Malta ist mit 316 Quadratkilometern und rund 540.000 Einwohnern eine der kleinsten und gleichzeitig geschichtlich dichtesten Nationen der Welt — ein Archipel aus Malta, Gozo und Comino mitten im Mittelmeer zwischen Sizilien und Nordafrika, das mehr Schichten europäischer und mediterraner Geschichte trägt als die meisten Großstaaten. Die ältesten freistehenden Steinbauten der Menschheit stehen hier — die Megalithtempel von Ggantija auf Gozo entstanden zwischen 3.600 und 3.200 vor Christus und sind damit älter als Stonehenge und die ägyptischen Pyramiden. Sechs Tempelanlagen wurden als UNESCO-Welterbe ausgezeichnet, dazu das unterirdische Hypogäum von Hal Saflieni und die Hauptstadt Valletta. Phönizier, Karthager und Römer hinterließen ihre Spuren, die römische Domus Romana am Rand der alten Hauptstadt Mdina zeigt prächtige Mosaike. Arabische Herrschaft von 870 bis 1090 prägte die Toponyme und die maltesische Sprache als semitisches Idiom mit lateinischer Schrift. Die Johanniter regierten von 1530 bis 1798, gründeten 1566 nach der Großen Belagerung von 1565 die Festungsstadt Valletta, errichteten Großmeisterpalast und Saint-Johns-Co-Kathedrale mit zwei Caravaggio-Originalen. Napoleon vertrieb den Orden 1798 in einem kurzen Zwischenspiel, danach folgte die britische Kolonialzeit bis 1964. Im Zweiten Weltkrieg überlebte Malta zwei Jahre Belagerung und erhielt 1942 das George Cross — heute Teil der Nationalflagge. Seit 1964 unabhängig, seit 2004 EU-Mitglied. Tickets und Öffnungszeiten unter visitmalta.com.

Anreise und Erreichbarkeit

Malta liegt mitten im Mittelmeer rund 93 Kilometer südlich von Sizilien und etwa 290 Kilometer nördlich der tunesischen Küste. Das Archipel ist über den Flughafen Malta International in Luqa mit ganz Europa verbunden, dazu kommen Fährverbindungen nach Sizilien. Wer Maltas Zeitreise nachvollziehen möchte, plant mindestens fünf bis sieben Tage ein — drei für Valletta und die Hauptinsel mit Mdina, Hagar Qim und Tarxien, zwei für Gozo mit Ggantija und Victoria, ein Tag für das Hypogäum mit vorab gebuchtem Ticket.

Mit dem Flugzeug

Malta International Airport (MLA) in Luqa liegt rund 8 Kilometer südwestlich von Valletta und wird von zahlreichen europäischen Airlines bedient. Direktflüge gibt es ganzjährig aus Frankfurt, München, Wien, Zürich, Düsseldorf und Berlin mit Air Malta, Lufthansa, Eurowings, Ryanair und Wizz Air. Flugzeit ab Frankfurt beträgt rund 2:45 h, ab Wien 2:30 h, ab Zürich 2:30 h. In der Hochsaison Juni bis September kommen weitere Saisonverbindungen aus deutschen Regionalflughäfen dazu.

Mit der Fähre nach Sizilien und nach Gozo

Die Virtu Ferries verbindet Valletta mit Pozzallo auf Sizilien in rund 1:45 h, eine Auto-Fähre nach Catania braucht 3 Stunden. Zwischen Malta und Gozo verkehrt die Gozo Channel Line alle 45 Minuten zwischen Cirkewwa und Mgarr — Fahrtzeit 25 Minuten, Auto plus Fahrer rund 16 Euro, Rückfahrt im Preis inbegriffen.

Vor Ort bewegen und Parken

Malta hat ein dichtes Busnetz mit Malta Public Transport — alle Linien laufen über Valletta, das Tagesticket kostet 2,50 Euro im Sommer. Wer Gozo und entlegene Tempelanlagen sehen will, mietet einen Kleinwagen. Achtung — in Malta wird wie in Grossbritannien links gefahren. In Valletta herrscht Verkehrsberuhigung, das Auto bleibt in der Park-and-Ride-Anlage stehen, ein Shuttle bringt Gäste zur Republic Street.

