Das Nationalparkzentrum Lusen bei Neuschönau im Landkreis Freyung-Grafenau ist das größte und meistbesuchte Besucherzentrum im Nationalpark Bayerischer Wald und bündelt drei der bekanntesten Attraktionen Ostbayerns auf einem zusammenhängenden Areal. Im Mittelpunkt steht das Hans-Eisenmann-Haus, das als zentrale Informations- und Ausstellungsplattform 1982 eröffnet und 2014 mit einer komplett neuen Dauerausstellung versehen wurde. Direkt anschließend erstreckt sich das rund 200 Hektar große Tierfreigelände mit weitläufigen, naturnah gestalteten Gehegen für Luchs, Wolf, Braunbär, Wildkatze, Fischotter, Auerhuhn, Habichtskauz und weitere heimische Tierarten, von denen viele in der freien Wildbahn längst kaum noch zu beobachten sind. Den dritten Baustein bildet der 2009 eröffnete Baumwipfelpfad Bayerischer Wald, dessen 1.300 Meter langer Holzsteg in bis zu 25 Metern Höhe durch die Kronen alter Buchen und Fichten führt und schließlich in einem 44 Meter hohen, eiförmigen Holzturm gipfelt — bis heute der höchste seiner Art weltweit. Eintritt in Museum und Tierfreigelände ist kostenfrei, für den Baumwipfelpfad fällt ein separates Ticket an, und die Hauptsaison reicht von März bis Anfang November.
Anreise und Erreichbarkeit
Das Nationalparkzentrum Lusen liegt am östlichen Rand der Gemeinde Neuschönau, rund zehn Autominuten von Grafenau und zwanzig Minuten von Freyung entfernt. Es ist von den Hauptachsen des bayerischen Straßennetzes aus gut ausgeschildert, und in der Hauptsaison wird das Areal regelmäßig von den Igelbussen des Nationalparks angefahren.
Mit dem Auto
Aus Richtung München kommend führt die A92 bis Deggendorf, von dort geht es weiter auf der B85 nach Regen und über Spiegelau nach Neuschönau. Aus Richtung Passau erreicht man das Zentrum über die A3 bis Hengersberg, weiter auf der B533 nach Grafenau und von dort auf der Staatsstraße nach Neuschönau. Vor Ort stehen mehrere große Besucherparkplätze direkt am Hans-Eisenmann-Haus sowie an den Zugängen zum Baumwipfelpfad zur Verfügung, das Parken ist gebührenpflichtig, an Wochenenden in den Sommer- und Herbstferien füllen sich die Flächen häufig schon am späten Vormittag.
Mit der Bahn und dem ÖPNV
Die nächsten Bahnhöfe sind Grafenau und Spiegelau an der Waldbahn, die als Linie der Länderbahn mehrfach täglich von Plattling und Zwiesel angefahren werden. Ab den Bahnhöfen übernehmen die Igelbusse des Nationalparks die Verteilung in die Wandergebiete, die Lusen-Linie hält direkt am Nationalparkzentrum. Mit dem GUTi-Gästepass vieler Pensionen und Ferienhäuser im Bayerischen Wald nutzen Übernachtungsgäste Bahn und Igelbus im Tarifgebiet kostenfrei.
Mit dem Flugzeug
Für internationale Gäste sind die Flughäfen München, Nürnberg und Linz die naheliegende Wahl. Von München dauert die Anfahrt mit Mietwagen rund zweieinhalb Stunden, von Nürnberg knapp drei und von Linz etwa zwei Stunden. Wer per Bahn anreist, steigt in Plattling oder Passau auf die Waldbahn um und nutzt von Grafenau aus die Igelbusse.
Vor Ort bewegen und Parken
Das gesamte Areal des Nationalparkzentrums ist konsequent für Fußgänger ausgelegt. Vom Hauptparkplatz am Hans-Eisenmann-Haus erreicht man das Tierfreigelände, den Baumwipfelpfad und das Waldspielgelände auf gut ausgeschilderten, barrierefreien Wegen. Behindertenparkplätze sind direkt am Eingang ausgewiesen, Rollstühle und Kinderwagen können kostenfrei ausgeliehen werden. Wer den ganzen Tag bleibt, läuft zwischen Museum, Gehegen und Baumwipfelpfad zwischen sieben und zehn Kilometern.
