Blankenburg liegt am Nordrand des Harz auf rund 230 Metern Höhe, im Landkreis Harz in Sachsen-Anhalt. Hoch über der Altstadt thront das Große Schloss, ehemalige Residenz des welfischen Fürstentums Blankenburg-Braunschweig — barocke Anlage mit Terrassengarten, im Tal das Renaissance-Kleine Schloss und der Barockgarten. Von hier startest du auf dem Teufelsmauerstieg, einer 35 km langen Höhenroute über die Sandstein-Felsformation des Harz-Vorlands. Das benachbarte Kloster Michaelstein mit seinem Kräutergarten ergänzt das Programm. Anders als Wernigerode (15 km östlich) bleibt Blankenburg ruhiger und weniger touristisch — wer Barock-Architektur und Wandern ohne Massen sucht, ist hier richtig. Mehr zum nahen Harz findest du auf harzinfo.de.
Anreise und Erreichbarkeit
Blankenburg erreichst du am bequemsten über die A36 (frühere B6n) — sie führt nördlich am Harz entlang von Bernburg über Quedlinburg nach Goslar. Vom Bahnhof aus pendeln Regionalbahnen nach Halberstadt und Thale. Die Stadt liegt am Rand des Nationalparks Harz; das Tor zum Brocken über Wernigerode ist nur eine knappe Stunde entfernt.
Mit dem Auto
Aus Westen nimmst du die A7 bis Goslar (Abfahrt 67 Rhüden), dann die B6/A36 ostwärts — knapp zwei Stunden ab Hannover. Aus Osten kommst du über die A14 ab Magdeburg, Abfahrt Bernburg, dann A36 westwärts. Aus dem Süden ab Leipzig fährst du A14 bis Magdeburg und dann auf die A36 — Gesamtzeit rund zwei Stunden. Das Schloss-Plateau ist beschildert, die zentralen Parkbereiche liegen am Sankt-Anna-Platz und an der Mauerstraße.
Im Winter brauchst du Winterreifen — Pflicht ab erstem Schnee, in der Regel von November bis April. An Wochenenden mit klarem Wanderwetter staut sich die B81 zwischen Halberstadt und Blankenburg ab dem späten Vormittag. Wer am Sonntag anreist, plant 30 Minuten Puffer ein.
Mit der Bahn
Blankenburg liegt an der Regionalbahnstrecke Halberstadt–Thale. Aus Hannover, Berlin oder Leipzig steigst du in Halberstadt um — Fahrtzeit ab Halberstadt rund 25 Minuten. Aus Magdeburg kommst du mit dem RE über Halberstadt in knapp anderthalb Stunden. Aktuelle Verbindungen prüfst du auf bahn.de.
Vom Bahnhof Blankenburg läufst du in zehn Minuten ins Stadtzentrum. Zum Großen Schloss sind es weitere 15 Minuten Fußweg über den Schlossberg — bequem zu Fuß, bei Gepäck mit dem Stadtbus. Die Brockenbahn der Harzer Schmalspurbahnen startet im benachbarten Wernigerode (15 km östlich) und ist als Tagesausflug ideal.
Mit dem Flugzeug
Nächste Verkehrsflughäfen sind Hannover (HAJ) rund 150 km westlich und Leipzig/Halle (LEJ) rund 170 km südöstlich. Vom Flughafen Leipzig kommst du mit dem ICE in 40 Minuten nach Magdeburg, von dort mit RE über Halberstadt nach Blankenburg — Gesamtzeit etwa drei Stunden inklusive Umstieg. Berlin-Brandenburg (BER) liegt 260 km östlich und ist per Bahn umständlicher.