Frankfurt → Malta 1.760 km ~2:45 h Flug
München → Malta 1.640 km ~2:30 h Flug
Wien → Malta 1.470 km ~2:30 h Flug
Zürich → Malta 1.700 km ~2:30 h Flug
Pozzallo (Sizilien) → Valletta 93 km ~1:45 h Fähre Virtu

Megalithtempel — älter als Stonehenge

Die Megalithtempel Maltas sind die ältesten freistehenden Steinbauten der Menschheit. Sie entstanden zwischen 3.600 und 2.500 vor Christus während einer einzigartigen Tempelkultur, die kein anderes Mittelmeer-Volk in dieser Frühphase hervorbrachte. Sechs Tempelanlagen wurden 1980 (Ggantija) und 1992 (die übrigen) zum UNESCO-Welterbe erklärt. Die Bauten sind älter als die ägyptischen Pyramiden, die mesopotamischen Zikkurate und Stonehenge in Südengland — sie markieren den Beginn monumentaler Architektur in Europa.

Ggantija auf Gozo — der älteste UNESCO-Tempel

Ggantija liegt am Rand von Xaghra im Norden Gozos und besteht aus zwei nebeneinander stehenden kleeblattförmigen Tempeln, umschlossen von einer gemeinsamen Außenmauer. Die Tempel entstanden zwischen 3.600 und 3.200 vor Christus — sie sind rund 1.000 Jahre älter als die ältesten ägyptischen Pyramiden und rund 1.000 Jahre älter als Stonehenge. Der Name Ggantija leitet sich vom maltesischen Wort für Riesen ab — die einheimische Bevölkerung schrieb die mächtigen Steinblöcke einer Volk von Giganten zu. Einige der Megalithen wiegen über 50 Tonnen. Eintritt rund 9 Euro inklusive Besuch der nahegelegenen Ta-Kola-Windmühle.

Hagar Qim und Mnajdra — UNESCO an den südlichen Klippen

Hagar Qim und Mnajdra liegen direkt nebeneinander an der Südküste Maltas oberhalb der Klippen mit Blick auf die Insel Filfla. Hagar Qim wurde 1839 ausgegraben und stammt aus der Zeit von 3.600 bis 3.200 vor Christus, der Tempelkomplex weist die grössten Megalithblöcke Maltas auf — ein Steinblock misst 6,40 Meter Länge und wiegt rund 20 Tonnen. Mnajdra liegt 500 Meter weiter südlich auf einem Hang zum Meer und besteht aus drei Tempeln, die auf astronomische Ereignisse ausgerichtet sind — am Tag der Frühjahrs- und Herbst-Tagundnachtgleiche fällt das Sonnenlicht durch den Haupteingang exakt auf die Hauptachse. Beide Stätten teilen sich einen Eingang und eine Schutzhülle aus weissem Zeltdach, das die Steine vor Witterung schützt. Eintritt 10 Euro für beide Tempel.

Hypogäum von Hal Saflieni — unterirdisches UNESCO-Welterbe

Das Hypogäum von Hal Saflieni in Paola südlich von Valletta ist das einzige bekannte unterirdische prähistorische Heiligtum der Welt und gehört zu den faszinierendsten Stätten Maltas. Die unterirdische Anlage wurde zwischen 4.000 und 2.500 vor Christus aus dem Globigerinen-Kalkstein gehauen und erstreckt sich über drei Ebenen mit Grabkammern, Vorräumen und dem berühmten Orakelraum, in dem niedrige Stimmen durch akustische Resonanz mehrfach verstärkt werden. Mehr als 7.000 Skelette wurden hier gefunden. Die UNESCO erklärte das Hypogäum 1980 zum Welterbe. Zum Schutz des Mikroklimas dürfen täglich nur 80 Besucher in 10er-Gruppen die Anlage betreten — Tickets müssen Wochen oder Monate im Voraus über Heritage Malta gebucht werden, Eintritt rund 35 Euro.

Phönizier, Karthager und Römer

Nach dem Ende der Tempelkultur um 2.500 vor Christus brach die malter Megalithzivilisation aus bisher unbekannten Gründen zusammen. Es folgte ein Hiatus von rund 800 Jahren mit nur spärlicher Besiedlung. Ab dem 8. Jahrhundert vor Christus erreichten phönizische Seefahrer das Archipel und gründeten Handelsstützpunkte — der Name Malta leitet sich vermutlich vom phönizischen Wort Maleth (Hafen oder Zuflucht) ab. Die Phönizier brachten das Mittelmeer-Handelsnetz, die Punier aus Karthago übernahmen ab dem 6. Jahrhundert die Kontrolle. 218 vor Christus eroberten die Römer im Zweiten Punischen Krieg die Insel und integrierten sie ins Reich.

