Der Lusen ist mit 1.373 Metern einer der prägendsten Gipfel im Nationalpark Bayerischer Wald und bildet zusammen mit dem Großen Rachel und dem Falkenstein das geologische Rückgrat des Hinteren Bayerischen Waldes. Im Gegensatz zu vielen anderen Aussichtspunkten der Region steht hier kein gebauter Aussichtsturm aus Holz oder Stahl auf der Spitze, sondern ein eigenwilliger, freistehender Granitkegel mit dem berühmten Lusen-Blockmeer aus schroffen, von Eiszeit und Verwitterung geformten Felsblöcken. Auf dem höchsten Punkt markiert ein trigonometrischer Punkt die Gipfellage, die als UNESCO-Geopunkt im Geopark Bayern-Böhmen ausgewiesen ist. Wer die letzten Meter über die schmalen, steilen Granittreppen erklimmt, wird mit einem 360-Grad-Panorama belohnt, das von der weiten Hochfläche des Böhmerwaldes auf tschechischer Seite über den Großen Rachel und den Großen Arber bis hinunter in die Donau-Ebene reicht. Aufgestiegen wird zu Fuß ab Waldhäuser in rund drei Stunden oder ab Mauth in rund dreieinhalb Stunden, der Zugang ist frei, die Hauptsaison liegt zwischen April und Oktober.
Anreise und Erreichbarkeit
Der Lusen wird aus dem Tal heraus zu Fuß bestiegen. Die Hauptausgangspunkte liegen am Bergsteiger-Wanderparkplatz Waldhäuser sowie am Parkplatz Lusenstraße zwischen Mauth und Finsterau. Beide Startpunkte sind über die Nationalpark-Hauptachse aus Grafenau oder Freyung zu erreichen und im Sommer regelmäßig mit den Igelbussen des Nationalparks angefahren.
Mit dem Auto
Aus Richtung München über die A92 bis Deggendorf, weiter auf der B85 nach Regen und über die Staatsstraßen ins Lusengebiet. Aus Richtung Passau über die A3 bis Hengersberg, dann über die B533 und B85 nach Grafenau. Von Grafenau aus führt eine ausgeschilderte Strecke nach Waldhäuser, von Mauth aus geht es ein paar Kilometer bergauf zum Parkplatz Lusenstraße. Die Parkplätze sind gebührenpflichtig, an Wochenenden in der Hauptsaison oft früh voll, ein zeitiges Anrücken vor zehn Uhr lohnt sich.
Mit der Bahn und dem ÖPNV
Die nächsten Bahnhöfe sind Grafenau und Zwiesel an der Waldbahn, von dort übernehmen die Igelbusse des Nationalparks die Verteilung in die Wandergebiete. In der Sommer- und Herbstsaison verkehren mehrere Linien direkt nach Waldhäuser und zur Lusenstraße. Mit der Bayerwald-Ticket-Variante GUTi nutzen viele Gäste den ÖPNV kostenfrei, wenn sie in einer teilnehmenden Pension oder einem Ferienhaus übernachten.
Mit dem Flugzeug
Für internationale Gäste sind die Flughäfen München und Nürnberg die naheliegende Wahl, von dort dauert die Anfahrt mit Mietwagen rund zweieinhalb bis drei Stunden. Linz in Österreich ist eine Alternative für Gäste aus Süd- und Osteuropa, der Anschluss über Passau ist gut ausgeschildert.
Vor Ort bewegen und Parken
Im Nationalparkgebiet ist das Auto auf wenige Parkflächen am Talrand beschränkt. Wer flexibel bleiben will, parkt einmal in Waldhäuser oder an der Lusenstraße und nutzt für Rundtouren zwischen den Tälern den Igelbus, der die Wanderwege intelligent verknüpft. Behindertenparkplätze sind in Waldhäuser ausgewiesen, der Gipfelaufstieg selbst ist allerdings nicht barrierefrei begehbar.
Der Gipfel und das Blockmeer
Was den Lusen so einzigartig macht, ist nicht ein gebautes Aussichtsbauwerk, sondern die Natur selbst. Die letzten 50 Höhenmeter des Gipfels bestehen aus einem ausgedehnten Blockmeer, einem chaotisch wirkenden Haufwerk aus tonnenschweren Granitblöcken, die seit dem Ende der letzten Eiszeit durch Frostsprengung und Verwitterung entstanden sind. Diese Formation ist so charakteristisch, dass sie als eigener geomorphologischer Typ in den Lehrbüchern auftaucht und den Lusen zu einem der wichtigsten Geopunkte des länderübergreifenden Geoparks Bayern-Böhmen macht.
Der Aufstieg über die Granitstufen
In den oberen Metern führt ein abgesicherter Pfad mit steilen, aus Granitblöcken gefügten Treppenstufen direkt durch das Blockmeer zum Gipfelplateau. Geländer und Markierungen helfen, die richtige Linie zu finden, bei Nässe oder leichtem Schneerest ist die Strecke jedoch glitschig und verlangt feste Wanderschuhe mit Profil. Stöcke helfen beim Abstieg, sind in der Steile aber nicht überall hilfreich.
