Mürren liegt auf 1.638 Metern auf einem Hochplateau über dem Lauterbrunnental, gegenüber von Eiger (3.967 m), Mönch (4.107 m) und Jungfrau (4.158 m). Das Dorf ist autofrei — wer hin will, lässt das Auto in Stechelberg oder Lauterbrunnen stehen und steigt in eine Standseilbahn. Berühmt wurde Mürren durch das Drehrestaurant Piz Gloria auf dem Schilthorn (2.970 m), Schauplatz von „Im Geheimdienst Ihrer Majestät‘‘ (1969). Anders als das benachbarte Wengen ist Mürren noch kleiner, ruhiger und wirkt eher wie ein gewachsenes Bergbauerndorf mit rund 450 Einwohnern. Aktuelle Pisten- und Bergbahn-Infos pflegt die Tourismusorganisation auf muerren.swiss, Bahnverbindungen aus Deutschland auf bahn.de.
Anreise und Erreichbarkeit
Mürren ist autofrei — das ist keine Marketing-Floskel, sondern infrastrukturelle Realität. Es führt schlicht keine Straße ins Dorf, die für Personenwagen zugelassen ist. Wer mit dem eigenen Wagen anreist, parkt entweder in Stechelberg auf 867 m oder in Lauterbrunnen auf 802 m und nimmt die Bergbahn. Das Auto bleibt für die ganze Aufenthaltsdauer im Tal — was anfangs gewöhnungsbedürftig wirkt, entpuppt sich als Hauptqualität des Ortes.
Mit dem Auto bis zum Talparkplatz
Aus Norden fährst du die A8 vom Thunersee bis zur Ausfahrt Lauterbrunnen, dann zehn Kilometer ins Tal hinein. Wer zur Schilthornbahn-Talstation in Stechelberg will (kürzeste Verbindung zum Schilthorn), fährt vier weitere Kilometer das Tal aufwärts. Die Mehrtages-Parkhäuser am Bahnhof Lauterbrunnen kosten rund 18 CHF pro Tag, in Stechelberg ähnlich. Im Sommer ist Vorbuchung in Hochsaison-Wochen sinnvoll — die Plätze sind begrenzt und Tagesausflügler aus Interlaken konkurrieren um sie.
Die Schweizer Autobahn-Vignette ist Pflicht (40 CHF, gültig 14 Monate). Im Winter sollten Schneeketten griffbereit sein — die Strecke Interlaken–Lauterbrunnen wird gestreut, ist aber bei starkem Schneefall manchmal nur mit Winterausrüstung passierbar.
Mit der Bahn ins Tal und in den Berg
Die SBB bringt dich aus jeder größeren Schweizer Stadt nach Interlaken Ost. Dort wechselst du in die Berner Oberland-Bahn (BOB) nach Lauterbrunnen (20 Minuten). In Lauterbrunnen gibt es zwei Wege nach Mürren — beide klassisch, beide spektakulär.
Variante 1: Mit der Bergbahn Lauterbrunnen–Mürren (BLM). Zuerst die Standseilbahn senkrecht die Felswand hinauf nach Grütschalp, dann die Schmalspurbahn quer über das Hochplateau nach Mürren. Gesamtfahrzeit etwa 30 Minuten, Höhenunterschied 836 m. Die Strecke gehört zu den schönsten Bahnfahrten der Schweiz, mit ständigem Blick aufs Jungfrau-Massiv.
Variante 2: Mit Auto oder Postauto bis Stechelberg, dann mit der Schilthornbahn über Gimmelwald nach Mürren. Diese Route ist kürzer (15 Minuten Fahrzeit) und für Schilthorn-Tagesgäste die natürliche Wahl. Aktuelle Verbindungen findest du auf sbb.ch und schilthorn.ch.
Mit dem Swiss Travel Pass sind alle Bahnen ab der Grenze inklusive — bei mehrtägigem Aufenthalt rechnet sich das fast immer. Halbtax und Junior-Karte gelten ebenfalls.
Mit dem Flugzeug
Nächster Verkehrsflughafen ist Zürich (ZRH), rund 155 km entfernt. Vom Flughafen gibt es stündliche Direktverbindungen via Bern oder Spiez nach Interlaken Ost. Gesamtzeit Flughafen Mürren: rund dreieinhalb Stunden. Aus Süddeutschland bietet sich Bern-Belp (70 km) als Alternative an, allerdings mit eingeschränktem Linienangebot. Genf-Cointrin liegt 230 km entfernt, ist mit Direkt-IC nach Interlaken Ost in rund drei Stunden erreichbar.
