Die Reeperbahn zieht sich auf rund 930 Metern zwischen Millerntor und Nobistor durch den Hamburger Stadtteil St. Pauli und gilt als sündigste Meile der Welt. Ihr Name geht auf die Reepschläger zurück, die im Hafenbezirk lange Seile für die Segelschiffe drehten und dafür gerade Bahnen außerhalb der Stadtmauer brauchten. Heute reiht sich auf der breiten Straße Bühne an Bühne: Das Operettenhaus zeigt seit 2001 König der Löwen, Schmidt Theater und Schmidts Tivoli stehen seit den 1980er-Jahren am Spielbudenplatz, das St. Pauli Theater ist seit 1841 das älteste Privattheater Hamburgs. Davidwache und Beatles-Platz, Indra Club, Star-Club-Memorial in der Großen Freiheit, die abgeschirmte Herbertstraße, die Spielbank und das Reeperbahn Festival im September prägen den Kiez. Dieses Profil ordnet die Reeperbahn ein, beschreibt Anreise, Hauptattraktionen, Bühnen-Vergleich, Tipps für den Abend und beantwortet die häufigsten Fragen rund um Hamburgs berühmteste Straße.
Anreise und Erreichbarkeit
Die Reeperbahn liegt zentral im Hamburger Westen und ist von allen Seiten gut erreichbar. Vom Hauptbahnhof aus braucht man mit der S-Bahn nur etwa sieben Minuten, mit der U3 rund zehn Minuten. Wer mit dem Auto kommt, sollte unbedingt eine Tiefgarage am Rand des Kiezes ansteuern, denn rund um den Spielbudenplatz und die Große Freiheit sind Straßenparkplätze rar und in den Abendstunden häufig ausgebucht.
Mit dem Auto
Aus Süden und Westen erreicht man St. Pauli über die A7 (Elbtunnel) und die Ausfahrt Hamburg-Othmarschen, aus Norden über die A1 und A24 und die innerstädtische Stresemannstraße. In Hamburg führen die Zufahrten über die Reeperbahn selbst, den Millerntorplatz und die Budapester Straße. Mehrere Tiefgaragen stehen rund um den Kiez zur Verfügung, darunter die Tiefgarage am Spielbudenplatz, das Parkhaus Hamburger Berg, Parkflächen am Millerntor und die Tiefgarage am Beatles-Platz. Behindertenparkplätze sind über den Hamburger Stadtplan ausgewiesen; die Reeperbahn selbst ist überwiegend ebenerdig.
Mit der Bahn und dem ÖPNV
Der Hamburger Hauptbahnhof liegt rund vier Kilometer östlich der Reeperbahn und ist Knotenpunkt für ICE, IC und Regionalzüge. Die S-Bahn-Linien S1, S2 und S3 halten direkt unter der Straße an der Station Reeperbahn, von der zwei Aufgänge mitten auf den Spielbudenplatz und an den Beatles-Platz führen. Die U-Bahn-Linie U3 verbindet Barmbek über Hauptbahnhof Süd und Landungsbrücken mit der Station St. Pauli am östlichen Ende der Reeperbahn, direkt am Millerntor. Mehrere Buslinien bedienen ergänzend Davidwache, Talstraße und Nobistor; nachts sind die Linien des Hamburger Nachtbusnetzes wichtig für die Heimfahrt nach Schluss der Clubs.
Mit dem Flugzeug
Der Hamburger Flughafen Helmut Schmidt (HAM) liegt rund elf Kilometer nordöstlich der Reeperbahn in Fuhlsbüttel. Die S-Bahn-Linie S1 verbindet den Flughafen ohne Umstieg in rund 30 Minuten mit der Station Reeperbahn. Taxis brauchen ohne Stau rund 25 Minuten zum Spielbudenplatz, in der Rushhour deutlich länger.
Vor Ort bewegen und Parken
Die Reeperbahn selbst erkundet man am besten zu Fuß: Die Straße ist breit, gut beleuchtet und durchgehend mit Fußwegen versehen. Die Seitenstraßen wie Große Freiheit, Hans-Albers-Platz, Hamburger Berg und Talstraße bieten dichte Club- und Bar-Konzentration auf wenigen Metern. Fahrräder lassen sich an mehreren StadtRAD-Stationen am Millerntor und am Nobistor ausleihen, allerdings sind die Bürgersteige am Wochenende nachts so voll, dass Schieben sinnvoller ist. Taxistände gibt es am Spielbudenplatz und an der Davidwache; Uber und ähnliche Dienste sind in Hamburg ebenfalls verfügbar.
