Lettland gilt als das stillste der drei baltischen Länder — kleiner als Litauen, weniger touristisch erschlossen als Estland und mit nur 1,87 Millionen Einwohnern auf 64.589 Quadratkilometern eines der dünnst besiedelten Länder der EU. Doch zwischen dem Jugendstil-Welterbe der Hauptstadt Riga, den Sandstein-Schluchten des Gauja-Nationalparks bei Sigulda, dem Vogel-Wattenmeer am Cape Kolka und der katholischen Pilgerregion Latgale entfaltet sich ein Reiseziel, das mit dichten Wäldern auf 52 Prozent der Landesfläche, 12.000 Flüssen, vier Nationalparks und 500 Kilometern Ostsee-Küste deutlich mehr Natur bietet als die mediterranen Klassiker. Die lettische Sprache gehört zur indogermanischen Sprachfamilie und ist mit dem Litauischen der älteste lebende Sprachzweig, das alle fünf Jahre stattfindende Sängerfest versammelt 30.000 Stimmen auf einer Bühne in Mežaparks, und die schwarze Balsam-Schnapsspezialität Rīgas Melnais Balzams wird seit 1752 nach geheimer Rezeptur mit 24 Pflanzen, Wurzeln und Beeren gebrannt. Wer 8 bis 12 Tage einplant, kombiniert Riga mit Jūrmala, dem Gauja-Tal, Cape Kolka, der Liv-Küste, einer Latgale-Schleife und einem Kurland-Abstecher mit Liepāja und Ventspils.
Anreise und Erreichbarkeit
Lettland liegt zwischen Estland im Norden, Litauen im Süden, Russland im Osten und der Ostsee im Westen — die Hauptstadt Riga ist mit dem Flughafen RIX der zentrale Hub des Baltikums. Seit Lettland 2007 Schengen beigetreten ist und seit 2014 den Euro nutzt, entfallen Grenzkontrollen und Geldumtausch innerhalb der EU.
Mit dem Flugzeug
Der Flughafen Riga (RIX) liegt 13 Kilometer südwestlich des Zentrums und wird direkt aus Frankfurt, München, Düsseldorf, Berlin, Hamburg, Wien und Zürich angeflogen — airBaltic als nationale Airline, Lufthansa, Eurowings, Swiss und Ryanair, Flugdauer 2:00 bis 2:30 Stunden, Tickets ab 110 Euro Hin- und Rückflug. Der Stadtbus 22 fährt für 2 Euro alle 20 Minuten ins Zentrum (30 Minuten), das Taxi kostet 15 bis 20 Euro. Für Latgale-Reisen lohnt im Sommer der Inlandsflug nach Daugavpils mit airBaltic.
Mit der Bahn
Eine direkte Bahnverbindung aus Deutschland existiert nicht — der schnellste Bahnweg führt über Berlin, Warschau und Vilnius nach Riga in rund 28 Stunden, daher unüblich. Innerhalb Lettlands verbindet die staatliche PV mit Riga die Städte Jelgava (40 Minuten, 2 Euro), Sigulda (1:00 Stunde, 3 Euro), Cēsis (1:45 Stunden, 4,50 Euro), Valmiera (2:15 Stunden, 6 Euro) und Daugavpils (3:30 Stunden, 12 Euro). Die Rail Baltica als neue Schnellbahn-Verbindung Berlin — Warschau — Kaunas — Riga — Tallinn soll erst ab 2030 fertig sein.
Mit dem Auto
Aus Berlin führt die Strecke über die A11, polnische A6, S3 und über die Via Baltica nach Riga in rund 13 Stunden über 1.100 Kilometer, aus München 18 Stunden. Innerhalb Lettlands dominieren die Magistralen A1 (Riga — Ainaži — Estland), A2 (Riga — Sigulda — Estland), A9 (Riga — Liepāja) und A6 (Riga — Daugavpils). Maut existiert nur als Vinjette für die Magistralen, 7 Euro pro Tag, 14 Euro pro Woche. Mietwagen ab 30 Euro pro Tag bei lokalen Anbietern wie Sixt und Europcar Riga.
Mit der Fähre
Stena Line und Tallink Silja verbinden Stockholm täglich mit Riga (17 Stunden, ab 75 Euro mit Kabine) und mit Liepāja in Kurland (29 Stunden, ab 90 Euro). Aus Lübeck-Travemünde fährt Stena Line nach Liepāja in 19 Stunden, ab 90 Euro pro Person mit Auto.
