Wernigerode liegt am Nordrand des Harz, in Sachsen-Anhalt, etwa 80 Kilometer südwestlich von Magdeburg. Die Stadt nennt sich selbst "Bunte Stadt am Harz" — wegen der etwa 1.200 erhaltenen Fachwerkhäuser in der Altstadt, die sich zwischen Holtemme-Tal und den Hängen des Brocken-Massivs ausbreiten. Über der Stadt thront das Schloss Wernigerode auf einem Bergsporn rund 120 Meter über dem Marktplatz, davor liegt der historische Stadtkern mit dem Rathaus von 1492 — eines der wichtigsten Fachwerkrathäuser Deutschlands. Wer Mittelgebirgs-Urlaub mit kulturellem Anspruch sucht und gern zwischen Stadtbummel und Wandern wechselt, ist hier richtig. Anders als das touristisch dichte Goslar bleibt Wernigerode den Großteil des Jahres beschaulich — voll wird es nur an Sommerwochenenden und im Advent.

Karte von Wernigerode am Nordrand des Harz © OpenStreetMap Mitwirkende
Wernigerode mit Schloss über der Fachwerk-Altstadt am Nordrand des Harz
Blick über die Altstadt von Wernigerode zum Schloss auf dem Agnesberg.

Anreise und Erreichbarkeit

Wernigerode erreichst du aus Norddeutschland in unter drei Stunden, aus Süden je nach Startpunkt zwischen vier und sechs. Die Stadt hat einen eigenen Bahnhof an der Linie Halberstadt–Vienenburg, eigene Autobahnabfahrt der A36 und ist Endpunkt der Harzer Schmalspurbahnen. Aktuelle Veranstaltungen und Service-Adressen pflegt die Tourismus GmbH unter wernigerode-tourismus.de.

Mit dem Auto

Die A36 (früher Teil der A395) führt direkt an Wernigerode vorbei. Du nimmst die Abfahrt Wernigerode-Zentrum und bist in fünf Minuten am Stadtrand. Aus westlichen Richtungen über die A2 bis Braunschweig, dann A36; aus dem Süden über die A38 bis Eisleben, weiter über die B81.

Hannover 150 km ~1:45 Stunden
Magdeburg 80 km ~1 Stunde
Berlin 230 km ~2:30 Stunden via A2
Hamburg 280 km ~3 Stunden
Leipzig 170 km ~2 Stunden
München 560 km 5,5 bis 6 Stunden

An den Adventswochenenden und in der ersten Woche der Sommerferien staut es sich an der Abfahrt regelmäßig. Plan eine halbe Stunde Puffer ein, wenn du Samstagvormittag anreist.

Mit der Bahn

Der Bahnhof Wernigerode liegt rund 800 Meter nördlich des Marktplatzes. Hier hält die Linie RE 21 (Magdeburg – Halberstadt – Wernigerode – Vienenburg) im Zwei-Stunden-Takt, die Linie HEX (Halberstadt-Express) verstärkt im Stundentakt. Der Bahnhof teilt sich Gleise mit der Schmalspurbahn nach Brocken und ins Selketal.

Magdeburg Hbf ~1:10 h RE 21, direkt oder Umstieg Halberstadt
Hannover Hbf ~2:00 h über Vienenburg oder Goslar
Berlin Hbf ~3:00 h ICE bis Magdeburg + RE 21

Aktuelle Verbindungen findest du auf bahn.de. Vom Bahnhof zum Marktplatz brauchst du zu Fuß rund zehn Minuten leicht bergan, mit Gepäck eher 15. Eine Stadtbus-Linie fährt im 20-Minuten-Takt.

