Norddeutschland trägt eine der dichtesten Städtelandschaften Europas in sich: Hansestädte mit Backsteingotik, UNESCO-Welterben aus dem Hoch- und Spätmittelalter und Residenzstädte mit barocken Schlössern. Von der Lübecker Altstadt-Insel mit dem Holstentor von 1478 bis zur Quedlinburger Fachwerk-Pracht am Harz-Vorland reichen die Reise-Optionen über zwölf Stadtkerne. Sieben davon stehen auf der UNESCO-Welterbe-Liste — Lübeck, Stralsund, Wismar, Bremen, Hamburg-Speicherstadt, Goslar, Hildesheim, Quedlinburg. Wer eine zwei- bis dreiwöchige Norddeutschland-Rundreise plant, kombiniert sinnvoll die Ostsee-Hansestädte (Lübeck, Wismar, Stralsund, Greifswald) mit den niedersächsischen Welterbe-Städten (Goslar, Hildesheim) und den mecklenburgischen Residenzen (Schwerin, Eutin). Dieser Vergleich zeigt, welche Stadt zu welcher Reisezeit, welchem Stil und welchem Budget passt.
Anreise und Erreichbarkeit der zwölf Städte
Norddeutschland ist über die Bahn-Hauptachsen Hamburg–Berlin, Hamburg–Hannover und Hamburg–Kiel/Rostock gut erschlossen. Neun der zwölf Städte haben einen ICE- oder IC-Halt direkt im Stadtkern, drei (Eutin, Quedlinburg, teilweise Greifswald) verlangen Umsteigen oder Regionalbahn-Anschluss.
Mit der Bahn
Lübeck, Hamburg, Bremen, Hannover-Nähe (Hildesheim 30 Minuten), Stralsund, Greifswald, Schwerin und Goslar erreicht ihr per Direktverbindung oder mit einem Umstieg ab den meisten deutschen Großstädten. Hildesheim liegt 30 Bahnminuten südlich von Hannover, Wismar 45 Minuten westlich von Schwerin. Quedlinburg über Halle oder Magdeburg per Regional-Express, Eutin über Lübeck oder Kiel mit Regionalbahn-Anschluss.
Mit dem Auto
Die A1 verbindet Hamburg mit Bremen und Lübeck, die A7 führt von Hamburg über Hannover nach Hildesheim und Göttingen, die A20 Ostsee-Autobahn erschließt Wismar, Rostock und Stralsund, die A14 verbindet Magdeburg mit Schwerin. Quedlinburg erreicht ihr über die A14 und die B81 ab Magdeburg in 50 Minuten, Goslar über die A7 und B82 ab Hildesheim in 45 Minuten.
Mit dem Flugzeug
Hamburg (HAM) bedient die meisten Ankünfte mit Reiseziel Norddeutschland. Hannover-Langenhagen (HAJ) als Alternative für Hildesheim und Goslar, Bremen (BRE) für die Hansestadt selbst und Leipzig-Halle (LEJ) für Quedlinburg. Rostock-Laage (RLG) erschließt Stralsund und Greifswald in der Vorpommerschen Bucht.
Rundreise-Logistik
Wer alle zwölf Städte abklappert, plant rund 14 bis 18 Tage. Ostsee-Schleife (Lübeck, Wismar, Schwerin, Stralsund, Greifswald) als 7-Tage-Block, Niedersachsen-Harz-Schleife (Lüneburg, Bremen, Hildesheim, Goslar, Quedlinburg) als zweiter 7-Tage-Block, Hamburg-Speicherstadt und Eutin als Tagesausflüge dazwischen.
Die zwölf historischen Städte im Vergleich
Sieben der zwölf vorgestellten Städte tragen UNESCO-Welterbe-Status, fünf (Hamburg-Speicherstadt, Lüneburg, Hildesheim, Greifswald, Eutin) sind hier aus Platzgründen nicht in der Tabelle, werden weiter unten aber detailliert vorgestellt.
Die zwölf Städte im Detail
Lübeck — Mutter der Hanse
Die Altstadt-Insel zwischen Trave und Wakenitz steht seit 1987 auf der UNESCO-Liste. Das Holstentor von 1478 ist Deutschlands bekanntestes Stadttor, die Marienkirche mit ihren beiden 125-Meter-Türmen gilt als Mutter aller norddeutschen Backsteinkirchen. Im Buddenbrookhaus erinnert die Familie Mann an Lübecks literarisches Erbe, Niedereggers Marzipan-Tradition reicht bis 1806 zurück.