Vor Ort bewegen
Der Mietwagen ist für Gauja-Tal, Cape Kolka, Latgale und die Kurland-Küste das effizienteste Mittel — Buslinien gibt es zwischen größeren Städten über Lux Express und Ecolines, kleinere Dörfer und die Liv-Küste sind ohne Fahrzeug schwer erreichbar. Benzin und Diesel 1,55 bis 1,70 Euro pro Liter. Riga hat ein Straßenbahnnetz mit zehn Linien plus O-Busse und Stadtbusse, Tagesticket 5 Euro über die Rīgas Satiksme-App. Organisierte Tagestouren nach Sigulda und Cēsis ab Riga ab 55 Euro inklusive Burg-Eintritt.
Riga — Jugendstil-Hauptstadt und UNESCO-Welterbe
Riga ist mit 605.000 Einwohnern die größte Stadt des Baltikums und seit 1997 mit der gesamten Altstadt UNESCO-Welterbe. Gegründet 1201 durch Bischof Albert von Buxhoeveden, erlebte die Hansestadt ihre größte Blüte im 19. und frühen 20. Jahrhundert, als Riga drittgrößte Hafenstadt des Zarenreichs war.
Jugendstil-Architektur
Riga besitzt mit über 800 Jugendstil-Bauten weltweit die dichteste Konzentration dieses Baustils — fast 40 Prozent der Innenstadt-Häuser sind im Jugendstil errichtet. Die Albertstraße (Alberta iela) gilt als prachtvollste Adresse mit Werken des Architekten Mihail Eisenstein (Vater des Filmregisseurs Sergei Eisenstein). Das Jugendstil-Museum in Alberta iela 12 zeigt eine komplett im Originalzustand erhaltene Wohnung von 1903, Eintritt 9 Euro.
Altstadt und Wahrzeichen
Die mittelalterliche Altstadt zwischen Rīdzene-Bach und Düna umfasst den Dom zu Riga (Doms) von 1211, das Schwarzhäupterhaus am Rathausplatz als rekonstruiertes Hansegildehaus mit reicher Fassade, die Petrikirche mit 123-Meter-Turm und Aussichtsterrasse für 9 Euro Eintritt, das Schwedische Tor als einzig erhaltenes Stadttor und die Drei Brüder als älteste Wohnhäuser der Stadt aus dem 15. bis 17. Jahrhundert.
Zentralmarkt
Der Zentralmarkt (Rīgas Centrāltirgus) in fünf umgebauten Zeppelin-Hangars von 1924 bis 1930 gehört mit 72.000 Quadratmetern zu Europas größten Märkten und ist seit 1998 UNESCO-Welterbe. Geöffnet täglich 7 bis 18 Uhr, mit Fisch-, Fleisch-, Gemüse-, Milch- und Gastro-Halle. Spezialitäten sind geräucherter Aal, schwarzer Roggenbrot-Aufstrich Sklandrausis und Bauernkäse Jāņu siers.
Die acht großen Reiseziele Lettlands im Überblick
Riga und Umgebung
Hauptstadt mit 800 Jugendstil-Bauten, UNESCO-Altstadt, Zentralmarkt und Schwarzhäupterhaus. Drei bis vier Tage zum Eintauchen, Kombination mit Tagesausflug nach Jūrmala oder Sigulda möglich.
Jūrmala-Seebad
33 Kilometer langer feiner Sandstrand an der Rigaer Bucht mit 24 Holzvillen-Vierteln aus dem 19. Jahrhundert. Hauptort Majori mit Fußgängerzone Jomas iela. Tagesausflug ab Riga mit der S-Bahn in 30 Minuten.
Sigulda und Gauja-Tal
Schweiz Lettlands mit drei mittelalterlichen Burgen (Sigulda, Turaida, Krimulda), 90 Meter tiefen Sandstein-Schluchten und der Bobbahn von 1986 als einziger der Sowjet-Bobbahnen außerhalb Russlands.
Cape Kolka und Liv-Küste
Nördlichster Punkt Kurlands, wo Rigaer Bucht und offene Ostsee in einer Strandzunge zusammenstoßen. Heimat des Liv-Volkes mit nur noch zehn Sprechern. Dünenwald von Mazirbe und Slītere-Nationalpark.
Ķemeri-Nationalpark
3,5 Kilometer Holzbohlensteg durch das Große Ķemeri-Hochmoor mit 5.500 Hektar Mooren, Schwefelquellen und einem ehemaligen Kurort von 1838. Geöffnet ganzjährig, kostenfrei zugänglich, Sonnenaufgang besonders eindrucksvoll.
