Island ist auf den ersten Blick ein Land der Vulkane, Wasserfälle und Polarlichter. Doch unter der spektakulären Naturoberfläche liegt eine der dichtesten Kulturlandschaften Europas. Mit knapp 390.000 Einwohnern produziert die Insel mehr Bücher pro Kopf, mehr international gefeierte Musikerinnen und mehr eigene Filme als nahezu jede vergleichbare Nation. Die Wurzeln reichen tausend Jahre zurück zu den Wikingersiedlern, die zwischen 870 und 930 das Althing in Þingvellir gründeten und mit den Isländersagas die ersten großen Prosawerke Europas schufen. Zwischen den Saga-Museen in Reykjavik, dem Konzerthaus Harpa, der Hallgrímskirkja, den Werken von Jóhannes Kjarval und Erró, der Musik von Björk und Sigur Rós, den Romanen des Nobelpreisträgers Halldór Laxness, den Filmkulissen für Game of Thrones und Star Wars sowie der DesignMarch-Woche entfaltet sich eine kulturelle Reise, die jeden Naturtrip durch Island deutlich vertieft. Wer mit offenen Augen zwischen Reykjavik und Akureyri unterwegs ist, erlebt eine lebendige Szene, die ihre alten Mythen pflegt und gleichzeitig im 21. Jahrhundert angekommen ist.

Anreise und Erreichbarkeit

Eine kulturelle Reise durch Island beginnt fast immer in Reykjavik, weil dort die wichtigsten Museen, Bühnen und Festivals konzentriert sind. Die Hauptstadt liegt rund 50 Kilometer vom internationalen Flughafen Keflavík entfernt und ist mit Akureyri im Norden, Egilsstaðir im Osten und Selfoss im Süden über die Ringstraße verbunden. Wer Kultur und Natur kombinieren möchte, plant mindestens sieben bis zehn Tage ein und mietet ab dem zweiten Tag einen Wagen. Allgemeine Tourismus-Infos finden sich bei visiticeland.com als Plain-Text-Quelle, vertiefende Programme liegen in den Häusern selbst aus.

Mit dem Flugzeug

Direktflüge nach Keflavík starten in Frankfurt, München, Berlin, Hamburg, Düsseldorf, Zürich und Wien und dauern rund drei bis vier Stunden. Die Hauptanbieter sind Icelandair und Play, in der Hochsaison sind Tickets ab rund 220 Euro hin und zurück möglich, in den Schultern oft günstiger. Wer im November zum Iceland-Airwaves-Festival reist, sollte Flug und Hotel mindestens zwei Monate vorab buchen, weil die Stadt dann ausgebucht ist.

Vom Flughafen nach Reykjavik

Zwischen Keflavík und Reykjavik verkehrt der Flybus mehrmals stündlich, eine einfache Fahrt kostet rund 25 Euro und dauert 45 Minuten. Mietwagenstationen liegen direkt am Terminal, Tagesraten ab rund 70 Euro sind realistisch. Wer nur die Stadt kulturell erkunden möchte, braucht in Reykjavik keinen Wagen, weil das Museums- und Konzertangebot in einem Fußradius von zwei Kilometern liegt.

Mit der Fähre

Die Norröna-Fähre der Smyril Line verbindet Hirtshals in Dänemark über die Färöer mit Seyðisfjörður im Osten Islands. Die Überfahrt dauert insgesamt rund drei Tage, ist aber eine reizvolle Alternative für Reisende mit eigenem Fahrzeug, die Kultur und Landstraße kombinieren möchten. Die Anreise über Seyðisfjörður erschließt zugleich die Ostfjorde mit ihrer eigenen Künstlerszene.