Geschichte: Vom Hafenbezirk zur Vergnügungs-Meile
Die Reeperbahn verdankt ihren Namen einem alten Handwerk: Reepschläger drehten hier ab dem 17. Jahrhundert lange Seile, sogenannte Reeps, für die Segelschiffe des Hamburger Hafens. Weil das Drehen einer durchgehenden Trosse je nach Länge bis zu 300 Meter gerader Bahn erforderte, brauchten die Reepschläger Straßen, die so lang und so gerade waren wie nirgends sonst in der mittelalterlichen Stadt. Außerhalb der Hamburger Wallanlagen, jenseits des Millerntors, fanden sie diese Bahnen — und gaben ihnen ihren Namen.
Aufstieg zur Vergnügungs-Meile
Mit dem Wachstum des Hamburger Hafens im 19. Jahrhundert kamen immer mehr Seeleute in den Stadtteil St. Pauli. Aus den nüchternen Werkstätten der Reepschläger wurde nach und nach eine Straße voller Kneipen, Tanzlokale und Bordelle, die rund um die Uhr Matrosen aus aller Welt unterhielt. Schon Ende des 19. Jahrhunderts hatte die Reeperbahn ihren Ruf als sündigste Meile der Welt gefestigt; der Begriff Kiez bürgerte sich für das gesamte Vergnügungsviertel ein.
Hans Albers und die Goldenen Jahre
In den 1930er- und 1940er-Jahren wurde Hans Albers, geboren 1891 in St. Georg, zur Stimme des Kiezes. Sein Lied „Auf der Reeperbahn nachts um halb eins‘‘ aus dem Film „Große Freiheit Nr. 7‘‘ machte die Straße auch außerhalb Hamburgs zum Mythos. Der nach ihm benannte Hans-Albers-Platz, eine kleine Seitenstraße zwischen Reeperbahn und Detlev-Bremer-Straße, erinnert bis heute an den blonden Hans und seine prägende Rolle für St. Pauli.
Beatles-Lehrjahre 1960 bis 1962
Zwischen August 1960 und Mai 1962 spielten die Beatles in mehreren Clubs auf und neben der Reeperbahn. Im Indra Club in der Großen Freiheit 64 hatten sie ihren ersten Hamburger Auftritt am 17. August 1960, später folgten Engagements im Kaiserkeller, im Top Ten Club an der Reeperbahn 136 und ab April 1962 im legendären Star-Club in der Großen Freiheit 39. John Lennon sagte später, in Liverpool seien sie geboren, in Hamburg aber erwachsen geworden. Der Star-Club brannte 1987 aus und steht heute nur noch als Memorial-Tafel; der Beatles-Platz an der Kreuzung Reeperbahn/Große Freiheit erinnert seit 2008 mit fünf Stahlsilhouetten an die Bandmitglieder.
Hauptattraktionen entlang der Reeperbahn
Wer die Reeperbahn vom Millerntor bis zum Nobistor abläuft, kommt an einer dichten Folge legendärer Adressen vorbei. Die wichtigsten Stationen sind die Davidwache an der östlichen Ecke, der Spielbudenplatz mit den großen Theatern, der Beatles-Platz an der Kreuzung zur Großen Freiheit, die Spielbank Hamburg im Reeperbahn-Hochhaus sowie die berühmt-berüchtigte Herbertstraße.
Davidwache und Polizeigeschichte
Die Davidwache am östlichen Ende der Reeperbahn ist seit 1914 die offizielle Polizeiwache des Kiezes und gilt als kleinste Polizeiwache Deutschlands. Das denkmalgeschützte Backstein-Gebäude in der Spielbudenplatz-Ecke wurde vom Architekten Fritz Schumacher entworfen und ist durch zahlreiche Tatort-Folgen und das Kino-Original „Polizeirevier Davidswache‘‘ von 1964 weit über St. Pauli hinaus bekannt. Die Beamten am David sehen den größten Polizeirevier-Andrang Deutschlands an jedem Wochenende.