Latgale-Region
Land der blauen Seen im Osten mit Daugavpils als zweitgrößter Stadt, der katholischen Wallfahrtsbasilika Aglona seit 1699 (Augustfest mit 200.000 Pilgern) und mehr als 70 Seen pro 1.000 Quadratkilometer.
Kurland-Halbinsel
Westliche Halbinsel mit der Bernsteinküste, dem Hafen von Liepāja als Musikstadt, der Eisstadt Ventspils mit 60 Kuh-Skulpturen und dem Rundāles-Schloss als barockem Pendant zu Schloss Sanssouci.
Cēsis
Mittelalterliche Stadt im Gauja-Tal mit der Deutschordensburg von 1209, einer kompletten Hansestadt-Altstadt und dem Cēsis-Bierfestival im Juli. Geheimtipp für Tagesausflug ab Riga in 1:45 Stunden mit der Bahn.
Die vier Nationalparks Lettlands im Vergleich
Wer Wandern, Burgen und Aktivitäten kombinieren möchte, beginnt mit Gauja. Für Hochmoor-Naturfotografie empfiehlt sich Ķemeri zum Sonnenaufgang, für Küstenwildnis Slītere, für stille Seen-Romantik die abgelegene Rāzna in Latgale.
Jūrmala — Das Seebad an der Rigaer Bucht
Jūrmala (wörtlich Strand) zieht sich auf 32 Kilometern Länge zwischen der Lielupe-Mündung und Ķemeri an der Rigaer Bucht entlang. Mit 49.000 Einwohnern auf 100 Quadratkilometern ist es die fünftgrößte Stadt Lettlands und seit dem 19. Jahrhundert als Kurort etabliert. Der Sandstrand erstreckt sich über die ganze Länge und gilt als einer der breitesten und feinsten der Ostsee. Der Hauptort Majori mit der Fußgängerzone Jomas iela ist von Riga aus mit der S-Bahn in 30 Minuten für 2 Euro erreichbar — kein Auto nötig.
Charakteristisch sind die 4.000 erhaltenen Holzvillen aus dem 19. Jahrhundert in den 24 Stadtvierteln Bulduri, Dzintari, Majori, Dubulti, Pumpuri und Vaivari. Das Dzintari-Konzerthaus von 1936 mit 1.200 Plätzen ist Spielort des Jūrmala-Musikfestivals im Juli. Das Schwefel-Mineralbad Jaunķemeri nutzt seit 1838 Quellen mit einem der höchsten Schwefelgehalte Europas.
Cape Kolka — Wo zwei Meere sich treffen
Cape Kolka (Kolkasrags) an der Nordspitze Kurlands ist der einzige Ort weltweit, an dem die Rigaer Bucht und die offene Ostsee als zwei sichtbar verschiedene Meeresarme aufeinandertreffen. Zwei bis vier Meter hohe Wellen stoßen aus unterschiedlichen Richtungen zusammen und erzeugen eine permanente Brandungsbarriere. Das Wattenmeer an der Westseite trocknet bei Niedrigwasser auf bis zu 500 Meter Breite und bildet einen der wichtigsten Vogelrastplätze Europas — bis zu 200.000 Zugvögel pro Tag im April/Mai und September/Oktober, darunter Singschwäne, Kraniche, Gänse und Eiderenten. Beste Beobachtungszeit zwischen 6 und 10 Uhr morgens, der Leuchtturm von 1875 markiert die Spitze.
Sigulda und der Gauja-Nationalpark
Sigulda mit 16.000 Einwohnern, 53 Kilometer nordöstlich von Riga, wird die Schweiz Lettlands genannt — wegen der 90 Meter tief eingeschnittenen Sandstein-Schluchten der Gauja durch das 917 Quadratkilometer große Nationalpark-Gebiet. Drei mittelalterliche Burgen prägen die Landschaft. Die Deutschordensburg Sigulda von 1207 als Ruine, die rekonstruierte Turaida-Burg von 1214 mit Museumsareal, Skulpturenpark und Aussichtsturm für 9 Euro Eintritt sowie die Krimulda-Burg von 1255 auf dem gegenüberliegenden Gauja-Ufer.
