Tallinn ist mit rund 460.000 Einwohnern die Hauptstadt Estlands und das politische, wirtschaftliche und kulturelle Zentrum des Landes. Die Stadt liegt am Finnischen Meerbusen, genau gegenüber von Helsinki — nur 82 Kilometer Seeweg trennen die beiden Hauptstädte. Das Herzstück ist die mittelalterliche Altstadt, seit 1997 UNESCO-Weltkulturerbe und eine der besterhaltenen Hansestadt-Kerne Europas. Mauern aus dem 13. Jahrhundert, der Domberg (Toompea) mit Regierungssitz und die zwiebelköpfige Alexander-Newski-Kathedrale prägen die Silhouette. Daneben hat Tallinn ein zweites Gesicht — das hippe Telliskivi-Quartier, das industriell-elegante Rotermann-Areal und die Sommerresidenz Kadriorg mit barockem Schloss. Wer aus Deutschland anreist, fliegt in rund 2 Stunden direkt nach Tallinn oder kombiniert mit der Helsinki-Fähre. Dieses Briefing bündelt alle Sehenswürdigkeiten, Tagesausflüge und praktischen Tipps.
Anreise und Erreichbarkeit
Tallinn ist von Deutschland aus auf drei Wegen gut erreichbar — direkt per Flug, über die Helsinki-Fähre oder per Auto durch das Baltikum. Die Stadt liegt strategisch günstig am Finnischen Meerbusen und ist seit Estlands EU- und Schengen-Beitritt 2004 reibungslos zu bereisen. Der internationale Flughafen liegt nur 4 Kilometer vom Stadtzentrum entfernt — einer der stadtnächsten Flughäfen Europas überhaupt.
Mit dem Flugzeug
Der Flughafen Tallinn-Ülemiste (TLL) bedient täglich Direktverbindungen aus Deutschland. Lufthansa fliegt aus Frankfurt und München, Eurowings aus Köln/Bonn und Düsseldorf, airBaltic aus Berlin, Hamburg und München (mit Umstieg in Riga), Ryanair aus Berlin und Memmingen. Die Flugzeit ab Frankfurt beträgt 2:25 Stunden, ab München 2:30 Stunden, ab Berlin 1:50 Stunden. Im Sommer gibt es zusätzlich Charter-Verbindungen aus Hannover und Stuttgart.
Vom Flughafen in die Stadt
Der Weg vom TLL ins Zentrum ist kurz und günstig. Die Straßenbahn-Linie 4 fährt alle 7 bis 10 Minuten direkt vor dem Terminal ab und braucht 18 Minuten zum Hauptbahnhof Balti jaam. Ein Einzelticket kostet 2 EUR beim Fahrer oder 1,50 EUR über die App. Bus 2 verbindet den Flughafen mit Viru Keskus, dem Einkaufszentrum am Rand der Altstadt. Ein Taxi (Bolt-App empfohlen) kostet 8 bis 12 EUR und braucht 10 Minuten.
Mit der Fähre über Helsinki
Die Fährverbindung Helsinki—Tallinn ist eine der meistbefahrenen Linien der Ostsee. Tallink Silja Line, Viking Line und Eckerö Line bedienen täglich bis zu 20 Abfahrten in jede Richtung. Die Schnellfähre Megastar braucht 2:00 Stunden, die klassische Star 2:30 Stunden. Tickets ab 25 EUR pro Person, mit Auto ab 60 EUR. Wer aus Deutschland kombiniert, fliegt nach Helsinki und nimmt die Fähre — beliebte Variante für Skandinavien-Rundreisen.
Mit dem Auto durchs Baltikum
Die Anfahrt mit dem Auto aus Deutschland führt über Polen und Litauen via Via Baltica (E67). Von Berlin nach Tallinn sind es 1.430 Kilometer, etwa 17 Stunden reine Fahrzeit. Die Strecke wurde in den letzten Jahren deutlich ausgebaut, ist aber zwischen Riga und Tallinn weiterhin zweispurig. Alternative — Auto auf die Fähre Lübeck—Helsinki (Finnlines, 29 Stunden) und dann Fähre nach Tallinn. Für eine Wochenend-Reise lohnt der Autotrip nicht.