Stralsund — Tor zu Rügen
Die Altstadt-Halbinsel zwischen Strelasund und Knieperteich ist seit 2002 UNESCO-Welterbe (gemeinsam mit Wismar). Das Rathaus mit seiner Schauwand-Fassade aus dem 13. Jahrhundert, die drei großen Backsteinkirchen St. Nikolai, St. Marien, St. Jakobi und das moderne Ozeaneum mit 7 Millionen Litern Schauaquarium prägen die Stadt am Sund.
Wismar — Schwedenstadt
Knapp 60 Kilometer westlich von Schwerin liegt die Hansestadt am Wismarbucht-Ufer. Der gotische Wassertorbogen von 1450 als Stadt-Wahrzeichen, der größte Marktplatz Norddeutschlands (10.000 Quadratmeter) mit der barocken Wasserkunst und die ruinöse Marienkirche (im Krieg zerstört, Turm rekonstruiert) prägen die UNESCO-Altstadt seit 2002.
Bremen — Hanse und Märchen
Rathaus (1410) und Roland-Statue (1404) auf dem Marktplatz stehen seit 2004 auf der UNESCO-Liste. Die Bremer Stadtmusikanten als Bronzeskulptur an der Rathaus-Westseite, die kunstvoll renovierte Böttcherstraße aus den 1920er Jahren mit Paula-Modersohn-Becker-Museum und das mittelalterliche Schnoor-Viertel mit seinen schmalen Fachwerkhäusern komplettieren das historische Zentrum.
Hamburg-Speicherstadt
Das weltgrößte zusammenhängende Lagerhauskomplex aus Backsteingotik (1883 bis 1927 erbaut) steht seit 2015 auf der UNESCO-Liste. Mit dem benachbarten Kontorhausviertel rund um das Chilehaus von 1924 zeigt Hamburg zwei Architektur-Epochen — kaiserzeitliche Lagerhaus-Pracht und Backstein-Expressionismus der Weimarer Republik — auf engstem Raum zwischen Zollkanal und Deichtorhallen.
Lüneburg — Salz und Schiefe Häuser
Die alte Hansestadt 50 Kilometer südöstlich von Hamburg verdankt ihren Reichtum dem Salz. Das Deutsche Salzmuseum auf dem ehemaligen Salinen-Gelände erzählt die 1000-jährige Tradition, der Wasserturm von 1907 (56 Meter hoch) als Aussichtspunkt über die Altstadt und die Senkungsgebiet-bedingt schief stehenden Bürgerhäuser am Markt und Stintmarkt geben Lüneburg seinen unverwechselbaren Charakter.
Goslar — Kaiserpfalz im Harz
Die Reichsstadt am Harz-Nordrand steht seit 1992 mit ihrer Altstadt und dem Erzbergwerk Rammelsberg auf der UNESCO-Liste. Die Kaiserpfalz aus dem 11. Jahrhundert als größtes weltliches Profanbauwerk des Hochmittelalters, über 1500 Fachwerkhäuser im Stadtkern und das gewaltige Marktkirchen-Ensemble machen Goslar zur am besten erhaltenen Reichsstadt Norddeutschlands.
Hildesheim — Romanik pur
30 Bahnminuten südlich von Hannover gelegen, beherbergt Hildesheim zwei UNESCO-Welterben seit 1985: die Michaeliskirche (1010 begonnen, Inbegriff der ottonischen Romanik) und den Mariendom mit der Bronzetür von 1015 und dem 1000-jährigen Rosenstock. Die im Zweiten Weltkrieg zerstörte Altstadt wurde teilweise rekonstruiert — der Marktplatz mit Knochenhauer-Amtshaus und Wedekindhaus zeigt Fachwerk-Pracht wieder so wie vor 1945.
Greifswald — Caspar David Friedrich
Die Universitätsstadt 30 Kilometer westlich von Stralsund war als Hansestadt eine der mittelmächtigen Größen am Greifswalder Bodden. Geburtsort des Romantik-Malers Caspar David Friedrich (1774), die Backsteingotik-Trias St. Nikolai, St. Marien, St. Jakobi und die Klosterruine Eldena, die Friedrich mehrfach malte, prägen die ruhige Universitätsstadt mit ihren rund 60.000 Einwohnern.
