Madrid ist die Hauptstadt Spaniens und mit rund 3,3 Millionen Einwohnern in der Stadt und gut 6,8 Millionen im Ballungsraum die größte Metropole der Iberischen Halbinsel. Auf einer Höhe von 667 Metern über dem Meer liegt sie auf dem zentralen Meseta-Plateau und ist damit die höchstgelegene Hauptstadt Europas. Zwischen den weltberühmten Sammlungen am Paseo del Arte (Prado, Reina Sofía und Thyssen-Bornemisza), den lebendigen Plätzen Plaza Mayor und Puerta del Sol, dem Königlichen Palast und dem grünen Retiro-Park entfaltet sich eine Stadt, in der spanische Hochkultur, jahrhundertealte Tapas-Tradition und ein ausgeprägtes Nachtleben in den Vierteln Malasaña und La Latina nebeneinander bestehen. Wer Madrid besucht, plant idealerweise vier bis fünf Tage ein, um die Hauptachsen, die Königsstadt-Anlagen und einen Tagesausflug nach Toledo oder El Escorial in einem stimmigen Rhythmus zu erleben.
Anreise und Erreichbarkeit
Madrid liegt rund 1.880 Kilometer Luftlinie von Frankfurt am Main entfernt und ist von Deutschland aus mit dem Flugzeug am bequemsten erreichbar. Der internationale Flughafen Adolfo Suárez Madrid-Barajas (Code MAD) zählt mit über 60 Millionen Passagieren jährlich zu den zehn verkehrsreichsten Flughäfen Europas und liegt nur 13 Kilometer nordöstlich der Innenstadt. Innerhalb der Stadt sind Sie über das hervorragend ausgebaute Metro-Netz mit zwölf Linien und ergänzende Cercanías-Vorortzüge praktisch ohne Auto unterwegs — Detailpläne und Tarife stehen auf metromadrid.es, dem offiziellen Portal des Betreibers Metro de Madrid.
Mit dem Flugzeug
Direktflüge nach Madrid-Barajas starten täglich aus Frankfurt, München, Berlin, Düsseldorf, Hamburg, Stuttgart, Köln/Bonn, Hannover, Nürnberg, Wien und Zürich. Die Flugzeit beträgt zwischen 2 Stunden 40 Minuten ab München und etwa 3 Stunden ab Hamburg. Vom Flughafen ins Zentrum bringen Sie die Metro-Linie 8 in rund 25 Minuten zum Knoten Nuevos Ministerios, der Expressbus Aeropuerto in etwa 40 Minuten zum Bahnhof Atocha (rund um die Uhr im Einsatz) oder die Cercanías-Linie C-1 in 30 Minuten ebenfalls nach Atocha. Ein offizielles Festpreis-Taxi vom Flughafen ins Zentrum kostet pauschal 33 Euro und braucht je nach Verkehr 25 bis 40 Minuten.
Mit der Bahn
Ab Frankfurt erreichen Sie Madrid mit zwei Umstiegen in Paris und Barcelona über TGV inOui und den spanischen Hochgeschwindigkeitszug AVE in rund 15 bis 17 Stunden Reisezeit. Tickets buchen Sie über die Deutsche Bahn auf bahn.de, durchgehend von vielen ICE-Bahnhöfen aus, oder direkt bei der spanischen Bahngesellschaft Renfe über renfe.com, wo auch die innerspanischen AVE-Verbindungen nach Sevilla, Málaga, Barcelona oder Valencia gebucht werden. Der Zielbahnhof Madrid-Puerta de Atocha-Almudena Grandes ist über die Metrolinien L1 und die Cercanías-Knotenpunkt an das innerstädtische Netz angebunden und bringt Sie in unter 15 Minuten in fast jeden Stadtteil. Der zweite Hauptbahnhof Chamartín-Clara Campoamor bedient vor allem Verbindungen nach Nordspanien, Galicien und Portugal.
