Chamonix-Mont-Blanc liegt im französischen Département Haute-Savoie auf 1.035 Metern, eingerahmt vom Mont-Blanc-Massiv im Süden und der Aiguilles Rouges im Norden. Der Ort gilt als Wiege des Alpinismus — hier startete die Erstbesteigung des Mont Blanc 1786 durch Jacques Balmat und Michel Paccard. Heute ist Chamonix kein klassisches Skigebiet wie Verbier oder Val Thorens, sondern ein Tal mit zwölf separaten Skiarealen, einer Hochgebirgs-Seilbahn auf 3.842 Meter und einer Saison, die im Winter Vallée Blanche heißt und im Sommer Tour du Mont-Blanc. Wer Pisten-km zählt, ist in den Trois Vallées besser aufgehoben — wer das Hochgebirge sucht, findet hier sein Revier.
Anreise und Erreichbarkeit
Chamonix erreichst du aus Deutschland am schnellsten über Genf. Vom Flughafen sind es 88 km auf der Autobahn A40, der letzte Abschnitt führt durchs Tal der Arve. Wer mit dem Auto aus Süddeutschland kommt, nimmt die Route über Bern und Lausanne. Aktuelle Lift- und Wetterinformationen pflegt das Tourismusbüro auf chamonix.com.
Mit dem Auto
Die schnellste Verbindung führt über Genf, A40 (Autoroute Blanche) bis Le Fayet, dann die N205 ins Tal. Vor dem Ortseingang ist die Strecke gebührenpflichtig (Vignette française nicht nötig, aber Mautstellen).
An Wintersamstagen staut es sich zwischen Sallanches und Le Fayet regelmäßig. In den französischen Schulferien ist die Anreise vor 10 Uhr oder nach 16 Uhr deutlich entspannter. Schneeketten gehören im Kofferraum dazu, an manchen Pässen sind sie zwischen November und März Pflicht.
Mit der Bahn
Direkter Bahnanschluss bis Chamonix mit der historischen Mont-Blanc-Express-Schmalspurbahn. Aus Deutschland erreichst du das Tal über Genf oder Bern, Umstieg in St-Gervais-Les-Bains-Le Fayet.
Vor Ort verbindet der Mont-Blanc-Express im 30-Minuten-Takt alle Talorte zwischen Servoz und Vallorcine. Mit der Gästekarte (Carte d'Hôte) ist die Bahn im Tal kostenlos — den Wisch bekommst du vom Hotel oder Vermieter.
Mit dem Flugzeug
Nächster internationaler Flughafen ist Genf (GVA), 88 km entfernt. Mehrere Shuttle-Anbieter (Mountain Drop-offs, Alpybus) fahren ab Terminal direkt nach Chamonix, einfache Strecke ab 35 EUR pro Person, etwa 1:15 Stunde. Alternativ Mietwagen oder Bahn (per Bus zum HB Genf, dann SNCF/TER).
Parken vor Ort
Im Zentrum sind die Plätze knapp und teuer. Drei größere Parkhäuser: Parking Mont Blanc (Hauptbahnhof, 1,80 EUR pro Stunde, Tagesticket 18 EUR), Parking Entrèves (am Aiguille-du-Midi-Lift, 18 EUR pro Tag) und Parking Grépon (Ortskern, 1,50 EUR pro Stunde). Wer länger als drei Tage bleibt: viele Hotels haben eigene Tiefgaragen, frag explizit nach. In den Talorten Argentière und Les Houches ist Parken günstiger und der Mont-Blanc-Express bringt dich kostenlos ins Zentrum.