Parken vor Ort und Bewegung im Dorf
In Mürren selbst gibt es keinen Autoverkehr. Erlaubt sind elektrische Hotel-Shuttle (Hoteltaxis mit Akku-Antrieb, vorab buchen) und kleine Versorgungsfahrzeuge. Gepäck wird vom Bahnhof zum Hotel auf Anfrage gebracht — viele Häuser bieten den Service kostenfrei an. Im Dorf sind alle Distanzen zu Fuß überbrückbar; vom BLM-Bahnhof zur Schilthornbahn-Talstation in Mürren sind es etwa zehn Minuten zu Fuß. Wer mit Kinderwagen oder schwerem Gepäck reist, sollte das im Hotel ankündigen — dann steht ein Elektro-Shuttle bereit.
Pisten und Lifte
Das Skigebiet Mürren-Schilthorn umfasst 54 Pistenkilometer auf zwei Höhenebenen — kein Vergleich mit Zermatt oder Andermatt-Sedrun-Disentis, aber für ein Bergdorf mit 450 Einwohnern bemerkenswert. Mit dem Jungfrau-Skipass öffnen sich zusätzlich Wengen-Grindelwald-First — die ganze Region wird damit zum Großskigebiet mit über 200 Pistenkilometern und einer einzigen Karte.
Schilthorn-Sektor (Engetal, Birg, Schilthorn-Spitze)
Der obere Teil des Skigebiets erstreckt sich von der Engetal-Mittelstation auf 2.150 m bis zur Schilthorn-Spitze auf 2.970 m. Schwarze und rote Pisten dominieren, die Abfahrt vom Schilthorn nach Engetal hat 820 Höhenmeter und gilt als eine der anspruchsvollsten Schweizer Pistenabfahrten. Schneesicherheit ist hier auch im April fast garantiert. Die Kanonenrohr genannte Steilabfahrt unterhalb der Schilthorn-Bergstation ist Teil der Inferno-Strecke und nur erfahrenen Fahrern empfohlen.
Allmendhubel und Winteregg (Anfänger und Familien)
Der untere Teil des Skigebiets liegt zwischen 1.638 m (Mürren) und 1.907 m (Allmendhubel) und ist mit blauen Pisten ideal für Anfänger und Familien. Die Winteregg-Schlepplifte gleich neben dem Dorf bedienen die Lernhänge. Die Talabfahrt nach Lauterbrunnen ist 1.300 Höhenmeter lang und bei guter Schneelage durchgängig fahrbar — ein Highlight, das nur noch wenige Schweizer Stationen bieten.
Skipass und Mietausrüstung
Tagesskipass Mürren-Schilthorn rund 78 CHF, Sechs-Tages-Pass ab 380 CHF. Mit Halbtax-Abonnement halbiert sich der Preis. Der Jungfrau-Skipass kostet rund 92 CHF pro Tag und gilt zusätzlich in Wengen, Grindelwald-First und Kleine Scheidegg. Skiverleih bei Stäger Sport im Dorfkern, Ski-Set ab 45 CHF pro Tag, Skischuhe ab 15 CHF. Skischule im Dorfzentrum, Gruppenkurs für Kinder vier halbe Tage rund 280 CHF.
Inferno — das längste Amateur-Skirennen der Welt
Jedes Jahr Ende Januar findet in Mürren das Inferno-Rennen statt — das längste Amateur-Skirennen der Welt, 14,9 Kilometer von der Schilthorn-Spitze (2.970 m) bis nach Lauterbrunnen (796 m), 2.170 Höhenmeter Abfahrt. Seit 1928 ausgetragen, etwa 1.800 Starter pro Jahr. Wer mitfahren will, muss Mitglied im Kandahar Ski Club werden — Anmeldung mehrere Jahre im Voraus. Als Zuschauer interessant: das Massenstart-Spektakel an der Bergstation und die Zieleinläufe in Lauterbrunnen.
