Reykjavík ist mit rund 140.000 Einwohnern die nördlichste Hauptstadt der Welt und das politische, kulturelle und wirtschaftliche Zentrum Islands. Die Stadt liegt am Faxaflói an der Südwestküste auf 64 Grad nördlicher Breite, nur etwa 280 Kilometer südlich des Polarkreises. Das Stadtbild ist niedrig, bunt bemalt und von Wellblechfassaden geprägt — überragt nur von der 74,5 Meter hohen Hallgrímskirkja. Reykjavík ist Ausgangspunkt für den Golden Circle mit Þingvellir, Geysir und Gullfoss, für die Blaue Lagune und für Nordlicht-Touren von September bis April. Wer aus Deutschland anreist, fliegt in rund 3,5 Stunden direkt nach Keflavík und ist über die Flybus-Verbindung in 45 Minuten in der Innenstadt. Dieses Briefing fasst alle Sehenswürdigkeiten, Tagesausflüge und praktischen Tipps zusammen.
Anreise und Erreichbarkeit
Reykjavík ist von Deutschland aus überraschend gut erreichbar. Direktflüge ab Frankfurt, München, Berlin und Hamburg landen nach etwa 3,5 Stunden in Keflavík, dem internationalen Flughafen rund 50 Kilometer südwestlich der Stadt. Von dort übernehmen Flybus, Mietwagen oder Taxi den Transfer in die Innenstadt. Eine direkte Bahnverbindung existiert auf Island grundsätzlich nicht — das Land hat keinerlei Eisenbahnnetz.
Mit dem Flugzeug
Der Keflavík International Airport (KEF) ist das Tor zu Island. Direktflüge aus Deutschland bedienen vor allem Icelandair, Eurowings, Lufthansa und im Sommer Discover Airlines. Die Flugzeit beträgt 3:20 bis 3:45 Stunden ab Frankfurt, München und Berlin. Im Sommer gibt es bis zu 25 Flüge pro Woche aus Deutschland, im Winter deutlich weniger. Innerhalb des Schengenraums entfällt die Passkontrolle, ein Personalausweis genügt. Reykjavík selbst besitzt zusätzlich den kleinen Inlandsflughafen Reykjavíkurflugvöllur (RKV) mitten in der Stadt — er bedient ausschließlich Inlandsflüge nach Akureyri, Egilsstaðir, Ísafjörður sowie nach Grönland und zu den Färöern.
Vom Flughafen in die Stadt
Vom Keflavík Airport in die Innenstadt sind es 50 Kilometer auf der Reykjanesbraut. Der Flybus von Reykjavík Excursions fährt jede Ankunft an, benötigt rund 45 Minuten zum BSÍ Busterminal und kostet etwa 35 EUR pro Person. Der Airport Direct Express ist eine schnellere Alternative mit Hoteltransfer. Ein Taxi für die gleiche Strecke schlägt mit 130 bis 170 EUR zu Buche. Mietwagen werden direkt am Terminal übernommen — alle großen Anbieter wie Hertz, Avis, Europcar und der isländische Spezialist Blue Car Rental sind vertreten.
Mit dem Auto in Reykjavík
Innerhalb von Reykjavík ist das Auto eher Last als Vorteil. Die Innenstadt rund um Laugavegur ist kompakt, vieles in Gehweite. Parkzonen P1 bis P4 reichen vom Stadtzentrum nach außen — P1 kostet etwa 350 ISK pro Stunde (rund 2,30 EUR), P4 nur 100 ISK. Wer den Golden Circle, die Reykjanes-Halbinsel oder den Süden erkunden will, kommt am Mietwagen aber kaum vorbei. Die Ringstraße (Route 1) führt einmal um die Insel — 1.332 Kilometer in mindestens sieben Tagen.
Mit dem ÖPNV
Das städtische Busunternehmen Strætó (straeto.is) bedient die gesamte Hauptstadtregion mit gelben Bussen. Eine Einzelfahrt kostet 630 ISK (rund 4,20 EUR), Tages- und Mehrtageskarten sind über die Klappa-App erhältlich. Wichtige Linien für Touristen sind 14 (Hlemmur — Höfði — Grafarvogur), 1 (Hafnarfjörður — Vesturbær) und 12 (Hlemmur — Hafnarfjörður). Die Strætó-App zeigt Live-Standorte aller Busse. Für Tagesausflüge gibt es zudem das Landsbyggðin-Überlandnetz von Strætó, das Selfoss, Hvolsvöllur, Akureyri und weitere Orte bedient.