Mit dem Auto
Die Strecke von Frankfurt nach Madrid über die A6 in Frankreich und die spanische A-1 oder A-2 beträgt rund 1.870 Kilometer mit zahlreichen Mautstrecken in Frankreich. Ab München via Lyon-Perpignan-Zaragoza sind es etwa 2.000 Kilometer. Ein eigenes Auto ist innerhalb Madrids eher hinderlich, da Parkplätze in der Innenstadt knapp und teuer sind und die Umweltzone Madrid 360 (früher Madrid Central) den Zugang für Fahrzeuge ohne entsprechende Umweltplakette stark beschränkt. Wenn Sie mit dem Pkw anreisen, empfiehlt sich ein Hotel mit eigener Garage oder ein Park-and-Ride an einer der Metro-Endstationen wie Pinar de Chamartín oder Plaza de Castilla.
Vor Ort bewegen
Metro de Madrid betreibt zwölf Linien mit insgesamt rund 295 Kilometern Streckenlänge, ergänzt durch ein dichtes Stadtbusnetz der EMT und die Cercanías-Vorortbahnen von Renfe. Für Touristinnen und Touristen lohnt sich die Tarjeta Turística mit unbegrenzten Fahrten für 1 bis 7 Tage (Zone A inklusive Flughafen-Zuschlag), alternativ die Multi-Tarjeta mit aufladbarer Guthabenkarte für 10 Einzelfahrten. Touristische Informationen, Veranstaltungskalender und Öffnungszeiten sammelt das offizielle Stadtportal esmadrid.com, das die Mehrtagesangebote inklusive Museumsrabatten bündelt. Innerhalb der Altstadt zwischen Puerta del Sol, Plaza Mayor und Königlichem Palast bewegen Sie sich am besten zu Fuß — die Wege sind kurz und die Gassen oft autofrei.
Die großen Sehenswürdigkeiten
Madrid verdichtet auf wenigen Quadratkilometern eine seltene Kombination aus habsburgischer Königsstadt, bourbonischen Palastanlagen, drei der bedeutendsten Kunstmuseen der Welt und einem mediterran-kontinentalen Lebensgefühl. Wer das erste Mal kommt, sollte Prado, Reina Sofía und Königlichen Palast einplanen — und sich Zeit für Plaza Mayor und einen langen Abend in La Latina nehmen.
Museo Nacional del Prado
Der Prado am östlichen Rand des historischen Zentrums ist das Herzstück des spanischen Kulturerbes und gilt zusammen mit dem Louvre und der Eremitage als eines der drei wichtigsten Kunstmuseen Europas. Eröffnet wurde das Haus 1819 als königliche Gemäldesammlung in einem klassizistischen Bau von Juan de Villanueva. Die Sammlung umfasst rund 8.600 Gemälde, von denen etwa 1.300 ständig ausgestellt sind, darunter Schlüsselwerke von Diego Velázquez (Las Meninas), Francisco de Goya (Die schwarzen Gemälde, Die nackte Maja, Die bekleidete Maja, Die Erschießung der Aufständischen), El Greco, Hieronymus Bosch (Der Garten der Lüste) und Tizian. Tickets mit Zeitfenster sind besonders in der Hochsaison empfehlenswert, von Montag bis Samstag ab 18 Uhr und sonntags ab 17 Uhr ist der Eintritt kostenlos — entsprechend lang werden dann die Schlangen.
Museo Reina Sofía
Das Museo Nacional Centro de Arte Reina Sofía am Atocha-Knoten ist das nationale Museum für moderne und zeitgenössische Kunst Spaniens und seit 1992 in einem ehemaligen Krankenhaus aus dem 18. Jahrhundert mit dem markanten Glasaufzug von Jean Nouvel untergebracht. Hauptwerk und Pilgerziel ist Pablo Picassos Guernica von 1937, gemalt als Antwort auf die Bombardierung der baskischen Stadt durch die deutsche Legion Condor. Die Sammlung umfasst zudem zentrale Werke von Joan Miró, Salvador Dalí, Juan Gris und der spanischen Avantgarde des 20. Jahrhunderts. Der Eintritt ist montags und mittwochs bis samstags ab 19 Uhr sowie sonntags zwischen 12:30 und 14:30 Uhr kostenlos, dienstags ist das Haus geschlossen.
