Bob W, ein in Helsinki gegründeter Aparthotel-Betreiber, meldet für das Messjahr 2025 nur 3,78 kg CO₂e pro Gästenacht — verglichen mit rund 12 kg CO₂e beim europäischen Hoteldurchschnitt. Das entspricht einer Reduktion von 69 %. Gleichzeitig wirft das Unternehmen mit seinem Messtool LEGIT eine grundsätzliche Frage auf: Rechnen Hotels ihren CO₂-Ausstoß bislang zu niedrig?
Was Bob W anders macht — und warum das zählt
Neue Hotels bauen verbraucht Ressourcen: Beton, Stahl, Dämmung, Haustechnik. Bob W kauft stattdessen Bestandsgebäude, baut sie um und betreibt sie mit smarter Steuerungstechnik. Das klingt nach Sparmaßnahme, ist aber eine der wirksamsten Methoden, um den sogenannten Embodied Carbon — also die Emissionen, die schon beim Bau entstehen — niedrig zu halten.
Hinzu kommen zirkuläre Designprinzipien: Möbel und Materialien, die reparierbar oder wiederverwendbar sind, statt nach einer Saison in der Tonne zu landen. Und ein Energiekonzept, das auf saubere Stromquellen setzt.
Das Problem mit den Zahlen der Branche
Im Januar 2025 veröffentlichte Bob W eine Studie, die die Grundlage der eigenen Messungen erklärt — und die Branche herausfordert. Das Tool heißt LEGIT (Lodging Emissions & Guest-night Impact Tracker), entwickelt zusammen mit der Umweltberatung Furthr.
Die Kernaussage: Hotelbetreiber erfassen ihre CO₂-Werte bislang unvollständig. Vorgelagerte Emissionen aus der Lieferkette, Bauprozesse oder Scope-3-Emissionen bleiben in vielen Berechnungen außen vor. Rechnet man alles mit, liegen die tatsächlichen Emissionen laut Bob W mindestens fünfmal höher als bisher kommuniziert.
Das ist kein Randthema: Wer als Reisender auf CO₂-Angaben achtet, verlässt sich auf Zahlen, die möglicherweise nur einen Bruchteil des tatsächlichen Ausstoßes zeigen.
Was das für grün reisende Urlauber bedeutet
Nachhaltig buchen ist schwieriger als es klingt. Hotels mit Umweltzertifikat sind nicht automatisch emissionsärmer — das hängt davon ab, was das Zertifikat überhaupt misst. Drei Fragen helfen bei der Einschätzung:
- Neubau oder Bestandsgebäude? Umgebaute Altbauten haben deutlich weniger Embodied Carbon als Neubauten.
- Welche Emissionsscopes werden ausgewiesen? Scope 1 und 2 allein reichen nicht — Scope 3 (Lieferkette, Anreise, Verpflegung) macht oft den größten Block aus.
- Gibt es verifizierte Kompensation? Freiwillige Carbon Credits variieren stark in Qualität. Verifizierungsstandards wie Gold Standard oder Verra sind ein Mindestkriterium.
Bob W wächst — und will die Branche mitziehen
2025 hat Bob W zehn neue Standorte eröffnet, trotzdem sanken die spezifischen Emissionen pro Nacht. Das zeigt: Wachstum und Klimaschutz schließen sich nicht automatisch aus — wenn die Grundarchitektur des Geschäftsmodells stimmt.
Das Unternehmen ruft nun andere Hotelbetreiber öffentlich dazu auf, die eigenen Methoden zu übernehmen — oder zumindest vergleichbare Transparenz herzustellen. Ob das in einer Branche, die CO₂-Angaben bisher kaum standardisiert hat, verfängt, bleibt abzuwarten. Der Druck kommt aber nicht nur von innen: Reisende fragen häufiger nach, und EU-Regulierung zur Nachhaltigkeitsberichterstattung (CSRD) zieht auch in der Hotellerie an.
Wer beim nächsten Städtetrip auf den Klima-Fußabdruck achtet, findet in Aparthotels mit nachgewiesenem Scope-3-Reporting zumindest eine belastbarere Entscheidungsgrundlage als bei Hotels, die nur Strom und Gas ausweisen. Die Zahlen von Bob W sind ein Anfang — aber auch ein Maßstab, den die gesamte Branche irgendwann erfüllen muss.