Pisten und Lifte
Chamonix ist kein zusammenhängendes Skigebiet, sondern ein Tal mit zwölf separaten Arealen unterschiedlicher Charakteristik. Wer einen Pass kauft, fährt zwischen den Gebieten mit Bus oder Bahn — beides kostenlos mit der Carte d'Hôte. Vier zentrale Areale dominieren:
Brévent-Flégère
Auf der Talnordseite mit dem besten Blick auf den Mont-Blanc. 25 Pisten zwischen 1.030 und 2.525 Metern, gut für Mittelstufe und Fortgeschrittene. Die rote Piste "Charles Bozon" ist 4 km lang und gilt als eine der schönsten Aussichtsabfahrten der Alpen. Ein Lift verbindet Brévent und Flégère seit 2017 ohne Talabfahrt — Tagespass etwa 64 EUR.
Grands Montets (Argentière)
Das Fortgeschrittenen-Gebiet im Tal. 26 Pisten, höchster Punkt Argentière auf 3.300 Metern, viel Freeride-Gelände. Die Top-Seilbahn zur Aiguille des Grands Montets wurde 2018 nach Brand abgebaut, wird seit 2025 neu errichtet — bis dahin endet die Bahn auf 2.770 m. Steile rote und schwarze Pisten, ideal für Skifahrer mit drei bis fünf Saisons Erfahrung. Tagespass 67 EUR.
Domaine de Balme (Le Tour, Vallorcine)
Das familienfreundliche Areal am Talnordende. 32 Pisten, viele blaue und rote, breite Hänge ohne extreme Steilheit. Sonniger Hang, weniger Gletscherwind. Wer mit Kindern ab sechs Jahren reist oder den ersten Skiurlaub plant, ist hier richtig. Tagespass 54 EUR.
Les Houches
Das Skigebiet am Taleingang. 28 Pisten zwischen 1.010 und 1.900 Metern, viel Wald, gute Beschneiung. Hier liegt die "Verte des Houches" — die FIS-Weltcup-Abfahrt mit 870 Metern Gefälle. Familien und Anfänger schätzen den geschützten Charakter, an Tagen mit schlechter Sicht im Tal-Norden ist Les Houches die sicherste Wahl. Tagespass 55 EUR.
Skipass-Optionen
Für mehr als zwei Skitage lohnt der Mont-Blanc-Unlimited-Pass (etwa 73 EUR pro Tag, 6-Tage 365 EUR) — gilt in allen Chamonix-Arealen, auf der Aiguille du Midi, der Bahn nach Mer de Glace und auch in Courmayeur (Italien) und Verbier (Schweiz, 1 Tag pro 6-Tage-Pass). Wer nur lokal bleibt: die "Le Pass Chamonix" (50 EUR pro Tag) deckt die vier großen Areale ab, ohne Aiguille du Midi.
Skischulen und Verleih
Drei große Skischulen: ESF Chamonix (französische Skischule, größte Auswahl an Gruppenkursen, Privatstunde ab 60 EUR), Evolution 2 (international, Englisch und Deutsch verfügbar) und Compagnie des Guides für Hochtouren und Vallée Blanche. Materialverleih in jedem Talort, Wochenmiete für komplette Ski-Ausrüstung etwa 130 bis 180 EUR.
Top-Spots
Aiguille du Midi
Die Hochgebirgs-Seilbahn auf 3.842 Meter, 1955 fertiggestellt, in zwei Sektionen vom Ort. Auf dem Gipfel wartet die "Pas dans le Vide" — eine Glas-Plattform mit über 1.000 Meter Tiefblick. Die Auffahrt dauert 25 Minuten, oben sind Temperaturen unter null auch im Sommer normal. Ticket etwa 75 EUR Erwachsene, im Skipass enthalten. Reservierung dringend empfohlen, vor allem im August.
Mer de Glace
Der größte Gletscher Frankreichs, 7 km lang, vom Bahnhof Montenvers über die Zahnradbahn (1908 erbaut) erreichbar. Auf dem Gletscher die "Grotte de Glace" — eine begehbare Eishöhle, jährlich neu gegraben. Die Bahn fährt seit 2026 zur neuen Mittelstation, weil der Gletscher in 30 Jahren rund 200 Höhenmeter verloren hat. Ticket inkl. Höhle etwa 38 EUR.