Vor Ort bewegen
Reykjavík ist eine Fußgänger-Stadt. Vom Hallgrímskirkja-Turm bis zum Alten Hafen sind es nur 1,2 Kilometer. Fahrräder gibt es bei Reykjavík Bike Tours, WOW Cyclothon und über das städtische Leihrad-System. Elektroroller von Hopp und Zolo stehen flächendeckend bereit. Wer in den umliegenden Tälern wandern will, kommt mit dem Strætó zu den Wanderparkplätzen Heiðmörk und Esja.
Die großen Sehenswürdigkeiten
Reykjavík konzentriert seine bedeutendsten Bauwerke auf engstem Raum. Wer einen Tag in der Stadt hat, kann fast alle Hauptattraktionen zu Fuß abklappern — vom alten Hafen über die Harpa zur Hallgrímskirkja sind es nur 25 Minuten Fußmarsch.
Hallgrímskirkja
Die lutherische Pfarrkirche Hallgrímskirkja ist das unbestrittene Wahrzeichen der Stadt. Architekt Guðjón Samúelsson entwarf sie 1937 als Hommage an die Basaltsäulen-Landschaften Islands (etwa am Wasserfall Svartifoss). Der Bau dauerte 41 Jahre und endete 1986. Mit 74,5 Metern ist sie das fünfthöchste Bauwerk Islands. Der Lift fährt für 1.400 ISK (rund 9 EUR) auf die Aussichtsplattform in 73 Metern Höhe — von oben überblickt man die bunten Wellblechdächer, die Faxaflói-Bucht und an klaren Tagen sogar den Snæfellsjökull-Gletscher in 120 Kilometern Entfernung. Vor der Kirche steht die Statue von Leifur Eiríksson, ein Geschenk der USA zum 1.000-jährigen Bestehen des isländischen Althing.
Harpa Konzerthaus
Die Harpa am Alten Hafen eröffnete 2011 mitten in der Finanzkrise und wurde 2013 mit dem Mies-van-der-Rohe-Preis ausgezeichnet. Die Glasfassade aus 714 Hexagon-Modulen stammt vom dänisch-isländischen Künstler Ólafur Elíasson und ist eine Hommage an die Basaltsäulen der Insel. Tagsüber spiegelt die Fassade Wolken und Wasser, abends leuchtet sie in wechselnden Farben. Das Haus beherbergt das Isländische Symphonieorchester, die Isländische Oper und das Reykjavík Big Band. Der Zutritt zum Foyer und zu den Aussichtsplattformen ist kostenlos und auch ohne Konzertticket lohnenswert.
Sun Voyager (Sólfar)
Die Edelstahlskulptur Sólfar — auf Deutsch Sonnenfahrt oder Sonnen-Wanderer — steht seit 1990 an der Sæbraut-Uferpromenade, etwa 600 Meter östlich der Harpa. Künstler Jón Gunnar Árnason entwarf das 4 Meter lange und 2,5 Tonnen schwere Werk als Ode an die Sonne und das Versprechen neuer Welten. Anders als oft behauptet ist es kein Wikingerschiff, sondern eine abstrakte Traum-Konstruktion. Bei Sonnenuntergang im Juni — die Sonne geht um 0:03 Uhr unter und um 2:54 Uhr wieder auf — entstehen hier die ikonischsten Fotos der Stadt.
Laugavegur
Der Laugavegur ist die Haupteinkaufsstraße Reykjavíks und führt vom Hlemmur Square westwärts in Richtung Hafen. Der Name bedeutet wörtlich Waschweg — hier brachten die Frauen früher ihre Wäsche zu den heißen Quellen in Laugardalur. Heute reihen sich entlang 1,2 Kilometer Cafés, Galerien, Designshops und die berühmten Wollpullover-Geschäfte aneinander. Klassiker sind die Handstrickerei der Isländischen Wollvereinigung Handprjónasamband Íslands, das Kaffi Mokka (Reykjavíks ältestes Café von 1958) und der Plattenladen 12 Tónar. Im Sommer wird die Straße zur Fußgängerzone.