Domus Romana in Mdina

Die Domus Romana ist eine römische Stadtvilla aus dem 1. Jahrhundert vor Christus am Rand der alten Hauptstadt Mdina und liefert den eindrucksvollsten Beleg für die römische Präsenz auf Malta. Das Haus wurde 1881 entdeckt und ab 1922 systematisch ausgegraben. Highlights sind die prächtigen Bodenmosaike im Peristyl-Innenhof, die zu den ältesten und besterhaltenen im westlichen Mittelmeerraum gehören — Motive umfassen mythologische Szenen, geometrische Muster und Tier-Darstellungen. Die zugehörige Sammlung im Museum zeigt Marmorstatuen einer kaiserlichen Familie, Münzen und Alltagsgegenstände. Eintritt 6 Euro.

Paulus und die christliche Tradition

Im Jahr 60 n. Chr. erlitt der Apostel Paulus laut Apostelgeschichte vor Malta Schiffbruch und blieb drei Monate auf der Insel. Er soll die ersten Christen Maltas getauft haben — der Statthalter Publius wurde der erste Bischof. Heute erinnern Pauluskirche in Rabat, Paulusgrotte und das Patronatsfest am 10. Februar an dieses Ereignis.

Arabische Zeit und normannisches Erbe

Nach dem Niedergang des Römischen Reiches gehörte Malta zunächst zu Byzanz. 870 nach Christus eroberten arabische Truppen unter den Aghlabiden die Insel von Sizilien aus. Die rund 220-jährige arabische Herrschaft (870 bis 1090) prägte Malta tiefgreifend — die maltesische Sprache geht direkt auf den arabischen Dialekt jener Zeit zurück und ist heute die einzige semitische Sprache, die in lateinischer Schrift geschrieben wird und EU-Amtssprache ist. Ortsnamen wie Mdina (vom arabischen Medina), Mqabba, Marsaxlokk und Birkirkara stammen aus dieser Periode, ebenso landwirtschaftliche Innovationen wie die Bewässerung mit Wasserrädern, Zitrusfrüchte und Baumwolle.

Normannen ab 1090

1090 eroberte der normannische Graf Roger I. von Sizilien die Insel. Die Normannen tolerierten zunächst die muslimische Bevölkerung, ab 1224 unter Friedrich II. wurden Muslime systematisch vertrieben oder zum Christentum gezwungen. Malta gehörte fortan zum Königreich Sizilien — zunächst unter den Staufern, dann unter Anjou, Aragon und Spanien. Hauptstadt war Mdina im Inselinneren, die heute den Beinamen Silent City trägt.

Johanniterorden 1530 bis 1798 und das Malteserkreuz

1530 trat Kaiser Karl V. die Insel an den Johanniterorden ab, der nach dem Verlust von Rhodos 1522 ein neues Hauptquartier suchte. Der Pachtzins betrug einen jährlich übergebenen maltesischen Falken — Anlass für Dashiell Hammetts Krimi-Klassiker und den Begriff Malteserorden. Aus den Johannitern wurde der Souveräne Malteser-Ritterorden, das achtspitzige weiße Kreuz auf rotem Grund wurde zum Wahrzeichen Maltas. Die folgenden 268 Jahre prägten Malta architektonisch und kulturell tiefer als jede andere Epoche — Valletta entstand, der Großmeisterpalast wurde Regierungssitz, und Caravaggio fand zeitweilig Asyl im Orden.

Die Große Belagerung von 1565

Die Große Belagerung von Malta im Sommer 1565 gehört zu den prägendsten Ereignissen der Inselgeschichte. Sultan Süleyman der Prächtige sandte eine osmanische Armada mit 200 Schiffen und 40.000 Soldaten gegen die rund 6.000 Ordensritter und maltesische Verteidiger unter Großmeister Jean Parisot de Valette. Vom 18. Mai bis 8. September wurde Fort Sant Elmo, dann Fort Sant Angelo und die Stadt Birgu (Vittoriosa) belagert. Die Ritter hielten stand, eine spanische Entsatzarmee zwang die Osmanen zum Rückzug — Malta blieb christlich, und Valette wurde als Held gefeiert. Aus dem Sieg entstand das Bedürfnis nach einer neuen, uneinnehmbaren Festungsstadt.