Mit dem Flugzeug

Nächster Verkehrsflughafen ist Hannover (HAJ), etwa 150 km entfernt. Vom Flughafen kommst du mit der S-Bahn S5 in 18 Minuten zum Hauptbahnhof, dort steigst du in den IC oder RE Richtung Vienenburg um. Gesamtzeit Flughafen → Wernigerode: rund drei Stunden. Alternativ Berlin BER (250 km) oder Leipzig/Halle (170 km), beide mit ähnlicher Reisezeit per Bahn.

Parken vor Ort

Im Zentrum gibt es vier größere Parkbereiche: das Parkhaus am Westerntor (1,50 EUR pro Stunde, maximal 9 EUR pro Tag), das Parkdeck Bahnhof (Tagesticket 6 EUR), den Parkplatz am Anger (kostenpflichtig nach Automat) sowie den großen Parkplatz an der Westernstraße kurz vor dem Schlossberg (gut, wenn du oben startest). Hotels mit eigenem Tiefgaragenplatz sind in der Adventszeit Gold wert — frag bei der Buchung gezielt nach.

Stadt und Naturhighlights

Wernigerode bietet zwei sehr unterschiedliche Erlebnisse innerhalb von 30 Minuten zu Fuß: die Fachwerk-Altstadt im Tal und die Bergsphäre rund ums Schloss und das Christianental. Drei Bereiche mit klarem Charakter:

Marktplatz und Rathaus

Der Marktplatz ist das Zentrum der Altstadt — etwa 70 mal 50 Meter, im Westen geprägt vom Rathaus von 1492. Die zwei spitzen Türme mit Schiefer-Verschalung machen es zu einem der schönsten Fachwerkrathäuser Deutschlands. Vor dem Rathaus steht der Wohltäterbrunnen von 1848, im Sommer Treffpunkt fürs erste Bier, im Winter Standort der Adventskrippe.

Altstadt-Gassen rund um Breite Straße und Klint

Vom Marktplatz führt die Breite Straße als Hauptachse nach Westen, eine Fußgängerzone mit Cafés und Geschäften. Spannender ist der Weg in die Quergassen: Klint, Hinterstraße, Oberpfarrkirchhof. Hier stehen die ältesten Fachwerkhäuser, manche aus dem späten 15. Jahrhundert. In der Hinterstraße findest du das Kleinste Haus Deutschlands — 2,95 Meter breit, 4,20 Meter hoch, heute ein Mini-Museum mit Eintritt von 1 EUR.

Schlossberg und Christianental

Östlich der Altstadt erhebt sich der Agnesberg mit dem Schloss Wernigerode 120 Höhenmeter über dem Stadtkern. Du läufst in 25 Minuten den Schlossweg hinauf — Steigung gleichmäßig, befestigt, aber bei Schnee rutschig. Wer nicht laufen will, nimmt die Schlossbahn (Bummelzug) ab Marktplatz, einfach 5 EUR. Hinter dem Schloss beginnt das Christianental, ein bewaldeter Talzug mit Kleintiergehege, Wildgehege und Spielplätzen — ein Nachmittag mit Kindern.

Fachwerkhäuser am Marktplatz Wernigerode
Marktplatz und Rathaus von 1492 — Treffpunkt seit über 500 Jahren.

Brockenausblick vom Armeleuteberg

Wer den Brocken (1.141 m) von der Stadt aus sehen will, geht auf den Armeleuteberg — ein bewaldeter Hügel südlich der Altstadt, rund 50 Höhenmeter, in 20 Minuten machbar. Vom Aussichtspunkt am Lutherturm hast du bei klarer Luft Sicht über die Stadt zum Brocken-Massiv. Die Treppe zum Turm ist offen, Eintritt frei.

Top-Sehenswürdigkeiten

Schloss Wernigerode

Auf dem Agnesberg, 350 Meter über NN und damit rund 120 Meter über dem Marktplatz. Romanischer Kern aus dem 12. Jahrhundert, im 19. Jahrhundert von Carl Frühling und Hermann Eggert in Neorenaissance-Form ausgebaut. Heute Museum mit knapp 40 Räumen, dazu Sonderausstellungen. Eintritt rund 9 EUR Erwachsene, 5 EUR Kinder. Mehr unter schloss-wernigerode.de. Lohnt sich für Kultur- und Architekturreisende, plan zwei Stunden ein.

