Die Republik Moldau gehört zu den weltweit zehn größten Weinländern nach bestockter Rebfläche und betreibt eine Weinkultur, die mehr als fünftausend Jahre zurückreicht. Auf rund 140.000 Hektar Rebland zwischen den Hügeln von Codru, dem Süden mit Valul lui Traian und dem Osten mit Ștefan Vodă entstehen Weine, die in kilometerlangen unterirdischen Galerien aus altem Kalkstein reifen - Mileștii Mici beherbergt mit über zwei Millionen Flaschen den größten Weinkeller der Welt nach Guinness, Cricova nördlich der Hauptstadt Chișinău ist eine ganze unterirdische Stadt mit 120 Kilometern Straßen, deren Namen den Rebsorten folgen. Dazwischen liegen Premiumhäuser wie Purcari mit präsidialer Tradition, Resort-Weingüter wie Castel Mimi und Château Vartely sowie Familienbetriebe wie Asconi und Et Cetera. Wer sieben bis zehn Tage mitbringt, kombiniert vier nationale Weinrouten, autochthone Rebsorten wie Fetească Albă, Fetească Neagră und Rară Neagră mit georgischem Saperavi aus Sowjetzeiten und französischen Klassikern wie Cabernet Sauvignon zu einer Reise, die im Mai bis Oktober kulinarisch und landschaftlich gleichermaßen beeindruckt - mit Höhepunkt am Tag des Weins am ersten Wochenende im Oktober in Chișinău.
Anreise und Erreichbarkeit
Eine Weinreise durch Moldau startet meistens in Chișinău, weil sich von der Hauptstadt aus die drei wichtigsten Anbauzonen Codru im Zentrum, Valul lui Traian im Süden und Ștefan Vodă im Osten innerhalb von 30 bis 120 Minuten erschließen lassen. Die beiden Schaukeller Mileștii Mici und Cricova liegen jeweils nur 15 bis 20 Kilometer vom Stadtzentrum entfernt. Für einen Überblick zu Routen, Weingütern und Veranstaltungen hilft die offizielle Tourismusdomain moldova.travel sowie die Branchendomain wineofmoldova.com mit Karten, Hofporträts und Saison-Kalender.
Mit dem Auto
Aus Mitteleuropa führt die Landanreise über Ungarn und Rumänien an den Grenzübergang Albița-Leușeni auf der Europastraße E581, von München sind es rund 1.800 Kilometer und 20 bis 24 Stunden Fahrzeit über mehrere Tage. Aus Rumänien gibt es einen schnellen Anschluss von Iași über die A8 Richtung Ungheni. Die Hauptverbindungen R1 zwischen Chișinău und Ungheni, R3 Richtung Hîncești sowie M3 Richtung Cahul und Comrat sind asphaltiert und überwiegend gut befahrbar, kleinere Weinrouten zu Familienbetrieben verlangen Geduld und Federung. Im Winter sind Winterreifen mit gutem Profil dringend zu empfehlen, weil viele Nebenstrecken nicht zuverlässig geräumt werden.
Mit der Bahn und dem ÖPNV
Das moldauische Bahnnetz Calea Ferată din Moldova verbindet Chișinău mit Bukarest, Bălți und Ungheni, ist jedoch deutlich langsamer als die Straße. Die internationale Verbindung Bukarest nach Chișinău fährt über Nacht mit Schlafwagen und dauert rund 13 Stunden. Innerhalb Moldaus erschließen Marschrutka-Minibusse das Land dichter als die Bahn, ein Ticket von Chișinău nach Cahul kostet rund 8 bis 12 Euro. Für individuelle Hofbesuche ist der ÖPNV jedoch zu unflexibel.
Mit dem Flugzeug
Direktflüge nach Chișinău gibt es ab Frankfurt, München, Wien, Berlin und Mailand, die Flugzeit beträgt rund drei Stunden. Alternative Einstiegsflughäfen sind Iași in Rumänien rund 130 Kilometer westlich sowie Odesa in der Ukraine derzeit nur eingeschränkt. Vom Flughafen Chișinău ins Zentrum fährt der Bus Linie 30 in 20 Minuten für 0,30 Euro, ein Taxi kostet 5 bis 10 Euro.
