Worms in Rheinland-Pfalz ist eine der ältesten Städte Deutschlands und zählt mit rund 84.000 Einwohnerinnen und Einwohnern zu den geschichtsträchtigsten Mittelstädten am Oberrhein. Die kreisfreie Stadt liegt zwischen Mainz und Mannheim am linken Rheinufer auf einer Höhe von rund 100 Metern über dem Meeresspiegel und blickt auf eine durchgehend besiedelte Geschichte von mehr als 7.000 Jahren zurück. Worms ist als Nibelungenstadt, als Lutherstadt und seit 2021 gemeinsam mit Speyer und Mainz als UNESCO-Welterbe SchUM-Stätten zugleich Bühne mittelhochdeutscher Heldensage, Schauplatz der Reichstage des 16. Jahrhunderts und Zentrum der aschkenasischen jüdischen Kultur des Mittelalters. Wer sich für die religiöse, kulturelle und politische Tiefenschichtung Mitteleuropas interessiert, findet hier auf engem Raum den Wormser Dom Sankt Peter, den ältesten erhaltenen jüdischen Friedhof Europas, die Synagoge mit Raschi-Schul, das Nibelungenmuseum, das Lutherdenkmal und die Liebfrauenkirche, die der gleichnamigen Wein-Lage ihren Namen gegeben hat. Wir verstehen diesen Beitrag als ausführliches Standort-Briefing für eine geschichtsorientierte Reise, die sich auch in zwei bis drei Tagen Erlebnis und Tiefe gleichermaßen erschließt.
Anreise und Erreichbarkeit
Worms liegt verkehrsgünstig zwischen den Ballungsräumen Rhein-Main im Norden und Rhein-Neckar im Süden. Die Stadt ist über die Autobahn A61 (Köln–Speyer) sowie über die rechtsrheinisch verlaufende A67 mit Anschluss über die Rheinbrücke bei Worms gut erreichbar und an den Schienenfernverkehr über die Knotenpunkte Mannheim und Mainz angebunden. Für die Anreise aus dem gesamten Bundesgebiet bieten sich Bahn-Verbindungen über die Hochgeschwindigkeitsstrecken nach Mannheim oder Frankfurt am Main an, von denen aus Regionalbahnen und Regional-Express-Linien in 20 bis 40 Minuten nach Worms verkehren.
Mit dem Auto
Aus dem Norden und Westen Deutschlands erreicht man Worms am schnellsten über die A61, Ausfahrt Worms (Anschlussstelle 60) oder Worms-Mörstadt. Aus dem Süden und Osten führt die A6 zur Anschlussstelle Mannheim-Sandhofen oder weiter nach Frankenthal, von dort über die B9 nach Worms. Aus Frankfurt und dem Rhein-Main-Gebiet ist die Route über die A67 und die B47 mit Rheinquerung über die Nibelungenbrücke die direkte Wahl. Parken im Stadtzentrum ist auf zahlreichen ausgewiesenen Plätzen (Parkhaus Bahnhof, Parkhaus Hagenstraße, Tiefgarage Kämmererstraße) möglich, die Stundengebühr liegt bei rund 1,50 bis 2,00 Euro, eine Tageskarte bei etwa 10 Euro. Behindertenparkplätze gibt es vor dem Dom, an der Synagoge und am Heiligen Sand.
Mit der Bahn
Der Wormser Hauptbahnhof liegt am westlichen Innenstadtrand und ist Halt für IC-Züge auf der Linie Frankfurt–Mannheim–Stuttgart sowie für die Regional-Express-Linien RE 4 und RE 14 zwischen Frankfurt, Mainz, Mannheim und Karlsruhe. Aus Berlin erreicht man Worms mit einem Umstieg in Mannheim oder Frankfurt in rund 5 Stunden, aus München mit Umstieg in Mannheim in etwa 3:45 Stunden, aus Hamburg über Mannheim in rund 4:30 Stunden. Die Deutsche Bahn (bahn.de) und der Verkehrsverbund Rhein-Neckar (vrn.de), dem Worms angehört, bieten durchgehende Tarife. Vom Hauptbahnhof zum Dom sind es zu Fuß etwa zehn Minuten, alternativ verkehrt die Stadtbus-Linie 410 im 20-Minuten-Takt.
