Goslar liegt am Nordrand des Harz auf rund 255 Metern Höhe und gehört zu den seltenen Orten mit gleich drei UNESCO-Welterbe-Titeln auf engem Raum: die mittelalterliche Altstadt mit Kaiserpfalz, das Schaubergwerk Rammelsberg und das Oberharzer Wasserregal. Die Salierstadt zählt rund 50.500 Einwohner, bewahrt etwa 1.500 Fachwerkhäuser aus sieben Jahrhunderten und liegt an der Eisenbahnstrecke Hannover–Bad Harzburg. Wer das mittelalterliche Norddeutschland an einem Wochenende erleben will, findet hier ein dichtes Kulturprogramm mit Wanderoption ins Harzer Hinterland. Aktuelles, Stadtführungen und Veranstaltungen pflegt die Stadt auf goslar.de.

Karte von Goslar am Nordrand des Harz mit Altstadt, Kaiserpfalz und Rammelsberg © OpenStreetMap Mitwirkende

Anreise und Erreichbarkeit

Goslar erreichst du aus jeder Himmelsrichtung in unter vier Stunden. Der Ort liegt 20 km östlich der A7, hat einen eigenen Bahnhof zehn Gehminuten vom Marktplatz entfernt und ist über die B82 und B6 in das Harz-Nahverkehrsnetz eingebunden. Aktuelle Service-Adressen, Stadtführungen und Konzert-Tickets gibt es bei der Tourist-Information am Markt 7.

Mit dem Auto

Aus Westen fährst du die A7 bis Abfahrt 67 Rhüden, dann über die B82 in 20 Minuten ins Zentrum. Aus Norden geht es ab Hannover über A7 und B6 in eineinhalb Stunden, aus Osten via A395 ab Wolfenbüttel. Bad Harzburg liegt 15 km östlich an der B6, Wernigerode 35 km östlich.

Hannover 95 km ~1:15 h
Hamburg 260 km 2:45 bis 3:00 h
Berlin 240 km 2:30 h via A2/A395
Leipzig 175 km 2:00 h via A38
Frankfurt 310 km 3:15 h via A7

Im Winter brauchst du Winterreifen — Pflicht ab erstem Schnee, in der Regel von November bis April. An Wochenenden mit Großveranstaltungen (Altstadtfest Ende Juni, Adventszeit) sind die innerstadtnahen Parkplätze ab Mittag voll. Plan eine halbe Stunde Puffer ein.

Mit der Bahn

Goslar liegt an der Strecke RE10 Hannover–Bad Harzburg, etwa stündlich, Fahrtzeit aus Hannover rund 1:45 Stunden. Aus Hamburg und Berlin steigst du in Hannover oder Braunschweig um. Aktuelle Verbindungen prüfst du auf bahn.de.

Hannover Hbf ~1:45 h RE10 direkt
Braunschweig Hbf ~0:50 h RE direkt
Hamburg Hbf ~3:15 h Umstieg in Hannover
Berlin Hbf ~3:15 h ICE bis Wolfsburg, dann RE

Vom Bahnhof Goslar läufst du in zehn Minuten quer durch die Altstadt zum Marktplatz und zur Kaiserpfalz. Die Innenstadt ist für Autos weitgehend gesperrt — wer mit der Bahn anreist, bewegt sich in Goslar entspannter. Die Brockenbahn der Harzer Schmalspurbahnen startet in Wernigerode (35 km östlich) und ist als Tagesausflug einfach kombinierbar.

Mit dem Flugzeug

Nächster Verkehrsflughafen ist Hannover (HAJ), etwa 95 km entfernt. Vom Flughafen kommst du mit der S5 in 17 Minuten zum Hauptbahnhof, dort steigst du in den RE10 nach Goslar um. Gesamtzeit Flughafen → Goslar: rund drei Stunden inklusive Umstieg. Mietwagen am Flughafen sind eine Alternative für alle, die danach das Harz-Hinterland erkunden wollen.

Parken vor Ort

Im Ort gibt es vier zentrale Parkbereiche: Parkdeck am Bahnhof (Tagesticket 5 EUR), Parkhaus Marktkirche direkt an der Altstadt (1,80 EUR pro Stunde, Tagesmaximum 12 EUR), Parkplatz Rammelsberg an der Bergtalstraße (kostenfrei für Museumsbesucher, sonst 4 EUR pro Tag) und Tiefgarage am Achtermann (Tagesticket 8 EUR). Hotels mit eigener Tiefgarage frag bei der Buchung gezielt nach — der Marktplatz ist autofrei, alle Parkhäuser liegen am Altstadtrand und sind in fünf bis acht Minuten zu Fuß erreicht.

