegt in rund 2 Stunden direkt nach Riga — die Stadt ist das Drehkreuz des Baltikums und idealer Ausgangspunkt für Tagesausflüge nach Jūrmala, Sigulda oder den Gauja-Nationalpark. Dieses Briefing bündelt alle Sehenswürdigkeiten, Erreichbarkeit und praktische Tipps.
Anreise und Erreichbarkeit
Riga ist von Deutschland aus auf mehreren Wegen erreichbar — am bequemsten per Direktflug in rund zwei Stunden, alternativ über Polen mit der Via Baltica oder über die Ostsee-Fähren via Stockholm. Der Flughafen RIX liegt nur 13 Kilometer westlich des Stadtzentrums und ist das wichtigste Drehkreuz im Baltikum — die nationale Airline airBaltic verbindet Riga mit über 70 Zielen in Europa und dem Nahen Osten.
Mit dem Flugzeug
Der internationale Flughafen Riga (RIX) bedient mehrere Direktverbindungen aus Deutschland. airBaltic fliegt von Berlin, Hamburg, München, Düsseldorf, Frankfurt und Stuttgart, Lufthansa von Frankfurt und München, Ryanair von Berlin, Memmingen, Bremen und Nürnberg, Wizz Air von Dortmund. Die Flugzeit ab Frankfurt beträgt 2:10 Stunden, ab München 2:00 Stunden, ab Berlin 1:40 Stunden. Im Sommer kommen Charter-Verbindungen aus Hannover und Köln/Bonn dazu.
Vom Flughafen in die Stadt
Der Weg vom RIX ins Zentrum ist einfach. Bus 22 verkehrt alle 10 bis 20 Minuten und braucht 30 Minuten zum Hauptbahnhof Centrala Stacija — Ticket 2 EUR beim Fahrer oder 1,15 EUR am Automaten. Der Minibus 222 ist schneller (20 Minuten, 2 EUR). Ein Taxi (Bolt oder Yandex Go) kostet 10 bis 15 EUR und braucht 15 Minuten. Aktuelle Fahrpläne und Live-Daten zum Stadtverkehr stehen unter rigassatiksme.lv bereit.
Mit der Bahn
Eine durchgehende Bahnverbindung aus Deutschland existiert nicht — die Rail Baltica zwischen Berlin und Tallinn über Riga ist im Bau und soll ab 2030 in Betrieb gehen. Innerhalb des Baltikums verbindet die lettische Staatsbahn LDZ Riga mit Daugavpils, Liepaja, Valga und Sigulda. Fahrpläne und Tickets stehen unter ldz.lv online. Internationale Bus-Verbindungen mit Lux Express und Ecolines führen nach Vilnius (4:00 Stunden), Tallinn (4:30 Stunden) und Warschau (10:00 Stunden).
Mit dem Auto durchs Baltikum
Die Anfahrt mit dem Auto aus Deutschland führt über Polen und Litauen via Via Baltica (E67). Von Berlin nach Riga sind es 1.150 Kilometer, etwa 13 Stunden reine Fahrzeit. Die Strecke ist mittlerweile gut ausgebaut, in Litauen und Lettland aber stellenweise zweispurig. Alternative — Auto auf die Fähre Travemünde—Liepaja (Stena Line, 22 Stunden) und dann 200 Kilometer Landweg nach Riga. Für ein Wochenende lohnt der Autotrip nicht, für einen Baltikum-Roadtrip umso mehr.
Mit der Fähre
Riga selbst hat einen Fährhafen mit Linienverbindung nach Stockholm — die Tallink Silja Line bedient die Strecke täglich, Überfahrt 16 Stunden, Tickets ab 75 EUR pro Person. Wer aus Deutschland kombinieren will, fliegt nach Stockholm oder fährt mit der Fähre Travemünde—Liepaja, dann mit Bus oder Mietwagen nach Riga. Beliebte Variante für Camper und Skandinavien-Kombi-Reisen.