Mit der Bahn
Eine durchgehende Bahnverbindung von Deutschland nach Tallinn existiert nicht. Die Rail Baltica, die Berlin via Warschau, Vilnius und Riga an Tallinn anbinden soll, ist im Bau — die ersten Streckenteile gehen ab 2030 in Betrieb. Aktuell endet der internationale Bahnverkehr in Riga; von dort gibt es täglich einen Lux Express- oder Ecolines-Bus nach Tallinn (4:30 Stunden).
Vor Ort bewegen
Tallinn ist eine Fußgänger-Stadt — die UNESCO-Altstadt misst gerade einmal 1,2 Kilometer im Durchmesser, alle Hauptattraktionen liegen 15 Gehminuten auseinander. Der ÖPNV mit Straßenbahn, Bus und Trolleybus wird vom städtischen Betrieb betrieben — Details und Live-Fahrpläne unter tallinn.ee/transport. Estnische Einwohner mit Wohnsitz fahren seit 2013 kostenlos; Touristen zahlen 1,50 EUR pro Fahrt (App) oder 2 EUR (beim Fahrer). Tagestickets gibt es für 4,50 EUR. Bolt — die in Tallinn gegründete App — ist die beliebteste Taxi- und Roller-Plattform der Stadt.
Die großen Sehenswürdigkeiten
Tallinns Sehenswürdigkeiten konzentrieren sich auf einen kompakten Raum — die mittelalterliche Altstadt mit Unterstadt und Domberg. Beide Stadtteile sind seit 1997 zusammen UNESCO-Weltkulturerbe. Ringsum liegen die hippen neuen Quartiere Rotermann und Telliskivi sowie die Sommerresidenz Kadriorg im Osten.
Die UNESCO-Altstadt
Tallinns Altstadt (Vanalinn) ist eines der besterhaltenen Hansestadt-Ensembles Europas. Die Stadtmauer aus dem 13. Jahrhundert ist auf 1,9 Kilometern Länge erhalten, von ursprünglich 46 Türmen stehen noch 26. Wahrzeichen sind der Rathausplatz (Raekoja plats) mit dem gotischen Rathaus von 1404 (das älteste erhaltene Rathaus Nordeuropas), die Heiliggeistkirche aus dem 14. Jahrhundert und die Olaikirche (Oleviste kirik), deren 124 Meter hoher Turm zwischen 1549 und 1625 das höchste Bauwerk der Welt war. Heute kann der Turm bis auf 60 Meter Höhe bestiegen werden — Eintritt 5 EUR, von April bis Oktober.
Domberg (Toompea)
Der Domberg ragt 48 Meter über die Unterstadt und war Jahrhunderte lang Sitz von Adel, Bischof und Regierung. Heute thront hier das estnische Parlament (Riigikogu) im rosa Schloss Toompea — ein barocker Bau des russischen Zaren über mittelalterlichen Mauern. Direkt gegenüber steht die Alexander-Newski-Kathedrale, daneben der Domkirche (Toomkirik), die älteste Kirche Tallinns aus dem 13. Jahrhundert. Vom Domberg führen zwei Aussichtsplattformen — Kohtuotsa mit dem ikonischen Blick auf die Türme der Unterstadt und Patkuli mit Blick auf den Hafen — beide kostenlos, ganzjährig zugänglich.
Alexander-Newski-Kathedrale
Die russisch-orthodoxe Alexander-Newski-Kathedrale auf dem Domberg ist zwiebelköpfig, schwarz-weiß und wurde 1900 als politisches Symbol russischer Macht erbaut. Architekt Mikhail Preobrazhensky schuf den fünfkuppeligen Bau nach Moskauer Vorbild. Für die Esten war sie lange ein Stein des Anstoßes — direkt vor dem Parlament, mitten in der Altstadt. Nach der Unabhängigkeit 1991 blieb sie als Kulturdenkmal stehen und ist heute die größte orthodoxe Kirche des Baltikums. Der Eintritt ist kostenlos, die größte Glocke wiegt 16 Tonnen.
Rotermann-Quartier
Das Rotermann-Quartier zwischen Hafen und Altstadt war Tallinns ältestes Industriegebiet — die Mühle und Brennerei der Familie Rotermann aus dem 19. Jahrhundert. Nach 2007 wurde das Areal von estnischen Star-Architekten wie KOKO und Alver Architects in ein modernes Mixed-Use-Quartier verwandelt. Ziegelfassaden, Cor-Ten-Stahl-Aufbauten und Glaszylinder verbinden Industrie-Erbe mit Gegenwart. Heute gibt es hier Boutiquen, Cafés (besonders empfohlen Reval Café und Renard Coffee), Restaurants und das Museum of Estonian Architecture in der alten Salzlager-Halle.