Valletta gegründet 1566 und der Großmeisterpalast

Am 28. März 1566 legte Großmeister Jean Parisot de Valette den Grundstein für die nach ihm benannte Hauptstadt Valletta auf der Halbinsel Sciberras zwischen Grand Harbour und Marsamxett-Hafen. Der italienische Militärarchitekt Francesco Laparelli plante die Stadt im geometrischen Rasterprinzip mit massiven Bastionen — die erste vollständig nach Renaissance-Idealen geplante Stadt Europas. Der Großmeisterpalast (Palazzo Magistrale) an der Republic Street wurde ab 1571 erbaut und diente bis 1798 als Residenz der Großmeister. Heute beherbergt der Palast den Sitz des maltesischen Präsidenten sowie die berühmte Waffenkammer mit Rüstungen und der Staatsempfangsräume mit Wandteppichen aus den Gobelin-Manufakturen. Eintritt rund 12 Euro.

Saint-Johns-Co-Kathedrale und die Caravaggios

Die Saint-Johns-Co-Kathedrale an der Republic Street in Valletta wurde zwischen 1573 und 1578 als Konventskirche der Johanniter erbaut. Die schlichte Außenfassade kontrastiert mit der überwältigenden barocken Innenausstattung — vergoldete Wände, ein Marmor-Boden aus 405 Grabplatten verstorbener Ritter und Seitenkapellen für die acht Zungen (Sprachgruppen) des Ordens. Im Oratorium hängt das grösste Werk Caravaggios — die Enthauptung Johannes des Täufers (1608) misst 3,61 mal 5,20 Meter und ist das einzige von Caravaggio signierte Gemälde überhaupt. Daneben hängt sein Werk Heiliger Hieronymus beim Schreiben aus demselben Jahr. Caravaggio kam 1607 nach Malta auf der Flucht vor einem Mordvorwurf in Rom, wurde Ordensritter, fiel aber 1608 in Ungnade und floh. Eintritt rund 15 Euro inklusive Audioguide.

Napoleon, britische Kolonialzeit und WW2

Im Juni 1798 eroberte Napoleon Bonaparte auf seinem Weg nach Ägypten die Insel binnen weniger Tage und vertrieb den geschwächten Johanniterorden. Die französische Herrschaft dauerte nur zwei Jahre — die maltesische Bevölkerung erhob sich gegen die antiklerikale Politik und die Plünderung von Kirchensilber. Mit britischer Unterstützung kapitulierten die Franzosen 1800. Im Pariser Frieden von 1814 wurde Malta offiziell britische Kronkolonie. Die folgenden 150 Jahre prägten die Insel administrativ, sprachlich und militärisch — Englisch wurde zweite Amtssprache, der britische Linksverkehr, die roten Telefonzellen und die parlamentarische Tradition sind bis heute sichtbar.

Britische Kolonialzeit und der Weg zur Unabhängigkeit

Malta wurde zur wichtigsten britischen Marinebasis im zentralen Mittelmeer — der Grand Harbour beherbergte die Mediterranean Fleet, die Werften in Senglea und Cospicua reparierten Royal-Navy-Schiffe. Die maltesische Sprache erhielt 1934 offiziellen Status, das Frauenwahlrecht kam 1947, die Insel wurde schrittweise selbstverwaltet bis zur Unabhängigkeit 1964.

Belagerung im Zweiten Weltkrieg und das George Cross

Im Zweiten Weltkrieg geriet Malta zwischen 1940 und 1942 unter eine zwei Jahre dauernde italienisch-deutsche Bomben- und Seeblockade — die zweite Belagerung von Malta. Wegen seiner strategischen Lage zwischen Italien und Nordafrika bombardierten die Achsenmächte die Insel mit über 3.000 Luftangriffen. Lebensmittel und Treibstoff wurden so knapp, dass die Bevölkerung zeitweise rationierte Brot- und Wasser-Marken erhielt. Am 15. April 1942 verlieh König George VI. der gesamten maltesischen Bevölkerung das George Cross — die höchste zivile britische Tapferkeitsauszeichnung — als Anerkennung für die Standhaftigkeit. Das George Cross ist seitdem im linken Obereck der maltesischen Nationalflagge abgebildet.

Unabhängigkeit 1964 und EU-Beitritt 2004

Am 21. September 1964 wurde Malta von Grossbritannien unabhängig, zunächst als Commonwealth-Mitglied. 1974 wurde Malta Republik mit eigenem Präsidenten, 1979 verliess die letzte britische Garnison die Insel — dieser Tag wird als Freedom Day jährlich am 31. März begangen. 2004 trat Malta der EU bei, 2008 wurde der Euro eingeführt. Heute gilt das Land als Drehscheibe für Finanzdienstleistungen, Tourismus und maritime Logistik.

