Altenau liegt mitten im Oberharz auf rund 440 Metern Höhe, eingebettet zwischen Bruchberg, Wolfswarte und Bocksberg. Seit 2015 gehört der Ort als Stadtteil zur Berg- und Universitätsstadt Clausthal-Zellerfeld in Niedersachsen. Wer einen Standort sucht, der den Charakter des Oberharzes ohne den Trubel von Braunlage einfängt, ist hier richtig: kompakter Ortskern, eine der größten Holzkirchen Norddeutschlands, der mehrfach ausgezeichnete Kräuterpark mit über 1.400 Pflanzenarten und ein eigener Skihang am Glockenberg. Die Okertalsperre und der Brocken sind als Tagesziele in unter einer Stunde erreichbar — gut für Wanderer, Familien und Wellness-Reisende, die das stille Pendant zum lauten Oberharz suchen.
Anreise und Erreichbarkeit
Altenau liegt mitten im Oberharz und hat keinen eigenen Bahnhof — die Anreise läuft entweder über Goslar (24 km nördlich) oder Clausthal-Zellerfeld (8 km westlich). Per Auto kommst du am schnellsten über die A7 bis Seesen und dann weiter über die B498. Tourist-Information und Service-Adressen pflegt die Stadt Clausthal-Zellerfeld auf oberharz.de.
Mit dem Auto
Aus Westen nimmst du die A7 bis Abfahrt 66 Seesen und folgst der B498 über Clausthal-Zellerfeld nach Altenau, gut 30 Minuten ab Autobahn. Aus Osten kommst du via A395 bis Goslar und dann die B241 in 25 Minuten Richtung Süden. Aus Norden: ab Hannover etwa zwei Stunden über A7 und B498. Im Winter sind Winterreifen Pflicht — die B498 zwischen Clausthal und Altenau führt über Hochlagen mit regelmäßigen Schneeverwehungen von November bis April.
An Wochenenden mit gutem Wanderwetter und an Skitagen im Januar/Februar staut sich die B498 zwischen Clausthal und Altenau ab dem späten Vormittag — wer Sonntag anreist, plant am besten eine halbe Stunde Puffer ein.
Mit der Bahn
Der nächste Endbahnhof ist Bad Harzburg (RE10 aus Hannover, etwa stündlich, Fahrtzeit rund zwei Stunden). Von dort nimmst du den Bus 830 über Goslar nach Altenau, Fahrtzeit weitere 70 Minuten. Alternativ steigst du in Goslar (DB-Bahnhof) aus und nimmst direkt den Bus 830, etwa 50 Minuten. Aktuelle Verbindungen prüfst du auf bahn.de.
Die Brockenbahn der Harzer Schmalspurbahnen startet in Wernigerode (50 km nordöstlich) — interessant als Tagesausflug, aber kein direkter Anreiseweg.
Mit dem Flugzeug
Nächster Verkehrsflughafen ist Hannover (HAJ), etwa 120 km entfernt. Vom Flughafen kommst du mit der S5 in 17 Minuten zum Hauptbahnhof, dort steigst du in den RE10 nach Bad Harzburg um und weiter mit dem Bus 830. Gesamtzeit Flughafen → Altenau: rund vier Stunden inklusive Umstiege. Wer schneller ankommen will, nimmt ab Hannover den Mietwagen — knapp zwei Stunden Fahrzeit.
Parken vor Ort
Im Ort gibt es vier Parkbereiche: Großparkplatz am Kräuterpark (kostenfrei, Tagesticket 1 EUR), Parkplatz am Kurpark (2 EUR pro Tag), Parkplatz am Skihang Glockenberg (im Winter 4 EUR, sonst frei) und Parkplatz an der Tourist-Information am Marktplatz (1 EUR pro Stunde, max. 6 EUR pro Tag). Hotels mit eigener Tiefgarage frag bei der Buchung gezielt nach — im Sommer und an Skitagen sind die zentralen Parkplätze ab Mittag voll.