Altstadt, Kaiserpfalz und Rammelsberg

Goslar trägt drei UNESCO-Auszeichnungen: 1992 die Altstadt mit Kaiserpfalz, gleichzeitig das Schaubergwerk Rammelsberg, 2010 die Erweiterung um das Oberharzer Wasserregal. Drei Schwerpunkte gehören zum Pflichtprogramm.

Altstadt mit Marktplatz und Glockenspiel

Die Altstadt bewahrt rund 1.500 Fachwerkhäuser aus sieben Jahrhunderten — von romanischen Steinhäusern bis zu Bauten der Hanse-Zeit. Am Marktplatz stehen das Rathaus mit dem 1494 fertiggestellten Huldigungssaal, das Kaiserringhaus und der Marktbrunnen mit dem goldenen Adler. Das Glockenspiel am Kaiserringhaus läuft viermal täglich (9, 12, 15, 18 Uhr) und erzählt in vier Szenen die Bergbau-Geschichte des Rammelsbergs vom mittelalterlichen Knappen bis zum modernen Bergmann.

Kaiserpfalz Goslar (ab 1015)

Die Kaiserpfalz wurde ab 1015 unter Heinrich II. errichtet, im 19. Jahrhundert nach napoleonischer Zerstörung restauriert — der zweischiffige Reichssaal mit den Wandgemälden von Hermann Wislicenus zur deutschen Kaisergeschichte ist einer der größten profanen Bauten des deutschen Mittelalters. Eintritt rund 10 EUR, Audioguide inklusive. Direkt unterhalb auf dem Domplatz steht die Vorhalle der 1820 abgerissenen Stiftskirche St. Simon und Judas und die Pfalzkapelle St. Ulrich mit dem Marmorthron Heinrichs IV.

Schaubergwerk Rammelsberg (UNESCO seit 1992)

Über tausend Jahre wurde am Rammelsberg Erz gefördert — Silber, Kupfer, Blei, Zink. 1988 stellte das Werk den Betrieb ein, seit 1992 ist es UNESCO-Welterbe und Museum. Drei Untertage-Touren stehen zur Wahl: Roeder-Stollen (90 Min, historische Wasserräder aus dem 18. Jahrhundert, Erwachsene rund 16 EUR), Rathstiefster Stollen (90 Min, Förderkörbe und Erzbahn) und Grubenfahrt (2:30 Std, mit Original-Grubenbahn ins Bergwerk hinein). Helm und Mantel werden gestellt, Temperatur untertage ganzjährig 12 Grad — Pullover mitnehmen. Service-Infos auf rammelsberg.de.

Oberharzer Wasserregal (UNESCO-Erweiterung 2010)

Das vorindustrielle Wassersystem versorgte den Bergbau über Jahrhunderte mit Energie: 65 Teiche, 70 Kilometer Gräben und 30 Kilometer Wasserläufe quer durch den Oberharz. Die Anlage stammt aus dem 16. bis 19. Jahrhundert und ist eines der weltweit umfangreichsten erhaltenen vorindustriellen Wasserwirtschaftssysteme. Wandern entlang der Gräben (z.B. Dammgraben-Wanderweg ab Hahnenklee) oder Besuch des Bergwerksmuseums Clausthal-Zellerfeld (15 km südlich) bringen die Geschichte näher.

Top-Sehenswürdigkeiten

Kaiserpfalz Goslar (1015)

Eine der bedeutendsten profanen Bauanlagen des deutschen Mittelalters, ab 1015 unter Heinrich II. errichtet, im 19. Jahrhundert nach napoleonischer Zerstörung wieder aufgebaut. Im Reichssaal die historischen Wandgemälde von Hermann Wislicenus zur deutschen Kaisergeschichte. Eintritt rund 10 EUR mit Audioguide. Geöffnet ganzjährig, Mo geschlossen außerhalb der Saison.

Marktkirche St. Cosmas und Damian

Romanische Pfeilerbasilika aus dem 12. Jahrhundert, mit dem Glockenturm einer der Orientierungspunkte der Altstadt. Im Inneren spätgotische Glasmalerei aus dem 15. Jahrhundert, Bronzetaufbecken von 1573. Eintritt frei, Turmaufstieg 3 EUR mit Blick über die Altstadt bis zum Rammelsberg. Sonntags Gottesdienst, in der Saison Orgelkonzerte.

