Der Schwarzwald ist Deutschlands ältestes und dichtestes Wanderrevier — und das ist keine Marketing-Floskel, sondern Vereinsgeschichte. Der Schwarzwaldverein wurde 1864 gegründet, ist damit der älteste deutsche Wanderverein und unterhält bis heute rund 27.000 Kilometer einheitlich markierte Wege zwischen Pforzheim im Norden und Basel im Süden. Der Westweg, ikonischer Fernweg seit 1900, führt auf 285 Kilometern in 12 Etappen quer durch das Gebirge und gilt als Klassiker des deutschen Weitwanderns. Der Mittelweg verläuft sanfter auf 233 Kilometern bis Waldshut, der Ostweg auf 240 Kilometern bis Schaffhausen. Dazu kommen zertifizierte Premium-Wanderwege wie der Schluchtensteig (118 km durch die Wutachschlucht) und der Albsteig (83 km). Tagestouren auf Hornisgrinde, Belchen und den Feldberg-Gipfel (1.493 Meter, höchster Punkt des Schwarzwalds) ergänzen das Programm. Dieser Guide stellt Fernwege, Premium-Touren, lohnende Tagesziele, saisonale Highlights und die KONUS-Gästekarte für die ÖPNV-Anreise zwischen Etappen vor.
Anreise und Erreichbarkeit
Der Schwarzwald liegt verkehrsgünstig im Südwesten Deutschlands und ist von allen Seiten gut erschlossen. Wer mehrere Etappen eines Fernweges plant, sollte sich frühzeitig mit der KONUS-Gästekarte vertraut machen — sie ermöglicht in über 140 teilnehmenden Schwarzwald-Orten die kostenfreie Nutzung des öffentlichen Nahverkehrs und ist damit der Schlüssel zur entspannten Etappen-Rückkehr ohne zweites Auto.
Mit dem Auto
Die A5 (Karlsruhe—Freiburg—Basel) erschließt den Schwarzwald von Westen, die A81 (Stuttgart—Singen) von Osten. Quer durch das Mittelgebirge führen die Bundesstraßen B500 (Schwarzwaldhochstraße zwischen Baden-Baden und Freudenstadt) und die B294 (Pforzheim—Freiburg). Für Westweg-Etappen lohnt es sich, das Auto am Start- oder Endpunkt einer Etappe abzustellen und mit Bahn und Bus zur nächsten Etappe zurückzukehren. Parkmöglichkeiten an Wanderportalen wie Hornisgrinde, Mummelsee, Feldberg-Haus und Belchen sind großzügig dimensioniert, an Sommerwochenenden aber häufig früh belegt.
Mit der Bahn / dem ÖPNV
Pforzheim als Startpunkt aller drei großen Fernwege erreicht man mit dem ICE in 30 Minuten ab Stuttgart. Die Schwarzwaldbahn von Offenburg nach Konstanz quert das Gebirge auf 149 Kilometern mit 39 Tunneln und ist selbst eine touristische Attraktion. Die Höllentalbahn führt von Freiburg über Titisee zum Feldberg, die Murgtalbahn verbindet Rastatt mit Freudenstadt. Mit der KONUS-Gästekarte fahren Übernachtungsgäste auf allen ÖPNV-Linien im Schwarzwald kostenlos — die Karte ist Säle früher fast einzigartig im deutschen Tourismus.
Mit dem Flugzeug
Die nächstgelegenen Flughäfen sind Stuttgart STR (für den Nord- und Mittel-Schwarzwald), Basel-Mulhouse BSL/EAP (für den Süd-Schwarzwald) und Karlsruhe-Baden-Baden FKB (für die Schwarzwaldhochstraße). Frankfurt FRA ist mit dem ICE in rund 1:30 Stunden bis Karlsruhe erreichbar und damit für Fernreisende oft die bequemere Option.
Vor Ort bewegen / KONUS-Karte
Die KONUS-Karte ist das wichtigste Werkzeug für Wanderer im Schwarzwald. Sie wird bei der Anmeldung in einer der über 140 teilnehmenden Unterkünfte automatisch ausgegeben und gilt für die gesamte Aufenthaltsdauer. Damit lässt sich nach einer Westweg-Etappe von Forbach über Baiersbronn nach Alpirsbach problemlos mit Bus und Bahn zum Auto-Parkplatz zurückfahren — ohne Aufpreis und ohne Ticket-Käuferei am Automaten. Zusätzlich gibt es regionale Wanderbusse wie den SüdbadenBus, den Belchen-Wanderbus und den Feldbergbus, die häufig nur in der Sommer-Saison Mai bis Oktober verkehren.