Tjörnin — der Stadtsee
Die Tjörnin, der kleine Stadtsee im Zentrum, ist nur 8,1 Hektar groß und maximal 2,1 Meter tief. Trotzdem ist er das Herz Reykjavíks — am Nordufer steht das Rathaus Ráðhús Reykjavíkur mit der bekannten 3D-Karte Islands im Foyer, am Südwestufer die National-Galerie Listasafn Íslands. Mehr als 40 Vogelarten brüten am Ufer, darunter Schwäne, Eiderenten, Säbelschnäbler und Rotschenkel. Im Winter wird die Tjörnin zur größten Eisbahn der Stadt — die Gemeinde hält einen Teil eisfrei für die Wasservögel und füttert sie täglich.
Perlan
Auf dem Hügel Öskjuhlíð, 61 Meter über dem Meer, ruht die Perlan auf sechs Warmwassertanks. Ursprünglich rein technisch gedacht, wurde 1991 die markante Glaskuppel mit Aussichtsplattform und drehendem Restaurant eröffnet. Heute beherbergt die Perlan das Wonders of Iceland Museum mit künstlicher Eishöhle, Nordlicht-Planetarium und einem 100 Meter langen Aquarium. Die Aussichtsplattform in 25 Metern Höhe ist kostenlos und bietet einen 360-Grad-Blick über Reykjavík, die Halbinsel Seltjarnarnes und bei klarem Wetter bis zum Vulkan Hekla in 120 Kilometern Entfernung.
Alter Hafen und Grandi
Der Alte Hafen (Gamla Höfn) hat sich vom Fischereihafen zum Hotspot für Whale-Watching, Puffin-Touren und Streetfood entwickelt. Im Stadtteil Grandi nordwestlich davon liegen das Saga Museum, das Maritime Museum Víkin und die Fischmarkthalle Granda Mathöll. Vom Pier starten täglich Touren von Elding und Special Tours zu den Walgebieten in der Faxaflói-Bucht — Sichtungschance für Zwerg-, Buckel- und sogar Blauwale liegt im Sommer bei rund 90 Prozent.
Die 6 wichtigsten Reykjavík-Erlebnisse im Überblick
Hallgrímskirkja-Turm besteigen
74,5 Meter hohe Basaltsäulen-Kirche im Zentrum. Lift bis 73 m, Aussichtsplattform mit Rundumblick über Reykjavík und Faxaflói. Eintritt rund 9 EUR, im Sommer täglich 9 bis 21 Uhr geöffnet.
Harpa-Konzert oder Foyer-Besuch
Preisgekröntes Konzerthaus von Henning Larsen und Ólafur Elíasson. Foyer-Eintritt kostenlos, Führungen 20 EUR. Klassikkonzerte ab 35 EUR, Reykjavík Classics-Reihe besonders empfehlenswert.
Whale-Watching Faxaflói-Bucht
3 Stunden auf der Bucht, Start am Alten Hafen. Sichtungsrate im Sommer bei 90 Prozent, Zwerg- und Buckelwale am häufigsten. Anbieter Elding und Special Tours, Preis ab 90 EUR pro Person.
Sun Voyager zum Sonnenuntergang
Edelstahl-Skulptur an der Sæbraut, 600 Meter östlich der Harpa. Im Juni geht die Sonne nie wirklich unter — beste Fotozeit zwischen 23 und 1 Uhr nachts. Kostenlos, jederzeit zugänglich.
Laugavegur-Bummel mit Wollpullover-Kauf
1,2 Kilometer Einkaufsstraße. Handgestrickte Lopapeysa-Pullover bei der Handprjónasamband-Vereinigung kosten rund 220 EUR. Klassiker-Cafés Mokka, Stofan und Reykjavík Roasters.
Perlan-Museum und Aussicht
Glaskuppel auf sechs Warmwassertanks, 25 m hohe Plattform kostenlos. Museum mit künstlicher Eishöhle, Nordlicht-Planetarium und Aquarium, Kombiticket rund 38 EUR. Stadtbus Linie 18.
