Fast 60 % der Briten kommen im Urlaub nicht richtig zur Ruhe — obwohl drei Viertel wissen, wie wichtig echte Erholung ist. Eine Studie des norwegischen Reiseanbieters Hurtigruten mit 2.000 Erwachsenen aus dem Vereinigten Königreich beleuchtet, warum der Alltag so hartnäckig in die Ferien folgt — und was dagegen hilft.

Urlaub gebucht, Kopf noch im Büro

74 % der Befragten wissen, dass sie im Urlaub abschalten müssen. Trotzdem gelingt es 59 % nicht. Das ist keine Kleinigkeit: Für 45 % hat fehlende Entspannung den Urlaub regelrecht ruiniert. Nicht schlechtes Wetter, nicht ein überbuchtes Hotel — sondern die eigene Unfähigkeit, den Kopf auszuschalten.

Das klingt nach einem britischen Problem, ist aber eines, das viele Deutsche kennen dürften. Der mentale Abstand zum Alltag entsteht nicht automatisch, wenn das Flugzeug abhebt. Wer abends noch schnell die Arbeitsmails checkt oder sich im Urlaub schon Gedanken über den ersten Tag danach macht, kehrt genauso erschöpft zurück, wie er losgefahren ist.

Ruhigeres Ziel, echter Unterschied

Interessant ist, was die Befragten als Ausweg sehen: 55 % würden bewusst weniger bequem reisen — also längere Anfahrten, schlechtere Anbindung, weniger Infrastruktur — wenn sie dafür an einem ruhigeren Ort landen. Das ist ein klares Signal: Viele ahnen, dass der übliche Strandclub mit Animation und All-inclusive-Trubel das Problem nicht löst.

Stattdessen zieht es diese Gruppe zu Zielen, die von Natur aus entschleunigen. Norwegische Fjorde, schottische Highlands, schwedische Schären — Orte, an denen schon die Umgebung dafür sorgt, dass das Handy irgendwann uninteressant wird, weil draußen gerade ein Seeadler über das Wasser zieht.

Was wirklich hilft: Konkrete Ansätze für den nächsten Urlaub

Gute Vorsätze allein reichen nicht. Wer wirklich abschalten will, braucht eine Art Plan — oder zumindest ein paar klare Regeln für sich selbst.

  • Arbeitsmails sperren: Vor dem Urlaub eine automatische Abwesenheitsnotiz einrichten und die Mail-App vom Startbildschirm verbannen. Aus den Augen, aus dem Sinn funktioniert hier tatsächlich.
  • Feste Handy-Zeiten: Statt ständig erreichbar zu sein, einmal täglich kurz nachschauen — und dann bewusst weglegen.
  • Weniger Programm: Wer jeden Tag vier Sehenswürdigkeiten abhakt, erholt sich nicht — er sammelt Eindrücke. Leerlauf ist kein Versagen, sondern das Ziel.
  • Ziel bewusst wählen: Ruhige Natur, kaum Netz, keine großen Touristenströme. Was nach Einschränkung klingt, ist für viele der eigentliche Erholungsbooster.
  • Anreise als Übergang nutzen: Eine lange Zugfahrt oder eine Schiffsreise zwingt zum Innehalten — manchmal ist das der erste echte Moment des Abschaltens.

Woher kommt das Muster?

Das Paradox ist nicht neu: Menschen buchen Urlaub, um Abstand zu bekommen — bringen aber genau das mit, wovon sie Abstand wollen. Smartphone, Laptop, den Kopf voller offener To-dos. Reiseforscher nennen das „leisure sickness“, also eine Art Unfähigkeit, in der Freizeit wirklich loszulassen. Der Körper ist am Strand, der Kopf noch im Meeting.

Die Studie von Hurtigruten liefert dazu keine Ursachenanalyse — aber die Zahlen legen nahe, dass das Problem erkannt ist. 74 % wissen, dass Erholung im Urlaub wichtig ist. Die Lücke zwischen Wissen und Können ist das eigentliche Thema. Und die schließt sich nicht durch besseres WLAN am Pool.

55 % würden auf Bequemlichkeit verzichten — wenn sie dafür wirklich abschalten können. Das ist kein Nischentrend, sondern ein klares Signal an die Reisebranche.

Was das für die Reiseplanung bedeutet

Wenn du zu den 60 % gehörst, die nach dem Urlaub nicht wirklich erholt zurückkommen: Probier beim nächsten Mal einen anderen Ansatz. Nicht unbedingt Norwegen oder ein Fjord — aber vielleicht weniger Rummel, weniger Vollprogramm, mehr Tage ohne festen Plan. Und das Handy bleibt abends in der Tasche.

Anbieter wie Hurtigruten setzen seit Jahren auf genau das: langsame Routen entlang der norwegischen Küste, Natur statt Unterhaltungsprogramm. Das ist nicht für jeden etwas — aber die Studie zeigt, dass mehr Menschen als gedacht genau das suchen.

HÄUFIGE FRAGEN

Warum können so viele Menschen im Urlaub nicht abschalten?

Laut einer Hurtigruten-Studie mit 2.000 britischen Erwachsenen kämpfen fast 60 % damit, im Urlaub wirklich zu entspannen — obwohl 74 % wissen, wie wichtig das ist. Handy, berufliche Erreichbarkeit und innere Unruhe gelten als Hauptgründe.

Hat schlechtes Abschalten wirklich Einfluss auf den Urlaub?

Ja. 45 % der Befragten gaben an, dass fehlende Entspannung ihren Urlaub ruiniert hat.

Hilft es, in ruhigere Reiseziele zu fahren?

55 % der Befragten würden bewusst auf Bequemlichkeit verzichten und in einen abgelegeneren Ort reisen, wenn sie dort wirklich abschalten könnten.

Welche Reiseform eignet sich besonders für digitale Entschleunigung?

Naturnahe Reisen wie Fjordkreuzfahrten, Wanderurlaube oder Reisen ohne All-inclusive-Trubel helfen vielen, den Kopf freizubekommen. Die Studie stammt von Hurtigruten, die auf ruhige Norwegen-Expeditionen spezialisiert sind.

Wie plane ich einen Urlaub, nach dem ich mich wirklich erholt fühle?

Weniger Programm, mehr Leerlauf. Konkret: Handyzeiten begrenzen, keine Arbeitsmails im Urlaubsmodus abrufen, und Ziele wählen, die von Natur aus ruhig sind — abseits von Touristenhochburgen.
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