St. Andreasberg liegt im Hochharz auf rund 630 Metern Höhe und ist mit dieser Lage die höchstgelegene Bergstadt Niedersachsens — der Ortskern reicht bis fast 720 Meter hinauf. Die ehemalige Silberbergstadt wurde 1487 gegründet und gehört heute zur Stadt Braunlage. Anders als das benachbarte Braunlage hat St. Andreasberg keinen eigenen Gondelberg, aber dafür das kompakte Familien-Skigebiet Matthias-Schmidt-Berg mit drei Liften, das Loipenzentrum am Sonnenberg auf 853 Metern und eines der UNESCO-Bergbau-Welterbe-Objekte des Oberharzer Wasserregals: die Grube Samson mit dem weltweit ältesten noch betriebenen Doppelfahrkunst-Wasserrad. Wer Wintersport, Bergbau-Geschichte und Hochharz-Wandern in einem Ort sucht, ist hier richtiger als am höher gelegenen Brockengipfel.

Karte von St. Andreasberg im Hochharz mit Matthias-Schmidt-Berg und Sonnenberg © OpenStreetMap Mitwirkende

Anreise und Erreichbarkeit

St. Andreasberg liegt mitten im Nationalpark Harz und ist nur über Bundesstraßen erreichbar — einen eigenen Bahnhof gibt es nicht. Das hat im Winter Vor- und Nachteile: weniger Tagesausflügler, dafür Pflicht-Winterreifen ab erstem Schnee und steile Anfahrt aus jeder Richtung. Aktuelle Service-Adressen pflegt die Tourist-Information am Glück-Auf-Platz.

Mit dem Auto

Aus Westen fährst du die A7 bis Abfahrt 67 Seesen, dann über die B242 Richtung Clausthal-Zellerfeld und ab Riefensbeek-Kamschlacken auf der B27 weiter nach Süden. Letzte 20 Kilometer durch den Nationalpark mit kurvigen Bergstrecken, Fahrtzeit aus Seesen rund 45 Minuten. Aus Osten kommst du über Braunlage (B27, 12 km, 20 Minuten), aus Süden über Herzberg am Harz (B27, 18 km).

Hannover 155 km ~2:15 h
Hamburg 315 km 3:15 bis 3:45 h
Berlin 295 km 3:00 h via A2/A395
Leipzig 220 km 2:30 h via A38
Frankfurt 355 km 3:45 h via A7

Im Winter sind Winterreifen Pflicht, ab Mitte Dezember oft Schneeketten-Empfehlung auf den Anfahrtsstraßen — die B27 zwischen Riefensbeek und St. Andreasberg überwindet 350 Höhenmeter und wird bei Schneefall verspätet geräumt. An sonnigen Wochenenden im Hochwinter sind die Parkplätze am Matthias-Schmidt-Berg ab zehn Uhr belegt.

Mit der Bahn

Den nächsten Bahnhof findest du in Bad Harzburg (45 km nördlich) oder Herzberg am Harz (18 km südlich). Von beiden Orten gibt es Buslinien — RBB-Linie 830 von Bad Harzburg über Braunlage nach St. Andreasberg, Fahrtzeit zwei Stunden, etwa stündlich. Aus Herzberg fährt die Linie 460 in 35 Minuten direkt. Aktuelle Verbindungen prüfst du auf bahn.de.

Bad Harzburg Bf ~2:00 h Bus 830 via Braunlage
Herzberg Bf ~0:35 h Bus 460 direkt
Hannover Hbf ~3:30 h RE bis Bad Harzburg + Bus
Berlin Hbf ~5:00 h ICE/RE bis Herzberg + Bus

Bus 830 hält direkt am Glück-Auf-Platz im Ortskern, von dort sind die meisten Hotels in zehn Minuten zu Fuß erreichbar. Wer mit Skiausrüstung anreist, sollte die Sperrgepäck-Regeln des RBB im Voraus klären — Skisäcke werden in der Hauptsaison nicht immer mitgenommen.

Mit dem Flugzeug

Nächster Verkehrsflughafen ist Hannover (HAJ), etwa 150 km entfernt. Vom Flughafen kommst du mit der S5 zum Hauptbahnhof Hannover, dort steigst du in den RE 10 nach Bad Harzburg um und nimmst dann den Bus 830. Gesamtzeit Flughafen → St. Andreasberg: rund vier bis viereinhalb Stunden. Bei kurzem Aufenthalt lohnt sich oft ein Mietwagen — die letzten 35 Kilometer ab Seesen sind Bergstrecke mit kaum ÖPNV-Frequenz am späten Abend.

