Das Tierfreigelände im Nationalparkzentrum Falkenstein bei Ludwigsthal ist der nördliche Wildtier-Bereich des Nationalparks Bayerischer Wald und mit rund 200 Hektar eines der größten zusammenhängenden Wildgehege Deutschlands. Auf einem etwa 3,5 Kilometer langen Hauptrundweg lassen sich Wölfe, Luchse, Wisente, Urwildpferde, Wildkatzen, Fischotter, Habichtskäuze, Auerhühner, Fischadler und weitere heimische Arten in naturnah gestalteten Großgehegen beobachten. Das Areal schließt direkt an das 2006 eröffnete Haus zur Wildnis an, das mit einer multimedialen Dauerausstellung den thematischen Rahmen liefert. Eintritt zu Gehege und Ausstellung ist ganzjährig kostenfrei, die Tiergehege sind rund um die Uhr zugänglich, das Haus zur Wildnis öffnet täglich von neun bis siebzehn Uhr. Anders als das südliche Schwestergehege am Lusen liegt der Schwerpunkt hier auf den größeren Beutegreifern und Huftieren — Braunbären leben nicht im Falkenstein-Gehege, sondern nur im Tierfreigelände bei Neuschönau. Dafür gehört die Gruppe der Urwildpferde, der sogenannten Przewalski-Pferde, zu den Alleinstellungsmerkmalen des nördlichen Areals.

Anreise und Erreichbarkeit

Das Tierfreigelände im Nationalparkzentrum Falkenstein liegt im Lindberger Ortsteil Ludwigsthal an der B11 zwischen Zwiesel und Bayerisch Eisenstein. Die Lage am Übergang vom Zwieseler Becken in den Falkensteinrücken macht das Gehege zum natürlichen nördlichen Eingang in den Nationalpark Bayerischer Wald. Bahnreisende profitieren vom direkten Halt der Waldbahn am Bahnhof Ludwigsthal — von dort sind es nur wenige hundert Meter bis zum Eingang.

Mit dem Auto

Aus Richtung München führt die A92 bis Deggendorf, weiter auf der B85 nach Regen und Zwiesel, dann auf der B11 nach Norden. Von Regensburg kommend nimmt man die A3 bis zur Ausfahrt Straubing und folgt der B20 sowie der B85 nach Zwiesel. Wer aus Passau anreist, fährt über die B85 und die B11 in rund einer Stunde nach Ludwigsthal. Direkt am Eingang stehen zwei große, kostenfreie Besucherparkplätze mit zusammen rund 250 Stellplätzen sowie ausgewiesene Behindertenparkplätze nahe der Pforte des Hauses zur Wildnis. An sonnigen Wochenenden im Sommer und an Tagen mit Schneefall im Winter füllen sich die Flächen häufig schon am Vormittag.

Mit der Bahn und dem ÖPNV

Der Haltepunkt Ludwigsthal liegt an der Waldbahn der Länderbahn und wird mehrfach täglich von Plattling, Zwiesel und Bayerisch Eisenstein angefahren. Vom Bahnsteig sind es rund 200 Meter zum Eingang des Hauses zur Wildnis und damit zum Hauptzugang des Tierfreigeländes. Wer einen GUTi-Gästepass aus einer Pension im Bayerischen Wald besitzt, fährt die Waldbahn und alle Igelbus-Linien des Nationalparks kostenfrei. Ergänzend bedienen die Igelbus-Linien Falkenstein und Lusen das Areal in der Hauptsaison von Mai bis Anfang November sowie an Wochenenden im Winter.

Mit dem Flugzeug

Für internationale Gäste sind München, Nürnberg und Linz die nächstgelegenen Flughäfen. Von München beträgt die Fahrzeit mit Mietwagen rund zwei Stunden 45 Minuten, von Nürnberg knapp drei Stunden, von Linz etwa eineinhalb Stunden über den Grenzübergang Bayerisch Eisenstein. Wer ohne Auto reist, nimmt von München aus den Zug über Plattling auf die Waldbahn und steigt direkt am Haltepunkt Ludwigsthal aus.

