Ilfeld liegt am Südrand des Harz auf rund 235 Metern Höhe und gehört seit 2009 als Ortsteil zur Gemeinde Harztor im thüringischen Landkreis Nordhausen. Etwa 2.700 Menschen leben hier, eingebettet zwischen dem Bere-Tal und den bewaldeten Hängen des Südharzer Karstgebiets. Wer mit der historischen Harzquerbahn aus Wernigerode anreist, steigt am Endbahnhof aus — Ilfeld markiert das südliche Ende des Schmalspurnetzes der Harzer Schmalspurbahnen. Daneben locken das einzige befahrbare Steinkohlebergwerk Mitteldeutschlands (Rabensteiner Stollen), die Klosteranlage von 1189 und der Karstwanderweg mit seinen Gipsfelsen und Höhlen. Anders als das höher gelegene Braunlage oder Bad Harzburg im Nordharz bleibt Ilfeld ein ruhiger Bahn-Wander-Standort ohne große Hotelcluster — mit Tageszielen, die in zwanzig Minuten erreicht sind.
Anreise und Erreichbarkeit
Ilfeld ist eines der wenigen Harz-Ziele, die du auf zwei Bahn-Wegen erreichst — über den klassischen DB-Anschluss aus Nordhausen oder als Endstation der Harzquerbahn aus Wernigerode. Per Auto kommst du über die A38 schnell heran. Aktuelle Service-Adressen pflegt die Tourist-Information Harztor an der Hauptstraße sowie das Portal des Kreises auf landkreis-nordhausen.de.
Mit dem Auto
Aus Süden fährst du die A38 bis Abfahrt 12 Nordhausen-Ost, dann über die B4 in 15 Minuten nach Ilfeld. Aus Norden geht es ab Hannover über die A7 und A38 in zwei Stunden, aus dem Osten via A38 ab Leipzig oder Halle, aus dem Westen über die A4 bis Eisenach und weiter über B243 und B4.
Im Winter brauchst du Winterreifen — am Südrand des Harz fällt zwar weniger Schnee als auf dem Brocken, aber Glatteis am Bere-Tal-Hang ist von Dezember bis Februar regelmäßig. An Wochenenden mit Wanderwetter staut die B4 zwischen Nordhausen und Ilfeld nur selten — anders als die Strecke Goslar–Bad Harzburg im Nordharz.
Mit der Bahn
Ilfeld hat zwei Bahnhöfe, die nur 600 Meter auseinander liegen: den DB-Bahnhof Ilfeld an der Linie Northeim–Nordhausen (RB87, etwa stündlich) und den Bahnhof Ilfeld Neanderklinik der Harzer Schmalspurbahn als Endstation der Harzquerbahn aus Wernigerode. Beide werden auch von der Linie HSB direkt verbunden — du kannst per Schmalspurbahn von Nordhausen Hbf bis Ilfeld durchfahren. Aus Hannover, Hamburg oder Berlin steigst du in Nordhausen Hbf um. Aktuelle Verbindungen prüfst du auf bahn.de sowie für die Schmalspur auf hsb-wr.de.
Die Harzquerbahn-Fahrt aus Wernigerode dauert rund drei Stunden auf 60 km Schmalspur — eine eigene Reise-Erfahrung mit Dampflok-Betrieb an den meisten Tagen. Wer aus dem Norden kommt, kombiniert Brockenbahn und Harzquerbahn zu einer Tagesschleife. Vom Bahnhof Ilfeld läufst du in zehn Minuten ins Ortszentrum oder in fünf Minuten zur Klosterkirche.
Mit dem Flugzeug
Nächster Verkehrsflughafen ist Leipzig/Halle (LEJ), etwa 120 km entfernt. Vom Flughafen kommst du mit der S5 in 15 Minuten zum Hauptbahnhof Leipzig, dort steigst du in den RE nach Halle und weiter nach Nordhausen um. Gesamtzeit Flughafen → Ilfeld: rund drei Stunden inklusive Umstiege. Alternative: Hannover (HAJ), 160 km, dann ICE bis Göttingen plus RB.
