Belgiens Schloss- und Festungslandschaft zählt zu den dichtesten Westeuropas. Auf rund 30.500 Quadratkilometern verteilen sich über dreitausend Burgen, Schlösser, Zitadellen und Herrenhäuser zwischen der flandrischen Küste, den Flusslandschaften der Maas und den dichten Wäldern der Ardennen. Die Spannweite reicht vom Königlichen Schloss in Brüssel als offizieller Residenz der belgischen Königsfamilie über die wuchtige Wasserburg Gravensteen in Gent und die Felszitadellen von Namur und Dinant bis zu den barocken Lustschlössern Beloeil und Freÿr und der mittelalterlichen Burg Bouillon im Hochland der Ardennen. Wer Belgien aus historischer Perspektive bereist, kombiniert königliche Repräsentation, flämische Stadtgeschichte und wallonische Festungsarchitektur in einer einzigen Rundreise. Mehr Informationen zur Reisedestination Belgien liefert visitbelgium.com, das Schlösser und Festungen ausführlich als kulturelles Aushängeschild beschreibt. Dieser Themen-Artikel führt durch dreizehn zentrale Anlagen und zeigt, wie sich daraus eine fünfphasige Geschichtsreise bauen lässt.
Anreise und Erreichbarkeit
Belgien ist von Deutschland, den Niederlanden und Frankreich aus mit Zug, Auto und Flugzeug bequem erreichbar. Eine Rundreise zu den wichtigsten Schlössern und Festungen beginnt sinnvoll in Brüssel und führt im Uhrzeigersinn über Gent, Antwerpen, die Ardennen und das Maas-Tal zurück in die Hauptstadt.
Mit dem Auto
Aus Deutschland führen die A4 über Aachen und die A3 über Lüttich nach Brüssel. Aus Nordrhein-Westfalen sind es etwa 250 Kilometer ab Köln, 350 Kilometer ab Düsseldorf und 500 Kilometer ab Frankfurt. Innerhalb Belgiens verbinden die Autobahnen E40, E19 und E411 die wichtigsten Schloss-Regionen, viele Anlagen in den Ardennen oder im Maas-Tal liegen jedoch an Landstraßen und erfordern zusätzlich 30 bis 60 Minuten Anfahrt von der nächsten Autobahnabfahrt.
Mit der Bahn / dem ÖPNV
Eurostar, Thalys und ICE bringen Reisende in zwei bis vier Stunden direkt nach Brüssel-Midi. Von dort fahren Regionalzüge nach Gent in 35 Minuten, Antwerpen in 45 Minuten, Brügge in einer Stunde, Namur in einer Stunde sowie weiter nach Dinant und Mons im 30- bis 60-Minuten-Takt. Für abgelegene Burgen wie Bouillon, Modave oder Freÿr empfiehlt sich ab Bahnhof zusätzlich ein Mietwagen oder lokales Taxi.
Mit dem Flugzeug
Internationale Flughäfen sind Brüssel-Zaventem mit Express-Zug-Anschluss in die Innenstadt in 17 Minuten sowie Antwerpen-Deurne, Lüttich und Charleroi. Aus Deutschland lohnt der Zug meist mehr als der Flug, da die Bahnfahrt vom Stadtzentrum zu Stadtzentrum oft schneller ist.
Vor Ort bewegen / Parken
In Brüssel, Gent, Antwerpen und Brügge lohnt sich die Anreise mit dem Zug, da die Innenstädte Parkverbotszonen und kostenpflichtige Park-and-Ride-Plätze haben. Für Ardennen, Maas-Tal und Hennegau ist ein Mietwagen praktisch unverzichtbar. Die meisten Schlossanlagen haben kostenlose Parkplätze direkt am Eingang.
Königliches Schloss Brüssel - die offizielle Residenz
Das Königliche Schloss am Place des Palais im Zentrum von Brüssel ist offizielle Residenz des belgischen Königshauses, auch wenn die Familie tatsächlich im Schloss Laeken im Norden der Stadt lebt. Der Palast in seiner heutigen Form geht auf einen Umbau zwischen 1904 und 1934 unter Leopold II. zurück, die Geschichte des Ortes reicht bis ins 12. Jahrhundert mit der mittelalterlichen Burg Coudenberg, deren archäologische Reste im Untergrund besichtigt werden können. Die Prunksäle öffnen jedes Jahr von Ende Juli bis Anfang September kostenlos. Höhepunkte sind der Thronsaal mit Kronleuchtern aus Kristall, der Spiegelsaal mit der Käferdecke von Jan Fabre aus 1,4 Millionen Schmuckkäfer-Flügeln sowie der Goya-Saal mit Tapisserien aus dem 18. Jahrhundert. Ein Rundgang dauert eineinhalb bis zwei Stunden. Unter dem Place Royale liegen zusätzlich die archäologischen Reste des Coudenberg-Palastes, der bis zum Brand von 1731 die Residenz der Herzöge von Brabant war, Eintritt rund 8 Euro.