Hans-Eisenmann-Haus, Tierfreigelände und Baumwipfelpfad
Das Nationalparkzentrum Lusen ist kein klassisches Einzelmuseum, sondern eine kuratierte Kombination aus Bildungsangebot, lebendigem Tierpark und Architektur-Erlebnis. Drei große Bausteine greifen ineinander und lassen sich an einem ausgedehnten Tag bequem zu Fuß verbinden, ohne dass man das Auto noch einmal bewegen müsste.
Das Hans-Eisenmann-Haus
Das nach dem bayerischen Staatsminister und Nationalpark-Gründervater Hans Eisenmann benannte Besucherzentrum ist das informationelle Herzstück. Die Dauerausstellung Wege in die Wildnis erklärt auf rund 660 Quadratmetern die Idee des Nationalparks, das Prinzip Natur Natur sein lassen, die Geschichte der Borkenkäfer-Wälder, die Geologie des Granitsockels und die heimische Tier- und Pflanzenwelt. Interaktive Stationen, eine begehbare Baumhöhle, Tierstimmen-Säulen und ein 3D-Geländemodell machen die Inhalte für alle Altersgruppen erfahrbar, mehrsprachige Audio-Guides erläutern die Stationen auch auf Englisch und Tschechisch.
Das Tierfreigelände
Vom Hans-Eisenmann-Haus aus führt ein rund sieben Kilometer langer Rundweg durch das Tierfreigelände, in dem über 40 heimische Tierarten in naturnahen Großgehegen leben. Zu sehen sind unter anderem Luchs, Wolf, Braunbär, Wildkatze, Fischotter, Biber, Habichtskauz, Auerhuhn und Wisent. Die Gehege sind so geschnitten, dass die Tiere zwar Rückzug haben, aber Geduld am Rand des Geheges fast immer mit einer Sichtung belohnt wird. Der gesamte Rundweg ist barrierearm angelegt, mit kurzen Varianten lassen sich auch nur einzelne Teile besuchen.
Der Baumwipfelpfad Bayerischer Wald
Östlich des Tierfreigeländes liegt der 2009 von der Erlebnis Akademie eröffnete Baumwipfelpfad. Auf 1.300 Metern Länge schraubt sich der Holzsteg sanft zwischen acht und 25 Metern Höhe durch die Kronen alter Mischwälder und endet in einem 44 Meter hohen, eiförmigen Holzturm, der als höchster begehbarer Baumwipfelturm der Welt gilt. Im Turminneren wachsen drei alte Bäume durch das Bauwerk hindurch, eine durchgehende Rampe macht das gesamte Gebäude bis zur Aussichtsplattform barrierefrei. Vom Turm geht der Blick über die unendlich wirkenden Wälder bis zum Lusen, zum Rachel und an klaren Tagen in den tschechischen Böhmerwald.
Die sechs Stationen im Überblick
Hans-Eisenmann-Haus mit Ausstellung
Modernes Besucherzentrum mit interaktiver Dauerausstellung Wege in die Wildnis, 3D-Geländemodell, Tierstimmen-Säulen und Buchladen. Ideal als Einstieg, bevor man hinaus ins Tierfreigelände geht. Eintritt frei, Audio-Guide kostenlos ausleihbar.
Tierfreigelände-Rundweg
Sieben Kilometer langer Hauptrundweg durch naturnahe Großgehege mit Luchs, Wolf, Bär, Wildkatze und vielen weiteren heimischen Arten. Gehzeit drei bis vier Stunden, kürzere Schleifen möglich. Barrierearm, gut beschildert, mit mehreren Rastpunkten.
Baumwipfelpfad und Turm
1.300 Meter Holzsteg in Wipfelhöhe, krönender 44 Meter hoher Holzturm mit Rundumblick auf Lusen und Rachel. Komplett rollstuhltauglich. Ticket separat, im Familienangebot mit Tierfreigelände-Führung kombinierbar.