Vor Ort bewegen und Parken
In der Innenstadt Chișinău lohnt das Auto kaum, die wichtigsten Adressen sind zu Fuß und mit dem Trolleybus erreichbar. Für Weingüter in den drei Anbauzonen ist ein Mietwagen klar von Vorteil, alternativ gibt es geführte Tagestouren mit Fahrer und Verkostung für 80 bis 150 Euro pro Person. In den Weingütern selbst stehen kostenlose Parkplätze zur Verfügung, in Chișinău kostet ein Parkplatz im Zentrum 0,50 bis 1 Euro pro Stunde.
Die neun großen Weinkeller und Weingüter Moldaus
Die folgenden neun Adressen ergeben gemeinsam ein realistisches Bild der moldauischen Weinszene jenseits der üblichen Fototermine. Sie reichen vom weltgrößten Flaschenarchiv Mileștii Mici über die unterirdische Stadt Cricova bis zu Premium-Häusern wie Purcari, Resort-Weingütern wie Castel Mimi und Château Vartely sowie Familienbetrieben wie Asconi, Et Cetera und Branesti.
Mileștii Mici - der größte Weinkeller der Welt
Mileștii Mici südlich von Chișinău trägt seit 2005 einen Eintrag im Guinness-Buch der Rekorde als größter Weinkeller der Welt. In einem aufgelassenen Kalksteinbergwerk wurden über mehrere Jahrzehnte rund 200 Kilometer unterirdischer Galerien angelegt, von denen heute etwa 55 Kilometer aktiv mit Wein belegt sind. Mehr als zwei Millionen Flaschen lagern in einer konstanten Temperatur von 12 bis 14 Grad und 85 bis 95 Prozent Luftfeuchtigkeit. Die Sammlung umfasst Jahrgänge zurück bis in die 1960er Jahre und gilt als nationales Weinarchiv. Eine geführte Tour mit dem eigenen Auto durch die Galerien dauert rund 90 Minuten und kostet inklusive Verkostung von vier bis sechs Weinen 30 bis 70 Euro pro Person.
Cricova - die Stadt unter der Erde
Cricova nördlich von Chișinău ist mehr Weinstadt als Weinkeller. In einem ehemaligen Kalksteinbergwerk aus dem 15. Jahrhundert wurden rund 120 Kilometer unterirdischer Straßen angelegt, deren Namen den Rebsorten folgen - Strada Cabernet, Strada Feteasca, Strada Pinot. Mehr als 1,3 Millionen Flaschen lagern auf vier Etagen bis zu 80 Meter unter der Erde, darunter eine legendäre Privatsammlung mit Jahrgängen aus den 1920er und 1930er Jahren sowie eine Hermann-Göring-Sammlung, die nach dem Zweiten Weltkrieg von der Roten Armee nach Moldau gebracht wurde. Cricova ist seit 2003 anerkanntes Nationales Kulturdenkmal. Tour-Pakete mit Bus durch die unterirdischen Straßen, Verkostung von vier bis sechs Sekten und Stillweinen sowie Imbiss kosten 35 bis 80 Euro pro Person und dauern zwei bis drei Stunden.
Purcari - das präsidiale Premium-Haus
Purcari im Süden in der Region Ștefan Vodă gehört seit 1827 zu den ältesten kommerziellen Weingütern Moldaus und gilt seit jeher als präsidiales Lieblingshaus. Schon Zarin Nikolaus II. und das britische Königshaus bezogen Wein aus Purcari, in der Sowjetzeit blieb das Haus die wichtigste Premium-Adresse. Die rund 250 Hektar Rebland liegen auf Hügeln 70 Kilometer von Chișinău am Nistru-Fluss in einem Mikroklima, das mit dem Bordelaiser vergleichbar ist. Das Flaggschiff Negru de Purcari aus Cabernet Sauvignon, Saperavi und Rară Neagră reift drei Jahre in französischen Eichenfässern und gilt als bekanntester Wein Moldaus. Eine Verkostung im historischen Gut mit fünf Weinen und kleinem Lunch kostet 45 bis 90 Euro pro Person, das angeschlossene Boutique-Hotel ab 110 Euro pro Nacht.