Gravensteen - die Grafenburg von Gent
Das Gravensteen, die Burg der Grafen von Flandern, steht mitten in der Genter Altstadt am Sint-Veerleplein und gilt als eine der besterhaltenen mittelalterlichen Wasserburgen Mitteleuropas. Graf Philipp von Elsass ließ die heutige Anlage ab 1180 nach Vorbild der Kreuzfahrerburgen im Heiligen Land errichten, mit einem dreistöckigen Donjon, einer Ringmauer mit 24 Wachtürmen und einem inneren Wohnbereich. Der Donjon erhebt sich auf rund 30 Meter Höhe und bietet vom Wehrgang einen Panoramablick auf die Genter Türme Sankt-Bavo-Kathedrale, Belfried und Sankt-Nikolaus-Kirche. Im Inneren zeigt ein kleines Museum Folterinstrumente aus dem späten Mittelalter und der frühen Neuzeit. Eintritt rund 13 Euro, Audioguide mit humorvollem Genter Lokalkolorit inklusive. Vom Gravensteen aus erreicht man die Patrizierhäuser an der Graslei und Korenlei in fünf Minuten zu Fuß, die Sankt-Bavo-Kathedrale mit dem Genter Altar in zwölf Minuten.
Zitadelle Namur - Festung über zwei Flüssen
Die Zitadelle von Namur thront über dem Zusammenfluss von Maas und Sambre und gilt als eine der größten Festungsanlagen Europas mit rund 80 Hektar Fläche. Die heutige Form geht auf den niederländischen Festungsbaumeister Menno van Coehoorn im späten 17. Jahrhundert und Vauban im frühen 18. Jahrhundert zurück, der Ort selbst war seit der Eisenzeit befestigt. Das Besucherzentrum Terra Nova erklärt 2.000 Jahre Festungsgeschichte multimedial auf zwei Etagen. Highlights sind die unterirdischen Galerien mit über vier Kilometern begehbarem Tunnelsystem, der Wachturm Tour Joyeuse und die Aussichtsterrasse am Donjon mit Blick auf die Altstadt, das Maas-Tal Richtung Dinant und den Sambre-Lauf Richtung Charleroi. Eintritt für das Besucherzentrum liegt bei rund 10 Euro, eine geführte Galerien-Tour bei 13 Euro. Im Sommer bespielt die Zitadelle Open-Air-Konzerte, ein Garten-Festival und Mittelalter-Märkte mit Falknerei und Schwertkampf-Vorführungen.
Burg Bouillon - Festung Gottfrieds von Bouillon in den Ardennen
Die Burg Bouillon thront auf einem Felsen über der Semois-Schleife im Herzen der Ardennen und gilt als die markanteste mittelalterliche Festung Walloniens. Bekannt wurde sie durch ihren einstigen Besitzer Gottfried von Bouillon, der 1096 die Burg verpfändete, um den Ersten Kreuzzug zu finanzieren, und 1099 als erster christlicher Herrscher Jerusalem regierte. Der heute sichtbare Bau stammt aus dem 11. bis 16. Jahrhundert mit Erweiterungen unter Vauban Ende des 17. Jahrhunderts. Der Rundgang führt durch unterirdische Gänge, Schießscharten, Pulvermagazine und über drei Brücken, die die einzelnen Burgteile verbinden. Höhepunkt ist der Turm Tour dAutriche aus dem 16. Jahrhundert mit Aussichtsplattform und Blick auf die Semois-Schleife. Eintritt rund 9 Euro. Zwischen April und Oktober finden täglich um 11.30 Uhr und 15.00 Uhr Greifvogel-Vorführungen im inneren Burghof statt, in denen Falken, Wanderfalken, Adler und Geier mittelalterliche Beizjagd demonstrieren. Die Show dauert 45 Minuten und kostet zusätzlich rund 6 Euro pro Person.