Vor Ort bewegen und Parken

Reykjavik selbst ist gut zu Fuß und mit dem öffentlichen Strætó-Bus erkundbar, Parkzonen in der Innenstadt sind tagsüber kostenpflichtig und nach Zonen P1 bis P4 gestaffelt. Außerhalb der Hauptstadt erschließt die Ringstraße die wichtigsten Kulturorte wie Akureyri, Selfoss, Höfn und Egilsstaðir. Im Winter ist Vorsicht geboten, weil Wind und Glätte die Fahrt deutlich verlängern können.

Frankfurt nach Keflavík 2.380 km ~3:45 h Direktflug
München nach Keflavík 2.640 km ~4:10 h Direktflug
Reykjavik nach Þingvellir 45 km ~0:50 h via Route 36
Reykjavik nach Akureyri 390 km ~4:30 h via Ringstraße
Reykjavik nach Vík 186 km ~2:20 h Südküste

Wikinger-Erbe zwischen Þingvellir und den Saga-Museen

Die kulturelle Geschichte Islands beginnt im späten 9. Jahrhundert, als norwegische Siedler die nahezu unbewohnte Insel besiedelten. Bereits im Jahr 930 wurde in Þingvellir das Althing gegründet, eines der ältesten Parlamente der Welt, das bis 1798 an diesem Ort tagte. Die geologisch spektakuläre Schlucht zwischen Nordamerikanischer und Eurasischer Platte ist heute UNESCO-Welterbe und das zentrale identitätsstiftende Symbol der Republik. Wer Island kulturell verstehen möchte, beginnt die Reise mit einem Tag in Þingvellir, kombiniert mit einem Besuch in den Saga-Museen der Hauptstadt.

Þingvellir und das Althing

Þingvellir liegt rund 45 Kilometer östlich von Reykjavik und ist Teil des klassischen Golden-Circle-Ausflugs. Das Besucherzentrum am Almannagjá-Plateau erklärt mit Modellen und Filmen die Funktionsweise des Althings und die geologische Spezialität des Ortes. Der Gesetzessprecher rief von der Lögberg-Klippe einmal jährlich die Gesetze ab, die Versammlung zog Bauern, Häuptlinge und Richter aus dem ganzen Land an. Die Wanderung durch die Schlucht dauert rund eine Stunde, der Eintritt zum Park ist frei.

Saga-Museum und Settlement Exhibition

Das Saga-Museum am Hafen von Reykjavik bietet einen sehr zugänglichen Einstieg über lebensgroße Wachsfiguren-Szenen aus den wichtigsten Sagas, der Eintritt liegt bei rund 22 Euro und der Audioguide ist auch auf Deutsch verfügbar. Die Settlement Exhibition in der Aðalstræti zeigt direkt unter der Innenstadt die Reste eines echten Wikinger-Langhauses aus dem 10. Jahrhundert, das bei Bauarbeiten freigelegt wurde. Beide Häuser ergänzen sich und füllen einen halben Tag.

Die Isländersagas als europäisches Welterbe

Die Isländersagas entstanden zwischen dem 12. und 14. Jahrhundert und gelten als eine der bedeutendsten Prosa-Traditionen des europäischen Mittelalters. Sie erzählen vom Leben der ersten Siedlergenerationen, von Blutfehden, Liebesgeschichten, Rechtsstreitigkeiten und Erkundungsfahrten bis nach Grönland und Vinland. Die berühmtesten Werke sind die Njáls saga, die Egils saga, die Laxdæla saga und die Grettis saga, alle in einer erstaunlich nüchternen, dialogreichen Erzählweise verfasst. Die Originalhandschriften liegen im Árni-Magnússon-Institut in der Edda-Halle in Reykjavik, das in Teilen öffentlich zugänglich ist und die Schriftrollen unter konservatorisch optimalen Bedingungen präsentiert. Wer sich für Literaturgeschichte interessiert, sollte mindestens zwei Stunden für die Edda-Halle einplanen.