Vallée Blanche
Die legendäre Off-Piste-Abfahrt von der Aiguille du Midi nach Chamonix, 22 km lang, 2.800 Höhenmeter Gefälle. Nicht markiert, nur mit Berg- oder Skiführer (Compagnie des Guides ab 110 EUR pro Person bei vier Teilnehmern). Mittelstufe mit guter Kondition und Lawinenausrüstung — kein Anfänger-Terrain. Beste Zeit: Februar bis April.
Le Brévent (2.525 m)
Aussichtspunkt auf der Talnordseite, mit Seilbahn vom Ort in 20 Minuten erreichbar. Der Mont Blanc liegt direkt gegenüber — der beste Frontalblick im Tal. Im Sommer Startplatz für Gleitschirmflüge (Tandem ab 130 EUR), im Winter Skigebiet. Restaurant Le 2525 mit Panoramaterrasse. Bahn-Ticket Sommer 36 EUR.
Lac Blanc
Bergsee auf 2.352 Metern, einer der meistfotografierten Punkte der Alpen. Vom Lift Flégère in 1:30 Std erreichbar, technisch einfacher Wanderweg mit zwei Leitern an einer Felsstelle. Spiegelung des Mont-Blanc-Massivs bei Windstille. Hütte am See mit einfacher Karte, im Hochsommer überfüllt — vor 9 Uhr starten oder Übernachtung vorbuchen.
Tour du Mont-Blanc
Der bekannteste Mehrtages-Wanderweg der Alpen: 170 km in 7 bis 11 Tagen, durch Frankreich, Italien und die Schweiz. Klassischer Startpunkt Les Houches. Nicht extrem schwierig, aber konditionell anspruchsvoll mit täglich 800 bis 1.200 Höhenmetern. Hütten-Buchung sechs Monate im Voraus über autourdumontblanc.com. Saison Mitte Juni bis Mitte September.
Aktivitäten und Erlebnisse
Was du in Chamonix unternimmst, hängt stark von Saison, Können und Wetter ab. Sortiert nach Konstellation:
Bei gutem Wetter im Sommer
- Hochtouren: vom Mont-Blanc-Aufstieg (3 Tage, mit Bergführer ab 1.350 EUR) über die Aiguille du Tour bis zur Mer-de-Glace-Querung. Die Compagnie des Guides bietet Touren in allen Schwierigkeitsgraden
- Klettersteig Aiguillette d'Argentière: einer der ältesten Frankreichs, mittelschwer, 4 Stunden Gehzeit
- Mountainbike: 30 markierte Trails am Brévent und Grands Montets, Bike-Pass mit Liftnutzung 38 EUR pro Tag
- Gleitschirm-Tandem vom Brévent oder Planpraz, Flugzeit 15 bis 25 Minuten, ab 130 EUR
- Wildwasser in der Arve, Rafting ab Servoz, Ausflug 2,5 Stunden ab 55 EUR
Bei schlechtem Wetter
- Centre Sportif Richard-Bozon: kommunales Hallenbad mit Olympia-Becken, Eishalle, Squash-Plätzen — Tagespass 11 EUR
- QC Terme Pré-Saint-Didier: italienisches Thermalbad jenseits des Mont-Blanc-Tunnels, 35 Minuten Fahrt, Halbtag etwa 49 EUR
- Maison de la Mémoire et du Patrimoine: Stadtmuseum zur Alpinismus-Geschichte, Eintritt 6 EUR
- Bouldering Hall in Les Houches: kompakte Halle, Tagesticket 16 EUR
- Spa-Tag in einem der großen Hotels: Hôtel Mont-Blanc, Hameau Albert 1er — Day-Spa-Pass ab 65 EUR auch für Externe
Mit Kleinkindern
Der Lift Le Savoy am Ortseingang hat einen Kinder-Sessellift mit langsamer Geschwindigkeit, daneben das Anfänger-Skigebiet "Les Planards" mit Magnetband-Lift, Tickets ab 22 EUR pro Tag. Der Kinderspielplatz "Parc Couttet" liegt im Ortszentrum mit Mont-Blanc-Blick. Im Sommer der "Parc de Loisirs des Planards" mit Sommerrodelbahn (Alpine Coaster, 1.300 Meter lang, ab 6 Jahren) und Trampolin-Park. Ferienwohnungen sind für Familien meist günstiger als Hotels.