Rathaus am Marktplatz

Fachwerkbau in der heutigen Form von 1492, früher Spielhaus für Schauspiele. Die geschnitzten Konsolen und die zwei Türme mit Schiefer-Verkleidung sind unverwechselbar. Innenräume nicht öffentlich (Verwaltung), aber das Trauzimmer ist auf Anfrage zugänglich. Lohnt sich für jeden Erstbesuch, kostenlos von außen.

Brockenbahn der Harzer Schmalspurbahnen

Schmalspur-Dampfzug ab Bahnhof Wernigerode bis zum Brocken-Gipfel, 1.141 Meter. Fahrzeit eine Richtung 1:45 Stunden, Fahrzeuge aus den 1950er Jahren mit Original-Dampflok. Tageskarte rund 51 EUR Erwachsene, Hin- und Rückfahrt. Plan einen ganzen Tag ein, der Brocken-Gipfel hat ein Brockenhaus, ein kleines Hotel und Aussicht über drei Bundesländer. Fahrplan auf hsb-wr.de.

Kleinste Haus Deutschlands

In der Kochstraße 43, 2,95 Meter breit und 4,20 Meter hoch — das nach eigener Aussage kleinste bewohnte Haus Deutschlands, im 18. Jahrhundert gebaut. Heute Mini-Museum mit historischer Einrichtung. Eintritt 1 EUR, Öffnungszeiten saisonal — am Eingang prüfen. Lohnt sich als Zwischenstopp beim Altstadtbummel.

Sylvestrikirche

Spätgotische Hallenkirche am Oberpfarrkirchhof, evangelisch, ab 1265 erbaut, im 15. Jahrhundert vollendet. Außergewöhnlich: das geschnitzte Chorgestühl und das alte Taufbecken aus dem 13. Jahrhundert. Eintritt frei, Spende erbeten. Lohnt sich für einen halbstündigen Stopp, vor allem wenn die Sonne von Süden durchs Westfenster fällt.

Liebfrauenkirche

Katholische Kirche an der Burgstraße, 1881 fertiggestellt, im neugotischen Stil. Innenraum mit gemalten Decken und Buntglasfenstern aus der Erbauungszeit. Eintritt frei. Lohnt sich für Architektur-Freunde als Kontrast zur evangelischen Sylvestrikirche.

Harzdrenalin Hängebrücke Rappbodetalsperre

Etwa 30 km östlich von Wernigerode an der Rappbodetalsperre — eine 458 Meter lange Hängebrücke über der größten Talsperre des Harz, 75 Meter hoch. Begehbar gegen Eintritt von rund 8 EUR. Dazu am Standort Megazipline (1.000 Meter, 84 km/h) und Wallrunning. Plan einen halben Tag, Auto-Anfahrt rund 40 Minuten.

Nationalpark Harz

Direkt südlich der Stadt beginnt der Nationalpark Harz mit über 24.700 Hektar Schutzfläche. Buchen- und Fichtenwälder, Hochmoore, der Brocken als zentraler Gipfel. Mehrere markierte Wanderwege starten am Stadtrand, das Nationalparkhaus liegt in der Lindenallee 35 (gleicher Standort wie die Verwaltung). Eintritt frei, Karten und Touren-Infos kostenlos. Mehr auf nationalpark-harz.de.

Aktivitäten und Erlebnisse

Empfehlungen sortiert nach Wetter und Reisegruppe:

Brockenbahn der Harzer Schmalspurbahnen am Bahnhof Wernigerode
Schmalspur-Dampflok der Harzer Schmalspurbahnen am Brocken-Bahnhof.

