US-Reisende planen für den Sommer 2025 fast zwei Stunden Puffer extra ein — wegen Schlangen, Gebühren und allgemeinem Chaos in den Terminals. Eine Umfrage des Gepäck-Versanddienstes Ship&Play zeichnet ein Bild, das wenig mit dem alten Versprechen der „friendly skies“ gemein hat. Für alle, die diesen Sommer fliegen, lohnt ein nüchterner Blick auf die Lage.
Zwei Stunden früher — das ist kein Komfort, das ist Kalkulation
Früher galt eine Stunde Vorlauf am Inlandsflughafen als ausreichend. Laut der Ship&Play-Umfrage unter US-Reisenden ist das Vergangenheit. Für den Sommer 2025 kalkulieren viele Passagiere knapp zwei Stunden mehr ein als sonst. Das ist keine Vorsicht, das ist Resignation: Wer die Schlangen vor TSA-Kontrollen und überlasteten Check-in-Schaltern kennt, baut den Puffer lieber zu groß als zu klein.
Dazu kommt ein Dominoeffekt durch die Gepäckgebühren. Je teurer das Aufgeben wird, desto mehr Passagiere stopfen ihre Trolleys ins Handgepäck — und desto länger dauert das Boarding, weil die Overhead-Fächer schon beim zehnten Einsteiger voll sind.
Gepäckgebühren: Das Geschäftsmodell nervt — und wirkt
US-Airlines haben die Gebühren für aufgegebenes Gepäck in den letzten Jahren schrittweise erhöht. American, Delta und United verlangen für die erste aufgegebene Tasche je nach Route zwischen 35 und 40 US-Dollar pro Strecke — wer hin- und zurückfliegt, zahlt also schnell 70 bis 80 Dollar extra. Das schlägt sich direkt im Verhalten nieder: Mehr Handgepäck, engere Kabinen, längere Wartezeiten beim Boarding.
Der Gepäckversand-Dienst Ship&Play profitiert genau von dieser Frustration. Wer den Koffer vorab ans Ziel schickt, umgeht Schlange und Gebühr — bezahlt aber für den Versand. Ob das günstiger ist, hängt vom Gewicht, der Distanz und der Airline ab.
Von „Fly the Friendly Skies“ zur Stresserfahrung
United Airlines brachte den Slogan „Fly the Friendly Skies“ 1965 raus — kreiert von der Agentur Leo Burnett. Nach fast 20 Jahren Pause holte United ihn 2013 zurück, begleitet von Gershwins „Rhapsody in Blue“ und einem Voiceover von Matt Damon. Das Comeback hielt nicht lange: 2017 sorgte der gewaltsame Rauswurf des Passagiers David Dao aus einem überbuchten United-Flug für weltweite Schlagzeilen und machte den Slogan zur Zielscheibe.
Seitdem hat sich die Stimmung nicht grundlegend erholt. Soziale Medien füllen sich regelmäßig mit Videos von Passagieren, die aus vorbezahlten Sitzen verdrängt wurden oder andere unangenehme Szenen an Bord erlebten. Das Vertrauen in einen angenehmen Flug ist — zumindest in den USA — dauerhaft angekratzt.
Was das für deinen Sommerurlaub bedeutet
Auch wenn sich die Umfrage auf den US-Markt bezieht: Wer diesen Sommer über einen amerikanischen Hub reist — oder auf stark frequentierten europäischen Flughäfen wie Frankfurt oder Amsterdam umsteigt — trifft auf ähnliche Muster. Lange Schlangen, überfüllte Gates und Boarding-Chaos sind kein amerikanisches Alleinstellungsmerkmal.
Faustregel für Sommerflüge: Zwei Stunden vor Abflug am Terminal ist kein Luxus — es ist das neue Minimum an belebten Flughäfen.
- Online-Check-in so früh wie möglich erledigen — bei den meisten Airlines 24 bis 48 Stunden vorher möglich
- Boardingpass als App statt Papier spart eine Station
- TSA PreCheck oder Global Entry (USA) bzw. Registered Traveller-Programme in Europa verkürzen die Sicherheitskontrolle erheblich
- Gepäck wiegen vor dem Haus — Übergewicht kostet bei US-Airlines zwischen 100 und 200 Dollar extra
- Kreditkarten mit Gepäck-Inklusivleistung prüfen: Viele Co-Branded-Karten amerikanischer Airlines beinhalten eine kostenlose aufgegebene Tasche
Wer entspannt ankommen will, plant den Flughafen-Aufenthalt inzwischen wie einen eigenen Reiseabschnitt — mit Zeitpuffer, klarem Gepäckplan und möglichst wenig Überraschungen. Die freundlichen Lüfte kommen vielleicht irgendwann zurück. Diesen Sommer eher nicht.




