Die maltesische Küche ist eine der überraschendsten Esskulturen des Mittelmeers und vereint auf nur 316 Quadratkilometern arabische, sizilianische, nordafrikanische und britische Einflüsse zu einer eigenständigen Inseltradition. Zwischen den Hafenstädten Valletta und Sliema, dem Fischerdorf Marsaxlokk mit seinen bunten Luzzu-Booten, der stillen Adelsstadt Mdina und der ländlichen Schwesterinsel Gozo entsteht eine Küche, die Kaninchen aus dem Tontopf, hauchdünn gefüllte Filo-Pasteten, geräucherte Goldmakrele und Schafskäse aus Dörfern wie Xagħra zu Klassikern formt. Wer sieben bis zehn Tage mitbringt, kombiniert die Fischmärkte in Marsaxlokk und Valletta mit Pastizzeriji für den Frühstückssnack, einem langen Fenkata-Abend im Landesinneren, einer Wein- und Käseverkostung auf Gozo und einem Sterne-Menü hinter den Bastionen von Mdina. Diese Genussreise ist kein Hopping zwischen Strandbars, sondern eine Einladung in eine Inselküche, die zwischen Knoblauch, Tomate, Kapern, Honig und Zitrone die ganze Mittelmeergeschichte erzählt.
Anreise und Erreichbarkeit
Eine Genussreise durch Malta beginnt fast immer am Flughafen Malta International in Luqa, weil sich von dort die kulinarischen Kernregionen kompakt erschließen - die Pastizzeriji in Valletta und Hamrun, die Restaurants entlang der Promenade in Sliema und St. Julian's, der Fischmarkt am Sonntag in Marsaxlokk, die Adelsküche hinter den Mauern von Mdina sowie die Käsereien und Weingüter der Schwesterinsel Gozo. Für einen Überblick zu Regionen, Erzeugern und Festas hilft die offizielle Tourismusdomain visitmalta.com mit fundiertem Hintergrund zu Produkten, Anbaugebieten und kulinarischen Veranstaltungen.
Mit dem Auto
Eine Landanreise nach Malta gibt es nicht, der Inselstaat liegt 80 Kilometer südlich von Sizilien und 290 Kilometer nördlich der libyschen Küste. Wer das eigene Auto mitnehmen möchte, nutzt die Fährverbindungen von Pozzallo oder Catania auf Sizilien nach Valletta, die Überfahrt dauert 1:45 bis 4:30 Stunden je nach Schiff. Auf der Insel selbst ist Linksverkehr Pflicht, die Hauptachse zwischen Valletta und Mdina ist gut ausgebaut, Nebenstraßen zu Weingütern und Käsereien verlangen Geduld. Ein Mietwagen kostet 25 bis 55 Euro pro Tag, Tanken liegt leicht unter deutschem Niveau.
Mit der Fähre und dem ÖPNV
Zwischen Malta und Gozo verkehrt die Gozo Channel Fähre alle 45 Minuten zwischen Ċirkewwa im Norden und Mġarr auf Gozo, die Überfahrt dauert 25 Minuten und kostet als Rückfahrt 4,65 Euro pro Person und 15,70 Euro fürs Fahrzeug. Auf Malta selbst ist Malta Public Transport mit der Hauptdrehscheibe am Triton-Brunnen vor Valletta gut ausgebaut, Tickets kosten 2 Euro im Sommer und 1,50 Euro im Winter mit zwei Stunden Geltung. Das schnelle Schnellboot der Gozo Fast Ferry verbindet Valletta direkt mit Mġarr in 45 Minuten für 7,50 Euro einfach.
Mit dem Flugzeug
Direktflüge nach Malta International gibt es ab Frankfurt, München, Berlin, Düsseldorf, Wien und Zürich, die Flugzeit beträgt rund 2:45 bis 3:15 Stunden. Im Sommer kommen Verbindungen ab Hamburg, Köln und Salzburg dazu, oft mit Lufthansa, Air Malta, Ryanair und Eurowings. Vom Flughafen Luqa ins Zentrum Vallettas fährt Bus X4 in 30 Minuten für 2 Euro, ein Taxi kostet 20 bis 30 Euro.