Bei Sonne

  • Harzer Hexenstieg: Fernwanderweg von Osterode bis Thale (97 km) führt durch Wernigerode, Tagesetappe nach Drei Annen Hohne 14 km
  • Brocken-Tour zu Fuß: 18 km bergauf, 900 Höhenmeter — voller Wandertag. Alternative: mit der Bahn hoch, zu Fuß zurück
  • Mountainbike Volksbank-Arena-Trail: ca. 2.300 km signierte MTB-Touren, Karten in der Tourist-Info
  • Funparc Wernigerode: Freibad mit Sportbecken und Rutsche, Tagesticket 5 EUR

Bei Regen

  • Schloss Wernigerode mit knapp 40 Räumen — voller Halbtag drinnen
  • Luftfahrtmuseum Flugzeuge und Hubschrauber, Eintritt 11 EUR, zwei Stunden
  • Stadttheater eigener Spielplan, Karten ab 18 EUR
  • Brockenbahn — bei jedem Wetter ein Erlebnis
  • Brauerei Hasseröder Werksführung mit Verkostung, Termine auf der Brauerei-Website

Mit Kindern

Das Christianental hinter dem Schloss hat Kleintier- und Wildgehege, drei Spielplätze und einen Trimm-dich-Pfad. Zugang frei. Im Winter Eisbahn am Marktplatz mit Schlittschuh-Verleih. Die Schlossbahn (Bummelzug) fährt vom Marktplatz hoch, einfach 5 EUR Erwachsene, 3 EUR Kinder.

Sportlich

Joggingrunden im Christianental (5 km, im Winter beleuchtet), längere Touren auf dem Hexenstieg. Kletterer fahren 12 km Richtung Süden zur Steinernen Renne mit gesicherten Routen.

Gastronomie und regionale Spezialitäten

Die Küche im Harz ist Wildküche mit deftigen Beilagen: Hirsch, Reh, Wildschwein, dazu Klöße, Sauerkraut, Rotkraut und Pfifferlinge im Sommer. Spezialitäten findest du an drei Orten:

Harzer Wildgericht in einem Wernigeröder Restaurant
Harzer Wildküche — Klassiker auf den Speisekarten der Wernigeröder Stuben.

Imbiss und Mittagstisch

Am Marktplatz und in der Breite Straße findest du mehrere Bratwurst- und Imbiss-Stände, geöffnet ganzjährig. Wernigeröder Bratwurst (regionale Variante mit Majoran) kostet 3,50 bis 4,50 EUR. In der Nähe des Bahnhofs gibt es Bäckereien mit Mittagstisch zum kleinen Geld.

Restaurants in der Altstadt

  • Zur alten Münze Restaurant in einem Fachwerkbau von 1473, regionale Wildküche und Harzer Käseplatte (Hauptgericht 16 bis 28 EUR)
  • Brauhaus am Marktplatz hauseigenes Bier (Wernigeröder Pilsner), deftige Karte, gut für Familien (Hauptgericht 14 bis 22 EUR)
  • Bohlenstube gehobene Küche im Hotel Travel Charme Gothisches Haus, Reservierung Pflicht (Hauptgericht ab 26 EUR)

Cafés und Backwaren

Das Café Wien in der Breite Straße führt Kuchen aus eigener Backstube, Spezialität ist die Harzer Schmalzkruste. Café Klatsch am Klint ist Geheimtipp für Frühstück mit Blick aufs Rathaus — kommen, bevor um zehn der Bus aus Magdeburg ankommt.

Markttag

Wochenmarkt jeden Donnerstag und Samstag von 8 bis 13 Uhr am Marktplatz. Honig vom Imker aus Schierke, Wurst vom Harzer Schinken-Räucherer, im Sommer Pfifferlinge und Steinpilze direkt aus dem Wald. Wer in einer Ferienwohnung kocht, deckt sich hier ein.