Parken vor Ort

Im Ort gibt es vier Parkbereiche: Parkplatz Matthias-Schmidt-Berg an der Talstation (im Skipass enthalten, ohne Pass 4 EUR), Parkplatz Sonnenberg an der Loipenzentrale (3 EUR pro Tag), Parkplatz am Glück-Auf-Platz im Ortskern (kostenfrei, drei Stunden Höchstparkdauer) und Großparkplatz am Kurpark (Tagesticket 3 EUR). Hotels mit eigenen Stellplätzen frag bei der Buchung gezielt nach — im Hochwinter ist der zentrale Parkraum knapp.

Pisten, Loipen und Bergbau

St. Andreasberg liegt im Übergang zwischen Hochharz und Oberharz — hier verschmelzen Wintersport, UNESCO-Bergbau-Erbe und die Wanderwege im Nationalpark. Drei Schwerpunkte:

Skigebiet Matthias-Schmidt-Berg

Das Familien-Skigebiet liegt direkt am westlichen Ortsrand und bietet drei Lifte: einen Doppelsessellift auf 700 Meter, einen Schlepplift und einen Übungslift im Tal. Drei präparierte Pisten zwischen 600 und 700 Metern, Längen 800 bis 1.500 Meter, Schwierigkeit blau bis rot. Tagesskipass Erwachsene rund 32 EUR, Kinder 20 EUR, Halbtag ab 22 EUR. Saison meist Mitte Dezember bis Mitte März, abhängig von Schneelage. Im Skigebiet gibt es eine Skischule, Verleih und eine Snowtubing-Bahn für Kinder. Aktuelle Schneehöhen und Liftzeiten findest du auf der Webseite des Betreibers.

Loipenzentrum Sonnenberg (853 m)

Vier Kilometer östlich des Ortskerns liegt das Loipenzentrum am Sonnenberg auf 853 Metern Höhe — eines der schneesichersten Langlauf-Reviere im Harz. Das Loipennetz umfasst rund 65 Kilometer klassisch- und Skating-Spuren, davon 28 Kilometer beleuchtet für Nachtlanglauf. Verbindungen Richtung Torfhaus und Oderbrück, Routen-Auswahl von 4 km Familienloipe bis 25 km Sonnenberg-Tour. Loipennutzung kostet 5 EUR Tageskarte, Saisonkarte 35 EUR. Verleih an der Loipenzentrale ab 12 EUR pro Tag, Wachs- und Skiservice am gleichen Ort.

Bergbau-Welterbe und Wanderwege

Die Grube Samson mitten im Ort gehört seit 2010 zum UNESCO-Welterbe Oberharzer Wasserwirtschaft — der weltweit älteste noch betriebene Doppelfahrkunst-Wasserrad-Antrieb von 1837 läuft hier täglich. Führung Erwachsene rund 9 EUR, ganzjährig nach Voranmeldung. Vom Ort starten die Oberharzer Bergbau-Wanderwege entlang der historischen Wasserläufe — der Rehberger Graben (15 km, 200 Höhenmeter, Familientour) führt zum Oderteich, dem ältesten Stausee Deutschlands von 1722. Insgesamt sind im Nationalpark Harz über 600 km Wanderwege markiert, der Goetheweg zum Brocken startet 12 km nördlich am Torfhaus.

Top-Sehenswürdigkeiten

Grube Samson (UNESCO-Welterbe)

Ehemalige Silbergrube mitten im Ortskern, betrieben von 1521 bis 1910. Heute Besucherbergwerk mit funktionierender Doppelfahrkunst von 1837 — weltweit ältestes betriebenes Wasserrad seiner Art. Führung rund 90 Minuten, Erwachsene 9 EUR, Kinder 5 EUR, Voranmeldung empfohlen. Ganzjährig geöffnet, in Ferienzeiten zusätzliche Termine.

Matthias-Schmidt-Berg

Familien-Skigebiet mit drei Liften und drei Pisten zwischen 600 und 700 Metern. Im Sommer Sommerrodelbahn, Mountainbike-Verleih und Wanderparkplatz. Tagesskipass im Winter ab 32 EUR, Sommerrodelbahn 4 EUR pro Fahrt, Familienkarten verfügbar. Vom Ortskern in zehn Minuten zu Fuß zu erreichen.