Parken vor Ort
Im Ort gibt es vier zentrale Parkbereiche: Parkplatz am Sankt-Anna-Platz (Tagesticket 3 EUR, fußläufig zum Schloss), Parkdeck an der Tränkestraße (kostenfrei nach 18 Uhr), Parkplatz am Kleinen Schloss in der Schnappelstraße (gebührenpflichtig) und Parkplatz an der Burgruine Regenstein (4 EUR Tagesticket, ab Wanderparkplatz B81 Richtung Heimburg). Hotels mit eigener Tiefgarage frag bei der Buchung gezielt nach — im Sommer am Wochenende sind die Innenstadtparkplätze ab Mittag voll.
Schloss, Teufelsmauer und Kloster
Blankenburg liegt im Übergang zwischen Harzvorland und Mittelharz — drei Schwerpunkte prägen den Aufenthalt: das Schlossensemble auf dem Schlossberg, die Sandsteinformationen der Teufelsmauer und der Klostergarten Michaelstein.
Großes Schloss Blankenburg (305 m)
Die barocke Hauptresidenz thront direkt über dem Stadtzentrum. Erbaut zwischen 1705 und 1731 als Residenz für Herzog Ludwig Rudolf von Braunschweig-Lüneburg, später Witwensitz für Kaiserin Elisabeth Christine. Das Hauptschloss steht nach jahrelangem Sanierungsstau seit 2005 unter dem Schloss-Förderverein, der Innenführungen auf Anmeldung organisiert (rund 6 EUR Spende). Vom Schlossplateau hast du den klassischen Blick über die Altstadt zur Teufelsmauer im Norden und zum Brocken im Süden. Der Aufstieg vom Sankt-Anna-Platz dauert 15 Minuten und führt durch den Terrassengarten, der seit 2007 wieder schrittweise rekonstruiert wird.
Teufelsmauer-Stieg (35 km Höhenroute)
Die Teufelsmauer ist eine bizarre Sandstein-Felsenkette, die sich zwischen Blankenburg, Weddersleben und Ballenstedt zieht — eines der ältesten Naturschutzgebiete Deutschlands (seit 1833). Der Teufelsmauer-Stieg verbindet auf 35 km die markantesten Felsformationen: Großvater-Felsen bei Blankenburg, Mittelsteine bei Neinstedt, Hamburger Wappen bei Timmenrode. Tagesabschnitte von 8 bis 12 km sind gut machbar, ausgeschildert vom Harzklub. Bequemer Einstieg ab Blankenburg: Wanderparkplatz Heimburg (B81), 5 km Rundweg über Großvater-Felsen, etwa 1:30 Stunde mit Foto-Stopps.
Kloster Michaelstein und Klostergarten
Das ehemalige Zisterzienserkloster Michaelstein liegt 3 km westlich von Blankenburg im Wald — gegründet 1146, nach der Reformation in fürstlichen Besitz übergegangen. Heute beherbergt es die Stiftung Kloster Michaelstein mit dem Musikinstitut für Aufführungspraxis und einem rekonstruierten Kräutergarten nach mittelalterlichem Vorbild. Eintritt rund 8 EUR, Klostergarten mit über 250 Heilpflanzen separat zugänglich. Im Sommer Konzerte mit historischen Instrumenten in der Klosterkirche, Programm auf kloster-michaelstein.de.
Burgruine Regenstein (294 m)
Drei Kilometer nördlich von Blankenburg liegt die Burgruine Regenstein auf einem freistehenden Sandsteinkegel. Die Burg wurde im 12. Jahrhundert in den Fels geschlagen — die Wohn-, Kanonen- und Vorratskammern sind direkt aus dem Sandstein herausgehauen, einzigartig in Norddeutschland. Eintritt rund 6 EUR, Saison April bis Oktober. Vom oberen Plateau hast du Sicht über die ganze Bördelandschaft. Anfahrt: B81 Richtung Heimburg, abzweigen am Wegweiser Regenstein. Wanderweg ab Blankenburg-Norden 4 km, etwa eine Stunde.
Top-Sehenswürdigkeiten
Großes Schloss Blankenburg
Barocke Residenz von 1705 bis 1731, ehemaliger Witwensitz Kaiserin Elisabeth Christines. Innenführungen über den Schloss-Förderverein auf Anmeldung, Spende rund 6 EUR. Schlosspark ganzjährig frei zugänglich. Beste Tageszeit für Fotos: später Nachmittag mit Sonne von Westen.
