Thale liegt im Ostharz auf rund 175 Metern Höhe, dort wo die Bode nach 60 Kilometern Schluchtfahrt aus dem Mittelgebirge ins Vorland tritt. Die Stadt in Sachsen-Anhalt ist ein Sagen-Ziel ersten Ranges: Hexentanzplatz auf 454 Metern, gegenüber die Roßtrappe auf 403 Metern, dazwischen das tiefste Mittelgebirgstal Norddeutschlands. Heinrich Heine kam 1824 hierher, Goethe schickte seine Hexen in der Walpurgisnacht des Faust auf den Brocken — gefeiert wird die Nacht zum 1. Mai aber in Thale. Anders als die Fachwerkstadt Quedlinburg (15 km östlich) oder das Schloss in Wernigerode (35 km nordwestlich) ist Thale rauer und abenteuerlicher, mit Kabinenbahn, Sessellift, Sommerrodelbahn und Schluchtwanderung.
Anreise und Erreichbarkeit
Thale ist eines der wenigen Harz-Ziele mit eigenem Endbahnhof — die Strecke aus Halberstadt endet hier am Bodetal-Eingang. Mit dem Auto fährst du A36 bis Abfahrt Quedlinburg, dann 12 Kilometer über die B6. Aktuelle Service-Adressen pflegt die Tourist-Information am Bahnhofsplatz auf bodetal.de.
Mit dem Auto
Aus Westen über die A2 bis Magdeburg, dann A36 bis Abfahrt Quedlinburg-West, weiter auf der B6 in 15 Minuten ins Zentrum. Aus Süden via A38 bis Eisleben, dann B180 und B81, rund 45 Minuten ab Autobahn. Aus Norden ab Magdeburg über A14 und A36 in einer guten Stunde.
Im Winter gilt situative Winterreifen-Pflicht — in der Regel von November bis April. Am 30. April und an Wochenenden mit gutem Wanderwetter staut sich die B6 zwischen Quedlinburg und Thale ab dem späten Vormittag. Wer zur Walpurgisnacht anreist, sollte spätestens um 16 Uhr im Ort sein — danach sind die Innenstadt-Parkplätze voll und Sonderparkplätze am Stadtrand mit Shuttle-Service ausgewiesen.
Mit der Bahn
Thale hat einen eigenen Endbahnhof an der Linie aus Halberstadt (RE21 Magdeburg–Halberstadt–Thale, etwa stündlich, Fahrtzeit ab Magdeburg rund 1:20 Stunden). Aus Berlin, Hamburg und Hannover steigst du in Magdeburg oder Halberstadt um, aus Süddeutschland ist Halle der bessere Knoten. Aktuelle Verbindungen prüfst du auf bahn.de.
Vom Bahnhof Thale läufst du in fünf Minuten zum Bodetal-Eingang und zur Talstation der Kabinenbahn — der Bahnhof liegt direkt an der Bode. Die Harzer Schmalspurbahnen erreichen Thale nicht — wer mit der Brockenbahn fahren will, fährt nach Wernigerode (35 km).
Mit dem Flugzeug
Nächster Verkehrsflughafen ist Leipzig/Halle (LEJ), etwa 130 km entfernt. Vom Flughafen kommst du mit der S5 oder S5X nach Halle Hbf in 25 Minuten, dort steigst du in den RE21 nach Thale um. Gesamtzeit Flughafen → Thale: rund drei Stunden inklusive Umstieg. Hannover (HAJ) liegt mit 200 km etwas weiter, ist aber für Zubringerflüge aus Westeuropa oft günstiger.
Parken vor Ort
Im Ort gibt es vier zentrale Parkbereiche: Parkplatz am Bahnhof und Bodetal-Eingang (Tagesticket etwa 5 EUR), Parkplatz an der Kabinenbahn-Talstation Hexentanzplatz (rund 4 EUR pro Tag, im Bergbahn-Ticket teils inbegriffen), Parkplatz am Sessellift Roßtrappe in Thale-Nord (etwa 3 EUR) und Parkplatz an der Bodetal-Therme (kostenfrei für Therme-Gäste, sonst 3 EUR). Hotels mit eigener Tiefgarage frag bei der Buchung gezielt nach — am 30. April und an Sommer-Wochenenden sind die Innenstadt-Parkplätze ab Mittag voll.