Sonnenberg Loipenzentrum (853 m)

Höchstgelegenes Langlauf-Zentrum im Harz mit 65 km Loipen, 28 km beleuchtet. Im Sommer Wandergebiet mit Aussichtsturm Sonnenberg und Verbindung zum Goetheweg. Loipenticket 5 EUR Tageskarte, Wandern frei. Anfahrt mit dem Auto über die Sonnenberger Straße oder zu Fuß ab Ortsmitte über den Rehberger Graben.

Martini-Kirche St. Andreas

Ehemalige Bergmannskirche im Ortskern, 1811 nach dem großen Stadtbrand wieder aufgebaut, klassizistischer Innenraum mit historischer Bergmanns-Tracht-Sammlung. Eintritt frei, geöffnet täglich von 10 bis 17 Uhr. Sommer-Konzerte des Bergmannschores mehrmals im Monat, Termine an der Tourist-Information.

Oderteich (1722)

Ältester Stausee Deutschlands, fünf Kilometer östlich von St. Andreasberg auf 725 Metern Höhe, Teil der UNESCO-Oberharzer Wasserwirtschaft. Rundwanderweg um den See vier Kilometer, Badestelle am Nordufer (Naturbad ohne Aufsicht). Anfahrt B242 Richtung Braunlage, Wanderparkplatz Oderteich.

Nationalpark-Haus St. Andreasberg

Informationszentrum des Nationalparks Harz an der B27 am östlichen Ortsrand. Dauerausstellung zur Tier- und Pflanzenwelt im Hochharz, Luchs-Schaugehege im Außenbereich. Eintritt frei, Luchs-Fütterung Mittwoch und Samstag um 14:30 Uhr. Geöffnet täglich, in Ferienzeiten länger.

Rehberger Graben

Historischer Wasserlauf von 1718 zur Versorgung der Silbergruben, heute Wanderweg von St. Andreasberg zum Oderteich (15 km, 200 hm, Familientour). Markiert vom Harzklub, Schautafeln zur Bergbau-Geschichte. Im Winter teilweise als Loipe gespurt. Start am Glück-Auf-Platz im Ortskern.

Bergmannsmuseum Glück Auf

Heimatmuseum mit Schwerpunkt Silberbergbau und Oberharzer Bergmannskultur. Original-Bergmanns-Trachten, Werkzeuge, Knappschafts-Dokumente. Eintritt Erwachsene 4 EUR, Kinder 2 EUR. Öffnungszeiten saisonal — Mai bis Oktober täglich, Winter nur Wochenende. Direkt am Glück-Auf-Platz.

Aktivitäten und Erlebnisse

Was du in St. Andreasberg unternimmst, hängt von Saison und Schneelage ab. Vier Konstellationen:

Im Winter (Dezember bis März)

  • Alpinski am Matthias-Schmidt-Berg, drei Lifte, Skischule und Verleih am Tal
  • Langlauf am Sonnenberg, 65 km Loipen klassisch und Skating, 28 km beleuchtet
  • Schneeschuhwandern auf geführten Touren des Nationalpark-Hauses, ab 18 EUR pro Person
  • Snowtubing an der Talstation Matthias-Schmidt-Berg, 8 EUR pro Stunde

Im Sommer (Juni bis September)

  • Wandern auf Rehberger Graben, Goetheweg oder rund um den Oderteich, 4 bis 25 km
  • Mountainbike: rund 2.200 km markierte MTB-Strecken im Harz, Verleih am Matthias-Schmidt-Berg, Tagespreis ab 28 EUR
  • Sommerrodelbahn am Matthias-Schmidt-Berg, 1.000 Meter Edelstahlbahn, 4 EUR pro Fahrt
  • Baden im Oderteich bei warmem Wetter — kühles Bergwasser, Naturbad ohne Aufsicht

Mit Kleinkindern

Luchs-Schaugehege am Nationalpark-Haus mit Fütterung am Mittwoch und Samstag, Sommerrodelbahn am Matthias-Schmidt-Berg, Snowtubing im Winter. Die Familienloipe am Sonnenberg ist 4 km lang und mit Kinderpulka befahrbar. Im Ortskern Spielplatz am Glück-Auf-Platz, Tret-Roller-Verleih an der Tourist-Info.