Kleines Schloss und Barockgarten
Renaissance-Schloss von 1547 in der Innenstadt, heute Sitz der Tourist-Information und Museum zur Stadtgeschichte. Der angegliederte Barockgarten wurde 1725 angelegt, mit Orangerie, Schlossteich und Bergsymphonie-Treppe. Eintritt frei, ganzjährig zugänglich.
Teufelsmauer und Großvater-Felsen
Sandstein-Felsenkette aus der Oberkreidezeit, seit 1833 unter Naturschutz — eines der ältesten Naturschutzgebiete Deutschlands. Der Großvater-Felsen über Blankenburg ist 18 m hoch und der Startpunkt für den Teufelsmauer-Stieg. Eintritt frei, ganzjährig.
Kloster Michaelstein
Zisterzienserkloster von 1146, heute Musikinstitut mit Konzertsaal und Kräutergarten. Eintritt rund 8 EUR, Klostergarten mit 250 Heilpflanzen gesondert, Saison April bis Oktober. Im Sommer Konzerte mit historischen Instrumenten — Programm vorab prüfen.
Burgruine Regenstein
In den Sandstein gehauene Felsenburg aus dem 12. Jahrhundert — Wohnkammern, Kanonenstand und Brunnen direkt aus dem Fels gemeisselt. Eintritt rund 6 EUR, Saison April bis Oktober, Wanderweg ab Blankenburg 4 km.
Sankt-Bartholomäus-Kirche
Spätgotische Hallenkirche mit Wurzeln im 12. Jahrhundert, barocker Innenausbau und Orgel von 1758. Eintritt frei, in der Saison täglich geöffnet, im Winter eingeschränkt. Direkt am Marktplatz, Kombination mit Altstadt-Spaziergang.
Altstadt mit Fachwerkgassen
Die Altstadt zwischen Markt, Schnappelstraße und Tränketor zeigt rund 400 erhaltene Fachwerkhäuser aus drei Jahrhunderten. Hervorzuheben: das Hotel Goldene Krone von 1577 und das Rathaus von 1882. Frei zugänglich, lohnt sich am späten Nachmittag bei Schrägbeleuchtung.
Heinrichshöhe und Aussichtsturm
Aussichtsturm auf der Heinrichshöhe (305 m), errichtet 1910, restauriert 2018. Eintritt frei, Treppenaufstieg 64 Stufen. Bei klarem Wetter Panorama vom Brocken bis zur Bördelandschaft. 20 Minuten Aufstieg ab Schloss-Plateau.
Aktivitäten und Erlebnisse
Was du in Blankenburg unternimmst, hängt von Saison und Reisegruppe ab. Vier Konstellationen:
Im Frühling und Herbst
- Wandern auf dem Teufelsmauer-Stieg in Tagesabschnitten von 8 bis 12 km, ausgeschildert vom Harzklub
- Mountainbike: rund 2.200 km markierte MTB-Strecken im Harz, Verleih in Blankenburg an der Tränkestraße, Tagespreis ab 28 EUR
- Fotografie an der Teufelsmauer im Indian Summer — Buchen und Eichen in Gold und Rot, beste Stunde nach Sonnenaufgang
- Klosterkonzerte in Michaelstein mit historischen Instrumenten, Saison April bis Oktober
Im Sommer
- Schlossnächte Ende Juni: Open-Air-Konzert im Großen Schloss-Hof mit Klassik und Folk, Eintritt rund 25 EUR
- Klettersteig Hamburger Wappen bei Timmenrode (8 km östlich) — Mittelschwierigkeit B/C, Helm und Klettersteigset Pflicht
- Kanu auf der Bode ab Thale (10 km südöstlich), Halbtagstour ab 22 EUR
- Stadtführungen mit Kostümführer durch Schloss und Altstadt, Sa/So 11 Uhr ab Sankt-Anna-Platz
Mit Kleinkindern
Wildgehege Christianental im Tal der Bode (3 km westlich) mit Damwild und Spielplatz, Bode-Erlebnispfad Thale, Sommerrodelbahn am Hexentanzplatz Thale (12 km, 4 EUR pro Fahrt), Indoor-Spielwelt am Bahnhof Halberstadt bei Regen.