Die Gūtmanis-Höhle als größte Sandstein-Höhle des Baltikums (18 Meter tief, 19 Meter breit) trägt mittelalterliche Inschriften aus dem 17. Jahrhundert. Eine 1.100 Meter lange Seilbahn (Vagonīņš) von 1969 überquert das Gauja-Tal in 43 Metern Höhe und verbindet Sigulda mit Krimulda für 14 Euro. Die Sigulda-Bobbahn von 1986 ist eine der letzten betriebsbereiten Sowjet-Bobbahnen und bietet im Sommer Rennrodel-Schnupperfahrten ab 25 Euro.
Ķemeri-Nationalpark und das Große Hochmoor
Der Ķemeri-Nationalpark westlich von Jūrmala umfasst 381 Quadratkilometer Moore, Wälder, Schwefelquellen und Küstenwiesen. Das Große Ķemeri-Hochmoor (Lielais Ķemeru Tīrelis) ist mit 5.500 Hektar eines der größten Hochmoore Lettlands und seit 8.000 Jahren unverändert. Ein 3,5 Kilometer langer Bohlensteg-Rundweg führt durch die offene Moorlandschaft mit Moorseen, Wollgras-Wiesen und Krüppelkiefern. Eintritt frei, geöffnet ganzjährig, Aussichtsturm in der Mitte für 360-Grad-Panorama. Beste Zeit ist der Sonnenaufgang zwischen 5 und 7 Uhr morgens, wenn der Bodennebel über den Moorseen liegt — Naturfotografen reisen aus ganz Europa an.
Slītere-Nationalpark und die Liv-Küste
Der Slītere-Nationalpark im äußersten Nordwesten Kurlands umfasst 165 Quadratkilometer fossiler Küstendünen, dichter Mischwälder und der einzigartigen Liv-Kultur. Das Liv-Volk (Līvõd) gehört zu den finno-ugrischen Völkern — nur noch rund zehn Menschen sprechen Liv als Muttersprache, weitere 100 verstehen es teilweise. Die zwölf Liv-Dörfer entlang der Küste (Mazirbe, Košrags, Pitrags, Saunags, Vaide, Kolka und weitere) sind als historische Siedlungsregion geschützt. Mazirbe ist mit dem Liv-Volkshaus von 1939 (Lībiešu tautas nams) der kulturelle Mittelpunkt und Ort des Liv-Festes am ersten Augustwochenende. Der Schiffsfriedhof von Mazirbe zeigt rund 60 verrostende Liv-Fischerboote im weißen Sand und ist eines der bekanntesten Fotomotive Lettlands.
Latgale — Das Seenland im Osten
Latgale ist mit 14.547 Quadratkilometern die fünftgrößte Region Lettlands und gleichzeitig die kulturell eigenständigste — Latgalisch wird neben Lettisch als zweite Schriftsprache verwendet, 60 Prozent der Einwohner sind katholisch. Das Land der blauen Seen besitzt über 4.000 Seen, von denen Rāzna mit 57,7 Quadratkilometern der größte ist. Daugavpils mit 78.000 Einwohnern ist Lettlands zweitgrößte Stadt und liegt 230 Kilometer südöstlich von Riga. Die Festungsstadt aus dem 19. Jahrhundert beherbergt seit 2013 das Mark-Rothko-Kunstzentrum als einziger ständiger Ausstellungsort des in Daugavpils geborenen abstrakten Expressionisten (Eintritt 9 Euro). Die Wallfahrtsbasilika Aglona aus 1699 ist die heiligste Stätte der lettischen Katholiken — am 15. August pilgern bis zu 200.000 Gläubige in das 1.000-Einwohner-Dorf.
Kurland und der Westen — Liepāja, Ventspils, Cēsis
Die Kurland-Halbinsel im Westen umfasst mit 13.595 Quadratkilometern die ländlichste Region mit Bernsteinküste und Hafenstädten. Liepāja als drittgrößte Stadt mit 67.000 Einwohnern an der südlichen Bernsteinküste ist die Musikstadt Lettlands mit dem 30-Meter-Bernsteinkonzertsaal Lielais Dzintars von 2015 und langer Rock-Tradition. Der Strand erstreckt sich über sieben Kilometer und gilt als einer der windigsten Surf-Spots der Ostsee. Ventspils im Norden mit 33.000 Einwohnern ist als Eis-, Bernstein- und Sauberkeitsstadt bekannt — seit 2002 zieren 60 Kuh-Skulpturen die Innenstadt im Rahmen der Cow Parade. Die mittelalterliche Hansestadt Cēsis 90 Kilometer nordöstlich von Riga ist mit Deutschordensburg von 1209, vollständig erhaltener Altstadt und dem Cēsis-Bierfestival im Juli ein Geheimtipp für Bahn-Tagesausflüge ab Riga in 1:45 Stunden für 4,50 Euro.