Wandern, Skifahren und Kräuterpark
Altenau ist Binnenland-Bergstadt — statt Strand und Wasser gibt es hier Wanderwege durch Buchen- und Fichtenwald, einen kleinen Skihang direkt am Ort und mit dem Kräuterpark eine bundesweit einmalige Attraktion. Drei Schwerpunkte:
Kräuterpark Altenau
Der Kräuterpark am südlichen Ortsrand ist mit rund 20.000 Quadratmetern einer der größten Kräuter- und Heilpflanzengärten Deutschlands. Über 1.400 Pflanzenarten verteilt auf zwölf Themengärten — Bauerngarten, Apothekergarten, Bibel-Garten, Hexengarten, Duftgarten und mehr. Eintritt Erwachsene rund 9 EUR, Kinder 4 EUR, Familienkarte ab 22 EUR. Geöffnet von Mitte April bis Ende Oktober täglich 9 bis 18 Uhr. Auf dem Gelände auch ein Kräuterhof mit Verkauf eigener Tees, Salben und Öle. Vor allem im Juni und Juli, wenn die meisten Heilkräuter blühen, ist der Park einen halben Tag wert.
Skihang am Glockenberg (716 m)
Direkt am Ortsrand liegt der Skihang Glockenberg mit zwei Schleppliften, etwa 600 Metern Länge und einem Höhenunterschied von rund 130 Metern. Ein Anfänger- und Familienhang, kein Vergleich zum Wurmberg in Braunlage, aber für die ersten Schwünge und mit Kindern völlig ausreichend. Tageskarte Erwachsene rund 22 EUR, Kinder 14 EUR. Saison meist Ende Dezember bis Ende Februar je nach Schneelage. Gleich daneben: Rodelhang mit eigenem Lift, Tagesticket 8 EUR. Aktuelle Schneeberichte und Öffnungszeiten auf oberharz.de.
Wanderwege Richtung Bruchberg, Wolfswarte und Brocken
Altenau liegt im Übergang zum Hochharz — der Wanderweg auf den Bruchberg (927 m, zweithöchster Berg Niedersachsens) führt in zwei Stunden ab Ortsmitte über etwa 500 Höhenmeter durch Fichtenhochwald und Hochmoor. Die Wolfswarte (911 m) mit ihrer Granitfelsformation ist ein klassisches Tagesziel — vier Stunden hin und zurück über den Hauptkamm. Wer auf den Brocken will, nimmt den Auto-Anschluss zum Torfhaus (15 km, 25 Minuten) und läuft von dort den Goetheweg (16 km, 600 hm). Im Nationalpark Harz sind über 600 km Wanderwege markiert, ausgeschildert vom Harzklub.
Top-Sehenswürdigkeiten
Holzkirche St. Nicolai (1668)
Eine der größten erhaltenen Holzkirchen Norddeutschlands, errichtet zwischen 1665 und 1668 im barocken Stil. Komplett aus Fichtenstämmen, kein Stein, keine Nägel an den tragenden Teilen. Altarraum mit Renaissance-Empore von 1675, geschnitzte Kanzel und ein bemaltes Tonnengewölbe. Eintritt frei, geöffnet im Sommer täglich 10 bis 17 Uhr, im Winter Mi/Sa/So. Direkt am Marktplatz, jeder Besuch lohnt eine halbe Stunde.
Kräuterpark Altenau
Über 1.400 Pflanzenarten auf 20.000 Quadratmetern, zwölf Themengärten von Bauerngarten bis Bibel-Garten. Eintritt Erwachsene 9 EUR, Kinder 4 EUR, Familienkarte ab 22 EUR. Geöffnet Mitte April bis Ende Oktober täglich 9 bis 18 Uhr. Im integrierten Kräuterhof eigene Tees, Salben und ätherische Öle. Beste Blütezeit Juni und Juli.