Vor Ort bewegen und Parken

Das gesamte Areal ist für Fußgänger ausgelegt. Vom Eingang am Haus zur Wildnis führt der Hauptrundweg im Uhrzeigersinn am Wolfsgehege, an der Luchsanlage und am Wisentkamp vorbei zurück zum Pflanzenpark. Der zentrale Rundweg ist überwiegend geschottert und mit moderaten Steigungen ausgeführt, sodass auch Familien mit Kinderwagen und Besucher mit Rollator den Großteil der Schleife bewältigen. Leihrollstühle und Bollerwagen lassen sich am Empfang gegen Pfand reservieren, behindertengerechte Toiletten finden sich am Eingang und an der Steinzeithöhle.

Zwiesel 12 km ~15 min via B11
Passau 75 km ~1:15 h via B85 und B11
Regensburg 115 km ~1:45 h via A3 und B85
München 210 km ~2:35 h via A92 und B85
Linz 95 km ~1:35 h via Grenze Bayerisch Eisenstein

Wolf, Luchs, Wisent und Urwildpferd im Großgehege

Das Tierfreigelände versteht sich weniger als klassischer Tierpark und mehr als ein Schaufenster auf die Wildnis, wie sie im Bayerischen Wald in historischer Zeit ausgesehen hat. Die Großgehege sind so geschnitten, dass die Tiere weiträumig wandern, sich zurückziehen und ihre natürlichen Verhaltensmuster zeigen können. Wer Geduld mitbringt und die ruhigeren Morgen- und Abendstunden nutzt, erlebt häufig deutlich mehr als an einem hektischen Mittag mit vielen Besuchergruppen.

Das Wolfsgehege

Im Falkenstein-Gehege leben zwei getrennte Rudel des europäischen Grauwolfs in jeweils mehreren Hektar großen Anlagen. Die Tiere sind seit den 1970er-Jahren Teil der Sammlung und stammen ursprünglich aus skandinavischen und osteuropäischen Linien. Aussichtsstege und gedeckte Beobachtungshütten am Rand des Geheges erlauben einen ruhigen Blick auf die Wolfsfamilien, ohne die Tiere zu stören. In den Wintermonaten Februar und März ist die Heulchorzeit besonders eindrucksvoll, wenn das gesamte Tal vom tiefen Heulen widerhallt.

Die Luchsanlage

Eurasische Luchse leben in einem rund acht Hektar großen Gehege mit naturnahen Strukturen aus alten Bäumen, Felsblöcken und kleinen Lichtungen. Anders als die Wölfe sind die Luchse Einzelgänger, in Falkenstein leben drei bis vier Tiere in räumlich getrennten Bereichen. Aussichtsstege auf gut zehn Metern Höhe machen die Tiere auch dann sichtbar, wenn sie sich am Boden im Dickicht aufhalten. Besonders bei Sonnenuntergang nutzen die Luchse offene Felsflächen, um sich zu sonnen.

Die Wisente

Die Gruppe der Europäischen Wisente, der größten Landsäugetiere Europas, ist eine der größten Schaugruppen im deutschsprachigen Raum. Vier bis sechs Tiere leben in einem weitläufigen, leicht hügeligen Gehege mit offenen Weideflächen und schattigen Waldbereichen. Wisente stehen auf der Roten Liste der bedrohten Arten und stammen genetisch von wenigen Zuchttieren ab, die im 20. Jahrhundert die Ausrottung knapp überlebten. Die Tiere im Falkenstein-Gehege sind Teil des europäischen Erhaltungszuchtprogramms EEP.

Die Urwildpferde

Eine Besonderheit, die das Tierfreigelände Falkenstein vom südlichen Areal bei Lusen unterscheidet, ist die Gruppe der Przewalski-Pferde, der einzigen echten Wildpferdeart der Welt. Sechs bis acht Tiere leben auf einer rund zehn Hektar großen Offenland-Anlage mit Heckenstrukturen und einer kleinen Wasserstelle. Die Tiere sind klein, stämmig, ockerbraun und tragen eine schwarze Bürstenmähne. In freier Wildbahn galten sie in den 1970er-Jahren als ausgestorben, dank Wiederansiedlungsprojekten in der Mongolei leben heute wieder mehrere hundert Tiere in den Steppen Zentralasiens.

