Cortina d'Ampezzo liegt auf 1.224 Metern im Becken des Boite-Tals in der Provinz Belluno (Veneto), eingerahmt von einigen der spektakulärsten Felswände der Alpen — den Tofane im Westen, dem Cristallo im Norden, der Sorapiss im Osten und den Cinque Torri im Süden. Seit 2009 ist die Region Teil des UNESCO-Welterbes Dolomiten. Das Skigebiet zählt zum Verbund Dolomiti Superski mit rund 1.200 markierten Pistenkilometern in zwölf vernetzten Skigebieten — das größte Skikartell der Welt. Cortina war 1956 Olympia-Ausrichter und ist 2026 erneut Co-Gastgeber, gemeinsam mit Mailand. Wer mondäne Bergstadt mit Boutique-Kultur, Olympia-Geschichte und ladinischer Identität sucht, ist hier richtig — wer ruhige Bergdörfer ohne Resort-Charakter liebt, eher in San Vito di Cadore oder Auronzo.
Anreise und Erreichbarkeit
Cortina liegt am Talschluss eines Sackgassen-Talsystems — die Hauptzufahrt erfolgt über die SS51 Alemagna, eine historische Handelsstraße zwischen Venedig und Wien. Direkten Bahnanschluss gibt es nicht; die nächsten Bahnhöfe sind Calalzo di Cadore (35 km südlich) und Dobbiaco/Toblach (32 km nordwestlich, in Südtirol). Aktuelle Service-Infos pflegt das offizielle Tal-Portal auf dolomiti.org.
Mit dem Auto
Die schnellste Route führt aus Süden über die A27 Mestre–Belluno bis zur Endausfahrt Pian di Vedoia, dann auf der SS51 Alemagna 70 Kilometer durch das Boite-Tal hinauf — gut ausgebaute Bergstraße mit knapp 1.000 Höhenmetern und einigen Engstellen ab Pieve di Cadore. Aus Norden nimmst du den Brenner und Toblach (SS49, dann SS51 über den Cimabanche-Pass), 32 Kilometer ab Toblach. Im Winter herrscht in Italien Winterreifen-Pflicht ab Mitte Oktober (obbligo di pneumatici invernali) und Schneeketten gehören an Bord.
Im Olympia-Winter 2026 gelten temporäre Verkehrsregelungen rund um die Wettkampfstätten — insbesondere SS48 Richtung Falzarego-Pass und um den Eiskanal Cortina Sliding Centre. Aktuelle Verkehrslage über das Verkehrsportal Veneto auf regione.veneto.it oder die Live-Webcams auf dolomiti.org.
Mit der Bahn
Direkten Bahnanschluss hat Cortina nicht — und das wird auch zu Olympia 2026 noch so sein, obwohl seit Jahrzehnten über eine Wiederbelebung der historischen Ferrovia delle Dolomiti diskutiert wird (eingestellt 1964). Die nächsten Bahnhöfe sind Calalzo di Cadore (35 km, Endstation der Linie Venedig–Cadore) und Dobbiaco/Toblach (32 km, Linie Brenner–Lienz). Ab beiden Bahnhöfen fahren mehrmals täglich die Cortina Express-Busse von Dolomitibus, Fahrzeit rund 50 Minuten, einfache Fahrt 6 bis 8 EUR. Aus Deutschland steigst du in München oder direkt in einen ÖBB-EuroCity über den Brenner um.
Wer im Winter ohne Auto kommt, nutzt die direkten Cortina Express-Linien ab Venedig-Mestre, Treviso-Flughafen und Marco-Polo-Flughafen — Anbieter ATVO/Dolomitibus, Vorab-Reservierung empfohlen, einfache Fahrt rund 30 EUR. Aktuelle Verbindungen prüfst du auf bahn.de oder trenitalia.com.
Mit dem Flugzeug
Hauptanflug für Mitteleuropa ist Venedig-Marco-Polo (VCE), etwa 160 Kilometer entfernt — viele Direktflüge aus Deutschland, Österreich und der Schweiz, im Winter mit gestockten Frequenzen. Vom Flughafen erreichst du Cortina mit Mietwagen in rund zweieinhalb Stunden über die A27 und SS51. Nordseitig ist Innsbruck (INN) die schnellste Variante bei guten Schneeverhältnissen, rund 160 Kilometer via Brenner und Toblach. Treviso (TSF) mit 130 Kilometern und vor allem Low-Cost-Verkehr (Ryanair) ist die preiswerte Alternative. Verona (VRN), Bergamo (BGY) und Bozen (BZO) liegen jeweils 200 bis 250 Kilometer entfernt.