Parken vor Ort
Im Ort gibt es drei zentrale Parkbereiche: den Parkplatz am Bahnhof Ilfeld (kostenfrei, etwa 30 Stellplätze), den Parkplatz an der Klosterkirche (kostenfrei, fußläufig zum Ortszentrum) und den Wanderparkplatz Netzkater am Eingang ins obere Beretal (kostenfrei, Ausgangspunkt für Karstwanderweg und Schaubergwerk). Hotels mit eigener Parkfläche sind hier Standard — frag bei der Buchung trotzdem gezielt nach. An Wochenenden mit Schmalspur-Sonderfahrten füllt sich der Wanderparkplatz Netzkater bis Mittag.
Wandern, Harzquerbahn und Bergwerk
Ilfeld ist Bahn- und Wanderstandort am Übergang zwischen Südharz-Karstlandschaft und dem bewaldeten Hochharz. Drei Schwerpunkte prägen den Aufenthalt:
Harzquerbahn-Endstation
Die Harzquerbahn der Harzer Schmalspurbahnen verbindet auf 60 km Schmalspur (1.000 mm Spurweite) Wernigerode mit Nordhausen und endet — beziehungsweise startet — in Ilfeld. Drei Dampflok-Fahrten pro Tag in der Hauptsaison, dazu Diesel-Triebwagen im Stundentakt. Vom Bahnhof Ilfeld erreichst du in vier Kilometern den Bahnhof Eisfelder Talmühle im Ortsteil Netzkater, wo die Selketalbahn nach Quedlinburg abzweigt — das Schmalspur-Y-Kreuz des Harzes. Für Eisenbahnfreunde ist das eines der wichtigsten Ziele in Deutschland. Aktuelle Fahrpläne und Sonderfahrten auf hsb-wr.de.
Rabensteiner Stollen — Schaubergwerk
Vier Kilometer westlich von Ilfeld, am Ortsausgang Richtung Netzkater, liegt der Rabensteiner Stollen — das einzige in Deutschland für Besucher befahrbare Steinkohlebergwerk und das einzige im gesamten Harzraum erhaltene Beispiel des Steinkohle-Abbaus. Gefördert wurde hier vom 18. Jahrhundert bis 1949. Heute fährst du mit der elektrischen Grubenbahn rund 800 Meter ins Berginnere ein — Tour mit Helm und Wärmejacke, Dauer etwa 90 Minuten, Eintritt Erwachsene rund 13 EUR, Kinder 7 EUR, Familienkarten ab 30 EUR. Geöffnet von April bis Oktober täglich, im Winter nur an Wochenenden, vorab buchen empfohlen. Anfahrt mit dem Auto über den Wanderparkplatz Netzkater oder zu Fuß ab Bahnhof Ilfeld in 50 Minuten.
Karstwanderweg und Goethewanderweg
Der Karstwanderweg Südharz ist ein 233 km langer Fernwanderweg von Pölsfeld nach Förste, der die typische Gips-Karst-Landschaft des Südharzes erschließt — Höhlen, Erdfälle, Trockentäler, Schwefelquellen. Tagesabschnitt ab Ilfeld: 14 km bis Stolberg über Krimderode und Wickerode, etwa vier Stunden, mit Aufstiegen über Karstkanten. Direkt am Ortsrand startet der Goethewanderweg ins Beretal — Goethe besuchte Ilfeld 1784 zur Bergbau-Inspektion und wanderte über die Höhen Richtung Brocken. Die Tagestour bis zur Talsperre Neustadt ist 11 km und führt über bewaldete Höhenkanten. Beide Wege sind im Kartenwerk des Harzklubs ausgeschildert. Insgesamt führen rund 600 km markierte Wanderwege durch den südlichen Teil des Nationalparks Harz und das angrenzende Biosphärenreservat Karstlandschaft Südharz.
Top-Sehenswürdigkeiten
Klosterkirche Ilfeld (1189)
Die ehemalige Prämonstratenser-Klosterkirche wurde um 1189 von Graf Elger II. von Hohnstein gegründet — eines der ältesten Klöster im Harz. Die heutige Saalkirche mit gotischen Fenstern entstand nach Bränden im 14. und 17. Jahrhundert. Eintritt frei, geöffnet zur Sommersaison Dienstag bis Sonntag von 10 bis 17 Uhr. Direkt neben der Kirche steht das Pädagogium-Gebäude (heute Klosterhof). Lohnt sich für jeden Besuch.
