Jamaicas Tourismusminister Edmund Bartlett hat beim ASTA Caribbean Showcase im Sandals South Coast Resort eine klare Forderung gestellt: Die Karibische Gemeinschaft CARICOM soll Tourismus als größten Wirtschaftssektor der Region anerkennen. Sein Argument — bisher fehlt ein Investitionsrahmen, der speziell auf die Branche zugeschnitten ist.
Was Bartlett konkret will
Bartlett wandte sich mit seiner Rede an hochrangige Entwicklungsfinanzierungsvertreter und beschrieb Tourismus als "die schnellste und unmittelbar konvertierbarste wirtschaftliche Aktivität der Welt". Gemeint ist damit: Tourismusdollars fließen schneller in lokale Wirtschaftskreisläufe als Einnahmen aus vielen anderen Sektoren — Landwirtschaft, Bergbau oder Industrie brauchen deutlich längere Vorlaufzeiten.
Sein Kernvorwurf an CARICOM: Die Region hat zwar jahrzehntelang von Tourismus gelebt, aber nie einen gemeinsamen Investitionsrahmen dafür aufgebaut. Jede Insel kämpft für sich — beim Krisenmanagement nach Hurrikanen, beim Anziehen von Kapital, beim Verhandeln mit internationalen Fluggesellschaften.
Die CTO als Scharnier — aber reicht das?
Bartlett lobte die Caribbean Tourism Organization ausdrücklich: "Die CTO ist ein institutioneller Anker der karibischen Tourismuswirtschaft und hat die politischen Kräfte der Region gebündelt, um Wachstum und Entwicklung zu fördern." Trotzdem sieht er eine strukturelle Lücke: Die CTO koordiniert, hat aber keine Entscheidungsgewalt über Budgets und Investitionsprioritäten der Mitgliedsstaaten.
Genau das will Bartlett ändern. Er plädiert für verbindliche regionale Abkommen — etwa gemeinsame Resilienzfonds nach Extremwetterereignissen und abgestimmte Förderrichtlinien für Tourismusinfrastruktur.
Was das für Karibik-Urlauber bedeutet
Klingt nach Polit-Planschbecken, hat aber praktische Auswirkungen. Wer mehrere Karibikinseln in einer Reise kombinieren will, merkt heute noch, wie fragmentiert die Region ist: Flugverbindungen zwischen den Inseln laufen oft über Miami, Transitregeln unterscheiden sich von Insel zu Insel, und nach Hurrikanen wie Beryl 2024 war die Wiederöffnung einzelner Destinationen schlecht koordiniert.
Ein gemeinsamer Resilienzrahmen könnte Wiederaufbauzeiten verkürzen und Urlauber früher zurückbringen. Für Reiseveranstalter, die Karibik-Kombinationen anbieten — etwa TUI oder Spezialisten wie Ameropa — wäre das ein echter operativer Vorteil.
Bartletts Botschaft an Entwicklungsfinanzierer
Besonders bemerkenswert: Bartlett richtete sich nicht nur an Politiker, sondern explizit an Entwicklungsbanken und Finanzierungsorganisationen. Er will, dass Tourismus in der Karibik dieselbe Investitionspriorität bekommt wie Infrastruktur oder Energieversorgung — mit eigenen Kreditlinien und Fördertöpfen statt des aktuellen Flickenteppichs aus nationalen Programmen.
Ob CARICOM folgt, bleibt offen. Bartlett schloss seinen Auftritt mit dem Hinweis, dass karibische Resilienz kein Schlagwort sei, sondern "ein strategisches Gebot, das die wirtschaftliche Entwicklung der Region in den kommenden Jahrzehnten leiten wird". Für Urlauber, die die Karibik jenseits von All-inclusive-Resorts kennenlernen wollen, kann eine stärker koordinierte Region nur besser sein.