Tagesausflüge ab Reykjavík
Die ganz große Stärke Reykjavíks liegt in der Nähe zu den isländischen Naturwundern. Innerhalb eines Tagesausflugs lassen sich der Golden Circle, die Blaue Lagune, die Reykjanes-Halbinsel und die Südküste mit ihren schwarzen Stränden bequem erkunden. Wer mehr Zeit hat, kombiniert die Touren.
Der Golden Circle
Der Golden Circle ist die klassische Tagesrundfahrt — rund 230 Kilometer Schleife östlich von Reykjavík mit drei legendären Stopps. In Þingvellir tagte ab 930 das Althing, eines der ältesten Parlamente der Welt; gleichzeitig driften hier die Eurasische und die Nordamerikanische Kontinentalplatte um zwei Zentimeter pro Jahr auseinander. Im Haukadalur-Tal liegt das Geothermal-Gebiet Geysir — der namensgebende Große Geysir ruht heute, sein kleiner Bruder Strokkur schießt aber alle 6 bis 10 Minuten 20 bis 30 Meter hoch. Der Gullfoss-Wasserfall stürzt in zwei Stufen 32 Meter in die Hvítá-Schlucht; das Wasser kommt vom Langjökull-Gletscher und führt im Sommer bis zu 140 Kubikmeter pro Sekunde.
Blaue Lagune (Bláa Lónið)
Die Blaue Lagune liegt 47 Kilometer südwestlich von Reykjavík auf der Reykjanes-Halbinsel, nur 23 Kilometer vom Flughafen entfernt — ideal als Stopp vor dem Heimflug. Das 37 bis 39 Grad warme Wasser stammt aus dem nahen Geothermal-Kraftwerk Svartsengi und ist durch gelösten Silica milchig blau gefärbt. Der Eintritt beginnt bei 75 EUR (Comfort) und reicht bis 105 EUR (Premium) — alles muss vorab gebucht werden, spontane Besuche sind seit 2018 nicht mehr möglich. Wer es ursprünglicher mag, fährt zur Sky Lagoon in Kópavogur oder ins ältere Geothermalbad Krauma am Deildartunguhver.
Reykjanes-Halbinsel
Die Reykjanes-Halbinsel südwestlich der Stadt ist seit 2021 wieder vulkanisch aktiv. Die Fagradalsfjall-Eruption von März 2021 zog Hunderttausende Schaulustige an, seither folgten weitere Eruptionen am Litli-Hrútur (2023) und am Sundhnúkur (2023 bis 2024). Auch ohne aktive Lava lohnt die Rundfahrt — am Krýsuvík dampfen Schlammquellen, am Brimketill rauscht die Brandung in einen runden Naturpool, am Leuchtturm Reykjanesviti steht man am westlichsten Punkt Europas.
Südküste mit Seljalandsfoss und Skógafoss
Die Tagestour Südküste führt 250 Kilometer entlang der Ringstraße bis Vík. Erster Stopp ist der Seljalandsfoss, ein 60 Meter hoher Wasserfall, hinter den man bei trockenem Wetter laufen kann. 30 Kilometer weiter liegt der Skógafoss — gleich breit wie hoch (25 m), oft mit Regenbogen. Am Strand Reynisfjara bei Vík stehen die berühmten Basaltsäulen Reynisdrangar im Wasser. Wichtig — die Wellen am Reynisfjara sind extrem gefährlich (Sneaker Waves), bitte den Abstand zur Brandung halten.
Nordlicht-Touren
Von September bis April sind die Polarlichter sichtbar — bei klarem Himmel, geringer Lichtverschmutzung und ausreichender Sonnenaktivität (Kp-Index ab 3). Die Lichtverschmutzung in Reykjavík ist zu hoch — Jäger fahren mit Reykjavík Excursions, Gateway to Iceland oder Mountaineers of Iceland 30 bis 60 Minuten aus der Stadt heraus. Beste Spots sind Þingvellir, Grótta auf Seltjarnarnes und das Heiðmörk-Tal. Eine 3- bis 5-stündige Tour kostet 70 bis 110 EUR, kostenlose Wiederholungsfahrt bei Nicht-Sichtung üblich.
Vergleich der wichtigsten Tagesausflüge
Die Tabelle vergleicht die fünf beliebtesten Tagestouren ab Reykjavík. Wer nur einen Tag hat, sollte den Golden Circle priorisieren — die Kombination aus historischem Þingvellir, aktivem Strokkur und mächtigem Gullfoss deckt die wichtigsten Island-Klischees in nur einer Schleife ab.