Schaubergwerk Rammelsberg

UNESCO-Welterbe seit 1992, drei Untertage-Touren von 90 Minuten bis 2:30 Stunden, plus Übertage-Museum mit Bergbau-Ausstellung über tausend Jahre. Roeder-Stollen und Grubenfahrt sind die Klassiker. Helm und Mantel gestellt, untertage 12 Grad — Pullover mitnehmen. Tickets ab rund 16 EUR, Familienkarte ab 35 EUR.

Mönchehaus Museum für moderne Kunst

Im ehemaligen Dominikanerkloster aus dem 16. Jahrhundert, seit 1978 Museum für zeitgenössische Kunst. Zeigt jedes Jahr den Träger des Goslarer Kaiserrings — den ältesten westeuropäischen Preis für moderne Kunst, vergeben seit 1975 an Joseph Beuys, Anselm Kiefer, Cindy Sherman und andere. Eintritt 7 EUR, Mo geschlossen.

Glockenspiel am Kaiserringhaus

Mechanisches Figurenspiel am Marktplatz, viermal täglich um 9, 12, 15 und 18 Uhr. Erzählt in vier Szenen die Bergbau-Geschichte des Rammelsbergs vom mittelalterlichen Knappen bis zum modernen Bergmann. Dauer rund fünf Minuten, kostenfrei. Im Sommer schauen 50 bis 100 Leute zu — wer Platz haben will, kommt fünf Minuten vorher.

Goslarer Museum am Königsberg

Stadtgeschichte vom Mittelalter bis in die Gegenwart, mit Original-Goldscheibe vom Marktbrunnen, Münzkabinett aus der Goslarer Münzstätte und einer Abteilung zur Bergbau-Sozialgeschichte. Eintritt 6 EUR, Mo geschlossen. Lohnt sich vor oder nach dem Rammelsberg-Besuch zur Einordnung.

Siemenshaus (1693)

Eines der ältesten Patrizierhäuser Goslars, Stammhaus der Familie Siemens (Vorfahren der Industriellendynastie). Schautrakt mit Wohnräumen aus dem 17. und 18. Jahrhundert, Lehmgefache und Originalkachelöfen. Schreiberstraße 12, Führung Mo und Do um 10 Uhr, Anmeldung über die Tourist-Information. Eintritt 3 EUR.

Aktivitäten und Erlebnisse

Was du in Goslar unternimmst, hängt von Saison und Reisegruppe ab. Vier Konstellationen:

Bei Sonne

  • Stadtführung: Tourist-Information ab Markt 7, täglich 11 Uhr, rund 90 Minuten, 12 EUR pro Person
  • Wandern: Liebesbankweg (15 km Rundweg ab Hahnenklee) oder Dammgraben-Wanderweg entlang des Wasserregals
  • Aussichtspunkt Petersberg (310 m): zehn Minuten zu Fuß südlich der Kaiserpfalz, kein Eintritt
  • Sommerrodelbahn Hahnenklee (15 km südlich): 700 Meter Edelstahlbahn am Bocksberg, familienfreundlich

Bei Regen

  • Schaubergwerk Rammelsberg — untertage ist es immer trocken und 12 Grad warm
  • Mönchehaus Museum für moderne Kunst
  • Goslarer Museum am Königsberg mit Stadtgeschichte und Goldscheibe
  • Therme Bad Harzburg (15 km östlich) als Wellness-Alternative

Mit Kleinkindern

Glockenspiel um 12 Uhr am Marktplatz als Mittagspausen-Highlight, Goslarer Museum mit Kinder-Quiz, Bocksberg-Sessellift und Sommerrodelbahn in Hahnenklee. Die Kaiserpfalz ist mit Kinderwagen befahrbar (Aufzug in den Reichssaal), das Schaubergwerk Rammelsberg erst ab vier Jahren empfohlen — die Stollen sind für jüngere Kinder oft beklemmend. Spielplätze gibt es am Maltermeisterturm und im Steinberger Park am Altstadtrand.

Sportlich

Wanderung auf den Steinberg (332 m, 1:30 h ab Altstadt) oder den Rammelsberg-Plateauweg (635 m, 2:30 h hin und zurück). Mountainbike-Touren auf den ausgeschilderten Strecken durch den Goslarer Stadtwald, Leihrad ab 20 EUR pro Tag. Joggingstrecke entlang der Abzucht (Bachlauf durch die Altstadt) Richtung Steinbergpark, asphaltiert und ohne Höhenmeter.