Vor Ort bewegen und Parken
In den Altstädten von Valletta und Mdina sind die wichtigsten Adressen zu Fuß erreichbar, Mdina ist sogar fast komplett autofrei. Für Marsaxlokk, Fenkata-Lokale in Mġarr und Bahrija sowie Weingüter und Käsereien auf Gozo ist ein Mietwagen klar von Vorteil. Parkplätze in Valletta sind selten und teuer, die Park & Ride an der Floriana-Bastion mit Shuttle kostet 1 Euro pro Tag. In Sliema und St. Julian's gibt es bezahlbare Parkbuchten am Wasser, in Marsaxlokk parkt man am Sonntag besser vor dem Ort und läuft zur Promenade.
Die siebzehn Geschmacksstationen der maltesischen Küche
Die folgenden siebzehn Stationen ergeben gemeinsam ein realistisches Bild der maltesischen Küche jenseits der Hotel-Buffets. Sie reichen von Pastizzi über Fenkata, Ftira, Hobż biż-żejt und Lampuki bis zu Süßspeisen, Käse, Honig, Kinnie, Cisk und Wein sowie den Markt- und Restaurantszenen in Sliema, Marsaxlokk und Mdina.
Pastizzi - die Filo-Pasteten mit Ricotta oder Erbsen
Pastizzi gelten als nationales Frühstück und stehen in jeder Pastizzerija auf der Insel. Aus rautenförmigen Filo-Teigtaschen entstehen handgroße Pasteten, traditionell gefüllt mit gewürztem Schafricotta oder einer Püreemasse aus gelben Erbsen, kurz Piżelli. Ein Pastizz kostet 0,50 bis 1 Euro, in der berühmten Pastizzerija Crystal Palace in Rabat sind sie rund um die Uhr frisch. Zwei bis drei Stück und ein süßer Tee ergeben ein klassisches maltesisches Frühstück.
Fenkata - der Kaninchen-Eintopf als Nationalgericht
Fenkata ist das uneingeschränkte Nationalgericht Maltas und beschreibt nicht nur ein einzelnes Rezept, sondern einen ganzen Abend mit Familien und Freunden. Das Kaninchen wird in Knoblauch, Lorbeer, Rotwein, Tomate und etwas Erbsen mehrere Stunden im Tontopf geschmort, traditionell gibt es vorher Spaghetti mit der Schmorsoße als Primo und danach das Fleisch als Secondo. Die wichtigsten Adressen liegen in Mġarr im Norden Maltas und in Bahrija, eine Fenkata für zwei Personen mit Wein kostet 50 bis 90 Euro. Reservierung am Vortag ist Pflicht, viele Lokale schließen am Montag.
Ftira - das maltesische Brot mit Loch
Ftira ist die maltesische Version eines runden Sauerteigbrots mit charakteristischer Vertiefung in der Mitte und harter, knuspriger Kruste, im Holzofen gebacken und seit 2020 UNESCO-Element des immateriellen Kulturerbes. Klassisch wird sie aufgeschnitten und mit Olivenöl, Tomate, Thunfisch, Oliven, Kapern und Ġbejna belegt. In Bäckereien in Qormi, Rabat und Mosta kostet eine Ftira 1,50 bis 3 Euro, eine vollbelegte Ftira-Schnitte 4 bis 7 Euro.
Hobż biż-żejt - Brot mit Öl und Tomate
Hobż biż-żejt ist das klassische Snack-Sandwich der Insel, wörtlich Brot mit Öl. Eine kräftige Brotscheibe wird mit reifer Tomatenmasse Kunserva eingerieben, mit Olivenöl beträufelt und mit Thunfisch, Oliven, Kapern und eingelegtem Gemüse belegt. Es ist die meistgegessene Zwischenmahlzeit Maltas, an Marktständen, Strandkiosken und in jeder Dorfbar. Ein gefülltes Hobż biż-żejt kostet 3 bis 5 Euro und sättigt einen halben Tag.
Lampuki - die Goldmakrele zwischen August und November
Lampuki, auch Mahi-Mahi genannt, ist Maltas große Fisch-Saison von Mitte August bis Anfang November. Gefangen wird die Goldmakrele mit Palmwedel-Schwimmflössen Kannizzati vor Marsaxlokk und Marsaskala. Klassische Zubereitungen sind die Lampuki-Pastete Torta tal-Lampuki mit Tomate, Spinat, Blumenkohl, Oliven und Pinienkernen, ein gegrilltes Filet mit Zitrone und Knoblauch oder ein leichter Sud mit Kapern. Eine Portion kostet 16 bis 26 Euro.