Trigonometrischer Punkt und Gipfelkreuz
Der höchste Punkt ist durch einen festinstallierten trigonometrischen Vermessungspunkt markiert. Daneben steht das schlichte hölzerne Lusen-Gipfelkreuz, ein traditioneller Treffpunkt für Wanderer, das auch von Bergmessen und kleinen Feiern bekannt ist. Eine Schutzhütte fehlt direkt auf dem Gipfel, dafür liegt das Lusenschutzhaus unterhalb knapp 100 Höhenmeter tiefer in geschützter Lage.
Das 360-Grad-Panorama
Bei klarer Luft öffnet sich vom Lusen-Gipfel ein vollständiger Rundblick. Nach Osten reicht der Blick tief in den tschechischen Böhmerwald hinein, mit den weiten Hochflächen rund um den Plöckenstein und den Hängen des Sumavá-Nationalparks. Nach Norden dominiert der Große Rachel die Sicht, dahinter erscheint bei sehr klarem Wetter der Große Arber als höchster Gipfel des Bayerischen Waldes. Im Westen breitet sich die Donau-Ebene mit ihren Städten Deggendorf und Plattling aus, im Süden tauchen an Föhntagen sogar die Alpen am Horizont auf.
Die sechs Auf- und Abstiegsvarianten im Überblick
Klassiker ab Waldhäuser
Vom Wanderparkplatz Waldhäuser über das Lusenschutzhaus zum Gipfel, rund 3 Stunden einfach, etwa 650 Höhenmeter, breite Forstwege und am Schluss steile Granitstufen. Familienfreundlichster Aufstieg mit Einkehrmöglichkeit unterhalb des Gipfels.
Aufstieg ab Mauth über Martinsklause
Vom Parkplatz Lusenstraße über die Martinsklause und den Teufelsloch-Steig, rund 3,5 Stunden, etwa 750 Höhenmeter. Längere, ruhigere Route mit historischen Triftanlagen und tiefer Naturzone, ideal als Rückweg über die Gegenseite.
Himmelsleiter-Route
Die berühmte Himmelsleiter ist eine besonders steile Treppe aus rohen Holzbohlen, die als Variante an den Lusen herangeführt wird. Eindrücklicher Naturweg durch eine vom Borkenkäfer geprägte Wildnislandschaft, fordernd, aber kurz.
Grenzkamm-Tour ab Finsterau
Längere Variante über das Freilichtmuseum Finsterau und die böhmische Grenzkammlinie, rund 4,5 Stunden zum Gipfel. Stille Strecke entlang historischer Grenzsteine, geeignet für konditionsstarke Wanderer mit Karten- und Wegerfahrung.
Schneeschuhtour im Winter
Im Winter ist der Lusen mit Schneeschuhen erreichbar, allerdings nur bei stabiler Schneelage und mit lawinenkundigem Blick. Geführte Touren des Nationalparks gehen ab Waldhäuser oder Buchenau zum Gipfel, der dann von einer dicken Eishaube überzogen ist.
Sonnenaufgangswanderung
Frühstartertour ab Waldhäuser ab etwa drei Uhr morgens, um den Sonnenaufgang über dem Böhmerwald auf dem Gipfel zu erleben. Stirnlampe und warme Kleidung sind Pflicht, weil oben oft ein deutlich kälterer Wind weht als im Tal.
Lusen, Rachel oder Falkenstein im Vergleich
Drei der vier großen Wandergipfel im Nationalpark sind frei zugänglich und ähnlich anspruchsvoll, der Baumwipfelpfad bleibt die familienfreundliche Alternative bei schwacher Kondition oder mit Kinderwagen.
Geologie, Geopark und Naturzone
Der Lusen ist Teil des Granitsockels, der den Bayerischen Wald von der Donau bis zum böhmischen Plöckenstein durchzieht. Das Blockmeer aus großen, abgerundeten Granitblöcken entstand durch Frostverwitterung in den letzten Eiszeiten, als die Spitze des Berges aus der Vereisung herausragte und das Gestein durch wiederholtes Gefrieren und Auftauen in Stücke zersprengt wurde. Heute liegt das Gebiet vollständig in der Naturzone des Nationalparks und ist seit 2015 als Geopunkt des länderübergreifenden Geoparks Bayern-Böhmen ausgezeichnet.
Die Borkenkäferflächen rund um den Gipfel
Auf dem Weg zum Gipfel queren Wanderer eindrucksvolle Borkenkäfer-Flächen mit abgestorbenen Fichten und nachwachsenden Jungbäumen. Was auf den ersten Blick wie eine Katastrophe wirkt, ist Teil des Nationalpark-Prinzips Natur Natur sein lassen und zeigt die kraftvolle Selbstregeneration eines Waldes, der seit Jahrzehnten ungestört seinem Kreislauf folgen darf.