Schwerin — Märchenschloss am See
Die Mecklenburger Residenzstadt am Schweriner See trägt mit dem Schloss auf seiner eigenen Insel eines der märchenhaftesten Schlossbauten Deutschlands. Erbaut 1845 bis 1857 im französisch-historistischen Stil als Vorbild Schloss Chambord, mit 653 Räumen und 14 Türmen. Die Altstadt mit Dom (Backsteingotik 13. Jahrhundert) und Pfaffenteich-Promenade rundet die Residenz-Erfahrung ab.
Eutin — Weimar des Nordens
40 Kilometer nördlich von Lübeck in der Holsteinischen Schweiz, am Großen Eutiner See. Das Schloss aus dem 12. Jahrhundert war Sommerresidenz der Lübecker Fürstbischöfe, der barocke Schlossgarten und die Eutiner Festspiele auf der Seebühne (seit 1951) machen die 17.000-Einwohner-Stadt im 18. Jahrhundert zum kulturellen Zentrum — Mozart-Lehrer Carl Maria von Weber wurde hier 1786 geboren.
Quedlinburg — Fachwerk-Symphonie
Am Harz-Nordrand gelegen, seit 1994 UNESCO-Welterbe für die größte zusammenhängende Fachwerk-Altstadt Deutschlands mit über 2000 Häusern aus sechs Jahrhunderten. Der Schlossberg mit Stiftskirche St. Servatii (12. Jahrhundert) und Domschatz (eine der wertvollsten mittelalterlichen Sammlungen Europas) thront über der Stadt, der Marktplatz mit Rathaus und Roland-Statue (1426) bildet das Zentrum.
Geschichte und Hintergrund jeder Stadt
Hinter jeder der zwölf Altstädte steht eine spezifische historische Schicht — vom karolingischen Bischofssitz Bremens über die Hansezeit Lübecks bis zur barocken Residenz Schwerins. Wer die Stadtkerne richtig lesen will, kennt im Idealfall die Eckdaten und die wichtigsten Bauphasen.
Lübeck — Königin der Hanse seit 1226
Reichsstadt seit 1226 durch Privileg Kaiser Friedrichs II., 1356 als Vorort der Hanse anerkannt. Die Stadt zwischen Trave und Wakenitz lebt von ihrer mittelalterlichen Insellage und der Backsteingotik der sechs Hauptkirchen. Im Zweiten Weltkrieg traf der erste britische Flächenbombenangriff 1942 große Teile der Altstadt, ein Drittel wurde zerstört — die heute sichtbaren Türme der Marienkirche tragen darum die abgestürzten Glocken am Fuß als Mahnmal. Niederegger-Marzipan, Buddenbrooks und das Holstentor machen die Stadt zur literarisch-süßen Hansestadt par excellence.
Stralsund — Hanse am Strelasund
1234 Stadtrecht, Mitglied der Hanse seit 1278. Die Altstadt liegt auf einer Halbinsel zwischen Strelasund und Knieperteich und konnte sich nie räumlich ausdehnen — was die historische Substanz konservierte. Schwedisch von 1648 bis 1815, was an der Fassade des Schwedenspeichers im Hafen noch ablesbar ist. Das Ozeaneum (eröffnet 2008, 8500 Quadratmeter Schauflächen) ist neben dem mittelalterlichen Stadtkern Stralsunds größte Attraktion und zieht 700.000 Besucher pro Jahr.
Wismar — Hansestadt im schwedischen Königreich
Stadtrecht 1229, Hanse-Mitglied von 1259 bis 1632, dann schwedisch bis 1903 (formal als Pfand an Schweden im Westfälischen Frieden). Der Marktplatz mit 10.000 Quadratmetern als größter Norddeutschlands, die Wasserkunst von 1602 und die drei großen Backsteinkirchen (St. Marien als Ruine, St. Nikolai vollständig, St. Georgen wieder aufgebaut nach 1990) prägen das Stadtbild. Mit Stralsund 2002 zur gemeinsamen UNESCO-Welterbestätte erklärt.
Bremen — Karls Bischofsstadt
787 als Bischofssitz durch Karl den Großen gegründet, Reichsfreiheit 1186. Roland-Statue von 1404 (eine der ältesten erhaltenen Roland-Figuren Europas, 5,5 Meter hoch) und das Rathaus von 1410 mit Renaissance-Fassade von 1612 stehen seit 2004 auf der UNESCO-Liste. Die Böttcherstraße — von Kaffeemann Ludwig Roselius zwischen 1922 und 1931 als expressionistisches Kunstwerk gestaltet — und die Bremer Stadtmusikanten als Märchen-Wahrzeichen ergänzen das historische Profil.