Sportlich
Joggingstrecke entlang der Arve: 7 km vom Ortszentrum bis zum Lac des Gaillands, flach, größtenteils auf Schotterweg. Krafttraining im Centre Sportif. Trail-Running auf den markierten "Sentiers découverte" — der Petit Balcon Sud ist eine 12 km lange, mittelschwere Höhenstrecke mit Talblick. Im Sommer findet hier der Ultra-Trail du Mont-Blanc statt — eines der härtesten Berglauf-Events der Welt, jeweils Ende August.
Gastronomie und regionale Spezialitäten
Die Küche von Haute-Savoie ist Bergküche mit französisch-italienischem Einfluss: Käse-Spezialitäten wie Tartiflette und Fondue, Salami und Schinken aus den Tälern, Polenta-Gerichte aus dem nahen Aostatal. Drei Anlaufpunkte:
Snacks und Mittagstisch
An der Place du Triangle de l'Amitié und entlang der Rue du Docteur Paccard reihen sich Crêperien und Boulangerien. Eine herzhafte Galette de Sarrasin mit Käse und Schinken kostet 12 bis 16 EUR, eine süße Crêpe 6 bis 9 EUR. Auf den Pisten verkaufen Berghütten Sandwich-Baguettes ab 10 EUR — wer rechnet, packt sich morgens beim Bäcker ein Mitnahme-Set für 6 EUR.
Restaurants im Ort
- Le Bistrot: bistronomique mit savoyardischem Einschlag, Hauptgericht 32 bis 48 EUR, Reservierung Pflicht
- L'Atmosphère: traditionelle Bergküche, Fondue für zwei Personen 58 EUR, gute Mittellage
- Munchie: asiatisch-französische Fusion, Streetfood-Atmosphäre, Hauptgericht 18 bis 26 EUR
- Le 3842: Restaurant auf der Aiguille du Midi (3.842 m) — höchstes Restaurant Westeuropas, Reservierung über die Bahn
Berghütten
Auf den Pisten und an Wanderwegen liegen über zwanzig bewirtschaftete Hütten. Die Buvette du Cerro am Brévent-Lift hat eine Sonnenterrasse mit Mont-Blanc-Blick und eine eigene Tarte-aux-Myrtilles. Die Refuge du Plan de l'Aiguille auf 2.317 Metern (Mittelstation Aiguille du Midi) serviert Suppe und Brot zur Erholung — Sommer-Klassiker für Kletterer und Wanderer.
Markttag
Wochenmarkt jeden Samstag von 7 bis 13 Uhr an der Place du Mont Blanc. Käse aus den Bergtälern (Beaufort, Reblochon, Tomme de Savoie), Salami, frische Kräuter, Honig. Wer in einer Ferienwohnung kocht, deckt sich hier ein. Im Sommer zusätzlich kleinerer Bauernmarkt am Mittwoch in Argentière.
Regionale Spezialitäten zum Mitnehmen
- Reblochon: Rohmilch-Käse aus dem benachbarten Tal Aravis, gibt es bei der Fromagerie Jean-Marc Bessat
- Génépi-Likör: Bitterkraut-Schnaps, traditionell als Verdauungshilfe nach Fondue
- Crozets: kleine Buchweizen-Nudelchen, klassische Beilage zu Wild oder Käse
- Vin de Savoie: regionaler Weißwein aus der Mondeuse-Traube, leicht und mineralisch
Events und Saisonkalender
Chamonix lebt vom Bergsport-Kalender. Die wichtigsten Termine — generisch nach Quartal, weil Datums sich jährlich verschieben:
Frühjahr (April bis Juni)
Ende März bis Anfang April der Pierra Menta Junior — Skitouren-Wettbewerb für Jugendteams. Im April läuft die Skisaison aus, ab Mitte April bleiben nur die Hochlagen offen. Mai ist die ruhigste Zeit im Tal — viele Hotels machen Frühjahrsschließung. Anfang Juni eröffnet die Sommer-Saison mit der ersten Aiguille-du-Midi-Bahn-Fahrt.