Parken und ÖPNV vor Ort
Im Ort gibt es vier zentrale Parkmöglichkeiten: Tiefgarage Centro am Corso Italia (Tagesticket 25 EUR), Tiefgarage Stadio am Eisstadion (18 EUR), Tiefgarage Olimpia beim Trampolin-Areal (18 EUR) und Außenparkplatz Helvetia am Ortseingang aus Süden (12 EUR). Der gratis-Skibus Cortina verbindet im Zehn-Minuten-Takt von 8 bis 19 Uhr Ortskern, Talstation Tofana, Talstation Faloria, Bus-Terminal und das Pocol-Wohngebiet. Außerhalb der Saison fahren die Busse stündlich. In der Olympia-Hochsaison Februar 2026 sind viele zentrale Parkplätze für Akkreditierte reserviert — der Veranstalter empfiehlt Park-and-Ride am Ortsausgang plus Shuttle.
Pisten, Skipass und Dolomiti Superski
Cortina ist Skiort mit Tradition — und über den Verbund Dolomiti Superski auch Tor zum größten Skikartell der Welt. Drei Schwerpunkte:
Lokales Skigebiet: Tofana, Faloria-Cristallo, Cinque Torri
Direkt am Ort liegen drei Hauptsektoren: Tofana-Pomedes westlich, mit der Olympia-Damenpiste Olympia delle Tofane und der Aussichtsbahn Freccia nel Cielo auf die Tofana di Mezzo (3.244 m); Faloria-Cristallo nordöstlich, mit langen Cruising-Pisten und dem berühmten Couloir Forcella Staunies; und 5 Torri-Lagazuoi südlich, mit dem historischen Großen-Krieg-Skitag rund um die Stellungen aus dem Ersten Weltkrieg. Insgesamt rund 120 Pistenkilometer im engeren Cortina-Areal, etwa 50 Prozent rot, 35 Prozent blau, 15 Prozent schwarz. Die Talstation Tofana liegt fußläufig zum Ortskern, die Faloria-Bahn ist über den Skibus in fünf Minuten erreichbar.
Verbund Dolomiti Superski: 1.200 Pistenkilometer
Mit dem Skipass Dolomiti Superski stehen rund 1.200 markierte Pistenkilometer offen, verteilt auf zwölf vernetzte Skigebiete (Cortina, Civetta, Marmolada, Val di Fassa, Alta Badia, Val Gardena/Gröden, Eisacktal, Kronplatz, Hochpustertal, Arabba, Drei-Zinnen, San Martino di Castrozza). Cortina ist über den Falzarego-Pass mit Arabba und der Marmolada verbunden — die berühmte Sellaronda startet von dort, ein Skitour-Klassiker mit 26 km Pisten und vier Pässen (Pordoi, Sella, Gardena, Campolongo). Plan einen ganzen Skitag für die Sellaronda ein, letzte Auffahrt zurück über den Falzarego meist um 15:30 Uhr. Bei Wind oder Whiteout wird der Pass-Lift gesperrt — Alternative ist der Skibus über die Straße, im Skiticket nicht inkludiert.
Olympia delle Tofane und Weltcup-Erbe
Die Olympia-Damenpiste Olympia delle Tofane ist seit den Spielen 1956 Schauplatz der bedeutendsten Frauen-Skirennen. Das Weltcup-Wochenende mit Abfahrt, Super-G und Riesenslalom findet jährlich Mitte Januar statt — die Zuschauer-Tribüne am Pomedes-Zielhang ist frei zugänglich, der Schluchten-Abschnitt Schuss einer der spektakulärsten Streckenabschnitte der Welt. Die Piste ist ganzjährig (außer Renntagen) für normale Skifahrer offen, schwarze Markierung, technisch anspruchsvoll. Die Lacedelli-Piste ehrt den Cortineser Lino Lacedelli, der 1954 als einer der ersten Menschen den K2 bestieg.