Rabensteiner Stollen
Einziges befahrbares Steinkohlebergwerk Mitteldeutschlands, abgebaut 18. Jahrhundert bis 1949. Mit der elektrischen Grubenbahn 800 Meter ins Berginnere, Helm und Wärmejacke gestellt, 90-minütige Führung. Eintritt rund 13 EUR Erwachsene, 7 EUR Kinder, Familienkarte ab 30 EUR. Saison April bis Oktober täglich, Winter nur Wochenende.
Bahnhof Ilfeld der Harzquerbahn
Endstation der historischen Schmalspurbahn aus Wernigerode (60 km Strecke, 1.000 mm Spurweite). Drei Dampflok-Fahrten pro Tag in der Hauptsaison. Tagesticket Harzquerbahn rund 47 EUR Erwachsene, Kinder 33 EUR. Auf dem Bahnsteig restaurierte Lokomotiven der Baureihe 99, dazu kleines Bahnhofs-Café. Lohnt für Eisenbahnfreunde und als Tagesausflugs-Ausgangspunkt.
Pädagogium Ilfeld (gegründet 1546)
Eine der ältesten Lateinschulen Deutschlands, von Graf Volkmar Wolfgang von Hohnstein nach der Reformation aus dem säkularisierten Kloster gegründet. Die Schule existierte bis 1946 und beherbergt heute eine kleine Dauerausstellung im Klosterhof. Eintritt frei, geöffnet Mai bis September. Berühmte Schüler: Caspar Schwenckfeld, Theologe; Heinrich Cornelius Agrippa, Renaissance-Gelehrter.
Bahnhof Eisfelder Talmühle
Vier Kilometer nördlich im Ortsteil Netzkater liegt der Knotenbahnhof der Harzer Schmalspurbahnen — hier zweigt die Selketalbahn nach Quedlinburg ab, dazu die Strecken Richtung Brocken und Nordhausen. Für Eisenbahnfreunde ein Pflichtbesuch, mit Bahnhofsgaststätte. Anfahrt vom Ortsbahnhof Ilfeld zu Fuß 45 Minuten oder mit der HSB.
Beretal und Bere-Wasserfall
Direkt nördlich des Ortes beginnt das enge Tal der Bere — ein bewaldetes Mittelgebirgs-Tal mit kleinen Wasserfällen und Mühlrelikten aus der Bergbauzeit. Der Hauptweg führt 6 km bis zur Talsperre Neustadt, leichter Anstieg etwa 80 Höhenmeter. Kostenfrei, ganzjährig zugänglich. Lohnt sich für einen halbtägigen Spaziergang.
Talsperre Neustadt
Sieben Kilometer nordwestlich von Ilfeld liegt die kleine Talsperre Neustadt (Stauinhalt 0,7 Mio. Kubikmeter, fertiggestellt 1905) — eines der ältesten Trinkwasser-Reservoirs im Südharz. Wanderweg um die Talsperre 4 km, mit Picknickplatz am Damm. Schwimmen verboten (Trinkwasser-Schutzzone), Wandern und Fotografieren erlaubt.
Krimderoder Brunnen
Eineinhalb Kilometer südwestlich, am Ortseingang Krimderode, liegt eine alte Schwefelquelle, die im 19. Jahrhundert kurzzeitig als Heilbad genutzt wurde. Der gefasste Brunnen mit Pavillon ist erhalten, frei zugänglich. Lohnt sich als kurzes Ziel für eine Nachmittags-Runde von 5 km ab Ortsmitte.