Telliskivi Creative City
Telliskivi liegt einen Kilometer nordwestlich der Altstadt im Stadtteil Kalamaja, einem ehemaligen Arbeiterviertel mit bunten Holzhäusern. Das Gelände einer alten Lokomotivfabrik wurde 2009 in das größte Kreativ-Quartier des Baltikums umgewandelt. Auf 60.000 m² Fläche finden sich heute über 250 Firmen, Designer-Studios, Restaurants, der berühmte Sonntags-Flohmarkt und Sonderausstellungen im Fotografiska. Der Telliskivi-Komplex liegt direkt am Bahnhof Balti jaam mit der gleichnamigen Markthalle.
Kadriorg-Schloss und Park
Das Kadriorg-Schloss liegt 2 Kilometer östlich der Altstadt und wurde 1718 von Zar Peter dem Großen für seine Frau Katharina erbaut — daher Kadriorg, estnisch für Katharinen-Tal. Der italienische Architekt Niccolò Michetti schuf einen Petersburger Barockpalast mit rosa Fassade und prächtigem Festsaal. Heute beherbergt das Schloss das Kunstmuseum Estlands mit Werken von Rembrandt-Schülern, niederländischen Meistern und russischer Avantgarde. Der weitläufige Park mit Schwanenteich, Japanischem Garten und der Kumu-Kunstmuseum (Estlands größtes Museum, eröffnet 2006) ist auch ohne Schlossbesuch lohnenswert.
Patarei und Lennusadam
Im Nordwesten des Zentrums liegen zwei dunkle Kapitel der Geschichte. Das Seeflugzeug-Hangar Lennusadam von 1917 — heute das estnische Schifffahrtsmuseum — zeigt das Original-U-Boot Lembit von 1936 und über 200 Exponate maritimer Geschichte. Direkt daneben steht die ehemalige Festung Patarei, die unter sowjetischer Herrschaft als KGB-Gefängnis diente. Seit 2024 ist Patarei als Memorial-Museum kommunistischer Verbrechen zugänglich — eindringlicher Ort estnischer Erinnerungskultur.
Die 6 wichtigsten Tallinn-Erlebnisse im Überblick
Altstadt-Spaziergang ab Rathausplatz
Vom Raekoja plats über Pikk und Lai zur Olaikirche und ihren Stadttürmen. Rundgang 2 Stunden, fast komplett kostenlos. Kostenpunkt nur Olaikirche-Turm 5 EUR und Café-Stopp in der Pierre Chocolaterie.
Domberg und beide Aussichtsplattformen
Aufstieg über die Lange Strecke zum Toompea. Stopp Kohtuotsa mit dem klassischen Postkartenblick, dann Patkuli mit Hafenpanorama. Alexander-Newski-Kathedrale gratis. Dauer 1,5 Stunden.
Telliskivi mit Sonntags-Flohmarkt
Kreativ-Quartier in ehemaliger Lokomotivfabrik. Sonntags Flohmarkt von 10 bis 16 Uhr mit estnischem Design, Vintage und Vinyl. Mittagessen in der Balti jaam Markthalle nebenan.
Kadriorg-Schloss und Kumu-Museum
Park mit barockem Sommer-Palast Peters des Großen. Eintritt Schloss 8 EUR, Kumu-Museum 12 EUR. Anfahrt mit Straßenbahn 1 oder 3 in 12 Minuten, weiter zu Fuß durch den Park.
Rotermann-Quartier mit Architektur-Tour
Modernes Industrie-Quartier zwischen Hafen und Altstadt. Boutiquen, Restaurants, das Museum of Estonian Architecture in der alten Salzlager-Halle. Eintritt Museum 7 EUR.
Lennusadam-Schifffahrtsmuseum
Seeflugzeug-Hangar von 1917 mit dem U-Boot Lembit. Eintritt 16 EUR, einer der spektakulärsten Industriebauten Tallinns. Anfahrt zu Fuß 25 Minuten oder Bus 73 vom Hauptbahnhof.
Tagesausflüge ab Tallinn
Tallinn ist ein perfekter Ausgangspunkt für Tagestouren — sowohl in die estnische Natur als auch nach Helsinki. Innerhalb von 90 Minuten Fahrt liegen Nationalparks, Schlösser und Strände, die das eigentliche Estland zeigen.