Top-Sehenswürdigkeiten
Schilthorn Piz Gloria (2.970 m)
Drehrestaurant und Bond-Wallfahrtsort, in zwei Sektionen ab Mürren erreichbar. Die Bahn dreht sich am Boden, du sitzt am Tisch und siehst während des Frühstücks die Jungfrau, dann den Mönch, dann den Eiger vorbeiziehen. Tagesticket Mürren–Schilthorn rund 85 CHF, mit Halbtax-Karte halbiert. Der Bond-James-Bond-Brunch ab 38 CHF zuzüglich Bahn. Im Winter Skirestaurant mit Skipass-Inklusiv-Eintritt.
Birg Skyline Walk und Thrill Walk (2.677 m)
Mittelstation der Schilthornbahn, seit 2019 mit Glasboden-Plattform über 200 Meter Abgrund. Der Thrill Walk führt durch eine Felsröhre an der Klippe entlang, mit Glasstellen und Gitterabschnitten — nichts für Schwindelanfällige. Eintritt im Bahnticket inklusive. Restaurant mit klassischer Schweizer Karte und Sonnenterrasse Richtung Eiger.
Allmendhubel und Blumenweg (1.907 m)
Mit der Standseilbahn vier Minuten ab Mürren. Oben der Blumenweg (1,2 km Rundweg, blütenreich Juni bis September) und das Restaurant mit Eiger-Mönch-Jungfrau-Balkon. Für Kinder der Murmeltier-Spielplatz mit Skulpturen. Berg- und Talfahrt rund 20 CHF, im Skipass enthalten. Sonnenuntergang von hier ist legendär.
Trümmelbachfälle (im Tal)
Im Lauterbrunnental, 30 Minuten von Mürren mit Bahn und Postauto. Zehn Wasserfälle der Eiger-Mönch-Jungfrau-Schmelze rauschen durch eine Felsschlucht — die einzigen Gletscherwasserfälle im Berginneren der Welt. Mit Liftaufzug zugänglich. Eintritt 14 CHF, geöffnet April bis Mitte November täglich 9 bis 17 Uhr.
North Face Trail
Vom Allmendhubel führt der North Face Trail als 6,7-Kilometer-Themenweg an Eiger-Nordwand-Aussichtspunkten vorbei zurück nach Mürren. Sechs Infotafeln zur Geschichte der Eiger-Nordwand-Erstbesteigung 1938 durch Heckmair, Vörg, Harrer und Kasparek. Wanderzeit etwa zweieinhalb Stunden, leichter Bergweg. Reine Sommerroute Juni bis Oktober.
Sportzentrum Mürren mit Hallenbad
Das Alpine Sportzentrum mitten im Dorf hat Hallenbad, Sauna, Squashplätze, Kletterhalle und im Winter eine Eisbahn. Tageseintritt rund 25 CHF, Kombi mit Fitness 35 CHF. Ideal als Schlechtwetter-Programm oder für Familien, die zwei Stunden Pause vom Dauer-Eiger-Blick brauchen.
Aktivitäten und Erlebnisse
Was du in Mürren unternimmst, hängt von Saison, Wetter und Reisegruppe ab. Ein paar Empfehlungen sortiert nach Konstellation:
Bei Sonne im Sommer
- Wandern auf dem North Face Trail: 6,7 km Themenweg ab Allmendhubel, 2,5 Stunden, Eiger-Nordwand-Geschichte an sechs Tafeln, leichter Bergweg
- Schilthorn-Tagesausflug: erste Bahn um 8:30 Uhr ab Mürren, oben gegen 9:15 Uhr — vor dem Tagesgäste-Andrang aus Interlaken auf der Plattform
- Klettersteig Mürren-Gimmelwald: 2,2 km langer Via Ferrata mit zwei Hängebrücken über das Lauterbrunnental, Schwierigkeit K3, mit Bergführer 220 CHF
- Trail Running auf der Mürren-Allmendhubel-Suppenalp-Runde: 8 km, 350 Höhenmeter, gut markiert, im Sommer früh am Morgen leer
Bei Regen oder Hochnebel
- Trümmelbachfälle im Tal — bei Regen stärker, eindrucksvoller, im Felsinneren ohnehin trocken
- Sportzentrum Mürren mit Hallenbad, Sauna und Kletterhalle — Tageseintritt 25 CHF
- Tagesausflug Bern per Bahn (1:50 h) — UNESCO-Altstadt, Bundeshaus, Bärenpark, Münster-Turm
- Fahrt nach Interlaken mit BOB — Stadtbummel, Höhematte-Park mit Paragleiter-Landung, Schynige-Platte-Bahn falls nur niedriger Hochnebel
Mit Kindern
Der Murmeltier-Spielplatz auf dem Allmendhubel ist Standardziel für Familien — Berg- und Talfahrt im Skipass und Allmendhubel-Ticket inklusive, oben Pause auf der Sonnenterrasse mit Käseschnitte. Im Sportzentrum Mürren das Hallenbad mit Kinderbecken und kleiner Rutsche. Im Winter die Schlittelbahn von der Allmendhubel-Bergstation zurück ins Dorf — 1,5 km, Schlitten leihen im Dorfsportgeschäft 12 CHF pro Tag. Die Schmalspurbahn BLM zwischen Grütschalp und Mürren ist für Kinder ein eigenes Erlebnis — vorne sitzen wenn möglich, der Lokführer winkt durch.