Castel Mimi - das Resort-Schloss
Castel Mimi in Bulboaca rund 40 Kilometer östlich von Chișinău ist eines der spektakulärsten architektonischen Weingüter Osteuropas. Constantin Mimi, der letzte Gouverneur von Bessarabien vor 1918, ließ das Schloss zwischen 1893 und 1901 nach Vorbildern aus dem Bordeaux errichten. Heute steht der restaurierte Komplex als Best European Wine Tourism Destination 2016 mit einem Boutique-Hotel mit zehn Suiten, zwei Restaurants, Spa, Pool, Konferenzräumen und einer fortschrittlichen Weinkellerei mit 200 Hektar eigenen Reben. Die Weinpalette umfasst Klassiker wie Cabernet Sauvignon und Merlot, autochthone Fetească Neagră sowie eine Cuvée-Linie. Eine geführte Tour mit Verkostung von fünf Weinen und Drei-Gang-Lunch kostet 65 bis 130 Euro pro Person, eine Suite ab 180 Euro pro Nacht.
Château Vartely - das Tasting-Resort in Orhei
Château Vartely am Stadtrand von Orhei rund 45 Kilometer nördlich von Chișinău wurde 2004 gegründet und versteht sich als Tasting-Resort mit kompletter Erlebnisarchitektur. Auf dem Gelände stehen eine moderne Kellerei mit 300 Hektar Rebland in zwei Anbauzonen, drei traditionelle Gästehäuser im moldauischen Landstil mit zusammen 30 Zimmern, ein Restaurant mit regionaler Küche, ein Amphitheater für Konzerte sowie ein angeschlossener Weingarten zum Verweilen. Die Weinlinie reicht vom Einstiegssegment Individo bis zur Premium-Reserve aus Fetească Neagră und Rară Neagră. Verkostungen mit vier bis sechs Weinen und Imbiss kosten 25 bis 60 Euro pro Person, ein Zimmer im traditionellen Gästehaus ab 90 Euro pro Nacht inklusive Frühstück.
Asconi Vineyards - die familiäre Kelterei
Asconi im Dorf Puhoi rund 30 Kilometer südöstlich von Chișinău ist ein 1994 gegründetes Familienunternehmen und steht für den Charme einer großen Bauern-Kelterei mit moderner Infrastruktur. Auf 250 Hektar Rebland produziert die Familie Asconi rund eine Million Flaschen pro Jahr, vom einfachen Sortenwein bis zur Reserve-Linie aus Fetească Neagră und Cabernet Sauvignon. Auf dem Gelände stehen acht traditionelle moldauische Häuser mit Strohdach als Boutique-Pensionen mit Schwimmbad und Restaurant. Die Kombination aus Kellerei-Tour, Verkostung von sechs Weinen und einem dörflichen Lunch mit Mămăligă, Sarmale und Plăcinte kostet 35 bis 70 Euro pro Person, Übernachtung in einem traditionellen Haus ab 70 Euro pro Nacht.
Et Cetera Family Winery - das Bordeaux-inspirierte Kleinod
Et Cetera in Crocmaz im Süden in der Region Ștefan Vodă wurde 2003 von den Brüdern Igor und Alexandru Luchianov gegründet, beide hatten zuvor Weinbau im Bordeaux studiert. Auf 90 Hektar Rebland am Nistru-Fluss entstehen rund 200.000 Flaschen pro Jahr mit klarem Bordeaux-Stil aus Cabernet Sauvignon, Merlot, Cabernet Franc sowie Fetească Neagră. Die Familienkellerei ist klein, modern und konsequent qualitätsorientiert und gilt unter Experten als eines der spannendsten Häuser Moldaus für Liebhaber strukturierter Rotweine. Eine private Tour mit den Inhabern und Verkostung von sechs Weinen mit Lunch kostet 60 bis 110 Euro pro Person und sollte zwei bis vier Wochen im Voraus gebucht werden.
Branesti - die Höhlenkeller in den Felsen
Branesti rund 60 Kilometer nordöstlich von Chișinău unterscheidet sich von allen anderen moldauischen Weinkellern durch seine Architektur. Statt verglaster Empfangshalle führt der Weg direkt in echte Höhlen im Kalksteinmassiv über dem Răut-Fluss in der Nähe des Felsenklosters Orheiul Vechi. Die Galerien wurden bereits im 18. Jahrhundert für Salz- und Kalksteinabbau angelegt und seit 1860 als Weinkeller genutzt. Heute lagern auf rund 75 Kilometern Stollen mehr als 1,2 Millionen Flaschen mit Bestand bis in die 1950er Jahre zurück. Branesti ist landschaftlich einzigartig, weil sich Weinkeller, Felsenkloster und das ländliche Moldau zu einem einzigen Tagesausflug verbinden lassen. Verkostung mit drei bis vier Weinen und Imbiss kostet 25 bis 50 Euro pro Person.
