Heiligenhafen liegt an der schleswig-holsteinischen Ostseeküste, direkt vor der Fehmarnsundbrücke und 35 km nördlich von Lübeck. Der Ort verbindet drei Charaktere, die du sonst nirgends an der deutschen Ostsee in dieser Konzentration findest: aktiver Fischereihafen mit Cutter-Flotte, Familienbad mit der modernsten und aufwendigsten Seebrücke der deutschen Ostseeküste (435 Meter, eingeweiht 2012, mit Insel-Plattformen und zwei Etagen), dazu das Naturschutzgebiet Graswarder mit Brandseeschwalben-Kolonie. Anders als die Bäder der Lübecker Bucht ist die Atmosphäre maritim-rau geblieben — du riechst Diesel und Räucherfisch, nicht Sonnenmilch und Lavendel. Wer Strand und echte Hafenstadt in einem Urlaub sucht, ist hier richtig.
Anreise und Erreichbarkeit
Heiligenhafen liegt direkt an der A1 (E47), wenige Kilometer vor der Fehmarnsundbrücke. Der Bahnhof ist mit dem RE 8 angebunden, Service-Adressen pflegt der Tourismus-Service auf heiligenhafen-touristik.de.
Mit dem Auto
Von Süden auf der A1 bis Abfahrt 11 Heiligenhafen-Mitte oder Abfahrt 12 Großenbrode, dann rund drei Kilometer in den Ort.
An der Fehmarnsundbrücke staut es sich Freitagnachmittags und Sonntagabends in der Hauptsaison regelmäßig — wenn die Insel-Heimkehrer von Fehmarn auf die A1 drängen. Plan eine halbe Stunde Puffer ein.
Mit der Bahn
Der Bahnhof Heiligenhafen liegt am südlichen Ortsrand, rund 1,5 km vom Hafen entfernt. Hier hält der RE 8 (Lübeck – Puttgarden) im Zwei-Stunden-Takt, einzelne Züge fahren als RE 80. Aktuelle Verbindungen findest du auf bahn.de.
Vom Bahnhof zum Hafen sind es rund 20 Minuten zu Fuß oder fünf Minuten mit dem Stadtbus. Im Sommer fahren in der Innenstadt Leihräder an mehreren Stationen, Tarif rund 12 EUR pro Tag.
Mit dem Flugzeug
Nächster Verkehrsflughafen ist Hamburg (HAM), etwa 120 km entfernt. Vom Flughafen mit der S-Bahn S1 zum Hauptbahnhof, dort in den RE 8. Gesamtzeit vom Gate bis zum Hafen: rund drei Stunden.
Parken vor Ort
Der zentrale Großparkplatz am Binnensee fasst über 600 Fahrzeuge, Tagesticket rund 7 EUR. Direkt am Yachthafen gibt es das Parkdeck Ferienpark Heiligenhafen (8 EUR pro Tag, am Wochenende oft voll). Für die Erlebnis-Seebrücke parkst du am besten am Ortsstrand, kurze Wege ans Wasser. Wohnmobile haben einen eigenen Stellplatz am Binnensee, rund 18 EUR pro Nacht.
Strände und Naturhighlights
Heiligenhafen hat mehrere Strandabschnitte mit deutlich verschiedenen Charakteren — der Ortsstrand für Familien, der Steinwarder zwischen Hafen und Bottsand, dahinter der Surf-Spot. Dazu kommt das Naturschutzgebiet Graswarder, das du nicht überall in Norddeutschland in dieser Form findest.
Ortsstrand und Erlebnis-Seebrücke
Der Hauptstrand zieht sich vom Steinwarder bis zum Yachthafen, rund 1,2 km feiner Sandstrand mit DLRG-Aufsicht im Sommer. Mitten drin steht die Erlebnis-Seebrücke 435 Meter über das offene Wasser, mit drei Insel-Plattformen für Veranstaltungen, einer Gastronomie auf halber Strecke und Glasböden an einigen Abschnitten. Es ist die modernste und aufwendigste Seebrücke der deutschen Ostseeküste — eingeweiht 2012, mit Insel-Plattformen und zwei Etagen. Nutzung kostenlos, Hunde an der Leine erlaubt.
Steinwarder
Die Halbinsel Steinwarder zwischen Hafen und Bottsand ist ein eigener Strandabschnitt. Familien finden hier flaches Wasser, der Strand ist breiter und ruhiger als der Hauptstrand. Strandkörbe gibt es in der Saison an zwei Verleihstationen, Tagesmiete rund 12 EUR. Im Hinterland des Steinwarders liegt das Maritim-Strandhotel, das den Spot im Sommer prägt.