Vor Ort bewegen
Riga ist eine Fußgänger-Stadt — die UNESCO-Altstadt ist nur 1 Kilometer im Durchmesser, das Jugendstil-Viertel beginnt direkt nördlich davon. Der städtische Nahverkehr Rigas Satiksme betreibt Straßenbahn, Bus und O-Bus — Fahrpläne und Live-Daten unter rigassatiksme.lv. Einzelticket 1,15 EUR am Automaten, 2 EUR beim Fahrer, Tagesticket 5 EUR, 5-Tage-Ticket 10 EUR. Bolt und Yandex Go sind die führenden Taxi-Apps, E-Roller stehen flächendeckend.
Die großen Sehenswürdigkeiten
Rigas Sehenswürdigkeiten konzentrieren sich auf zwei Stadtteile — die mittelalterliche Altstadt (Vecriga) auf der rechten Dünaseite und das angrenzende Jugendstil-Viertel rund um die Straßen Alberta iela und Elizabetes iela. Beide liegen direkt nebeneinander und sind zu Fuß in 15 Minuten verbunden. Hinzu kommt der Zentralmarkt direkt südlich der Altstadt.
Die UNESCO-Altstadt (Vecriga)
Rigas Altstadt ist seit 1997 UNESCO-Weltkulturerbe und einer der besterhaltenen Hansestadt-Kerne Nordeuropas. Mauern aus dem 13. Jahrhundert, das gotische Rathaus, Kaufmannshäuser und Gildehallen prägen das Bild. Wahrzeichen sind der Rathausplatz mit dem rekonstruierten Schwarzhäupterhaus, die Petrikirche (St. Peters) mit ihrem 123 Meter hohen Turm und die Domkirche aus dem Jahr 1211 — die größte mittelalterliche Kirche im Baltikum. Wer auf den Turm der Petrikirche fährt (Aussichtsplattform auf 72 Meter, Eintritt 9 EUR), bekommt den klassischen Blick auf die Dächer der Altstadt.
Schwarzhäupterhaus
Das Schwarzhäupterhaus (Melngalvju nams) am Rathausplatz ist Rigas bekanntestes Wahrzeichen. Erbaut 1334 als Versammlungshalle der ledigen Kaufleute, der sogenannten Bruderschaft der Schwarzhäupter, wurde es im Zweiten Weltkrieg 1941 zerstört und 1999 zur 800-Jahr-Feier originalgetreu wiedererrichtet. Die mit Steinmetzarbeiten und Skulpturen geschmückte Fassade in Backstein und Sandstein gehört zu den schönsten in Nordeuropa. Heute ist hier das Stadtmuseum untergebracht, Eintritt 6 EUR.
Domkirche und Domplatz
Die Domkirche (Riga Doms) wurde ab 1211 unter Bischof Albert erbaut und ist mit 65 Metern Höhe und 6.500 m² Fläche die größte mittelalterliche Kirche im Baltikum. Berühmt ist ihre Orgel von 1884 — mit 6.768 Pfeifen damals die größte Orgel der Welt. Orgelkonzerte finden ganzjährig statt (Tickets ab 12 EUR). Der angrenzende Domplatz ist heute mit Cafés und Restaurants belebt. Eintritt Dom 4 EUR.
Jugendstil-Viertel
Riga besitzt das weltweit größte geschlossene Jugendstil-Viertel — über 800 Häuser aus den Jahren 1900 bis 1914 stehen in einem rechteckigen Quartier nördlich der Altstadt. Die Blütezeit fällt in eine Phase rasanten Wachstums, als Riga vom Hansehafen zur fünftgrößten Stadt des russischen Zarenreichs aufstieg. Hauptachsen sind die Straßen Alberta iela, Elizabetes iela und Strelnieku iela. Der bekannteste Architekt war Mikhail Eisenstein (Vater des Filmregisseurs Sergei Eisenstein), der allein 17 Häuser entwarf. Das Jugendstil-Museum in der Alberta iela 12 (Eintritt 9 EUR) zeigt eine originalgetreu eingerichtete Wohnung. Die ganze Straße ist UNESCO-Welterbe.