Bei Regen oder Schlechtwetter

  • Grube Samson mit Doppelfahrkunst-Vorführung — Untertage-Tour rund 90 Minuten
  • Bergmannsmuseum Glück Auf mit Bergmanns-Tracht-Sammlung
  • Nationalpark-Haus mit Dauerausstellung zur Tier- und Pflanzenwelt
  • Schloss Wernigerode (60 km nordöstlich) — Neugotik 1885, das bunteste Schloss des Harzes

Gastronomie und regionale Spezialitäten

Die Harzer Küche ist deftig und bergmännisch geprägt: Wild aus den umliegenden Wäldern, Forelle aus Bach und Teich, Knödel und Kartoffeln in vielen Varianten. Vier Anlaufstellen:

Restaurants im Ort

  • Hotel Tannhäuser: Harzer Wildküche und gehobene Hausmannskost, Hauptgericht 17 bis 26 EUR, im historischen Hotel am Glück-Auf-Platz
  • Berghotel Schöne Aussicht: Panoramaterrasse mit Blick über die Bergstadt, regionale Karte, Hauptgericht 14 bis 22 EUR
  • Gasthof Zum Pass: traditionelle Bergmannskost, Forelle aus eigenem Räucherofen, Hauptgericht 14 bis 20 EUR
  • Café Knappenstube: einfache Mittagskarte im Ortskern, Schnitzel, Eintöpfe, kinderfreundlich

Hütten und Einkehrhäuser

Auf dem Sonnenberg-Plateau gibt es den Sonnenberger Hof mit Loipen-Anschluss — Bratkartoffeln, Hüttengulasch, im Winter Glühwein und Apfelpunsch. Direkt erreichbar mit dem Auto über die Sonnenberger Straße oder zu Fuß über den Rehberger Graben. Die Stieglitzecke auf 720 m am Wanderweg zum Oderteich öffnet nur Sa/So und Feiertage, klassische Hüttenstube mit hausgemachter Erbsensuppe und Pflaumenkuchen.

Cafés und Backwaren

Die Café Knappenstube am Glück-Auf-Platz führt hausgebackene Harzer Spezialitäten und Stollen — im Advent ein Geheimtipp für Harzer Christstollen. Die Bäckerei Moegelin an der Schützenstraße öffnet ab 6 Uhr und versorgt Frühaufsteher mit warmen Brötchen vor der Wandertour. Im Sommer Terrasse mit Blick auf die Martini-Kirche.

Markttag

Wochenmarkt jeden Samstag von 8 bis 12 Uhr am Glück-Auf-Platz im Ortskern. Regionaler Honig vom Hochharz-Imker, Räucherforelle vom Forellenhof am Oderteich, Wurst aus Holzminden. Wer in einer Ferienwohnung kocht, deckt sich hier ein — die nächsten größeren Supermärkte liegen in Braunlage (12 km).

Regionale Spezialitäten zum Mitnehmen

  • Harzer Käse aus Sauermilch (geringer Fettgehalt, kräftiger Geschmack), beim Hofverkauf in Bad Lauterberg oder Wernigerode
  • Bergmanns-Schnaps aus der Brennerei Wolters in Walkenried, klassische Sorten Kümmel und Hagebutte
  • Räucherforelle aus dem Forellenhof am Oderteich, frisch aus dem eigenen Räucherofen
  • Harzer Stollen aus Café Knappenstube, im Advent vorbestellbar

Events und Saisonkalender

St. Andreasberg ist eher ruhig, was Großevents angeht. Die wichtigsten Termine in der Region — generisch nach Quartal, weil die Daten sich jährlich verschieben:

Frühjahr (April bis Juni)

Saisonstart der Sommerrodelbahn am Matthias-Schmidt-Berg Anfang Mai, parallel öffnen Wanderhütten und Café-Terrassen. Mitte Mai der Eröffnungslauf der Wanderwege im Nationalpark mit geführten Touren ab Tourist-Information. Im Juni das Bergstadtfest am Glück-Auf-Platz mit Bergmannschor, Knappschaftsmusik und Stollenbrot vom Holzofen.

Sommer (Juli bis September)

Hochsaison für Wandern und Mountainbike. Ende Juli die Bergstadt-Konzerte in der Martini-Kirche — drei bis vier Termine mit Klassik, Bergmannschor und Orgel. Anfang August die Nacht der offenen Bergwerke im gesamten Oberharz, Grube Samson öffnet bis 22 Uhr. Mitte September der Harzer Klippentag mit geführten Wanderungen zu den Granit-Klippen rund um den Sonnenberg.