Bei Regen / Schlechtwetter
- Kloster Michaelstein mit Klostergarten und Konzertsaal — überdachte Touren möglich
- Schaubergwerk Rammelsberg in Goslar (40 km westlich) — Untertage-Führung 90 Minuten, rund 16 EUR
- Schloss Wernigerode (15 km östlich) — Innenräume des buntesten Schlosses Deutschlands
- Halberstädter Dom mit Domschatz (15 km nördlich) — eindrucksvolle Glasmalerei und romanische Bauteile
Gastronomie und regionale Spezialitäten
Die Harzer Küche ist deftig und bergmännisch geprägt: Wild aus den umliegenden Wäldern, Forelle aus den Bode-Talsperren, dazu Klöße oder geschmälzte Kartoffeln. Blankenburg setzt zusätzlich auf Schloss- und Kloster-Gastronomie. Drei Anlaufstellen:
Restaurants im Ort
- Restaurant Forelle am Sankt-Anna-Platz: regionale Wildgerichte und Bode-Forelle, Hauptgericht 18 bis 26 EUR, Reservierung am Wochenende empfohlen
- Hotel Goldene Krone (im historischen Fachwerkhaus von 1577): traditionelle Harzer Küche, Hauptgericht 16 bis 24 EUR, Innenhof im Sommer
- Restaurant Schlossküche am Kleinen Schloss: Saisonkarte mit Bezug zum Klostergarten Michaelstein, Hauptgericht ab 22 EUR
- Cafe am Markt: einfache Mittagskarte, Schnitzel und Klöße, kinderfreundlich, Hauptgericht ab 12 EUR
Hütten und Wanderlokale
Auf der Teufelsmauer-Strecke gibt es das Walpurgishaus bei Heimburg — traditionelle Wanderhütte am Teufelsmauer-Stieg, geöffnet täglich außer Montag. Bratkartoffeln mit Spiegelei, Hüttengulasch, im Winter Glühwein. Direkt an der Wanderroute, Anstieg ab Wanderparkplatz B81 etwa 30 Minuten. Das Forsthaus Volkmarskeller auf der Strecke nach Michaelstein ist nur Sa/So und Feiertage geöffnet, Anstieg ab Kloster 45 Minuten.
Cafés und Konditoreien
Die Konditorei Hofmann an der Tränkestraße führt hausgebackene Harzer Spezialitäten und Baumkuchen — Stück 4 EUR. Die Bäckerei Müller am Markt öffnet ab 6 Uhr und versorgt Frühaufsteher mit warmen Brötchen vor der Wandertour. Im Sommer Terrasse zum Marktplatz mit Blick auf die Bartholomäuskirche.
Markttag
Wochenmarkt jeden Mittwoch und Samstag von 8 bis 13 Uhr am Marktplatz im Ortszentrum. Regionale Wurst, Honig vom Imker aus Heimburg, Bode-Forelle vom Räucherer aus Treseburg. Wer in einer Ferienwohnung kocht, deckt sich hier ein.