Die sechs zentralen Stationen im Überblick

Wolfsgehege Nord und Süd

Zwei getrennte Anlagen mit jeweils einem eigenen Rudel des europäischen Grauwolfs. Beobachtungshütten am Hangrand bieten geschützte Sicht aus mittlerer Distanz. Ranger-Führungen erklären Rudel-Hierarchie, Welpenaufzucht und das jahreszeitliche Heulen.

Luchs-Hochsteg

Acht Hektar großes Luchsgehege mit einem etwa 200 Meter langen Aussichtssteg in zehn Metern Höhe. Aus dieser Perspektive lassen sich Luchse auch im dichten Unterholz beobachten. Beste Zeiten sind früher Morgen und später Nachmittag.

Wisent-Schaukoppel

Weitläufige Schauanlage für vier bis sechs Wisente mit kombiniertem Weide- und Waldbereich. Lehrstation am Eingang erklärt das Erhaltungszuchtprogramm EEP, die Geschichte der Wiederansiedlung in Polen und die Rolle des Bayerischen Waldes als Zuchtpartner.

Urwildpferd-Anlage

Offenland-Gehege für eine Gruppe Przewalski-Pferde. Die wuchtigen Tiere sind häufig in Bewegung und stehen vor allem in der ersten Tageshälfte gut sichtbar an Heuraufen und Wasserstelle. Ranger-Tafeln erläutern das Wiederansiedlungsprojekt in der mongolischen Steppe.

Auerhuhn- und Habichtskauz-Volieren

Zwei große Volieren-Anlagen für Auerhühner und Habichtskäuze, beide Arten als gefährdet eingestuft. Im Mai stehen die Hähne im Auerhuhn-Gehege oft mitten in der Balz, der Habichtskauz nutzt eine alte Buche als bevorzugten Tagesplatz.

Steinzeithöhle und Pflanzenpark

Begehbare Replik einer Höhle aus der späten Eiszeit mit lebensgroßen Tiermodellen und Steinzeitwerkzeugen. Direkt anschließend erstreckt sich der Pflanzenpark mit über 500 heimischen Pflanzenarten, geordnet nach Höhenstufen vom Tal bis zum Hochlagenfichtenwald.

Falkenstein, Lusen und Bayerwald-Tierpark im Vergleich

Kriterium
Tierfreigelände Falkenstein
Tierfreigelände Lusen
Bayerwald-Tierpark Lohberg
Wildgehege Am Großen Arber
Tier-Freigelände Höllbach
Standort
Ludwigsthal
Neuschönau
Lohberg
Bayerisch Eisenstein
Zwiesel
Größe Gehegeareal
ca. 200 ha
ca. 200 ha
ca. 25 ha
ca. 7 ha
ca. 5 ha
Leitarten
Wolf, Luchs, Wisent, Urwildpferd
Wolf, Luchs, Bär, Auerhuhn
Bär, Wolf, Luchs, Wisent
Rotwild, Schwarzwild
Hirsche, Mufflons
Bären vorhanden
nein
ja, Braunbären
ja
nein
nein
Rundweglänge
3,5 km
7 km
3 km
1,5 km
2 km
Eintritt
frei
frei
rund 12 Euro
frei
frei
ÖPNV-Anschluss
Waldbahn direkt vor Eingang
Igelbus ab Grafenau
Bus ab Lam
Arber-Bus
Waldbahn ab Zwiesel
Aufenthaltsdauer
halber Tag
ganzer Tag
halber Tag
1 bis 2 h
1 bis 2 h

Falkenstein und Lusen sind die beiden großen Wildgehege des Nationalparks. Bären gibt es ausschließlich am Lusen, Urwildpferde nur in Falkenstein — wer beide Schwerpunkte erleben will, plant einen Wechseltag.

Geschichte und naturpädagogisches Konzept

Das Tierfreigelände bei Ludwigsthal nahm 1982 zeitgleich mit dem südlichen Schwestergehege am Lusen den Betrieb auf. Damit gehört es zu den ersten großen Wildtiergehegen, die in einem deutschen Nationalpark angelegt wurden. Ausgangspunkt war die Idee, Besuchern Begegnungen mit Tierarten zu ermöglichen, die in der freien Wildnis fast nur als Spuren wahrnehmbar bleiben — etwa Luchs und Wolf, die in den 1970er-Jahren im Bayerischen Wald als ausgerottet galten und erst Jahrzehnte später durch natürliche Zuwanderung wiederkehrten.