Sportlich
Im Winter Skitouren auf den Wasenegg-Grat (2,5 Stunden Aufstieg ab Allmendhubel, mit Bergführer der lokalen Alpinschule). Im Sommer Mountainbike-Trails auf der Allmendhubel-Mürren-Talseite — eher technisch als lang. Trailrunning-Strecken um den Allmendhubel sind gut markiert (rote Pfeile), die Mürren-Suppenalp-Runde mit 8 km und 350 Hm das klassische Format. Paragleiten-Tandemflüge ab Allmendhubel über Mürren ins Tal (Anbieter ab Lauterbrunnen, 220 CHF). Die SLF Davos gibt täglich Schnee- und Lawinenbulletin heraus.
Gastronomie und regionale Spezialitäten
Die Bergküche Mürrens ist klassisch Berner Oberländisch — viel Käse, viel Kartoffel, viel Brot. Berner Rösti, Älplermagronen mit Apfelmus, Käseschnitte mit Spiegelei, Fondue Moitié-Moitié (halb Vacherin Fribourgeois, halb Gruyère). Im Sommer kommen Forellen aus den Lauterbrunner Bergbächen dazu, im Herbst Wild aus den umliegenden Jagdrevieren.
Restaurants im Dorf
- Eiger Stübli (Hotel Eiger): traditionelle Berner Küche im historischen Stüblicharakter, Hauptgericht 28 bis 42 CHF, abends meist gut besucht — Reservierung empfohlen
- Bellevue Crystal: Hotelrestaurant mit Panorama-Terrasse direkt zum Jungfrau-Massiv, Schweizer Klassiker und gehobene Bergküche, Mehrgangmenü ab 78 CHF
- Tham Chinese: chinesische Küche mit Schweizer Twist im historischen Dorfkern, Hauptgericht 24 bis 36 CHF — überraschend gut für eine 450-Einwohner-Dorf-Lage
- Stägerstübli: einfache Berghaus-Küche mit hausgemachter Käseschnitte (24 CHF) und Berner Rösti, kein Schnickschnack, dafür echtes Dorf-Lokal
Höhenrestaurants
Das Drehrestaurant Piz Gloria auf dem Schilthorn-Gipfel ist Pflicht für ein Einmal-im-Leben-Erlebnis — der Bond-James-Bond-Brunch bietet Frühstücksbuffet plus 360-Grad-Drehung in rund 55 Minuten (38 CHF zuzüglich Bahn). Auf der Mittelstation Birg (2.677 m) das Restaurant mit klassischer Schweizer Karte und Skyline-Walk-Eintritt inklusive. Das Restaurant Allmendhubel auf 1.907 m bietet Käseschnitte für 22 CHF und Tafelspitz für 38 CHF, im Sommer Sonnenterrasse mit Eiger-Blick. Im Sommer ohne Reservierung machbar, im Winter (Skifahrer-Lunch) Reservierung empfohlen.
Cafes und Frühstück
Das Cafe Liv an der Hauptstraße führt eigene Backwaren und gut gemachten Cappuccino — selten in einem 450-Einwohner-Dorf in der Schweiz. Tham Bakery direkt am BLM-Bahnhof öffnet ab 7 Uhr, mit Sandwiches für unterwegs zur Schilthornbahn. Hotel-Frühstücksbuffets sind in Mürren traditionell ausführlich — wer Halbpension bucht, ist morgens und abends versorgt.