Reykjavik und die moderne Kunstszene

Reykjavik ist trotz seiner Größe von rund 140.000 Einwohnern eine Kulturhauptstadt mit erstaunlicher Dichte. Zwischen Hafen, Tjörnin-See und Hallgrímskirkja liegen ein Konzerthaus von Weltrang, mehrere Nationalmuseen, Dutzende Galerien und eine lebendige Bar- und Clubszene. Wer kulturell unterwegs ist, plant für die Stadt mindestens drei bis vier volle Tage ein und kombiniert klassische Häuser mit Off-Spaces und Konzertabenden.

Harpa als Konzerthaus und Architekturikone

Harpa wurde 2011 am Alten Hafen eröffnet und ist heute Sitz des Iceland Symphony Orchestra sowie der isländischen Oper. Die Glasfassade nach Entwurf von Ólafur Elíasson und Henning Larsen Architects greift basaltartige Wabenstrukturen auf und zählt zu den international meistbeachteten Bauten der jüngeren Architekturgeschichte. Die Lobby ist tagsüber frei zugänglich, geführte Architekturtouren dauern 45 Minuten und kosten rund 15 Euro. Wer einen Konzertabend einplant, sollte Tickets mehrere Wochen vorab buchen.

Nationalmuseum und Listasafn Íslands

Das Nationalmuseum Þjóðminjasafn an der Suðurgata zeigt auf zwei Etagen die Geschichte Islands von der Besiedlung bis ins 21. Jahrhundert, mit besonderem Schwerpunkt auf Sakralkunst des Mittelalters, Tracht und Alltagskultur. Das Listasafn Íslands, die isländische Nationalgalerie am Tjörnin-See, zeigt Werke isländischer Maler von Ásgrímur Jónsson über Jóhannes Kjarval bis zur Gegenwart. Beide Museen kosten je rund 15 Euro Eintritt und sind in einer Fußdistanz von zehn Minuten zueinander erreichbar.

Saga-Museum am Hafen

Das Saga-Museum am Granda-Hafen ergänzt die historischen Häuser mit einer szenischen, sehr publikumsfreundlichen Inszenierung. Es eignet sich besonders gut als Einstieg vor dem Nationalmuseum, weil die Wachsfiguren die wichtigsten Erzählungen anschaulich greifbar machen. Familien mit Kindern ab acht Jahren können hier einen vollen Vormittag verbringen, bevor sie sich den anspruchsvolleren Häusern widmen.

Bildende Kunst von Erró und Kjarval bis zur Gegenwart

Die isländische Bildkunst des 20. Jahrhunderts steht im Schatten der internationalen Größen, hat aber drei Namen hervorgebracht, die jede Kunstreise prägen sollten. Jóhannes Kjarval, der von 1885 bis 1972 lebte, hat die Lavalandschaften des Landes auf eine Weise gemalt, die heute als Gründungsdokument einer eigenen isländischen Bildsprache gilt, das Kjarvalsstaðir-Museum auf der Anhöhe Klambratún zeigt seine Werke im Wechsel mit Gegenwartskunst. Erró, geboren 1932, ist der bedeutendste lebende isländische Künstler, sein Pop-Art-Werk hängt im Hafnarhús am Hafen und füllt zwei Etagen. Daneben lohnt das Listasafn Íslands für Ásgrímur Jónsson und Þórarinn B. Þorláksson, die als Pioniere der isländischen Landschaftsmalerei gelten. Aktuelle Positionen finden sich im i8 Gallery in der Tryggvagata und in der Galerie BERG an der Klapparstígur.