Regionale Spezialitäten zum Mitnehmen
- Harzer Käse aus Sauermilch (geringer Fettgehalt, kräftiger Geschmack), beim Hofverkauf in Heimburg oder Wernigerode
- Brockenkristall aus der Glasmanufaktur Derenburg (10 km nordöstlich) — Glasbläser-Vorführungen täglich
- Klostertee aus dem Kräutergarten Michaelstein, im Klosterladen erhältlich
- Hexenschnaps und Echter Nordhäuser aus der Brennerei Nordhausen (60 km südlich), klassische Sorten Kümmel und Hagebutte
Events und Saisonkalender
Blankenburg lebt vom Wandel der Jahreszeiten — die Termine variieren jährlich, das grobe Raster bleibt:
Frühjahr (April bis Juni)
Saisonöffnung der Burgruine Regenstein Anfang April, Ende April starten die Klosterkonzerte in Michaelstein mit historischen Instrumenten. Ende Juni die Schlossnächte Blankenburg im Hof des Großen Schlosses — Open-Air-Konzerte mit Klassik, Jazz und Folk an drei aufeinanderfolgenden Abenden, Tickets ab 25 EUR.
Sommer (Juli bis September)
Hauptsaison für Wandern und Schloss-Führungen. Mitte Juli das Stadtfest Blankenburg rund um den Marktplatz mit Bühnenprogramm, Handwerkermarkt und Feuerwerk. Im August Mittwochsmärkte als Abendvariante mit Live-Musik. Anfang September die Quedlinburger Musiksommer-Reihe (20 km östlich) mit Konzerten in der Stiftskirche, lohnt einen Tagesausflug.
Herbst (Oktober bis November)
Goldener Oktober auf der Teufelsmauer — die Buchenwälder verfärben sich, beste Wanderwochen am Stieg. Ende Oktober das Halberstädter Domnachts-Programm mit Lichtinszenierungen am Dom (15 km nördlich). Ab November schließen Burgruine Regenstein und Kloster-Saison, Hotels werden günstiger.
Winter (Dezember bis Februar)
Adventsmarkt am Kleinen Schloss am zweiten und dritten Adventswochenende — kompakter als Goslar oder Wernigerode, Glühwein, Räucherfisch und Klosterstollen aus Michaelstein. Silvester ruhig, viele Hotels mit Wellness-Paketen. Im Januar und Februar ist Blankenburg fast menschenleer — wer Schnee in der Tallage erwischt, hat den Schlossberg für sich.
Geschichte und Kultur
Blankenburg wird erstmals 1123 urkundlich erwähnt — als Burg der Grafen von Blankenburg auf dem heutigen Schlossberg. Der Name verweist auf die hellen Sandsteinmauern der ursprünglichen Höhenburg, die weithin sichtbar war.
Vom Grafensitz zum Fürstentum
Mit dem Aussterben der Blankenburger Grafen 1599 fiel die Herrschaft an das Haus Braunschweig-Wolfenbüttel. Herzog Ludwig Rudolf erhob Blankenburg 1707 zum souveränen Reichsfürstentum — das kleinste deutsche Fürstentum seiner Zeit. Aus dieser Periode stammt das barocke Stadtbild, der Terrassengarten am Großen Schloss und der Barockgarten am Kleinen Schloss. 1731 starb Ludwig Rudolf, das Fürstentum fiel an Braunschweig zurück, blieb aber Witwensitz für Kaiserin Elisabeth Christine, Mutter Maria Theresias.
Kloster Michaelstein und die Reformation
Das Zisterzienserkloster Michaelstein wurde 1146 gegründet und war über Jahrhunderte ein bedeutendes Skriptorium und Musik-Zentrum des Harz-Vorlands. Mit der Reformation 1543 wurde es säkularisiert und ging in fürstlichen Besitz über. Die heutige Stiftung Kloster Michaelstein widmet sich seit 1968 der historischen Aufführungspraxis — der Klostergarten mit 250 Heilpflanzen wurde nach mittelalterlichen Quellen rekonstruiert.
Bahn, Tourismus und DDR-Zeit
1873 erhielt Blankenburg den Bahnanschluss über Halberstadt — der Tourismus begann mit Sommergästen aus Magdeburg und Berlin. In der DDR-Zeit war die Stadt FDGB-Ferienort mit Kuranlagen und Pionierlagern in der Umgebung. Nach 1990 verfiel das Große Schloss zunehmend, bis 2005 ein Förderverein die Sanierung übernahm. Die Altstadt ist heute weitgehend restauriert, der Schlossberg bleibt ein laufendes Projekt.