Aljotta - die maltesische Fischsuppe
Aljotta ist Maltas Variante einer mediterranen Fischsuppe und kombiniert Knoblauch, Tomate, Reis und ungewöhnlich viel Minze zu einer leichten, zitronigen Brühe. Verwendet werden kleine Steinfische, Sardellen und Brassen aus Marsaxlokk, Marsaskala und Xlendi. Aljotta gilt traditionell als Freitags-Gericht und steht in den meisten Trattorien und Fischlokalen auf der Karte. Eine Schüssel kostet 8 bis 14 Euro.
Bragioli - die maltesischen Rouladen
Bragioli, auch Beef-Olives genannt, sind dünn geklopfte Rindfleischscheiben mit einer würzigen Füllung aus Hackfleisch, Speck, hartgekochtem Ei und Petersilie, in Rotweinsoße mit Tomate, Lorbeer und etwas dunkler Schokolade langsam geschmort. Bragioli sind ein klassisches Sonntagsessen in maltesischen Familien und stehen in vielen Restaurants Vallettas und Sliemas auf der Karte. Eine Portion mit Polenta oder Erbsenpüree kostet 18 bis 26 Euro.
Imqaret - die süßen Datteldreiecke
Imqaret sind frittierte Teigtaschen mit Dattelfüllung und gehören zu den ältesten Süßspeisen Maltas, ihr Name leitet sich vom arabischen Maqrut ab. Ein dünner Teig aus Mehl, Anis und Orangenwasser wird mit eingekochten Datteln, Zimt, Nelken und etwas Likör gefüllt, in Rautenform geschnitten und in heissem Öl goldbraun ausgebacken. Verkauft werden Imqaret heiss an Marktständen und Festas, oft mit einer Kugel Vanilleeis. Drei Stück kosten am Stand 2 bis 4 Euro, im Restaurant mit Eis 5 bis 8 Euro.
Helwa tat-Tork - der türkische Honig
Helwa tat-Tork ist trotz seines Namens eine genuin maltesische Süßspeise mit osmanischen Wurzeln, eine feste Masse aus Sesampaste Tahin, Zucker, Mandeln, Pistazien und manchmal Schokolade. Verkauft wird sie in blockförmigen Stücken und in dünnen Scheiben zu Kaffee gereicht, die wichtigsten Hersteller sitzen rund um Qormi und Hamrun. Ein 200-Gramm-Stück kostet 3 bis 6 Euro, eine Geschenkpackung 8 bis 14 Euro.
Ghasel - der maltesische Honig
Honig hat auf Malta eine antike Tradition und einige Historiker leiten den antiken Namen Melita aus dem griechischen Wort für Honig ab. Imker produzieren Frühjahrshonig aus Wildblumen, Sommerhonig aus Thymian und Distel und im Herbst dunklen Johannisbrothonig mit Karamellaroma. Wichtige Höfe liegen in Żebbuġ auf Gozo und in Mġarr auf Malta. Ein 500-Gramm-Glas kostet 12 bis 22 Euro.
Ġbejna - der Schafskäse aus Gozo
Ġbejna ist Maltas berühmtester Käse, ein kleiner runder Frischkäse aus Schafsmilch in der Grösse eines Eishockey-Pucks. Hergestellt wird er vor allem auf Gozo in den Dörfern Xagħra, Nadur und Żebbuġ aus der Milch der Maltesischen Schwarzschafe. Es gibt vier Hauptvarianten - der frische Ġbejna Friska als milder Frischkäse, der getrocknete Ġbejna Moxxa mit fester Konsistenz, der gepfefferte Ġbejna tal-Bżar mit grobem Pfeffer und der eingelegte Ġbejna fl-Inbid in Wein und Essig. Vier Stück Ġbejna kosten auf dem Markt 4 bis 8 Euro, an einer Käserei auf Gozo 3 bis 6 Euro.
Kinnie - das bittere Orangen-Soda
Kinnie ist Maltas berühmtestes Erfrischungsgetränk und seit 1952 ein Kultprodukt der Brauerei Simonds Farsons Cisk. Die Limonade verbindet bittere Pomeranzen mit Wermut, Sternanis und Lavendel zu einer karamellbraunen, leicht herben Getränkebasis. Klassisch wird Kinnie eiskalt aus der Flasche getrunken oder als Mixer mit Gin verwendet. Eine 0,25-Liter-Flasche kostet im Supermarkt 0,70 Euro, in der Bar 2 bis 3,50 Euro.