Musikszene zwischen Björk, Sigur Rós und Of Monsters and Men

Island hat im Verhältnis zur Einwohnerzahl mehr international gefeierte Musikerinnen und Musiker hervorgebracht als nahezu jede andere Nation. Björk Guðmundsdóttir, geboren 1965 in Reykjavik, hat seit ihrem Debüt mit den Sugarcubes 1987 die elektronische Avantgarde mitgeprägt und mit Alben wie Homogenic, Vespertine und Utopia internationale Maßstäbe gesetzt. Sigur Rós um Frontmann Jónsi Birgisson stehen seit Mitte der 1990er Jahre für eine eigene Klangsprache zwischen Post-Rock und Ambient, deren Live-Konzerte im Háskólabíó-Saal und in der Eldborg-Halle der Harpa zu den emotional intensivsten Konzerterlebnissen Europas zählen. Of Monsters and Men aus Garðabær haben mit dem Song Little Talks 2011 den internationalen Durchbruch geschafft und sind in Reykjavik regelmäßig auf kleineren Bühnen zu hören. Daneben prägt eine lebendige Szene mit Ásgeir, Ólafur Arnalds, GusGus und Mammút die Stadt, das Festival Iceland Airwaves im November präsentiert jedes Jahr mehr als 200 Acts in 30 Locations.

Literatur und das Vermächtnis von Halldór Laxness

Island ist die Nation mit der höchsten Bücher-pro-Kopf-Quote weltweit, jeder zehnte Einwohner schreibt nach Schätzungen der UNESCO mindestens einmal im Leben ein Buch. Halldór Laxness, der von 1902 bis 1998 lebte, erhielt 1955 den Nobelpreis für Literatur und gilt als Vater der modernen isländischen Literatur. Sein Hauptwerk Sein eigener Herr, im Original Sjálfstætt fólk, erzählt vom Schafsbauern Bjartur in den ostisländischen Bergen und ist heute Schullektüre. Sein Wohnhaus Gljúfrasteinn rund 20 Kilometer östlich von Reykjavik im Mosfellsdalur ist als Museum eingerichtet, der Eintritt liegt bei rund 12 Euro und der Audioguide führt durch das original erhaltene Wohnzimmer mit Bechstein-Flügel und Bibliothek. Daneben prägen Arnaldur Indriðason mit seinen Reykjavik-Krimis, Sjón mit seinen literarischen Romanen und Auður Ava Ólafsdóttir mit ihren leisen Prosa-Texten die Gegenwartsliteratur. Das Reykjavik Literature Festival im September ist UNESCO-akkreditiert und bringt jedes zweite Jahr international gefeierte Autorinnen in die Stadt.

Architektur von Hallgrímskirkja bis zu den Turfhäusern

Die isländische Architektur erzählt von zwei Epochen, die kaum unterschiedlicher sein könnten. Die Turfhäuser aus Erde, Stein und Treibholz prägten die ländliche Bauweise von der Wikingerzeit bis weit ins 20. Jahrhundert, gut erhaltene Beispiele finden sich in Glaumbær im Norden, in Keldur im Süden und im Freilichtmuseum Árbær im Stadtgebiet von Reykjavik. Sie sind ein Lehrstück in nachhaltigem Bauen unter extremen Bedingungen und werden von Studierenden aus aller Welt besucht. Die Moderne wiederum hat mit der Hallgrímskirkja von Guðjón Samúelsson zwischen 1945 und 1986 ein Wahrzeichen errichtet, das die Basaltsäulen des Landes in Beton übersetzt, der 74 Meter hohe Turm bietet eine Aussichtsplattform für rund 8 Euro Eintritt. Die Harpa von 2011 schließt den Bogen und zeigt, wie sich isländische Architektur im internationalen Kontext positioniert hat. Wer den Kontrast erleben möchte, fährt von Reykjavik aus eine Tagestour zum Skagafjörður und kombiniert Glaumbær mit einem Konzertbesuch in der Harpa am Abend.

Folklore zwischen Trollen und Huldufólk

Die isländische Folklore ist lebendig wie kaum eine andere in Europa. Umfragen zeigen, dass ein erheblicher Teil der Bevölkerung die Existenz der Huldufólk, des verborgenen Volkes, zumindest nicht ausschließt. Beim Straßenbau werden gelegentlich Routen verlegt, um vermutete Elfensteine zu schonen, und Touristen lernen in spezialisierten Kursen der Elfenschule Álfaskólinn in Reykjavik die Grundzüge der einheimischen Mythologie. Trolle gelten als versteinerte Felsformationen und werden an Orten wie Reynisdrangar bei Vík oder Hvítserkur an der Húnaflói-Küste sichtbar. Wer sich für diese kulturelle Schicht interessiert, kombiniert einen Besuch der Elfenschule mit einer geführten Wanderung in Hafnarfjörður, der angeblichen Hauptstadt des verborgenen Volkes.

