Tschad und Mauretanien gehören nicht zu den Zielen, die man spontan bucht. Beide Länder liegen mitten im Sahel — einer Region, die für Klimakrise, Sicherheitsrisiken und politische Instabilität bekannt ist. Trotzdem gibt es Bewegung: Neue E-Visa-Systeme, erste Gruppenreisen und echte Naturschätze wie Sahara-Krokodile rücken die Wüstenstaaten ins Blickfeld von Abenteuertouristen.
Was den Tschad als Reiseziel interessant macht
Die Sahara ist groß — aber weite Teile davon sehen kaum Besucher. Libyen, Mauretanien und der Tschad gehören zu den am wenigsten bereisten Regionen des gesamten Wüstengürtels. Dabei bietet gerade Tschad Landschaften, die man so selten zu sehen bekommt: steile Felsgipfel, die aus dem Sandmeer ragen, Oasen und Wasserlöcher, an denen die letzten Sahara-Krokodile leben. Das sind keine erfundenen Tourismusversprechen — Sahara-Krokodile in Tschad und Mauretanien sind wissenschaftlich dokumentiert und gelten als Relikte einer Zeit, als die Sahara noch grün war.
Schon 2025 soll eine erste kommerzielle Gruppenreise starten, die Gäste gezielt durch diese Regionen führt. Verantwortlich ist ein auf Extremdestinationen spezialisierter Anbieter; konkrete Preise und Buchungsstart lagen bei Redaktionsschluss noch nicht vor.
Der Sahel — kein einfaches Reiseland
Wer ehrlich ist: Der Sahel macht hauptsächlich aus den falschen Gründen Schlagzeilen. Tschad, Mali, Niger, Burkina Faso und Mauretanien bilden die sogenannte G5-Sahel-Gruppe — ein Bündnis, das ursprünglich gegründet wurde, um gemeinsam gegen extremistische Gruppen vorzugehen. Die Sicherheitslage in der Region bleibt angespannt.
Tschad hat gegenüber seinen Nachbarn einen relativen Vorteil: Das Land gilt als stabiler als Mali oder Burkina Faso, wo der Tourismus faktisch zum Erliegen gekommen ist. Trotzdem sollte niemand ohne gründliche Vorbereitung und aktuellen Sicherheitscheck anreisen. Das Auswärtige Amt listet für beide Länder Reisehinweise, die vor der Buchung Pflichtlektüre sind.
Was sich gerade ändert
- Tschad hat ein E-Visa-System eingeführt — Beantragung ohne Botschaftstermin möglich
- Mauretanien zieht nach, auch dort läuft die digitale Einreiseregelung an
- Erste spezialisierte Reiseanbieter bauen Gruppenreiseprogramme auf
- Eine lokale Initiative in Tschad arbeitet daran, das Naturerbe des Landes international bekannter zu machen
Was du dort wirklich siehst
Die Sahara in Tschad ist keine flache Sandfläche. Im Norden liegt das Tibesti-Massiv mit Vulkanen, die über 3.000 Meter hoch ragen — darunter der Emi Koussi als höchster Berg der gesamten Sahara. Dazwischen: Erg-Gebiete mit meterhohen Dünen, Guelta-Becken (Wasserlöcher in Felssenken) und eben jene Krokodile, die dort seit Jahrtausenden überleben.
Mauretanien punktet mit dem Banc d'Arguin — einem UNESCO-Weltnaturerbe an der Atlantikküste, das zu den wichtigsten Vogelrastplätzen der Welt zählt. Dazu kommen die antiken Karawanenstädte Chinguetti und Ouadane, die ebenfalls auf der UNESCO-Liste stehen.
Wie du die Reise angehen kannst
Eigenständige Individualreisen in den Tschad sind derzeit keine realistische Option für die meisten Reisenden. Wer dorthin will, bucht sich bei einem auf Extremdestinationen spezialisierten Veranstalter ein. Erst 2025 soll das erste reguläre Gruppenreiseprogramm anlaufen.
Mauretanien ist etwas zugänglicher: Nuakschott hat einen internationalen Flughafen mit Verbindungen nach Paris und Casablanca. Von Deutschland geht es über einen Zwischenstopp. Einige kleinere Spezialanbieter haben Mauretanien schon länger im Programm — vor allem für Wüstentrekking und Vogelbeobachtung am Banc d'Arguin.
Vor der Buchung checken
- Reisewarnung: Auswärtiges Amt für Tschad und Mauretanien vor jeder Buchung prüfen — die Lage kann sich schnell ändern
- Reiseversicherung: Nur Anbieter wählen, die auch Evakuierungskosten aus Krisenregionen abdecken
- Gesundheit: Gelbfieber-Impfung für Tschad Pflicht, Malaria-Prophylaxe je nach Route empfohlen
- E-Visa: Beantragung für beide Länder online möglich — Bearbeitungszeit vorab klären
- Anbieter: Nur Veranstalter mit nachweislicher Erfahrung in der Region buchen
Tschad und Mauretanien werden auf absehbare Zeit keine Massenreiseziele. Aber für Reisende, die den Unterschied zwischen Touristenpfad und echter Abgeschiedenheit kennen und schätzen — und bereit sind, sich ernsthaft auf Sicherheit und Logistik vorzubereiten — öffnet sich hier ein Fenster in eine Sahara, die die meisten Menschen nur von Karten kennen.