Lahemaa-Nationalpark
Der Lahemaa-Nationalpark liegt 70 Kilometer östlich von Tallinn und ist mit 725 km² der älteste und größte Nationalpark Estlands. Tipping Point — hier trifft das Hochmoor Viru auf die Ostsee, Findlinge so groß wie Häuser liegen am Strand und alte Adelsgüter wie Palmse, Sagadi und Vihula sind als Museen geöffnet. Die wichtigsten Stopps für einen Tagesausflug — Viru-Hochmoor mit 3,5 km Holzsteg, Käsmu (sogenanntes Dorf der Kapitäne), der Wasserfall Jägala (8 m hoch, größter Wasserfall Estlands) und das Gutshaus Palmse mit Park. Bus-Tagestouren ab 60 EUR, mit Mietwagen ist man flexibler — ein voller Tag braucht 280 km Fahrt.
Helsinki als Tagesausflug
Helsinki liegt nur 82 Kilometer Seeweg entfernt und ist mit der Schnellfähre in 2 Stunden erreichbar. Erste Abfahrt um 7:30 Uhr, Rückfahrt bis 22:30 Uhr — ein Tag in der finnischen Hauptstadt ist problemlos machbar. Sehenswert sind die Domkirche am Senatsplatz, das Sibelius-Denkmal, die Felsenkirche Temppeliaukio und das Designdistrikt Punavuori. Hin- und Rückfahrt ab 50 EUR, Tickets der Tallink Silja Line, Eckerö oder Viking Line.
Naissaar — die Fraueninsel
Naissaar liegt 8,5 Kilometer nördlich von Tallinn im Finnischen Meerbusen und war früher militärisches Sperrgebiet — von hier aus überwachte die Sowjetunion den Schiffsverkehr nach Helsinki. Die 11 km lange Insel ist heute Naturschutzgebiet mit Wald, Stränden und Sowjet-Bunkern. Fähren fahren von Mai bis September mehrmals täglich vom Lennusadam-Hafen — Überfahrt 1 Stunde, Rückfahrkarte 25 EUR. Wer einen ganzen Tag bleibt, kann mit dem Schmalspur-Geländewagen die ganze Insel umrunden.
Paldiski und der Wasserfall Keila-Joa
Paldiski liegt 45 Kilometer westlich von Tallinn und war ein streng abgeschirmter sowjetischer U-Boot-Stützpunkt — bis 1994 durften Esten die Stadt nicht betreten. Heute lockt die Halbinsel Pakri mit 25 Meter hohen Steilküsten und Leuchtturm. Auf dem Hinweg lohnt ein Stopp am Wasserfall Keila-Joa (6 m Höhe, ganzjährig fließend) und am angeschlossenen Schloss Schloss Fall im neugotischen Stil. Mit dem Auto reicht ein halber Tag, mit dem Bus 108 von Tallinn aus etwas länger.
Tartu — die Universitätsstadt
Tartu ist Estlands zweitgrößte Stadt und liegt 185 Kilometer südöstlich von Tallinn. Bekannt für die Universität von 1632 (eine der ältesten Nordeuropas), das Estnische Nationalmuseum und das Hansa-Stadtbild. Die Anfahrt mit Lux Express oder Ecolines dauert 2:15 Stunden, ein Tagesausflug ist machbar. 2024 war Tartu Europäische Kulturhauptstadt — viele neue Museen, Galerien und ein deutlich aufgewertetes Stadtbild sind das Erbe.
Vergleich der wichtigsten Tagesausflüge
Die Tabelle vergleicht die fünf beliebtesten Tagestouren ab Tallinn. Wer nur einen Tag hat und Estland erleben will, sollte Lahemaa priorisieren — die Kombination aus Hochmoor-Steg, Findlingsstrand und Adelsgut zeigt das Land in seiner Vielfalt. Helsinki ist eher etwas für Wiederholungs-Besucher.
