Die Republik Moldau (rumänisch Republica Moldova) liegt eingebettet zwischen Rumänien im Westen und der Ukraine im Norden, Osten und Süden — ein Binnenland mit 33.800 Quadratkilometern, 2,6 Millionen Einwohnern und rumänischer Amtssprache, das in Deutschland zu den am wenigsten bereisten Ländern Europas gehört. Wer das Land entdeckt, findet außergewöhnliche Dichte: die Hauptstadt Chișinău mit Sowjet-Mosaiken, den Cricova-Weinkeller mit 120 Kilometern unterirdischen Tunneln als zweitgrößten Weinkeller der Welt, den Guinness-zertifizierten Mileștii Mici mit 200 Kilometern als größten Weinkeller der Welt, das Höhlenkloster Orheiul Vechi im Răut-Tal, die genuesische Festung Soroca am Dnjestr aus dem 16. Jahrhundert, die Felsenkloster Cosăuți und Tipova über der Dnjestr-Schlucht, die Brücke der Blumen bei Ungheni als Erinnerung an die rumänisch-moldauische Verbrüderung 1990, die de facto unabhängige Region Transnistrien mit Tiraspol sowie die autonome Region Gagausien mit türkisch-orthodoxer Identität. Wer 5 bis 8 Tage einplant, kombiniert Chișinău mit beiden Weinkellern, einem Dnjestr-Ufer-Trip nach Orheiul Vechi, Saharna, Tipova und Soroca sowie Tagesausflug nach Tiraspol und Comrat.
Anreise und Erreichbarkeit
Moldau ist ein Binnenland zwischen Rumänien im Westen und der Ukraine im Norden, Osten und Süden. Seit dem Krieg in der Ukraine 2022 kommen die meisten Reisenden über Rumänien oder per Direktflug nach Chișinău. Moldau ist nicht in der EU und nicht im Schengenraum, EU-Bürger reisen jedoch visafrei mit Personalausweis ein, Aufenthalt bis 90 von 180 Tagen.
Mit dem Flugzeug
Der Flughafen Chișinău (KIV) liegt 13 Kilometer südöstlich des Zentrums und ist mit Direktflügen aus Frankfurt, München, Berlin, Wien und Istanbul verbunden — Lufthansa, Wizz Air, FlyOne und Turkish Airlines, Flugdauer 2:30 bis 3 Stunden, Tickets ab 130 Euro Hin- und Rückflug. Der Stadtbus 30 fährt für 6 Lei alle 30 Minuten ins Zentrum (35 Minuten), Taxi 200 bis 280 Lei (10 bis 15 Euro) über Yandex Go. Alternative ist der Flughafen Iași (IAS) in Rumänien, 130 Kilometer von Chișinău, mit günstigen Wizz-Tickets ab Berlin.
Mit dem Auto
Aus Deutschland führt die Strecke über Wien, Budapest, Rumänien (Cluj — Bukarest — Iași) bis zur Grenze in Ungheni in 22 bis 25 Stunden über rund 2.000 Kilometer. Die Brücke der Blumen über den Prut ist regulärer Grenzübergang. Innerhalb Moldaus dominieren die Magistralen M1 (Chișinău — Leușeni), M2 (Chișinău — Soroca), M3 (Chișinău — Cahul) und M14 (Chișinău — Bălți). Straßenqualität auf Magistralen gut, auf Nebenstraßen oft schlecht. Grüne Karte Pflicht, mautfrei für PKW.
Mit der Bahn / dem ÖPNV
Ein Schlafwagen-Zug verbindet Bukarest täglich mit Chișinău in rund 13 Stunden über Iași und Ungheni (Tickets ab 60 Euro im Schlafwagen). Innerhalb Moldaus ist das Bahnnetz dünn, die meisten Reisenden nutzen Marshrutka-Sammeltaxis oder Mietwagen. In Chișinău fahren Trolleybusse für 6 Lei (etwa 30 Cent), Marshrutka-Sammeltaxis verbinden Chișinău ab den Bahnhöfen Gara de Nord und Gara de Sud mit allen Provinzstädten.