Lettisches Volkserbe — Dainas und Sängerfeste
Die Dainas sind das Herzstück der lettischen Identität — über 1,2 Millionen vierzeilige Volkslieder, gesammelt im 19. Jahrhundert vom Volkskundler Krišjānis Barons (1835 bis 1923). Die handgeschriebene Dainu skapis (Dainas-Schrank) im Lettischen Nationalmuseum in Riga gehört seit 2001 zum UNESCO-Weltdokumentenerbe und enthält 268.815 sortierte Originaltexte auf Karten. Die Themen reichen von Geburt, Hochzeit und Tod über Arbeit, Natur und Gott bis zu Witz und Lebensweisheit. Das alle fünf Jahre stattfindende Allgemeine Lettische Sängerfest (Vispārējie latviešu Dziesmu un deju svētki) seit 1873 ist mit 30.000 Sängern auf einer Bühne in Mežaparks und 16.000 Tänzern in der Daugava-Arena das größte Volksmusikfestival der Welt und seit 2003 UNESCO-Welterbe der Menschheit. Das nächste Fest findet 2028 statt.
Rīgas Schwarzer Balsam und Spezialitäten
Rīgas Melnais Balzams wird seit 1752 nach geheimer Rezeptur des Apothekers Abraham Kunze gebrannt — eine Mischung aus 24 Pflanzen, Wurzeln, Beeren und Gewürzen mit 45 Prozent Alkoholgehalt. Das tiefschwarze, bitter-süßliche Destillat wird in keramischen Tonflaschen aus der Latvijas Balzams-Brennerei abgefüllt. Klassisch pur als Magenbitter, in heißem schwarzen Tee, mit Johannisbeersaft oder als Cocktail-Zutat. Weitere typische Lettlandprodukte sind Sklandrausis (Mohrrübenkuchen mit Roggenmehl-Schale, seit 2013 UNESCO-immaterielles Kulturerbe), Jāņu siers (Kümmel-Käse zur Sommersonnenwende am 23. Juni), der graue Erbseneintopf Pelēkie zirņi mit Speck und das schwarze sauer-süße Roggenbrot Rupjmaize.
Praktische Tipps für eine Reise nach Lettland
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Budget pro Tag realistisch kalkulieren
Für Lettland sind 70 bis 90 Euro pro Person und Tag im Mittelklasse-Bereich realistisch — Hotel im Stadtzentrum Riga 60 bis 90 Euro, Hauptgang im Restaurant 9 bis 14 Euro, Bahnticket Riga — Sigulda 3 Euro, Eintritt Turaida-Burg 9 Euro. Außerhalb von Riga rechnen viele mit 50 bis 65 Euro pro Tag bei Übernachtung in ländlichen Gasthäusern (Lauku tūrisms).
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Reisezeit nach Schwerpunkt wählen
Mai und Anfang Juni für Vogelzug an Cape Kolka, blühende Wiesen und 17 Stunden Tageslicht — die ideale Naturzeit. Juli und August mit 20 bis 25 Grad für Strand in Jūrmala, Festivals, Sängerfeste, aber Mücken in den Mooren. September für Pilze (Steinpilz, Pfifferling), Beeren (Moosbeere, Preiselbeere) und goldene Wälder. Dezember bis Februar Riga mit Schnee, Weihnachtsmarkt am Domplatz, Eis-Skulpturen in Ventspils — minus 5 bis minus 10 Grad einplanen.
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Sängerfest 2028 frühzeitig planen
Das Allgemeine Lettische Sängerfest findet vom 1. bis 8. Juli 2028 in Riga statt — alle Hotels werden bereits ab 2027 für die acht Festival-Tage ausgebucht. Wer dabei sein möchte, plant mit zwei Jahren Vorlauf, bucht die Hauptveranstaltung in Mežaparks 30 bis 50 Euro für Sitz-Tribüne und die Tanz-Veranstaltung in der Daugava-Arena 25 bis 45 Euro über die offiziellen Festival-Plattformen. Stehplätze sind frei zugänglich.