Schloss Modave - Wasserschloss über dem Hoyoux-Tal
Schloss Modave thront 60 Meter über dem Hoyoux-Tal auf einem Kalksteinfelsen zwischen Lüttich und Namur und gilt als eines der schönsten Barockschlösser Walloniens. Der heutige Bau stammt überwiegend aus dem späten 17. Jahrhundert unter Graf Jean-Gaspard-Ferdinand de Marchin, Architekt war wahrscheinlich Jean-Christophe Hansche. Berühmt wurde Modave als Vorbild für das Pumpwerk von Versailles, das nach demselben Prinzip wie die Wasserhebung am Hoyoux entworfen wurde. Die Innenräume zeigen 25 möblierte Säle mit Stuckdecken von Hansche, Wandteppichen aus Brüssel und Audenarde sowie originalen Möbeln aus dem 17. und 18. Jahrhundert. Der Eingangssaal mit der Stuckdecke, die den Stammbaum der Familie Marchin zeigt, gilt als bedeutendstes Beispiel barocker Stuckarbeit Belgiens. Rund um das Schloss erstreckt sich ein 450 Hektar großes Naturschutzgebiet mit Wanderwegen entlang des Hoyoux. Eintritt für Schloss und Park rund 11 Euro.
Schloss Beloeil - Versailles von Belgien
Schloss Beloeil im Hennegau gilt als wichtigste barocke Schlossanlage Belgiens und wird oft als belgisches Versailles bezeichnet. Sitz der Fürsten de Ligne seit dem 14. Jahrhundert, präsentiert sich der heutige Bau nach einem Brand von 1900 als Wiederaufbau im Stil des 18. Jahrhunderts. Berühmt ist nicht das Schloss selbst, sondern der 25 Hektar große französische Garten, den Charles-Joseph de Ligne im späten 18. Jahrhundert nach Vorbild Le Nôtres anlegen ließ. Der Garten ist eine streng geometrische Komposition aus Buchsbaum-Hecken, Spiegelteichen, Statuen und Sichtachsen, Highlights sind das Grand Bassin und die Wasserspiele, die im Sommer sonntags aktiviert werden. Die Schlossbibliothek umfasst über 20.000 Bände und gehört zu den bedeutendsten Privatsammlungen Belgiens, mit Erstausgaben von Voltaire, Diderot und Rousseau sowie Briefen Friedrichs des Großen an Charles-Joseph de Ligne. Eintritt für Schloss und Garten rund 14 Euro, Familienkarte 35 Euro.
Schloss Freÿr - Renaissance-Schloss an der Maas
Schloss Freÿr liegt direkt am Maas-Ufer zwischen Dinant und Givet und gilt als wichtigste Renaissance-Anlage Walloniens. Der Bau im französischen Renaissance-Stil entstand zwischen 1571 und 1637 unter den Familien Beaufort-Spontin, das Innere wurde im 18. Jahrhundert im Régence-Stil ausgestattet. Hier unterzeichneten 1675 Ludwig XIV. und der Statthalter der Spanischen Niederlande den Vertrag von Freÿr, der den Holländischen Krieg in dieser Region beendete. Die Orangerie beherbergt die ältesten lebenden Orangenbäume Europas, gepflanzt 1750 und damit über 270 Jahre alt. Der Garten kombiniert geometrische Parterres nach Vorbild Le Nôtres mit einem 6 Kilometer langen Buchsbaum-Labyrinth, das zu den ältesten erhaltenen Labyrinthen Europas zählt. Höhepunkt ist die Aussicht von der hohen Terrasse über die Maas auf die Felswand des gegenüberliegenden Ufers.
Steen Antwerpen - Wasserburg an der Schelde
Der Steen ist die älteste erhaltene Burg Antwerpens, direkt an der Schelde im Zentrum der Altstadt. Die heutige Anlage geht auf einen Wiederaufbau im 16. Jahrhundert unter Kaiser Karl V. zurück, der mittelalterliche Kern reicht bis ins 13. Jahrhundert. Lange diente der Steen als Stadtgefängnis, von 1862 bis 2008 als Schifffahrtsmuseum. Nach einer großen Sanierung öffnete der Steen 2021 als Erlebniszentrum The Antwerp Story neu, das auf vier Etagen die Geschichte der Stadt vom Mittelalter über die Hanse, die Diamantmetropole und das 19. Jahrhundert bis heute zeigt. Höhepunkt ist die Aussichtsterrasse mit Blick auf die Schelde und die nahe Kathedrale Onze-Lieve-Vrouw mit ihrem 123 Meter hohen Turm. Eintritt rund 12 Euro, Familienkarte 28 Euro. Vor dem Steen steht die Skulptur von Lange Wapper, einem Antwerpener Sagenwesen, das nachts durch die Gassen geht und Trinker erschreckt. Direkt nebenan liegt der Schelde-Spaziergang Scheldekaaien mit Cafés und Bänken.