Aktivitäten und Erlebnisse
Was du in Ilfeld unternimmst, hängt von Saison und Reisegruppe ab. Vier Konstellationen:
Im Frühling und Herbst
- Wandern auf Karstwanderweg, Goethewanderweg oder rund um die Talsperre — Routen 4 bis 14 km, alle vom Harzklub markiert
- Harzquerbahn-Tagesausflug nach Wernigerode oder Drei-Annen-Hohne — Schmalspur durch Mischwald, Dampflok-Romantik, drei Stunden Fahrt
- Rabensteiner Stollen mit Helm und Grubenbahn — bei Regen die beste Wahl, weil unter Tage immer trocken
- Mountainbike auf den Forstwegen Richtung Netzkater und Hohnstein — leichte Tour 18 km, mittlere Bergroute 28 km
Im Sommer
- Schmalspur-Sonderfahrten mit Dampflok bis zum Brocken (Umstieg in Drei-Annen-Hohne) — Tagesausflug ab Ilfeld rund 60 EUR
- Wandern im Beretal mit Erfrischung am Bere-Wasserfall, danach Einkehr im Berghotel Netzkater
- Klosterhof-Konzerte in der Klosterkirche Ilfeld — von Mai bis September unregelmäßig, oft Orgelmusik mit freiem Eintritt
- Karstwandern Ilfeld–Stolberg (14 km, 4 h) — beste Saison, weil die Höhlen kühl bleiben
Mit Kleinkindern
Rabensteiner Stollen ab 6 Jahren empfohlen (Helm und Tunnel-Akustik), Talsperre Neustadt mit Spielplatz am Damm, Bahnhof Eisfelder Talmühle als Lokomotiv-Spotter-Punkt. Der Goethewanderweg im unteren Beretal ist mit Kinderwagen befahrbar, ab Talsperre wird der Weg steinig.
Bei Regen und Schlechtwetter
- Rabensteiner Stollen — unter Tage immer trocken, 90 Minuten Tour
- Schaubergwerk Lange Wand in Ilfeld-Wiegersdorf (zweites Bergwerk, kleinere Tour, Kupferschiefer-Abbau)
- Tabakspeicher Nordhausen (12 km) — Stadtmuseum mit Industriegeschichte
- Kyffhäuser-Denkmal (35 km südöstlich) — historisches Nationaldenkmal mit Museum
Gastronomie und regionale Spezialitäten
Die Südharzer Küche ist deftig und bergmännisch geprägt: Wild aus den umliegenden Forsten, Forelle aus Bere und Talsperre, Thüringer Klöße, dazu Kartoffeln und Sauerbraten. Vier Anlaufstellen:
Restaurants im Ort
- Berghotel Netzkater: traditionelle Forsthaus-Küche im Ortsteil Netzkater, Wildgerichte und Forelle, Hauptgericht 14 bis 24 EUR, mit Bahnsteig-Blick zur Eisfelder Talmühle
- Klosterhof Ilfeld: bürgerliche Küche im historischen Pädagogium-Gebäude, Hauptgericht ab 12 EUR, Sommerterrasse zum Klostergarten
- Gasthof Krimderode: einfache Hausmannskost am Ortsausgang Süd, Schnitzel und Klöße, Hauptgericht 10 bis 18 EUR, kinderfreundlich
- Bahnhofs-Café Ilfeld: Snacks und Kaffee direkt am HSB-Bahnsteig, Bratwurst und Kartoffelsalat ab 6 EUR
Berghütten und Gaststätten unterwegs
Im oberen Beretal liegt die Köhlerhütte auf 380 m — eine traditionelle Holzhütte am Goethewanderweg, nur Wochenenden geöffnet, Selbstbedienung mit Erbsensuppe und Kümmelbraten. Anstieg ab Ilfeld 1:15 Stunde, Karten werden nicht akzeptiert. Direkt an der Talsperre Neustadt steht der Talsperren-Imbiss — kleine Hütte mit Bratwurst und Bier, geöffnet Mai bis Oktober.
Cafés und Konditoreien
Das Café am Klosterhof an der Hauptstraße führt hausgebackenen Käsekuchen und Thüringer Hefekuchen — Stück 3 EUR. Die Bäckerei Krimderoder Brot öffnet ab 6 Uhr und versorgt Frühaufsteher mit warmen Brötchen vor der Wandertour. Im Sommer steht vor der Bäckerei ein kleiner Tisch mit Kaffee.