Bottsand — Surf- und Kite-Spot
Zwischen Steinwarder und der Halbinsel Graswarder erstreckt sich der Bottsand: ein flacher, langer Strandabschnitt mit konstantem Wind, der zum festen Revier der Wind- und Kitesurfer gehört. Eine Surfschule am Übergang vom Hauptstrand bietet Kurse ab 60 EUR pro Halbtag, Material gibt es zum Verleih. Schwimmer kommen hier weniger her — der Wind macht den Strand für Sonnenbäder unattraktiv, dafür ist er bei Surf-Bedingungen voll mit bunten Schirmen. Gute Tage erkennst du am Wind aus West oder Nordwest mit 4 Beaufort.
Naturschutzgebiet Graswarder
Direkt östlich des Hafens liegt der Graswarder — eine flache Halbinsel, die als Naturschutzgebiet ausgewiesen ist. Hier brüten jährlich rund 250 Paare Brandseeschwalben, dazu Säbelschnäbler, Austernfischer und seltene Watvögel. Der Bereich ist nur auf einem schmalen Wanderpfad zugänglich, Hunde verboten, in der Brutzeit von April bis Juli sind Teile gesperrt. Der NABU bietet im Sommer geführte Touren an. Lohnt sich für Vogelfreunde und Ruhesuchende — Strand ist hier nicht das Thema, das ist Naturreservat.
Hundestrand
Der Hundestrand liegt am westlichen Ortsrand Richtung Großenbrode, rund 600 Meter lang, ganzjährig erlaubt, Leinenpflicht. Außerhalb dieser Zone sind Hunde am Strand vom 1. April bis 31. Oktober verboten.
FKK-Strand
Ein kleiner offizieller FKK-Bereich existiert am westlichen Ende des Steinwarders, rund 300 Meter lang, ausgeschildert.
Top-Sehenswürdigkeiten
Erlebnis-Seebrücke
Mit 435 Metern die modernste und aufwendigste Seebrücke der deutschen Ostseeküste — eingeweiht 2012, mit Insel-Plattformen und zwei Etagen. Drei Insel-Plattformen, ein Gastronomie-Pavillon auf halber Strecke, Glasböden an einigen Abschnitten. Eintritt frei, ganzjährig zugänglich. Lohnt sich am späten Nachmittag, wenn das Licht flach über das Wasser fällt.
Hafen mit Cutter-Flotte
Heiligenhafen ist einer der wenigen aktiven Fischereihäfen an der deutschen Ostsee. Rund 15 Cutter laufen regelmäßig aus, fangen Hering, Dorsch, Plattfisch und Aal. Die Boote kehren am späten Vormittag zurück, dann gibt es Direktverkauf am Kutter. Wer früh am Morgen kommt, sieht das Auslaufen — keine Zuschauerbühne, einfach Hafenalltag.
Naturschutzgebiet Graswarder
Vogelinsel mit jährlich rund 250 Brutpaaren Brandseeschwalben, dazu Säbelschnäbler, Austernfischer, Strand- und Sandregenpfeifer. Geführte Touren über den NABU im Sommer. Eigene Beobachtung nur auf dem ausgeschilderten Pfad, Fernglas mitnehmen. Lohnt sich für Naturfreunde und an wechselhaften Tagen, wenn der Wind den Vögeln zusetzt — dann sind sie aktiver.
Heiligenhafener Altstadt
Klein, aber sehenswert. Die Stadtkirche mit Backsteinturm aus dem 14. Jahrhundert, das Heimatmuseum am Marktplatz, kopfsteingepflasterte Straßen mit alten Fischer- und Kapitänshäusern. Ein Spaziergang dauert eine Stunde. In der Saison öffnen mehrere Galerien lokaler Künstler.
Yachthafen Heiligenhafen
Mit rund 1.000 Liegeplätzen einer der größten Yachthäfen Norddeutschlands. Im Sommer Treffpunkt für Skipper aus ganz Deutschland und Skandinavien. Die Promenade rund um den Hafen mit Cafes, Eisdielen und Bootsausflügen. Lohnt sich für einen Abendspaziergang mit Sonnenuntergang.