Bodetal und Hexentanzplatz
Thale ist nicht das Ziel, sondern das Tor — durch die Stadt führt der Eingang in das tiefste Mittelgebirgstal Norddeutschlands. Drei Schwerpunkte:
Schluchtwanderung durch das Bodetal
Das Bodetal zwischen Thale und Treseburg ist 10 Kilometer lang, an der tiefsten Stelle 280 Meter eingeschnitten und stellenweise nur 30 Meter breit. Der Wanderweg folgt dem Fluss durch eine wilde Granitschlucht — moosbewachsene Felsen, kleine Wasserfälle, eine Holzbrücke an der Königsruh. Der klassische Tagesabschnitt ist die Bodetal-Schluchtwanderung Thale–Treseburg (10 km, 250 Höhenmeter, 3 bis 3:30 Stunden). Steiniger Pfad mit Kletterpassagen an Eisenleitern — keine Familienroute mit Kinderwagen, aber für trittsichere Wanderer ab acht Jahren machbar. Rückfahrt mit dem Wanderbus ab Treseburg nach Thale (saisonal). Im Winter wegen Steinschlag und Vereisung gesperrt — Saison Mai bis Anfang November. Im Harzklub findest du die offizielle Wegmarkierung.
Hexentanzplatz (454 m)
Der Hexentanzplatz ist der bekannteste Aussichtspunkt im Harz und seit Generationen das Ziel jedes Schulausflugs aus Sachsen-Anhalt. Du kommst entweder mit der Kabinenbahn in vier Minuten von der Talstation am Bodetal-Eingang hoch (Berg- und Talfahrt Erwachsene rund 8,50 EUR, Kinder 5,50 EUR) oder zu Fuß über den Wanderweg ab dem Walpurgishaus (etwa 50 Minuten, 280 Höhenmeter). Oben warten der Walpurgisplatz mit Bronzefiguren, das Bergtheater mit 1.350 Plätzen unter freiem Himmel (Spielzeit Mai bis September), das Walpurgishaus mit Tierpark, die Sommerrodelbahn (1.000 Meter Edelstahlbahn) und der Aussichtspunkt mit Blick gegenüber zur Roßtrappe.
Walpurgisnacht zum 1. Mai
Am 30. April feiert Thale die berühmteste Walpurgisnacht Deutschlands — die Nacht, in der laut Sage Hexen zum Brocken reiten und tanzen. In Thale verkleiden sich rund 20.000 Besucher als Hexen oder Teufel, am Hexentanzplatz und im Stadtpark gibt es Bühnen mit Bands, Feuershow, Hexenfeuer um 22 Uhr, Mitternachtssprung des Teufels. Eintritt zum Hexentanzplatz an dieser Nacht etwa 18 EUR (Kombiticket mit Bühnenprogramm), Hotelpreise verdoppeln sich. Wer die Walpurgisnacht erleben will, bucht spätestens vier Monate vorher.
Top-Sehenswürdigkeiten
Hexentanzplatz mit Kabinenbahn
Die Kabinenbahn aus den 1970er Jahren bringt dich in vier Minuten von der Talstation auf 454 Meter. Oben Walpurgisplatz mit Hexen-Bronzen, Bergtheater mit 1.350 Plätzen, Tierpark Walpurgishaus, Sommerrodelbahn. Hin- und Rückfahrt Erwachsene rund 8,50 EUR, Familienkarte ab 24 EUR. Saison ganzjährig, im Winter eingeschränkter Fahrplan. Lohnt sich für jeden Besuch.
Roßtrappe (403 m)
Gegenüber des Hexentanzplatzes der zweite Sagenfels — der Sage nach hinterließ Prinzessin Brunhilde mit ihrem Pferd auf der Flucht vor dem Riesen Bodo den Hufabdruck. Der namensgebende Abdruck ist ein Naturdenkmal aus 320 Mio. Jahre altem Granit. Du kommst mit dem Sessellift ab Thale-Nord in fünf Minuten hoch (Berg- und Talfahrt rund 7,50 EUR) oder zu Fuß über den Königsweg (45 Minuten, 230 hm). Oben Berghotel mit Panoramaterrasse, Blick auf Hexentanzplatz und Bodekessel.