Bergbau-Erlebnispfad
Rundweg vom Marktplatz über sechs Stationen zur Bergbau-Geschichte Altenaus — Silber- und Eisenerzabbau seit dem 16. Jahrhundert. Etwa 4 km, 90 Minuten, mit Schautafeln und einem begehbaren Stollenrest am Schalker Tal. Eintritt frei, ganzjährig zugänglich. Gut kombinierbar mit dem Besuch im Oberharzer Bergwerksmuseum in Clausthal-Zellerfeld (8 km).
Okertalsperre
Acht Kilometer nördlich von Altenau, 1956 fertiggestellt, eine der größten Talsperren des Harzes mit 47 Mio. Kubikmetern Stauinhalt. Rundwanderweg um die Talsperre 26 km — als Tagestour ab Altenau nicht machbar, aber Teilabschnitte über die Sösestaumauer lohnen. Im Sommer Bootsverleih am Ostufer, Schwimmen erlaubt. Anfahrt: B498 Richtung Goslar, Wegweiser Okertal.
Skihang Glockenberg
Familien-Skihang mit zwei Schleppliften, 600 Meter Länge, 130 Höhenmeter. Anfänger- und Übungshang, gut mit Kindern. Tageskarte Erwachsene 22 EUR, Kinder 14 EUR. Saison Ende Dezember bis Ende Februar. Skischule und Skiverleih an der Talstation, Tagespreis Komplettausrüstung ab 28 EUR. Beleuchtetes Nachtskifahren Mi/Fr/Sa bis 21 Uhr.
Kurpark mit Promenadenweg
Drei Hektar Kurpark im Tal der Oker, angelegt nach den Plänen aus den 1920er-Jahren als Bestandteil der Heilklima-Konzession. Wandelhalle mit Trinkbrunnen (mineralisches Quellwasser, kostenfrei), Kurorchester-Konzerte am Pavillon mehrmals wöchentlich im Sommer (Eintritt frei). Promenadenweg an der Oker entlang, 2 km bis zur Mühle Schultal. Familienspielbereich am Nordeingang.
Glockenberg-Aussichtsturm
Ein 17 Meter hoher Holzturm auf der Glockenberg-Kuppe (716 m), errichtet 2008 vom Harzklub. Bei klarem Wetter Sicht bis zum Brocken im Süden, zur Wolfswarte im Westen, ins Vorland Richtung Salzgitter. Aufstieg vom Skihang in 35 Minuten über den markierten Wanderweg. Eintritt frei, ganzjährig zugänglich.
Schalker Graben
Historisches Wasserwirtschafts-System des Oberharzer Bergbaus aus dem 16. Jahrhundert — Teil der UNESCO-Welterbe-Stätte Oberharzer Wasserregal. Ein 14 km langer Wanderweg führt von Altenau am Schalker Graben entlang über Magdeburger Höhe nach Clausthal-Zellerfeld. Schautafeln erklären die Funktion der Gräben für die alten Bergwerke. Etwa vier Stunden, einseitig, Rückfahrt mit Bus 830.
Aktivitäten und Erlebnisse
Was du in Altenau unternimmst, hängt von Saison und Reisegruppe ab. Vier Konstellationen:
Im Frühling und Herbst
- Wandern auf Bruchberg, Wolfswarte oder am Schalker Graben — Routen 4 bis 14 km, alle markiert vom Harzklub
- Mountainbike: rund 2.200 km markierte MTB-Strecken im Harz, Verleih an der Tourist-Information am Marktplatz, Tagespreis ab 28 EUR
- Kräuterpark mit Themengärten und Kräuterhof, beste Blütezeit Juni und Juli
- Pilze sammeln im September und Oktober — Steinpilze, Maronen, Pfifferlinge in den umliegenden Fichtenwäldern, Sammelmenge bis 1 kg pro Person und Tag erlaubt
Im Sommer
- Okertalsperre mit Bootsverleih und Badestellen am Ostufer (8 km)
- Sommerrodelbahn in Hahnenklee (15 km westlich): 700 Meter Edelstahlbahn, 4 EUR pro Fahrt
- Konzerte im Kurpark mehrmals wöchentlich, kostenfrei, im Sommer auch sonntags 11 Uhr Frühschoppen
- Glockenberg-Wanderung bei Sonnenaufgang ab fünf Uhr morgens — Brockenblick fast garantiert
Mit Kleinkindern
Kurpark mit Spielbereich und Trinkbrunnen, Kräuterpark mit Bibel-Garten und Hexengarten als Familienthema, Skihang Glockenberg mit Anfängerlift im Winter. Der Bergbau-Erlebnispfad ist auch mit Kinderwagen befahrbar (geschotterter Weg, keine Stufen).