Lokales Bier und Schnaps

Aus Wernigerode kommt das Hasseröder Pilsner — die Brauerei Hasseröder am Stadtrand ist eine der größten Norddeutschlands. Daneben das kleinere Wernigeröder Schierker Feuerstein, ein Kräuterlikör mit 35 Volumenprozent, gebrannt seit 1908 in Schierke. Beide bekommst du in jedem Restaurant und Supermarkt im Ort.

Regionale Spezialitäten zum Mitnehmen

  • Harzer Käse aus Sauermilch — würzig, fettarm, gibt es in mehreren Reife-Stufen
  • Schierker Feuerstein als Kräuterlikör, in der Bügelflasche oder im Geschenkkarton
  • Harzer Schinken aus Räucherei in Wernigerode oder Quedlinburg
  • Wernigeröder Bratwurst als Mitbringsel beim Schlachter um die Ecke

Events und Saisonkalender

Wernigerode hat eine erstaunliche Eventdichte für eine 32.000-Einwohner-Stadt. Die wichtigsten Termine im Jahresverlauf — generisch nach Quartal, weil sich Daten verschieben:

Adventsmarkt am Marktplatz Wernigerode
Adventsmarkt am Marktplatz — der zentrale Termin im Jahreskalender Wernigerodes.

Frühjahr (April bis Juni)

Anfang Mai Walpurgisnacht mit Fest am Marktplatz (Feuerschau, Live-Musik); größere Auflagen parallel in Schierke und Thale. Schlosskonzerte im Innenhof ab Mai. Anfang Juni Rathausfest mit Handwerkermarkt.

Sommer (Juli bis September)

Hauptsaison. Anfang Juli das Schlossfestival mit Konzerten und Theater im Innenhof, Tickets ab 25 EUR. Im August Harz-Klassik-Tage. Mitte September das Harzer Wandertage-Wochenende.

Herbst (Oktober bis November)

Stadtfest Anfang Oktober am Marktplatz (kostenlos). Ende Oktober Brockenmarathon. Ab Mitte November Adventsdekoration in der Altstadt.

Winter (Dezember bis Februar)

Ende November bis Ende Dezember Adventsmarkt am Marktplatz — über 70 Stände vor Fachwerk-Kulisse, Glühwein vom Hasseröder. Volle Wochenenden, leerer unter der Woche. Weihnachten/Silvester Konzerte im Schloss. Januar/Februar Skifahren am Brocken (Loipen) und Schierke (Lift).

Geschichte und Kultur

Historische Fachwerkfassade in Wernigerode
1.200 erhaltene Fachwerkhäuser machen Wernigerode zu einem der dichtesten Fachwerk-Ensembles Deutschlands.

Wernigerode wird erstmals 1121 urkundlich erwähnt, Stadtrechte ab 1229. Über Jahrhunderte residierten hier die Grafen, später Fürsten zu Stolberg-Wernigerode.

Vom Grafensitz zur bürgerlichen Stadt

Das Schloss war ursprünglich eine romanische Höhenburg aus dem 12. Jahrhundert. Graf Otto zu Stolberg-Wernigerode ließ den Bau ab 1862 von Carl Frühling und Hermann Eggert in Neorenaissance-Form überarbeiten. Bis 1918 wohnten die Fürsten hier, danach ging der Bau ans Land.

Bunte Stadt am Harz

Den Beinamen trug Wernigerode bereits Ende des 19. Jahrhunderts — gemeint sind die etwa 1.200 erhaltenen Fachwerkhäuser mit farbig gefassten Holzbalken (Ocker, Rot, Grün, Blau). Anders als viele Fachwerkstädte überlebte Wernigerode den Zweiten Weltkrieg fast unbeschadet — daher die heutige Geschlossenheit der Altstadt.