Geschichte und Charakter der Stadt
Tallinn wurde 1219 von dänischen Kreuzfahrern unter König Waldemar II. eingenommen — daher der estnische Name Tallinn, der wörtlich Dänenstadt bedeutet (Taani linn). Schon vorher gab es eine Siedlung am Domberg, das estnische Lyndanise. 1248 erhielt die Stadt das Lübecker Stadtrecht und trat dem Hansebund bei — die Hansezeit bis ins 16. Jahrhundert prägte die heutige Altstadt mit ihren Kaufmannshäusern, Lagerhallen und Gildehäusern. Es folgten schwedische, russische, deutsche und wieder russische Herrschaft. Erst 1918 wurde Estland erstmals unabhängig, 1940 sowjetisch besetzt, 1991 nach der Singenden Revolution erneut souverän.
Die digitale Hauptstadt Europas
Tallinn ist die Geburtsstadt von Skype (verkauft an Microsoft für 8,5 Milliarden Dollar) und Bolt — und Estland gilt seit der E-Government-Reform 2002 als digital fortschrittlichstes Land Europas. 99 Prozent aller Verwaltungsleistungen sind online erledigbar, Esten wählen seit 2005 online, Unternehmen werden in 18 Minuten online gegründet. Touristen können über die E-Residency selbst eine estnische digitale ID beantragen. Die Tech-Szene konzentriert sich rund um das Ülemiste City Business Park am Flughafen.
Sängerfeste und Sprache
Die Esten sind ein Sängervolk — alle fünf Jahre findet das Sängerfest auf der Tallinner Sängerwiese (Lauluväljak) statt, mit über 30.000 Sängern und 100.000 Zuschauern. Die Singende Revolution von 1988 bis 1991 — eine friedliche Lösung aus der Sowjetunion durch gemeinsamen Gesang — ist Nationalmythos. Estnisch ist eine finnougrische Sprache, mit Finnisch verwandt, nicht mit Russisch oder Deutsch — Sätze klingen für deutsche Ohren ungewohnt vokalreich (Tere tulemast = Willkommen).
Essen, Trinken und estnische Spezialitäten
Die estnische Küche ist deutlich umfangreicher als ihr Ruf — geprägt von skandinavischen, deutschen und russischen Einflüssen, aber zunehmend mit eigener kreativer Note. Klassiker sind Verivorst (Blutwurst mit Preiselbeeren, traditionell zu Weihnachten), Sült (Sülze), Räimepirukad (kleine Pasteten mit Hering) und Mulgipuder (Buchweizengrütze mit Speck). Modern interpretiert wird die Küche in der Spitzengastronomie — die Restaurants NOA, Härg, 180° und Lee haben jeweils einen Michelin-Stern oder waren auf der Bib-Gourmand-Liste. Das traditionelle Estland zeigt sich in der Markthalle Balti jaam Turg neben dem Hauptbahnhof.
Cafés und Süßes
Tallinn hat eine ausgeprägte Café-Kultur. Pierre Chocolaterie in der Altstadt ist seit 2002 Pflichtprogramm — selbstgemachte Schokolade, Marzipan und der berühmte Bademantel-Erfinder Mart. Das älteste Café ist das Maiasmokk am Pikk 16, eröffnet 1864, mit dunkler Holzeinrichtung und dem traditionellen Marzipan-Museum im Hinterraum. Hipster gehen ins Renard Coffee in Rotermann oder ins Maiken in Telliskivi. Beim Süßen — Kohuke (mit Schokolade umhüllter Quark) gibt es an jedem Kiosk für 1,50 EUR.
Praktische Tipps für die Tallinn-Reise
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Tallinn ist preiswert geblieben
Im Vergleich zu Helsinki oder Stockholm sind die Preise in Tallinn moderat. Ein gutes Mittagessen kostet 12 bis 18 EUR, ein Bier 4 bis 6 EUR, ein Cappuccino 3 bis 4 EUR. Hotels in der Altstadt starten bei 80 EUR pro Nacht, in Telliskivi auch günstiger. Mittagsmenüs unter der Woche oft schon ab 9 EUR.
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Tallinn Card lohnt sich ab dem zweiten Museum
Die Tallinn Card kostet 24 Stunden 32 EUR, 48 Stunden 47 EUR, 72 Stunden 57 EUR. Sie schließt freien Eintritt zu 40 Museen, kostenlose ÖPNV-Nutzung und Stadtführungen ein. Ab dem Besuch von 2 Museen plus ÖPNV rechnet sich die Karte. Erhältlich am Flughafen, im Tourist Information Center und online.
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Estland gehört zur Eurozone
Seit 2011 ist der Euro estnische Währung — kein Geldwechsel nötig. Bezahlung erfolgt fast überall kartenlos, kontaktlos oder per Bolt-App. Bargeld wird in der Altstadt meist gar nicht mehr akzeptiert, in Markthallen aber schon. Estnische ATMs (Sularaha) heben Euro problemlos aus.