Hamburg-Speicherstadt — Industrielles Welterbe
Erbaut zwischen 1883 und 1927 nach Reichsvertrag mit Bismarck, der Hamburg den Beitritt zum Deutschen Zollverein erleichterte. 24.000 Pfahlgründungen, 11 Speicherblöcke mit 300.000 Quadratmetern Lagerfläche für Tee, Kaffee, Kakao, Gewürze und Teppiche. Heute Museen (Speicherstadtmuseum, Miniatur-Wunderland, Hamburg Dungeon), Restaurants und Wohnen. Mit dem angrenzenden Kontorhausviertel (Chilehaus 1924, Sprinkenhof, Messberghof) seit 2015 UNESCO-Welterbe — beide Quartiere zeigen 50 Jahre Hamburger Hafen-Architektur in dichter Form.
Lüneburg — Salzstadt der Hanse
Über tausend Jahre lieferte die Lüneburger Saline das Salz, das die Lübecker Kaufleute für den Hering-Handel im Ostseeraum brauchten. Das gemeinsame Geschäft machte beide Städte reich, das Salz machte Lüneburg architektonisch zur Hansestadt. Der historische Senkungsgebiet rund um den Stintmarkt — verursacht durch jahrhundertelange Soleförderung — gibt der Altstadt heute ihre schief stehenden Häuser. Der Wasserturm von 1907 (56 Meter hoch, restauriert 2008, Glasaufzug) bietet den 360-Grad-Blick.
Goslar — Reichsstadt am Rammelsberg
1009 erste Erwähnung, Krönungsstadt zahlreicher Salier- und Staufer-Kaiser, freie Reichsstadt von 1290 bis 1802. Die Kaiserpfalz aus dem 11. Jahrhundert ist das größte noch erhaltene weltliche Profanbauwerk des Hochmittelalters. Direkt darüber das Erzbergwerk Rammelsberg — 1000 Jahre kontinuierliche Förderung von Blei, Zink, Kupfer und Silber, 1992 zusammen mit der Altstadt zum UNESCO-Welterbe erklärt, seit 2010 erweitert um die Oberharzer Wasserwirtschaft.
Hildesheim — Bistum mit zwei Welterben
815 durch Ludwig den Frommen als Bistum gegründet. Bischof Bernward (993 bis 1022) machte Hildesheim zum frühen Zentrum ottonischer Romanik — die Michaeliskirche (Baubeginn 1010) und der Mariendom (mit der Bronzetür von 1015, dem Christussäulen-Bronzepfeiler und dem 1000-jährigen Rosenstock am Apsis) tragen den UNESCO-Status seit 1985. Die im Zweiten Weltkrieg fast vollständig zerstörte Altstadt rund um den Marktplatz wurde 1989 mit dem Knochenhauer-Amtshaus und Wedekindhaus rekonstruiert.
Greifswald — Universitätsstadt der Romantik
Stadtrecht 1250, Hanse-Mitglied im 14. Jahrhundert, Universitätsgründung 1456 als zweitälteste Hochschule des heutigen Deutschlands. Geburtsort des Romantik-Malers Caspar David Friedrich am 5. September 1774 — sein Geburtshaus in der Lange Straße ist heute Museum. Die Klosterruine Eldena am Stadtrand diente Friedrich als Bildmotiv für mehrere seiner berühmtesten Werke. Die ruhige Universitätsstadt mit ihren rund 60.000 Einwohnern zählt heute zu den Geheimtipps der Vorpommerschen Bucht.
Schwerin — Residenz der Mecklenburger
Erste Erwähnung 1018 als slawische Burgsiedlung, Stadtrecht 1160 unter Heinrich dem Löwen. Residenz der Mecklenburger Großherzöge bis 1918. Das heutige Schloss auf seiner eigenen Insel im Schweriner See entstand zwischen 1845 und 1857 nach Plänen von Demmler, Stüler und Wolff im französisch-historistischen Stil — Vorbild war das Loire-Schloss Chambord. 653 Räume, 14 Türme, einer der schönsten Schlossbauten Deutschlands neben Neuschwanstein.