Cisk-Bier - das maltesische Pils
Cisk ist Maltas führende Biermarke und wird seit 1928 in der Brauerei Simonds Farsons Cisk in Mrieħel gebraut. Das klassische Cisk Lager ist ein mildes, leicht süssliches Pils mit 4,2 Prozent Alkohol, daneben gibt es Cisk Excel kalorienreduziert, Cisk Strong als kräftiges Lager und Cisk Chill Lemon als Shandy. Ein Glas Cisk kostet in der Bar 2,50 bis 4 Euro, eine Brauerei-Tour 15 bis 22 Euro pro Person.
Maltesischer Wein - Ġellewża und Girgentina
Malta hat eine kleine, aber eigenständige Weinkultur mit zwei autochthonen Sorten - dem roten Ġellewża mit kräftigem Beerencharakter und dem weißen Girgentina mit zitroniger Frische. Die wichtigsten Weingüter sind Marsovin in Marsa, Delicata in Paola, Meridiana in Ta' Qali sowie auf Gozo Tal-Massar und Ta' Mena. Eine Flasche kostet ab Weingut 12 bis 25 Euro, eine geführte Verkostung mit fünf Weinen und Käseplatte 25 bis 45 Euro pro Person.
Sliema und die Restaurantszene am Wasser
Die Promenade von Sliema mit Blick über das Marsamxett Harbour auf Valletta ist Maltas dichteste Restaurantmeile mit über 80 Adressen auf 2,5 Kilometern. Klassiker sind Ta' Kris in der Triq Fawwara mit Fenkata, Bragioli und Lampuki sowie Piccolo Padre und The Chophouse direkt am Wasser. Gehobener wird es im benachbarten St. Julian's mit Caviar & Bull, Tarragon und Zest. Hauptgerichte kosten 14 bis 28 Euro, ein Drei-Gänge-Menü mit Wein 45 bis 80 Euro.
Marsaxlokk und der Sonntags-Fischmarkt
Marsaxlokk im Südosten Maltas ist das berühmteste Fischerdorf der Insel mit seinen bunt bemalten Luzzu-Booten, an deren Bug das schützende Osiris-Auge gemalt ist. Der Sonntagsmarkt entlang der Promenade ist die wichtigste Adresse für frischen Fisch der Saison, dazu kommen Stände mit Honig, Käse, Olivenöl und Kunsthandwerk. Lokale wie Ir-Rizzu, Tartarun und Roy's servieren am Wasser Lampuki, Octopus, Aljotta und gegrillte Brassen, ein Sonntagvormittag mit Mittagessen kostet 35 bis 70 Euro pro Person.
Mdina und die Sterne-Küche hinter den Bastionen
Mdina, die alte Hauptstadt mit ihren 280 Einwohnern hinter mittelalterlichen Mauern, beherbergt Maltas dichteste Konzentration gehobener Gastronomie. Das Bacchus in den ehemaligen Pulvermagazinen und das De Mondion im Xara Palace mit einem Michelin-Stern sind die wichtigsten Adressen, auch das Trattoria AD 1530 am Hauptplatz mit Fenkata und Aljotta lohnt. Ein Sterne-Menü im De Mondion kostet 110 bis 165 Euro, ein Drei-Gang-Menü im Bacchus 55 bis 85 Euro.
Die sechs Genuss-Aktivitäten im Überblick
Kochkurs Pastizzi und Fenkata
In Valletta, Sliema und auf Gozo bieten mehrere Familien Kochkurse in der eigenen Küche an. In vier bis fünf Stunden entstehen Pastizzi mit Ricotta und Erbsen, eine Aljotta-Suppe und ein Fenkata-Hauptgang mit Wein. Preis pro Person 65 bis 110 Euro inklusive Zutaten, Wein und gemeinsamem Essen am Ende.
Sonntags-Fischmarkt in Marsaxlokk
Der Markt entlang der Promenade von Marsaxlokk ist sonntags von 7 bis 13 Uhr Höhepunkt mit Lampuki, Octopus, Brassen und Sardinen frisch von den Luzzu-Booten. Geführte Marktrundgänge mit Verkostung dauern zwei bis drei Stunden und kosten 30 bis 55 Euro pro Person inklusive Brot mit Hobż biż-żejt, Cisk und Espresso.