Bei Regen und Schlechtwetter
- Oberharzer Bergwerksmuseum in Clausthal-Zellerfeld (8 km) — UNESCO-Welterbe, Untertage-Führung 90 Minuten
- Schaubergwerk Rammelsberg in Goslar (24 km) — UNESCO-Welterbe, Untertage-Tour rund 90 Minuten
- Holzkirche St. Nicolai mit Renaissance-Empore und Tonnengewölbe
- Schloss Wernigerode (45 km) — buntestes Schloss Deutschlands, Neugotik 1885
Gastronomie und regionale Spezialitäten
Die Harzer Küche ist deftig und bergmännisch geprägt: Wild aus den umliegenden Wäldern, Forelle aus den Talsperren, dazu Klöße, geschmälzte Kartoffeln und der berühmte Harzer Käse. Drei Anlaufstellen:
Restaurants im Ort
- Hotel Schatzkammer: regionale Wildküche aus eigenem Revier, Hauptgericht 18 bis 28 EUR, im Sommer Reservierung empfohlen
- Berghotel Altenau: gehobene Harzer Küche, Hauptgericht ab 22 EUR, Panoramablick zum Bruchberg
- Gasthaus Zur Linde: traditionelle Bergmannskost, Forelle Müllerin Art und Wildgulasch, Hauptgericht 14 bis 22 EUR
- Café Kräuterhof im Kräuterpark: einfache Mittagskarte mit Kräuter-Quiche und hausgebackenem Kuchen, kinderfreundlich
Hütten und Almen
Auf dem Hauptkamm zwischen Altenau und Torfhaus gibt es das Stieglitzecker-Forsthaus (Selbstbedienung, Sa/So und Feiertage geöffnet, ab Altenau zwei Stunden Anstieg) — Erbsensuppe, Bratkartoffeln, Quellwasser im Krug. Bring kleines Geld mit, Karten nehmen sie nicht. Auf dem Glockenberg-Plateau gibt es im Winter die Skihütte am Lift mit Glühwein und Bockwurst.
Cafés und Konditoreien
Das Café Marktplatz an der Hauptstraße führt hausgebackene Harzer Spezialitäten und Baumkuchen — Stück 4 EUR. Die Bäckerei Haferkorn öffnet ab 6 Uhr und versorgt Frühaufsteher mit warmen Brötchen vor der Wandertour. Im Sommer Terrasse zum Kurpark.
Regionale Spezialitäten zum Mitnehmen
- Harzer Käse aus Sauermilch (geringer Fettgehalt, kräftiger Geschmack), beim Hofverkauf in Klingelhausen oder Wernigerode
- Kräutertees und Salben aus dem Kräuterhof Altenau — eigene Mischungen, gute Wahl als Mitbringsel
- Bergmanns-Schnaps aus der Brennerei Wolters in Walkenried, klassische Sorten Kümmel und Hagebutte
- Brockenkristall aus der Glasmanufaktur Derenburg (45 km östlich)
Events und Saisonkalender
Altenau lebt vom Jahresrhythmus zwischen Skihang-Saison, Wanderfrühling, Hauptsommer und goldenem Oktober. Die wichtigsten Termine in der Region — generisch nach Jahreszeit, weil die Datums sich verschieben:
Frühjahr (April bis Juni)
Mitte April öffnet der Kräuterpark zur Saison, parallel laufen die ersten Workshops zur Salbenherstellung an. Anfang Mai eröffnet die Wanderhauptsaison im Oberharz, der Harzklub markiert die Wege neu. Pfingstwochenende ist traditionell ausgebucht — wer in dieser Zeit kommen will, braucht Hotel-Reservierung mindestens vier Wochen vorher. Im Juni stehen die Heilkräuter im Park in voller Blüte.