Wildnis als Erlebnis und Bildungsidee

Das pädagogische Konzept folgt dem Leitsatz Natur Natur sein lassen. Im Tierfreigelände leben die Arten in großen Gehegen, die ihrer Lebensweise weitgehend gerecht werden, während die Ausstellung im Haus zur Wildnis die ökologischen Zusammenhänge in mehreren Themenräumen vertieft. Auch unbequeme Themen wie Borkenkäfer-Massenvermehrung, Sturmwurf und Wiederbewaldung werden ausdrücklich als Teil natürlicher Dynamik präsentiert, nicht als Katastrophe.

Bedeutung im europäischen Naturschutz

Mehrere Arten im Falkenstein-Gehege stehen unter europäischem oder internationalem Schutz. Die Wisente sind Teil des Europäischen Erhaltungszuchtprogramms EEP, die Urwildpferde gehören zur weltweiten Zuchtbuch-Population, aus der Tiere für Wiederansiedlungsprojekte in der Mongolei abgegeben werden. Die Erkenntnisse zur Haltung, Aufzucht und Sozialstruktur fließen seit Jahrzehnten in internationale Naturschutzprojekte ein.

Schulklassen, Junior Ranger und Forschung

Die Nationalpark-Verwaltung bietet ganzjährig Junior-Ranger-Programme, Klassenprojekte und Lehrerfortbildungen an. Beliebt sind Themenführungen zu Wolfsfamilien, Luchsfährten und der Rolle des Wisents im historischen Wald. Hinter den Kulissen ist das Gehege auch ein Forschungsstandort — Daten zum Sozialverhalten der Wölfe und zur Habitatnutzung der Luchse fließen in europäische Forschungsprojekte ein.

Praktische Tipps für den Besuch im Tierfreigelände Falkenstein

  • Eintritt und Parken kostenfrei

    Der Zugang zum gesamten Tierfreigelände und zum Haus zur Wildnis ist ganzjährig gratis. Auch die beiden großen Besucherparkplätze direkt am Eingang sind kostenfrei. Bezahlt wird nur im Bistro oder im Nationalpark-Shop, wer den GUTi-Gästepass besitzt, fährt zusätzlich kostenfrei mit Waldbahn und Igelbussen.

  • Früh starten für aktive Tiere

    Wölfe, Luchse und Urwildpferde sind in den ersten Stunden nach Sonnenaufgang am aktivsten. Wer das Areal vor neun Uhr betritt, erlebt deutlich mehr Bewegung an den Sichtfenstern als an einem hektischen Mittag. Im Sommer lohnt zusätzlich die späte Stunde zwischen achtzehn und zwanzig Uhr, wenn die Hitze nachlässt.

  • Wetterfeste Kleidung mitnehmen

    Das Wetter im Bayerwald-Hochlagenwald kann sich innerhalb einer Stunde drehen. Im Frühjahr und Herbst gehört eine wasserdichte Jacke ins Gepäck, im Sommer Sonnencreme und Kopfbedeckung, im Winter feste Schuhe mit Profil und warme Handschuhe. Der Rundweg ist auch bei Schnee passierbar, allerdings dann teilweise rutschig.

  • + Verpflegung einplanen

    Am Haus zur Wildnis gibt es ein Bistro mit warmen Speisen, Kuchen und Getränken. Entlang des Rundwegs durch das Tierfreigelände selbst liegen keine Kioske, deshalb empfiehlt sich eine kleine Brotzeit und mindestens ein Liter Wasser pro Person. Picknicktische stehen an mehreren Aussichtspunkten.

  • i Ranger-Führungen vorher prüfen

    Die Nationalpark-Verwaltung bietet täglich kostenfreie Ranger-Führungen zu Wolf, Luchs und Wisent an. Die Termine wechseln saisonal und stehen am Empfang aus. Wer mit Kindern reist, profitiert besonders vom Programm Mit dem Förster zu Wolf und Luchs am späten Vormittag.