Fenkata-Abend in Mġarr oder Bahrija
Ein klassischer Fenkata-Abend in Mġarr oder Bahrija beginnt mit Spaghetti in der Kaninchen-Schmorsoße als Primo und endet mit dem geschmorten Kaninchen mit Knoblauch und Lorbeer als Secondo. Die Lokale L'Antika in Mġarr und North Country Bar in Bahrija sind verlässliche Adressen, ein voller Abend für zwei Personen mit Wein kostet 70 bis 110 Euro.
Käsereibesuch und Ġbejna auf Gozo
Rund um Xagħra und Nadur auf Gozo öffnen Käsereien ihre Höfe für Verkostungen von Ġbejna in den vier Hauptvarianten Friska, Moxxa, tal-Bżar und fl-Inbid. Eine Hofführung mit Käseprobe, frischem Brot, Honig, Sonnentomaten und einem Glas Girgentina dauert 90 Minuten bis zwei Stunden und kostet 25 bis 45 Euro pro Person.
Weinverkostung auf einem Weingut
Marsovin in Marsa, Meridiana in Ta' Qali und auf Gozo die Tal-Massar Winery bieten Führungen mit Weinverkostung. Verkostet werden fünf bis sieben Weine aus Ġellewża, Girgentina, Syrah und Chardonnay mit kleiner Brotzeit aus Schafskäse und Olivenöl. Die Tour dauert zwei Stunden und kostet 25 bis 45 Euro pro Person inklusive Flasche zum Mitnehmen ab 35 Euro.
Brauerei-Tour Farsons Cisk in Mrieħel
Die Brauerei Simonds Farsons Cisk bietet Touren durch die historischen Brauanlagen aus den 1940er Jahren mit Verkostung von vier bis fünf Cisk-Sorten und einem Glas Kinnie. Eine Tour dauert 90 Minuten und kostet 15 bis 22 Euro pro Person inklusive Bierprobe und kleinem Imbiss.
Regionen Maltas im kulinarischen Vergleich
Die Tabelle hilft bei der Schwerpunktwahl. Wer nur fünf Tage Zeit hat, kombiniert Valletta mit Sliema und Marsaxlokk. Für sieben bis zehn Tage lohnt die volle Schleife mit Mdina, einem Fenkata-Abend in Mġarr und zwei bis drei Tagen auf Gozo.
Geschichte und Einflüsse der maltesischen Esskultur
Die maltesische Küche entstand auf einem Kreuzungspunkt im zentralen Mittelmeer und hat in 7.000 Jahren fast jede große Mittelmeerkultur als Gast erlebt. Die Phönizier brachten ab 800 vor Christus den Olivenanbau, die Römer den Weinbau, die Araber zwischen 870 und 1090 die Zitrusfrüchte, Mandeln, Pistazien und das Backwerk Maqrut, das heute als Imqaret weiterlebt. Der Johanniterorden ab 1530 öffnete die Küche nach Sizilien, die Briten zwischen 1800 und 1964 brachten Nachmittagstee, Pies und Bier im Pintglas. Aus all dem entstand keine Mischung, sondern eine eigenständige Inselküche - der Pastizz ist nirgendwo anders im Mittelmeer so verbreitet, die Fenkata genuin maltesisch und die Kombination aus arabischer Süssspeise, sizilianischer Tomatenbasis und britischem Pub-Reflex ergibt das, was heute auf den Speisekarten zwischen Valletta und Xagħra steht.
Praktische Tipps für die Genussreise durch Malta
-
€
Budget realistisch ansetzen
Eine kulinarische Reise durch Malta liegt preislich auf süditalienischem Niveau und ist damit moderat. Mit 65 bis 110 Euro pro Person und Tag sind Frühstück mit Pastizzi und Kaffee, ein Marktbesuch oder eine Verkostung sowie zwei warme Mahlzeiten inklusive Wein oder Cisk realistisch abgedeckt. Wer in einfacheren Pensionen schläft und auf Hobż biż-żejt und Pastizzi setzt, kommt mit 40 bis 65 Euro pro Tag aus.
-
✦
Lampuki-Saison einplanen
Wer die berühmte Goldmakrele Lampuki frisch erleben möchte, plant zwischen Mitte August und Anfang November. In dieser Saison gibt es täglich frische Lampuki in Marsaxlokk, Marsaskala, Xlendi und Sliema, Highlight ist die Lampuki-Pastete mit Spinat und Blumenkohl. Außerhalb der Saison wird Lampuki tiefgefroren angeboten, in der Qualität deutlich unter dem frischen Original. Wer ganzjährig Fisch möchte, weicht auf Brassen, Octopus und Sardinen aus.