Mit dem Flugzeug
Der nächstgelegene Verkehrsflughafen ist Frankfurt am Main (FRA) in rund 60 Kilometer Entfernung, von dort verkehrt die S-Bahn S8 oder S9 zum Frankfurter Hauptbahnhof, dort umsteigen in den RE nach Worms (Gesamtzeit etwa 1:30 Stunden). Der Regionalflughafen Frankfurt-Hahn (HHN) liegt rund 80 Kilometer westlich im Hunsrück und wird vor allem von Billigfliegern angesteuert. Der Flughafen Mannheim City (MHG) ist nur ein Geschäftsflugplatz ohne Linienverkehr. Karlsruhe-Baden-Baden (FKB) und Saarbrücken (SCN) sind jeweils rund 100 Kilometer entfernt und über Bahn und Bus erreichbar.
Vor Ort bewegen und Parken
Die meisten Sehenswürdigkeiten in Worms liegen innerhalb eines fußläufigen Radius von rund 1,5 Kilometern um den Dom, sodass die Stadt sich hervorragend zu Fuß erkunden lässt. Wer von zentralen Parkhäusern startet, ist in zehn Minuten am Lutherdenkmal, in zwölf Minuten am Heiligen Sand und in fünf Minuten an der Liebfrauenkirche. Für Fahrradfahrer ist Worms Etappenort des Rheinradwegs (Eurovelo 15), Leihräder gibt es am Bahnhof und an mehreren Stationen im Stadtgebiet. Die Stadtbus-Linien 401 bis 410 erschließen die Stadtteile, ein Tagesticket im VRN-Tarif kostet rund 6 Euro. Eine Tourist-Information befindet sich direkt am Marktplatz gegenüber dem Dom, sie ist von Montag bis Samstag geöffnet und bietet Stadtführungen, Audio-Guides und Kombi-Tickets für die SchUM-Stätten.
Wormser Dom Sankt Peter
Der Wormser Dom Sankt Peter ist die kleinste der drei rheinischen Kaiserdome (neben Speyer und Mainz) und das städtebauliche Wahrzeichen der Stadt. Der heute sichtbare Bau wurde im Wesentlichen zwischen 1110 und 1181 als spätromanische Basilika errichtet und 1018 erstmals geweiht, wobei der heutige Westchor erst im 13. Jahrhundert hinzukam. Mit seiner Länge von 110 Metern, der Höhe von 40 Metern an den Vierungstürmen und den charakteristischen vier Ecktürmen prägt er das Stadtbild seit fast neunhundert Jahren. Im Inneren beeindrucken der barocke Hochaltar von Balthasar Neumann (1738/40), die fünf Renaissance-Reliefs im Süd-Querhaus und die mittelalterlichen Gräber salischer Vorfahren der späteren Kaiser. Eintritt ist frei, eine Empfehlungsspende von 2 Euro wird erbeten. Geöffnet ist der Dom täglich von 9 bis 17 Uhr (April bis Oktober bis 18 Uhr), während Gottesdiensten ist die Besichtigung eingeschränkt.
Reichstag 1521 und Luther
Im April 1521 wurde im Bischofshof neben dem Dom auf dem Reichstag zu Worms der Augustinermönch Martin Luther von Kaiser Karl V. zum Widerruf seiner reformatorischen Schriften aufgefordert. Luthers Weigerung — überliefert in der bekannten Formel 'Hier stehe ich, ich kann nicht anders, Gott helfe mir, Amen' (deren genaue Authentizität historisch umstritten ist) — markierte den Bruch mit der römischen Kirche und gilt als eine der Schlüsselszenen der Reformation. Der Bischofshof selbst existiert nicht mehr, an seiner Stelle steht heute der Heylshof-Park. Eine Bronze-Bodenplatte im Park markiert die historische Stelle. Das Wormser Reformations-Jubiläum 2021 wurde durch eine umfassende Sonderausstellung und eine Neuinszenierung der Schauplätze begangen.
Domkreuzgang und Andreasstift
Westlich an den Dom anschließend liegt der ehemalige Domkreuzgang mit Resten der mittelalterlichen Domschule. Das benachbarte Andreasstift, ursprünglich Sankt Andreas im 9. Jahrhundert gegründet und im 13. Jahrhundert romanisch erneuert, beherbergt seit 1930 das Museum der Stadt Worms im Andreasstift mit Sammlungen zur Stadtgeschichte von der Steinzeit bis zur Gegenwart. Besonders sehenswert sind die römischen Funde aus Borbetomagus, die Schau zur jüdischen Stadtgeschichte und die mittelalterlichen Skulpturen. Eintritt regulär 3,50 Euro, ermäßigt 2 Euro, dienstags bis sonntags 10 bis 17 Uhr.