Sommer (Juli bis September)
Hauptsaison. Mehrmals wöchentlich Kurorchester-Konzerte am Pavillon im Kurpark, kostenfrei. Ende Juli und Anfang August läuft das Altenauer Sommerfest am Marktplatz mit Bühnenprogramm und regionalen Ständen. Mitte September startet die Pilzsaison in den Fichtenwäldern. Die Bergbahn-Verbindungen zum Brocken sind im Hochsommer regelmäßig ausgebucht — frühe Buchung empfehlenswert.
Herbst (Oktober bis November)
Goldener Oktober im Oberharz: Buchen färben sich rot, Lärchen gelb, klare Sicht vom Glockenberg-Aussichtsturm bis zum Brocken. Ende Oktober schließt der Kräuterpark, im November kommen die ersten Schneefälle ab 700 m. Adventsmarkt-Aufbau Ende November.
Winter (Dezember bis März)
Adventsmarkt am ersten Adventswochenende auf dem Marktplatz. Skihang Glockenberg eröffnet je nach Schneelage zwischen Mitte Dezember und Anfang Januar. Hauptsaison Wintersport: Januar und Februar mit Schneehöhen um 30 bis 60 cm auf Glockenberg-Höhe. Mitte März schmilzt der Schnee, der Skihang schließt — Wandersaison ist noch nicht offen, ruhigste Wochen des Jahres.
Geschichte und Kultur
Altenau wird erstmals 1227 als Bergbausiedlung erwähnt — damals noch unter dem niederdeutschen Namen "Aldenowe". Der Ort entwickelte sich zwischen dem 16. und 18. Jahrhundert zu einem der wichtigsten Silber- und Eisenerz-Fördergebiete des Oberharzes.
Bergbau seit dem 16. Jahrhundert
Im 16. Jahrhundert begann der systematische Silberbergbau, ab dem 17. Jahrhundert kam Eisenerz hinzu. Die Bergleute kamen aus dem Erzgebirge und brachten Sprache, Kleidung und Mundart mit — Reste davon prägen die heutige Oberharzer Mundart. Die UNESCO-Welterbe-Stätte Oberharzer Wasserregal mit Schalker Graben, Polsterberger Hubhaus und Hirschler Teich ist die historische Wasserwirtschaft, die den Bergbau überhaupt möglich machte. Mit dem Niedergang der Bergbau-Wirtschaft Ende des 19. Jahrhunderts wandelte sich der Ort zum Erholungsort.
Heilklima-Kurort seit den 1930ern
1936 erhielt Altenau erstmals den Status als Luftkurort, 1969 als heilklimatischer Kurort anerkannt. Grund: die kühle, allergenarme Mittelgebirgsluft auf 440 m Höhe, frei von Stadtemissionen und Pollen-Hochlagen. Der Kurpark im Tal der Oker entstand in den 1920ern, die Wandelhalle mit dem Trinkbrunnen 1958. Bis heute hat Altenau den Status eines staatlich anerkannten Heilklimatischen Kurorts und kassiert dafür Kurtaxe.
Holzkirche und Marktplatz
Die Holzkirche St. Nicolai (1665 bis 1668) ist das architektonische Herz des Ortes — eine der größten erhaltenen Holzkirchen Deutschlands, komplett aus Fichtenstämmen ohne Steinmauer. Der Marktplatz davor wurde im 18. Jahrhundert mit dem heutigen Grundriss angelegt; viele der Fachwerkhäuser am Platz stammen aus dem 18. und frühen 19. Jahrhundert. Wer einen Kontaktpunkt zur lokalen Bergbau-Mundart sucht, geht ins Oberharzer Bergwerksmuseum in Clausthal-Zellerfeld oder besucht eines der Plattdeutsch-Konzerte im Kurpark.