Island als Filmkulisse für Game of Thrones und Star Wars

Die spektakuläre Natur Islands hat in den letzten Jahrzehnten Filmschaffende aus aller Welt angezogen. Game of Thrones drehte unter anderem in Þingvellir, auf dem Vatnajökull-Gletscher und am Schwarzen Strand Reynisfjara, Star Wars Rogue One nutzte die Mýrdalssandur-Wüste für die Planeten-Szenen, Christopher Nolan inszenierte für Interstellar Wellenwasser-Aufnahmen auf dem Svinafellsjökull. Daneben drehten Ridley Scott für Prometheus, Darren Aronofsky für Noah und Justin Lin für Fast and Furious. Geführte Filmkulissen-Touren ab Reykjavik kosten je nach Region zwischen 110 und 220 Euro pro Person und kombinieren in der Regel zwei bis drei Drehorte mit landschaftlichen Erläuterungen. Wer auf eigene Faust unterwegs ist, findet die meisten Drehorte über öffentlich zugängliche Parkplätze entlang der Ringstraße.

DesignMarch und das junge Reykjavik

Die DesignMarch im März ist Islands größte Designwoche, sie verwandelt fünf Tage lang Galerien, Werkstätten, Showrooms und Hotels in eine offene Ausstellungslandschaft. Mehr als 100 Veranstaltungen mit Mode, Möbeln, Grafik, Architektur und experimentellen Positionen ziehen jährlich 25.000 Besucherinnen und Besucher an, viele davon aus dem skandinavischen Raum. Schwerpunktorte sind das Hafnarhús, die Harpa, das Hönnunarsafn-Designmuseum in Garðabær und die Werkstätten in der Hverfisgata. Wer im März in Reykjavik ist, sollte einen DesignMarch-Pass für rund 35 Euro buchen, der den Zugang zu allen ticketpflichtigen Veranstaltungen ermöglicht. Daneben ist die Stadt mit dem Wintergarten Tjarnarbíó und dem Iðnó-Saal am Tjörnin-See ein lebendiger Ort für Theater und kleine Konzerte.

Die sechs kulturellen Aktivitäten in Island im Überblick

Museumstag in Reykjavik

Nationalmuseum, Settlement Exhibition, Listasafn Íslands und Hafnarhús liegen in einer Fußdistanz von 25 Minuten. Ein Reykjavik City Card für 24 oder 48 Stunden kostet rund 30 bis 45 Euro und inkludiert den Eintritt zu rund 13 Museen sowie die Bäder.

Konzertabend in der Harpa

Das Iceland Symphony Orchestra spielt von September bis Mai jeden Donnerstag in der Eldborg-Halle. Tickets kosten zwischen 35 und 80 Euro, deutschsprachige Programmhefte liegen aus. Beim Iceland Airwaves im November verwandelt sich das Haus in eine Hauptbühne der Indie-Szene.

Bibliotheks- und Buchhandelsabend

Die Stadtbibliothek Borgarbókasafn am Tryggvagata-Hafen und die Buchhandlung Mál og menning an der Laugavegur sind klassische Begegnungsorte. Lesungen finden in der Regel kostenlos statt, das Programm ist über Aushänge und lokale Magazine wie The Reykjavik Grapevine einsehbar.

Galerienrundgang

Im Quartier rund um Tryggvagata, Hverfisgata und Skólavörðustígur konzentrieren sich Galerien wie i8, BERG, Kling og Bang und Ásmundarsalur. Ein selbst geführter Rundgang dauert drei bis vier Stunden und ist freitags ab 17 Uhr besonders lohnend, wenn viele Häuser parallel Vernissagen veranstalten.