Fehmarnsundbrücke
Drei Kilometer östlich vom Ort steht die Fehmarnsundbrücke — Stahlbogen über dem Sund, 1963 fertiggestellt, 963 Meter lang, der Bogen 248 Meter. Beliebter Fotopunkt vor allem in der Abendsonne. Vom Beobachtungspunkt am Festland-Ende hast du den vollen Blick auf das Bauwerk und die Insel dahinter.
Insel Fehmarn
Über die Fehmarnsundbrücke in 10 Minuten erreichbar. Burg auf Fehmarn als Hauptort, Südstrand mit feinem Sand, das Westufer mit Steilküste, Klippen am Marienleuchte. Ein voller Tag reicht für die Insel-Highlights. Mehr dazu auf fehmarn.de.
Hafenmuseum am Steinwarder
Klein, aber thematisch dicht. Modelle der Heiligenhafener Cutter-Flotte, alte Netze und Fanggeräte, eine Foto-Sammlung aus dem Hafen der 1930er Jahre. Eintritt rund 5 EUR Erwachsene. Lohnt sich an Regentagen oder als Kontext-Stunde vor dem Hafenbesuch.
Aktivitäten und Erlebnisse
Heiligenhafen hat mehr Wassersport-Optionen als die meisten Ostseebäder gleicher Größe — eine Folge der konstanten Windverhältnisse am Bottsand. Drei Konstellationen:
Bei Sonne
- Wind- und Kitesurfen am Bottsand Schule und Verleih am Übergang Hauptstrand/Bottsand, Halbtagskurs ab 60 EUR, Material-Verleih ab 35 EUR pro Halbtag
- Stand-Up-Paddling im Binnensee ruhiges Gewässer ohne Wellengang, ideal für Anfänger, Halbtag-Verleih rund 25 EUR
- Hafenrundfahrt Schiffsausflug entlang Steinwarder und Graswarder, rund 75 Minuten, ab 15 EUR Erwachsene
- Radtour auf den Ostseeküstenradweg Richtung Westen nach Großenbrode (8 km), Richtung Osten über die Sundbrücke nach Fehmarn (15 km bis Burg)
- Beachvolleyball öffentliche Felder am Steinwarder, kostenlos
Bei Regen
- Aquafun Heiligenhafen kommunales Schwimmbad mit Hallen- und Außenbecken, Saunalandschaft, Tagesticket rund 16 EUR Erwachsene
- Hafenmuseum am Steinwarder kompaktes Museum zur Fischerei-Geschichte, ein bis zwei Stunden
- Heimatmuseum Altstadt Stadtgeschichte, Wechselausstellungen lokaler Künstler
- Fehmarn Meereszentrum (15 km): Aquarium mit Haien, Rochen und einheimischer Ostseefauna
- Schiffsrundfahrt bei leichtem Regen geht — die Schiffe haben überdachte Innenbereiche
Mit Kindern
Der Binnensee ist die Familien-Adresse: ruhiges Wasser, mehrere Spielplätze direkt am Ufer, ein Streichelzoo, Tretboote und SUP-Verleih. Im Hinterland des Binnensees liegt der Kletterwald Heiligenhafen mit Parcours für verschiedene Altersgruppen — ab vier Jahren, je nach Höhe. Der Strand am Steinwarder hat über die ersten 30 Meter sehr flaches Wasser, Strandkorb-Reservierung am Vortag empfehlenswert.
Sportlich
Joggingstrecke vom Hafen entlang der Promenade auf den Steinwarder und zurück: 4 km Rundkurs, ohne Querung. Krafttraining im Open-Air-Bereich am Binnensee, kostenlos. Für Tennis hat der Heiligenhafener Tennisclub Sand- und Hartplätze, Gastspielerkarte rund 18 EUR pro Stunde. Der Yacht- und Segelclub vermietet im Sommer Jollen für Tagestouren.
Gastronomie und regionale Spezialitäten
Die Küche ist Hafen-Küche: frischer Fisch direkt vom Kutter, Ostseegarnelen aus dem Beifang, Aal aus den Binnenseen, dazu klassische norddeutsche Beilagen wie Bratkartoffeln oder Mehlbeutel. Die Klassiker findest du an drei Orten:
Fischbrötchen-Buden am Hafen
Direkt an der Hafenkante stehen drei Fischbrötchen-Buden, geöffnet von April bis Oktober, je nach Wetter auch früher. Bismarck, Brathering, Matjes und Krabbensalat zwischen 4 und 7 EUR pro Brötchen. Wer Glück hat, bekommt das Fischbrötchen mit dem Fisch, der morgens noch im Boot lag — frag direkt: "Ist der von heute?"