Belfried Mons - UNESCO-Welterbe und Wahrzeichen
Der Belfried von Mons im Hennegau ist der einzige barocke Belfried Belgiens und seit 1999 Teil des UNESCO-Welterbes Belfriede in Belgien und Frankreich. Der 87 Meter hohe Turm wurde zwischen 1661 und 1672 erbaut und beherbergt ein Glockenspiel mit 49 Glocken, das von Konzertkarillonisten regelmäßig bespielt wird. Mons war 2015 Kulturhauptstadt Europas und sanierte dafür den Belfried umfassend. Vom Turm reicht der Blick bei klarem Wetter bis Waterloo, zur Picardie und zur Mons-Borinage-Region. Aufgang per Aufzug bis zur Glockenstube, dann 50 Stufen zur Aussichtsterrasse. Eintritt rund 9 Euro, Karillon-Konzerte sonntags um 11 Uhr kostenlos vom Grand Place aus zu hören. Mons war 1914 Schauplatz der ersten Schlacht der Britischen Expeditionsarmee und 1944 erneut Ort heftiger Gefechte, das Mons Memorial Museum am Place du Parc ergänzt den Belfried-Besuch sinnvoll.
Schloss Ooidonk - Wasserschloss in Flandern
Schloss Ooidonk liegt in Bachte-Maria-Leerne südwestlich von Gent und gilt als eines der schönsten Wasserschlösser Flanderns. Der Bau im flämisch-spanischen Renaissance-Stil entstand zwischen 1559 und 1595 nach einem Brand der mittelalterlichen Vorgänger-Burg. Auffällig sind die schlanken Zwiebeltürme aus Schiefer, die mehr an Loire-Schlösser als an flämische Anlagen erinnern. Seit 1864 ist Ooidonk im Besitz der Grafen tKint de Roodenbeke. Die 16 öffentlich zugänglichen Räume zeigen Möbel und Tapisserien aus dem 16. bis 19. Jahrhundert, darunter Porträts der Familie Egmont, die das Schloss zuvor besaß. Eintritt rund 10 Euro, Park separat 5 Euro. Ooidonk öffnet nur an Sonntagen zwischen April und September. Der Schlosspark wurde im 19. Jahrhundert nach englischem Vorbild angelegt und kombiniert Wasserläufe, große Eichen, eine Insel mit Holzbrücke und Sichtachsen zum Schloss. Die Schloss-Café-Terrasse serviert flämische Klassiker wie Waterzooi und Trappistenbier.
Schloss Annevoie - Wassergärten der Aufklärung
Schloss Annevoie liegt zwischen Namur und Dinant am Rand des Maas-Tals und ist berühmt nicht für das eher schlichte Wohnschloss aus dem 18. Jahrhundert, sondern für seine Wassergärten, die zu den schönsten Europas zählen. Charles-Alexis de Montpellier ließ die Anlage ab 1758 nach französischem, italienischem und englischem Vorbild gestalten, mit über 50 funktionierenden Wasserspielen, die seit 270 Jahren ohne Pumpen allein durch das natürliche Gefälle des Geländes betrieben werden. Highlights sind die Vier-Jahreszeiten-Allee mit Springbrunnen, die Grotten-Kaskade und der Spiegelteich vor dem Schloss. Annevoie verbindet die Strenge französischer Achsen mit der Romantik englischer Landschaftsgärten und der Theatralität italienischer Wasserspiele, eine Synthese als Ausdruck der Aufklärungs-Philosophie. Eintritt rund 10 Euro für Garten und Park, das Schloss-Innere ist nicht öffentlich zugänglich. Ein Rundgang dauert eineinhalb bis zwei Stunden.