Zentralmarkt in den Zeppelin-Hangars
Der Rigaer Zentralmarkt südlich der Altstadt ist einer der größten und ältesten Märkte Osteuropas. Untergebracht in fünf umgebauten Hangars für deutsche Zeppeline aus dem Ersten Weltkrieg, die 1924 von der Stadt erworben und an den heutigen Standort transportiert wurden. Jeder Hangar ist 35 Meter hoch und 130 Meter lang. Aufgeteilt sind die Hallen in Fleisch, Fisch, Milchprodukte, Gemüse und Gastronomie — insgesamt über 3.000 Stände auf 72.000 m². Hier kauft halb Riga ein. Der Markt ist seit 1998 Teil des UNESCO-Welterbes der Altstadt.
Drei Brüder
Die Drei Brüder (Tris brali) in der Maza Pils iela sind das älteste Wohnhaus-Ensemble Rigas — die drei Giebelhäuser stammen aus dem 15., 17. und 18. Jahrhundert. Der mittlere Bruder von 1490 ist das älteste erhaltene Wohnhaus Lettlands. Heute beherbergen die Häuser das Lettische Architekturmuseum, Eintritt frei. Die schmalen Backsteinfassaden mit ihren typisch hanseatischen Stufengiebeln gehören zu den meistfotografierten Motiven der Altstadt.
Freiheitsdenkmal und Bastei-Berg
Das Freiheitsdenkmal (Brivibas piemineklis) am Beginn der Brivibas-Straße markiert das Tor zwischen Altstadt und Neustadt. Das 42 Meter hohe Granitmonument wurde 1935 von Karlis Zale geschaffen — die Figur Milda an der Spitze hält drei goldene Sterne, die für die drei lettischen Provinzen Kurland, Livland und Lettgallen stehen. Während der Sowjetzeit blieb das Denkmal stehen, war aber Treffpunkt für politische Demonstrationen. Heute steht hier rund um die Uhr eine Ehrenwache. Direkt daneben liegt der Bastei-Berg (Bastejkalns) mit einem Stadtkanal — der idyllischste Park der Innenstadt.
Petrikirche und Aussicht
Die Petrikirche (Sveta Petera baznica) liegt mitten in der Altstadt und besitzt mit ihrem 123 Meter hohen Turm die höchste Aussichtsplattform Rigas. Erbaut ab 1209 als Backsteingotik, mehrfach umgestaltet und im Zweiten Weltkrieg zerstört. Der heutige Turm aus Stahlbeton wurde 1973 originalgetreu wiedererrichtet. Mit dem Aufzug geht es auf 72 Meter zur Plattform — der beste 360-Grad-Blick über Riga, Düna, Altstadt und Jugendstil-Viertel. Eintritt 9 EUR, Öffnungszeiten 10 bis 19 Uhr (Sommer), 10 bis 18 Uhr (Winter).
Die 6 wichtigsten Riga-Erlebnisse im Überblick
Altstadt-Rundgang ab Rathausplatz
Vom Rathausplatz mit Schwarzhäupterhaus über die Drei Brüder zur Domkirche und zur Petrikirche. Rundgang 2 bis 3 Stunden, fast komplett kostenlos. Einzige Eintritte sind Schwarzhäupterhaus-Museum 6 EUR und Petrikirche-Turm 9 EUR.
Jugendstil-Spaziergang Alberta iela
Eine Stunde langsam durch die Alberta iela mit Halt vor jeder Hausnummer — die Fassaden von Eisenstein, Pekschens und Vansovich gehören zu den schönsten Europas. Optional Jugendstil-Museum Alberta iela 12 für 9 EUR.