Restaurants am Wasser
- Restaurant am Yachthafen gehobene Fischküche mit Hafenblick, Hauptgericht 22 bis 32 EUR, Reservierung in der Saison Pflicht
- Heiligenhafener Bauernhaus traditionelle norddeutsche Küche, Fisch und Fleisch, Hauptgericht 16 bis 24 EUR
- Strandbude Steinwarder einfach, ehrlich, Fischbrötchen und Bier, Hauptgericht unter 15 EUR
- Restaurant auf der Erlebnis-Seebrücke mittelpreisig, Pluspunkt ist die Lage 500 Meter über dem Wasser
Cafes und Backwaren
Das Cafe Marktplatz in der Altstadt führt Kuchen aus eigener Backstube, klassisches Sonntagsfrühstück. Eiscafe am Hafen hat eines der wenigen Sanddorn-Eis-Sortimente an der Küste. Die Bäckerei am Bahnhof öffnet um 5:30 Uhr — wenn du eine Vor-dem-Strand-Tour planst.
Markttag und Direktverkauf
Wochenmarkt jeden Mittwoch und Samstag von 8 bis 12 Uhr am Marktplatz: regionaler Honig, Wurst aus Holstein, Sanddorn-Produkte, Käse aus dem Hinterland. Der Direktverkauf am Hafen läuft anders — kein fester Markt, sondern wann die Cutter zurückkommen. Faustregel: Vormittag zwischen zehn und zwölf Uhr am östlichen Hafenkai. Frische Krabben, Hering, Plattfisch direkt vom Boot, Preise pro Kilo deutlich unter Supermarkt.
Regionale Spezialitäten zum Mitnehmen
- Geräucherter Aal aus den Holstein-Seen, beim Räucherhaus am Binnensee
- Sanddornprodukte aus Mecklenburg-Holstein (Saft, Likör, Marmelade)
- Heiligenhafener Krabben Direktverkauf am Hafen oder im Räucherhaus
- Apfel-Sanddorn-Saft aus den Streuobstwiesen im Hinterland
Events und Saisonkalender
Heiligenhafen ist als Hafenstadt eventgeprägt — die wichtigsten Termine drehen sich ums Wasser. Generisch nach Quartal, weil die Datums sich jährlich verschieben:
Frühjahr (April bis Juni)
Saisonstart der Strandkorb-Vermietung Anfang Mai, parallel öffnen Strandbars und Hafencafes. Ende Mai läuft jährlich das Heringsfest am Hafen — Verkostungen, Live-Musik am Kai, Cutter-Besichtigungen. Im Juni eröffnen die geführten Touren über den Graswarder.
Sommer (Juli bis September)
Hauptsaison. Anfang Juli bis Mitte August die Heiligenhafener Hafenfesttage — drei Tage Fischmarkt, Konzertbühnen am Yachthafen, Kutter-Korso über das Wasser. Im August die Internationale Sail Heiligenhafen, ein offenes Treffen von Traditionsseglern und Yachten aus der gesamten Ostsee. Anfang September das Drachenbootrennen am Binnensee, Mitte September das Kunsthandwerker-Wochenende auf dem Marktplatz.
Herbst (Oktober bis November)
Anfang Oktober die Heiligenhafener Kutter-Regatta — historische Fischerboote im Wettkampf, vom Festland und der Erlebnis-Seebrücke gut zu beobachten. Ende Oktober schließen die meisten Strandservice-Anbieter. Der Yachthafen leert sich, viele Boote gehen ins Winterlager.
Winter (Dezember bis Februar)
Adventsmarkt am Marktplatz im Dezember, kompakt, mit Hafenkulisse. Silvesterfeuerwerk vom Yachthafen über den Hafen — der Knall hallt vom Steinwarder zurück. Im Januar und Februar ist Heiligenhafen still — wer Sturmspaziergänge auf der Seebrücke sucht, kommt jetzt. Die Wellnesshotels laufen mit Off-Season-Tarifen.
Geschichte und Kultur
Heiligenhafen wird erstmals 1305 urkundlich erwähnt — der Name verweist auf einen Heiligen, dem die Hafenmole geweiht war (vermutlich Sankt Peter, Schutzpatron der Fischer). Die Stadtrechte erhielt der Ort 1364 von Graf Johann III. von Holstein-Plön. Von Anfang an war Heiligenhafen reine Fischer- und Hafenstadt — keine Festung, kein Adelssitz, sondern Arbeitsküste.