Wetter und beste Reisezeit
Das Klima im Nordharz ist gemäßigt-kontinental und an der Tallage von Blankenburg deutlich milder als in den Höhenlagen um Braunlage oder am Brocken. An der DWD-Station Wernigerode (234 m, vergleichbare Tallage) liegt die Jahresmitteltemperatur bei 9,2 Grad und der Niederschlag bei rund 620 mm — Blankenburg liegt im Regenschatten des Harz und ist deutlich trockener als Goslar oder Bad Harzburg. Schnee liegt meist nur an 25 bis 35 Tagen pro Jahr im Tal, mehr Schneetage hast du auf der Teufelsmauer und am Schlossberg. Klima-Anker fuer die Hochlage ist die DWD-Station Braunlage (607 m).
Beste Reisezeit für Familien
Mai & September
Hochsaison Schloss und Konzerte
Juli & August
Wellness und Ruhe
November bis Februar
Praktische Tipps
- € Kurtaxe: 1,80 EUR pro Erwachsenem und Tag in der Hauptsaison (Mai bis Oktober), 1,00 EUR in der Nebensaison. Wird über das Hotel mitabgerechnet, gilt als HarzCard mit Rabatten an Schloss-Führungen, Burgruine Regenstein und Kloster Michaelstein.
- ⚓ Hunde dürfen mit auf den Teufelsmauer-Stieg und in die meisten Restaurants — im Naturschutzgebiet Teufelsmauer gilt Leinenpflicht, im Schloss-Innenraum sind Hunde nicht erlaubt, im Klostergarten Michaelstein an der Leine. Hotels rechnen meist 8 bis 12 EUR Hunde-Zuschlag pro Tag.
- 📶 WLAN und Mobilfunk: kostenfreies Hotspot-Netz am Sankt-Anna-Platz, Marktplatz und Bahnhof. Im Tal verlässlich, auf dem Teufelsmauer-Stieg oft kein Mobilfunk-Empfang im Sandsteinwald — Karten offline laden.
- + Apotheke und Ärzte: Schloss-Apotheke an der Tränkestraße, drei Hausarztpraxen im Ort, Notdienst rotiert mit Halberstadt und Wernigerode. Nächstes Krankenhaus: Ameos Klinikum Halberstadt (15 km nördlich).
- € Geldautomaten: Sparkasse Blankenburg am Markt, Volksbank an der Tränkestraße, weiterer Automat am Bahnhof. Im Sommer am Wochenende oft längere Schlangen — Karten-Zahlung in Hotels und größeren Restaurants empfohlen.
- ♿ Barrierefreiheit: Marktplatz und Sankt-Anna-Platz weitgehend rollstuhltauglich, Kleines Schloss mit Aufzug. Großes Schloss-Plateau über serpentinenartigen Weg zugänglich, aber ohne Aufzug. Teufelsmauer-Stieg mit teils unebenem Sandsteinpfad — eingeschränkt befahrbar.
- i Tourist-Information: Sankt-Anna-Platz im Kleinen Schloss, ganzjährig geöffnet, in der Saison auch Sonntags. Wanderkarten, Veranstaltungspläne, HarzCard-Verkauf, Stadtführungen und Schloss-Innenführungen.
Insider-Tipps
Vier Spots, die nicht in jedem Reiseführer stehen:
Klostergarten Michaelstein zur blauen Stunde
Der Kräutergarten am Kloster Michaelstein ist im Sommer bis 19 Uhr geöffnet — wer die letzten 45 Minuten vor Schließung kommt, hat die rekonstruierten Beete mit den 250 Heilpflanzen für sich allein. Das Licht durch die Klostermauern fällt dann diagonal auf die Lavendel- und Kamillen-Reihen. Anschließend Abendessen im Forsthaus Volkmarskeller (nur Sa/So) oder zurück zum Restaurant Forelle in Blankenburg.