Die großen Fernwege: Westweg, Mittelweg und Ostweg
Drei Fernwege durchqueren den Schwarzwald von Nord nach Süd — alle beginnen in Pforzheim, alle enden am Hochrhein oder Bodensee, und alle haben über 100 Jahre Wandergeschichte hinter sich. Die Wahl zwischen ihnen hängt von Kondition, Zeitbudget und dem gewünschten Charakter ab: Westweg für die ikonischen Höhen und Aussichten, Mittelweg für sanfte Wälder und Höfe, Ostweg für stillere Pfade in östlichen Tälern.
Westweg — der Klassiker seit 1900
Der Westweg ist Deutschlands Vorzeige-Fernweg, ausgewiesen seit 1900 und damit einer der ältesten markierten Fernwanderwege der Welt. Er führt auf 285 Kilometern in zwölf Etappen von Pforzheim über Forbach, Baiersbronn, Alpirsbach, Schonach, Hinterzarten und den Feldberg nach Basel. Höhepunkte sind die Hornisgrinde, der Mummelsee, das Wäldchen am Schliffkopf, der Belchen-Hang und der Feldberg-Gipfel. Wer alle Etappen geht, überwindet rund 7.500 Höhenmeter und braucht zwei Wochen — viele Wanderer teilen den Westweg in Nord und Süd und gehen jede Hälfte in einer Woche.
Mittelweg — sanfter durch Wälder und Höfe
Der Mittelweg verläuft auf 233 Kilometern von Pforzheim über Freudenstadt, Wolfach, St. Georgen und Lenzkirch nach Waldshut am Hochrhein. Im Vergleich zum Westweg ist er deutlich sanfter, führt häufiger durch geschlossene Wälder und kleine Schwarzwaldhöfe, vermeidet die exponierten Gipfel-Passagen. Wer wenig Höhenmeter, dafür viel klassisches Schwarzwald-Idyll mit Schindel-Höfen, Mühlen und Wässerwiesen sehen möchte, ist hier richtig. Acht bis zehn Etappen sind realistisch.
Ostweg — der stille Bruder
Der Ostweg führt auf 240 Kilometern von Pforzheim über Calw, Freudenstadt, Schramberg, Triberg und Donaueschingen nach Schaffhausen am Rheinfall. Er ist der am wenigsten begangene der drei Fernwege und durchquert vor allem die östlichen Schwarzwald-Täler — Nagold, Kinzig, Brigach und Wutach. Wer Stille sucht und auf Selbstversorgung eingestellt ist, findet hier ländlich-ruhige Etappen mit traditionellen Gasthöfen, häufig in Familienhand seit Generationen.
Fernwege im direkten Vergleich
Alle Wege sind beim Deutschen Wanderverband zertifiziert. Premium-Wege werden alle drei Jahre nach 32 Kriterien neu geprüft — Westweg, Mittelweg und Ostweg laufen als Qualitätswege Wanderbares Deutschland, Schluchtensteig und Albsteig als Premiumwege.
Die 6 lohnendsten Tagestouren im Überblick
Feldberg-Gipfel-Tour
Vom Feldberg-Haus über den Seebuck zum Bismarckdenkmal und zum Feldberg-Gipfel (1.493 m) — der höchste Punkt des Schwarzwalds. 9 Kilometer, 350 Höhenmeter, mittelschwer. Bei klarer Sicht reicht der Blick bis zu den Schweizer Alpen, zum Mont Blanc und in die Vogesen.
Wutachschlucht-Klamm
Die Wutachschlucht zwischen Boll und Schattenmühle gilt als „Grand Canyon des Schwarzwalds“. 13 Kilometer durch wilde Klamm mit Wasserfällen, Hängebrücken und tausenden Jahre alten Bäumen. Schmaler Pfad, häufig nass — feste Schuhe Pflicht. Achtung: Hochwasser-Sperrungen März bis Mai möglich.
Hornisgrinde-Runde
Höchster Berg des Nord-Schwarzwalds mit 1.164 Metern. Vom Mummelsee in einer Stunde zum Aussichtsturm, der bei klarem Wetter den größten Rundblick der Region bietet — von der Rheinebene bis zu den Vogesen. Hochmoor-Landschaft mit Holzstegen, einfache Wegführung.