Markttag und regionale Mitnehmsel
Einen Wochenmarkt gibt es in Mürren nicht — dafür liegen alle Käsereien im Tal. Wer die Heimreise mit kulinarischen Mitbringseln antreten will, deckt sich in Lauterbrunnen ein:
- Berner Alpkäse aus den umliegenden Sennen — Direktverkauf in der Käserei Lauterbrunnen oder im Dorfladen Mürren
- Lauterbrunnentaler Trockenfleisch aus Berner Bergrindfleisch, ab 75 CHF/kg im Dorfladen
- Eiger-Bier aus der Brauerei in Lauterbrunnen, regional vertrieben, in fast allen Hotels und Restaurants verfügbar
- Berner Honig aus den Bergblumen-Wiesen — saisonal im August bei Imkern in Mürren erhältlich
Events und Saisonkalender
Mürren ist klein, aber traditionell — der Saisonkalender bezieht sich vor allem auf Skisport und Bergsommer. Die wichtigsten Termine, generisch nach Quartal:
Winter (Dezember bis April)
Skisaison-Start ab Mitte Dezember, Adventsfeierlichkeiten im Dorf rund um die Bergkirche. Anfang Januar das Schilthorn-Skirennen als Auftakt der Saison. Ende Januar das Inferno-Rennen (siehe oben) — das Dorf platzt aus allen Nähten, 1.800 Starter und tausende Zuschauer. Februar und März klassische Skihochsaison, Schweizer Sportferien-Wochen sind die teuersten und vollsten. Anfang April Saisonende, einige Hotels und Bergbahnen schließen für eine Frühlingspause.
Frühjahr (Mai)
Off-Season pur — viele Restaurants und Bergbahnen sind in Wartung. Die Schilthornbahn fährt meist mit reduziertem Programm. Wer Ruhe sucht, findet sie hier in Reinform. Im Tal beginnt die Vegetation, oben liegt noch Schnee — eine Kombination, die Spaziergänger schätzen, die das Bergpanorama ohne Touristen erleben wollen.
Sommer (Juni bis August)
Wandersaison, Bergblumen-Hochsaison im Juni und Juli, Inferno-Triathlon Anfang August (Schwimmen Brienzersee, Radfahren über die Grosse Scheidegg, Laufen Mürren). Mitte Juli die Inferno-Sommernächte mit Live-Musik auf dem Dorfplatz. Hotels in der zweiten Augusthälfte voll wegen Schweizer Schulferien.
Herbst (September bis November)
September gilt als Geheimtipp — die Sicht ist klar, Touristen wenig, Hotels günstiger. Mitte Oktober öffnet die Älplerchilbi in Lauterbrunnen, ein traditionelles Alpabzug-Fest mit Volksmusik und Bergkäse-Markt. Anfang November schließt die Saison wieder, viele Hotels und Restaurants haben drei bis vier Wochen Pause bis zum Skisaison-Start im Dezember.
Geschichte und Kultur
Mürren wird erstmals 1257 urkundlich erwähnt — als Bergweide für Lauterbrunner Bauern, nicht als ständige Siedlung. Erst im Spätmittelalter wuchs aus den Sennhütten ein Dorf, das vom Käse-Handel lebte. Bis Ende des 19. Jahrhunderts erreichten Außenstehende Mürren nur über schmale Bergpfade.
Vom Bergbauerndorf zum britischen Wintersportresort
Der Wandel begann 1891 mit der Eröffnung der Lauterbrunnen-Mürren-Bahn (BLM) — eine der frühesten Bergbahnen der Schweiz. Plötzlich war das Dorf in einer halben Stunde aus dem Tal erreichbar. Britische Wintersport-Pioniere entdeckten Mürren um 1900: Sir Arnold Lunn organisierte hier 1922 den ersten Slalom-Wettbewerb der Welt, 1924 gründete er den Kandahar Ski Club, der bis heute das Inferno-Rennen ausrichtet. Mürren war damit die Wiege des modernen alpinen Skirennsports — ein Erbe, das im Skimuseum am Dorfplatz dokumentiert ist.
Schilthorn und James Bond
Das Drehrestaurant Piz Gloria wurde 1965 bis 1969 erbaut — die Konstruktion auf 2.970 m galt als technische Pionierleistung. Während der Bauphase mietete Eon Productions die unfertige Anlage als Drehort für „Im Geheimdienst Ihrer Majestät‘‘ (1969). Im Gegenzug übernahm das Filmstudio einen Teil der Baukosten und verschaffte dem Schilthorn weltweite Bekanntheit. Die Bond-Identität ist seitdem fester Teil der Marke — Bond-Themenwege, Bond-Brunch, Bond-Kino auf der Birg-Mittelstation gehören zum Standardprogramm.