Vom Heringshafen zum Seebad
Bis ins 19. Jahrhundert lebte der Ort vom Heringsfang in der westlichen Ostsee. Die Saison im Frühjahr brachte hunderte Tonnen Fisch in den Hafen, der gesalzen und in Fässern weiterverkauft wurde. Der Niedergang kam mit der Industriefischerei: nach 1900 wanderten die Schwärme ab, der traditionelle Fang wurde unrentabel. Mit dem Bahnanschluss 1898 (Strecke Lübeck–Puttgarden) entdeckte der Ort den Tourismus — die ersten Sommergäste waren Hamburger Bürgerfamilien, die ans Meer wollten und keinen Sylt-Etat hatten. 1949 erhielt Heiligenhafen offiziell den Status eines Ostseebads.
Die Erlebnis-Seebrücke von 2012
Die heutige Seebrücke ist nicht historisch. Sie wurde am 28. Juni 2012 eingeweiht und ersetzte einen einfacheren Vorgänger aus den 1980er Jahren. Mit 435 Metern, Insel-Plattformen und zwei Etagen ist sie die modernste und aufwendigste Seebrücke der deutschen Ostseeküste. Das Konzept verbindet Wegeführung, Aufenthaltsplattformen und kulinarische Punkte — entwickelt mit Architekten aus Kiel, finanziert über städtische Mittel und Tourismusabgaben. Bauzeit 14 Monate (Beginn 2011), Investitionsvolumen rund 11 Millionen Euro.
Plattdeutsch und Hafenkultur
Im Alltag fast verschwunden, lebt Plattdeutsch an Hauswänden, in Spitznamen der Cutter ("De ole Möv", "Lütt Anna") und in der Lokalküche. Wer einen Kontaktpunkt sucht: das jährliche Plattdeutsche Lesefest in der Stadtbibliothek im November. Die Hafenkultur prägt den Ort spürbar — anders als in den Bädern der Lübecker Bucht ist hier Arbeit am Wasser noch sichtbar. Räuchertonnen rauchen im Hinterhof, Netze trocknen am Kai, Cutter-Mannschaften sitzen mittags im Bauernhaus beim Bier.
Wetter und beste Reisezeit
Das Klima an der westlichen Ostseeküste ist gemäßigt-maritim. Heiligenhafen liegt an einem exponierten Küstenabschnitt — der Wind weht häufiger und stärker als in der geschützten Lübecker Bucht. Genau das macht den Ort für Surfer interessant. Die Wassertemperaturen erreichen im August Höchstwerte um 19 Grad, im Oktober fallen sie unter 13 Grad.
Beste Reisezeit für Familien
Mai & September
Hochsaison
Juli & August
Surfer und Sturmgänger
Oktober bis April
Praktische Tipps
- € Kurtaxe 3,50 EUR pro Erwachsenem und Tag in der Hauptsaison, 1,80 EUR in der Nebensaison. Wird über das Hotel mitabgerechnet, gilt als Strandzugang und Rabatt-Schlüssel für das Aquafun.
- D Hunde am Hundestrand westlich des Ortskerns ganzjährig erlaubt, sonst vom 1. April bis 31. Oktober am Strand verboten. Auf der Erlebnis-Seebrücke an der Leine erlaubt. Im Naturschutzgebiet Graswarder grundsätzlich verboten.
- W WLAN kostenfreies Hafen-WLAN am Yachthafen und entlang der Promenade. Auf der Erlebnis-Seebrücke nur bis zur ersten Plattform stabil.
- + Apotheke & Ärzte zwei Apotheken im Ortskern, vier Hausarztpraxen. Notdienst rotiert mit Großenbrode und Burg auf Fehmarn, Liste am Apotheken-Eingang. Nächstes Krankenhaus: Sana-Klinik Oldenburg in Holstein (20 km).
- € Geldautomaten Sparkasse Bergstraße, Volksbank Marktplatz, Edeka am Binnensee. Am Yachthafen ein zusätzlicher Automat für die Saison.
- B Barrierefreiheit Hafenpromenade komplett rollstuhltauglich, Erlebnis-Seebrücke mit ebenem Belag bis zum Ende. Strandzugang für Rollstühle am Steinwarder ausgeschildert, Strandrollstuhl kostenfrei über den Tourismus-Service mietbar.