SchUM-Welterbe — Jüdisches Worms
Worms ist gemeinsam mit Speyer und Mainz seit Juli 2021 UNESCO-Welterbe unter dem Titel 'SchUM-Stätten Speyer, Worms und Mainz'. Der Name SchUM ist ein hebräisches Akronym aus den Anfangsbuchstaben der drei Städte (Schpira, Warmaisa, Magenza) und verweist auf den Verbund der drei aschkenasischen Gemeinden des Hochmittelalters, deren Religionsrecht (Takkanot Schum) ganz Europa prägte. In Worms umfasst das Welterbe die Synagoge mit Frauenschul und Raschi-Schul, das Raschi-Haus mit Jüdischem Museum, die jüdische Mikwe (rituelles Tauchbad) und den jüdischen Friedhof Heiliger Sand.
Synagoge und Raschi-Schul
Die Wormser Synagoge in der Hintere Judengasse 6 geht in ihren Anfängen auf das Jahr 1034 zurück und ist damit eine der ältesten erhaltenen Synagogen Mitteleuropas. Sie wurde mehrfach zerstört (1146 in den Folgen des Zweiten Kreuzzugs, in der Reichspogromnacht 1938 von Nationalsozialisten in Brand gesetzt) und in den Jahren 1958 bis 1961 nach historischen Plänen wiederaufgebaut. Die angegliederte Raschi-Schul erinnert an den größten Talmud-Kommentator des Mittelalters, Rabbi Schlomo Jizchaki aus Troyes (1040 bis 1105), der als junger Mann in Worms studierte. Geöffnet ist die Synagoge täglich außer an jüdischen Feiertagen, Eintritt frei.
Heiliger Sand
Der jüdische Friedhof Heiliger Sand südwestlich der Innenstadt am Andreasring ist mit rund 2.500 erhaltenen Grabsteinen ab dem Jahr 1058/59 der älteste in situ erhaltene jüdische Friedhof Europas. Auf etwa 1,5 Hektar reihen sich Grabsteine in dichtem Bestand, der älteste lesbare stammt vom Jahr 1076/77. Besonders bedeutend sind die Gräber des Maharil (Jakob Levi ben Moses Molin, gestorben 1427), des Maharam (Meir ben Baruch von Rothenburg) und vieler weiterer Talmud-Gelehrter des Mittelalters. Der Friedhof ist frei zugänglich von April bis Oktober täglich 8 bis 20 Uhr, von November bis März bis 17 Uhr. An Schabbat (Freitag-Sonnenuntergang bis Samstag-Sonnenuntergang) und an jüdischen Feiertagen geschlossen. Männer werden gebeten, eine Kopfbedeckung zu tragen.
Raschi-Haus und Jüdisches Museum
Das Raschi-Haus neben der Synagoge wurde 1623/24 als Tanzhaus errichtet, später als jüdisches Hospital genutzt und ist heute Sitz des Jüdischen Museums Worms. Die Dauerausstellung dokumentiert tausend Jahre jüdisches Leben in Worms, von der ersten urkundlichen Erwähnung 960 bis zur Vernichtung der Gemeinde im Holocaust und der zaghaften Wiederbesiedlung nach 1945. Eintritt 2 Euro, dienstags bis sonntags 10 bis 12:30 und 13:30 bis 17 Uhr.
Die sechs Hauptattraktionen im Überblick
Wormser Dom Sankt Peter
Spätromanische Kaiserdom-Basilika (1110–1181) mit vier Ecktürmen, barockem Hochaltar von Balthasar Neumann und mittelalterlichen Salier-Grabmälern. Eintritt frei, täglich 9 bis 17 Uhr.
Heiliger Sand
Ältester in situ erhaltener jüdischer Friedhof Europas mit rund 2.500 Grabsteinen ab 1058. UNESCO-Welterbe, Eintritt frei, Männer mit Kopfbedeckung. Apr–Okt 8 bis 20 Uhr.
Synagoge und Raschi-Schul
Eine der ältesten Synagogen Europas (1034), nach Zerstörung 1938 wiederaufgebaut. Mit angegliederter Raschi-Schul und Mikwe. Eintritt frei, geschlossen an jüdischen Feiertagen.
Nibelungenmuseum
Multimediale Inszenierung der mittelhochdeutschen Heldensage im historischen Wachturm und auf der Stadtmauer. Hörspielführung mit Hagen und der anonyme Nibelungendichter. Eintritt 7 Euro.