Bodetal-Schluchtwanderung
Der Klassiker Thale–Treseburg führt 10 km durch die wilde Granitschlucht mit Eisenleitern, Moosfelsen und Wasserfällen. 250 Höhenmeter, 3 bis 3:30 Stunden, festes Schuhwerk Pflicht. Saison Mai bis Anfang November (im Winter Sperrung wegen Steinschlag). Rückfahrt mit Wanderbus ab Treseburg nach Thale, etwa stündlich, rund 4 EUR.
Bergtheater Thale
Naturbühne von 1903 auf dem Hexentanzplatz, 1.350 Sitzplätze unter freiem Himmel mit Blick auf den Bodekessel. Spielzeit Mai bis September, Schwerpunkt Sommer-Klassiker (Faust, Walpurgisnacht, Drei-Groschen-Oper) und Familienstücke. Tickets ab 18 EUR, ermäßigt 12 EUR. Aktuelle Spielzeit auf der Webseite des Theaters.
Bodetal-Therme
Wellness-Bad am Stadtrand Richtung Wendefurth, eröffnet 2006. Innen- und Außenbecken mit 32 Grad warmem Wasser, Saunalandschaft mit acht Saunen (Tschaikowsky-Sauna mit klassischer Musik, Felsensauna, Aufgusssauna), Tagesticket Therme rund 16 EUR, mit Sauna 26 EUR. Geöffnet täglich, an heißen Tagen Außenbecken-Liegewiese mit Bodeblick.
Funpark Bodetal
Kletterpark im Bodetal, eröffnet 2009, mit acht Parcours in unterschiedlichen Höhen und Schwierigkeitsgraden. Tagesticket Erwachsene rund 25 EUR, Kinder ab sechs Jahren 18 EUR. Dazu Bogenschießen, Riesenschaukel und Mega-Zip auf 250 Meter Länge. Saison März bis Anfang November, im Sommer Reservierung empfohlen.
Walpurgishaus und Tierpark
Auf dem Hexentanzplatz das museale Walpurgishaus mit Sagen-Ausstellung und der angeschlossene Tierpark mit Luchs, Wolf, Wildkatze und Greifvogel-Schauflügen. Eintritt Erwachsene rund 6 EUR, Greifvogelschau zusätzlich 4 EUR. Geöffnet April bis Oktober, Schau-Flüge typischerweise um 11 und 14 Uhr.
Hüttenmuseum am Eisenwerk
Im historischen Hüttengelände am Bodetal-Ausgang, ehemaliges Walzwerk Thale (gegründet 1686). Industrie-Ausstellung zur 300-jährigen Geschichte des Eisenwerks, Dampfmaschinen-Halle und Email-Sammlung — Thale war im 19. Jahrhundert größter Email-Produzent Europas. Eintritt 6 EUR, geöffnet Di bis So 10 bis 17 Uhr.
Aktivitäten und Erlebnisse
Was du in Thale unternimmst, hängt von Saison und Reisegruppe ab. Vier Konstellationen:
Im Frühling und Herbst
- Bodetal-Wanderung Thale–Treseburg, 10 km Schlucht (Mai bis November)
- Königsweg zur Roßtrappe und weiter zum Hexentanzplatz, 8 km Rundtour mit zwei Bergbahnen
- Hex-Walpurgis-Wanderung: 12-km-Rundweg mit Stationen entlang der Sagen-Orte
- Walpurgisnacht am 30. April mit Hexenfeuer und Bühnenprogramm
- Bergtheater-Saison Mai bis September, Tickets ab 18 EUR
Im Sommer
- Bodetal-Therme mit Außenbecken und Sonnen-Liegewiese
- Sommerrodelbahn auf dem Hexentanzplatz: 1.000 Meter Edelstahlbahn, rund 4 EUR pro Fahrt
- Funpark Bodetal mit Klettergarten und Mega-Zip
- Mountainbike-Touren auf der Volksstein- und Roßtrappenstein-Strecke, Verleih an der Kabinenbahn
- Rappbode-Talsperre (15 km westlich) mit Hängebrücke Titan-RT (Eintritt rund 8 EUR)
Mit Kleinkindern
Tierpark am Walpurgishaus mit Greifvogel-Schauflügen, Sommerrodelbahn ab Mitfahrgröße 95 cm, Bodetal-Therme mit separatem Kinderbecken, Märchenwald-Wanderweg von der Kabinenbahn-Bergstation aus (1,5 km Rundweg). Die Bodetal-Schluchtwanderung ist mit Kindern unter acht Jahren wegen der Eisenleitern und Felsen nicht zu empfehlen — alternativ der Wanderweg auf dem Plateau.