Top-Sehenswürdigkeiten
Tofana di Mezzo (3.244 m)
Die Aussichtsbahn Freccia nel Cielo (Pfeil im Himmel) führt in drei Sektionen vom Ort auf den Tofana-Gipfel — Bergstation auf 3.244 m, eine der höchstgelegenen erreichbaren Bergstationen Italiens. Glassboden-Plattform mit Rundblick auf Marmolada, Drei Zinnen und Großglockner. Hin- und Rückfahrt rund 60 EUR ohne Skipass, Betriebszeiten Sommer 9 bis 17 Uhr.
Lago di Sorapiss
Türkisgrüner Bergsee auf 1.925 m am Fuß der Sorapiss-Wand, einer der meistfotografierten Seen der Dolomiten. Anfahrt mit dem Auto bis zum Passo Tre Croci (10 km östlich), dann anspruchsvolle Wanderung in 2:30 h über den ausgesetzten Sentiero del Sorapiss. Schwindelfrei sein. Tagesausflug 6 Stunden, fester Schuh und Trinkwasser Pflicht.
Cinque Torri
Markantes Felsmassiv auf 2.300 m mit fünf charakteristischen Türmen — Klettergebiet seit dem 19. Jahrhundert und Schauplatz schwerer Stellungskämpfe im Ersten Weltkrieg. Im Sommer Lift-Auffahrt ab dem Falzarego-Areal, dann Open-Air-Museum Grande Guerra mit erhaltenen Schützengräben und Galerie-Stollen. Rundweg 1:30 h, Eintritt frei, Lift einfach 12 EUR.
Lagazuoi und Galleria del Lagazuoi
Der Lagazuoi (2.778 m) ist Aussichtsberg und Geschichtsort zugleich — die Galleria, ein 1.100 m langer Tunnel der italienischen Truppen aus dem Ersten Weltkrieg, ist begehbar (Helm und Stirnlampe Pflicht, Verleih an der Bergstation). Auffahrt mit Pendelbahn vom Falzarego-Pass, Rückkehr ins Tal über den Tunnel zu Fuß (1:30 h Abstieg). Eine der intensivsten Geschichts-Begegnungen in den Alpen.
Cortina Sliding Centre
Der neue Eiskanal für die Olympia 2026, gebaut für Bob, Skeleton und Rodel auf der Trasse der historischen Anlage von 1956. Im Sommer geführte Führungen mit Blick in die Steilkurve Curva Olimpica, Eintritt rund 12 EUR. Im Winter teils öffentliches Probesitzen im Bob mit Profi-Pilot — Anmeldung über die Tourist-Info.
Tre Cime di Lavaredo
Die Drei Zinnen mit ihren drei markanten Felsspitzen (Cima Grande, Cima Ovest, Cima Piccola, höchster Gipfel 2.999 m). Anfahrt von Cortina über die SS51 nach Misurina (16 km), dann Mautstraße zum Rifugio Auronzo auf 2.320 m (im Sommer 30 EUR pro Pkw). Klassischer Rundweg um das Massiv in 3 bis 4 Stunden, T2-Wanderung mit den berühmtesten Foto-Motiven der Alpen.