Sprache und Tradition
In Mürren spricht man Berndeutsch, einen alemannischen Dialekt mit eigener Färbung. Begriffe, die du auf Schildern findest: „Stäger‘‘ für Treppe (im Restaurantnamen Stägerstübli), „Chuchichäschtli‘‘ (Küchenschrank — Standard-Schibboleth) und „Heimat‘‘ in der Bedeutung Bergbauernhof. Im Dorf wird beim Alpabzug Mitte September traditionelle Tracht getragen, Schwingfeste finden im Lauterbrunnental zweimal im Sommer statt — kein Tourismus-Spektakel, sondern echtes Dorfleben.
Wetter und beste Reisezeit
Mürren liegt auf der Nordseite der Berner Alpen mit klassischem Hochgebirgsklima. Auf 1.638 m sind die Sommer mild (Tagesmaximum 18 bis 22 Grad), die Winter kalt mit zuverlässigem Schnee von Mitte November bis April. Auf der Schilthorn-Spitze (2.970 m) liegt die mittlere Jahrestemperatur bei -5 Grad, Schneehöhen erreichen im Winter regelmäßig drei bis fünf Meter. Die nächstgelegenen offiziellen Klimadaten kommen von MeteoSchweiz Lauterbrunnen (802 m) und Interlaken (577 m), die Hochgebirgsstation auf dem Jungfraujoch (3.580 m) liefert Vergleichswerte. Aktuelle Schnee- und Lawinenlage über das SLF Davos.
Beste Reisezeit für Wanderer
Mitte Juni bis Mitte September
Hochsaison Skisport
Mitte Februar bis März
Wellness und Ruhe
Mai und November
Praktische Tipps
- € Kurtaxe: rund 5,50 CHF pro Erwachsenem und Übernachtung. Wird über das Hotel mitabgerechnet, Kinder unter 6 Jahren zahlen nichts. Im Aufenthalt enthalten ist die Mürren Card mit Vergünstigungen auf Bergbahnen, Sportzentrum und Allmendhubel.
- ⌘ Swiss Travel Pass: für Auslandsgäste rechnet sich der Pass fast immer. Ab drei Tagen Aufenthalt günstiger als Einzeltickets, alle BOB- und BLM-Fahrten sind inklusive, Schilthornbahn 50 % Rabatt.
- + Apotheke und Ärzte: kleine Hausarztpraxis im Dorfzentrum, Apotheke kombiniert mit Hausarzt. Notfälle werden über Lauterbrunnen oder das Spital Interlaken (45 Min) abgewickelt. REGA-Helikopter-Einsatz bei Bergunfällen — Mitgliedschaft empfohlen, kostet 40 CHF pro Jahr.
- i Tourist-Information: am Dorfplatz, geöffnet ganzjährig. Kostenlose Wanderkarten, aktuelle Pisten- und Bergbahn-Status, Tickets für Sportzentrum und Veranstaltungen.
- € Geld und Karten: ein Geldautomat im Dorfkern (Raiffeisen), Restaurants und Hotels nehmen fast alle Karten. Schweizer Franken sind Standard — Euros werden in einigen Hotels akzeptiert, der Wechselkurs ist aber selten gut.
- 📶 WLAN: in fast allen Hotels und Restaurants kostenfrei verfügbar. Mobilfunk-Empfang im Dorf gut (Swisscom, Salt, Sunrise), in den Bergstationen Schilthorn und Allmendhubel ebenfalls. Im Lauterbrunnental einige Funklöcher.
- ♿ Barrierefreiheit: Mürren ist autofrei, aber nicht durchgehend rollstuhltauglich — die Hauptstraße fällt ab, einige Hotels haben Stufen. Schilthornbahn und Allmendhubel sind barrierefrei zugänglich. Vor der Buchung mit dem Hotel klären.
- 🐕 Hunde: in Bergbahnen erlaubt (kleine Hunde frei, größere mit eigenem Ticket), in fast allen Restaurants willkommen, auf den Wanderwegen Leinenpflicht in der Brut- und Setzzeit (April bis Juli). Auf den Pisten sind Hunde nicht erlaubt.