Sommer (Juli bis September)
Hauptsaison. Mitte Juli das Cosmojazz Festival — kostenlose Open-Air-Konzerte an unterschiedlichen Bergorten, ein Markenzeichen des Tals. Anfang August der Marathon du Mont-Blanc mit 42 km und 2.500 Höhenmetern. Ende August der Ultra-Trail du Mont-Blanc (UTMB) — 170 km Berglauf, einer der berühmtesten Trail-Events der Welt, der Ort ist dann komplett ausgebucht. Anfang September die Fête des Guides — traditionelles Bergführer-Fest mit Bergmesse und Defilee.
Herbst (Oktober bis November)
Oktober ist Wandersaison mit dem schönsten Lärchengold-Spektakel der Alpen. Mitte November schließen die letzten Sommerlifte, viele Restaurants haben Saisonpause. Die Stadt ist leer, Hotelpreise auf dem Tiefstand. Wer das Tal ohne Touristen sehen will: jetzt.
Winter (Dezember bis März)
Skisaison. Mitte Dezember öffnen die ersten Lifte, Vollbetrieb ab Weihnachten. Ende Januar der Kandahar World Cup in Les Houches — FIS-Weltcup-Abfahrt auf der Verte. Mitte Februar französische Schulferien (drei Wochen rotierend) — die teuersten und vollsten Wochen im Tal. März ist der Geheimtipp: lange Tage, sicherer Schnee, deutlich leerer als im Februar. Ende März schließen die meisten Areale, nur die Grands Montets bleiben länger offen.
Geschichte und Kultur
Chamonix wird erstmals 1091 urkundlich erwähnt — damals als Schenkung des Grafen Aymon I. von Genf an die Benediktiner-Abtei Saint-Michel-de-la-Cluse im piemontesischen Susa-Tal. Bis ins 18. Jahrhundert blieb der Ort ein abgeschiedenes Hochtal mit Almwirtschaft und Ziegenhaltung.
Die Geburt des Alpinismus
Der Wandel begann 1741 mit dem Besuch der englischen Bergsteiger William Windham und Richard Pococke — sie veröffentlichten Reiseberichte über die "Glacières de Chamouni" und machten das Tal in Europa bekannt. 1786 erreichten Jacques Balmat und Michel-Gabriel Paccard erstmals den Gipfel des Mont Blanc — am 8. August um 18:23 Uhr. Horace-Bénédict de Saussure aus Genf hatte 1760 ein Preisgeld auf die Erstbesteigung ausgelobt; ein Jahr nach Balmat und Paccard kam er selbst hinauf. Die Geschichte machte Chamonix zur Wiege des Alpinismus.
Olympia 1924 und die Compagnie des Guides
1924 fanden in Chamonix die ersten Olympischen Winterspiele statt — damals noch "Internationale Wintersportwoche" genannt. Die Eröffnungszeremonie auf dem Place du Triangle ist im Stadtmuseum dokumentiert. Schon 1821 hatte sich die Compagnie des Guides de Chamonix gegründet, einer der ältesten Bergführer-Vereine der Welt — bis heute aktiv und Pflicht-Anlaufpunkt für Hochtouren ohne eigenen Bergführer.