Zentralmarkt mit Mittagessen
Markthallen in den fünf Zeppelin-Hangars südlich der Altstadt. Fisch, Fleisch, Milchprodukte, Gemüse, Imbisse. Mittagessen am Stand ab 5 EUR — Pelmeni, Borschtsch, Hering mit Pellkartoffeln. Geöffnet täglich 7 bis 18 Uhr.
Petrikirche-Turm für den Postkartenblick
Aufzug auf 72 Meter Höhe. Beste Zeit ist eine Stunde vor Sonnenuntergang, dann liegt die Altstadt im warmen Licht und die Domkirche wirft lange Schatten. Eintritt 9 EUR, Wartezeit selten über 10 Minuten.
Lettisches Okkupationsmuseum
Das Museum am Strelnieku-Platz zeigt die drei Besatzungen Lettlands 1940 bis 1991 — sowjetisch, deutsch, sowjetisch. Bewegende Zeitzeugen-Aussagen, deutsche Audioguides. Eintritt frei, Dauer 1,5 bis 2 Stunden. Pflicht für Geschichts-Interessierte.
Bootstour auf der Düna
Vom Stadtkanal an der Bastei mit der historischen Barke Darling oder Kanal-Boot eine Stunde durch Bastei-Park und Düna. Tickets 18 EUR, Saison Mai bis September. Beste Sicht auf das Schwarzhäupterhaus und die Skyline von der Wasserseite.
Tagesausflüge ab Riga
Riga ist ein ausgezeichneter Ausgangspunkt für Tagestouren. Die Hauptziele Jūrmala (25 km), Sigulda (50 km) und der Gauja-Nationalpark liegen alle in weniger als einer Stunde Fahrt. Lettlands grüne Landschaft mit Birkenwäldern, Burgen und der Ostseeküste lässt sich problemlos an einem Tag entdecken.
Jūrmala — der baltische Strand-Ort
Jūrmala liegt nur 25 Kilometer westlich von Riga an der Ostseeküste und ist mit 33 Kilometern Sandstrand das größte Seebad des Baltikums. Berühmt für die hölzernen Bademantel-Villen aus der Belle Epoque und das mondäne Flair, das seit Zarenzeiten erhalten ist. Hauptstation ist Majori — Bahnhof, Fußgängerzone Jomas iela und der breiteste Strand. Anfahrt mit der lettischen Bahn LDZ in 30 Minuten (Tickets ab 1,40 EUR, Fahrplan auf ldz.lv), mit dem Auto 25 Minuten über die A10. Im Sommer mit dem Boot möglich.
Sigulda und Gauja-Nationalpark
Sigulda liegt 50 Kilometer nordöstlich von Riga und ist Lettlands beliebtester Outdoor-Ort. Die Stadt liegt am Rand des Gauja-Nationalparks, des ältesten Lettlands (gegründet 1973, 91.700 Hektar). Highlights sind die mittelalterliche Burgruine Sigulda, das Schloss Turaida mit rotem Backsteinturm und Skulpturen-Park, die Gutmanis-Höhle als größte Sandsteinhöhle im Baltikum und die Seilbahn über das Gauja-Tal. Anfahrt mit dem Zug ab Centrala Stacija in 70 Minuten (Tickets ldz.lv), mit dem Auto über die A2 in 50 Minuten.
Schloss Rundale
Schloss Rundale liegt 75 Kilometer südlich von Riga und gilt als das schönste Barock-Schloss des Baltikums. Erbaut zwischen 1736 und 1768 von Bartolomeo Rastrelli, dem Architekten des Winterpalasts in Sankt Petersburg, für Herzog Ernst Johann von Biron. 138 Räume, davon 40 mit Original-Stuck, der spektakuläre französische Barockgarten mit 100.000 Rosen und Wasserspielen. Anfahrt nur mit Auto oder geführter Tour, Eintritt 13 EUR für Schloss und Park.