Regionale Spezialitäten zum Mitnehmen
- Nordhäuser Doppelkorn aus der Echter Nordhäuser Brennerei (12 km) — der älteste Kornschnaps Deutschlands, seit 1507
- Thüringer Bratwurst aus dem Land-Metzger Krimderode — geschützte regionale Marke
- Harzer Käse aus Sauermilch (geringer Fettgehalt, kräftiger Geschmack), beim Hofverkauf in Sülzhayn (15 km)
- Bergmanns-Schnaps aus der Brennerei Walkenried (28 km nördlich) — klassische Sorten Kümmel und Hagebutte
Events und Saisonkalender
Ilfeld selbst ist eher ruhig, was Großevents angeht. Die wichtigsten Termine in der Region nach Quartal:
Frühjahr (April bis Juni)
Saisonstart Rabensteiner Stollen Anfang April, parallel öffnen die Klosterkirche und das Pädagogium-Museum für die Sommer-Öffnungszeiten. Mitte Mai startet die Wandersaison — der Karstwanderweg füllt sich, im unteren Beretal blüht der Lerchensporn flächendeckend. Im Juni beginnen die Klosterhof-Konzerte mit Orgelmusik, freier Eintritt.
Sommer (Juli bis September)
Hauptsaison für Schmalspur und Wandern. Juli und August fahren die meisten Dampflok-Sonderzüge der HSB, Tagesausflüge nach Wernigerode und auf den Brocken. Anfang September lockt das Schmalspur-Festival in Wernigerode, ein Wochenende mit Sonderfahrten und Eisenbahn-Markt — Tagesausflug ab Ilfeld lohnt sich. Ende September das Erntefest am Klosterhof mit Honig, Kürbissen und Bauernmarkt.
Herbst (Oktober bis November)
Goldener Oktober im Buchenwald — die Wandertage am Karstwanderweg sind hier die schönsten des Jahres. Anfang Oktober schließen die Sommer-Öffnungszeiten der Klosterkirche, Rabensteiner Stollen geht in den Wochenend-Betrieb. Im November ist Ilfeld fast menschenleer — wer Ruhe sucht, findet hier günstige Hotels.
Winter (Dezember bis Februar)
Adventsmarkt am Klosterhof am zweiten Adventswochenende, kompakter als Wernigerode oder Quedlinburg, mit Glühwein und Räucherfisch. Sonderfahrten der HSB an den Adventswochenenden. Im Januar und Februar liegen die Hotelpreise 25 bis 30 Prozent unter dem Sommer-Tarif. Der Bergwerks-Betrieb pausiert von November bis März weitgehend, Wartung in der Grube.
Geschichte und Kloster-Tradition
Ilfeld wurde 1189 mit der Gründung des Prämonstratenser-Klosters durch Graf Elger II. von Hohnstein erstmals urkundlich erwähnt. Drei Säulen prägen die Ortsgeschichte:
Klostergründung 1189
Das Prämonstratenser-Stift Ilfeld war eines der wichtigsten Klöster im Südharz. Bis zur Reformation 1546 lebten hier bis zu 30 Chorherren, die das Tal urbar machten und Bergbau auf Kupferschiefer betrieben. Erhalten ist die heutige Klosterkirche mit Resten der romanischen Bausubstanz und dem gotischen Chor aus dem 14. Jahrhundert. Im Klostergarten stehen alte Apfel- und Birnbaumsorten, viele über 100 Jahre alt.
Pädagogium seit 1546
Nach der Säkularisation gründete Graf Volkmar Wolfgang von Hohnstein 1546 das Pädagogium Ilfeld als humanistische Lateinschule — eine der ältesten weiterführenden Schulen Deutschlands. Sie existierte bis 1946 und brachte zahlreiche Theologen und Gelehrte hervor. Das Klosterhof-Gebäude mit erhaltener Schul-Aula ist heute Veranstaltungsort und teilweise Museum.
Bergbau und Schmalspurbahn
Steinkohle-Abbau im Rabensteiner Stollen seit dem 18. Jahrhundert, Kupferschiefer in Wiegersdorf, dazu Schwerspat aus mehreren kleinen Gruben. Die Schmalspurbahn aus Wernigerode wurde 1898 bis 1899 errichtet und trug erheblich zum wirtschaftlichen Aufschwung des Tals bei. Mit dem Ende des Bergbaus 1949 verlagerte sich Ilfeld zum Wander- und Eisenbahn-Standort.