Die wichtigsten Stationen der Zeitreise im Überblick

Ggantija auf Gozo

UNESCO-Welterbe seit 1980 und älteste freistehende Steinbauten der Menschheit. Zwei Tempel aus 3.600 bis 3.200 v. Chr. mit Megalithblöcken über 50 Tonnen. Mit der Ta-Kola-Windmühle kombinierbar, rund 9 Euro Eintritt.

Hagar Qim und Mnajdra

UNESCO-Tempel an der Südküste oberhalb der Klippen mit Blick auf Filfla. Astronomische Ausrichtung auf Tagundnachtgleichen, grösste Megalithblöcke Maltas. Gemeinsamer Eintritt 10 Euro mit weissem Schutzdach.

Hypogäum Hal Saflieni

Einziges unterirdisches prähistorisches Heiligtum der Welt, UNESCO-Welterbe seit 1980. Drei Ebenen, Orakelraum mit akustischer Resonanz, 7.000 Skelettfunde. Limitierter Eintritt 80 Personen pro Tag, Tickets Wochen im Voraus über Heritage Malta.

Domus Romana Mdina

Römische Stadtvilla aus dem 1. Jahrhundert v. Chr. am Rand der alten Hauptstadt Mdina. Prächtige Bodenmosaike, Marmorstatuen und Alltagsgegenstände im zugehörigen Museum. Beleg für die römische Präsenz auf Malta.

Valletta UNESCO-Altstadt

Gegründet 1566 von Großmeister Jean Parisot de Valette nach der Großen Belagerung von 1565. Erste vollständig nach Renaissance-Idealen geplante Stadt Europas. UNESCO-Welterbe seit 1980 mit Bastionen, Republic Street und Upper Barrakka Gardens.

Saint-Johns-Co-Kathedrale

Konventskirche der Johanniter von 1573 bis 1578 mit barocker Innenausstattung. Marmorboden aus 405 Ritter-Grabplatten und zwei Caravaggio-Originale im Oratorium — Enthauptung Johannes des Täufers und Heiliger Hieronymus. Eintritt 15 Euro.

Vergleich der wichtigsten historischen Epochen

Kriterium
Tempelkultur
Phönizier-Römer
Araber-Normannen
Johanniter
Briten-Republik
Zeitraum
3.600 bis 2.500 v. Chr.
800 v. Chr. bis 870 n. Chr.
870 bis 1530
1530 bis 1798
1800 bis heute
Hauptstadt
Keine, Tempel verteilt
Melite (heute Mdina)
Mdina
Birgu, ab 1571 Valletta
Valletta
Schlüsselbau
Ggantija, Hagar Qim
Domus Romana
Mdina-Mauern
Saint-Johns-Co-Kathedrale
Auberge de Castille
Sprach-Erbe
Unbekannt
Latein
Maltesisch (semitisch)
Italienisch im Adel
Englisch als Amtssprache
UNESCO-Stätte
6 Tempel plus Hypogäum
Keine direkt
Keine direkt
Altstadt Valletta
Keine direkt
Endpunkt
Hiatus um 2.500 v. Chr.
Arabische Eroberung
Karl V. übergibt Insel
Napoleon vertreibt Orden
Unabhängigkeit 1964
Besucher-Highlight
Hypogäum (Ticket vorab)
Domus Romana Mdina
Silent City Mdina
Großmeisterpalast
George Cross Flagge

Maltas Zeitreise reiht fünf große Epochen über 7.000 Jahre auf engstem Raum aneinander — von der Tempelkultur als ältester Hochkultur Europas bis zur jüngsten EU-Mitgliedschaft seit 2004.

Mdina, die Silent City und maltesisches Wappen

Mdina ist die alte Hauptstadt Maltas im Inselinneren und blieb von der Tempelzeit bis 1571 das politische Zentrum. Die fortifizierte Stadt beherbergt nur rund 250 Einwohner und wird wegen ihrer weitgehend autofreien Gassen Silent City genannt. Höhepunkte sind die Saint-Pauls-Kathedrale (1697 bis 1702 nach einem Erdbeben neu erbaut), der Palazzo Falson und die Bastion mit Panoramablick. Direkt an die Stadtmauern grenzt der Vorort Rabat mit Pauluskirche und Paulusgrotte. Das maltesische Wappen trägt das George Cross als Erinnerung an die WW2-Belagerung; die maltesische Sprache ist die einzige semitische Sprache in lateinischer Schrift und EU-Amtssprache, Englisch ist zweite Amtssprache.