Wetter und beste Reisezeit
Das Klima im Oberharz ist gemäßigt-kontinental und an der Hochlage von Altenau (440 m) deutlich rauer als im Vorland. An der DWD-Station Braunlage (607 m, vergleichbare Hochlage 12 km südlich) liegt die Jahresmitteltemperatur bei 6,5 Grad und der Niederschlag bei rund 1.300 mm. Altenau liegt etwa 170 m tiefer und ist damit etwa 1 Grad milder, mit Niederschlägen um 1.100 mm. Schnee liegt im Mittel an 70 bis 90 Tagen pro Jahr — gute Bedingungen für den Skihang Glockenberg von Ende Dezember bis Ende Februar.
Beste Reisezeit für Familien
Juni bis September
Hauptsaison Skihang
Januar & Februar
Wellness und Ruhe
November und März
Praktische Tipps
- € Kurtaxe: 2,50 EUR pro Erwachsenem und Tag in der Hauptsaison (Mai bis Oktober und Skisaison), 1,50 EUR in der Nebensaison. Wird über das Hotel mitabgerechnet, gilt als HarzCard mit Rabatten an Skilift, Kräuterpark, Bergwerksmuseum und ÖPNV.
- 🐕 Hunde: in Altenau und im Nationalpark Harz ganzjährig erlaubt, Leinenpflicht in Schutzgebieten und am Brockengipfel. Im Kräuterpark nicht erlaubt. Auf dem Glockenberg-Skihang im Winter nicht erlaubt. In Restaurants meist willkommen, Hotels mit Hunde-Zuschlag von 8 bis 15 EUR pro Tag.
- 📶 WLAN: kostenfreies Hotspot-Netz im Kurpark, am Marktplatz und an der Tourist-Information. Im Tal verlässlich, ab 600 m Höhe oft kein Mobilfunk-Empfang im Fichtenwald — Karten besser offline laden.
- + Apotheke und Ärzte: Kur-Apotheke an der Hauptstraße, zwei Hausarztpraxen im Ort, Reha-Zentrum mit Fachärzten am Kurpark. Notdienst rotiert mit Clausthal-Zellerfeld und Goslar. Nächstes Krankenhaus: Asklepios Harzklinik Goslar (24 km).
- € Geldautomaten: Sparkasse Altenau am Marktplatz, Volksbank an der Hauptstraße, weiterer Automat an der Tourist-Information. Im Skiwinter Wochenenden oft Schlangen — Kartenzahlung am Skilift wird akzeptiert.
- ♿ Barrierefreiheit: Kurpark und Promenadenwege weitgehend rollstuhltauglich, Kräuterpark mit befestigten Hauptwegen befahrbar, Holzkirche St. Nicolai mit Rampe am Seiteneingang. Bergbau-Erlebnispfad eingeschränkt (geschotterter Untergrund). Wanderwege im Nationalpark eingeschränkt.
- i Tourist-Information: Hauptstraße am Marktplatz, ganzjährig geöffnet, in der Sommer- und Skisaison auch sonntags. Wanderkarten, Veranstaltungspläne, HarzCard-Verkauf, Skipass-Verkauf und Bus-Tickets.
- ☀ Wellness und Therme: die Kristall-Therme am Ortsrand kostet 18 EUR (Bad), 28 EUR (mit Sauna). Hotels mit eigenem Spa nehmen Tagesgäste meist gegen Aufpreis von 15 bis 25 EUR auf — Direktbuchung empfehlenswert, Sommer-Wochenenden oft ausgebucht.
Insider-Tipps
Vier Spots, die nicht in jedem Reiseführer stehen:
Schalker Graben bei Sonnenaufgang
Der historische Wassergraben ist Teil des UNESCO-Welterbes Oberharzer Wasserregal — fast ohne Steigung, gut markiert, im frühen Morgen meist menschenleer. Start am Parkplatz Schalke (3 km westlich Altenau), Wanderung 14 km bis Clausthal, Rückfahrt mit Bus 830. Schautafeln erklären die Funktion der Gräben für die alten Bergwerke. Im Mai blühen am Wegrand Wollgras und Buschwindröschen.