Walpurgishaus für Wandermittag
Die Wanderhütte Walpurgishaus an der Teufelsmauer-Strecke bei Heimburg ist täglich außer Montag geöffnet — hausgemachte Erbsensuppe, Forellenfilet und selbstgebackener Käsekuchen. Anstieg ab Wanderparkplatz B81 etwa 30 Minuten. Bring kleines Geld mit, Karten nehmen sie nur eingeschränkt. Tipp: am Donnerstag mit Wildpfanne, freitags Forelle aus der Bode.
Glashütte Derenburg als Regen-Programm
Die Harzkristall-Manufaktur Derenburg liegt 10 km nordöstlich von Blankenburg. Glasbläser-Vorführungen täglich, im Werksverkauf bekommst du Brockenkristall-Vasen und Trinkgläser direkt aus der Hütte — etwa 30 Prozent günstiger als im Souvenirhandel. Eintritt zur Schauwerkstatt rund 5 EUR, geöffnet ganzjährig. Bei Regen ein guter Vormittagstipp vor dem Mittagessen in Wernigerode.
Adventsmarkt am Kleinen Schloss
Das zweite und dritte Adventswochenende stehen im Zeichen des Blankenburger Adventsmarkts — kompakter als Goslar oder Wernigerode, im Innenhof des Kleinen Schlosses mit Glühwein, Räucherfisch und Klosterstollen aus Michaelstein. Etwa 25 Stände, lokale Handwerker, Bläserchor am Samstagabend. Eintritt frei, Anfahrt mit dem Stadtbus oder zu Fuß vom Bahnhof.
Umgebung und Tagesausflüge
Die Region rund um Blankenburg hat mehr zu bieten als Schloss und Teufelsmauer. Drei Tagestouren für drei Wettertypen:
Bei Sonne: Bodetal und Hexentanzplatz Thale (12 km)
Mit dem Auto in 20 Minuten nach Thale. Die Schwebebahn fährt auf den Hexentanzplatz (454 m), der Sessellift auf die Rosstrappe (403 m). Im Bodetal wandern auf dem Schurre-Stieg (5 km, mittelschwer) — eines der spektakulärsten Schluchtentäler Norddeutschlands. Mittagessen am Hexentanzplatz, Rückfahrt mit der Schwebebahn ins Tal.
Bei Wechselwetter: Wernigerode Altstadt und Brockenbahn (15 km)
Auto 20 Minuten über die B6. Wernigerode hat die größere Altstadt mit dem Schiefen Haus von 1680, das bunteste Schloss Deutschlands (Neugotik ab 1885) und die Brockenbahn-Endstation. Plan einen ganzen Tag — Schloss-Innenraum am Vormittag, Bahnfahrt zum Brocken am Nachmittag (rund 50 EUR Hin und Zurück). Bei wechselhaftem Wetter sind Schloss-Innenräume und Bahn-Waggons trocken.
Bei Regen: Quedlinburg UNESCO-Altstadt (20 km)
Auto 25 Minuten über die A36. Quedlinburg ist UNESCO-Welterbe seit 1994 — über 2.000 Fachwerkhäuser aus acht Jahrhunderten, der Domschatz mit ottonischen Reliquien, das Schlossberg-Ensemble. Innenstadt mit überdachten Gassen, viele Cafés und Galerien. Plan einen ganzen Tag, Eintritt Domschatz rund 6 EUR.
Weitere Tagesziele (40 bis 100 km)
- Brocken: 1.141 m, höchster Berg Norddeutschlands, 25 km via Wernigerode mit Brockenbahn
- Goslar: UNESCO-Welterbe Kaiserpfalz und Rammelsberg, 40 km westlich
- Halberstädter Dom: gotische Kathedrale mit Domschatz, 15 km nördlich
- Magdeburg: Dom Sankt Mauritius und Hundertwasser-Haus, 75 km nordöstlich