Aktivitäten und Erlebnisse
Was du in Cortina unternimmst, hängt von Saison, Wetter und Reisegruppe ab. Ein paar Empfehlungen sortiert nach Konstellation:
Im Winter
- Skifahren auf Tofana, Faloria-Cristallo und 5 Torri: drei Hauptsektoren mit eigener Charakteristik, der Skibus pendelt kostenlos zwischen den Talstationen
- Sellaronda-Tagestour: 26 km Pisten und vier Dolomitenpässe, Start ab Falzarego — Kondition für sechs bis sieben Stunden auf Skiern
- Langlauf am Fiames-Loipenzentrum: 70 km gespurte Loipen entlang des Boite-Tals und in Richtung Misurina, Tagespass 12 EUR
- Schneeschuhwanderung zur Croda da Lago: ab dem Lago Federa in 3 Stunden hin und zurück, Verleih am Ortskern ab 12 EUR pro Tag
- Eislaufen im Stadio Olimpico: das Original-Eisstadion von 1956, im Olympia-Winter 2026 Wettkampfstätte für Eröffnungsfeier und Curling
Im Sommer
- Klettersteige (Vie Ferrate): Cortina ist eines der dichtesten Klettersteig-Netze der Alpen — Klassiker wie Ivano Dibona am Cristallo, Punta Anna an der Tofana, Sentiero degli Alpini am Col Rosà
- Bergwandern auf der Croda da Lago oder rund um den Lago Federa: vier bis sechs Stunden, gute Hütten-Versorgung
- Mountainbike-Touren: über 200 km markierte Strecken, viele Lifte transportieren Räder im Sommer (Aufpreis 6 bis 10 EUR pro Auffahrt)
- Geführte Sternfotografie an den Cinque Torri: Veranstalter über die Tourist-Info, ab Mai an klaren Nächten
Mit Familie
Der Spielplatz am Parco della Rimembranza am Corso Italia ist zentral und kostenfrei. Das Skiparadiso Mietres unterhalb Pomedes hat einen Übungslift speziell für Kinder ab 4 Jahren mit Skischule (Halbtag etwa 60 EUR). Im Sommer ist die Adventure Park Cortina oberhalb der Talstation Faloria mit Hochseilgarten und Rodelbahn ein guter Tagesausflug. Schwimmen geht im Piscina Olimpionica, dem Hallen-/Freibad mit 50-m-Becken und Aussicht auf die Tofane.
Bei Schlechtwetter
Die Galleria del Lagazuoi (Tunnel-Wanderung im Berg) funktioniert auch bei Regen, da überdacht. Das Museo Mario Rimoldi zeigt Bergsteigergeschichte und moderne italienische Malerei. Das Museo Paleontologico Rinaldo Zardini hat eine der weltweit größten Privatsammlungen an Trias-Fossilien aus den Dolomiten. Wellness im Cristallo Resort oder im Grand Hotel Savoia ist auch für externe Gäste buchbar (Tageseintritt rund 60 EUR).
Gastronomie und regionale Spezialitäten
Die Küche im Ampezzo ist ladinisch-venetisch — Polenta, Casunziei (rote-Beete-Ravioli mit Mohn), Schlutzkrapfen, Speck, Wildragout. Dazu kommen alpine Klassiker und gehobene italienische Sterneküche. Drei Anlaufstellen:
Hütten und Berggasthöfe (Rifugi)
Die Berghütten rund um Cortina sind Mittagsziel und Geschmackslabor in einem. Rifugio Averau auf 2.413 m am Falzarego-Pass führt seit Jahrzehnten Bergsteiger-Casunziei und gilt vielen als beste Berghütten-Küche der Alpen. Rifugio Lagazuoi direkt an der Bergstation, mit Sonnenterrasse über dem Cinque-Torri-Massiv. Rifugio Scoiattoli an den Cinque Torri, Familienbetrieb mit Aussicht und Open-Air-Museum direkt nebenan. Hauptgerichte 14 bis 22 EUR, Übernachtung im Lager ab 35 EUR (Mitgliedschaft im Alpenverein bringt Rabatt).
Restaurants im Ort
- SanBrite: Sterne-Küche aus heimischen Zutaten (Bauernhof gleich nebenan), Hauptgericht ab 38 EUR, Reservierung Pflicht
- Tivoli: Sterne-Restaurant mit ladinischen Wurzeln, Menü ab 130 EUR
- Da Beppe Sello: traditionelle ampezzanische Küche, Casunziei und Schlutzkrapfen vom Feinsten, Hauptgericht 18 bis 28 EUR
- Al Camin: Pizza und Pasta zu fairen Preisen, gut für Familien (12 bis 22 EUR)
Cafés und Bars
Das Caffè Royal am Corso Italia ist seit den 1890er Jahren Treffpunkt — Kaffee, Aperitivo, Promi-Watching im Hochwinter. Pasticceria Embassy führt die feinsten Kuchen und Strudel der Stadt. Für den Aperitivo mit Bergblick lohnt das LP26 Lounge oberhalb der Faloria-Talstation.
Markttag
Wochenmarkt jeden Freitag von 8 bis 13 Uhr am Largo Poste im Ortszentrum. Regionaler Käse aus dem Cadore, Speck aus dem Pustertal, Honig und Kräuter. Wer in einer Ferienwohnung kocht, deckt sich hier ein — die Preise sind nicht günstig, aber die Qualität rechtfertigt es.