Museo Thyssen-Bornemisza
Das Thyssen-Bornemisza zwischen Prado und Plaza de las Cortes komplettiert den Paseo del Arte und füllt die Lücken der beiden anderen Häuser ab. Die Sammlung geht auf die private Kollektion der Familie Thyssen-Bornemisza zurück und wurde 1993 vom spanischen Staat erworben. Auf drei Etagen führen rund 1.000 Werke vom 13. bis ins 20. Jahrhundert: italienische Frührenaissance, deutsche Renaissance (Dürer, Cranach), holländische Meister (Frans Hals, Rubens), Impressionisten und Post-Impressionisten (Monet, Renoir, Van Gogh, Gauguin), Expressionisten (Kirchner, Nolde) und amerikanische Moderne (Hopper, Pollock). Wer Prado und Reina Sofía als spanische Schwerpunkt-Sammlungen versteht, findet im Thyssen die internationale Ergänzung.
Plaza Mayor
Die Plaza Mayor zwischen Calle Mayor und der Cava de San Miguel ist mit 129 mal 94 Metern und neun Toren der zentrale Repräsentationsplatz Madrids. Angelegt wurde sie zwischen 1617 und 1619 unter Philipp III. nach Plänen des Architekten Juan Gómez de Mora als rechteckiger, vollständig umschlossener Platz mit 237 schmiedeeisernen Balkonen und einer Reiterstatue Philipps III. in der Mitte. Über die Jahrhunderte diente die Plaza Mayor als Stierkampfarena, Hinrichtungsplatz der Inquisition und Marktplatz. Heute ist sie touristisches Zentrum mit Café-Terrassen, dem traditionellen Weihnachtsmarkt im Dezember und am Sonntagvormittag Sammlertreff für Briefmarken und alte Münzen. Das nördliche Tor Arco de Cuchilleros führt zur Cava de San Miguel mit den ältesten Tapas-Bars der Stadt.
Puerta del Sol
Die Puerta del Sol ist das geografische Herz Spaniens, denn vor dem Uhrenturm der Real Casa de Correos liegt der Kilómetro Cero, der Nullpunkt aller spanischen Radialfernstraßen (N-I bis N-VI). Der halbkreisförmige Platz ist ein zentraler Verkehrsknoten mit drei Metro-Linien (L1, L2, L3) und der Cercanías-Station Sol. Hier steht die Bronzeskulptur El Oso y el Madroño (Der Bär und der Erdbeerbaum), das Wahrzeichen der Stadt, und am Silvesterabend versammelt sich ganz Spanien hier vor dem Fernsehen, um zu den zwölf Glockenschlägen des Uhrenturms zwölf Trauben zu essen — eine Tradition, die als Las Doce Uvas seit 1909 dokumentiert ist.
Palacio Real
Der Königliche Palast (Palacio Real de Madrid) westlich von Plaza Mayor und Plaza de Oriente ist mit rund 135.000 Quadratmetern Grundfläche und 3.418 Räumen der größte funktionierende Königspalast Europas. Erbaut wurde der bourbonische Bau zwischen 1738 und 1764 nach Plänen von Filippo Juvarra und Giovanni Battista Sacchetti, nachdem der mittelalterliche Alcázar 1734 abgebrannt war. Die heutige spanische Königsfamilie residiert im Palacio de la Zarzuela nördlich der Stadt, der Palacio Real wird ausschließlich für Staatsempfänge und offizielle Zeremonien genutzt und ist daher fast täglich für Besichtigungen offen. Sehenswert sind der Thronsaal mit Deckenfresken von Giambattista Tiepolo, das Königliche Treppenhaus, die Königliche Apotheke, die Königliche Rüstkammer und die Stradivari-Sammlung mit fünf erhaltenen Instrumenten — der weltweit größten dokumentierten Sammlung dieser Art.