Cesis und das Gauja-Tal
Cesis liegt 90 Kilometer nördlich von Riga und ist eine der ältesten Städte Lettlands. Das Schloss aus dem 13. Jahrhundert wurde vom Schwertbrüder-Orden errichtet und ist heute teils Ruine, teils Museum mit mittelalterlichen Laternen-Führungen im Dunkeln. Die Altstadt mit Holzhäusern und Cafés ist gut erhalten, die Lage im Gauja-Nationalpark erlaubt Wanderungen und Kanu-Touren. Anfahrt mit der Bahn LDZ in 1:45 Stunden, mit dem Auto in 1:20 Stunden.
Kemeri-Nationalpark
Der Kemeri-Nationalpark liegt direkt hinter Jūrmala, 45 Kilometer westlich von Riga. Mit 38.000 Hektar Moor, Wald und Küstendünen bietet er den größten zugänglichen Hochmoor-Steg des Baltikums — den 3,5 Kilometer langen Holzsteg Lielais Kemeri tirelis. Boardwalk in zwei Schleifen, Aussichtsplattform mit Blick über die endlose Moorlandschaft. Anfahrt mit dem Auto, mit dem Zug bis Kemeri (40 Minuten) plus 4 km zu Fuß oder Taxi.
Vergleich der wichtigsten Tagesausflüge
Die Tabelle vergleicht die fünf beliebtesten Tagestouren ab Riga. Wer nur einen Tag hat und Lettland in der Natur erleben will, sollte Sigulda priorisieren — die Kombination aus Burg-Ruine, Turaida-Schloss und Wanderung im Gauja-Tal zeigt das Land in seiner Vielfalt. Wer Strand will, fährt nach Jūrmala, wer Barock liebt, nach Rundale.
Geschichte und Hanse-Erbe
Riga wurde 1201 von Bischof Albert von Buxhoeveden gegründet, der das heidnische Livland missionieren sollte. Drei Jahre später trat die Stadt der Hanse bei und stieg innerhalb weniger Jahrzehnte zu einer der wichtigsten Handelsstädte der Ostsee auf — Umschlagplatz für Bernstein, Pelze, Wachs und Holz aus Russland gegen Tuch, Salz und Fisch aus Westeuropa. Die mittelalterliche Blütezeit endete im 16. Jahrhundert mit der Reformation und dem Aufstieg Schwedens. Es folgten schwedische Herrschaft (1621 bis 1710), russische Herrschaft (1710 bis 1918), erste lettische Unabhängigkeit (1918 bis 1940), sowjetische und deutsche Besatzung sowie erneut sowjetische Herrschaft. Seit der Singenden Revolution und der erneuten Unabhängigkeit 1991 ist Lettland EU- und NATO-Mitglied (beides 2004).
Die Hansestadt
Riga war eine der wichtigsten Hansestädte und gehörte zu den sogenannten livländischen Städten gemeinsam mit Dorpat (Tartu) und Reval (Tallinn). Das Stadtrecht orientierte sich am Hamburger Recht, die Kaufmanns-Gilden — die Große Gilde für Fernhändler und die Kleine Gilde für Handwerker — bestimmten Jahrhunderte lang das Leben. Beide Gildehäuser stehen noch heute am Domplatz, das Schwarzhäupterhaus war Treffpunkt der ledigen Kaufleute. Deutsch war bis ins 19. Jahrhundert Verkehrssprache der Oberschicht — die sogenannten Deutsch-Balten prägten Wirtschaft und Kultur. Ihre Spuren finden sich in jedem Ziegelgiebel der Altstadt.
Lettische Unabhängigkeit und Sowjetzeit
Am 18. November 1918 wurde im heutigen Lettischen Nationaltheater die Unabhängigkeit Lettlands ausgerufen. Die Zwischenkriegszeit wurde nach dem Hitler-Stalin-Pakt 1940 von der Sowjetunion gewaltsam beendet. 1941 marschierten die Deutschen ein, 1944 wieder die Sowjets. Im Holocaust ermordeten Wehrmacht und lettische Helfer rund 70.000 Juden — vor dem Krieg lebte eine blühende jüdische Gemeinde mit rund 100.000 Mitgliedern in Riga, danach kaum noch. Das ehemalige Ghetto im Stadtteil Maskavas-Vorstadt und das Bikernieki-Mahnmal erinnern daran. Die Sowjetzeit endete am 21. August 1991, mit dem gescheiterten Putsch in Moskau und der erneuten Unabhängigkeit.