Regionale Mitnehmsel
- Casunziei in Pasta-Variante (vakuumiert, vom Hofladen Brite), nimmt man als Souvenir mit nach Hause
- Speck Alto Adige IGP aus dem benachbarten Südtirol, ganzes Stück oder vakuumierte Scheiben
- Grappa di Cadore, Tresterbrand aus den Dolomitendörfern um Pieve di Cadore
- Holzschnitzereien aus dem Val Gardena, eine Stunde westlich — religiöse Figuren und alpine Motive
Events und Saisonkalender
Cortina hat einen vollen Veranstaltungskalender, der zwischen Sport, Mode und Tradition oszilliert. Die wichtigsten Termine in der Region:
Winter (Dezember bis März)
Anfang Dezember öffnen die Lifte schrittweise, Hauptsaison ab dem 24. Dezember. Mitte Januar findet das Frauen-Weltcup-Wochenende auf der Olympia delle Tofane statt — Abfahrt, Super-G und Riesenslalom, Tribüne frei. Im Februar 2026 die XXV. Olympische Winterspiele: Vom 6. bis 22. Februar werden in Cortina Curling, Bob, Skeleton, Rodel, Frauen-Ski-Alpin und Frauen-Snowboard ausgetragen, Tickets über tickets.milanocortina2026.org. Die Faschingswoche (italienisch Settimana bianca) Ende Februar ist die teuerste Skiwoche Italiens.
Frühjahr (April bis Juni)
Saisonende Lifte meist Ende April nach Ostern. Im Mai schließen viele Hotels und Restaurants vorübergehend, Ende Mai öffnet die Bergsommer-Saison. Anfang Juni fährt der Giro d'Italia häufig über den Falzarego-Pass — Straßen halb gesperrt, dafür Volksfest-Stimmung am Ortsausgang.
Sommer (Juli bis September)
Hauptsaison Bergsommer. Anfang Juli das Cortina InCroda-Festival rund um Berg- und Klettersteigergeschichte, mit Filmen und Vorträgen am Open-Air-Kino. Mitte Juli läuft der Lavaredo Ultra Trail, einer der renommiertesten Ultratrail-Läufe der Alpen mit Strecke um die Drei Zinnen. Anfang September das Audi FIS Ski World Cup-Vorbereitungstraining auf der Tofane — öffentlich zugänglich.
Herbst (Oktober bis November)
Indian Summer in den Lärchenwäldern um den Lago Federa Mitte Oktober — beste Foto-Wochen des Jahres. Restaurants und Lifte schließen Mitte Oktober, der Ort wird ruhig. Im November ist Cortina fast menschenleer, die meisten Hotels haben geschlossen.
Geschichte und Kultur
Cortina d'Ampezzo hat eine eigenständige kulturelle Identität — die Ampezzaner sprechen ihre eigene Sprache (Ampezzanisch, ein Ladiner-Dialekt) und gehörten bis 1918 zur österreichisch-ungarischen Monarchie.
Vom Gerichtsbezirk zum Olympia-Ort
Cortina wird erstmals 1156 urkundlich erwähnt als Teil der Grafschaft Görz. Über Jahrhunderte war das Tal ein eigener Gerichtsbezirk (Magnifica Comunità di Ampezzo) mit beachtlicher Selbstverwaltung. 1511 ging die Region an Tirol und blieb bis zum Ende des Ersten Weltkriegs habsburgisch. 1918 fiel das Tal nach dem Zerfall Österreich-Ungarns an Italien — eine Zäsur, die noch heute spürbar ist. Tourismus begann um 1900 mit englischen Bergsteigern und österreichischen Sommerfrischlern. Mit den Olympischen Winterspielen 1956 wurde Cortina über Nacht weltberühmt — das Stadio Olimpico, der erste Eiskanal und die Tofana-Streckenführung stammen aus dieser Zeit.
Ladinische Identität und Ampezzanisch
Das Ampezzanisch gehört zur ladinischen Sprachfamilie — verwandt mit dem Friaulischen und dem Rätoromanischen, gesprochen von rund 3.000 Menschen im Tal. Schilder, Speisekarten und kirchliche Texte sind oft dreisprachig: Italienisch, Ampezzanisch, Deutsch. Die Regole d'Ampezzo, eine seit 1338 bestehende Bauernkooperative, verwaltet bis heute den Großteil des Gemeindewalds und der Almen — das einzige System dieser Art in Italien. Wer Kontakt zur Sprache sucht, geht ins Museo delle Regole oder zur Sonntagsmesse in der Pfarrkirche Santi Filippo e Giacomo.