Sprache und Tradition
In Chamonix wird Französisch gesprochen, im Alltag schwingt aber Savoyardisch mit — ein frankoprovenzalischer Dialekt, der heute fast nur noch von Älteren beherrscht wird. Auf manchen Schildern findest du Begriffe wie "Pierra" (Felsen), "Tour" (Berg, nicht Turm), "Bossons" (Eisbruch). Die Bergsteiger-Tradition prägt den Ort bis heute — nahezu jeder dritte Erwachsene im Tal arbeitet direkt oder indirekt im Tourismus oder Bergsport.
Wetter und beste Reisezeit
Das Klima von Chamonix ist alpin-kontinental: lange, schneereiche Winter, milde aber häufig wechselhafte Sommer. Das Tal liegt auf 1.035 Metern und ist von 4.000ern eingerahmt — die Temperatur fällt mit jedem Höhenmeter, oben am Aiguille du Midi (3.842 m) ist es ganzjährig unter null. Klimadaten orientieren sich an der Station Chamonix von Météo-France.
Beste Reisezeit Ski
März
Hochsommer Hochtouren
Juli & August
Lärchengold & Ruhe
Oktober
Praktische Tipps
- € Taxe de séjour: 2,53 EUR pro Erwachsenem und Nacht in 4-Sterne-Häusern, 1,69 EUR in 3-Sterne-Hotels, 0,84 EUR in einfacheren Unterkünften. Wird über das Hotel mitabgerechnet, beinhaltet die Carte d'Hôte für kostenlose Bus- und Bahn-Nutzung im Tal.
- ⚓ Bergführer-Pflicht: Vallée Blanche, Mont-Blanc-Aufstieg und alle Hochtouren über 3.000 m sind ohne eigene Erfahrung nur mit Bergführer der Compagnie des Guides oder einem unabhängigen UIAGM-Guide sicher. Tagesgage 350 bis 450 EUR plus Hütten- und Bahnkosten.
- i Carte d'Hôte: Vom Hotel ausgegebener Wisch, gilt als Freifahrt für Mont-Blanc-Express und alle Talbusse zwischen Servoz und Vallorcine. Im Winter zusätzlich kostenlose Skibus-Linien zu allen Liften.
- + Höhenkrankheit: ab der Aiguille du Midi (3.842 m) reagieren manche mit Kopfschmerzen oder Übelkeit. 24 Stunden im Tal akklimatisieren bevor du hochfährst, vor Ort Wasser trinken, Aufenthalt auf 30 Minuten begrenzen, langsam runterfahren.
- € Geldautomaten und Bezahlen: Frankreich akzeptiert flächendeckend Kartenzahlung, auch in Berghütten. Bargeld brauchst du fast nie. Wechselstuben gibt es im Bahnhofsgebäude und am Place du Triangle.
- ♿ Barrierefreiheit: Aiguille-du-Midi-Bahn ist für Rollstühle nur bedingt geeignet — die obere Plattform hat schmale Treppen. Mer de Glace mit der neuen Bahn ab 2026 weitgehend rollstuhlgängig. Im Ort ist die Hauptstraße abgesenkt, Nebengassen oft uneben.
- 📶 Mobilfunk und WLAN: deutsches Roaming funktioniert problemlos, auf Berggipfeln gibt es teilweise Lücken. Kostenfreies WLAN am Place du Mont-Blanc und in den meisten Hotels. Bergrettung erreichst du europaweit unter 112.
- ☂ Wetterumschwung: Mont-Blanc-Massiv produziert eigene Gewitter, vor allem von Juli bis September. Vor Hochtouren und Wanderungen den Bergwetterbericht von Météo-France prüfen, im Zweifel verschieben — keine Pflichttour.