Herbst (Oktober bis November)

Indian-Summer-Wanderwoche Anfang Oktober — geführte Touren zu den schönsten Buchenwäldern, Übernachtungspaket der Tourist-Information mit drei Nächten und drei Touren ab 290 EUR. Ende Oktober schließen die meisten Hüttenstuben, der Ort wird ruhiger. Anfang November Goldener Oktober Ausklang mit Pilz-Wanderungen für Anfänger.

Winter (Dezember bis März)

Bergstadt-Adventsmarkt am ersten Adventswochenende auf dem Glück-Auf-Platz, kleiner als die großen Märkte in Wernigerode oder Goslar, dafür stiller. Silvesterfackelwanderung am Matthias-Schmidt-Berg ab 22 Uhr — Glühwein und Kinderpunsch an der Talstation. Im Januar und Februar laufen die Skirennen am Matthias-Schmidt-Berg sowie Volksläufe am Sonnenberg. Im März die Sonnen-Skitage mit Frühschoppen an der Talstation.

Geschichte und Bergbau-Tradition

St. Andreasberg wurde 1487 als Bergstadt gegründet — der Anlass war der Fund reicher Silbererz-Vorkommen am Beerberg. Drei Säulen prägen das historische Profil:

Vier Jahrhunderte Silberbergbau

Von 1521 (Eröffnung der Grube Samson) bis 1910 (Schließung der letzten Grube) wurde im Stadtgebiet Silber, Blei und Kupfer gefördert. Auf dem Höhepunkt im 18. Jahrhundert lebten über 4.000 Menschen in St. Andreasberg, die meisten direkt oder indirekt vom Bergbau. Die Stadt erhielt 1521 das Bergrecht und 1538 das Stadtrecht — heute zu Braunlage gehörend, aber als Bergstadt eigenständig erkennbar. Die Bergmannskultur lebt im Bergmannschor, in der Martini-Kirche und in den Knappschaftsfesten weiter.

Oberharzer Wasserwirtschaft (UNESCO seit 2010)

Die historischen Wasserkraftanlagen zur Versorgung der Gruben wurden 2010 zum UNESCO-Welterbe erklärt — als eine der größten und bedeutendsten vorindustriellen Wasserwirtschaftsanlagen der Welt. Im Stadtgebiet finden sich noch der Rehberger Graben (1718, 17 km), der Oderteich (1722, ältester Stausee Deutschlands) und die Doppelfahrkunst der Grube Samson (1837, weltweit ältestes betriebenes Wasserrad). Wer alle Anlagen sehen will, plant zwei Tage ein — am besten kombiniert mit einer Wanderung auf dem Rehberger Graben.

Stadtbrand 1796 und Wiederaufbau

Am 23. August 1796 zerstörte ein Großbrand fast die gesamte Bergstadt — über 200 Häuser brannten nieder. Der Wiederaufbau erfolgte in klassizistischen Formen, viele der heutigen Fachwerkhäuser stammen aus der Zeit nach 1800. Die Martini-Kirche St. Andreas wurde 1811 in heutiger Form fertiggestellt. Wer die Stadtgeschichte verstehen will, beginnt am Glück-Auf-Platz und folgt dem ausgeschilderten Stadtrundgang.

Wetter und beste Reisezeit

Das Klima in St. Andreasberg ist gemäßigt-kontinental und wegen der Höhenlage von 630 Metern deutlich kühler als im umgebenden Harzvorland. An der DWD-Station Braunlage (607 m, vergleichbare Höhenlage 12 km östlich) liegt die Jahresmitteltemperatur bei rund 6,5 Grad und der Niederschlag bei rund 1.350 mm — fast doppelt so viel wie in der Tallage von Bad Harzburg. Schnee liegt im Mittel an 80 bis 100 Tagen pro Jahr, am höher gelegenen Sonnenberg bis April.