Saga-Wanderung in Þingvellir

Die Wanderung durch die Almannagjá-Schlucht und zur Lögberg-Klippe dauert rund 60 Minuten, der Park ist kostenlos. Geführte Saga-Touren ab Reykjavik kosten ab rund 90 Euro pro Person und kombinieren Þingvellir mit Geysir und Gullfoss zum klassischen Golden-Circle-Ausflug.

Filmkulissen-Tour entlang der Südküste

Geführte Tagestouren zu Drehorten von Game of Thrones, Star Wars Rogue One und Interstellar entlang der Südküste von Selfoss bis Vík kosten rund 180 bis 220 Euro pro Person inklusive Abholung in Reykjavik. Die Touren dauern 10 bis 12 Stunden und sind ganzjährig buchbar.

Praktische Tipps für eine kulturelle Island-Reise

  • Reykjavik City Card als Sparmodell

    Die Reykjavik City Card kostet für 24 Stunden rund 30 Euro, für 48 Stunden rund 38 Euro und für 72 Stunden rund 45 Euro. Sie inkludiert Eintritt in 13 Museen darunter Nationalmuseum, Settlement Exhibition, Hafnarhús und Kjarvalsstaðir, den ÖPNV der Stadt sowie sieben Schwimmbäder. Ab drei Museumsbesuchen rechnet sich die Karte zuverlässig.

  • Iceland Airwaves früh buchen

    Das Indie-Festival Iceland Airwaves Anfang November ist Reykjaviks kulturelles Großereignis und in der Regel sechs Monate vorab ausverkauft. Festival-Wristbänder kosten zwischen 220 und 320 Euro für vier Tage mit Zugang zu mehr als 30 Locations. Hotels sollten parallel mit dem Ticket gebucht werden.

  • + Gljúfrasteinn als Tagesausflug

    Das Wohnhaus von Halldór Laxness im Mosfellsdalur lässt sich in einem halben Tag von Reykjavik aus besuchen, Strætó-Linie 15 fährt mehrmals täglich vom Mjódd-Hub. Der Eintritt liegt bei rund 12 Euro, das Café im benachbarten Gemeindehaus bietet eine warme Mahlzeit für rund 18 Euro.

  • i The Reykjavik Grapevine als Programmguide

    Das kostenlose englischsprachige Magazin The Reykjavik Grapevine liegt in fast allen Cafés und Buchhandlungen aus und ist die zuverlässigste Quelle für aktuelle Konzerte, Lesungen, Vernissagen und Festivals. Online-Version mit Wochenkalender ist mobil sehr handlich.

  • Maximal zwei Museen pro Tag

    Die isländischen Museen sind klein, aber inhaltlich dicht. Wer mehr als zwei Häuser an einem Tag besucht, verliert nach Erfahrung die Aufnahmefähigkeit für die letzten Säle. Sinnvoller ist die Kombination eines Hauses am Vormittag, eines Spaziergangs durch die Altstadt und eines zweiten Museums am späten Nachmittag.

  • Barrierefreiheit in Reykjavik gut, in Þingvellir eingeschränkt

    Nationalmuseum, Hafnarhús, Harpa und Listasafn Íslands sind vollständig barrierefrei und bieten Leihrollstühle. In Þingvellir sind die Hauptwege rund um das Besucherzentrum befahrbar, die Almannagjá-Schlucht selbst hat Stufen. Im Saga-Museum ist der Rundgang ebenerdig.

  • Mitternachtssonne im Juni nutzen

    Zwischen Mitte Juni und Anfang Juli wird es in Reykjavik praktisch nicht dunkel. Konzerte in der Harpa und Lesungen im Iðnó haben dann oft besondere Spätprogramme, der Spaziergang am Tjörnin-See nach Mitternacht ist eine eigene kulturelle Erfahrung mit Lichtstimmungen, die in Mitteleuropa unbekannt sind.