Belchen-Hang-Tour
Vom Belchenhaus zum Belchen-Gipfel (1.414 m) — der dritthöchste Schwarzwald-Berg mit dem schönsten Alpen-Panorama. Mit Belchenbahn-Seilbahn auch für ungeübte Wanderer machbar, sportliche Variante 12 Kilometer rund um den Belchen-Hang.
Mummelsee-Hornisgrinde
Klassische Halbtagestour an der Schwarzwaldhochstraße. Vom sagenumwobenen Karsee Mummelsee (1.036 m) durch Bergwald hinauf zur Hornisgrinde und über den Höhenkamm zurück. 8 Kilometer, gemütliche Steigung, viele Einkehrmöglichkeiten — gut für Familien.
Schluchtensteig-Etappe Wutachschlucht
Die schönste Premium-Etappe des Schluchtensteigs führt durch die Wutachschlucht von der Schattenmühle nach Bonndorf. 16 Kilometer, 400 Höhenmeter, anspruchsvoll. Belohnt mit Felsformationen, Wasserfällen und einem der ursprünglichsten Tallandschaften Deutschlands.
Saisonale Tipps: Wann lohnt sich welcher Weg?
Der Schwarzwald lässt sich grundsätzlich ganzjährig erwandern, aber jede Jahreszeit hat ihre eigenen Reize — und ihre Einschränkungen. Wer die Saison gezielt nach dem persönlichen Interesse wählt, holt mehr aus jeder Tour heraus.
Frühling — Mai und Juni
Die ideale Zeit für die ersten Höhentouren. Schnee ist meist bis Mitte Mai vom Feldberg verschwunden, die Wälder sind hellgrün, die Bäche führen viel Wasser. Wutachschlucht und Wasserfälle wie Allerheiligen oder Triberg zeigen sich von ihrer dramatischsten Seite. Achtung: Wegen Schneeschmelze sind einige Schluchten-Etappen bis Mai gesperrt.
Sommer — Juli und August (Heidelbeer-Saison)
Die Heidelbeer-Saison Juli und August ist eine Schwarzwälder Tradition — entlang vieler Höhenpfade reifen wilde Heidelbeeren in großen Säulen, das Pflücken für den Eigenbedarf ist erlaubt. Heiße Tage über 30 Grad sind im Tal möglich, in den Höhen über 1.000 Meter aber meist angenehm. Beste Zeit für Feldberg, Belchen und die Höhenkamm-Etappen des Westwegs.
Herbst — September und Oktober (Pilz- und Laubsaison)
Pilz-Saison September und Oktober: Steinpilze, Pfifferlinge, Maronen und Wildschirmlinge stehen in den Mischwäldern — Pilzberatungsstellen gibt es in Freudenstadt, Hinterzarten und Triberg. Mitte bis Ende Oktober färbt sich der Bunte Wald in spektakuläre Farben, besonders eindrucksvoll an Hängen mit Mischbestand aus Buche, Ahorn und Lärche. Klare Fernsichten machen den Oktober zur besten Foto-Saison.
Winter — Dezember bis Februar (Schneeschuhwandern)
Schneeschuhwandern Dezember bis Februar ist im Schwarzwald eine ernstzunehmende Disziplin. Geführte Touren am Feldberg, Belchen, Schauinsland und Kandel führen durch tief verschneite Mischwälder. Schneehöhen über einem Meter sind in Höhen über 1.000 Metern häufig. Achtung: Lawinengefahr in steilen Hangabschnitten, Geführte Touren mit zertifizierten Schwarzwald-Guides empfohlen.
Praktische Tipps für Wandern im Schwarzwald
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KONUS-Karte aktiv nutzen
Bei jeder Übernachtung in einem der über 140 KONUS-Orte gibt es die Karte gratis. Sie spart bei zweiwöchigen Fernwegen häufig über 100 Euro an Bahn- und Bustickets und macht die Etappen-Rückkehr ohne zweites Auto möglich.
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Schwarzwaldverein-Karten bevorzugen
Die offiziellen Karten des Schwarzwaldvereins im Maßstab 1:35.000 sind den Standard-Wanderkarten anderer Verlage in Detailgenauigkeit überlegen. Sie zeigen alle 27.000 Kilometer markierter Wege, Schutzhütten und Einkehrmöglichkeiten zuverlässig.
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Festes Schuhwerk auch im Sommer
Schwarzwald-Pfade sind häufig wurzelig, steinig und nach Regen rutschig — besonders in Schluchten wie Wutach oder Albsteig. Knöchelhohe Wanderschuhe mit griffiger Sohle sind Pflicht, Sneakers oder leichte Trail-Schuhe sind für Premium-Wege nicht geeignet.