Insider-Tipps
Drei Spots, die nicht in jedem Reiseführer stehen:
Refuge du Plan de l'Aiguille statt Gipfel-Trubel
Statt direkt auf die Aiguille du Midi durchzufahren: Bahn nur bis zur Mittelstation Plan de l'Aiguille auf 2.317 Metern (Halbticket etwa 38 EUR). Von dort liegt direkt das Refuge mit kleiner Sonnenterrasse, Mont-Blanc-Blick und einer Wanderung "Grand Balcon Nord" zurück nach Montenvers (3 Stunden, mittel) oder "Petit Balcon" zurück ins Tal (4 Stunden, einfach). Du hast die Aussicht ohne Gipfel-Andrang und sparst die Hälfte des Bahn-Tickets.
Lac des Gaillands für ruhige Nachmittage
Kleiner Bergsee am Westausgang von Chamonix, mit dem Rad in zehn Minuten erreichbar. Klettergarten am Felsen direkt oberhalb (mehr als 80 Routen, gut für Familien), Liegewiese am Wasser, einfaches Cafe. Im Hochsommer baden die Einheimischen hier, Touristen finden den Spot selten. Eintritt frei.
Vallorcine — der ruhige Talnachbar
Am Talnordende, wenn du den Mont-Blanc-Express bis zur Endstation fährst, beginnt Vallorcine — ein 400-Einwohner-Dorf mit eigenem Skigebiet (verbunden mit Le Tour, Tagespass 54 EUR). Hotels und Restaurants sind etwa 25 Prozent günstiger als in Chamonix, der Mont-Blanc-Express bringt dich in 25 Minuten ins Zentrum. Die Bahnstrecke selbst gilt als eine der schönsten Schmalspurstrecken Frankreichs.
Umgebung und Tagesausflüge
Das Mont-Blanc-Massiv liegt im Dreiländereck, viele Tagesziele liegen jenseits der Grenzen. Drei Tagestouren für drei Wettertypen:
Bei gutem Wetter: Courmayeur (Italien, 28 km)
Durch den 11,6 km langen Mont-Blanc-Tunnel in 35 Autominuten. Die italienische Schwester-Stadt liegt auf 1.224 Metern, deutlich italienischer in Architektur und Küche. Im Winter Skigebiet mit eigener Aussicht auf den Mont Blanc von Süden, im Sommer Ausgangspunkt für die Skyway Monte Bianco auf den Punta Helbronner (3.466 Meter, gegenüber der Aiguille du Midi). Mittagessen im Centro, Eis am Bummeln. Tunnel-Maut 53 EUR Hin-/Rückfahrt.
Bei wechselhaftem Wetter: Annecy (Frankreich, 95 km)
Die "Venedig der Alpen" — historische Altstadt am Lac d'Annecy, vom Wasser durchzogen. Mit dem Auto 1:30 Std über die A40 ohne Maut. Seerundfahrt, Mittagessen am Quai, Bummel durch die Vieille Ville, Schlossbesichtigung. Wer Lust auf Sportliches hat: Fahrradrunde um den See (42 km, weitgehend flach, gut beschilderter Radweg).
Bei Regen: Genf (Schweiz, 88 km)
Internationale Großstadt am Genfer See, 1:15 Std über die A40. Vor Ort: Altstadt mit Kathedrale Saint-Pierre, der Jet d'Eau (140-Meter-Wasserfontäne im See), das CERN-Besucherzentrum (kostenlos, Reservierung empfehlenswert) und das Internationale Rote-Kreuz-Museum. Ein Tag reicht für die wichtigsten Spots, Schweizer Franken aber nicht zwingend nötig — fast alle Geschäfte akzeptieren Euro.
Tagesausflüge im Tal (5 bis 30 km)
- Argentière: 8 km nördlich, ruhigerer Talort am Fuß der Grands Montets. Eigenes Bergsteiger-Museum, Lawinenausstellung in der Maison du Patrimoine.
- Saint-Gervais-Les-Bains: 30 km westlich, Thermalbad mit warmem Mineralwasser (Le Fayet). Gut für einen Wellness-Tag.
- Servoz: 12 km westlich, ruhiges Bergdorf mit Aussichtsplattform Maison de la Montagne und kleinen Wanderwegen — ohne den Chamonix-Andrang.