- i Tourismus-Service Bergstraße 43, ganzjährig geöffnet, in der Saison auch Sonntags. Telefon 04362 9072-0, gedruckte Karten und aktuelle Hafentermine.
Insider-Tipps
Drei Spots, die nicht in jedem Reiseführer stehen:
Direktverkauf am Cutter
Frischen Fisch direkt vom Boot kaufen funktioniert in Heiligenhafen besser als in den meisten Häfen. Faustregel: Vormittag zwischen zehn und zwölf Uhr am östlichen Hafenkai, fragen, ob die Boote raus waren. Krabben, Hering, Plattfisch zu Preisen, die deutlich unter Supermarkt liegen. Wer weiß, dass es kein fester Stand ist, sondern Tagesfang, fühlt sich nicht abgewiesen, wenn ein Boot mal nichts hat. Der Tourismus-Service Heiligenhafen (04362 9072-0) hat oft tagesaktuelle Infos, ob die Cutter raus waren.
Sonnenaufgang am Bottsand
Im Sommer geht die Sonne über dem Ostsee-Horizont auf — am Bottsand hast du den Strand morgens um sechs noch komplett für dich. Der Sand ist hier feiner als am Hauptstrand, die Vögel über dem Graswarder beginnen ihren Tag. Bring Kaffee in der Thermoskanne mit, in der Saison öffnen die Strandbars erst gegen neun.
Pflanzlicher Wildgarten am Binnensee
Am östlichen Ende des Binnensees, hinter der Bootsanlegestelle, liegt ein wenig markierter Pflanzlicher Wildgarten — Streuobstwiese mit alten norddeutschen Apfelsorten, Wildkräuterzonen, ein kleiner Bachlauf. Im Spätsommer kannst du Boskoop und Holsteiner Cox direkt vom Baum probieren. Geöffnet von April bis Oktober, Eintritt frei. Frag im Tourismus-Service nach der genauen Adresse — er steht in keiner Karte.
Umgebung und Tagesausflüge
Die Region rund um Heiligenhafen hat mehr zu bieten als Hafen und Strand. Drei Tagestouren für drei Wettertypen:
Bei Sonne: Insel Fehmarn (15 bis 30 km)
Über die Fehmarnsundbrücke in 10 Minuten erreichbar. Burg auf Fehmarn als Hauptort mit Marktplatz und der Sankt-Nikolai-Kirche. Der Südstrand mit feinem Sand, das Westufer mit Steilküste am Marienleuchte. Wer Zeit hat, fährt einmal die Insel-Westseite ab — Wallnau mit dem NABU-Wasservogelreservat ist einer der besten Vogelbeobachtungsorte Norddeutschlands. Mittagessen im Hafen Burgstaaken, Rückfahrt am Abend. Mehr Infos auf fehmarn.de.
Bei Wechselwetter: Lübeck Altstadt (55 km)
Mit dem Auto rund 50 Minuten ohne Stau, mit der Bahn 1:15 Stunden mit einem Umstieg in Lübeck-Travemünde-Strecke. Vor Ort: das Holstentor (Wahrzeichen), die Marienkirche, das Buddenbrookhaus (Thomas Mann-Museum), das Niederegger-Stammhaus mit Marzipan-Salon. Plan einen ganzen Tag oder zwei halbe ein.
Bei Regen: Eutin und Holsteinische Schweiz (45 km)
Schloss Eutin mit barocken Innenräumen, Schlosspark zum Spazieren auch im Regen (es gibt mehrere Pavillons). Wenn das Wetter aufklart: weiterfahren zum Plöner See, Schiffsrundfahrt ab Plön, Ausblick vom Aussichtsturm Parnass. Für die Fahrt rechne 50 Minuten Auto.
Tagesausflüge im Umkreis (20 bis 60 km)
- Großenbrode ruhiger Nachbarort 8 km westlich, durchgehender Sandstrand, weniger Tagesgäste
- Oldenburg in Holstein ehemalige slawische Burganlage, das Wallmuseum mit rekonstruiertem Slawendorf — gut für Familien an Schlechtwettertagen
- Neustadt in Holstein Hafenstadt mit historischer Altstadt, das U-Boot-Museum am Hafen, Arena Hotel mit Spa
- Dahme und Kellenhusen Bäder südlich auf der Halbinsel Wagrien, ruhig und familienfreundlich