Vor Ort bewegen / Transnistrien
Der Mietwagen ist für Cricova, Mileștii Mici, Orheiul Vechi, Saharna, Tipova und Soroca das effizienteste Mittel — ab 25 Euro pro Tag lokal, Sixt am Flughafen ab 40 Euro, Diesel 25 bis 28 Lei pro Liter. Organisierte Tagestouren ab Chișinău nach Cricova und Mileștii Mici 35 bis 60 Euro, Orheiul Vechi 30 Euro, Tiraspol 40 Euro. Transnistrien-Einreise unkompliziert mit Migrationskarte an der Grenze (24 oder 48 Stunden gültig). EU-Bürger ohne Visum, Auslands-Krankenversicherung muss Transnistrien explizit abdecken, Fotografieren von Militärs verboten.
Land Moldau im Überblick
Moldau ist nach dem Fürstentum Moldau (Țara Moldovei) benannt, das im 14. Jahrhundert unter Bogdan I. entstand und im 15. Jahrhundert unter Ștefan cel Mare (Stephan der Große) seine Blütezeit erlebte — Ștefan focht 36 Schlachten gegen Osmanen, Ungarn, Polen und Tataren, gewann 34 davon und wurde 1992 heiliggesprochen. 1812 fiel der östliche Teil (Bessarabien) ans Russische Reich, 1918 vereinigte sich Bessarabien mit Rumänien, 1940 annektierte die Sowjetunion das Gebiet. Am 27. August 1991 erklärte Moldau die Unabhängigkeit. Seit 2022 ist Moldau EU-Beitrittskandidat.
Sprache, Religion und Tradition
Die Amtssprache ist Rumänisch (Limba română), in der Verfassung von 2013 ausdrücklich als Limba română benannt — bis 1989 hieß sie offiziell Moldauisch und wurde in kyrillischer Schrift geschrieben. Linguistisch sind Moldauisch und Rumänisch identisch. Russisch ist als Verkehrssprache in den Städten verbreitet, in Gagausien wird Gagausisch (turksprachig) gesprochen. 96 Prozent der Moldauer sind orthodoxe Christen, über 1.000 Kirchen und 50 Klöster prägen die Landschaft, darunter die Höhlenkloster im Räut- und Dnjestr-Tal seit dem 13. Jahrhundert. Wichtige Wallfahrtsorte sind Curchi, Capriana (gegründet 1429), Tipova und Saharna mit 22 Wasserfällen. Traditionelle Feste wie Mărțișor am 1. März (Frühlingsbegrüßung mit roten und weißen Bändchen) bestimmen den Kalender.
Chișinău — Die Hauptstadt zwischen Sowjet und Moderne
Chișinău wurde 1436 erstmals erwähnt und entwickelte sich nach 1812 zur Provinzhauptstadt Bessarabiens unter russischer Herrschaft. 1944 wurde die Stadt im Zweiten Weltkrieg zu 70 Prozent zerstört, der Wiederaufbau erfolgte im stalinistischen Klassizismus. Heute leben 635.000 Menschen in der Stadt. Die Hauptachse Boulevard Ștefan cel Mare şi Sfânt verbindet auf 4,2 Kilometern den Triumphbogen am Kathedralenplatz mit dem Sowjet-Mosaik des Hotels Cosmos.
Höhepunkte und Sowjet-Erbe
Der Kathedralenpark mit der Kathedrale Nașterea Domnului von 1836 bildet das spirituelle Zentrum, daneben der Triumphbogen von 1840 zum Sieg über die Osmanen und die Reiterstatue von Ștefan cel Mare. Das Nationalmuseum für Geschichte zeigt 350.000 Exponate von der Tripolje-Kultur bis zur Unabhängigkeits-Ära. Das Pușkin-Haus erinnert an den russischen Dichter, der 1820 bis 1823 hier im Exil lebte. Chișinău bewahrt eine der dichtesten Sammlungen sowjetischer Monumentalmosaiken in Europa — über 40 großformatige Wandbilder aus den 1960er bis 1980er Jahren mit Themen wie Frieden, Arbeit, Weltraum und Folklore.