  • Mit der Waldbahn kombinieren

    Der Haltepunkt Ludwigsthal liegt nur drei Gehminuten vom Eingang entfernt. Das macht das Tierfreigelände zum einzigen großen Wildgehege Deutschlands mit direktem Bahnanschluss. Eine entspannte Tagesvariante ist Anreise per Waldbahn aus Zwiesel oder Bayerisch Eisenstein und Rückfahrt am späten Nachmittag.

  • Großer Hauptweg barrierearm

    Der zentrale Rundweg ist überwiegend geschottert, breit angelegt und mit moderaten Steigungen ausgeführt. Familien mit Kinderwagen, Rollstuhlfahrer und Besucher mit Rollator schaffen den Großteil der Schleife problemlos. Leihrollstühle und Bollerwagen lassen sich am Empfang gegen Pfand reservieren.

  • Regen-Plan integrieren

    Bei stärkerem Regen lohnt sich der Schwerpunkt auf das Haus zur Wildnis mit seiner überdachten Dauerausstellung und der begehbaren Steinzeithöhle. Die Tiergehege selbst bleiben rund um die Uhr zugänglich, der Rundweg ist auch bei Nässe gut befestigt. Wölfe und Luchse zeigen sich bei kühlem Regenwetter häufig sogar aktiver.

Insider-Tipps

Die beste Stunde des Tages

Zwischen sieben und neun Uhr morgens, wenn die ersten Sonnenstrahlen über die Falkenstein-Gipfel kommen und das Tal noch im Nebel liegt, sind die Tiere am aktivsten. Wölfe heulen häufig zur Begrüßung des Tages, Luchse nutzen die offenen Felsflächen zum Sonnenbad, und die Urwildpferde grasen geschlossen auf der Offenlandanlage.

Mein Lieblingsplatz

Der kleine, oft übersehene Aussichtssteg am hinteren Ende des Luchsgeheges bietet einen ruhigen Blick auf ein Stück alten Bergmischwald, in dem die Luchse fast täglich erscheinen. Wer dort 20 Minuten geduldig stehenbleibt, hat eine gute Chance auf eine Begegnung — viele Besucher gehen direkt am Steg vorbei, weil die Beschilderung dezent ist.

Das Wolf-Heulen im Spätwinter

Die Wochen zwischen Mitte Februar und Anfang April sind die akustisch beeindruckendste Zeit im Falkenstein-Gehege. Die Rudel heulen in der Paarungszeit besonders häufig, das Heulen schallt durch das gesamte Ludwigsthaler Tal. Sonderführungen Wolfs-Heulen werden an Februarwochenenden angeboten und sind oft Wochen im Voraus ausgebucht.

Kombi mit Großem Falkenstein

Wer länger bleibt, kombiniert den Besuch im Tierfreigelände mit einem Aufstieg auf den 1.315 Meter hohen Großen Falkenstein. Der Wandereinstieg liegt nur wenige Autominuten vom Gehege entfernt, die Tour über das Schutzhaus dauert mit Einkehr rund fünf Stunden. Das Tierfreigelände liefert das Wissens-Fundament, der Gipfel das körperliche Erlebnis.

Saisonale Highlights und beste Reisezeit

Das Tierfreigelände ist ganzjährig geöffnet, jede Jahreszeit hat dabei ihren eigenen Reiz. Im Frühjahr beginnt die Balzzeit der Auerhühner und die Wölfe sind besonders gesprächig, im Sommer wirken die Großgehege durch das satte Grün besonders weitläufig. Der Herbst bringt mit der Buchen- und Lärchenfärbung die fotogenste Lichtstimmung, der Winter verwandelt das Areal in eine ruhige, fast skandinavisch wirkende Schneelandschaft.

Frühling — März bis Mai

Schneeschmelze, lautes Wolf-Heulen, beginnende Balz der Auerhühner. Der Pflanzenpark zeigt die ersten Frühblüher, an warmen Tagen erscheinen Luchse oft auf offenen Felsen. Eine besonders gute Zeit für Familien mit ruhigeren Wegen und wenig Andrang.