Spielbudenplatz und Operettenhaus
Der Spielbudenplatz ist das Herz der Reeperbahn: Hier reihen sich Operettenhaus, Schmidt Theater, Schmidts Tivoli, St. Pauli Theater und der Klubhaus-Komplex. Das Operettenhaus zeigt seit 2001 ohne Unterbrechung das Musical König der Löwen — Hamburgs erfolgreichste Musical-Produktion mit weit über 20 Millionen Zuschauerinnen und Zuschauern allein im Stammhaus. Zuvor liefen hier Cats und andere Stage-Produktionen.
Beatles-Platz und Große Freiheit
Die Große Freiheit zweigt rechts von der Reeperbahn ab und gehört formal zu Altona-Altstadt. Die Seitenstraße trägt ihren Namen aus der Zeit, als sie außerhalb der Hamburger Stadtmauer lag und freie Berufsausübung sowie Religionsfreiheit gewährte, die in Hamburg selbst nicht möglich waren. Heute reihen sich an der Großen Freiheit Clubs wie Indra, Grünspan und Bahnhof Pauli aneinander; die Hausnummer 36 markiert die Adresse Große Freiheit 36 und ist als Diskothek seit den 1980er-Jahren ein Begriff. Der Beatles-Platz an der Einmündung in die Reeperbahn wurde im September 2008 eingeweiht und zeigt fünf Stahlsilhouetten der Beatles auf einem schwarzen Schallplatten-Pflaster.
Herbertstraße und Spielbank
Die Herbertstraße ist eine rund 60 Meter lange Seitenstraße zwischen Davidstraße und Gerhardstraße und bildet die historische Bordell-Straße des Kiezes. Sichtschutz-Wände an beiden Enden schirmen die Straße seit den 1930er-Jahren ab; sie ist Männern ab 18 Jahren vorbehalten, Frauen und Jugendliche dürfen sie offiziell nicht betreten. Wenige Meter weiter befindet sich die Spielbank Hamburg im Reeperbahn-Hochhaus an der Reeperbahn 1, eine Dependance der Spielbank Esplanade mit Roulette, Black Jack und Automaten-Spiel.
Die sechs prägenden Adressen im Überblick
Davidwache
Spielbudenplatz 31, seit 1914 im Backstein-Bau von Fritz Schumacher. Kleinste Polizeiwache Deutschlands mit größtem Andrang. Tatort-Kulisse und Fotomotiv.
Operettenhaus
Spielbudenplatz 1, seit 2001 König der Löwen. Über 20 Millionen Gäste, rund 1.850 Sitzplätze, Hamburgs erfolgreichste Musical-Bühne. Vorstellungen meist Dienstag bis Sonntag.
Schmidt Theater und Schmidts Tivoli
Spielbudenplatz 24, von Corny Littmann gegründet, seit 1988 prägt das Doppelhaus den Spielbudenplatz mit eigenen Eigenproduktionen, Komödien, Travestie und Musicals wie Heiße Ecke.
St. Pauli Theater
Spielbudenplatz 29/30, seit 1841 das älteste Privattheater Hamburgs. Volkstümliches Boulevardtheater, Lesungen, Schauspiel und Hommagen an Hans Albers und das Niederdeutsche.
Indra Club 64
Große Freiheit 64, Beatles-Geburtsort mit erstem Auftritt am 17. August 1960. Heute Konzert-Club mit Indie, Punk und Singer-Songwriter-Programm; Fotos der Band im Innenraum.
Star-Club-Memorial
Große Freiheit 39, ab 1962 die berühmteste Beatles-Bühne Hamburgs, 1987 ausgebrannt. Heute nur noch Gedenktafel und kleiner Star-Club-Hof, Pflichtstation für Beatles-Fans.
Bühnen-Vergleich am Spielbudenplatz
Die fünf Bühnen am Spielbudenplatz decken vom internationalen Großmusical bis zur intimen Boulevardkomödie ein breites Programm ab — wer Hamburger Lokalkolorit sucht, ist bei Schmidt und Tivoli oder im St. Pauli Theater besonders gut aufgehoben.