Die sechs Top-Sehenswürdigkeiten im Überblick
Cricova-Weinkeller
15 Kilometer nördlich von Chișinău liegt der zweitgrößte Weinkeller der Welt — ein 120 Kilometer langes unterirdisches Tunnelsystem in 60 bis 80 Metern Tiefe, ausgehoben aus dem Sandstein-Steinbruch der Festung Cricova. Mehr als 1,25 Millionen Flaschen lagern in den Galerien, darunter Wein-Sammlungen aus dem Zweiten Weltkrieg und der Privatkeller Putins als Geschenk. Touren mit Auto durch die Tunnel.
Mileștii Mici
20 Kilometer südlich von Chișinău liegt der größte Weinkeller der Welt — Guinness-zertifiziert mit 200 Kilometern unterirdischen Tunneln und einer Sammlung von rund 1,5 Millionen Flaschen, davon viele Jahrgänge seit den 1960er Jahren. Die Galerien sind nach Straßennamen wie Cabernet, Aligoté und Pinot benannt und werden mit Auto oder Kleinbus befahren. Verkostungen im unterirdischen Saal mit Brunnen und Statue.
Orheiul Vechi (Altes Orhei)
Das Freilichtmuseum 60 Kilometer nordöstlich von Chișinău liegt in einer Schleife des Räut-Tales — ein Felssporn mit dem Höhlenkloster aus dem 13. Jahrhundert, in den Sandstein gehauenen Mönchszellen, einer überdachten Felsenkapelle und der oberirdischen Nașterea Maicii Domnului-Kirche aus dem Jahr 1905. Vom Aussichtspunkt über dem Räut-Tal bietet sich einer der spektakulärsten Blicke Moldaus.
Festung Soroca
Die runde Steinfestung an den Steilufern des Dnjestr im Norden Moldaus wurde 1499 von Ștefan cel Mare als Holzfestung errichtet und 1543 bis 1546 von seinem Sohn Petru Rareș in Stein neu aufgebaut. Genuesische Baumeister gaben dem Bauwerk die ungewöhnliche Kreisform mit fünf Bastion-Türmen — eine der best erhaltenen mittelalterlichen Festungen Osteuropas, Symbol moldauischer Souveränität.
Tipova-Felsenkloster
Hoch über der Dnjestr-Schlucht 100 Kilometer nordöstlich von Chișinău liegt der größte Felsenklosterkomplex Moldaus — die ältesten Mönchszellen wurden im 11. Jahrhundert in den Sandstein gehauen, weitere Erweiterungen im 13. bis 18. Jahrhundert. Die Hauptkirche Înălțarea Sfintei Cruci stammt aus dem 14. Jahrhundert. Der Wanderweg zum Kloster führt durch die wildromantische Tipova-Schlucht mit Wasserfall.
Tiraspol und Transnistrien
Die selbst proklamierte Pridnestrowische Moldauische Republik östlich des Dnjestr funktioniert seit 1992 als de facto unabhängiger Staat — von keinem UN-Mitglied anerkannt. Tiraspol mit 130.000 Einwohnern ist Hauptstadt mit Lenin-Statue vor dem Parlament, Pankratiew-Boulevard, Christi-Geburts-Kathedrale und Sowjet-Architektur wie aus den 1970er Jahren. Tagesausflug ab Chișinău in 1:15 h.
Vergleich der wichtigsten Reise-Stationen
Chișinău ist Pflicht-Basis für jede Moldau-Reise — die beiden Weinkeller, Orheiul Vechi und Tiraspol lassen sich als Tagesausflüge organisieren, Soroca erfordert eine Übernachtung wegen der Entfernung.