Wildschutz und Wegegebot
Weil das Lusengebiet zur Kernzone des Nationalparks gehört, gilt strenges Wegegebot. Wanderer dürfen nur markierte Pfade benutzen, freies Querfeldein-Wandern oder Klettern in den Blockmeerflächen ist untersagt. So bleibt das Habitat für Auerhuhn, Luchs und seltene Insekten geschützt, und die geologischen Formationen werden vor weiterer Erosion bewahrt.
Praktische Tipps für die Lusen-Tour
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Eintritt frei, Parken kostet
Der Gipfel selbst ist jederzeit kostenfrei zugänglich. Geld bringt man für die Parkplätze in Waldhäuser und an der Lusenstraße mit, dort sind Tagestickets üblich. Mit dem GUTi-Gästepass aus vielen Pensionen fahren Übernachtungsgäste Igelbus und ÖPNV im Bayerwald gratis.
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Feste Wanderschuhe Pflicht
Die Granittreppen im Gipfelbereich sind keine Spielerei. Wer in Turnschuhen kommt, rutscht spätestens beim Abstieg und riskiert verstauchte Knöchel. Hohe Wanderschuhe mit gutem Profil sind die richtige Wahl, im Frühjahr bei Restschnee zusätzlich Stöcke.
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Wetter genau prüfen
Auf 1.373 Metern dreht das Wetter schneller als im Tal. Gewitterzellen ziehen oft am späten Nachmittag auf, ein Aufstieg vor zehn Uhr und ein Abstieg vor 16 Uhr sind die sichere Linie. Bei Gewitterwarnung gehört der Gipfel zu den blitzgefährdetsten Punkten der Region.
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Trinkwasser einplanen
Am Gipfel selbst gibt es keine Quelle und keine Kioske. Pro Person mindestens eineinhalb Liter Wasser einpacken, im Hochsommer eher zwei Liter. Im Lusenschutzhaus unterhalb des Gipfels lassen sich Flaschen nachfüllen und kleine Brotzeiten kaufen.
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Wegegebot ernst nehmen
In der Naturzone des Nationalparks ist Querfeldein-Wandern verboten. Ranger kontrollieren in der Hauptsaison stichprobenartig, die Bußgelder sind empfindlich. Wer Bilder am Blockmeer machen will, bleibt auf dem markierten Pfad und tritt nicht in die freie Geländekulisse.
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Mobilfunk-Empfang lückenhaft
Im Aufstiegswald ist das Mobilnetz oft nicht durchgängig verfügbar. Wer mit GPS-Track wandert, lädt die Karte offline herunter. Auf dem Gipfel selbst ist der Empfang dafür meist gut, weil die Funkmasten in Tschechien und Bayern frei sehen können.
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Nicht barrierefrei
Der Aufstieg zum Lusen ist für Rollstühle, Kinderwagen und Rollatoren nicht geeignet. Mobilitätseingeschränkte Gäste finden mit dem Baumwipfelpfad in Neuschönau eine vollständig barrierefreie Alternative mit Panoramablick auf Lusen und Rachel.
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Wechselkleidung im Rucksack
Auf dem Gipfel weht oft ein deutlich kühlerer Wind als im Tal, im Frühjahr und Herbst manchmal mit Temperaturen nahe null Grad bei strahlender Sonne im Tal. Eine Fleece-Jacke, eine winddichte Außenschicht und eine Mütze gehören zwischen April und Oktober in jeden Rucksack.
Insider-Tipps
Mein Lieblingsblick
Wer das Blockmeer nicht nur von oben sehen will, läuft auf dem Lusen-Rundweg ein kurzes Stück um den Gipfel herum. Von der Ostseite hat man den schönsten Blick auf die rohe Blockstruktur, im Gegenlicht der Morgensonne wirken die Granitblöcke wie ein eingefrorenes Meer.
Die ruhige Schulterjahreszeit
Mitte Mai und Anfang Oktober sind die besten Wochen für den Lusen. Im Mai blüht der Frühling in den Hochmoorflächen unterhalb des Gipfels, im Oktober färben sich die Buchen feuerrot, und die Touristenströme der Sommerferien sind verschwunden. An einem klaren Oktoberdienstag steht man oft fast allein am Gipfelkreuz.
Der Königsweg vom Schutzhaus
Wer eine längere Tour plant, übernachtet im Lusenschutzhaus und steigt am Folgemorgen vor Sonnenaufgang die letzten 100 Höhenmeter ohne Tagesgepäck zum Gipfel. Diese Variante kombiniert das volle Panorama-Erlebnis mit einer entspannten Bergsteiger-Routine, ohne die langen Talanstiege im Dunkeln gehen zu müssen.