Insider-Tipps
Drei Spots und eine Routine, die nicht in jedem Mürren-Reiseführer stehen:
Suppenalp am späten Nachmittag
Die Suppenalp (1.852 m) liegt 30 Gehminuten von Mürren entfernt auf der Allmendhubel-Mürren-Rundwanderung. Die Hütte ist klein, betreibt eine eigene Berghaus-Küche mit hausgemachter Suppe (rund 12 CHF) und schließt im Sommer um 17 Uhr. Wer gegen 16 Uhr kommt, hat oft die Terrasse fast für sich, mit direktem Blick auf die Eiger-Nordwand. Rückweg nach Mürren bei Abendlicht etwa eine Stunde.
Bergkirche Mürren bei Sonnenuntergang
Die kleine reformierte Bergkirche steht am südlichen Dorfrand, von 1947 und schlicht. In der Sommer-Saison ist sie tagsüber geöffnet, niemand stört. Wer kurz vor Sonnenuntergang den schmalen Weg dahinter geht, findet einen Aussichtspunkt, der in keinem Reiseführer steht — direkter Blick aufs Lauterbrunnental, freier Eiger, kein Tourist weit und breit. Nach 19 Uhr im Hochsommer fast garantiert leer.
Gimmelwald — das ältere Schwesterdorf
Vom Schilthornbahn-Halt Gimmelwald aus erreichst du das ehemalige Bergbauerndorf in zehn Gehminuten. 100 Einwohner, drei Restaurants, Geheimtipp seit Jahrzehnten unter US-amerikanischen Backpackern (Rick Steves erwähnt es in jedem seiner Reiseführer). Die Mountain Hostel Gimmelwald ist eine der ältesten Berghütten-Herbergen der Schweiz, das Restaurant Esther‘s Guesthouse serviert eine selbstgemachte Käseschnitte, die im Vergleich zum Mürrener Niveau preiswert ist (18 CHF). Tagesausflug von Mürren: per Schilthornbahn vier Minuten, dann zu Fuß.
Umgebung und Tagesausflüge
Mürren ist klein — das ist Vorteil und Begrenzung zugleich. Wer länger als drei Tage bleibt, sollte das Berner Oberland breiter nutzen. Drei Tagestouren für drei Wettertypen:
Bei Sonne: Jungfraujoch und Top of Europe (Tagesausflug, 80 km Bahn)
Mit der BLM nach Lauterbrunnen, von dort mit der Wengernalpbahn über Wengen zur Kleinen Scheidegg, dann mit der Jungfraubahn durch den Eiger-Berg-Tunnel zum Jungfraujoch (3.454 m). Hin und zurück rund 7 Stunden, Bahnticket Mürren–Jungfraujoch rund 220 CHF (Halbtax 110 CHF). Oben das höchste Postoffice Europas, Eispalast, Sphinx-Aussichtsterrasse, Blick auf den Aletschgletscher. Nicht für Höhenangst-Empfindliche.
Bei Wechselwetter: Interlaken und Brienzersee (35 km)
Per BLM und BOB in einer Stunde nach Interlaken Ost — Stadtbummel an der Höhematte, Schiff über den Brienzersee bis Brienz (eine Stunde Schifffahrt), Holzschnitzerei-Museum in Brienz, Rückfahrt per Bahn. Ganztages-Programm, Bahnverbindungen mit Halbstunden-Takt. Bei Hochnebel oben kann unten im Tal Sonne scheinen.
Bei Regen: Bern Altstadt (75 km)
Bahnverbindung 1:50 h ab Mürren, mehrstündige Schweizer Hauptstadt-Tour: UNESCO-Altstadt mit Lauben, Bundeshaus, Bärenpark unterhalb der Altstadt, das Münster (Kirchturm 312 Stufen). Mittagessen in einer Beiz, Heimfahrt am Nachmittag. Bahnticket mit Halbtax rund 35 CHF einfach.
Tagesausflüge per Postauto und Bahn
- Schynige Platte: 1.967 m, ab Wilderswil mit der historischen Zahnradbahn von 1893 — Alpengarten und 360-Grad-Panorama, einfache Wanderungen oben
- Grindelwald-First: per BOB und Erstbahn in 1:30 h erreichbar, im Sommer der „First Cliff Walk‘‘ und „First Flyer‘‘ Seilrutsche
- Niederhorn: ab Beatenberg per Standseilbahn auf 1.950 m, gemütliche Familien-Wanderung mit Steinbock-Sichtungen fast garantiert