Brockenbahn seit 1898

Eröffnung der Strecke nach Drei Annen Hohne 1898, Verlängerung zum Brockengipfel 1899. Spurweite 1.000 Millimeter, Streckenlänge bis Brocken 33,9 Kilometer, mit dem Anschluss Selketalbahn insgesamt rund 140 Kilometer befahrbares Netz. In der DDR-Zeit war der Brocken Sperrgebiet (Grenznähe), erst ab 1992 fuhr die Bahn wieder bis zum Gipfel.

Sprache und Brauchtum

Die regionale Mundart heißt Ostfälisch, eine niederdeutsche Variante. Im Alltag kaum noch zu hören, lebt sie in Straßennamen, Speisekarten ("Pfanne", "Schmalzkrust") und auf einigen zweisprachigen Schildern fort. Wer sich für Mundart und Brauchtum interessiert, geht in das Harzmuseum am Klint (Eintritt rund 4 EUR) — kompakt, aber mit gutem Überblick.

Wetter und beste Reisezeit

Das Klima in Wernigerode ist gemäßigt-kontinental, durch die Lage am Harzrand mit deutlichem Niederschlags-Plus gegenüber dem Vorland. Die Sommer sind milder als im Tiefland (Föhn-Wirkung im Lee des Harz fehlt hier), die Winter durch Höhenlage kälter — Schnee ab November möglich, ab Dezember regelmäßig auf den Bergen rundherum.

Jan
Feb
Mär
Apr
Mai
Jun
Jul
Aug
Sep
Okt
Nov
Dez
Hauptsaison Geheimtipp Nebensaison Off-Season

Beste Reisezeit für Wanderer

Mai & September

Luft13 bis 18 Grad
Wettertrocken, klare Sicht zum Brocken
Preise20 bis 30 % unter Hauptsaison
Trubelspürbar leerer als Juli/August

Hochsaison

Juli, August & Advent

Luft Sommer16 bis 22 Grad
Luft Advent−2 bis 5 Grad
PreiseMaximalsaison, Frühbucher empfehlenswert
Trubelvoll am Wochenende, leerer unter der Woche

Wintersport & Ruhe

Januar & Februar

Luft−2 bis 4 Grad in der Stadt
Schneeam Brocken sicher, in der Stadt unregelmäßig
PreiseTiefststand außerhalb der Ferien
Trubelfast menschenleer in der Altstadt

Praktische Tipps

Hotel in einem Fachwerkhaus in Wernigerode
Viele Hotels in Wernigerode liegen in alten Fachwerkbauten in der Altstadt.
  • Kurtaxe Wernigerode erhebt eine Gästetaxe von 1,80 EUR pro Erwachsenem und Tag (Stand 2026), Kinder unter sechs Jahren zahlen nichts. Wird über das Hotel mitabgerechnet, gilt als Bonuskarte mit Rabatten in mehreren Museen.
  • + Hunde in der Altstadt willkommen, auf Marktplatz und in Cafés meist erlaubt. In Bus und Brockenbahn fahren Hunde mit (eigenes Ticket). Im Nationalpark Harz Leinenpflicht ganzjährig.
  • WLAN kostenfreies Stadt-WLAN am Marktplatz, in der Tourist-Info und in den meisten Cafés. Im Schloss und in der Brockenbahn unzuverlässig.
  • + Apotheke & Ärzte drei Apotheken in der Altstadt (Marktplatz, Breite Straße, Bahnhof), mehrere Hausarztpraxen. Notdienst rotiert mit Halberstadt und Blankenburg. Krankenhaus: Harz-Klinikum Wernigerode am Stadtrand.
  • Geldautomaten Sparkasse Marktplatz, Volksbank Breite Straße, Commerzbank Bahnhofstraße, daneben Automaten in den großen Supermärkten. Bargeld lohnt sich für Wochenmarkt und kleine Cafés.
  • Barrierefreiheit Marktplatz und Hauptstraßen flach und gepflastert, einzelne Quergassen mit Kopfsteinpflaster und Steigung. Schloss bedingt rollstuhltauglich (mit Lift), die Brockenbahn hat eigene Rollstuhl-Plätze in den Wagen.
  • i Tourist-Information Marktplatz 10, ganzjährig geöffnet, in der Hauptsaison auch Sonntags. Stadtkarten, Wanderkarten, Tipps für Schlechtwetter und Tickets für Schloss und Brockenbahn.