-
+
Reservierung für Fenkata und Sterne-Restaurants
Die besten Fenkata-Lokale in Mġarr und Bahrija sowie die Sterne-Adressen in Mdina und St. Julian's sind klein und am Wochenende voll. Reservierung mindestens am Vortag, in der Hochsaison Juli und August eher drei bis fünf Tage vorher empfohlen. Viele Lokale schließen am Montag, einige Fenkata-Adressen nur am Donnerstag bis Samstag geöffnet. Die meisten Gastgeber sprechen Englisch fließend, Maltesisch und Italienisch sind verbreitet.
-
i
Mietwagen für Fenkata und Gozo
Wer Fenkata-Lokale in Mġarr und Bahrija, Käsereien auf Gozo und Weingüter in Marsa und Ta' Qali besuchen möchte, ist auf einen Mietwagen angewiesen. Tagespreise liegen bei 25 bis 55 Euro für einen Kleinwagen. Wichtig - auf Malta herrscht Linksverkehr, das Verkehrsverhalten ist gewöhnungsbedürftig, Sicherheitsabstand wird locker interpretiert. Vollkasko ohne Selbstbeteiligung kostet 10 bis 18 Euro Aufpreis pro Tag und ist klar zu empfehlen.
-
⌘
Maximal zwei Hauptaktivitäten pro Tag
Eine Genussreise mit Marktbesuch am Vormittag, Mittagessen mit Aljotta, Käserei am Nachmittag und Fenkata-Abend ist anspruchsvoll. Mehr als zwei kulinarische Hauptpunkte pro Tag überfordern den Magen schnell, vor allem weil Pastizzi, Bragioli und Fenkata sehr sättigend sind. Wer das Tempo drosselt, behält Aufmerksamkeit für Details bei Wein, Käse und Honig.
-
♿
Barrierefreiheit gemischt
Die neue Markthalle Is-Suq tal-Belt in Valletta und die Promenade von Sliema sind weitgehend barrierefrei zugänglich. Mdina hat fast keinen Autoverkehr und ebene Hauptstraßen, allerdings Kopfsteinpflaster in den Gassen. Marsaxlokks Hafenpromenade ist ebenerdig, viele kleine Pastizzeriji und Familienhäuser haben jedoch Schwellen und schmale Treppen. Auf Gozo sind Käsereien und Weingüter teils mit Hofzugängen ohne Rampe, ein Anruf vorab klärt die Lage zuverlässig.
-
☀
Sommerhitze und Mittagspause
Im Juli und August klettert das Thermometer in Valletta regelmässig auf 32 bis 38 Grad. Markt- und Hafenbesuche möglichst vor 11 Uhr, Hof- und Weingutbesuche nach 16 Uhr planen, dazwischen lange Mittagspause mit einer Aljotta in einem klimatisierten Innenraum. Eine Flasche Wasser, Hut, Sonnenmilch und eine Trinkflasche gehören neben dem Notizbuch in die Tagestasche, die Sonne in Malta ist intensiver als in Süditalien.
-
☂
Plan B für Regen und Wind
Bei Schlechtwetter zwischen November und März sind Kochkurse, Brauerei-Touren in Innenräumen, Käseverkostungen und die Markthalle Is-Suq tal-Belt gute Alternativen. Die Konditoreien mit Imqaret-Vorführung in Qormi bieten auch bei Regen ein komplettes Nachmittagsprogramm. Auf Gozo fällt die Gozo Channel Fähre bei Sturm mit Windstärke acht und mehr aus, der Schnellkatamaran früher. Hof- und Weingutsbesuche am besten verschiebbar buchen.
Insider-Tipps
Übernachten auf Gozo und Wein-Abend
Auf Gozo gibt es ein dichtes Netz von Farmhouses, alten Bauernhäusern aus honigfarbenem Kalkstein mit eigenem Pool, Hofküche und Sauna, oft für 90 bis 220 Euro pro Nacht je nach Saison. In Xagħra, Nadur und Żebbuġ ist die Tradition des langen Wein-Abends besonders lebendig - Familien reichen vier bis sechs verschiedene Weine aus Ġellewża und Girgentina mit Ġbejna, frischem Brot, Honig, eingelegten Sonnentomaten und einem Stück Helwa tat-Tork. Ein kleines Mitbringsel aus der Heimat wird sehr geschätzt, die Sprache wechselt zwischen Maltesisch, Englisch und Italienisch.