Parque del Retiro
Der Parque del Buen Retiro östlich des Prado ist mit 125 Hektar die grüne Lunge Madrids und seit 2021 zusammen mit dem Paseo del Prado UNESCO-Welterbe als Paisaje de la Luz (Landschaft des Lichts). Ursprünglich angelegt im 17. Jahrhundert als königlicher Erholungsbereich (Real Sitio del Buen Retiro), wurde der Park 1868 für die Öffentlichkeit geöffnet. Hauptmerkmal ist der künstliche See Estanque Grande mit dem monumentalen Denkmal Alfons XII., daneben der Palacio de Cristal aus dem Jahr 1887, eine gläserne Pavillon-Halle mit wechselnden Kunstausstellungen der Reina Sofía. Sonntags wird der Retiro zum Treffpunkt von Tarot-Kartenlegerinnen, Marionettenspielern und Trommlergruppen — ein faszinierender Querschnitt durch das Madrider Stadtleben.
Gran Vía
Die Gran Vía ist die wichtigste Geschäfts- und Theaterstraße Madrids und zieht sich auf 1,3 Kilometern von der Calle de Alcalá im Osten bis zur Plaza de España im Westen. Angelegt wurde sie zwischen 1910 und 1929 in drei Bauabschnitten und gilt als spanisches Äquivalent zum Broadway oder zur Pariser Avenue de l Opéra. Architektonisch prägen Madrids erste Hochhäuser im New Yorker Stil das Bild, allen voran der Edificio Metropolis von 1911 mit der vergoldeten Siegesgöttin und das Edificio Telefónica von 1929, das mit 89 Metern bis Mitte der 1950er Jahre höchstes Gebäude Europas war. Heute reihen sich Musical-Theater (König der Löwen, Tina, We Will Rock You), Flagship-Stores und das Filmpalast-Erbe (Cine Callao am Plaza del Callao) aneinander.
Die Madrider Stadtviertel im Überblick
Sol und Centro
Das geografische Herz Madrids mit Puerta del Sol, Plaza Mayor und Calle Mayor. Ideal für die erste Übernachtung, fußläufig zu allen großen Sehenswürdigkeiten und sehr gut an Metro und Cercanías angebunden.
La Latina
Das älteste Viertel mit engen, hügeligen Gassen rund um die Plaza de la Paja und die Cava Baja. Sonntags ist der Rastro-Flohmarkt Pflicht, abends die Tapas-Achse zwischen Cava Baja und Calle Almendro.
Malasaña
Junges, alternatives Szeneviertel nördlich der Gran Vía mit den Wurzeln der Movida Madrileña der 1980er-Jahre. Plattenläden, Vintage-Mode, Konzertkneipen und Brunch-Lokale rund um die Plaza del Dos de Mayo.
Chueca
Madrids LGBTIQ-Viertel zwischen Gran Vía und Fuencarral mit dem Mercado de San Antón. Designboutiquen, kleine Galerien, Cocktailbars und das größte Pride-Festival Kontinentaleuropas Anfang Juli.
Lavapiés
Das multikulturellste Viertel der Stadt mit indischen, marokkanischen und senegalesischen Lokalen, kleinen Theatern (Teatro Valle-Inclán) und der Tabacalera, einem ehemaligen Tabakfabrik-Areal als alternatives Kulturzentrum.
Salamanca
Großbürgerliches Viertel zwischen Retiro und Castellana mit der goldenen Meile aus Luxusboutiquen rund um Calle Serrano, dem Museo Lázaro Galdiano und ruhigen Wohnstraßen im Schachbrett-Raster aus dem 19. Jahrhundert.