Wetter und beste Reisezeit
Das Klima im Südharz ist gemäßigt, an der Tallage von Ilfeld deutlich milder als auf den Höhen um den Brocken oder im Oberharz. Die nächste Referenz-Wetterstation des Deutschen Wetterdienstes für den Mittelgebirgs-Charakter ist DWD Braunlage auf 615 m. Im Tal von Ilfeld auf 235 m liegen die Werte rund 2 bis 3 Grad höher und der Niederschlag etwa 30 Prozent niedriger — der südliche Harzrand ist eine der trockeneren Ecken des Mittelgebirges, weil der Hauptharzkamm Niederschlag abfängt. Schnee liegt im Tal meist nur an 20 bis 25 Tagen pro Jahr, mehr Schneetage hast du auf den Wanderwegen Richtung Hohnstein über 500 m.
Beste Reisezeit für Familien
Juni bis September
Hochsaison Schmalspurbahn
Juli & August
Bergwerk und Ruhe
November bis Februar
Praktische Tipps
- € Kurtaxe: Ilfeld erhebt keine eigene Kurtaxe. Die Gemeinde Harztor empfiehlt die HarzCard (3 Tage 89 EUR Erwachsene, 7 Tage 124 EUR), die Bergwerk, Schmalspurbahn-Tagesticket und über 100 weitere Attraktionen im Gesamtharz inklusive enthält. Verkauf in der Tourist-Information und an HSB-Bahnhöfen.
- 🐕 Hunde: im Ort und im Beretal ganzjährig erlaubt, im Biosphärenreservat Karstlandschaft Südharz Leinenpflicht. Im Rabensteiner Stollen nicht erlaubt (Tunnel-Akustik), in der Harzquerbahn mit Maulkorb und Leine erlaubt (kostenfrei). Hotels mit Hunde-Zuschlag von 8 bis 12 EUR pro Tag.
- 📶 WLAN: kostenfreies Hotspot-Netz am Klosterhof und in der Tourist-Information. In den Höhenlagen ab 400 m oft kein Mobilfunk-Empfang im Buchenwald — Karten offline laden, GPS-Tracks vorab speichern.
- + Apotheke und Ärzte: Klosterapotheke an der Hauptstraße, eine Hausarztpraxis im Ort, daneben die Neanderklinik Harzwald als spezialisierte Reha-Klinik. Notdienst rotiert mit Nordhausen und Bleicherode. Nächstes Krankenhaus: Südharz-Klinikum Nordhausen (12 km).
- € Geldautomaten: Sparkasse Nordhausen-Mitte mit SB-Filiale am Klosterhof, weiterer Automat am Bahnhof Ilfeld. Im Bergwerks-Café und am HSB-Bahnsteig nur Bar oder EC-Karte — Kreditkarten werden oft nicht akzeptiert.
- ♿ Barrierefreiheit: Klosterkirche mit Rollstuhl-Rampe am Hauptportal, der Klosterhof ist eben gepflastert. Rabensteiner Stollen für Rollstuhlfahrer eingeschränkt befahrbar (Anmeldung Pflicht). Harzquerbahn-Wagen haben Rollstuhl-Plätze, Reservierung über die HSB. Wanderwege im Beretal nur teilweise barrierearm.
- i Tourist-Information: Hauptstraße im Klosterhof, ganzjährig geöffnet, in der Saison auch sonntags. Wanderkarten, Schmalspurbahn-Tickets, HarzCard-Verkauf, Bergwerks-Anmeldung. Direkt nebenan ein kleines Heimatmuseum (freier Eintritt).
Insider-Tipps
Vier Spots, die nicht in jedem Reiseführer stehen:
Köhlerhütte am Goethewanderweg
Die Forsthaus-Hütte auf 380 m am Goethewanderweg ist nur Wochenenden und Feiertage geöffnet, ab Ilfeld 1:15 Stunde Anstieg. Hausgemachte Erbsensuppe, Kümmelbraten mit Sauerkraut, Quellwasser im Krug. Selbstbedienung in der Hüttenstube. Bring kleines Geld mit, Karten werden nicht akzeptiert. Goethe soll 1784 auf seiner Bergbau-Inspektion hier gerastet haben — die Wirtsleute erzählen die Geschichte gerne.