Cricova und Mileștii Mici — Die unterirdischen Weingiganten
Moldau gehört zu den ältesten Weinbau-Nationen Europas — archäologische Funde weisen Weinanbau seit 7.000 Jahren nach. Heute bewirtschaften 142.000 Hektar Rebfläche rund ein Drittel der landwirtschaftlichen Fläche. Die berühmtesten autochthonen Sorten sind Fetească Albă, Fetească Neagră, Rara Neagră und Viorica, dazu Internationale wie Cabernet Sauvignon, Merlot und Chardonnay. Die zwei spektakulärsten Weinkeller liegen direkt vor Chișinău und gehören zu den größten Weinkeller-Komplexen der Welt.
Cricova-Weinkeller
Der Cricova-Komplex liegt 15 Kilometer nördlich von Chișinău und besteht aus einem 120 Kilometer langen Tunnelsystem in 60 bis 80 Metern Tiefe — ursprünglich ein Sandstein-Steinbruch, ab 1952 zum Weinkeller umgebaut. Heute lagern 1,25 Millionen Flaschen bei konstanten 12 bis 14 Grad. Touren werden mit Auto durch die Tunnel gefahren, da die Wege bis 1,5 Kilometer lang sind. Die Privatkollektion umfasst rund 35.000 Flaschen aus 600 Jahrgängen, darunter eine Jerusalemer Pessach-Spende von 1902 und Spitzenjahrgänge 1944 bis 1956. Putin und Angela Merkel haben dort einen eigenen Privatkeller. Verkostungen ab 35 Euro pro Person, Premium-Touren mit Kino-Saal ab 80 Euro.
Mileștii Mici
Mileștii Mici liegt 20 Kilometer südlich von Chișinău und hält seit 2005 den Guinness-Weltrekord als größter Weinkeller der Welt — 200 Kilometer Tunnel, davon 55 Kilometer aktiv für Weinlagerung. Die Sammlung umfasst rund 1,5 Millionen Flaschen, viele Jahrgänge seit den 1960er Jahren. Die Galerien tragen Straßennamen wie Cabernet, Aligoté, Pinot und Feteasca und sind mit Kreuzungen, Verkehrsschildern und Ampeln versehen — Besucher fahren mit Auto durch das Tunnelnetz. Im Zentrum liegt der Saal mit unterirdischem Brunnen und Bacchus-Statue. Verkostung mit fünf bis sieben Weinen plus Imbiss 40 bis 60 Euro, gehobene Tour mit Mittagessen 80 bis 110 Euro.
Orheiul Vechi und das Räut-Tal
Orheiul Vechi (Altes Orhei) liegt 60 Kilometer nordöstlich von Chișinău auf einem Felssporn in einer Schleife des Răut-Flusses, eingerahmt von Sandstein-Felsen. Das Gebiet war seit dem 4. Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung besiedelt — Geten, Daker, Tataren und Mongolen hinterließen Spuren, im 14. Jahrhundert war hier die Goldene-Horde-Handelsstadt Șehr al-Cedid. Heute ist das Freilichtmuseum mit 220 Hektar UNESCO-Welterbe-Kandidat und Moldaus meistbesuchte Sehenswürdigkeit außerhalb von Chișinău.
Höhlenkloster und Butuceni-Dorf
Im südlichen Felsen über dem Räut wurden im 13. Jahrhundert von Mönchen Zellen, Korridore und eine Kapelle direkt in den Sandstein gehauen — eine Felsenkapelle mit Altar, Ikonen und einer Glocke an einer Felswand. 1996 nach sowjetischer Schließung neu geweiht, heute leben drei Mönche dort. Der Aufstieg zum Felsenkloster und der oberirdischen Nașterea Maicii Domnului-Kirche von 1905 belohnt mit einem der spektakulärsten Panoramen Moldaus. Das Dorf Butuceni am Fuß des Felsens hat 170 Einwohner und traditionelle Pensionen mit Schilfdach-Häusern und hausgemachtem Wein — Pensiunea Eco-Resort und Casa Verde ab 35 Euro inklusive Frühstück mit Mămăligă, Plăcintă und Hauswein.