Bei Regen und Schlechtwetter
- Bodetal-Therme mit Saunalandschaft, sieben warme Becken
- Hüttenmuseum Thale mit Industriegeschichte und Email-Sammlung
- Walpurgishaus auf dem Hexentanzplatz mit Sagen-Ausstellung (Kabinenbahn fährt auch bei Regen)
- Schloss Wernigerode (35 km) — Neugotik 1885
- Quedlinburger Stiftskirche und Domschatz (15 km) — UNESCO-Welterbe
Gastronomie und regionale Spezialitäten
Die Harzer Küche ist deftig und bergmännisch geprägt: Wild aus den umliegenden Wäldern, Forelle aus den Talsperren, dazu Klöße oder geschmälzte Kartoffeln. Drei Anlaufstellen:
Restaurants im Ort
- Hubertus Hexenkessel: deftige Harzer Wildküche im Hexentanzplatz-Bereich, Hauptgericht 18 bis 26 EUR, im Sommer Reservierung empfehlenswert, Panoramaterrasse mit Blick auf den Bodekessel
- Berghotel Roßtrappe: regionale Küche auf 403 m, Hauptgericht ab 22 EUR, im historischen Gebäude von 1888 mit Panoramablick auf den Hexentanzplatz
- Walpurgis-Stube in der Innenstadt: traditionelle Bergmannskost, Forelle Müllerin-Art, Hauptgericht 14 bis 22 EUR, kinderfreundlich
- Bodetaler Hof: Hotel-Restaurant am Bodetal-Eingang, Schwerpunkt Wild und Pilze aus dem Harz, Hauptgericht 16 bis 28 EUR
Hütten und Almen
Auf halbem Weg im Bodetal liegt der Königsruh-Gasthof auf 250 m, ganzjährig geöffnet — Bratkartoffeln mit Spiegelei, Hüttengulasch, im Winter Glühwein. Direkt am Bodetal-Wanderweg, nur zu Fuß erreichbar. Die Gaststätte Wilhelmsblick auf 400 m am Königsweg ist eine traditionelle Forsthaus-Hütte mit hausgemachter Erbsensuppe und Quellwasser, geöffnet Mi bis So und Feiertage. Selbstbedienung in der Hüttenstube.
Cafés und Konditoreien
Das Café Hexenkessel an der Bodetal-Promenade führt hausgebackene Harzer Spezialitäten — Hexenkuchen mit Hagebutten und Walpurgis-Torte. Die Bäckerei Dittmer am Marktplatz öffnet ab 6 Uhr und versorgt Frühaufsteher mit warmen Brötchen vor der Wandertour. Im Sommer Terrasse zum Bahnhofsplatz mit Blick auf das Bodetal.
Markttag
Wochenmarkt an Mittwochen und Samstagen am Marktplatz von 8 bis 13 Uhr — Honig aus Westerhausen, Wurst aus dem Harz-Vorland, Forelle aus Talsperren-Fischern. Wer in einer Ferienwohnung kocht, deckt sich hier ein.
