Am kürzesten Tag des Jahres – dem 21. Dezember – geht die Sonne in Reykjavik gegen 11:20 Uhr auf und verabschiedet sich schon um 15:30 Uhr wieder hinter den Hügeln. Das bedeutet weniger als vier Stunden Tageslicht, was ehrlich gesagt ziemlich beeindruckend (und für mich auch ein bisschen surreal) war. In Akureyri, weiter nördlich, bleibt die Sonne an solchen Tagen manchmal ganz unten und versteckt sich komplett — da fühlte es sich fast so an, als wäre die Zeit stehen geblieben. Diese Dunkelphase erstreckt sich ungefähr von Ende November bis Mitte Januar und hüllt das Land in eine besondere Atmosphäre.
Aber diese langen Nächte sind nicht nur Finsterheit; sie sind vielmehr eine Einladung zum Innehalten. Ich konnte oft beobachten, wie die Einheimischen die Abende in gemütlichen Cafés verbrachten oder Museen und Galerien in Reykjavik besuchten, die gelegentlich bis spät geöffnet haben – praktisch eine Kultur-Tour im Dunkeln. Übrigens macht das mystische Flackern der Aurora Borealis jedes kurze Tageslicht fast vergessen. Es fühlt sich tatsächlich so an, als ob die Dunkelheit nicht nur Zeit zum Schlafen bedeutet, sondern auch Raum für magische Momente schafft.
Ich fand es überraschend schön, wie aus dieser scheinbaren Dunkelheit eine eigenständige Stimmung erwächst – etwas Beruhigendes und gleichzeitig Faszinierendes, das man wohl nur hier oben so richtig begreifen kann.