Soroca, Cosăuți und die Dnjestr-Klöster
Der nördliche Teil Moldaus entlang des Dnjestr gehört zu den spektakulärsten Regionen — der Fluss schneidet sich auf 200 Kilometern in tiefe Sandstein-Schluchten, an deren Steilufern jahrhundertealte Klöster, Festungen und Felsenkapellen hängen. Die Stadt Soroca mit 22.000 Einwohnern liegt 160 Kilometer von Chișinău, erreichbar in 3 Stunden über die M2.
Festung Soroca
Die Festung Soroca steht direkt am Dnjestr-Ufer, gegründet 1499 von Ștefan cel Mare als Holzfestung, 1543 bis 1546 unter Petru Rareș in Stein neu aufgebaut. Genuesische Baumeister gaben dem Bauwerk die Kreisform mit 37,5 Metern Durchmesser und fünf Bastion-Türmen — eine der best erhaltenen mittelalterlichen Festungen Osteuropas und einzige Kreis-Festung des Karpaten-Raums. 2015 vollständig restauriert, heute besichtigbar mit Wehrgang, Schießscharten und Museum zur moldauischen Militärgeschichte. Eintritt 30 Lei (1,50 Euro), Mai bis Oktober täglich 9 bis 18 Uhr.
Cosăuți-Felsenkloster und Wasserfall
15 Kilometer nördlich von Soroca liegt am Dnjestr das Felsenkloster Cosăuți, in den Sandstein gehauene Zellen aus dem 17. Jahrhundert mit oberirdischem Holzkloster aus dem 19. Jahrhundert. Die Mönche bewirtschaften 12 Hektar Wein- und Obstgärten, der Klosterwein wird vor Ort verkauft. 2 Kilometer hinter dem Kloster liegt der Cosăuți-Wasserfall, ein 15 Meter hoher Vorhang über eine Sandstein-Stufe in den Dnjestr — Frühjahr (April bis Mai) führt die meiste Wassermenge. Besuche kostenlos.
Tipova, Saharna, Curchi und Capriana
Tipova-Felsenklosterkomplex
100 Kilometer nordöstlich von Chișinău liegt der größte Felsenklosterkomplex Moldaus an einem Sandstein-Hang über der Dnjestr-Schlucht. Die ältesten Mönchszellen wurden im 11. Jahrhundert in den Stein gehauen, Erweiterungen im 13. bis 18. Jahrhundert. Der Komplex umfasst die Felsenkirche Înălțarea Sfintei Cruci mit Altar aus dem 14. Jahrhundert, die Zellen-Gruppe Sfântul Nicolae mit zwei Etagen Mönchszellen und die Kapelle Adormirea Maicii Domnului aus dem 16. Jahrhundert. Der Wanderweg vom Dorf Tipova führt 1,5 Kilometer durch die wildromantische Tipova-Schlucht mit Wasserfall.
Saharna-Wasserfälle und -kloster
Saharna liegt 110 Kilometer nordöstlich von Chișinău und ist berühmt für 22 Wasserfälle, die sich auf 600 Höhenmetern durch die Saharna-Schlucht ergießen — der höchste Cascada Mare misst 4 Meter. Am oberen Ende der Schlucht liegt das Kloster Saharna mit der Wallfahrtskirche Sfânta Treime, in der eine Fußspur der Heiligen Maria im Felsen verehrt wird — Moldaus wichtigster orthodoxer Wallfahrtsort mit jährlich rund 50.000 Pilgern. Wanderweg hin und zurück 2:30 bis 3 Stunden.
Curchi- und Capriana-Kloster
Das Curchi-Kloster 50 Kilometer nordöstlich von Chișinău wurde 1773 gegründet — Moldaus zweitgrößtes Kloster mit Hauptkirche Nașterea Domnului im neoklassischen Stil von 1872 auf einem 11 Hektar großen Hügel im Codru-Wald. Während der Sowjet-Ära 1958 bis 1991 als psychiatrische Klinik missbraucht, seit 2018 vollständig restauriert und aktiv. Das Capriana-Kloster 40 Kilometer nordwestlich von Chișinău ist eines der ältesten Moldaus — gegründet 1429 unter Alexander dem Guten, drei Kirchen aus dem 15., 16. und 20. Jahrhundert. Stefan der Große besuchte das Kloster, heute aktiv mit eigener Weinproduktion.