Gastronomie und regionale Spezialitäten

Die Harzer Küche ist deftig und bergmännisch geprägt: Wild aus den umliegenden Wäldern, Forelle aus den Talsperren, dazu Klöße oder Bratkartoffeln. Drei Anlaufstellen:

Restaurants in der Altstadt

  • Brusttuch Restaurant: im Patrizierhaus von 1526 am Marktplatz, gehobene Harzer Küche, Hauptgericht 22 bis 32 EUR, Reservierung empfohlen
  • Worthmühle: in der historischen Mühle aus dem 16. Jahrhundert, regionale Klassiker mit Wild und Forelle, Hauptgericht 18 bis 26 EUR
  • Die Butterhanne: traditionelles Wirtshaus am Markt, Bergmannskost, Schnitzel und Klöße, Hauptgericht 14 bis 22 EUR, kinderfreundlich
  • Restaurant Aubergine: leichtere Mittelmeer-Küche als Kontrast, Hauptgericht 16 bis 24 EUR, Terrasse zum Marktplatz

Hütten und Wandereinkehr

Auf dem Rammelsberg gibt es das Cafe Rammelsberg direkt am Museumsgelände — Bratkartoffeln mit Spiegelei, Hüttengulasch, im Winter Glühwein. Der Bocksberg-Gipfel in Hahnenklee (15 km) ist mit dem Sessellift erreichbar; die Bocksbergbaude führt traditionelle Forsthaus-Küche mit Selbstbedienung in der Stube.

Cafés und Konditoreien

Das Cafe Anders am Markt führt hausgebackene Harzer Spezialitäten und Baumkuchen — Stück 4 EUR. Die Bäckerei Vollmer in der Hokenstraße öffnet ab 6 Uhr und versorgt Frühaufsteher mit warmen Brötchen vor der Wandertour. Im Sommer Terrasse zur Fußgängerzone.

Markttag

Wochenmarkt jeden Dienstag und Freitag von 8 bis 13 Uhr am Marktplatz. Regionaler Honig aus dem Harzvorland, Wurst aus Bockenem, Forelle aus den Harz-Talsperren. Wer in einer Ferienwohnung kocht, deckt sich hier ein. Im Sommer auch Stände mit Beeren und Pilzen aus dem Stadtwald.

Regionale Spezialitäten zum Mitnehmen

  • Harzer Käse aus Sauermilch (geringer Fettgehalt, kräftiger Geschmack), beim Hofverkauf in Klingelhausen oder bei der Käserei am Markt
  • Bergmanns-Schnaps aus regionalen Brennereien, klassische Sorten Kümmel und Hagebutte
  • Goslarer Münze als Schokoladen-Spezialität nach historischem Münzbild, in der Bonbon-Manufaktur am Markt
  • Brockenkristall aus der Glasmanufaktur Derenburg (30 km östlich)

Events und Saisonkalender

Goslar verteilt sich über das Jahr auf mehrere große Veranstaltungen mit überregionaler Strahlkraft. Vier Termine, an denen die Stadt deutlich voller wird:

Frühjahr — Ostermarkt am Domplatz (April)

An den Wochenenden vor Ostern verwandelt sich der Domplatz in einen Markt mit lokalem Handwerk, bemalten Eiern aus dem Erzgebirge und Harzer Ostergebäck. Etwa 40 Stände, kostenfreier Eintritt. Besonders beliebt für den Tagesausflug aus Hannover und Braunschweig.

Sommer — Altstadtfest und Kaiserpfalz-Konzerte

Drei Tage Festumzug, Mittelaltermarkt, Live-Musik und Open-Air-Bühne am Marktplatz Ende Juni. Höhepunkt am Samstagnachmittag mit dem historischen Umzug — rund 800 Mitwirkende in mittelalterlichen Kostümen, Eintritt frei. Hotels in der Altstadt sind in dieser Zeit Wochen im Voraus ausgebucht. Im Juli und August die Kaiserpfalz-Konzerte im Reichssaal: sechs bis acht Termine pro Saison, Tickets 25 bis 60 EUR, Programm zwischen Bach-Soloabend und Streichquartett.