Architektur und Olympia-Erbe von 1956
Die historische Bausubstanz ist ein Mix aus traditionellen Holzhäusern (tabià, ladinische Heuhütten), 19.-Jahrhundert-Hotels (Grand Hotel Savoia von 1912) und olympischen Sportbauten der 1950er Jahre. Das Stadio Olimpico mit seiner geschwungenen Holzdach-Konstruktion, der originale Eiskanal von 1956 (heute durch den Sliding-Centre-Neubau ersetzt) und die Sprungschanze Italia am Ortsausgang Richtung Pocol gehören zum architektonischen Erbe der Spiele 1956 — das erste Mal, dass Olympia weltweit live im Fernsehen übertragen wurde.
Wetter und beste Reisezeit
Das Klima in Cortina ist alpin-kontinental: lange schneereiche Winter, kurze frische Sommer. Auf 1.224 m ist es im Januar im Schnitt rund −5 Grad, im Juli bei rund 16 Grad — am Skigebiets-Hochpunkt Tofana di Mezzo (3.244 m) liegen die Werte ganzjährig 15 bis 20 Grad darunter. Klimadaten kommen von ARPAV Veneto, Wetterstation Faloria/Cortina.
Beste Reisezeit für Bergsommer
September & Anfang Oktober
Hauptsaison Ski
Weihnachten bis Ende Februar
Zwischensaison
Mai & November
Praktische Tipps
- € Kurtaxe: 2,50 EUR pro Erwachsenem und Nacht in der Hochsaison, 1,50 EUR sonst. Wird vom Hotel mitabgerechnet, Kinder unter 10 Jahren zahlen nichts.
- ⌘ Skipass Dolomiti Superski: Tagesticket Hochsaison 80 bis 90 EUR, Wochenpass etwa 460 EUR. Kinder unter 8 Jahren in Begleitung zahlender Erwachsener fahren kostenfrei. Online-Vorbestellung über dolomitisuperski.com empfohlen.
- + Apotheke und Ärzte: zwei zentrale Apotheken am Corso Italia, mehrere Hausarztpraxen im Ort. Bergrettung und Notarzt rund um die Uhr (Notruf 118), nächstes Krankenhaus Pieve di Cadore (40 km).
- € Geldautomaten: mehrere Banken am Corso Italia (UniCredit, Intesa Sanpaolo, Cassa Rurale), die meisten akzeptieren EC- und Kreditkarten. Bargeld brauchst du in den höheren Hütten häufig immer noch.
- ♿ Barrierefreiheit: Corso Italia und die meisten Geschäfte rollstuhltauglich. Mehrere Lifte (Faloria, Tofana-Sektion 1) sind für Rollstuhlfahrer angepasst. Im Sliding Centre gibt es spezielle Aussichtsplattformen mit Rampen-Zugang.
- 📶 WLAN und Empfang: kostenfreies Cortina Wi-Fi entlang Corso Italia und in den Lift-Talstationen. Mobilfunkempfang im Ort solid (TIM, Vodafone, WindTre), in höheren Lagen lückenhaft.
- ☀ Sonnenschutz: auf 2.500 m und höher ist die UV-Belastung extrem, auch im Winter — Sonnencreme mit LSF 50, Skibrille und Lippenpflege gehören Pflicht ins Gepäck.
- i Tourist-Information: Corso Italia 81, ganzjährig geöffnet, im Olympia-Winter 2026 mit verlängerten Öffnungszeiten. Kostenlose Wanderkarten, Veranstaltungspläne und Skibus-Fahrpläne.
Insider-Tipps
Drei Spots, die nicht in jedem Reiseführer stehen:
Lago Federa und Croda da Lago
Der Lago Federa liegt auf 2.040 m unterhalb der Croda-da-Lago-Wand, südwestlich von Cortina. Aufstieg ab dem Parkplatz Ponte de Ru Curto (gebührenpflichtig 8 EUR pro Tag), drei Stunden moderate T2-Wanderung. Im Oktober sind die Lärchen Gold-Orange, das Wasser kristallklar — das beste Foto-Motiv für das Indian-Summer-Bild der Dolomiten. Rifugio Croda da Lago am Seeufer mit Casunziei und ampezzanischer Polenta, Hauptgericht 16 bis 22 EUR. Im Winter ist der Aufstieg eine ruhige Schneeschuhwanderung — kein Lift, keine Massen.