Insider-Tipps

Vier Spots abseits der Reiseführer:

Der Bahnhof Westerntor — Schmalspurbahn ohne Massen

Die Brockenbahn ab Hauptbahnhof ist überlaufen. Eine Station weiter südlich am Bahnhof Westerntor hält dieselbe Bahn, du steigst leerer ein und bekommst eher einen Fensterplatz.

Wernigerödes ruhigster Aussichtspunkt — der Galgenberg

30 Minuten Aufstieg zum Galgenberg südwestlich der Altstadt — wenig markiert, daher leer. Sicht über die Altstadt mit Schloss-Silhouette zum Brocken-Massiv. Beste Zeit: später Nachmittag im Gegenlicht. Festes Schuhwerk.

Werksverkauf der Schierker Feuerstein-Brennerei

15 Kilometer südlich in Schierke öffnet der Werksverkauf werktags 9 bis 17 Uhr — Likör direkt vom Hersteller, oft 20 bis 30 Prozent unter Supermarktpreis. Adresse: Bahnhofstraße, Hinweisschild ab Ortseingang.

Brockenwanderung im Februar bei Vollmond

Aufstieg zum Brocken bei Vollmond im Februar — klare Nächte und festes Winterzeug Pflicht (Schneehöhe oben oft über ein Meter). Start in Drei Annen Hohne, vier bis fünf Stunden über die Eckerlochstiege. Rückfahrt am Morgen mit der Bahn.

Umgebung und Tagesausflüge

Drei Tagestouren für drei Wettertypen:

Bei Sonne: Brocken und Schierke (15 km)

Mit der Brockenbahn in 1:45 Stunden zum Gipfel oder direkt zu Fuß ab Wernigerode (18 km, 900 Höhenmeter). Oben das Brockenhaus mit Ausstellung zum Nationalpark, der Wolkenhäuschen-Aussichtspunkt und die alte Wetterwarte. Bei klarer Sicht reicht der Blick bis Magdeburg im Norden und nach Thüringen im Süden. Mittagessen im Brockenhaus, Rückfahrt mit der Bahn oder zu Fuß über Schierke.

Bei Wechselwetter: Quedlinburg (35 km)

Bahnverbindung mit Umstieg in Halberstadt rund 1:15 Stunden, Auto 40 Minuten. Vor Ort: die komplette Altstadt zählt zum UNESCO-Welterbe — über 1.300 Fachwerkbauten aus 600 Jahren. Stiftskirche mit Domschatz aus der Ottonen-Zeit (Heinrich I. ist hier begraben), Marktplatz, Altes Rathaus. Plan einen ganzen Tag oder zwei halbe.

Bei Regen: Goslar und Rammelsberg (45 km)

Mit dem Auto rund eine Stunde über die A36. Goslar mit dem Kaiserpfalz-Bau aus dem 11. Jahrhundert (Heizungs-Kamin als architektonische Besonderheit), die Marktkirche und das Bergwerk-Museum am Rammelsberg — ein UNESCO-Welterbe mit Stollen-Führungen, gut bei jedem Wetter.

Tagesausflug für Aktive (30 bis 60 km)

Etwa 30 Kilometer östlich von Wernigerode lohnt der Weg zur Rappbodetalsperre und zur Hängebrücke (siehe oben). Wer es kombinieren will, fährt von dort weiter zum Wintersport-Ort Braunlage (45 km südwestlich) — im Sommer mit Wurmbergseilbahn, im Winter mit Skipiste. Beide Orte ergänzen sich gut zu einem Tagesausflug ab Wernigerode.

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