Ungheni — Die Brücke der Blumen
Ungheni mit 38.000 Einwohnern liegt 105 Kilometer westlich von Chișinău am Prut-Fluss, der die Grenze zu Rumänien bildet. Die Stadt ist Hauptgrenzübergang zu Rumänien und damit für viele Reisende das erste Bild Moldaus. Die Eisenbahnbrücke über den Prut wurde 1877 von Gustav Eiffel entworfen — wenige Jahre vor seinem Pariser Turm.
Brücke der Blumen
Am 6. Mai 1990 öffneten Rumänien und die damals noch sowjetische Moldau zum ersten Mal seit 1944 die Grenze für einen historischen Tag — über die Eiffel-Brücke und die parallele Straßenbrücke kamen rund 1,2 Millionen Moldauer und Rumänen auf beiden Seiten zusammen und warfen Blumen in den Prut als Symbol der Wiedervereinigung. Seitdem trägt die Brücke den Namen Podul de Flori (Brücke der Blumen), eine Wiederholung 1991 vereinte erneut Hunderttausende. Heute ist die Brücke regulärer Grenzübergang mit Pass-Kontrolle, ein Gedenkstein erinnert an die historischen Ereignisse.
Transnistrien — Die de facto unabhängige Region
Östlich des Dnjestr-Flusses liegt die selbst proklamierte Pridnestrowische Moldauische Republik (Transnistrien), seit dem Bürgerkrieg von 1992 de facto unabhängig, von keinem UN-Mitgliedstaat anerkannt. Das schmale Gebiet mit 4.200 Quadratkilometern und rund 360.000 Einwohnern bewahrt sowjetisches Erbe wie ein Freilichtmuseum — Hammer-und-Sichel im Wappen, Lenin-Statuen vor jedem Verwaltungsgebäude, eigene Währung (Transnistrischer Rubel) und Briefmarken, eigene Armee mit russischer Unterstützung. Russische Friedenstruppen sind seit 1992 vor Ort.
Tiraspol
Die Hauptstadt Tiraspol mit 130.000 Einwohnern bietet einen der ungewöhnlichsten Stadtbummel Europas — der Pankratiew-Boulevard mit Lenin-Statue vor dem Parlament, das Sowjet-Kriegerdenkmal mit ewiger Flamme und Panzer T-34, die Christi-Geburts-Kathedrale aus dem Jahr 1999 als orthodoxes Wahrzeichen und die Konstrukteur-Bauten der 1970er Jahre prägen die Innenstadt. Das Kvint-Cognac-Werk, gegründet 1897, produziert weltbekannte Cognacs und Brandy — Führungen mit Verkostung 25 bis 40 Euro. Die Festung Bender (Tighina) am Westufer des Dnjestr stammt aus dem 16. Jahrhundert und gehörte einst zur Osmanischen Verteidigungslinie.
Einreise und Vorsicht
EU-Bürger benötigen kein Visum, erhalten an der Grenze eine Migrationskarte (in der Regel 24 bis 48 Stunden gültig), die bis zur Ausreise aufbewahrt werden muss. Beim Fotografieren von Militärs, Grenzposten, Brücken und Bahnhöfen ist Vorsicht geboten — Geldstrafen bis 200 Euro drohen. Die Auslandskrankenversicherung muss Transnistrien explizit abdecken, sonst sind alle Behandlungskosten selbst zu tragen. Bezahlung an touristischen Orten oft in Lei oder Euro möglich, aber für die Marshrutka und kleine Cafés braucht es Transnistrische Rubel — Wechselstuben am Grenzübergang in Bender und in Tiraspol.