Waldspielgelände
Großes Freigelände direkt neben dem Hans-Eisenmann-Haus mit Kletteranlagen, Wasserspielplatz, Holzbalanciergeräten und Naturentdeckerstationen. Komplett kostenfrei, ideal für Familien mit kleinen Kindern als Ausgleich zwischen Ausstellungs- und Tierfreigeländezeit.
Junior-Ranger-Programm
Saisonale Erlebnisprogramme für Kinder zwischen sechs und zwölf Jahren, geleitet von Nationalpark-Mitarbeitern. Themen reichen von Spurensuche und Borkenkäfer-Forschung bis zu Nachtwanderungen am Tierfreigelände. Anmeldung empfohlen, oft kostenfrei.
Themenführungen
Geführte Touren zu Schwerpunkten wie Wolf und Luchs, Borkenkäfer und Wildnis, Geologie des Lusen-Sockels oder Vogelwelt am Auerhuhngehege. Termine im Saisonkalender, Treffpunkt jeweils am Hans-Eisenmann-Haus. Buchung über die Nationalpark-Verwaltung.
Lusen, Falkenstein und Bayerwald-Tierpark im Vergleich
Das Nationalparkzentrum Lusen ist das größte und vielseitigste Areal im Park, während das kleinere Schwesterzentrum Falkenstein und die regionalen Tierparks eher Halbtages-Ausflüge sind.
Geschichte und Naturpädagogisches Konzept
Der Nationalpark Bayerischer Wald wurde 1970 als erster deutscher Nationalpark eingerichtet und 1997 nach Norden bis ins Falkensteingebiet erweitert. Schon 1982 entstand mit dem Hans-Eisenmann-Haus das erste große Besucherzentrum, benannt nach dem damaligen Landwirtschaftsminister Bayerns, der maßgeblich an der Parkgründung beteiligt war. Mit dem Bau des Tierfreigeländes wollte man Besuchern Begegnungen mit Arten ermöglichen, die in der freien Wildnis fast nur als Spuren oder Rufe wahrnehmbar bleiben.
Wildnis als Bildungsidee
Das pädagogische Konzept folgt dem Leitsatz Natur Natur sein lassen. Im Tierfreigelände leben die Tiere in großen Gehegen, die ihrer Lebensweise weitestgehend gerecht werden, die Ausstellung erklärt die ökologischen Zusammenhänge ohne moralischen Zeigefinger. Borkenkäferflächen, Sturmwurfgebiete und natürliche Regeneration werden ausdrücklich als Teil der Wildnis-Erzählung präsentiert, nicht als Schaden.
Junior Ranger und Schulklassen
Ein Schwerpunkt liegt auf der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen. Die Nationalpark-Verwaltung bietet ganzjährig Junior-Ranger-Programme, Klassenprojekte, mehrtägige Wildnis-Schulwochen und Lehrerfortbildungen an. Besonders beliebt ist das Erlebnisangebot Spurenleser-Pfad rund um das Hans-Eisenmann-Haus.
Forschung und Monitoring
Hinter den Kulissen ist das Nationalparkzentrum auch ein wissenschaftlicher Standort. Daten aus dem Tierfreigelände fließen in Forschungsprojekte zu Wolf, Luchs und Auerhuhn ein, viele europäische Wiederansiedlungsprojekte greifen auf Erfahrungen aus Neuschönau zurück. Ein Bibliotheks- und Seminarbereich im Hans-Eisenmann-Haus dient als Tagungsort für nationale und internationale Naturschutzkonferenzen.
Praktische Tipps für den Besuch im Nationalparkzentrum Lusen
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Hans-Eisenmann-Haus und Tierfreigelände kostenfrei
Der Eintritt in das Hans-Eisenmann-Haus und das gesamte Tierfreigelände ist ganzjährig gratis. Bezahlt wird nur für den Baumwipfelpfad mit aktuell rund 13 Euro pro Erwachsenem sowie für das Parken auf den ausgewiesenen Besucherflächen. Mit dem GUTi-Gästepass aus vielen Pensionen ist die Anreise mit Bahn und Igelbus zusätzlich kostenfrei.