Cortina Sliding Centre und Curva Olimpica im Sommer
Während der Eiskanal im Winter Wettkampfstätte ist, gibt es im Sommer geführte Begehungen ohne Eis — du läufst durch die Curva Olimpica und verstehst die Physik der 80-km/h-Steilkurven aus erster Hand. Buchung über die Tourist-Info, Tour zwei Stunden, etwa 12 EUR. Wenig bekannt, oft spontan buchbar. Ein Geheimtipp für Sportgeschichte-Fans, der ohne Wartezeit auskommt.
Frühmorgens auf den Falzarego-Pass
Wer früh aufsteht (ab 6 Uhr), erlebt den Falzarego-Pass im Alpen-Glühen ohne Reisebusse. Auffahrt mit dem Auto in 25 Minuten, Parkplatz an der Talstation Lagazuoi gratis bis 8 Uhr. Die erste Pendelbahn auf den Lagazuoi geht 8:30 Uhr, davor liegt der Pass im rosa Morgenlicht der Dolomiten. Fotografen finden hier ihr Lebensbild der Cinque Torri und der Tofana-Westwand. Frühstück im Rifugio Lagazuoi, Rückkehr ins Tal vor 11 Uhr, bevor die Tagesausflügler kommen.
Umgebung und Tagesausflüge
Die Region rund um Cortina hat mehr zu bieten als das Skigebiet. Drei Tagestouren für drei Tage:
Bei klarem Wetter: Tre Cime di Lavaredo (40 km)
Mit dem Auto in einer Stunde über Misurina zur Mautstraße zum Rifugio Auronzo. Reservierung für die Mautstraße im Sommer Pflicht, sonst stehst du eine Stunde an. Vom Rifugio Auronzo führt der klassische Drei-Zinnen-Rundweg in drei bis vier Stunden um das Massiv — wer länger Zeit hat, übernachtet im Rifugio Locatelli mit dem berühmten Nordwand-Blick auf die Drei Zinnen. Beste Zeit: Ende Juni bis Mitte Oktober, früher Morgen wegen Andrang.
Bei Wechselwetter: Toblach und das Pustertal (32 km)
Bahnverbindung 50 Minuten via Bus, Auto 40 Minuten. Toblach selbst ist ein hübsches Dorf mit dem berühmten Gustav-Mahler-Komponierhäuschen am Toblacher See. Von dort aus erschließt sich das obere Pustertal Richtung Bruneck und Kronplatz — Mountainbike-Touren oder Bergbahnauffahrt mit Aussicht aufs Drei-Zinnen-Massiv. Wer den Tag kürzer macht: das benachbarte Misurina mit dem gleichnamigen Bergsee (1.755 m), kinderfreundlich und mit Tretboot-Verleih.
Bei Schlechtwetter: Belluno und Pieve di Cadore (40 km)
Belluno, die Provinzhauptstadt, mit Renaissance-Altstadt und dem Dom Santa Maria Assunta. Pieve di Cadore ist Geburtsort des Malers Tizian (1488–1576) — sein Geburtshaus ist Museum, der Hauptplatz mit Statue zentraler Treffpunkt. Dazwischen liegt das Cadore-Tal mit dem Lago di Centro Cadore, einem Stausee von 1950, der heute Wassersport-Spot ist.
Tagesausflüge weiter weg (60 bis 100 km)
- Val Gardena/Gröden: Ladinisches Sprachgebiet wie Ampezzo, mit den Dörfern Wolkenstein/Selva und St. Ulrich/Ortisei, Holzschnitzkunst und einer der berühmtesten Sellaronda-Anschlüsse
- Bozen: Südtiroler Hauptstadt, 100 km westlich, Italo-Tirolisches Flair, Weinstuben und das Ötzi-Museum mit der Mumie aus der Bronzezeit
- Marmolada (3.343 m): höchster Berg der Dolomiten, Gletscherüberquerung mit Bergführer, ein Wagnis nach dem Eisabbruch 2022