Die drei großen Museen im Vergleich
Alle drei Häuser sind im kombinierten Paseo del Arte-Ticket günstiger als drei Einzeltickets. Planen Sie pro Tag höchstens ein großes Museum ein, sonst leidet die Aufmerksamkeit.
Tapas, Cocido und madrilenische Küche
Madrids Esskultur lebt vom Spannungsbogen zwischen klassischen Tapas-Bars (Tabernas), modernen Mercados-Gastronómicos wie San Miguel und Sterneküche von Köchen wie David Muñoz (DiverXO). Anders als in Andalusien ist Tapas in Madrid seltener kostenlos zum Getränk, dafür gibt es eine starke regionale Tradition mit cocido madrileño (Eintopf aus Kichererbsen, Fleisch und Gemüse, klassisch in drei Gängen serviert), bocadillo de calamares (Calamares-Sandwich, Spezialität rund um Plaza Mayor), callos a la madrileña (Kutteln in Tomatensauce), oreja (gebratene Schweineohren) und huevos rotos (zerschlagene Spiegeleier auf Bratkartoffeln, oft mit Jamón ibérico). Vermouth-Stunde (vermut) ist sonntags zwischen 12 und 14 Uhr vor dem Mittagessen ein fester Termin, besonders in La Latina rund um die Cava Baja.
Wo Sie ehrliche Tapas finden
Im Mercado de San Miguel direkt neben der Plaza Mayor finden Sie hochwertige, aber touristenorientierte Häppchen — schön zum Schauen, teuer zum Sattwerden. Echte Klassiker bieten Casa Labra (1860 gegründet, berühmt für bacalao-Häppchen) an der Calle Tetuán, Casa Botín an der Calle Cuchilleros (laut Guinness-Buch das älteste durchgehend geöffnete Restaurant der Welt seit 1725), Bodega de la Ardosa in Malasaña für Vermut und Tortilla, sowie die gesamte Cava Baja in La Latina mit Lokalen wie Lamiak, Casa Lucio und Txirimiri. Wer ein bisschen Geduld mitbringt, findet zur Mittagszeit erstaunlich günstige Menüs, sogenannte menús del día, ab 12 bis 18 Euro inklusive zwei Gängen, Getränk, Brot und Nachtisch.
Mercados und Markthallen
Der bereits erwähnte Mercado de San Miguel ist der bekannteste, aber bei weitem nicht der einzige Markt. Mercado de San Antón in Chueca verbindet Frischmarkt im Erdgeschoss mit Tapas-Etage und Dachterrassen-Bar. Mercado de San Fernando in Lavapiés ist authentischer, multikultureller und günstiger. Mercado de la Cebada in La Latina hat die größte Auswahl an spanischen Wurst- und Käsespezialitäten und ist ein Schaufenster madrilenischer Alltagskultur.
Insider-Tipps
Zeiten und Rhythmus der Stadt
Madrid tickt noch später als Barcelona oder Sevilla: Mittagessen zwischen 14 und 16 Uhr, Abendessen ab 21:30 Uhr aufwärts, in Bars und Tapas-Lokalen oft erst ab 22 Uhr. Wer um 19:30 Uhr zu Abend isst, sitzt in nahezu leeren Restaurants — was wiederum praktisch ist für Familien mit Kindern oder ein frühes Konzert. Viele kleinere Geschäfte machen zwischen 14 und 17 Uhr Siesta, große Ketten, Touristenläden auf der Gran Vía und Kaufhäuser (El Corte Inglés) bleiben durchgehend offen. Die Nacht beginnt in den Bars erst nach Mitternacht, Clubs füllen sich frühestens ab 2 Uhr.