Geschichte des Reeperbahn Festivals
Seit 2006 findet jährlich Mitte bis Ende September das Reeperbahn Festival statt: viertägiges Showcase-Festival für neue Popmusik, Konzerte in Dutzenden Clubs, Theatern und Hinterhöfen rund um die Reeperbahn. Inzwischen gilt es als wichtigstes Branchenfestival der europäischen Musikindustrie, mit jährlich rund 600 Konzerten, 50.000 Besucherinnen und Besuchern und etlichen Konferenz-Programmen. Wer im September anreist, sollte Unterkünfte mehrere Monate im Voraus buchen — die Hotels am Kiez sind dann häufig komplett ausgebucht.
Praktische Tipps für den Reeperbahn-Besuch
-
€
Tickets im Voraus sichern
Musical-Karten für König der Löwen sind häufig Wochen vorher ausgebucht. Schmidt-Vorstellungen und das St. Pauli Theater bieten oft günstigere Last-Minute-Plätze direkt an der Abendkasse, wenn man flexibel ist.
-
✦
Beatles-Pfad ablaufen
Vom Beatles-Platz über Indra Club 64 zum Star-Club-Memorial in der Großen Freiheit 39 sind es nur wenige hundert Meter. Mit Audioguide oder Beatles-Tour-Apps lässt sich der Pfad in einer guten Stunde abgehen.
-
+
Donnerstag bis Samstag wählen
Die volle Kiez-Atmosphäre entsteht erst an den späten Wochenend-Abenden. Wer es ruhiger mag, kommt unter der Woche zwischen 18 und 21 Uhr — Theater offen, Straße aber deutlich weniger voll als am Samstagabend.
-
i
Wertsachen sichern
Wie in jedem Vergnügungsviertel ist die Taschendieb-Quote rund um Beatles-Platz, Davidwache und Große Freiheit erhöht. Geldbörse vorne in der Tasche tragen, Rucksack vor dem Bauch, keine teure Kamera offen umhängen.
-
⌘
Herbertstraße respektieren
Die abgeschirmte Bordell-Straße ist Männern ab 18 vorbehalten. Frauen und Jugendliche dürfen sie nicht betreten, Fotos sind verboten. Wer den Sichtschutz-Block am Eingang umgehen möchte, sollte sich bewusst sein, dass es sich um einen aktiven Arbeitsplatz handelt.
-
♿
Barrierefrei planen
Die Reeperbahn selbst ist ebenerdig und gut zu befahren. Die großen Theater haben Aufzüge und Rollstuhl-Plätze — am besten beim Ticketkauf direkt anmelden. Die schmalen Clubs in der Großen Freiheit sind oft nicht barrierefrei.
-
☀
Tag-Besuch nicht unterschätzen
Tagsüber zeigt sich der Kiez von einer ruhigen Seite: Davidwache, Beatles-Platz und Spielbudenplatz lassen sich in Ruhe fotografieren, viele Theater bieten Backstage-Führungen an. Wer den Mythos sucht, kommt abends — wer die Geschichte will, mittags.
-
☂
September meiden oder umarmen
Während des Reeperbahn Festivals Mitte bis Ende September ist die Straße voll von Musik-Branche und Konzert-Gästen, Hotels nahezu ausgebucht. Wer das Festival nicht plant, sollte einen anderen Reisetermin wählen — wer dabei sein möchte, bucht Monate vorher.
Insider-Tipps
Bewusst spät kommen
Die meisten Clubs an der Großen Freiheit und in den Seitenstraßen wie Hamburger Berg füllen sich erst nach Mitternacht. Wer um 21 Uhr ankommt, sitzt häufig allein an der Bar — Kiez-Atmosphäre entsteht zwischen 23 Uhr und 4 Uhr morgens, in einigen Häusern auch bis zum Hellwerden.
Live-Musik abseits der Großen Freiheit
Indra Club 64 und das Molotow in der Holstenstraße sind für Live-Konzerte deutlich relevanter als die Mainstream-Diskotheken auf der Reeperbahn selbst. Beide Häuser spielen Indie, Punk und Singer-Songwriter und sind häufig Sprungbrett für später bekannte Bands — die Beatles standen schließlich auch im Indra zum ersten Mal vor Hamburger Publikum.