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Lettische Sprachgrundlagen lernen
Lettisch (Latviešu valoda) gehört zur baltischen Untergruppe der indogermanischen Sprachfamilie und ist mit dem Litauischen einer der zwei letzten lebenden Vertreter — älter als Russisch oder Polnisch. Sveiki (Hallo), Paldies (Danke), Lūdzu (Bitte), Atvainojiet (Entschuldigung), Cik maksā? (Wie viel kostet?), Uz redzēšanos (Auf Wiedersehen). In Riga sprechen 80 Prozent Englisch, in Latgale dominiert Russisch, auf dem Land Lettisch.
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Mietwagen für Kurland und Latgale buchen
Cape Kolka, Slītere mit Liv-Küste und die Latgale-Seen sind ohne Mietwagen praktisch nicht erreichbar — Buslinien existieren, sind aber langsam mit ein bis zwei Fahrten pro Tag. Mietwagen über Sixt, Europcar oder Avis am Flughafen Riga ab 30 Euro pro Tag, Vinjette 7 Euro pro Tag. Für die A1 Richtung Ainaži keine Maut. Reservierung mindestens 30 Tage vor Saison, da der lokale Mietwagen-Markt klein ist.
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Barrierefreiheit eingeschränkt
Riga hat seit 2014 einen begrenzten Anteil barrierefreier Tram-Linien und Niederflur-Busse — Linie 11 zwischen Bahnhof und Zentrum gut zugänglich. Die mittelalterlichen Burgen Turaida, Cēsis und Sigulda haben Kopfsteinpflaster, steile Treppen und schwer befahrbares Gelände — eingeschränkt zugänglich, der Aussichtsturm in Turaida nur über 80 Stufen. Der Bohlensteg in Ķemeri ist mit Rollstuhl auf den ersten 1,5 Kilometern befahrbar. Strände in Jūrmala teilweise mit Holzstegen ans Wasser ausgestattet.
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Sommer-Sonnenwende Jāņi erleben
Die lettische Sommer-Sonnenwende am 23. und 24. Juni (Līgo und Jāņi) ist das wichtigste Fest des Jahres — ein gesetzlicher Doppelfeiertag mit Lagerfeuer, Eichenkränzen, Sprung über das Feuer, Jāņu siers-Kümmelkäse und der ganzen Nacht durchgesungenen Līgo-Liedern. Lettische Familien feiern auf dem Land, viele Höfe öffnen für Touristen mit traditionellem Programm — Buchung über Lauku tūrisms-Plattform. In Riga zentrale Feier im Freilichtmuseum Brīvdabas muzejs.
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Bargeld in Latgale dabei haben
Während Riga, Jūrmala und Tourismusorte fast überall Kartenzahlung akzeptieren, dominiert in Latgale, in den Liv-Dörfern und auf Bauernhöfen weiterhin Bargeld — Geldautomaten gibt es in Daugavpils, Rēzekne, Aglona und Krāslava, sonst Versorgungslücken. 100 bis 200 Euro Bargeld in 20er- und 10er-Scheinen für ländliche Regionen empfehlenswert. Trinkgeld 10 Prozent im Restaurant üblich, an der Hotel-Rezeption 1 bis 2 Euro pro Gepäckstück.
Insider-Tipps für Lettland
Geheimtipp Naturschutzgebiet Pape
Das Naturschutzgebiet Pape an der südlichen Bernsteinküste 50 Kilometer südlich von Liepāja ist eines der bestgehüteten Geheimnisse Lettlands — wildlebende Konik-Pferde und Heckrinder weiden seit 1999 auf 4.000 Hektar Küstenheide im Rahmen eines WWF-Wiederansiedlungsprojekts. Beobachtungstürme an der Pape-Lagune ermöglichen Vogel-Beobachtung. Eintritt frei, das Pape-Freilichtmuseum mit historischen Liv- und kurländischen Fischerhütten ist von Mai bis September geöffnet.
Schloss Rundāle und Daugavas-loki
Schloss Rundāle 77 Kilometer südlich von Riga gilt als das bedeutendste Barockschloss des Baltikums — entworfen von Francesco Bartolomeo Rastrelli (Architekt des Winterpalasts in St. Petersburg) für Herzog Ernst Johann von Biron, fertiggestellt 1768. 138 Räume, vollständig restaurierter französischer Barockgarten mit 2.230 Rosenstöcken, Eintritt 12 Euro. Im südöstlichen Lettland mäandert die Daugava durch zehn ausgeprägte Flussschleifen mit bis zu 40 Metern hohen Sandstein-Steilufern auf 100 Kilometern — der Daugavas loki Naturpark mit 12.500 Hektar. Kanu-Touren auf der Daugava von Krāslava nach Daugavpils ab 50 Euro pro Tag.