Herbst — Verleihung des Kaiserrings (Anfang Oktober)

Der Goslarer Kaiserring ist seit 1975 der älteste westeuropäische Preis für moderne Kunst. Verliehen wurde er an Joseph Beuys, Anselm Kiefer, Cindy Sherman, Olafur Eliasson und andere. Verleihungszeremonie im Mönchehaus, Sonderausstellung des aktuellen Preisträgers über mehrere Monate. Eintritt zur Ausstellung 7 EUR.

Winter — Weihnachtsmarkt mit Lichterzauber-Wald (Ende November bis 30. Dezember)

Der Goslarer Weihnachtsmarkt am Marktplatz und Schuhhof gilt als einer der schönsten in Norddeutschland — Höhepunkt ist der Lichterzauber-Wald auf dem Schuhhof: 33 echte Tannenbäume in Lichterketten, gespeist über Erdkabel. Rund 100 Stände, Eintritt frei, geöffnet täglich bis 30. Dezember. Im Januar und Februar wird die Stadt sehr ruhig, viele Hotels haben Wellness-Angebote zu reduzierten Preisen.

Geschichte und Kultur

Goslar wurde erstmals 922 erwähnt — als Ort am Fuß des Rammelsbergs, dessen Erzlagerstätten der Sage nach durch das Pferd des Ritters Ramm entdeckt wurden. Die historisch belegte Geschichte beginnt mit Heinrich II., der ab 1015 die Pfalz als Stützpunkt seiner Bergbau-Politik errichten ließ.

Vom Reichszentrum zur Hansestadt

Unter den Saliern (Heinrich III., IV. und V.) wurde Goslar zwischen 1040 und 1125 zu einer der wichtigsten Reichspfalzen — bis zu 23 Reichstage tagten hier. Heinrich III. ließ ab 1047 den Dom errichten (1820 abgerissen, nur die Vorhalle blieb erhalten), Heinrich IV. wuchs in Goslar auf. Mit dem Niedergang der Salier um 1150 verlor die Pfalz an politischem Gewicht; die Stadt entwickelte sich zur freien Reichsstadt mit Bergbau-Privilegien und trat 1267 der Hanse bei.

Bergbau, Kaiserring und Wiederaufbau

Über tausend Jahre lieferte der Rammelsberg Silber, Kupfer, Blei und Zink — die Stadt finanzierte sich über Jahrhunderte aus dem Bergzehnt. Erst 1988 wurde das Werk stillgelegt. 1992 erkannte die UNESCO Altstadt und Bergwerk an, 2010 erweiterte sie das Welterbe um das Oberharzer Wasserregal. Im Zweiten Weltkrieg blieb die Altstadt weitgehend unversehrt — anders als Hildesheim oder Hannover. Der historische Stadtkern wurde nach 1945 nicht überformt, was die heutige Dichte an Fachwerkhäusern erklärt. Seit 1975 vergibt die Stadt den Kaiserring, einen der renommiertesten europäischen Preise für moderne Kunst.

Sprache und lokale Tradition

Plattdeutsch ist im Alltag selten geworden, lebt aber in Straßennamen ("Hokenstraße" für Verkäufer-Straße, "Worthmühle" für Werder = Insel) und im Bergmanns-Lied "Steigerlied" weiter, das bei jeder Stadtführung erklingt. Der typische Gruß "Glück auf" ist Bergmanns-Etikette und wird in Goslar bis heute bei Veranstaltungen verwendet. Wer Plattdeutsch hören will, geht in eines der Ratswirtshäuser zur Mittagszeit oder besucht eine der jährlichen Bergmanns-Andachten an Barbara (4. Dezember).

Wetter und beste Reisezeit

Das Klima im Nordharz ist gemäßigt-kontinental und durch die Höhenlage spürbar kühler als im Tiefland. Goslar selbst liegt auf 255 Metern und ist vergleichsweise mild, die Höhenstationen am Brocken oder in Braunlage zeigen das Harz-typische Klima deutlicher. Schnee liegt in Goslar an etwa 25 bis 30 Tagen pro Jahr, am Rammelsberg-Plateau (635 m) und auf den Wanderwegen Richtung Brocken deutlich öfter. Klima-Daten der nächsten Höhenstation auf dwd.de.