Weitere bemerkenswerte Häuser
Neben den großen Sieben gibt es zahlreiche kleinere Weingüter, die einen Besuch lohnen. Salcuța in Cahul produziert Premium-Weine aus dem südlichen Valul lui Traian, Gitana Winery in Etulia konzentriert sich auf moderne Cuvées, Vinăria Bostavan zählt mit 1.300 Hektar zu den größten Erzeugern, Vinăria din Vale in Vulcănești setzt auf autochthone Sorten, Equinox in Onițcani arbeitet biodynamisch, Fautor in Tigheci wurde mehrfach international ausgezeichnet, Carpe Diem in Mileștii Mici legt Schwerpunkt auf kleine Chargen sowie Crama Mircești im Norden mit klassischem Familienprofil. Eintrittsgebühren und Verkostungen liegen meist bei 15 bis 40 Euro pro Person.
Die sechs Highlights einer Weinreise im Überblick
Galerie-Fahrt durch Mileștii Mici
Eine Fahrt im eigenen Auto durch die 200 Kilometer Galerien von Mileștii Mici mit Stopps am Goldenen Stollen und in der Galerie der Premium-Cuvées dauert 90 Minuten. Die Verkostung umfasst vier bis sechs Weine, darunter den legendären Codru-Reserve und Negru de Purcari aus dem Archiv. Preis 30 bis 70 Euro pro Person.
Bus-Tour durch die Stadt Cricova
Die Bus-Tour durch die 120 Kilometer unterirdischer Straßen von Cricova führt durch die thematischen Räume Kasakischer Saal, Präsidial-Saal und Schatzkammer mit der historischen Sammlung. Dazu Verkostung von vier bis sechs Sekten und Stillweinen mit Imbiss. Dauer zwei bis drei Stunden, Preis 35 bis 80 Euro pro Person.
Premium-Lunch in Purcari
Eine Tour im historischen Gut Purcari am Nistru-Fluss mit Verkostung von fünf Weinen rund um das Flaggschiff Negru de Purcari sowie einem klassischen Drei-Gang-Lunch in der Gutsküche kostet 45 bis 90 Euro pro Person. Optional Übernachtung im Boutique-Hotel ab 110 Euro.
Schloss-Spa in Castel Mimi
Castel Mimi verbindet eine Kellerei-Tour mit Verkostung von fünf Weinen und Drei-Gang-Lunch mit dem Aufenthalt im Boutique-Hotel inklusive Spa, Pool und zwei Restaurants. Tagesprogramm ohne Übernachtung 65 bis 130 Euro pro Person, Suite ab 180 Euro pro Nacht inklusive Frühstück.
Höhlenkeller Branesti mit Orheiul Vechi
Die Kombination Branesti mit Verkostung in echten Felsen-Galerien und dem benachbarten Felsenkloster Orheiul Vechi ergibt einen vollen Tagesausflug ab Chișinău mit kultureller, landschaftlicher und kulinarischer Tiefe. Eintritt Kloster frei, Verkostung in Branesti 25 bis 50 Euro pro Person.
Tag des Weins am ersten Oktoberwochenende
Der Național Wine Day Mileștii Mici Cricova auf dem Platz der Großen Nationalversammlung in Chișinău am ersten Wochenende im Oktober vereint mehr als 70 Weingüter mit Verkostungsständen, Volkstanz, Folklore und einem großen Festabend. Eintritt frei, Verkostungsgläser ab 5 Euro, viele Häuser bieten Tagesführungen.
Die fünf großen Weinkeller im Vergleich
Die Tabelle hilft bei der Schwerpunktwahl. Wer nur drei Tage Zeit hat, kombiniert Mileștii Mici mit Cricova und Castel Mimi rund um Chișinău. Für eine volle Weinwoche lohnt zusätzlich der Tagesausflug nach Purcari im Süden sowie nach Château Vartely und Branesti im Nordosten.