Praktische Tipps für die Zeitreise

  • Heritage-Malta-Multi-Site-Pass

    Wer mehrere UNESCO-Tempel, die Domus Romana, das Hypogäum und Mdina-Stätten besichtigen möchte, spart mit dem Heritage Malta Multi-Site-Pass. Ein 30-Tage-Pass kostet rund 50 Euro für Erwachsene und gewährt Eintritt zu rund 25 staatlichen Stätten — das amortisiert sich ab dem dritten Besuch.

  • Hypogäum-Tickets Monate im Voraus

    Das Hypogäum von Hal Saflieni lässt nur 80 Personen täglich in 10er-Gruppen herein, alle 60 Minuten eine Gruppe. Tickets sind oft Wochen oder Monate im Voraus ausgebucht — sofort nach der Reisebuchung über Heritage Malta reservieren. Late-Tickets gibt es manchmal über Last-Minute-Pools direkt am National Museum of Archaeology.

  • + Tempel-Sonnenaufgang an Tagundnachtgleiche

    Am 20. März und 22. September fällt das Sonnenlicht morgens exakt durch den Haupteingang von Mnajdra auf die Hauptachse — ein astronomisches Ereignis, das vor 5.000 Jahren in den Stein gebaut wurde. Heritage Malta öffnet die Anlage an diesen Tagen früh und bietet geführte Sonnenaufgangs-Touren.

  • i Caravaggio im Oratorium

    Die zwei Caravaggio-Gemälde in der Saint-Johns-Co-Kathedrale befinden sich im Oratorium — einem separaten Raum mit Sitzbänken, in dem Besucher den vorgeschriebenen Mindestabstand zu den Werken einhalten. Der Audioguide im Kathedralen-Ticket beschreibt die Werke detailliert, eine Sitzbank-Pause ist ausdrücklich erwünscht. Foto-Verbot ohne Blitz, aber mit Audioguide kein Problem.

  • Gozo-Fähre und Tagesausflug

    Die Gozo Channel Line fährt alle 45 Minuten zwischen Cirkewwa und Mgarr. Frühe Fähre um 6:30 Uhr nehmen, um Ggantija und Victoria mit Citadel vor der Mittagshitze zu sehen. Mietwagen bequem von Bord nehmen, Auto plus Fahrer kostet rund 16 Euro hin und zurück. Letzte Rückfähre um 22:00 Uhr.

  • Mdina autofrei und Schuhwerk

    Mdina, die Silent City, ist nahezu autofrei und nur über das Hauptstadttor zu betreten — ab 17 Uhr werden auch Pferdekutschen-Touristen rausgeleitet, die Gassen werden noch stiller. Wegen des Kopfsteinpflasters und der schmalen Gassen sind feste Schuhe sinnvoll, Stilettos werden ohnehin schief geblickt.

  • Beste Reisezeit April bis Juni

    April und Mai bieten 22 bis 26 Grad Tagestemperatur, blühende Vegetation und akzeptable Besucherzahlen an den UNESCO-Tempeln. September und Oktober mit 24 bis 27 Grad und warmem Meer ideal für Bade-Pausen. Juli und August mit über 32 Grad und voller Insel weniger angenehm für Tempel-Erkundung — die meisten Stätten haben keine Schattenflächen.

  • Linksverkehr und Bus statt Mietwagen

    In Malta wird wie in Grossbritannien links gefahren — wer ungeübt ist, lässt das Auto stehen und nutzt Malta Public Transport mit Tagesticket. Alle Linien laufen über die Valletta Bus Station, von dort fährt der Tallinja-Bus 81 nach Hagar Qim, der Bus 84 zu Tarxien und der 41 nach Cirkewwa zur Gozo-Fähre.

Insider-Tipps

Tarxien-Tempel und die Drei Cities

Die Tarxien-Tempel am Stadtrand sind die spätesten Megalithtempel Maltas (3.150 bis 2.500 v. Chr.) mit den reichsten Spiral-Reliefs und Altarsteinen — gut mit dem Hypogäum kombinierbar. Gegenüber von Valletta liegen Vittoriosa, Senglea und Cospicua, die Drei Cities — Sitz der Johanniter von 1530 bis 1571. Fort Sant Angelo war Hauptquartier während der Großen Belagerung von 1565 und ist heute Museum, der Inquisitor-Palace zeigt die Justiz-Geschichte unter dem Orden. Mit der Marsamxett-Fähre für 1,50 Euro vom Valletta-Hafen aus erreichbar.

HÄUFIGE FRAGEN

Warum gilt Malta als Zeitreise durch die Jahrtausende?