Eutin — Musenstadt im 18. Jahrhundert
Erste Erwähnung 1156, Sommerresidenz der Lübecker Fürstbischöfe seit 1586. Unter Fürstbischof Friedrich August (regiert 1750 bis 1785) wurde Eutin zu einem Zentrum der Aufklärung — Friedrich Leopold von Stolberg, Johann Heinrich Voß und Friedrich Heinrich Jacobi gingen hier ein und aus, weswegen Klopstock Eutin als "Weimar des Nordens" bezeichnete. Der barocke Schlossgarten und die Eutiner Festspiele auf der Seebühne (seit 1951, jährlich Juli/August) machen die 17.000-Einwohner-Stadt zur kulturellen Perle Schleswig-Holsteins.
Quedlinburg — Reichsstift der Ottonen
936 gründete König Heinrich I. das Damenstift auf dem Schlossberg, seine Witwe Mathilde wurde erste Äbtissin. Quedlinburg war im 10. und 11. Jahrhundert wichtige Pfalzstadt der ottonisch-salischen Herrscher, freie Reichsstadt seit 1426. Die größte zusammenhängende Fachwerk-Altstadt Deutschlands mit über 2000 Häusern aus sechs Jahrhunderten steht seit 1994 auf der UNESCO-Liste. Der Domschatz auf dem Schlossberg gilt als eine der wertvollsten mittelalterlichen Sammlungen Europas.
Geschichte und Charakter der Hanse-Region
Acht der zwölf vorgestellten Städte waren Mitglied der Hanse, jenes mittelalterlichen Städtebundes, der von Lübeck aus zwischen 1356 und 1669 den Ostsee- und Nordsee-Handel kontrollierte. Die Backsteingotik als typischer Baustil entstand aus der Notlage heraus — Steinbrüche gab es im norddeutschen Tiefland kaum, also brannten die Hansestädte ihre Ziegel selbst und entwickelten daraus eine eigene Architektur-Sprache. Rathäuser, Bürgerhäuser, Kirchen und Stadttore folgten denselben Formen, sodass Stralsund, Wismar und Lübeck noch heute ähnlich aussehen.
Die niedersächsischen Welterben
Goslar und Hildesheim repräsentieren eine andere Tradition — die ottonisch-salische Reichsstadt und die kirchliche Bistumsstadt. Beide haben mit Romanik und früher Gotik ein deutlich anderes Stadtbild als die Hansestädte. Quedlinburg gehört architektonisch eher zur niedersächsisch-thüringischen Fachwerk-Welt, wenn auch politisch im Mittelalter zum sächsischen Frauenstift gehörig.
Die mecklenburgischen Residenzen
Schwerin und Eutin zeigen einen dritten Charakter — barocke und historistische Residenzstädte, deren Schlossbauten erst im 18. und 19. Jahrhundert ihre heutige Form erhielten. Das Schweriner Schloss als Fürstensitz, Eutin als Sommerresidenz der Lübecker Fürstbischöfe und später als Musenstadt der Aufklärung (Friedrich von Stolberg, Johann Heinrich Voß).
Essen und Kulinarik in den Stadtkernen
Die norddeutsche Küche prägt jede der zwölf Städte mit eigenen Spezialitäten. Lübecker Marzipan von Niederegger (seit 1806 am Markt) zählt zu Deutschlands bekanntesten Süßwaren, Bremer Knipp mit Kohl ist eine deftige Wintermahlzeit aus Hafergrütze, Schweinebauch und Zwiebeln, in Wismar gilt der Schwedenpunsch (eine Erinnerung an die schwedische Zeit 1648 bis 1903) als Spezialität.
Markthallen und Fischbuden
In Bremen die Bremer Markthalle Acht, in Hamburg der Fischmarkt am Sonntagmorgen, in Stralsund die Räucherei am Hafen mit fangfrischem Bismarckhering. Goslar bietet die Goslarer Münze als süßes Gebäck (in Anlehnung an die Münzprägung der Reichsstadt), Quedlinburg den Harzer Käse mit Kümmel und Bier dazu.
Übernachten in den Altstädten
In allen zwölf Städten existieren stadtkern-nahe Hotels in historischen Gebäuden. Lübeck, Bremen und Hamburg liegen preislich bei 90 bis 180 EUR im Doppelzimmer, die kleineren Städte (Wismar, Eutin, Quedlinburg) zwischen 60 und 110 EUR. Buchung im Sommer 4 bis 6 Wochen im Voraus empfohlen, in der Vorweihnachts-Zeit (Lübeck, Bremen, Goslar haben legendäre Weihnachtsmärkte) noch früher.