Essen, Trinken und lettische Spezialitäten
Die lettische Küche ist deutlich reicher als ihr Ruf — geprägt von skandinavischen, deutschen und russischen Einflüssen, aber zunehmend mit eigener kreativer Note. Klassiker sind Skabu kapostu zupa (Sauerkohl-Suppe mit Speck), Rupjmaize (dunkles Roggenbrot mit Kümmel), Piragi (kleine Brotteig-Taschen mit Speck und Zwiebeln), Aukstas zupas (kalte Rote-Bete-Suppe im Sommer) und Karbonade (paniertes Schweinekotelett). Modern interpretiert wird die Küche im Spitzen-Restaurant Vincents, im 3 Pavari oder im Bib-Gourmand-Restaurant Ezitis migla in der Altstadt. Das traditionelle Lettland zeigt sich am Zentralmarkt — Borschtsch, Pelmeni und Hering an den Imbissen ab 5 EUR.
Cafés und Süßes
Riga hat eine wachsende Café-Kultur. Rocket Bean Roastery in der Mierieta iela ist die Rösterei mit dem besten Espresso, MiiT Coffee in der Lacplesa iela versorgt das Jugendstil-Viertel mit Filterkaffee. Beim Süßen — die lettische Schokoladenmarke Laima existiert seit 1870 und hat ihren Flagship-Store an der Aspazija-Promenade. Im Café Sweetroot in der Miera iela gibt es lettische Konditorei in modernem Stil. Älteste Konditorei ist Pastenes Konditoreja in der Avotu iela seit 1934.
Praktische Tipps für die Riga-Reise
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Riga ist preiswert geblieben
Im Vergleich zu Stockholm oder Helsinki sind die Preise in Riga moderat. Ein gutes Mittagessen kostet 10 bis 16 EUR, ein Bier 3 bis 5 EUR, ein Cappuccino 3 bis 4 EUR. Hotels in der Altstadt starten bei 70 EUR pro Nacht, im Jugendstil-Viertel auch günstiger. Mittagsmenüs unter der Woche oft schon ab 8 EUR.
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Riga Pass lohnt sich bei vollem Programm
Der Riga Pass kostet 24 Stunden 25 EUR, 48 Stunden 30 EUR, 72 Stunden 35 EUR. Er schließt freien Eintritt zu 12 Museen, kostenlose ÖPNV-Nutzung und Ermäßigungen in Restaurants ein. Ab dem Besuch von 3 Museen plus ÖPNV rechnet sich die Karte. Erhältlich am Flughafen, im Tourist Information Center und online über liveriga.com.
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Lettland gehört zur Eurozone
Seit 2014 ist der Euro lettische Währung — kein Geldwechsel nötig. Bezahlung erfolgt fast überall kartenlos, kontaktlos oder per Bolt-App. In der Altstadt wird Bargeld oft gar nicht mehr akzeptiert, am Zentralmarkt und in kleinen Cafés aber schon. Lettische Geldautomaten heben Euro problemlos aus.
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Englisch reicht für die Verständigung
Über 70 Prozent der jüngeren Letten sprechen fließend Englisch, in der Tourismusbranche fast 100 Prozent. Russisch ist Zweitsprache für die russischstämmige Minderheit (rund 36 Prozent der Bevölkerung in Riga). Deutsch wird selten gesprochen, einige ältere Letten in der Hotellerie noch. Speisekarten und Schilder sind dreisprachig (lettisch, englisch, russisch).