Regionale Spezialitäten zum Mitnehmen
- Harzer Käse aus Sauermilch (geringer Fettgehalt, kräftiger Geschmack), beim Hofverkauf in Westerhausen oder Quedlinburg
- Bodetaler Hexenlikör aus regionaler Brennerei, klassische Sorten Kümmel und Heidelbeere
- Thaler Email-Schild als historisches Mitbringsel — die Stadt war im 19. Jahrhundert größter Email-Produzent Europas, Repliken im Hüttenmuseum-Shop
- Brockenkristall aus der Glasmanufaktur Derenburg (25 km nordöstlich)
Events und Saisonkalender
Thale lebt von wenigen, dafür starken Terminen. Die wichtigsten Daten generisch nach Quartal — die genauen Tage verschieben sich jährlich:
Frühjahr (April bis Juni)
Mitte April öffnet die Bodetal-Schluchtwanderung wieder. Höhepunkt ist die Walpurgisnacht zum 30. April mit Hexenfeuer, Feuershow und Mitternachtssprung — rund 20.000 Besucher in Hexenkostümen, Eintritt zum Hexentanzplatz etwa 18 EUR. Anfang Juni eröffnet das Bergtheater seine Sommerspielzeit, parallel laufen die Greifvogelschauen am Walpurgishaus.
Sommer (Juli bis September)
Hauptsaison im Bodetal. Die Bergtheater-Festspiele haben Premieren von Klassikern wie Faust oder Drei-Groschen-Oper, parallel Familienstücke an den Wochenenden. Anfang August der Hexentanzplatz-Sommermarkt mit regionalen Handwerkern. Mitte September die Quedlinburger Musiksommer-Reihe 15 km östlich — als Tagesausflug ab Thale gut zu erreichen.
Herbst (Oktober bis November)
Goldener Oktober im Bodetal — die Buchen färben sich, die Wege sind leerer als im Hochsommer. Anfang November schließt die Bodetal-Schluchtwanderung, die Eisenleitern werden abgenommen. Letzte Greifvogelschau Ende Oktober, das Bergtheater hat Saisonende.
Winter (Dezember bis März)
Adventsmarkt am Walpurgishaus an den Wochenenden im Dezember, kompakter als die großen Märkte in Quedlinburg oder Wernigerode, mit Glühwein und Hexenbesen-Verkauf. Im Januar und Februar ist Thale ruhig — Bodetal gesperrt, dafür laufen Bodetal-Therme und Wellnesshotels mit guten Preisen. Mitte März öffnet der Funpark Bodetal als Saisonauftakt.
Geschichte und Sagenkreis
Thale wird erstmals 936 als Walbeck erwähnt, der heutige Name taucht im 12. Jahrhundert auf. Drei Schichten prägen den Ort:
Sagenkreis um Bodetal und Roßtrappe
Die Bode-Sage erzählt von Prinzessin Brunhilde aus dem Riesenreich, die vor dem Riesen Bodo flieht und mit ihrem Pferd vom Hexentanzplatz zur gegenüberliegenden Felswand springt. Ihr Pferd hinterlässt den Hufabdruck (die heutige Roßtrappe), Brunhilde verliert dabei ihre goldene Krone in der Bode — wer sie hebt, dem fließe ewiger Reichtum zu. Bodo verfehlt den Sprung und stürzt in die Schlucht, wo er als Wachhund das Goldene Schloss bewacht. Die Sage gehört zum festen Bestand norddeutscher Volksmärchen.
Eisenwerk und Industrialisierung
1686 entstand am Bodetal-Ausgang das Eisenwerk Thale, später Walzwerk und ab dem 19. Jahrhundert größter Email-Hersteller Europas. Damals produzierten rund 4.000 Arbeiter emaillierte Schilder, Töpfe und Badewannen — Thaler Email war auf Bahnhöfen, Apotheken und Kaufhäusern in ganz Mitteleuropa zu sehen. Das Werk wurde 1948 enteignet und 1991 stillgelegt. Heute zeigt das Hüttenmuseum am Eisenwerk-Gelände die Industriegeschichte mit Original-Dampfmaschinen.
Heine und Goethe im Bodetal
Heinrich Heine kam 1824 auf seiner Harzreise nach Thale, schrieb über die Bode-Sage und die Schlucht. Goethe hatte den Hexentanzplatz schon 1784 besucht und drei Jahre vorher die Walpurgisnacht-Szene des Faust geschrieben — die literarische Verknüpfung Hexentanzplatz–Brocken–Faust prägte den Mythos der Walpurgisnacht und macht Thale zum literarischen Pilgerziel. Im Walpurgishaus auf dem Plateau gibt es eine kleine Heine-Goethe-Ausstellung mit Originalbriefen.