Sommer — Juni bis August

Sattes Grün, dichter Bewuchs, häufige Sichtungen an den Wasserstellen. In den Schulferien gehört das Areal zu den meistbesuchten Zielen Ostbayerns, deshalb lohnt sich ein früher Start. Am Abend zwischen achtzehn und zwanzig Uhr werden die Wölfe wieder aktiver.

Herbst — September bis November

Die Buchen färben sich gelb-orange, im Hintergrund der Falkenstein-Hänge stehen die alten Lärchen feuerrot. Wisente und Urwildpferde bekommen ihr dichtes Winterfell, die Luchse sind aktiver. Ein klarer Septembertag im Tierfreigelände gehört zu den schönsten Erlebnissen im gesamten Bayerwald-Kalender.

Winter — Dezember bis Februar

Schnee bis in tiefe Lagen, oft mehr als ein Meter Schneehöhe. Wölfe heulen in der Paarungszeit zwischen Februar und April besonders häufig, die Urwildpferde zeigen ihr volles Winterfell. Der Hauptrundweg wird geräumt, festes Schuhwerk ist Pflicht. Sonderführungen Spurenlesen im Schnee gehören zu den beliebtesten Programmen der Saison.

HÄUFIGE FRAGEN

Wo genau liegt das Tierfreigelände im Nationalparkzentrum Falkenstein?

Das Tierfreigelände schließt direkt an das Haus zur Wildnis in der Böhmstraße 35 im Lindberger Ortsteil Ludwigsthal an, rund zwölf Kilometer nordwestlich von Zwiesel im Landkreis Regen. Die Lage direkt an der B11 und am Waldbahn-Haltepunkt Ludwigsthal macht das Areal zum nördlichen Eingang in den Nationalpark Bayerischer Wald, das südliche Pendant ist das Tierfreigelände am Hans-Eisenmann-Haus bei Neuschönau.

Kostet der Besuch Eintritt?

Nein, das gesamte Tierfreigelände und das angeschlossene Haus zur Wildnis sind ganzjährig kostenfrei zugänglich. Auch die beiden großen Besucherparkplätze direkt am Eingang sind gebührenfrei. Geld fällt nur für das Bistro, den Nationalpark-Shop und vereinzelte Sonderführungen an. Damit gehört das Tierfreigelände Falkenstein zu den preiswertesten Familienausflugszielen im gesamten Bayerischen Wald.

Welche Tiere kann man in Falkenstein sehen?

Im Tierfreigelände leben Wölfe in zwei getrennten Rudeln, eurasische Luchse, europäische Wisente, mongolische Urwildpferde (Przewalski-Pferde), Wildkatzen, Fischotter, Auerhühner, Habichtskäuze, Fischadler und weitere heimische Arten. Insgesamt sind rund 25 Tierarten in naturnahen Großgehegen vertreten. Bären gibt es nicht — die leben ausschließlich im südlichen Schwestergehege am Hans-Eisenmann-Haus bei Neuschönau.

Gibt es im Tierfreigelände Falkenstein Bären?

Nein, Braunbären leben nur im Tierfreigelände am Hans-Eisenmann-Haus bei Neuschönau, nicht in Falkenstein. Wer beide Arten plus Wisente und Urwildpferde sehen will, plant einen Wechseltag und kombiniert die Besuche der beiden Nationalpark-Zentren. Die Strecke zwischen Ludwigsthal und Neuschönau dauert mit dem Auto rund 35 Minuten, in der Hauptsaison verbindet auch der Igelbus die beiden Standorte.

Wie lang ist der Rundweg durch das Gehege?

Der zentrale Hauptrundweg ist rund 3,5 Kilometer lang, mit allen Aussichtsschleifen kommen Besucher leicht auf vier bis fünf Kilometer. Die reine Gehzeit liegt bei eineinhalb bis zwei Stunden, mit ausgiebigen Beobachtungspausen an Wolf- und Luchsgehege plant man gut drei Stunden. Mehrere kürzere Schleifen erlauben auch verkürzte Varianten für Besucher mit kleinen Kindern oder eingeschränkter Mobilität.

Ist das Tierfreigelände barrierefrei zugänglich?