Gagausien — Die autonome türkisch-orthodoxe Region
Im Süden Moldaus liegt die autonome Region Gagausien (Găgăuzia) mit 1.832 Quadratkilometern und rund 134.000 Einwohnern — ein einzigartiges Volk mit türkischen Wurzeln und christlich-orthodoxem Glauben. Die Gagausen sprechen Gagausisch, eine turksprachige Sprache aus der oghusischen Familie nah dem Türkischen und Aserbaidschanischen, und kamen im 18. und 19. Jahrhundert aus dem osmanischen Bulgarien und Dobrudscha-Gebiet als christliche Flüchtlinge ins russische Bessarabien.
Comrat — Die Hauptstadt
Comrat mit 20.000 Einwohnern ist seit 1994 Verwaltungs-Hauptstadt Gagausiens — die autonome Region wurde nach dem moldauisch-gagausischen Konflikt am 23. Dezember 1994 durch Gesetz als Autonomie-Statut innerhalb Moldaus etabliert, was eine Sezession verhinderte. Die Stadt hat den Hauptplatz Piața Centrală mit Lenin-Statue (eine der letzten in Moldau), das Comrat-Volkstheater, die Adormirea Maicii Domnului-Kathedrale von 1820 als wichtigste orthodoxe Kirche der Gagausen und das Ethnographische Museum Mihail Ciachir mit Trachten, Webereien und gagausischer Volkskultur. Tagesausflug ab Chișinău mit Marshrutka in 1:30 Stunden möglich.
Wein-Kombinat Vinăria Bostavan
Die Vinăria Bostavan in Etulia bei Vulcănești ist die größte Weinkellerei Gagausiens mit 1.500 Hektar eigenen Reben — Spezialitäten sind die autochthonen Sorten Rara Neagră, Fetească Neagră und Saperavi. Führungen mit Verkostung 25 bis 40 Euro, Restaurant mit gagausischer Küche (Lammgerichte, Şorba mit Schafskäse, Hauswein).
Praktische Tipps für eine Moldau-Reise
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Budget realistisch ansetzen
Moldau ist 40 bis 55 Prozent günstiger als Deutschland. Mittelklasse-Hotel in Chișinău 40 bis 80 Euro pro Nacht, Pension in Butuceni oder Soroca 30 bis 55 Euro. Hauptgang im Restaurant 5 bis 10 Euro, Glas Hauswein 1,50 bis 3 Euro, Cappuccino 1,50 bis 2,50 Euro, Tankfüllung Diesel 25 Lei pro Liter (1,30 Euro). Tagesbudget für zwei Personen mit Mittelklasse-Unterkunft 100 bis 150 Euro inklusive Verpflegung.
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Weinlese-Festival Anfang Oktober einplanen
Das Festivalul Național al Vinului wird traditionell am ersten Wochenende im Oktober in Chișinău gefeiert — der Hauptplatz wird zur Weinmesse mit über 80 Weinkellereien aus ganz Moldau, Konzerten, Volkstänzen und Probier-Pavillons. Eintritt frei, Verkostungs-Glas 5 bis 10 Lei. Die Hotels sind in dieser Woche ausgebucht, frühzeitig buchen. Wer Wein liebt, sollte seine Moldau-Reise auf dieses Wochenende legen.
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Kulinarische Spezialitäten probieren
Mămăligă (Maisbrei aus Maisgrieß, traditionelle Beilage), Plăcintă (gefüllte Teigfladen mit Schafskäse oder Kürbis), Sarmale (Kohlrouladen mit Hackfleisch und Reis), Zeamă (Hühnchen-Nudel-Suppe als Nationalsuppe), Tochitură (Schweine-Eintopf mit Mămăligă und Spiegelei), Brânză de oi (geräucherter Schafskäse). Dazu Vinărie-Wein aus autochthonen Trauben Fetească Albă und Fetească Neagră sowie Divin-Cognac der Marke Kvint.
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Transnistrien-Einreise gut vorbereiten
Die Migrationskarte an der Grenze in Bender oder Dubăsari wird in Russisch ausgefüllt — Reisepass und Adresse des Hotels oder eines Bekannten in Transnistrien angeben (sonst der Name eines Restaurants). Die Karte ist meist 24 oder 48 Stunden gültig, bei längerem Aufenthalt Hotel-Registrierung über die Rezeption. Auslandskrankenversicherung mit Transnistrien-Abdeckung prüfen. Bezahlung in Lei und Euro an touristischen Orten möglich, sonst Wechselstube für Transnistrische Rubel.