Zitadelle Dinant - Festung über der Maas
Die Zitadelle Dinant thront 100 Meter über der Stiftskirche Notre-Dame und dem Maas-Ufer und gilt als eine der dramatischsten Felszitadellen Europas. Die heutige Anlage stammt aus dem frühen 19. Jahrhundert unter niederländischer Herrschaft, die Vorgänger-Festung wurde im belgisch-niederländischen Konflikt 1818 abgerissen. Der Aufstieg ist Teil des Erlebnisses, entweder per Seilbahn in zwei Minuten oder über 408 Stufen entlang der Felswand. Oben wartet ein Rundgang durch Kasematten, Pulverkammer und ein Museum zu den Schlachten 1914 und 1940. Eintritt rund 10 Euro inklusive Seilbahn. Dinant ist zudem Geburtsort von Adolphe Sax, dem Erfinder des Saxofons, der hier 1814 geboren wurde. Zwischen Zitadelle, Stiftskirche und der Maas-Brücke führt die Promenade Adolphe Sax am Ufer entlang mit übergroßen Saxofon-Skulpturen aus aller Welt.
Burg Lavaux-Sainte-Anne - Wasserburg im Famenne-Tal
Die Burg Lavaux-Sainte-Anne im Famenne-Tal südlich von Rochefort gilt als eine der am vollständigsten erhaltenen mittelalterlichen Wasserburgen Walloniens. Der dreieckige Grundriss mit drei Ecktürmen aus dem 15. Jahrhundert wird vollständig von einem Wassergraben umschlossen. Im 17. Jahrhundert kam ein Renaissance-Wohnbau im Innenhof hinzu, der heute drei Museen unter einem Dach vereint: das Museum für ländliches Leben, das Jagd-Museum und das Naturschutzgebiet-Besucherzentrum. Ein Rundgang dauert zwei bis drei Stunden, Eintritt rund 10 Euro. Rund um die Burg erstreckt sich ein 50 Hektar großes Feuchtgebiet mit Beobachtungstürmen, von denen aus seltene Vögel wie Eisvogel, Reiher und Schwarzstorch zu sehen sind. Der Besuch verbindet Burg-Geschichte und Naturerfahrung in einem in Belgien seltenen Format.
Die sechs zentralen Erlebnisse auf einer Schloss-Reise
Geführte Schloss-Tour
Eine 60- bis 90-minütige Führung durch ein Schloss wie Modave, Freÿr oder Ooidonk kostet 10 bis 14 Euro pro Person und vermittelt Architektur, Familiengeschichte und Stuckdetails, die ein Audioguide oft nicht hergibt. Viele Anlagen bieten Touren auf Deutsch nur nach Voranmeldung an.
Audioguide-Rundgang
Audioguides wie im Gravensteen in Gent oder im Königlichen Schloss Brüssel sind im Eintrittspreis enthalten und dauern eineinhalb bis zwei Stunden. Der Gravensteen-Audioguide gilt mit seinem humorvollen Genter Lokalkolorit als einer der unterhaltsamsten Schloss-Audioguides Europas.
Garten- und Park-Besuch
Bei Beloeil, Freÿr, Modave und Annevoie ist der Garten der Hauptgrund des Besuchs. Ein Garten-Rundgang dauert je nach Anlage 60 bis 120 Minuten und kostet zwischen 8 und 14 Euro, oft mit ermäßigtem Familien-Tarif. Wassergärten wie in Annevoie lohnen sich besonders nach Regen.
Festungs-Galerien und Kasematten
Unterirdische Galerien wie in der Zitadelle Namur, Dinant oder Bouillon sind das atmosphärischste Element vieler Festungen. Eine Galerien-Tour dauert 45 bis 90 Minuten und kostet 8 bis 13 Euro. Festes Schuhwerk und eine Jacke sind ratsam, die Tunnel liegen meist bei 8 bis 12 Grad Celsius.
Mittelalter-Markt und Ritter-Festival
Zwischen Mai und September veranstalten viele Schlösser und Festungen Mittelalter-Märkte mit Falknerei, Schwertkampf-Shows und Handwerks-Demonstrationen. Eintritt rund 15 bis 25 Euro pro Person, oft mit Familien-Tarif. Bouillon, Namur und Lavaux-Sainte-Anne sind dafür besonders bekannt.
Schloss-Restaurant und Bistro
Viele Anlagen wie Modave, Ooidonk oder Beloeil betreiben ein Schloss-Café oder Bistro mit wallonischer oder flämischer Küche. Ein Mittagessen kostet 18 bis 32 Euro pro Person, dazu Trappistenbiere aus Rochefort, Orval oder Chimay. Reservierung am Wochenende dringend empfohlen.
Königliches Schloss oder mittelalterliche Burg im Vergleich
Wer nur eine Anlage besuchen kann, wählt nach Region. Brüssel für königliche Repräsentation, Gent für Stadtflair, Namur für Festungsdimension, Bouillon für Ardennen-Romantik, Beloeil für Garten-Pracht.