Wetter und beste Reisezeit
Das Klima im Ostharz ist gemäßigt-kontinental. Die Tallage von Thale auf 175 Metern ist deutlich milder als der Hexentanzplatz auf 454 Metern oder die DWD-Bergstation Braunlage auf 607 Metern. An Braunlage liegt die Jahresmitteltemperatur bei rund 6,4 Grad und der Niederschlag bei knapp 1.300 mm — Thale liegt im Regenschatten der Mittelgebirgskämme, deutlich trockener. Schnee liegt im Tal nur an 20 bis 25 Tagen pro Jahr, am Hexentanzplatz an 50 bis 60 Tagen. Klimawerte siehe DWD, Mittelwerte 1991 bis 2020.
Beste Reisezeit für Familien
Juni bis September
Hochsaison Walpurgisnacht
30. April und Anfang Mai
Wellness und Ruhe
November bis Februar
Praktische Tipps
- € Kurtaxe: 2,50 EUR pro Erwachsenem und Tag in der Hauptsaison (Mai bis Oktober), 1,50 EUR in der Nebensaison. Wird über das Hotel mitabgerechnet und gilt als HarzCard mit Rabatten an Kabinenbahn, Sessellift, Bodetal-Therme und Bergtheater.
- 🐕 Hunde: in Thale und auf den Wanderwegen ganzjährig erlaubt, Leinenpflicht im Nationalpark Harz und auf dem Hexentanzplatz-Plateau. Im Tierpark am Walpurgishaus nicht erlaubt. In der Kabinenbahn rund 4 EUR Aufpreis pro Tier. Hotels mit Hunde-Zuschlag von 8 bis 15 EUR pro Tag.
- ! Bodetal-Sperrung im Winter: der Schluchtweg ist von Anfang November bis Mitte April wegen Steinschlag und Vereisung offiziell gesperrt — die Eisenleitern werden abgenommen. In dieser Zeit nimmst du den Höhenweg auf dem Plateau (8 km Rundweg ab Hexentanzplatz).
- + Apotheke und Ärzte: Bahnhof-Apotheke an der Bahnhofstraße, vier Hausarztpraxen im Ort, Reha-Klinik mit Fachärzten an der Bodetal-Therme. Notdienst rotiert mit Quedlinburg. Nächstes Krankenhaus: Harz-Klinikum Quedlinburg (15 km).
- € Geldautomaten: Sparkasse Quedlinburg-Harz an der Bahnhofstraße, Volksbank Mittelharz am Marktplatz, weiterer Automat an der Kabinenbahn-Talstation. Zur Walpurgisnacht oft Schlangen — Bargeld bei Anreise mitbringen.
- ♿ Barrierefreiheit: Innenstadt und Promenade weitgehend rollstuhltauglich, Bodetal-Therme mit Rollstuhl-Lift ins Becken, Kabinenbahn nimmt Rollstuhlfahrer mit Begleitperson mit. Hexentanzplatz-Plateau eingeschränkt befahrbar (Schotterwege), Bodetal-Schluchtweg wegen Eisenleitern nicht barrierefrei.
- i Tourist-Information: Bahnhofstraße 1, ganzjährig geöffnet, in der Saison auch Sonntags. Wanderkarten, Veranstaltungspläne, HarzCard-Verkauf, Walpurgisnacht-Tickets und Bergbahn-Kombitickets.
- ⌘ Wer früh am Morgen auf den Hexentanzplatz fährt, hat das Plateau zwischen acht und zehn fast für sich. Die erste Kabinenbahn startet typischerweise um 9 Uhr — Greifvogel-Voliere und Walpurgishaus haben dann noch geschlossen, dafür ist der Aussichtspunkt zur Roßtrappe leer.
Insider-Tipps
Vier Spots, die nicht in jedem Reiseführer stehen:
Hex-Walpurgis-Wanderung im Juni
Die offizielle Hex-Walpurgis-Route ist ein 12-km-Rundwanderweg mit Stationen entlang der Sagen-Orte: Walpurgishaus, Roßtrappenstein, Bodekessel, Königsruh, Bergtheater. Im Juli und August ist sie überlaufen — wer sie ohne Trubel laufen will, kommt unter der Woche im Juni oder Mitte September. Wegmarkierung mit Hexenbesen, Karte kostenlos in der Tourist-Information.