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Früh starten lohnt sich
Die Tiere im Freigelände sind morgens am aktivsten, ab etwa elf Uhr ziehen sich Luchs und Wolf häufig in schattige Rückzugsbereiche zurück. Wer das Areal vor neun Uhr betritt, erlebt deutlich mehr Bewegung an den Sichtfenstern und kommt zugleich den großen Familien-Strömen am Wochenende zuvor.
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Sonnen- und Regenschutz mitnehmen
Der Rundweg im Tierfreigelände wechselt zwischen schattigem Bergmischwald und offenen Lichtungen. Im Sommer braucht es Sonnencreme und eine Kopfbedeckung, im Frühjahr und Herbst eine wasserdichte Jacke, weil sich das Wetter im Bayerwald-Hochwald oft innerhalb einer Stunde dreht.
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Verpflegung einplanen
Am Eingang des Hans-Eisenmann-Hauses gibt es ein Bistro mit warmen Speisen, Kuchen und Getränken. Wer das Tierfreigelände komplett ablaufen will, sollte zusätzlich eine kleine Brotzeit und mindestens einen Liter Wasser pro Person mitnehmen, weil entlang des Rundwegs keine Kioske liegen.
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Audioguide am Empfang holen
Im Hans-Eisenmann-Haus liegen kostenfreie Audio-Guides in Deutsch, Englisch und Tschechisch aus, die auch Stationen im Tierfreigelände erklären. Der Guide vertieft das Erlebnis deutlich, weil viele Hintergrundinfos zu Wolfsfamilien, Luchsfährten und Bärenverhalten nur dort zu hören sind.
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Baumwipfelpfad-Ticket online sichern
An schönen Wochenenden und in den Schulferien bilden sich an der Tageskasse des Baumwipfelpfads schnell Schlangen. Online-Tickets über den Webshop der Erlebnis Akademie umgehen die Wartezeit, sind zeitlich flexibel einsetzbar und kosten nicht mehr als vor Ort.
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Komplett barrierefrei nutzbar
Hans-Eisenmann-Haus, Hauptrundweg im Tierfreigelände und Baumwipfelpfad inklusive Turmrampe sind durchgängig für Rollstühle, Rollatoren und Kinderwagen geeignet. Am Empfang lassen sich Leihrollstühle und Bollerwagen reservieren, behindertengerechte Toiletten sind im gesamten Areal verteilt.
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Schlechtwetter-Plan integrieren
Bei Regen lohnt sich der Schwerpunkt auf das Hans-Eisenmann-Haus mit der weitläufigen Ausstellung, ergänzt durch das überdachte Bistro und kurze Abstecher zu den Auerhuhngehegen in unmittelbarer Nähe. Das Tierfreigelände bleibt auch bei Regen geöffnet, der Rundweg ist gut befestigt.
Insider-Tipps
Mein Lieblings-Wildtier-Spot
Das Auerhuhn-Gehege liegt etwas abseits, viele Tagesgäste lassen es aus. Wer geduldig wartet, sieht die scheuen Vögel oft besser als anderswo in den deutschen Mittelgebirgen. Frühe Morgenstunden im Mai sind die beste Zeit, wenn die Hähne mit auffälligem Balzgesang aktiv sind.
Die ruhige Schulterjahreszeit
Mitte Mai und die letzten beiden Wochen im September sind die besten Termine für einen entspannten Besuch. Das Wetter ist meist stabil, Schulferien noch nicht oder schon vorbei, und die Tiere besonders aktiv. An einem klaren Dienstag im September hat man im Tierfreigelände stellenweise das Gefühl, allein im Wald zu stehen.
Kombi mit Lusen-Gipfel
Wer den Bayerwald zum ersten Mal besucht, kombiniert idealerweise einen Tag im Nationalparkzentrum mit einem Aufstieg zum Lusen-Gipfel am Folgetag. Das Zentrum liefert das Wissens-Fundament, der Gipfel das körperliche Erlebnis. Beide Punkte liegen rund 15 Autominuten auseinander und sind im Igelbus-Netz direkt verbunden.