Geschichte und Charakter der Stadt
Reykjavík bedeutet wörtlich Rauchbucht — eine Anspielung des Wikinger-Siedlers Ingólfur Arnarson, der um 874 die Dampfsäulen der heißen Quellen für Rauch hielt. Der Legende nach warf er seine Hochsitzpfosten ins Meer und siedelte dort, wo sie an Land trieben. Bis 1750 blieb der Ort ein Bauerndorf, dann begann der dänische Kaufmann Skúli Magnússon mit dem Aufbau der ersten Industrie. 1786 erhielt Reykjavík das Stadtrecht. 1874 zog das Althing aus Þingvellir nach Reykjavík um, 1918 wurde Island souveräner Staat unter dänischer Krone, am 17. Juni 1944 die Republik ausgerufen — exakt am Geburtstag von Jón Sigurðsson, dem isländischen Nationalhelden.
Wellblech und bunte Farben
Das charakteristische Wellblech kam Ende des 19. Jahrhunderts aus Großbritannien — billig, leicht zu transportieren und resistent gegen die feuchte Witterung. Holz war auf der baumarmen Insel teuer, Wellblech wurde zum Standardmaterial. Die kräftigen Farben Rot, Blau, Grün und Gelb sind kein touristisches Gimmick, sondern Tradition. Die schönsten Wellblechhäuser finden sich in den Stadtteilen Þingholt und Skólavörðuholtið, gleich unterhalb der Hallgrímskirkja.
Designszene und Streetart
Reykjavík hat trotz seiner Größe eine ausgesprochen lebendige Kreativszene. Die Iceland Academy of the Arts und das Reykjavík Art Museum stellen die nächste Generation aus. Streetart prägt vor allem die Hverfisgata und den Hinterhof Heimaværinden in Hlemmur. Designshops wie Aurum, Hrím und Geysir verkaufen isländische Mode, Schmuck und Keramik. Die Wollpullover-Tradition (Lopapeysa) erlebt seit den 2010er Jahren eine Renaissance — der typische Schultermuster ist erst seit den 1950ern Mode, aber heute Nationalsymbol.
Essen, Trinken und isländische Spezialitäten
Die isländische Küche ist von der harten Geografie geprägt — wenig Gemüse, viel Lamm, Fisch und Milchprodukte. Skyr (ein dickflüssiger Frischkäse) ist das Nationalprodukt, seit den 2010er Jahren weltweit bekannt. Plokkfiskur (Fisch-Stampf), Kjötsúpa (Lammsuppe) und Hangikjöt (geräuchertes Lamm) sind die Klassiker. Auf den Mut-Speisekarten stehen Hákarl (fermentierter Grönlandhai) und Svið (gekochter Schafskopf) — beides eher Folklore als Alltag. Hot Dogs (Pylsur) sind Volkssport — die Bæjarins Beztu Pylsur am Hafen, seit 1937 geöffnet, hat sogar Bill Clinton bedient.
Geothermal-Bäder vor der Tür
Reykjavík hat 18 öffentliche Geothermalbäder — die meisten kosten nur rund 8 EUR Eintritt und sind ein zentraler sozialer Treffpunkt. Größtes Bad ist Laugardalslaug mit 50-m-Becken, mehreren Hot Pots (38 bis 42 Grad) und einer Rutsche. Vesturbæjarlaug im Westen ist Hipster-Treffpunkt, Sundhöll im Zentrum 1937 als Stadtbad eröffnet. Die Sky Lagoon in Kópavogur (eröffnet 2021) ist die luxuriöse Alternative zur Blauen Lagune, mit 7-Schritt-Ritual.
Praktische Tipps für die Reykjavík-Reise
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Preisniveau realistisch einkalkulieren
Island ist eines der teuersten Reiseländer der Welt. Ein Hauptgericht im Restaurant kostet 28 bis 45 EUR, ein Bier 9 bis 12 EUR. Wer spart, geht in die Bonus- oder Krónan-Supermärkte und kocht selbst — viele Apartments haben Küche. Mineralwasser ist überflüssig, das Leitungswasser ist eines der reinsten der Welt.