Der zentrale Hauptweg ist überwiegend geschottert, breit angelegt und mit moderaten Steigungen ausgeführt. Familien mit Kinderwagen, Rollstuhlfahrer und Besucher mit Rollator schaffen den Großteil der Schleife problemlos. Leihrollstühle und Bollerwagen lassen sich am Empfang gegen Pfand reservieren, behindertengerechte Toiletten finden sich am Eingang und an der Steinzeithöhle. Einzelne Nebenwege sind etwas steiler und nicht für Rollstühle geeignet.

Wann sind die Tiere am aktivsten?

In den ersten zwei Stunden nach Sonnenaufgang sind Wölfe, Luchse und Urwildpferde besonders aktiv. Wer das Areal vor neun Uhr betritt, erlebt deutlich mehr Bewegung als an einem heißen Mittag. Im Sommer lohnt zusätzlich die Abendstunde zwischen achtzehn und zwanzig Uhr, wenn die Hitze nachlässt. Im Winter sind die Tiere meist den ganzen Tag aktiv, weil die niedrigen Temperaturen ihrer Lebensweise entsprechen.

Wann ist die beste Reisezeit für einen Besuch?

Mai bis Oktober gilt als beste Hauptreisezeit, weil das Wetter stabil ist und alle Tiere gut zu sehen sind. Besonders eindrucksvoll sind die Wochen zwischen Mitte Februar und Anfang April, wenn die Wölfe in der Paarungszeit besonders häufig heulen. Im Mai zeigen die Auerhähne ihre Balz, im Oktober ist die Herbstfärbung um die Wisentkoppel spektakulär. Im Winter verwandelt sich das Areal in eine ruhige Schneelandschaft.

Wie komme ich ohne Auto zum Tierfreigelände?

Der Haltepunkt Ludwigsthal liegt an der Waldbahn der Länderbahn und wird mehrfach täglich von Plattling, Zwiesel und Bayerisch Eisenstein angefahren. Vom Bahnsteig sind es rund 200 Meter beziehungsweise drei Gehminuten zum Eingang. Wer einen GUTi-Gästepass aus einer Pension im Bayerischen Wald besitzt, fährt die Waldbahn und alle Igelbus-Linien des Nationalparks kostenfrei. Ergänzend bedienen die Igelbus-Linien das Areal in der Hauptsaison.

Gibt es Führungen und welche lohnen sich besonders?

Die Nationalpark-Verwaltung bietet ganzjährig kostenfreie Ranger-Führungen zu Wolf, Luchs, Wisent und Urwildpferd an. Besonders beliebt sind die Programme Mit dem Förster zu Wolf und Luchs am Vormittag, Wolfs-Heulen im Februar sowie Spurenlesen im Schnee im Winter. Die Termine wechseln saisonal und stehen am Empfang aus, eine Anmeldung empfiehlt sich vor allem für die Wolfs-Heulen-Touren in der Paarungszeit.

Wie viel Zeit sollte man einplanen?

Für einen reinen Rundgang reichen zweieinhalb bis drei Stunden, mit Besuch der Ausstellung im Haus zur Wildnis und einer Bistro-Pause werden daraus leicht vier bis fünf Stunden. Wer die Steinzeithöhle und den Pflanzenpark mitnimmt, plant einen halben Tag bis frühen Nachmittag ein. Familien mit Kindern und Besucher mit Foto-Interesse sollten lieber einen vollen Tag einplanen, weil sich Geduld an den Sichtfenstern wirklich auszahlt.

Kann ich das Tierfreigelände mit dem Schwestergehege Lusen kombinieren?

Ja, viele Besucher planen für Falkenstein und Lusen jeweils einen halben Tag oder einen ganzen Tag pro Areal. Die Strecke zwischen Ludwigsthal und Neuschönau dauert mit dem Auto rund 35 Minuten, in der Hauptsaison verbindet auch der Igelbus die beiden Standorte. Inhaltlich ergänzen sich die Gehege gut, weil Falkenstein die Schwerpunkte Urwildpferd und Wisent setzt, während Lusen mit Braunbären, einem 7-Kilometer-Rundweg und dem Baumwipfelpfad punktet.
Was denkst du? Schreib uns deine Meinung in die Kommentare — wir lesen jedes Feedback und antworten gern.
Kommentar schreiben →