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Englisch reicht für die Verständigung
Über 85 Prozent der jüngeren Esten sprechen fließend Englisch, in der Tourismusbranche sogar fast 100 Prozent. Russisch ist Zweitsprache für die russischstämmige Minderheit (rund 25 Prozent der Einwohner). Deutsch wird selten gesprochen, einige ältere Esten in der Hotellerie noch. Speisekarten und Schilder sind dreisprachig (estnisch, englisch, russisch).
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Bolt-App vorab installieren
Bolt ist in Tallinn allgegenwärtig — Taxis, E-Roller, Fahrräder, sogar Essenslieferung. Die App wurde in Tallinn entwickelt und ist günstiger als Uber. Eine Taxifahrt vom Flughafen ins Zentrum kostet 8 bis 12 EUR. E-Roller stehen flächendeckend, kosten 1 EUR Freischaltung plus 0,18 EUR pro Minute.
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Altstadt mit Kopfsteinpflaster
Die UNESCO-Altstadt besteht aus Kopfsteinpflaster — für Rollstuhlfahrer, Kinderwagen oder hohe Absätze eine Herausforderung. Die Unterstadt ist weitgehend eben, der Aufstieg zum Domberg über zwei steile Gassen (Pikk jalg und Lühike jalg) anstrengend. Barrierefreie Eingänge haben Rathaus, Niguliste-Kirche und Olaikirche. Die Tallinn Card berücksichtigt Begleitperson kostenlos.
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Beste Reisezeit ist Mai bis September
Im Juni und Juli liegen die Tagestemperaturen zwischen 18 und 22 Grad, mit hellen Nächten bis 23 Uhr. Mai und September sind kühler (12 bis 17 Grad), aber deutlich weniger Touristen. Im Winter sinkt das Thermometer auf minus 5 bis plus 3 Grad — dafür locken Schnee, Adventsmarkt und halbierte Hotelpreise.
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Wetter wechselt schnell
Tallinn liegt am Meer und das Wetter kann sich im Sommer innerhalb einer Stunde drehen. Eine leichte Regenjacke gehört ins Tagesgepäck, auch wenn morgens die Sonne scheint. Im Winter wegen kalter Ostsee-Brise immer warm und windfest anziehen. Wer am Hafen flaniert, merkt die Brise auch im Hochsommer.
Insider-Tipps
Wo Einheimische essen gehen
Das Touristen-Restaurant Olde Hansa mit dem Mittelalter-Konzept lohnt sich nur fürs Erlebnis, nicht fürs Essen. Locals essen im Härg in Telliskivi (modern interpretierte estnische Küche), in der Lee in der Innenstadt (Bib Gourmand) oder im Kalakohvik Lighthouse direkt am Hafen (frischer Fisch). Für Mittag ist die Balti jaam Markthalle die erste Wahl — 20 Stände mit allem von koreanischem Bibimbap bis estnischem Borschtsch. Zum Frühstück lohnt das Pegasus am Harju.
Geheime Aussichtspunkte
Statt auf die überlaufene Plattform Kohtuotsa geht man besser auf den Patkuli-Aussichtspunkt — gleich nebenan, aber meist leer, dafür mit Hafenblick. Noch schöner ist der Aufstieg auf den Stadtmauer-Turm Hellemann am Müürivahe (3 EUR), wo man auch ein Stück Mauer entlanggehen kann. Bei Sonnenuntergang lohnt die Pirita-Promenade östlich der Stadt — die Skyline mit Domberg und Olaikirche im Gegenlicht.
Saunen wie ein Este
Die estnische Saunakultur ist tief verwurzelt — besonders im Stadtteil Kalamaja gibt es traditionelle Holzsaunen, die seit Jahrzehnten funktionieren. Die öffentliche Iglupark-Sauna mit Eisbade-Loch in der Bucht ist seit 2018 ein Hipster-Magnet, die alteingesessene Kalma-Sauna von 1928 in der Vana-Kalamaja-Straße deutlich authentischer (Eintritt 12 EUR, separate Bereiche für Frauen und Männer). Estnische Sauna ist heißer als deutsche (über 90 Grad) und mit Birkenzweig-Schlag (Vihtlemine).