Höhenlage und Klima
Mit 667 Metern ist Madrid die höchstgelegene Hauptstadt Europas, das prägt das Klima deutlich. Sommer sind sehr trocken und heiß (35 bis 40 Grad keine Seltenheit im Juli und August), Winter kühl mit gelegentlichem Schneefall und Nachttemperaturen unter null Grad. Die Luft ist trockener als in Küstenstädten, was Hitze und Kälte besser erträglich macht. Die häufige Trockenheit bedeutet auch ungewöhnlich klaren Himmel und intensive Sonneneinstrahlung — Sonnencreme und Sonnenbrille gehören das ganze Jahr in den Tagesrucksack.
Praktische Tipps für Madrid
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Abono Turístico oder Multi-Tarjeta
Das Abono Turístico gilt für unbegrenzte Fahrten in Metro, EMT-Bussen, Cercanías und Flughafen-Metro für 1 bis 7 Tage in Zone A und rechnet sich ab dem zweiten vollen Tag in der Stadt. Buchen Sie online über das offizielle Portal des Consorcio Regional de Transportes oder kaufen Sie die Karte an jedem Metro-Automaten — Detailpläne stehen auf metromadrid.es.
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Gratis-Eintritte in den Museen
Prado (Mo-Sa 18-20 Uhr, So 17-19 Uhr), Reina Sofía (Mo und Mi-Sa ab 19 Uhr, So 12:30-14:30 Uhr) und Thyssen (montags 12-16 Uhr) bieten kostenlose Eintrittsfenster. Planen Sie Wartezeiten von 30 bis 60 Minuten ein und kommen Sie mindestens 20 Minuten vor Beginn des Gratis-Fensters.
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Frühaufsteher-Vorteil
Vor 10 Uhr morgens sind Plaza Mayor, Plaza de Oriente und Plaza de la Villa fast leer — die schönste Zeit für Fotos und Spaziergänge. Auch der Königliche Palast ist kurz nach Öffnung am ruhigsten, der Andrang setzt erst gegen Mittag ein.
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Taschendiebstahl-Realität
Madrid hat ein moderates, aber spürbares Taschendieb-Aufkommen, besonders auf der Metro L1 zwischen Sol und Atocha, in der Gran Vía, am Mercado de San Miguel und an der Puerta del Sol. Tragen Sie Geldbörse und Handy am Körper, niemals in der Gesäßtasche, und nutzen Sie für Rucksäcke einen Reißverschluss vorne.
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Menú del día
Werktags zwischen 13 und 16 Uhr bieten die meisten Restaurants ein zweigängiges Mittagsmenü inklusive Getränk und Brot zwischen 12 und 18 Euro. So essen Sie zentral in guter Qualität deutlich günstiger als am Abend à la carte, dazu kostenlos den traditionellen pan und oft ein kleines Postre.
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Barrierefreiheit
Etwa zwei Drittel der Metro-Stationen sind mittlerweile mit Aufzügen ausgestattet, alle EMT-Busse sind Niederflur und barrierefrei. Der Prado und das Reina Sofía haben Rampen, Aufzüge und Rollstuhl-Leihgaben an den Eingängen. Im Retiro-Park sind die Hauptwege asphaltiert und gut befahrbar.
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Sommerhitze einplanen
Im Juli und August klettert das Thermometer regelmäßig auf 35 bis 40 Grad bei sehr trockener Luft. Planen Sie Außenbesuche für die frühen Vormittags- und späten Abendstunden, mittags Museen mit Klimaanlage wie Prado, Reina Sofía oder CaixaForum Madrid. Trinken Sie deutlich mehr Wasser als zuhause — die trockene Höhenluft entzieht dem Körper Flüssigkeit unbemerkt.
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Regen-Plan B
Bei Schauern bieten sich die drei großen Museen am Paseo del Arte an, die Markthallen Mercado de San Miguel und Mercado de San Antón, das CaixaForum Madrid mit seinem vertikalen Garten an der Fassade oder das Museo Arqueológico Nacional an der Calle Serrano. Auch der gläserne Palacio de Cristal im Retiro ist eine Option für einen Kurzbesuch zwischen den Regenwolken.