Jan
Feb
Mär
Apr
Mai
Jun
Jul
Aug
Sep
Okt
Nov
Dez
Hauptsaison Geheimtipp Nebensaison Off-Season

Beste Reisezeit für Wandern

Mai & September

Luft10 bis 16 Grad
Sonnenbergkühler, oft Wind
Preise25 bis 35 % unter Hauptsaison
Trubelspürbar leer auf den Wanderwegen

Hauptsaison Wintersport

Januar bis Anfang März

Luft-3 bis +2 Grad
Schnee40 bis 80 cm am Sonnenberg
Preise20 bis 30 % über Standard
Frühbuchungdrei bis vier Monate vorher

Wellness und Ruhe

April und November

Luft2 bis 7 Grad
Preise30 bis 40 % unter Hauptsaison
Wetteroft Hochnebel, klare Höhe ab 800 m
Trubelfast menschenleer

Praktische Tipps

  • Kurtaxe: 2,50 EUR pro Erwachsenem und Tag in der Hauptsaison (Dezember bis März und Juni bis September), 1,30 EUR in der Nebensaison. Wird über das Hotel mitabgerechnet, gilt als HarzCard mit Rabatten an Skiliften, Sommerrodelbahn, Grube Samson und Oderteich.
  • 🐕 Hunde: in St. Andreasberg und im Nationalpark Harz ganzjährig erlaubt, Leinenpflicht in Schutzgebieten und am Brockengipfel. Im Skigebiet außerhalb der Pisten erlaubt, auf den Loipen am Sonnenberg nicht. In Restaurants meist willkommen, Hotels mit Hunde-Zuschlag von 8 bis 15 EUR pro Tag.
  • 📶 WLAN und Mobilfunk: kostenfreies Hotspot-Netz am Glück-Auf-Platz und an der Tourist-Information. Im Ortskern verlässlich, ab Sonnenberg-Höhe oft schwacher Empfang im dichten Wald — Karten besser offline laden. In den Bergwerksstollen kein Empfang.
  • + Apotheke und Ärzte: Bergstadt-Apotheke an der Schützenstraße, eine Hausarztpraxis im Ort, weitere Fachärzte in Braunlage (12 km). Notdienst rotiert mit Braunlage und Herzberg. Nächstes Krankenhaus: Helios-Klinik Herzberg/Osterode (25 km).
  • Geldautomaten: Volksbank am Glück-Auf-Platz und Sparkasse an der Schützenstraße. Im Hochwinter zu Stoßzeiten manchmal leer — frühzeitig ziehen, wenn du am Wochenende auf Bargeld angewiesen bist. Karten-Zahlung in den meisten Restaurants und im Skigebiet möglich.
  • Barrierefreiheit: Glück-Auf-Platz und die meisten Hauptstraßen rollstuhltauglich, Steigungen im Ortskern bis 10 % beachten. Grube Samson Untertage nur eingeschränkt zugänglich, Nationalpark-Haus barrierefrei, Wanderwege im Hochharz häufig steinig und für Rollstühle ungeeignet.
  • i Tourist-Information: Glück-Auf-Platz 1, ganzjährig geöffnet, in Hauptsaison auch sonntags. Wanderkarten, Skipässe, HarzCard-Verkauf, Loipen-Tagestickets und Grube-Samson-Voranmeldung. Telefon 05582 8033-0.
  • Schneeketten: bei Tiefschnee und auf der B27 zwischen Riefensbeek und St. Andreasberg empfohlen. An Tankstellen und Werkstätten in Seesen oder Herzberg vor der Bergauffahrt erhältlich, Verleih an wenigen Stationen ab etwa 25 EUR pro Tag.

Insider-Tipps

Vier Spots, die nicht in jedem Reiseführer stehen:

Oderteich am frühen Morgen

Der älteste Stausee Deutschlands liegt fünf Kilometer östlich auf 725 Metern und ist vor neun Uhr fast menschenleer. Bei klarem Wetter spiegelt sich der Bruchberg im Wasser, im Sommer kannst du am Nordufer baden — das Naturbad hat keine Aufsicht, aber der Einstieg ist flach und kiesig. Anfahrt: B242 Richtung Braunlage, am Wegweiser Oderteich abzweigen.

Stieglitzecke am Rehberger Graben

Die kleine Hütte auf 720 m am Wasserlauf zwischen St. Andreasberg und Oderteich öffnet nur Sa/So und Feiertage, ab Glück-Auf-Platz 1:15 Stunden Anstieg über den Rehberger Graben. Hausgemachte Erbsensuppe, selbstgebackener Pflaumenkuchen, Quellwasser im Krug. Selbstbedienung, kleines Geld mitbringen, Karten nehmen sie nicht an.