Sonnenaufgang am Klosterhof
Im Mai und September lohnt sich der frühe Spaziergang zum Klosterhof — gegen 5:30 Uhr fällt das erste Licht durch die gotischen Fenster der Klosterkirche, im Klostergarten blühen alte Apfelsorten und Bauernrosen. Der Hof ist 24 Stunden zugänglich, die Kirche öffnet erst um zehn. Wer fotografiert: das beste Motiv ist von der Bere-Brücke aus, mit Spiegelung im Bach.
Schaubergwerk Lange Wand
Im Ortsteil Wiegersdorf (4 km östlich) liegt das zweite, kleinere Schaubergwerk — Kupferschiefer-Abbau aus dem 19. Jahrhundert, persönliche Führung mit dem Bergmeister. Eintritt 8 EUR, nur am Wochenende geöffnet, Anmeldung über die Tourist-Information. Geheimtipp für alle, die den Rabensteiner Stollen schon kennen.
Adventsmarkt am Klosterhof
Das zweite Adventswochenende steht im Zeichen des Ilfelder Klosterhof-Markts — kompakter als Wernigerode oder Quedlinburg, im historischen Pädagogium-Innenhof mit Glühwein, Räucherfisch und Lichterglanz an der Klosterkirche. Etwa 25 Stände, lokale Handwerker, Kinderkarussell. Eintritt frei, Anfahrt mit der Schmalspurbahn (Sonderfahrten am Adventswochenende).
Umgebung und Tagesausflüge
Die Region rund um Ilfeld hat mehr zu bieten als das Beretal. Drei Tagestouren für drei Wettertypen:
Bei Sonne: Brocken via Drei-Annen-Hohne (60 km Schmalspur)
Mit der Harzquerbahn ab Ilfeld nach Drei-Annen-Hohne (zwei Stunden), dort Umstieg in die Brockenbahn bis zum Gipfel (50 Minuten, 1.142 m). Vor Ort: Brockenhaus-Museum mit Wetterstation-Dauerausstellung, Brockengarten (Alpinpflanzen, Mai bis Oktober), Hexenaltar mit Bronzeguss-Tafel. Mittagessen im Brockenhotel, Rückfahrt mit derselben Linie. Ein langer Bahn-Tag, aber für Eisenbahnfreunde der Höhepunkt jeder Harz-Reise.
Bei Wechselwetter: Nordhausen Tabakspeicher und Brennerei (12 km)
Auto 20 Minuten über die B4 oder Schmalspurbahn 25 Minuten. Vor Ort: Tabakspeicher als Stadt- und Industriemuseum (Eintritt rund 5 EUR), Echter Nordhäuser Brennerei mit Schauanlage und Korn-Verkostung (15 EUR Führung), Roland-Statue am Marktplatz, Flohburg als Stadtgeschichts-Museum. Plan einen halben bis ganzen Tag.
Bei Regen: Kyffhäuser-Denkmal und Barbarossahöhle (35 km)
Auto 45 Minuten über die B81. Das Kyffhäuser-Denkmal von 1896 ist eines der größten Nationaldenkmäler Deutschlands, mit Aussichtsturm und Kaiser-Wilhelm-Reiterstandbild. Direkt darunter die Barbarossahöhle — eine der größten Anhydrit-Höhlen Europas, Führungen rund 60 Minuten, Eintritt 11 EUR. Bei Regen ist die Höhle die beste Wahl, das Denkmal außen kannst du in einer Wetterpause oben besuchen.
Weitere Tagesziele (40 bis 90 km)
- Quedlinburg: UNESCO-Welterbe, 50 km nordöstlich, 1.300 Fachwerkhäuser, Endpunkt der Selketalbahn.
- Stolberg: Fachwerkstadt im Südharz, 25 km östlich, mit Schloss und Thomas-Müntzer-Geburtshaus.
- Bad Sachsa: Heilbad und Wintersport-Ort, 15 km westlich, mit Schmelzteich-Spaziergang.
- Goslar: UNESCO-Welterbe, 70 km nördlich, mit Kaiserpfalz und Schaubergwerk Rammelsberg.