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Bolt-App vorab installieren
Bolt ist in Riga allgegenwärtig — Taxis, E-Roller, Fahrräder, sogar Essenslieferung. Die App ist günstiger als Uber. Eine Taxifahrt vom Flughafen ins Zentrum kostet 10 bis 15 EUR. E-Roller stehen flächendeckend, kosten 1 EUR Freischaltung plus 0,18 EUR pro Minute. Yandex Go ist die zweite verbreitete Plattform.
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Altstadt mit Kopfsteinpflaster
Die UNESCO-Altstadt besteht überwiegend aus Kopfsteinpflaster — für Rollstuhlfahrer, Kinderwagen oder hohe Absätze eine Herausforderung. Der Rathausplatz ist weitgehend eben. Barrierefreie Eingänge haben Schwarzhäupterhaus, Domkirche und die Nationaloper. Der Petrikirchen-Aufzug bringt auch Rollstuhlfahrer auf die Aussichtsplattform.
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Beste Reisezeit ist Mai bis September
Im Juni und Juli liegen die Tagestemperaturen zwischen 18 und 22 Grad, mit hellen Nächten bis 22:20 Uhr. Mai und September sind kühler (12 bis 17 Grad), aber deutlich weniger Touristen. Im Winter sinkt das Thermometer auf minus 5 bis plus 3 Grad — dafür locken Schnee, Adventsmarkt und halbierte Hotelpreise.
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Wetter wechselt schnell
Riga liegt nah am Meer und das Wetter kann sich im Sommer innerhalb einer Stunde drehen. Eine leichte Regenjacke gehört ins Tagesgepäck, auch wenn morgens die Sonne scheint. Im Winter wegen kalter Ostsee-Brise immer warm und windfest anziehen. Wer am Düna-Ufer flaniert, merkt die Brise auch im Hochsommer.
Insider-Tipps
Wo Einheimische essen gehen
Das touristische Restaurant Rozengrals mit dem Mittelalter-Konzept lohnt sich nur fürs Erlebnis, nicht fürs Essen. Locals essen im Ezitis migla in der Altstadt (Bib Gourmand, modern interpretierte lettische Küche), im 3 Pavari in der Torna iela oder im Vincents am Elizabetes (Spitzengastronomie). Für Mittag ist der Zentralmarkt die erste Wahl — 20 Imbiss-Stände mit allem von koreanischem Bibimbap bis lettischem Borschtsch. Zum Frühstück lohnen MiiT Coffee in der Lacplesa iela oder Rocket Bean Roastery in der Mierieta iela.
Geheime Aussichtspunkte
Statt nur die Petrikirche zu besteigen, lohnt der Aufstieg auf die Akademie der Wissenschaften am Stabu iela 6 — das stalinistische Hochhaus von 1958 (Spitzname Stalins Geburtstagstorte) hat eine selten besuchte Aussichtsplattform auf 65 Metern (Eintritt 6 EUR). Von dort blickt man auf die ganze Altstadt und den Zentralmarkt aus ungewohntem Winkel. Bei Sonnenuntergang lohnt das linke Düna-Ufer am Stadtteil Kipsala — die Skyline mit Schwarzhäupterhaus, Domkirche und Petrikirche im Gegenlicht.
Saunen wie ein Lette
Die lettische Saunakultur (Pirts) ist tief verwurzelt — besonders in den Mezaparks-Datschen am Kisezers-See gibt es traditionelle Holzsaunen mit Aufguss und Birkenzweig-Massage (Slotina). Die öffentliche Sauna im Hotel Bellevue Park und die Spa-Sauna im Pullman Riga Old Town gehören zu den besten in der Stadt (Eintritt 25 bis 40 EUR). Die alteingesessene Vermanes-Sauna in der Avotu iela ist deutlich authentischer (Eintritt 10 EUR, separate Bereiche für Frauen und Männer). Lettische Sauna ist heißer als deutsche (über 90 Grad) und mit Birkenzweig-Schlag.