Praktische Tipps für die belgische Schloss-Reise
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Schloss-Pässe und Kombi-Tickets prüfen
Wallonie-Belgique-Tourisme bietet einen Saison-Pass für mehrere wallonische Schlösser an, mit dem sich Modave, Annevoie, Lavaux-Sainte-Anne und Freÿr vergünstigt besuchen lassen. Der Pass kostet rund 35 Euro und amortisiert sich ab drei besuchten Anlagen.
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Beste Saison von Mai bis September
Die meisten Schlösser und Festungen öffnen von April bis Oktober, mit Schwerpunkt Mai bis September. In der Hochsaison laufen Garten-Wasserspiele, Greifvogel-Shows und Mittelalter-Märkte. Das Königliche Schloss Brüssel öffnet ausschließlich von Ende Juli bis Anfang September.
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Festes Schuhwerk in Burgen und Galerien
Mittelalterliche Burgen wie Gravensteen, Bouillon und Lavaux-Sainte-Anne haben Kopfsteinpflaster, Wendeltreppen und ungleichmäßige Stufen. In Festungsgalerien wie Namur und Dinant liegen Bodentemperaturen bei 8 bis 12 Grad Celsius, dazu nasse Felswände. Festes Schuhwerk und eine leichte Jacke sind auch im Hochsommer ratsam.
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Audioguides oft auf Deutsch verfügbar
Die größeren Schlösser und Festungen bieten Audioguides auf Niederländisch, Französisch, Englisch und Deutsch an. Gravensteen, Königliches Schloss Brüssel, Zitadelle Namur, Burg Bouillon und Steen Antwerpen haben deutsche Versionen. Kleinere Anlagen wie Ooidonk oder Lavaux-Sainte-Anne arbeiten oft nur mit Broschüren in mehreren Sprachen, ein deutscher Audioguide ist dort die Ausnahme.
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Reservierung in Ferienzeiten
In den belgischen und niederländischen Schulferien sowie zu Pfingsten und an verlängerten Wochenenden sind Schlösser wie Beloeil, Bouillon und das Königliche Schloss Brüssel oft komplett ausgebucht. Wer sicher gehen möchte, reserviert online über die jeweilige Schloss-Website mindestens drei Tage im Voraus. Beim Königlichen Schloss in Brüssel gibt es seit 2024 Zeitfenster-Tickets.
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Barrierefreiheit prüfen
Viele mittelalterliche Burgen wie Gravensteen, Bouillon und Lavaux-Sainte-Anne sind aufgrund von Wendeltreppen und engen Türen nur eingeschränkt barrierefrei. Gut zugänglich sind das Königliche Schloss in Brüssel mit Aufzügen, Terra Nova in Namur sowie das Erlebniszentrum Steen in Antwerpen.
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Drei bis vier Schlösser pro Tag maximal
Auf einer Schloss-Rundreise reichen drei bis vier Anlagen pro Tag, sonst verschwimmen Eindrücke und Bauphasen. Sinnvoll ist ein Wechsel zwischen einem großen Schloss mit 90 Minuten Rundgang und zwei kleineren Anlagen mit 45 Minuten Besuchszeit.
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Wetterfeste Kleidung in den Ardennen
In den Ardennen rund um Bouillon, Dinant und Namur regnet es im Schnitt an 180 Tagen pro Jahr, oft mit kurzen, heftigen Schauern. Eine wetterfeste Jacke und ein kleiner Schirm gehören in den Rucksack, auch im Sommer.
Insider-Tipps
Übernachten im Schloss und Sommerkonzerte
Eine wachsende Zahl belgischer Schlösser bietet Übernachtungen in historischem Ambiente. Schloss Bovigny in den Ardennen, Schloss Saint-Gery bei Mons und Schloss Le Reposoir bei Lüttich sind drei Beispiele für Schloss-Hotels mit drei bis fünf Sternen und Preisen zwischen 140 und 320 Euro pro Doppelzimmer. Im Sommer veranstalten Beloeil, Modave und Annevoie Konzert-Reihen mit klassischer Musik, Jazz oder Pop unter freiem Himmel, in Namur und Bouillon laufen Mittelalter-Festivals mit Live-Musik aus dem 12. und 13. Jahrhundert. Tickets liegen bei 25 bis 65 Euro, der Vorverkauf startet meist im Februar.