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Bargeld ist nicht nötig
Island ist nahezu bargeldlos. Kreditkarten werden überall akzeptiert, auch auf öffentlichen Toiletten und an Parkautomaten. Eine Visa- oder Mastercard mit PIN reicht. Wer doch ISK abhebt, sollte die geringe Stückelung wählen — viele Geschäfte können große Scheine nicht wechseln.
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Wetter wechselt im Minutentakt
Das isländische Sprichwort lautet — wenn dir das Wetter nicht passt, warte fünf Minuten. Auch im Juni kann es 4 Grad und Schneeregen geben. Zwiebelschicht-Prinzip mit wasserdichter Außenschicht, Mütze und Handschuhen auch im Sommer einpacken. Eine Lopapeysa unter der Regenjacke ist Standard.
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Reykjavík City Card lohnt sich
Die Reykjavík City Card kostet 24 Stunden rund 28 EUR und schließt freien Eintritt zu allen 7 städtischen Geothermalbädern, allen 5 Reykjavíker Museen, der Strætó-Stadtbusse und der Fähre nach Viðey ein. Ab zwei Geothermalbädern oder einem Museum plus Bus lohnt sich die Karte.
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Apps vorab installieren
Strætó-App für Stadtbusse, Klappa-App für Bus-Tickets, Veður-App für Wetter, SafeTravel.is und 112 Iceland für Notfälle und GPS-Tracking bei Wanderungen. Hopp und Zolo für E-Roller. Die offizielle App visitreykjavik.is bündelt Events und Öffnungszeiten.
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Barrierefreiheit ist gut, aber nicht perfekt
Reykjavíks Innenstadt ist fast komplett ebenerdig und gepflastert, die Bürgersteige sind breit. Hallgrímskirkja, Harpa und Perlan haben Aufzüge. Wer mit Rollstuhl reist, sollte für Touren in den Golden Circle nach barrierefreien Bussen fragen — Reykjavík Excursions und Iceland ProTravel bieten passende Fahrzeuge.
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Sommernächte mit Schlafmaske bewältigen
Im Juni geht die Sonne kaum unter — viele Hotels haben Blackout-Rollos, aber nicht alle. Wer empfindlich schläft, packt eine Schlafmaske ein. Umgekehrt im Dezember nur 4 Stunden Tageslicht (Sonnenaufgang 11:23, Untergang 15:32) — Vitamin D mitnehmen oder reichlich Lebertran.
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Regenschirm ist sinnlos
Der isländische Wind ist meist zu stark für Regenschirme — selbst stabile Modelle werden umgedreht. Stattdessen Hardshell-Jacke mit Kapuze. Bei extremen Windwarnungen (über 25 m/s) sollten Mietwagen-Türen vorsichtig geöffnet werden, sonst sind sie aus den Scharnieren — die isländische Mietwagen-Versicherung deckt diesen Schaden nicht.
Insider-Tipps
Wo Einheimische essen gehen
Das Touristen-Restaurant Geysir oder Lebowski Bar lohnen sich nicht. Locals gehen in den Matur og Drykkur in Grandi (modernes isländisches Heritage-Menü), in den Sushi Social am Þingholtsstræti (isländischer Fisch nach japanischer Art) oder ins Fish Market mit Tapas-Konzept. Für mittags ist die Hlemmur Mathöll-Markthalle erste Wahl — 10 Stände mit allem von vietnamesischem Pho bis isländischem Lamm.
Geheime Aussichtspunkte
Statt auf die überlaufene Hallgrímskirkja kann man auch auf den Hügel Grótta auf Seltjarnarnes fahren — kostenlos, am Leuchtturm mit Blick zur Snæfellsnes-Halbinsel. Bei Niedrigwasser läuft man trockenen Fußes zur Insel Grótta. Auch der Hausberg Esja ist in 2 Stunden bestiegen und bietet eine der besten Aussichten auf die Stadt.
Bücher und Musik mitnehmen
Mál og Menning auf dem Laugavegur ist die größte Buchhandlung der Stadt und hat den besten Island-Reise-Reiseregal. Im Plattenladen 12 Tónar im Skólavörðustígur kann man im Hinterzimmer bei Espresso CDs hören. Für Sigur Rós, Björk und Ásgeir Trausti ist 12 Tónar die richtige Adresse.