Sonnenberg bei Vollmond

An klaren Vollmond-Nächten von Januar bis März öffnet das Loipenzentrum am Sonnenberg eine kurze Familienloipe ohne Beleuchtung — der Mond reicht über dem schneebedeckten Plateau auf 853 m als Lichtquelle. Ab 19 Uhr, Eintritt mit normalem Tagesticket. Termine an der Loipenzentrale erfragen, abhängig von Schneelage.

Bergmannschor in der Martini-Kirche

Donnerstagabends um 19 Uhr probt der Bergmannschor St. Andreasberg in der Martini-Kirche St. Andreas — kostenfreier Zutritt für Gäste. Repertoire: Bergmannslieder aus drei Jahrhunderten, Knappschafts-Choräle, im Advent Weihnachtslieder. Frag bei der Tourist-Information am Vortag, ob die Probe stattfindet (entfällt nur an Festtagen).

Umgebung und Tagesausflüge

Die Region rund um St. Andreasberg hat mehr zu bieten als Ski und Bergbau. Drei Tagestouren für drei Wettertypen:

Bei Sonne: Brocken via Torfhaus (15 km)

Mit dem Auto in 25 Minuten zum Torfhaus, dann zu Fuß über den Goetheweg (16 km, 600 hm) oder mit der Brockenbahn ab Schierke (50 Min, ca. 30 EUR). Vor Ort: Brockenhaus-Museum mit Wetterstation-Dauerausstellung, Brockengarten (Alpinpflanzen, Mai bis Oktober), Hexenaltar mit Bronzeguss-Tafel. Mittagessen im Brockenhotel, Rückfahrt mit Bahn oder zu Fuß.

Bei Wechselwetter: Goslar Altstadt (45 km)

Auto 50 Minuten über die B27 und B6. UNESCO-Welterbe seit 1992: Marktplatz mit Glockenspiel viermal täglich, Kaiserpfalz aus dem 11. Jahrhundert, Schaubergwerk Rammelsberg mit Untertage-Tour (rund 16 EUR). Plan einen ganzen Tag — die Goslarer Altstadt hat 1.500 Fachwerkhäuser. Kombiniert mit dem Schaubergwerk lohnt sich der Tag besonders, beide UNESCO-Stätten zusammen.

Bei Regen: Wernigerode und Brockenbahn (60 km)

Auto eine Stunde über die B242 und B27. Wernigerode hat das bunteste Schloss des Harzes (Neugotik 1885), die historische Altstadt mit dem schiefen Haus von 1680, das Harzmuseum. Von hier startet die Brockenbahn — als Tagesausflug mit Schloss-Besichtigung am Vormittag und Bahnfahrt am Nachmittag möglich. Bei Regen sind Schloss-Innenräume und Bahn-Waggons trocken.

Weitere Tagesziele (50 bis 100 km)

  • Quedlinburg: UNESCO-Welterbe, 75 km nordöstlich, 1.300 Fachwerkhäuser im Altstadtkern
  • Bad Lauterberg: Heilbad mit Vital-Park und Kneipp-Anlagen, 25 km südlich
  • Walkenried: Zisterzienser-Klosterruine und Karst-Wanderweg, 30 km südlich

HÄUFIGE FRAGEN

Ist St. Andreasberg familienfreundlich?

Ja, sehr. Das Skigebiet Matthias-Schmidt-Berg liegt direkt am Ortsrand mit Skischule, Verleih und Snowtubing-Bahn, im Sommer Sommerrodelbahn und Mountainbike-Verleih. Die Familienloipe am Sonnenberg ist 4 km lang, das Luchs-Schaugehege am Nationalpark-Haus mit Fütterung am Mittwoch und Samstag um 14:30 Uhr lockt Kinder ab drei Jahren.

Wann ist Skisaison am Matthias-Schmidt-Berg?

Meist von Mitte Dezember bis Mitte März, abhängig von Schneelage. Drei Lifte (Doppelsessellift, Schlepplift, Übungslift), drei Pisten zwischen 600 und 700 Metern. Tagesskipass Erwachsene rund 32 EUR, Kinder 20 EUR. Aktuelle Liftzeiten und Schneehöhen auf der Webseite des Betreibers.

Wie schneesicher ist das Loipenzentrum Sonnenberg?

Sehr — das Loipenzentrum auf 853 m gehört zu den schneesichersten Langlauf-Revieren im Harz. Schnee liegt im Mittel an 80 bis 100 Tagen pro Jahr, am Sonnenberg auch noch im April. 65 km Loipen klassisch und Skating, 28 km beleuchtet für Nachtlanglauf, Tageskarte 5 EUR.