Jan
Feb
Mär
Apr
Mai
Jun
Jul
Aug
Sep
Okt
Nov
Dez
Hauptsaison Geheimtipp Nebensaison Off-Season

Beste Reisezeit für Familien

Juni bis September

Luft Tal14 bis 20 Grad
Niederschlag~70 mm pro Monat
Trubelangenehm, voll am Rammelsberg
Tageslicht14 bis 16 Stunden

Hochsaison Weihnachtsmarkt

Ende November & Dezember

Luft0 bis 5 Grad
Hotelpreise20 bis 30 % über Standard
StimmungLichterzauber-Wald am Marktplatz
Frühbuchungzwei bis drei Monate vorher

Wellness und Ruhe

Januar bis März

Luft1 bis 5 Grad
Preise25 bis 35 % unter Hauptsaison
Wetteroft Hochnebel im Tal, klare Höhe
Trubelfast menschenleer

Praktische Tipps

  • HarzCard: 24 oder 48 Stunden gültig, Eintritt zu rund 100 Attraktionen in der ganzen Harzregion (Rammelsberg, Kaiserpfalz, Brockenbahn, Schaubergwerke) — 24h-Karte 49 EUR, 48h-Karte 89 EUR. Lohnt sich ab drei Eintritten. Verkauf in der Tourist-Information.
  • 🐕 Hunde: in der Altstadt und auf den Wanderwegen ganzjährig erlaubt, Leinenpflicht im Nationalpark Harz. Im Schaubergwerk Rammelsberg nicht erlaubt, in der Kaiserpfalz und Museen meist nicht zugelassen. Hotels mit Hunde-Zuschlag 8 bis 15 EUR pro Tag.
  • 📶 WLAN: kostenfreies Hotspot-Netz am Marktplatz, im Bahnhofsbereich und im Bereich der Kaiserpfalz. In der Altstadt verlässlich, am Rammelsberg untertage kein Empfang — Karten und Audioguides werden gestellt.
  • + Apotheke und Ärzte: Markt-Apotheke direkt am Marktplatz, Bahnhofs-Apotheke gegenüber dem Bahnhof. Notdienst rotiert mit Bad Harzburg und Vienenburg. Nächstes Krankenhaus: Asklepios Harzklinik Goslar an der Kösliner Straße.
  • Geldautomaten: Sparkasse Goslar am Marktplatz, Volksbank an der Hokenstraße, weitere Automaten am Bahnhof und im Parkhaus Marktkirche. Karten-Zahlung in den meisten Restaurants und Museen, Wochenmarkt-Stände oft nur Bar.
  • Barrierefreiheit: Marktplatz und Hauptstraßen weitgehend rollstuhltauglich, Kopfsteinpflaster in den Seitengassen erschwert die Befahrung. Kaiserpfalz mit Aufzug in den Reichssaal, Rammelsberg-Übertage barrierefrei, Untertage-Touren nicht. Marktkirche mit Rampe.
  • i Tourist-Information: Markt 7 direkt vor dem Glockenspielhaus, ganzjährig geöffnet, in der Saison auch Sonntags. Stadtführungen täglich 11 Uhr, Wanderkarten, Veranstaltungstickets, HarzCard-Verkauf.
  • Glück auf: der Bergmanns-Gruß ist in Goslar bis heute Etikette bei Veranstaltungen. Wer in einer Bergmanns-Stube einkehrt oder am Barbara-Tag (4. Dezember) eine Andacht besucht, hört ihn dutzendfach.

Insider-Tipps

Vier Spots, die nicht in jedem Reiseführer stehen:

Klosterkammer-Hof am frühen Morgen

Der kleine Innenhof der Klosterkammer Hannover an der Königsstraße ist tagsüber geschlossen, aber zwischen 7 und 9 Uhr für Spaziergänger offen. Romanische Bögen, Brunnen mit Klosterkräutern, kein Schild und kein Eintritt. Nach dem Frühstück und vor dem Tagesprogramm zehn Minuten Stille mitten in der Altstadt.

Aussichtspunkt Petersberg statt Rammelsberg

Die meisten Tagesgäste fahren auf den Rammelsberg für den Blick auf die Stadt. Der bessere Aussichtspunkt liegt fünf Minuten zu Fuß südlich der Kaiserpfalz auf dem Petersberg (310 m) — Wanderweg ab dem Pfalzparkplatz, kein Eintritt, deutlich weniger Andrang. Du siehst von dort die ganze Altstadt mit Marktkirche und Rammelsberg im Hintergrund.