Wilhelmsblick auf 400 Metern
Die Hütte am Königsweg ist nur Mi bis So und an Feiertagen geöffnet, Anstieg ab Thale eine knappe Stunde. Hausgemachte Erbsensuppe, selbstgebackener Käsekuchen, Quellwasser im Krug. Selbstbedienung, kleines Geld mitbringen — Kartenzahlung gibt es nicht. Die Terrasse hat Blick auf den Bodekessel, an klaren Tagen bis zur Roßtrappe.
Bergtheater-Probe am Vormittag
Im Juli und August probt das Bergtheater-Ensemble mehrmals pro Woche vormittags zwischen 10 und 13 Uhr. Wer früh auf den Hexentanzplatz fährt, kann am Rand sitzen und das Ensemble bei Walpurgisnacht- oder Faust-Szenen beobachten. Frag bei der Theaterkasse am Vortag nach dem Probenplan — Eintritt zu offenen Proben ist üblicherweise frei.
Adventsmarkt am Walpurgishaus
Das zweite und dritte Adventswochenende steht im Zeichen des Hexen-Adventsmarkts auf dem Hexentanzplatz — kompakter als Quedlinburg oder Wernigerode, mit Glühwein, Räucherfisch und Hexenbesen-Verkauf. Etwa 25 Stände, lokale Handwerker, Kinderkarussell. Anfahrt mit der Kabinenbahn (Sonderfahrplan), Eintritt frei.
Umgebung und Tagesausflüge
Die Region rund um Thale bietet drei der spannendsten Tagesziele Mitteldeutschlands. Drei Tagestouren für drei Wettertypen:
Bei Sonne: Quedlinburg UNESCO-Altstadt (15 km)
Auto 20 Minuten über die B6. UNESCO-Welterbe seit 1994: Marktplatz mit Fachwerk-Rathaus, Stiftskirche St. Servatius mit Domschatz aus dem 11. Jahrhundert (Reliquiare, Quedlinburger Itala-Bibel von 850), Schlossberg mit Schlossmuseum, über 1.300 Fachwerkhäuser im Altstadt-Ensemble. Plan einen ganzen Tag — die Altstadt ist groß und verwinkelt. Mittagessen im Brauhaus Lüdde mit eigener Brauerei.
Bei Wechselwetter: Rappbode-Talsperre und Hängebrücke (15 km)
Auto 25 Minuten über die L93 nach Wendefurth. Die Rappbode-Talsperre ist mit 106 Metern Mauerhöhe die höchste Staumauer Deutschlands, fertiggestellt 1959, fasst rund 109 Mio. Kubikmeter. Über die Mauer führt seit 2017 die Hängebrücke Titan-RT (483 Meter Länge, 100 Meter über dem Wasser, eine der längsten Fußgänger-Hängebrücken Europas, Eintritt rund 8 EUR). Nebenan Megazipline (rund 1.000 Meter) und Wallrunning. Bei starkem Wind sind Brücke und Megazipline geschlossen.
Bei Regen: Wernigerode mit Schloss und Brockenbahn (35 km)
Auto 45 Minuten über die B6 und B6n. Wernigerode hat das Schloss in Neugotik (1885), die historische Altstadt mit dem schiefen Haus von 1680, das Harzmuseum. Von hier startet die Brockenbahn der Harzer Schmalspurbahnen — als Tagesausflug mit Schloss-Besichtigung am Vormittag und Bahnfahrt am Nachmittag möglich. Bei Regen sind Schloss-Innenräume und Bahn-Waggons trocken.
Weitere Tagesziele (50 bis 100 km)
- Halberstadt: Domkirche St. Stephanus mit gotischem Domschatz, 35 km nördlich
- Eisleben: Luther-Geburts- und Sterbehaus, UNESCO-Welterbe, 60 km südlich
- Magdeburg: Erster gotischer Dom Deutschlands, Hundertwasser-Haus, 85 km nördlich
- Naumburg: UNESCO-Welterbe Naumburger Dom mit den Stifterfiguren, 100 km südlich