Geschichte und Charakter
Madrid blickt auf rund 1.150 Jahre Stadtgeschichte zurück. Gegründet wurde die Siedlung gegen 860 als arabische Festung Mayrit (Wasserquelle) auf einer Anhöhe über dem Manzanares-Tal als nördlichste Verteidigungslinie des Emirats von Córdoba. Reste der arabischen Stadtmauer aus dem 9. Jahrhundert sind in der Cuesta de la Vega neben dem Palacio Real bis heute sichtbar. König Alfons VI. von Kastilien eroberte Madrid 1085, lange Zeit blieb es ein bedeutungsloser Marktflecken im Schatten von Toledo. Erst 1561 erhob König Philipp II. Madrid zur permanenten Hauptstadt des spanischen Weltreichs — wegen der zentralen Lage auf der Iberischen Halbinsel und der besseren Wasserversorgung im Vergleich zu Toledo.
Mit dem Bourbonen Karl III. (regierte 1759-1788) erlebte Madrid eine erste städtebauliche Modernisierung: der Königliche Palast wurde fertiggestellt, der Paseo del Prado angelegt, der Botanische Garten gegründet und die Puerta de Alcalá errichtet. Die napoleonische Besatzung 1808 löste den spanischen Unabhängigkeitskrieg aus — die Hinrichtung der Aufständischen am 3. Mai 1808 dokumentierte Francisco de Goya in seinem berühmten Gemälde im Prado. Das 19. Jahrhundert brachte die Eisenbahn (Atocha als Kopfbahnhof 1851), die Erweiterung Ensanche unter Carlos María de Castro (1860) mit dem Salamanca-Viertel und die Gran Vía als symbolischen Aufbruch in die Moderne. Nach dem Spanischen Bürgerkrieg (1936-1939, Madrid hielt drei Jahre lang die Belagerung der franquistischen Truppen aus) und der Franco-Diktatur eröffnete die Movida Madrileña der frühen 1980er-Jahre eine kulturelle Explosion mit Filmemachern (Pedro Almodóvar), Musikern (Alaska, Nacha Pop) und Künstlern, die Madrid endgültig zur europäischen Hauptstadt machte.
Tagesausflüge ins Umland
Madrid liegt zentral in Kastilien und eignet sich hervorragend als Basislager. Die AVE-Hochgeschwindigkeitszüge der Renfe (Buchung über renfe.com) erschließen halb Spanien in wenigen Stunden, ergänzt durch die Cercanías-Vorortbahnen für nähere Ziele. Toledo ist mit dem AVE in 30 Minuten erreicht und vereint mittelalterliches Altstadt-Erbe, El Greco-Werke und drei Religionen (Kathedrale, Hauptsynagoge, Moschee Cristo de la Luz). El Escorial nordwestlich von Madrid ist mit der Cercanías-Linie C-8 in einer Stunde erreichbar und beherbergt das Monasterio de San Lorenzo, die monumentale Klosteranlage Philipps II. aus dem 16. Jahrhundert. Segovia mit dem römischen Aquädukt und dem Alcázar-Schloss erreicht der AVE in 27 Minuten. Aranjuez südlich der Stadt lockt mit dem Königlichen Sommerpalast und ausgedehnten Gärten — die Cercanías-Linie C-3 braucht 45 Minuten.