Praktische Tipps für die historische Städtetour
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€
Kombi-Tickets für Welterbe-Städte
Lübeck, Bremen und Goslar bieten Tagespässe mit allen großen Museen für 15 bis 22 EUR. Wer mehrere Sehenswürdigkeiten an einem Tag schafft, spart 30 bis 40 Prozent gegenüber Einzeltickets. Stralsund-Ozeaneum als Highlight kostet separat 19 EUR.
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Stadtführungen in den Altstädten
Geführte Altstadt-Rundgänge dauern 90 bis 120 Minuten und kosten 10 bis 14 EUR pro Person. In Lübeck, Bremen, Stralsund und Quedlinburg täglich mehrmals, in den kleineren Städten meist nur am Wochenende. Online-Voranmeldung empfohlen, besonders im Sommer.
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Frühe Morgenstunden nutzen
Die UNESCO-Altstädte sind zwischen 7 und 10 Uhr deutlich entspannter. Wer das Holstentor in Lübeck oder den Marktplatz in Quedlinburg ohne Menschenmassen fotografieren möchte, geht früh — Bus-Tagesgäste treffen meist erst gegen 10:30 Uhr ein.
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i
Saisonale Highlights bedenken
Goslarer und Bremer Weihnachtsmärkte zwischen Ende November und Heiligabend zählen zu den schönsten Norddeutschlands, in Lübeck und Stralsund die Weihnachts-Schiffe im Hafen. Im Sommer locken die Eutiner Festspiele auf der Seebühne (Juli/August) und das Stralsunder Wallenstein-Spektakel.
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ÖPNV in den Stadtkernen
Acht der zwölf Altstädte sind komplett zu Fuß erkundbar, in Hamburg-Speicherstadt am besten per U-Bahn (U1 Meßberg, U3 Baumwall) und in Bremen mit der Straßenbahn-Linie 4 oder 5. In Quedlinburg und Wismar Auto im Park-and-Ride am Stadtrand stehen lassen, Altstadt zu Fuß.
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Barrierefreiheit in den Altstädten
Kopfsteinpflaster macht alle UNESCO-Altstädte zur Herausforderung für Rollatoren und Rollstühle. Bremen und Hamburg haben die besten barrierefreien Hauptachsen. In Goslar, Quedlinburg und Stralsund sind viele Bürgerhäuser nicht stufenlos zugänglich, bei Hotelbuchung explizit nachfragen.
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Beste Reisemonate kombinieren
Mai, Juni und September bieten den besten Mix aus mildem Wetter, langen Tageslichtern und überschaubarer Besucherzahl. Juli und August voll, aber Festivals und Open-Air-Programm machen die Hitze wett. November bis März ruhiger, Lübeck und Bremen aber durch Weihnachtsmärkte stark besucht.
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Regen-Alternativen einplanen
Norddeutschland-Wetter wechselt schnell. Indoor-Highlights wie Ozeaneum Stralsund (ganztägig), Buddenbrookhaus Lübeck, Bremer Übersee-Museum und Goslarer Kaiserpfalz sind ideal für Regentage. Wer drei Stunden Regen-Pause braucht, findet in jeder der zwölf Städte mindestens zwei große Museen.
Insider-Tipps
Was die Reiseführer oft auslassen
Eutin wird in Mainstream-Reiseführern selten erwähnt, ist aber für Liebhaber der Aufklärung und der Holsteinischen Schweiz ein echter Geheimtipp. Die Eutiner Festspiele auf der Seebühne (Juli und August) sind eine der schönsten Open-Air-Opern-Erfahrungen Norddeutschlands. Schwerin als Schlossstadt wird gegenüber den Hansestädten oft unterschätzt — das Schloss zählt mit Neuschwanstein zu den fotogensten Schlössern Deutschlands.
Stille Ecken in den Altstädten
In Lübeck der Gang zur Pfaffenstraße und in die Höfe (Glandorps Hof, Füchtingshof) abseits der Touristenroute. In Bremen das Schnoor-Viertel früh am Morgen vor Ladenöffnung. In Quedlinburg die Hinterhöfe am Münzenberg und der Aufstieg zur Wipertikirche. In Stralsund die Promenade am Knieperteich abends, wenn die Türme der drei großen Kirchen sich im Wasser spiegeln.