  • Wechselhaftes Wetter immer einkalkulieren

    Auch im Hochsommer kann es in Reykjavik in einer Stunde drei Wetterlagen geben. Eine wasserfeste Jacke und festes Schuhwerk gehören in die Tagestasche, weil die Strecken zwischen Museen ungeschützt sind und Wind die gefühlte Temperatur deutlich senkt. Innenräume sind in der Regel gut geheizt.

Insider-Tipps

Konzerte abseits der Harpa

Neben der Harpa lohnen Iðnó am Tjörnin-See für Folk und Singer-Songwriter sowie Mengi an der Óðinsgata für experimentelle Klangkunst. Tickets kosten in der Regel zwischen 18 und 35 Euro und sind kurzfristig erhältlich. Beim Reykjavik Folk Festival im März treten in Kex Hostel internationale und einheimische Acts auf, der Abendpass kostet rund 25 Euro.

Cafés mit Kulturgeschichte

Mokka Kaffi an der Skólavörðustígur ist das älteste Café Reykjaviks und seit 1958 in Betrieb, an den Wänden hängen wechselnde Ausstellungen einheimischer Künstler. Café Babalú in der Skólavörðustígur ergänzt das Programm mit jungen Positionen und ist über Mittag fest in der Hand schreibender Studierender. Beide eignen sich als entspannte Bewegungspunkte zwischen Museumsbesuchen.

HÄUFIGE FRAGEN

Wie viele Tage brauche ich für eine kulturelle Island-Reise?

Realistisch sind sieben bis zehn Tage, wenn Sie Reykjavik mit Þingvellir und einem Ausflug nach Akureyri oder an die Südküste kombinieren möchten. Wer nur die Hauptstadt erkundet, kommt mit drei bis vier vollen Tagen aus, weil die wichtigsten Museen, das Konzerthaus Harpa und die Galerien in einem Fußradius von zwei Kilometern liegen.

Wann ist die beste Reisezeit für Kultur-Schwerpunkt?

Drei Phasen sind ideal. Im März läuft die DesignMarch mit mehr als 100 Veranstaltungen, im November das Iceland Airwaves mit über 200 Indie-Acts in 30 Locations und im Juni profitiert man von der Mitternachtssonne und langen Konzertnächten. Klassische Hochsaison ist Juli und August mit gutem Wetter, aber höheren Preisen und mehr Touristen.

Wie teuer sind Eintritte in den Museen?

Einzeleintritte liegen bei 12 bis 22 Euro, das Saga-Museum am Hafen kostet rund 22 Euro, Nationalmuseum und Listasafn Íslands je rund 15 Euro. Die Reykjavik City Card für 24 oder 48 Stunden kostet 30 bis 38 Euro und inkludiert 13 Museen plus ÖPNV plus sieben Schwimmbäder, sie lohnt sich ab drei Museumsbesuchen.

Welche Sagas sollte ich vorher lesen?

Die wichtigsten Werke sind die Njáls saga als längste Saga über Blutfehden im Süden, die Egils saga über den Dichter und Krieger Egill Skallagrímsson, die Laxdæla saga über eine Familiendynastie in den Westfjorden und die Grettis saga über einen geächteten Helden. Deutsche Übersetzungen liegen unter anderem im Diederichs Verlag vor und ergänzen den Besuch im Saga-Museum hervorragend.

Wo erlebt man die isländische Musikszene am besten?

Die Harpa ist Hauptort für klassische Konzerte und große Acts, die Eldborg-Halle gilt als akustisch hervorragend. Für Indie und Singer-Songwriter sind Iðnó am Tjörnin-See, Mengi an der Óðinsgata und Kex Hostel die wichtigsten Locations. Während des Iceland Airwaves im November bespielen mehr als 30 Locations in der Innenstadt parallel, ein Wristband kostet rund 220 bis 320 Euro.