Lokfriedhof Hahnenklee

Im Bocksberg-Vorland bei Hahnenklee (15 km südwestlich) liegt ein kleiner Friedhof historischer Eisenbahn-Lokomotiven aus den 1950er Jahren — Hobby-Sammlerei eines Vereins, samstags von 10 bis 16 Uhr offen, Eintritt auf Spendenbasis. Lohnt sich für Bahn-Begeisterte und als ungewöhnliches Foto-Motiv abseits der UNESCO-Hotspots.

Brusttuch-Hof am Sonntagabend

Im Brusttuch — Patrizierhaus von 1526 am Marktplatz — ist der kleine Innenhof werktags den Hotelgästen vorbehalten. Sonntagabend ab 19 Uhr nimmt man auch Außengäste fürs Glas Wein in der historischen Kulisse. Kein Schild, einfach beim Empfang fragen. Im Sommer mit Blick auf den beleuchteten Glockenturm.

Umgebung und Tagesausflüge

Die Region rund um Goslar hat mehr zu bieten als die Kaiserpfalz. Drei Tagestouren für drei Wettertypen:

Bei Sonne: Brocken via Torfhaus (25 km)

Mit dem Auto in 35 Minuten zum Torfhaus, dann zu Fuß über den Goetheweg (16 km, 600 hm) auf den Brocken oder mit der Brockenbahn ab Schierke. Vor Ort: Brockenhaus-Museum mit Wetterstation-Dauerausstellung, Brockengarten (Alpinpflanzen, Mai bis Oktober), Hexenaltar mit Bronzeguss-Tafel. Mittagessen im Brockenhotel, Rückfahrt mit Bahn oder zu Fuß.

Bei Wechselwetter: Quedlinburg Altstadt (50 km)

Auto knapp eine Stunde über die B6. UNESCO-Welterbe seit 1994: Schlossberg mit Stiftskirche und Domschatz, Marktplatz mit Renaissance-Rathaus, 2.100 Fachwerkhäuser aus sieben Jahrhunderten. Plan einen ganzen Tag — die Altstadt ist mit der Goslarer vergleichbar, aber kompakter und ruhiger. Lohnt sich auch im Winter für den Adventsmarkt.

Bei Regen: Wernigerode und Brockenbahn (35 km)

Auto 40 Minuten über die B6. Wernigerode hat das bunteste Schloss Deutschlands (Neugotik 1885), die historische Altstadt mit dem schiefen Haus von 1680 und das Harzmuseum. Von hier startet die Brockenbahn — als Tagesausflug mit Schloss-Besichtigung am Vormittag und Bahnfahrt am Nachmittag möglich. Bei Regen sind Schloss-Innenräume und Bahn-Waggons trocken.

Weitere Tagesziele (15 bis 100 km)

  • Bad Harzburg: Heilbad mit Burgbergseilbahn und Sole-Therme, 15 km östlich
  • Halberstadt: Domkirche St. Stephanus mit Domschatz, 50 km östlich
  • Hildesheim: UNESCO-Welterbe Mariendom und Michaeliskirche, 80 km nordwestlich
  • Clausthal-Zellerfeld: Bergwerksmuseum und Oberharzer Wasserregal, 15 km südlich

HÄUFIGE FRAGEN

Warum ist Goslar UNESCO-Welterbe?

Goslar trägt drei UNESCO-Auszeichnungen: 1992 die Altstadt mit Kaiserpfalz und gleichzeitig das Schaubergwerk Rammelsberg, 2010 die Erweiterung um das Oberharzer Wasserregal. Auf engem Raum stehen rund 1.500 Fachwerkhäuser aus sieben Jahrhunderten, die ab 1015 errichtete Kaiserpfalz und ein über tausend Jahre lang betriebenes Bergwerk.

Wie alt ist die Kaiserpfalz Goslar?

Sie wurde ab 1015 unter Heinrich II. errichtet und ab 1040 unter Heinrich III. ausgebaut. Bis 1125 tagten dort bis zu 23 Reichstage. Im 19. Jahrhundert wurde die Anlage nach napoleonischer Zerstörung restauriert, der Reichssaal mit den Wandgemälden von Hermann Wislicenus stammt aus dieser Phase. Eintritt rund 10 EUR mit Audioguide.

Welche Rammelsberg-Tour eignet sich für den Erstbesuch?

Der Roeder-Stollen (90 Minuten, Erwachsene rund 16 EUR) ist der Klassiker — du siehst die historischen Wasserräder aus dem 18. Jahrhundert und bekommst eine Einführung in die Bergbau-Geschichte. Wer mehr Zeit hat, bucht zusätzlich die Grubenfahrt (2:30 Std) mit der Original-Grubenbahn. Untertage sind 12 Grad — Pullover mitnehmen.