Rebsorten und vier Weinrouten Moldaus
Die moldauische Weinszene ruht auf zwei Säulen - alten autochthonen Sorten und einer breiten Palette internationaler Rebsorten, die teils seit dem 19. Jahrhundert kultiviert werden. Die wichtigsten autochthonen Weißweine heißen Fetească Albă und Fetească Regală, beide leicht, frisch und mit floraler Nase sowie Viorica mit ausgeprägter Muskatnote. Die zentralen autochthonen Rotweine sind Fetească Neagră mit dunkler Frucht und Pfeffernote sowie Rară Neagră als seltener und körperreicher Klassiker, der unter Sowjet-Hand fast verschwunden war und in den letzten zwanzig Jahren wiederentdeckt wurde. Aus georgischer Tradition kam Saperavi nach Moldau, vor allem in der Sowjetzeit als Lieferant für die kräftigen Reserve-Cuvées. An internationalen Sorten dominieren Cabernet Sauvignon, Merlot, Cabernet Franc und Pinot Noir bei den Roten sowie Chardonnay, Sauvignon Blanc und Riesling bei den Weißen.
Das nationale Weintourismus-Programm Wine of Moldova hat vier offizielle Weinrouten ausgewiesen, die unterschiedliche Schwerpunkte setzen. Die Codru-Route im Zentrum um Chișinău, Strășeni und Călărași verbindet Mileștii Mici, Cricova, Castel Mimi und Vartely mit den größten Schaukellern und den präsentablen Resort-Häusern. Die Süd-Route Valul lui Traian rund um Cahul, Comrat und Vulcănești führt zu Salcuța, Gitana, Vinăria din Vale und kleinen autonomen gagausischen Familienbetrieben. Die Ost-Route Ștefan Vodă entlang des Nistru-Flusses verbindet Purcari, Et Cetera, Salcuța und kleinere Häuser. Die Nord-Route Bălți rund um Bălți und Mircești bedient Crama Mircești und mehrere Kleinerzeuger und steht typischer Weise erst am Ende eines längeren Roadtrips.
Praktische Tipps für die Weinreise durch Moldau
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Budget realistisch ansetzen
Eine Weinreise durch Moldau ist deutlich günstiger als in Frankreich, Italien oder Deutschland, aber teurer als auf den ersten Blick erwartbar. Mit 75 bis 130 Euro pro Person und Tag sind Übernachtung im Mittelklasse-Hotel, zwei Verkostungen, ein guter Lunch im Weingut und ein Abendessen in der Stadt realistisch abgedeckt. Wer im einfachen Gästehaus übernachtet und auf eine Verkostung pro Tag setzt, kommt mit 45 bis 75 Euro pro Tag aus, eine Premium-Tour mit Suite in Castel Mimi liegt schnell bei 250 Euro pro Person und Tag.
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Saisonalität ernst nehmen
Die ideale Reisezeit liegt zwischen Mai und Oktober mit Höhepunkt im September während der Weinlese und am ersten Wochenende im Oktober mit dem Tag des Weins. Im Hochsommer Juli und August klettert das Thermometer in Chișinău auf 30 bis 35 Grad, dann sind Verkostungen in den kühlen Galerien besonders angenehm. Zwischen November und März sind viele Weingüter nur eingeschränkt geöffnet, die Tour-Pakete reduziert.
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Reservierung in jedem Weingut
Anders als in Frankreich oder Italien gibt es in Moldau kaum spontane Cellar Doors. Jedes Weingut von Mileștii Mici bis zum kleinsten Familienbetrieb verlangt eine Voranmeldung, meist mit zwei bis drei Tagen Vorlauf. Premium-Häuser wie Et Cetera und Purcari sollten zwei bis vier Wochen im Voraus reserviert werden, vor allem am Wochenende und im September. Die meisten Gastgeber sprechen Englisch, viele auch Deutsch, Französisch oder Russisch.
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Mietwagen oder Fahrer mit Englisch
Wer mehrere Weingüter pro Tag besuchen möchte, braucht entweder einen Mietwagen oder einen Fahrer mit Englischkenntnissen. Tagespreise für einen Kompaktwagen liegen bei 30 bis 55 Euro mit Vollkasko, ein Fahrer mit eigenem Wagen und Routenplanung kostet 80 bis 130 Euro pro Tag. Der Fahrer ist klar vorzuziehen, weil die Verkostungen sonst zwingend ausgespuckt werden müssen. Im Winter Winterreifen explizit im Vertrag prüfen.