Malta vereint 7.000 Jahre Kulturgeschichte auf 316 Quadratkilometern wie kaum ein anderes Land Europas. Die Megalithtempel von Ggantija auf Gozo entstanden ab 3.600 v. Chr. und sind die ältesten freistehenden Steinbauten der Menschheit — älter als Stonehenge und die Pyramiden. Danach folgten Phönizier, Karthager, Römer, Araber, Normannen, der Johanniterorden von 1530 bis 1798, Napoleon, Briten und schließlich die Unabhängigkeit 1964. Jede Epoche hinterliess sichtbare Spuren, drei UNESCO-Welterbestätten dokumentieren den Reichtum.

Was sind die Megalithtempel von Ggantija und warum sind sie UNESCO-Welterbe?

Die Megalithtempel von Ggantija liegen am Rand von Xaghra im Norden Gozos und bestehen aus zwei nebeneinander stehenden kleeblattförmigen Tempeln aus 3.600 bis 3.200 v. Chr. Sie sind die ältesten freistehenden Steinbauten der Menschheit — rund 1.000 Jahre älter als die ägyptischen Pyramiden und Stonehenge. Einige Megalithblöcke wiegen über 50 Tonnen. Die UNESCO erklärte Ggantija 1980 zum Welterbe, 1992 folgten fünf weitere Tempel-Stätten Maltas. Eintritt rund 9 Euro inklusive Besuch der nahegelegenen Ta-Kola-Windmühle.

Was macht Hagar Qim und Mnajdra besonders?

Hagar Qim und Mnajdra liegen nebeneinander an der Südküste Maltas oberhalb der Klippen mit Blick auf die Insel Filfla. Hagar Qim wurde 1839 ausgegraben und stammt aus 3.600 bis 3.200 v. Chr., der Tempelkomplex weist die grössten Megalithblöcke Maltas auf — bis 6,40 Meter lang und 20 Tonnen schwer. Mnajdra liegt 500 Meter weiter südlich und ist auf astronomische Ereignisse ausgerichtet — am 20. März und 22. September fällt das Sonnenlicht durch den Haupteingang exakt auf die Hauptachse. Beide UNESCO-Tempel teilen sich Eingang und Schutzhülle, Eintritt 10 Euro.

Was ist das Hypogäum von Hal Saflieni?

Das Hypogäum von Hal Saflieni in Paola südlich von Valletta ist das einzige bekannte unterirdische prähistorische Heiligtum der Welt und UNESCO-Welterbe seit 1980. Die Anlage wurde zwischen 4.000 und 2.500 v. Chr. aus dem Globigerinen-Kalkstein gehauen und erstreckt sich über drei Ebenen mit Grabkammern und dem berühmten Orakelraum, in dem niedrige Stimmen durch akustische Resonanz mehrfach verstärkt werden. Über 7.000 Skelette wurden hier gefunden. Zum Schutz dürfen täglich nur 80 Besucher in 10er-Gruppen rein, Tickets müssen Wochen oder Monate im Voraus über Heritage Malta gebucht werden.

Welche Spuren hinterliessen Phönizier, Karthager und Römer?

Phönizische Seefahrer erreichten Malta ab dem 8. Jahrhundert v. Chr. und gründeten Handelsstützpunkte — der Name Malta leitet sich vermutlich vom phönizischen Maleth (Hafen) ab. Ab dem 6. Jahrhundert übernahmen Punier aus Karthago die Kontrolle. 218 v. Chr. eroberten die Römer die Insel im Zweiten Punischen Krieg. Die Domus Romana am Rand von Mdina ist eine römische Stadtvilla aus dem 1. Jahrhundert v. Chr. mit prächtigen Bodenmosaiken und Marmorstatuen. Im Jahr 60 n. Chr. erlitt der Apostel Paulus laut der Apostelgeschichte vor Malta Schiffbruch und blieb drei Monate auf der Insel.

Wie prägte die arabische Zeit Malta?

Von 870 bis 1090 herrschten arabische Aghlabiden auf Malta. Die rund 220-jährige arabische Zeit prägte die Insel sprachlich und landwirtschaftlich tiefgreifend — die heutige maltesische Sprache geht direkt auf den arabischen Dialekt jener Zeit zurück und ist die einzige semitische Sprache in lateinischer Schrift, die EU-Amtssprache ist. Ortsnamen wie Mdina (vom arabischen Medina), Mqabba, Marsaxlokk und Birkirkara stammen aus dieser Periode. Auch Bewässerung mit Wasserrädern, Zitrusfrüchte und Baumwolle kamen mit den Arabern.

Was war die Große Belagerung von 1565?