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Bargeld und Karten
Moldau ist nicht Euro-Land, Landeswährung ist der Moldauische Leu (MDL), 1 Euro entspricht rund 19 Lei. Kartenzahlung in Chișinău-Restaurants, Hotels und Tankstellen flächendeckend, auf dem Land und in kleinen Pensionen oft nur Bargeld. Geldautomaten von Moldova Agroindbank, Mobiasbanca und Victoriabank, Gebühren 1 bis 3 Euro pro Abhebung. Transnistrien hat eigene Währung (Transnistrischer Rubel), die nur dort akzeptiert wird, Wechsel an Grenze.
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Barrierefreiheit beachten
Chișinău hat in den großen Hotels und neuen Einkaufszentren wie Malldova und Sun City barrierefreie Zugänge, der Boulevard Ștefan cel Mare mit Trottoirs und Rampen ist befahrbar. Orheiul Vechi und die Felsenkloster sind dagegen mit steilen Treppen und engen Felsgängen für Rollstuhlfahrer nicht oder nur teilweise zugänglich. Cricova bietet rollstuhlgerechte Touren mit Auto durch die Tunnel auf Voranfrage, Mileștii Mici ähnlich.
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Hitze im Hochsommer einplanen
Juli und August können in Chișinău und im Süden 30 bis 35 Grad erreichen, manchmal mit Hitzewellen bis 38 Grad. Sonnenschutz, Wasserflasche und leichte Kleidung sind Pflicht. Die Felsenkloster und Schluchten von Saharna und Tipova sind dann angenehm kühl. Mai, Juni und September sind mit 20 bis 28 Grad optimal — angenehm warm, geringere Regenwahrscheinlichkeit, beste Sicht in den Weinbergen.
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Sicherheit und aktuelle Lage
Moldau gilt als sicheres Reiseland mit niedriger Kriminalität — Taschendiebstahl auf Märkten und in Bussen ist die häufigste Ärgernis-Form. Wegen der Lage an der ukrainischen Grenze und der Spannungen mit Russland empfiehlt das Auswärtige Amt eine erhöhte Aufmerksamkeit, insbesondere in Transnistrien. Vor der Reise die aktuellen Reise- und Sicherheitshinweise von moldova.travel prüfen sowie die Lageempfehlungen für Grenzregionen zur Ukraine beachten.
Insider-Tipps
Wenig bekannte Empfehlungen
Das Dorf Trebujeni am Räut, 5 Kilometer von Butuceni entfernt, hat eine traditionelle Wassermühle aus dem 19. Jahrhundert und einen unterirdischen Eis-Weinkeller, der noch heute genutzt wird. Das Klosterdorf Țipova mit der Pensiunea La Doi Domnișori bietet authentische ländliche Küche mit Lebensmitteln aus eigenem Garten. Der Codru-Naturpark westlich von Chișinău mit 5.200 Hektar Eichen- und Buchenwald ist Heimat von Wildschweinen, Damwild und über 100 Vogelarten — perfekt für Halbtages-Wanderungen ohne Touristen.
Was im Mainstream-Guide fehlt
Das Schloss Mimi in Bulboaca, 35 Kilometer südöstlich von Chișinău, ist eine 1893 erbaute Weinkellerei im französischen Renaissance-Stil — 2016 vollständig renoviert, heute Hotel, Restaurant und Weingut mit 250 Hektar Reben. Das Castel Mimi-Hotel mit 30 Zimmern (120 bis 250 Euro pro Nacht) bietet das wohl eleganteste Wein-Erlebnis Moldaus. Auch das Dorf Glodeni im Nordwesten mit Bauernmarkt und der Țaul-Park (gegründet 1901 als botanischer Versuchsgarten von Iwan Pommer aus Riga) zeigt Moldau jenseits der Postkarten-Routen.