Kräuterhof-Workshop am Mittwochmorgen
Im Kräuterpark gibt es jeden Mittwoch um 10 Uhr einen Workshop zur Salben- und Tinkturherstellung — selbst geerntete Kräuter, eigene Mischung, mitnehmen ins kleine Glas. Kosten 18 EUR pro Person, Anmeldung am Kassenhäuschen oder telefonisch. Etwa 90 Minuten, gut auch für Kinder ab zehn Jahren. Im Herbst auch Pilz-Bestimmungs-Workshops Mi/Sa Vormittag.
Kurkonzert-Frühschoppen sonntags
Sonntagvormittags um 11 Uhr spielt das Kurorchester am Pavillon im Kurpark — Märsche, Polkas, Operetten-Auszüge. Eintritt frei, Brezelverkauf am Pavillon, im Sommer fast immer voll. Frag in der Tourist-Information am Vortag nach dem Programm — selten fällt das Konzert wegen Regen aus, dann verschiebt es sich in die Wandelhalle.
Adventsmarkt am Marktplatz
Das Wochenende vor dem ersten Advent steht im Zeichen des Altenauer Adventsmarkts — kompakter als Goslar oder Wernigerode, im historischen Marktplatz vor der Holzkirche mit Glühwein und Bratwurst. Etwa 25 Stände, lokale Handwerker, Kinderkarussell. Der Eintritt ist frei, Anfahrt mit dem Bus 830 ab Goslar.
Umgebung und Tagesausflüge
Die Region rund um Altenau hat mehr zu bieten als Kräuterpark und Glockenberg. Drei Tagestouren für drei Wettertypen:
Bei Sonne: Brocken via Torfhaus (15 km)
Mit dem Auto in 25 Minuten zum Torfhaus, dann zu Fuß über den Goetheweg (16 km, 600 hm) oder mit der Brockenbahn ab Schierke (50 Min, ca. 30 EUR). Vor Ort: Brockenhaus-Museum mit Wetterstation-Dauerausstellung, Brockengarten (Alpinpflanzen, Mai bis Oktober), Hexenaltar mit Bronzeguss-Tafel. Mittagessen im Brockenhotel, Rückfahrt mit Bahn oder zu Fuß.
Bei Wechselwetter: Goslar Altstadt (24 km)
Auto 30 Minuten über die B498 und B241. UNESCO-Welterbe seit 1992: Marktplatz mit Glockenspiel viermal täglich, Kaiserpfalz aus dem 11. Jahrhundert, Schaubergwerk Rammelsberg mit Untertage-Tour (rund 16 EUR). Plan einen ganzen Tag — Goslar-Altstadt hat 1.500 Fachwerkhäuser. Kombinieren mit dem Schaubergwerk lohnt sich.
Bei Regen: Clausthal-Zellerfeld und Bergwerksmuseum (8 km)
Auto 12 Minuten über die B498. Das Oberharzer Bergwerksmuseum ist Teil des UNESCO-Welterbes Oberharzer Wasserregal — original erhaltenes Bergwerk mit Untertage-Führung (90 Minuten, rund 14 EUR), oberirdischer Park mit Pochwerk und Wassergöpel. Nebenan die größte Holzkirche Deutschlands, die Marktkirche zum Heiligen Geist von 1642. Bei Regen sind Schauwerke und Kirche trocken.
Weitere Tagesziele (40 bis 100 km)
- Wernigerode: buntestes Schloss Deutschlands, 45 km östlich, Brockenbahn-Startbahnhof.
- Quedlinburg: UNESCO-Welterbe, 60 km östlich, 1.300 Fachwerkhäuser.
- Hildesheim: UNESCO-Welterbe Mariendom und Michaeliskirche, 100 km nordwestlich.