Gibt es eine HarzCard und wann lohnt sie?

Ja: 24 Stunden 49 EUR oder 48 Stunden 89 EUR. Sie umfasst rund 100 Attraktionen in der Harzregion — Rammelsberg, Kaiserpfalz, Brockenbahn, weitere Schaubergwerke, Sole-Therme Bad Harzburg. Lohnt sich ab drei Eintritten. Verkauf in der Tourist-Information am Markt 7.

Kann ich Goslar gut ohne Auto besuchen?

Ja. Der Bahnhof Goslar liegt zehn Gehminuten vom Marktplatz entfernt, der RE10 verbindet stündlich mit Hannover (1:45 h) und Braunschweig (50 Min). Die Altstadt ist autofrei und kompakt zu Fuß erkundbar. Für Tagesausflüge in den Harz fährt der Regiobus, alternativ ein Mietwagen ab Hannover Hbf.

Wann findet das Altstadtfest statt?

Jährlich am letzten Wochenende im Juni: drei Tage Festumzug, Mittelaltermarkt, Live-Musik und Open-Air-Bühne am Marktplatz. Höhepunkt ist der historische Festumzug am Samstagnachmittag mit rund 800 Mitwirkenden. Eintritt frei. Hotels in der Altstadt sind in dieser Woche meist schon Wochen vorher ausgebucht.

Wie ist der Goslarer Weihnachtsmarkt?

Er gilt als einer der schönsten in Norddeutschland. Auf Marktplatz und Schuhhof stehen rund 100 Stände, Höhepunkt ist der Lichterzauber-Wald auf dem Schuhhof: 33 echte Tannenbäume in Lichterketten, gespeist über Erdkabel. Geöffnet von Ende November bis 30. Dezember, Eintritt frei. Hotelpreise liegen 20 bis 30 % über Standard.

Sind Hunde in Goslar willkommen?

In der Altstadt und auf den Wanderwegen ganzjährig erlaubt, im Nationalpark Harz besteht Leinenpflicht. Im Schaubergwerk Rammelsberg sind Hunde nicht zugelassen, in der Kaiserpfalz und den meisten Museen ebenfalls nicht. Hotels berechnen meist 8 bis 15 EUR Hunde-Zuschlag pro Tag — bei der Buchung gezielt anfragen.

Wo parke ich am besten in Goslar?

Vier zentrale Optionen: Parkdeck am Bahnhof (Tagesticket 5 EUR), Parkhaus Marktkirche am Altstadtrand (max. 12 EUR pro Tag), Parkplatz Rammelsberg (für Museumsbesucher kostenfrei) und Tiefgarage am Achtermann (8 EUR pro Tag). Der Marktplatz ist autofrei. In der Adventszeit und am Altstadtfest-Wochenende sind alle Parkhäuser ab Mittag voll.

Was ist der Goslarer Kaiserring?

Der älteste westeuropäische Preis für moderne Kunst, seit 1975 jährlich vergeben. Preisträger waren u.a. Joseph Beuys, Anselm Kiefer, Cindy Sherman, Olafur Eliasson und Pipilotti Rist. Verleihung Anfang Oktober im Mönchehaus, der aktuelle Träger zeigt eine Sonderausstellung über mehrere Monate. Eintritt 7 EUR.

Welcher Aussichtspunkt zeigt die schönste Stadtansicht?

Der Petersberg (310 m), fünf Gehminuten südlich der Kaiserpfalz. Wanderweg ab dem Pfalzparkplatz, kein Eintritt, deutlich weniger Andrang als der Rammelsberg. Du siehst von dort die ganze Altstadt mit Marktkirche und im Hintergrund den Rammelsberg. Beste Lichtstimmung am späten Nachmittag und zum Sonnenuntergang.

Lohnt sich ein Tagesausflug zum Brocken?

Ja. Mit dem Auto in 35 Minuten zum Torfhaus (25 km), dann zu Fuß über den Goetheweg (16 km, 600 Höhenmeter) oder mit der Brockenbahn ab Schierke. Auf dem Gipfel (1.141 m) das Brockenhaus-Museum mit Wetterstation, Brockengarten (Mai bis Oktober) und Aussicht bis Hannover bei klarer Sicht. Plan einen ganzen Tag, oben ist es 8 bis 10 Grad kühler als in Goslar.
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