Kann man Halldór Laxness sein Wohnhaus besuchen?

Ja, Gljúfrasteinn im Mosfellsdalur rund 20 Kilometer östlich von Reykjavik ist als Museum eingerichtet und täglich außer montags geöffnet. Der Eintritt liegt bei rund 12 Euro, das original erhaltene Wohnzimmer mit Bechstein-Flügel und Bibliothek bildet das Herzstück. Die Strætó-Linie 15 vom Mjódd-Hub bringt Besucherinnen ohne Auto direkt zum Haus.

Was ist mit der Filmkulisse für Game of Thrones?

Game of Thrones drehte ab Staffel zwei mehrere Außenaufnahmen in Island, darunter die Wall-Szenen am Vatnajökull, Schlachtfelder in Þingvellir und Höhleninnenräume auf dem Halbmond-Gletscher Mýrdalsjökull. Geführte Tagestouren ab Reykjapik kosten zwischen 180 und 220 Euro und kombinieren in der Regel zwei bis drei Drehorte mit landschaftlichen Erläuterungen.

Wie funktioniert die DesignMarch im März?

Die DesignMarch dauert fünf Tage und verwandelt rund 100 Galerien, Werkstätten, Showrooms und Hotels in offene Ausstellungsorte. Schwerpunkte sind Mode, Möbel, Grafik, Architektur und experimentelles Design, Hauptorte sind Hafnarhús, Harpa und das Hönnunarsafn-Designmuseum in Garðabær. Der DesignMarch-Pass kostet rund 35 Euro und gibt Zugang zu allen ticketpflichtigen Programmpunkten.

Wie tief ist die Folklore mit Trollen und Huldufólk wirklich verankert?

Umfragen zeigen, dass ein nennenswerter Teil der Bevölkerung die Existenz der Huldufólk zumindest nicht ausschließt. Beim Straßenbau werden gelegentlich Routen verlegt, um vermutete Elfensteine zu schonen. Die Elfenschule Álfaskólinn in Reykjavik bietet englische Kurse für rund 65 Euro pro Person an, in denen die wichtigsten Wesen und ihre kulturelle Funktion erklärt werden.

Welche Galerien sollte man in Reykjavik besuchen?

Wichtige Adressen sind i8 in der Tryggvagata für internationale Gegenwartskunst, BERG an der Klapparstígur für junge isländische Positionen, Kling og Bang als Künstler-Kollektiv und Ásmundarsalur in einer ehemaligen Künstlerwohnung. Ein selbst geführter Rundgang dauert drei bis vier Stunden, freitags ab 17 Uhr veranstalten viele Häuser parallel Vernissagen.

Lohnt sich der Besuch von Akureyri für Kultur?

Ja, Akureyri ist die zweitgrößte Stadt Islands und hat mit dem Akureyri Art Museum, dem Hof-Konzerthaus und einem lebendigen Lyrik- und Theaterumfeld eine eigene Kulturszene. Inlandsflüge ab Reykjavik dauern 45 Minuten und kosten 80 bis 140 Euro, alternativ ist die Strecke per Auto in rund 4,5 Stunden über die Ringstraße erreichbar. Zwei volle Tage in Akureyri reichen für die wichtigsten Häuser.

Was sind die wichtigsten Architektur-Highlights?

Die Hallgrímskirkja von Guðjón Samúelsson 1945 bis 1986 mit 74 Meter hohem Turm und Basaltsäulen-Form ist Reykjaviks Wahrzeichen, der Turmaufstieg kostet rund 8 Euro. Die Harpa von 2011 mit Glasfassade nach Entwurf von Ólafur Elíasson und Henning Larsen ist Konzerthaus und Architekturikone, geführte Touren kosten 15 Euro. Im Freilichtmuseum Árbær und in Glaumbær im Norden zeigen historische Turfhäuser die traditionelle isländische Bauweise.
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