Die Große Belagerung von Malta im Sommer 1565 gehört zu den prägendsten Ereignissen der Inselgeschichte. Sultan Süleyman der Prächtige sandte eine osmanische Armada mit 200 Schiffen und 40.000 Soldaten gegen die rund 6.000 Ordensritter und maltesische Verteidiger unter Großmeister Jean Parisot de Valette. Vom 18. Mai bis 8. September wurden Fort Sant Elmo, Fort Sant Angelo und die Stadt Birgu belagert. Die Ritter hielten stand, eine spanische Entsatzarmee zwang die Osmanen zum Rückzug. Aus dem Sieg entstand das Bedürfnis nach einer neuen Festungsstadt — Valletta wurde 1566 gegründet.

Warum wurde Valletta 1566 gegründet und was steht im Großmeisterpalast?

Am 28. März 1566 legte Großmeister Jean Parisot de Valette den Grundstein für die nach ihm benannte Hauptstadt auf der Halbinsel Sciberras zwischen Grand Harbour und Marsamxett-Hafen. Der italienische Militärarchitekt Francesco Laparelli plante die Stadt im geometrischen Rasterprinzip mit massiven Bastionen — die erste vollständig nach Renaissance-Idealen geplante Stadt Europas, UNESCO-Welterbe seit 1980. Der Großmeisterpalast an der Republic Street wurde ab 1571 erbaut und diente bis 1798 als Residenz der Großmeister. Heute beherbergt der Palast den Sitz des maltesischen Präsidenten, die Waffenkammer und Staatsempfangsräume mit Wandteppichen.

Welche Caravaggio-Werke hängen in der Saint-Johns-Co-Kathedrale?

Die Saint-Johns-Co-Kathedrale an der Republic Street in Valletta wurde 1573 bis 1578 als Konventskirche der Johanniter erbaut. Im Oratorium hängen zwei Caravaggio-Originale — die Enthauptung Johannes des Täufers (1608) misst 3,61 mal 5,20 Meter und ist das grösste Werk Caravaggios und das einzige von ihm signierte Gemälde überhaupt. Daneben hängt der Heilige Hieronymus beim Schreiben aus demselben Jahr. Caravaggio kam 1607 nach Malta auf der Flucht vor einem Mordvorwurf in Rom, wurde Ordensritter, fiel aber 1608 in Ungnade und floh. Eintritt rund 15 Euro inklusive Audioguide.

Was war Napoleons Rolle und wie kamen die Briten?

Im Juni 1798 eroberte Napoleon Bonaparte auf seinem Weg nach Ägypten die Insel binnen weniger Tage und vertrieb den geschwächten Johanniterorden. Die französische Herrschaft dauerte nur zwei Jahre — die maltesische Bevölkerung erhob sich gegen die antiklerikale Politik und die Plünderung von Kirchensilber. Mit britischer Unterstützung kapitulierten die Franzosen 1800. Im Pariser Frieden von 1814 wurde Malta offiziell britische Kronkolonie und blieb dies bis zur Unabhängigkeit 1964. Englisch wurde zweite Amtssprache, der britische Linksverkehr ist bis heute Realität.

Was bedeutet das George Cross auf der maltesischen Flagge?

Im Zweiten Weltkrieg geriet Malta zwischen 1940 und 1942 unter eine zwei Jahre dauernde italienisch-deutsche Bomben- und Seeblockade — die zweite Belagerung von Malta. Die Achsenmächte bombardierten die Insel mit über 3.000 Luftangriffen. Am 15. April 1942 verlieh König George VI. der gesamten maltesischen Bevölkerung das George Cross — die höchste zivile britische Tapferkeitsauszeichnung — als Anerkennung für die Standhaftigkeit. Das George Cross ist seitdem im linken Obereck der maltesischen Nationalflagge abgebildet und Teil des Staatswappens.

Wann wurde Malta unabhängig und Mitglied der EU?

Am 21. September 1964 wurde Malta von Grossbritannien unabhängig, zunächst als Commonwealth-Mitglied mit Königin Elizabeth II. als Staatsoberhaupt. 1974 wurde Malta Republik mit eigenem Präsidenten, 1979 verliess die letzte britische Garnison die Insel — dieser Tag wird als Freedom Day jährlich am 31. März begangen. 2004 trat Malta gemeinsam mit neun anderen Staaten der Europäischen Union bei, 2008 wurde der Euro als Währung eingeführt. Aktuelle Reiseinformationen, Tickets und Sonderausstellungen sind auf visitmalta.com gelistet.
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