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Maximal zwei bis drei Weingüter pro Tag
Eine Weinreise mit Tour am Vormittag, ausführlichem Lunch in einem Weingut und einer zweiten Verkostung am späten Nachmittag ist anspruchsvoll. Mehr als drei Häuser pro Tag überfordern Konzentration und Geschmacksvermögen, vor allem weil die moldauischen Reserve-Cuvées kräftig und tanninbetont sind. Wer das Tempo drosselt, behält Aufmerksamkeit für Details bei Rebsortencharakter, Fass-Profil und Terroir.
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Barrierefreiheit eingeschränkt
Die Schaukeller Mileștii Mici, Cricova und Branesti sind mit Galerien unter der Erde nur eingeschränkt rollstuhltauglich. Castel Mimi und Château Vartely sind als Resort-Anlagen weitgehend barrierefrei und haben ebenerdige Verkostungsräume. Familienbetriebe wie Asconi, Et Cetera und Crama Mircești haben oft Schwellen, schmale Treppen oder Hofzugänge ohne Rampe. Vorab Kontakt mit den Häusern aufnehmen klärt die Lage zuverlässig.
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Hochsommer und Galerie-Strategie
Im Juli und August klettert das Thermometer in Chișinău regelmäßig auf 30 bis 35 Grad und in den südlichen Anbauzonen sogar darüber. Die unterirdischen Galerien von Mileștii Mici und Cricova haben dagegen konstante 12 bis 14 Grad, weshalb eine Jacke selbst im Hochsommer Pflicht ist. Tour-Programme am späten Vormittag oder frühen Nachmittag planen, Außenbesuche bei Familienbetrieben eher früh am Morgen oder spät am Nachmittag. Hut, Trinkflasche und Sonnenmilch gehören neben dem Notizbuch in die Tagestasche.
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Plan B für Regen und Winter
Bei Schlechtwetter sind die unterirdischen Schaukeller die ideale Alternative, weil die Galerien wetterunabhängig sind. Castel Mimi und Château Vartely bieten überdachte Verkostungsräume mit Restaurant und Spa, Cricova hat sogar ein Untergrund-Konzertprogramm. Hofbesuche bei Familienbetrieben am besten verschiebbar buchen, weil Nebenstrecken bei Schnee oder Eis im Winter rutschig werden und manche Höfe in der kalten Jahreszeit nur eingeschränkt geöffnet sind.
Insider-Tipps
Übernachten im Weingut
Eine Übernachtung direkt im Weingut ist in Moldau gut möglich und ergänzt die Reise um eine ruhige Komponente nach dem Abendessen. Castel Mimi bietet Suiten ab 180 Euro pro Nacht mit Spa, Pool und Drei-Gang-Frühstück, Purcari hat ein Boutique-Hotel ab 110 Euro pro Nacht im historischen Gutshaus, Château Vartely vermietet traditionelle Gästehäuser ab 90 Euro pro Nacht inklusive Frühstück, und Asconi bietet die schönsten Strohdach-Häuser ab 70 Euro pro Nacht mit Schwimmbad. Ein kleines Mitbringsel wie ein Wein aus der Heimat wird sehr geschätzt, die Sprache wechselt zwischen Rumänisch, Englisch, Russisch und oft auch Deutsch oder Französisch.
Tag des Weins am ersten Oktoberwochenende
Der Național Wine Day, in Moldau Ziua Vinului genannt, findet am ersten Wochenende im Oktober auf dem Platz der Großen Nationalversammlung im Zentrum von Chișinău statt. Mehr als 70 Weingüter aus dem ganzen Land präsentieren ihre Produkte an Holzpavillons, dazu spielt Volksmusik, traditionelle Tanzgruppen treten auf und am Abend gibt es ein großes Konzert. Wer im Oktober nach Moldau reist, sollte die Reise zwingend um dieses Wochenende herum planen - die Verkostungsgläser kosten ab 5 Euro, viele Weingüter bieten an dem Tag offene Türen oder Sonderführungen. Hotels in Chișinău sollten zwei bis drei Monate im Voraus gebucht werden.