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Wetter-Wechsel einplanen
Im Schwarzwald sind häufig zwei Wetter pro Tag möglich, besonders in den Höhen über 1.000 Metern. Regenjacke, Wechsel-Shirt und Sonnencreme gehören in den Tagesrucksack. Im Tal sind Säle mit 28 Grad denkbar, oben auf dem Feldberg gleichzeitig 15 Grad und Nebel.
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Etappen-Planung mit Gepäck-Service
Für Westweg, Mittelweg und Ostweg gibt es Gepäcktransport-Dienste, die Koffer und Rucksäcke morgens am Hotel abholen und abends in der nächsten Unterkunft abliefern. Kostet rund 12 bis 18 Euro pro Etappe und macht aus dem Wandern mit 15 kg Rucksack ein entspanntes Tageserlebnis mit 5 kg Daypack.
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Barrierearme Alternativen
Für Wanderer mit eingeschränkter Mobilität gibt es ausgewiesene barrierearme Premium-Rundwege wie den Mummelsee-Rundweg, den Naturparkbahnhof Sankt Märgen oder den Wichtelpfad in Hinterzarten. Diese Wege sind asphaltiert oder fest verdichtet und mit Rollstuhl, Rollator oder Kinderwagen befahrbar.
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Frühe Aufbrüche in der Heidelbeer-Saison
Im Juli und August sind die beliebten Tagestouren wie Mummelsee, Feldberg und Belchen bis Mittag häufig überlaufen. Wer um 7 Uhr startet, hat die schönsten Aussichtspunkte für sich und kann zur Heidelbeer-Pflück-Pause in stille Hänge ausweichen.
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Notruf-Nummer und Schutzhütten
In abgelegenen Etappen gilt 112 als europäische Notrufnummer auch ohne SIM-Karte. Die Schutzhütten des Schwarzwaldvereins (rund 250 Stück) sind offen zugänglich und bieten Schutz bei plötzlichem Wetterumschwung. Genaue Standorte sind auf den Vereins-Karten markiert.
Insider-Tipps
Wo es weniger touristisch ist
Die Hotspots Feldberg, Mummelsee und Triberg sind im Sommer überlaufen, aber abseits der bekannten Wege gibt es viele stille Ecken. Der Nordschwarzwald rund um Bad Wildbad und den Sommerberg ist deutlich ruhiger als der Süden. Das Kinzigtal zwischen Wolfach und Schiltach bietet klassische Schwarzwald-Idylle ohne Massen. Die mittelhohen Lagen zwischen 700 und 900 Metern sind häufig stiller als die Gipfel-Ziele.
Der Ausrüstungs-Tipp
Wer einen Fernweg plant, sollte vorher mindestens drei Wochenenden mit dem vollen Rucksack trainieren — gerne in heimischen Mittelgebirgen oder auf Wochenend-Etappen im Schwarzwald selbst. Stöcke (am besten faltbar) entlasten die Knie um bis zu 25 Prozent bei den Abstiegen, was bei 7.500 Höhenmetern des Westwegs den Unterschied zwischen Genuss und Quälerei ausmacht.
Der Schwarzwaldverein — 1864 und älteste deutsche Wandergemeinschaft
Wer im Schwarzwald wandert, wandert auf den Spuren des Schwarzwaldvereins. 1864 in Freiburg gegründet, ist er der älteste deutsche Wanderverein und damit Vorbild für alle anderen regionalen Vereine wie den Pfälzerwald-Verein, den Eifelverein oder den Rhönklub. Heute hat der Verein rund 75 Ortsvereine und über 60.000 Mitglieder. Seine wichtigste Leistung ist das einheitliche Markierungssystem: 27.000 Kilometer Wege werden ehrenamtlich gepflegt, mit Rauten in unterschiedlichen Farben und Mustern markiert — rote Raute für Hauptwege wie den Westweg, gelbe Raute für lokale Rundwege, blaue Raute für Querverbindungen.
Die Vereins-Wanderkarten im Maßstab 1:35.000 gelten unter Schwarzwald-Wanderern als unverzichtbar. Sie zeigen jeden Pfad, jede Schutzhütte und jede Einkehrmöglichkeit — Detailgrad, den keine kommerzielle Karte erreicht. Mitgliedschaft kostet rund 50 Euro pro Jahr und beinhaltet die Vereinszeitschrift, ermäßigte Karten und Zugang zu geführten Touren.




