59,1 % der Touristennachfrage in Südeuropa konzentriert sich auf den Sommer — das zeigt eine neue Studie von Data Appeal Mabrian (Almawave/Almaviva Group), die beim Seasonality Summit 2026 in Rimini vorgestellt wurde. Spanien schneidet mit 52,8 % am besten ab, Griechenland und Kroatien liegen über dem Schnitt. Die Autoren sehen Potenzial in Kultur, Natur und Kulinarik als Treiber für die Nebensaison.
Was die Studie untersucht hat
Data Appeal Mabrian hat die Nachfragemuster in fünf Ländern analysiert: Spanien, Portugal, Italien, Griechenland und Kroatien. Der sogenannte Summer Dependence Rate misst, welcher Anteil der touristischen Nachfrage auf die Hochsommermonate entfällt. Je höher der Wert, desto stärker hängt ein Ziel von wenigen Wochen im Jahr ab.
Präsentiert wurde die Studie von Emilio Inés, Tourism Global Director bei Data Appeal Mabrian — auf dem Seasonality Summit 2026 in Rimini, einer Fachkonferenz, die sich gezielt mit dem Thema Saisonverlängerung befasst.
Warum Spanien und Portugal besser dastehen
Der Abstand ist nicht zufällig. Spanien hat seit Jahren in Ganzjahresziele investiert — Barcelona, Madrid und die Kanaren ziehen auch im Winter Besucher an. Die Kanaren profitieren dabei schlicht vom Klima: auf Teneriffa oder Gran Canaria sind 20 Grad im Januar keine Seltenheit. Portugal setzt ähnlich auf den Algarve-Winter und Lissabon als Städteziel.
Griechenland und Kroatien hingegen sind strukturell stärker auf den Sommer ausgerichtet: Viele Fährverbindungen, Hotels und Restaurants auf den Inseln öffnen erst im Mai und schließen spätestens im Oktober wieder. Wer im November nach Santorin oder Dubrovnik will, findet deutlich weniger Betriebe offen — und kommt trotzdem oft ans Ziel, wenn er das weiß.
Welche Aktivitäten die Nebensaison stützen
Die Studie zeigt, welche Angebote außerhalb des Sommers die stärkste Nachfrage erzeugen. Es sind keine Strand-Urlauber, die im Oktober buchen — sondern Menschen mit konkreten Interessen:
- Kulturreisen: Museen, Altstädte, archäologische Stätten — ohne die Menschenmassen des Augusts
- Natur und Wandern: Herbst und Frühling sind für Trekking auf Kreta, in der Sierra Nevada oder im Nationalpark Plitvicer Seen oft besser geeignet als der Hochsommer
- Kulinarik: Truffle-Saison in der Toskana, Weinernte in Portugal, Olivenernte in Griechenland — der Herbst hat kulinarisch einiges zu bieten
- Aktiv-Urlaub: Radfahren, Klettern, Kanufahren — vieles davon ist bei 28 Grad im Schatten schlicht unangenehm
Wer im September oder Oktober bucht, bekommt an vielen Mittelmeerzielen noch 22 bis 26 Grad — aber ohne Gedränge am Pool und zu deutlich niedrigeren Preisen.
Was das für deine Reiseplanung heißt
Die Zahlen der Studie bestätigen, was viele Vielreisende ohnehin wissen: Der August ist nicht zwingend der beste Monat für Südeuropa. Mai, Juni, September und Oktober bieten an fast allen Mittelmeerzielen ähnliche Temperaturen — aber weniger Betrieb, günstigere Unterkünfte und entspanntere Atmosphäre.
Für Familien mit schulpflichtigen Kindern bleibt der Sommer oft alternativlos. Aber wer flexibel ist — Paare, Best Ager, Reisende ohne feste Schulferien-Bindung — fährt in der Nebensaison häufig günstiger und ruhiger.
Die Studie von Data Appeal Mabrian liefert letztlich keine Überraschung — aber sie belegt mit Zahlen, was die Reisebranche schon länger diskutiert: Südeuropa hängt zu stark an wenigen Sommerwochen. Die Destinationen, die das früher lösen, gewinnen zwei Dinge gleichzeitig: zufriedenere Gäste und eine stabilere Wirtschaft über das ganze Jahr. Für Reisende bedeutet das konkret: Wer kann, sollte die Schulter-Saison ernsthaft in Betracht ziehen — und bekommt dafür oft das bessere Reiseerlebnis zum niedrigeren Preis.