Toledo — Stadt der drei Kulturen
Toledo, 70 Kilometer südlich von Madrid auf einem von drei Seiten vom Tajo umflossenen Felsen gelegen, war von 1085 bis 1561 Hauptstadt des Königreichs Kastilien und gilt als Inbegriff der spanischen Kultur. Die gesamte Altstadt ist seit 1986 UNESCO-Welterbe und vereint die monumentale Kathedrale Santa María (Bau 1226-1493, Hochaltar im flamboyanten Stil), den Alcázar als heutiges Heeresmuseum, die Iglesia de Santo Tomé mit El Grecos Hauptwerk Das Begräbnis des Grafen von Orgaz, die ehemalige Hauptsynagoge Santa María la Blanca im Mudéjar-Stil und die kleine Moschee Cristo de la Luz aus dem Jahr 999. Für den Tagesausflug reicht ein AVE-Frühzug ab Atocha (Abfahrt circa 7:20 Uhr) und ein Rückzug am späten Nachmittag — Toledo lässt sich gut zu Fuß erkunden.
El Escorial — Klosterstadt Philipps II.
Das Real Sitio de San Lorenzo de El Escorial 45 Kilometer nordwestlich von Madrid wurde zwischen 1563 und 1584 unter Philipp II. nach Plänen von Juan Bautista de Toledo und Juan de Herrera als königliches Kloster, Palast, Pantheon und Bibliothek in einem errichtet. Die Anlage gilt als Hauptwerk des Herrera-Stils, einer streng-asketischen Variante der spanischen Renaissance, und ist seit 1984 UNESCO-Welterbe. Sehenswert sind das Pantheon der Könige (Begräbnisstätte fast aller spanischen Monarchen seit Karl V.), die Bibliothek mit über 40.000 historischen Bänden und ein gewölbtem Fresken-Saal, die Basilika mit dem monumentalen Hochaltar von Pellegrino Tibaldi sowie die königlichen Appartements mit Tizian-Gemälden.
Mit Kindern in Madrid
Madrid ist erstaunlich familienfreundlich. Der Retiro-Park bietet Ruderboote auf dem Estanque Grande, Marionettentheater (Teatro de Títeres) bei freiem Eintritt sonntags und einen klassischen Spielplatz nahe der Puerta de Alcalá. Das Museo Nacional de Ciencias Naturales an der Castellana mit Dinosaurier-Skeletten und einem nachgebauten Diplodocus ist für Kinder ab fünf Jahren faszinierend. Der Parque de Atracciones in der Casa de Campo (mit der Seilbahn Teleférico de Madrid vom Westpark erreichbar) bietet klassische Fahrgeschäfte und Achterbahnen. Der Zoo Aquarium Madrid in der Casa de Campo zählt zu den größten Europas mit Pandas, Koalas und einem Aquarium-Trakt. Wer mit kleineren Kindern unterwegs ist, plant pro Tag nur eine große Aktivität und Pausen in den schattigen Innenhöfen von Cafés ein — die Madrider Hitze wird sonst schnell zur Belastung.
Madrid in vier Jahreszeiten
Der Frühling (April bis Juni) gilt als beste Reisezeit mit Temperaturen zwischen 18 und 28 Grad, blühenden Jacaranda-Bäumen an der Calle Argumosa in Lavapiés und einem klaren Himmel, der die Höhenlage perfekt zur Geltung bringt. Der Sommer (Juli und August) ist heiß und trocken mit Spitzenwerten über 40 Grad — viele Madrilenen verlassen die Stadt, dafür wird Madrid in dieser Zeit ungewöhnlich entspannt und das Festival Veranos de la Villa bringt Konzerte und Open-Air-Kino in die Innenhöfe. Der Herbst (September bis November) ist sonnig und mild zwischen 15 und 25 Grad, mit den Festivals Otoño en Primavera und dem Festival de Otoño im Theater. Der Winter (Dezember bis März) ist kühl mit gelegentlichem Schneefall, dafür leuchtet die Weihnachtsbeleuchtung der Gran Vía und Plaza Mayor, und der Stadtmarkt der Plaza Mayor zieht ganz Spanien an. Silvester an der Puerta del Sol mit dem traditionellen Trauben-Anbeißen zu den zwölf Glockenschlägen gehört zu den unverwechselbaren Madrider Erlebnissen.