Was ist die Grube Samson?

Die ehemalige Silbergrube mitten im Ortskern, betrieben von 1521 bis 1910, ist heute Besucherbergwerk und Teil des UNESCO-Welterbes Oberharzer Wasserwirtschaft. Die funktionierende Doppelfahrkunst von 1837 ist das weltweit älteste betriebene Wasserrad seiner Art. Führung 90 Minuten, Erwachsene 9 EUR, Voranmeldung empfohlen.

Kann ich St. Andreasberg ohne Auto besuchen?

Mit Einschränkung. Es gibt keinen eigenen Bahnhof — der nächste liegt in Bad Harzburg (Bus 830, 2:00 h via Braunlage) oder in Herzberg (Bus 460, 35 Min direkt). Die Bushalte am Glück-Auf-Platz liegen zentral. Für Fahrten zu Loipenzentrum und Brocken-Wanderungen ist ein Auto oder Mietwagen praktischer, vor allem im Winter und am Abend.

Wann finden die Bergstadt-Konzerte statt?

Mehrmals pro Sommer (Juni bis September) in der Martini-Kirche St. Andreas am Glück-Auf-Platz, jeweils Donnerstag- oder Sonntagabend. Programm: Klassik, Bergmannschor, Orgel. Kostenfreier Zutritt für Kurgäste, Termine an der Tourist-Information am Glück-Auf-Platz oder im Veranstaltungskalender der Bergstadt.

Wie hoch ist die Kurtaxe in St. Andreasberg?

2,50 EUR pro Erwachsenem und Tag in der Hauptsaison (Dezember bis März und Juni bis September), 1,30 EUR in der Nebensaison. Wird über das Hotel mitabgerechnet und gilt als HarzCard mit Rabatten an den Skiliften, der Sommerrodelbahn, der Grube Samson und dem Oderteich.

Welche Wanderung lohnt sich für Familien?

Der Rehberger Graben — historischer Wasserlauf von 1718, von St. Andreasberg zum Oderteich, 15 km, 200 Höhenmeter. Familientauglich, durchgehend markiert vom Harzklub, mit Schautafeln zur Bergbau-Geschichte. Einkehr an der Stieglitzecke (nur Sa/So). Start am Glück-Auf-Platz, Rückweg per Bus 460 oder zurück zu Fuß.

Sind Hunde im Skigebiet erlaubt?

Außerhalb der Pisten am Matthias-Schmidt-Berg ja. Auf den Loipen am Sonnenberg sind Hunde nicht erlaubt. Im Nationalpark Harz ganzjährig erlaubt mit Leinenpflicht in Schutzgebieten und am Brockengipfel. In den meisten Restaurants im Ort willkommen, Hotels mit Hunde-Zuschlag von 8 bis 15 EUR pro Tag.

Wie weit ist es zum Brocken?

15 km bis zum Torfhaus mit dem Auto (25 Minuten über die B4), von dort startet der Goetheweg zum Brockengipfel (16 km, 600 Höhenmeter, 4 bis 5 h Wanderzeit). Alternative: Brockenbahn ab Schierke (50 Min, ca. 30 EUR Tarif einfach). Brockenhaus-Museum, Brockengarten und Hexenaltar oben, Mittagessen im Brockenhotel.

Was unterscheidet St. Andreasberg von Braunlage?

St. Andreasberg ist die historische Bergstadt mit UNESCO-Welterbe Grube Samson, Familien-Skigebiet und ruhigerem Charakter — etwa 1.700 Einwohner. Braunlage ist mit dem Wurmberg (971 m) das größte Skigebiet im Harz, hat mehr Hotels, mehr Restaurants und besseres Schlechtwetter-Programm. Beide Orte sind 12 km voneinander entfernt.

Wo parke ich am besten in St. Andreasberg?

Vier Optionen: Parkplatz Matthias-Schmidt-Berg an der Talstation (im Skipass enthalten, sonst 4 EUR), Parkplatz Sonnenberg an der Loipenzentrale (3 EUR pro Tag), Glück-Auf-Platz im Ortskern (kostenfrei, drei Stunden Höchstparkdauer) und Großparkplatz am Kurpark (3 EUR Tagesticket). Im Hochwinter eng — Hotel-Stellplatz bei Buchung anfragen.
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