Hotel Communication Network (HCN) hat in einer Studie mit 179 Luxushotelgästen in Chicago eine Tablet-Nutzungsrate von 94,25 % gemessen. 29 % der Gäste klickten auf gesponserte Inhalte — klassische Digitalkanäle liegen laut HCN unter 1 %. Für Hoteliers könnte das eine neue Erlösquelle bedeuten; für Gäste ändert sich, wie sie Zimmerservice und Stadtempfehlungen abrufen.
Was die Studie gemessen hat
Im November 2025 wertete Hotel Communication Network (HCN) das Nutzungsverhalten von 179 Gästen in einem Luxushotel in der Innenstadt von Chicago aus. Kernfrage: Nutzen Gäste die im Zimmer installierten Tablets tatsächlich — oder ignorieren sie sie wie die meisten Hotel-Apps?
Das Ergebnis: 94,25 % der Gäste griffen während ihres Aufenthalts mindestens einmal zum Tablet. Das gilt sowohl für Hotels, die das Werbemodell nutzen, als auch für solche ohne Werbung. Laut HCNs eigenem Bericht Unlocking the Power of In-Room Tablet Advertising in Hotels liegt die tägliche Nutzungsdauer bei durchschnittlich 3,5 Stunden pro Gerät.
Was steckt hinter dem KI-Concierge?
HCNs aktuelles Gerät heißt Navigator 2.0. Es reagiert auf Sprachbefehle in mehreren Sprachen — Gäste können damit Zimmertemperatur und Licht regeln, Zimmerservice bestellen, Essen aus lokalen Restaurants ordern oder Fragen zum Hotel stellen. Das Besondere am neuen Modell: HCN spricht von einem „menschlich wirkenden KI-Concierge“, der Anfragen selbstständig beantwortet, ohne dass ein Mitarbeiter eingreifen muss.
Für Hotels rechnet sich das Modell durch geteilte Werbe- und E-Commerce-Einnahmen. Marken und lokale Anbieter zahlen für Platzierungen auf dem Tablet; der Gastronomiepartner oder die Stadtführung taucht als empfohlene Option auf. Wie viel ein Hotel damit verdient, nennt HCN nicht öffentlich.
Was das für Hotelgäste bedeutet
Wer ins Zimmer kommt und das Tablet einschaltet, bekommt mehr als ein digitales Telefonbuch. Drei Dinge fallen im Alltag auf:
- Kein Anruf an der Rezeption mehr: Extra-Kissen, späteres Checkout-Datum, Taxibestellung — das läuft direkt über das Tablet.
- Lokale Empfehlungen mit Bestellfunktion: Restaurants in der Nähe lassen sich nicht nur anzeigen, sondern direkt bestellen. Ob das ein echter Mehrwert oder Werbung ist, hängt von der Transparenz des Hotels ab.
- Mehrsprachige Sprachsteuerung: Wer kein Englisch mag oder sprechen will, kann auf andere Sprachen umschalten — laut HCN ein Faktor für internationale Gäste.
Einordnung: Was die Zahlen wirklich sagen
94 % klingt beeindruckend — aber die Studie kommt von HCN selbst, nicht von einer unabhängigen Forschungseinrichtung. 179 Gäste in einem einzelnen Chicagoer Luxushotel über einen Monat sind eine schmale Datenbasis. Ob die Zahlen in einem Drei-Sterne-Stadthotel in München oder einem Ferienresort auf Mallorca ähnlich ausfallen, lässt sich daraus nicht ableiten.
Trotzdem zeigt der Trend eine Richtung: Tablets, die direkt im Zimmer liegen und sofort nutzbar sind, haben strukturell bessere Chancen als Apps, die Gäste erst herunterladen müssen. Das ist kein Geheimnis — aber Zahlen wie diese helfen Hoteliers, intern Budgets zu rechtfertigen.
Für Reisende, die häufig in größeren Stadthotels übernachten, dürfte der KI-Concierge im Zimmer in den nächsten Jahren zum Standard werden — ähnlich wie der Smart-TV, den vor zehn Jahren noch kaum ein Hotelzimmer hatte. Wer Wert auf Datenschutz legt, sollte beim Check-in fragen, ob und wie Sprachbefehle gespeichert werden. Das Tablet einfach ignorieren ist natürlich auch eine Option — auch wenn die Studie nahelegt, dass das die Minderheit tut.