Lutherdenkmal
Größtes Reformations-Denkmal der Welt (Ernst Rietschel 1868), 12,5 Meter hoch mit Luther im Zentrum und elf Begleitfiguren der Reformation. Frei zugänglich am Lutherplatz.
Liebfrauenkirche
Gotische Kirche (1276–1465) nördlich der Altstadt, von den Weinbergen der berühmten Lage Liebfrauenstift-Kirchenstück umgeben, die der Marke Liebfraumilch den Namen gab.
Nibelungenstadt und Festspiele
Worms ist Schauplatz der zentralen Episoden des mittelhochdeutschen Nibelungenliedes (entstanden um 1200), in dem König Gunther von Burgund, sein Bruder Giselher, Königin Kriemhild und der Held Siegfried am wormser Hof leben. Hier ermordet Hagen von Tronje den Drachentöter Siegfried, hier beginnt der Rachefeldzug, der im Untergang der Burgunden im Hunnenland endet. Die Stadt pflegt dieses Erbe seit dem 19. Jahrhundert ostentativ — der Wormser Hagen-Standbild am Rheinufer zeigt den Mörder, wie er den geraubten Nibelungenhort in den Fluss versenkt, und das Nibelungenmuseum im historischen Wachturm der Stadtmauer inszeniert die Sage seit 2001 multimedial mit Audio-Stationen, einer 'Hagen-Hörstation' und einer Begehung der mittelalterlichen Stadtbefestigung. Eintritt 7 Euro für Erwachsene, ermäßigt 4 Euro, geöffnet Dienstag bis Sonntag 10 bis 17 Uhr.
Nibelungenfestspiele
Seit 2002 finden alljährlich im Juli/August die Nibelungen-Festspiele Worms statt — eine Open-Air-Theaterproduktion mit zeitgenössischen Stoff-Bearbeitungen, die vor der spektakulären Nordfassade des Doms aufgeführt wird. Renommierte deutsche Autorinnen und Autoren wie Moritz Rinke, John von Düffel, Albert Ostermaier und Feridun Zaimoglu haben Nibelungenstücke geschrieben, die ein bundesweit beachtetes Sommer-Theater begründen. Tickets ab rund 49 Euro, Premium-Plätze bis 119 Euro. Buchung über die offizielle Festspiel-Website. Die Aufführung beginnt nach Sonnenuntergang, das Wormser Festspielgelände bietet Bewirtung mit regionalen Weinen.
Hagen-Standbild am Rheinufer
Das Hagen-Standbild von Johannes Hirt (1905) am südlichen Rheinufer zeigt den finsteren Hagen von Tronje in heroischer Pose, wie er einen Sack mit dem Nibelungenhort in den Rhein versenkt. Die Bronze gilt als eines der bekanntesten Wahrzeichen der Stadt und wurde im Zweiten Weltkrieg als 'Metallspende' eingeschmolzen, 1957 jedoch neu gegossen. Vom Standbild aus eröffnet sich ein Panorama der Rheinpromenade und der gegenüberliegenden hessischen Bergstraße.
Lutherstadt Worms
Neben dem Reichstag 1521 ist Worms auf Schritt und Tritt mit der Reformationsgeschichte verknüpft. Das Lutherdenkmal am Lutherplatz, 1868 von Ernst Rietschel entworfen und nach dessen Tod von Adolf von Donndorf vollendet, ist mit seinem 12,5 Meter hohen Aufbau das größte Reformationsdenkmal der Welt. Im Zentrum thront Luther mit der Bibel in der Hand, umgeben werden ihn elf weitere Figuren — die Vorläufer Petrus Waldus, John Wyclif, Jan Hus und Girolamo Savonarola in der unteren Ebene, die Reformatoren Philipp Melanchthon, Johannes Reuchlin, Friedrich der Weise und Philipp der Großmütige um Luther sowie symbolische Frauenfiguren für Magdeburg, Speyer und Augsburg. Vor dem Denkmal markiert eine Bronze-Bodenplatte am Heylshof die historische Stelle des Bischofshofes, wo Luther vor dem Kaiser stand.
Magnuskirche
Die Magnuskirche in der Weckerlingsstraße gilt als die erste protestantische Kirche im rechtsrheinischen Raum, in der bereits ab 1524 evangelische Gottesdienste gehalten wurden. Der heutige Bau geht auf einen romanischen Vorgängerbau aus dem 11. Jahrhundert zurück, das schlichte Innere zeugt vom reformatorischen Ideal der nüchternen Wortverkündigung. Geöffnet auf Anfrage und während der Gottesdienste.
Reformationsweg
Der Wormser Reformationsweg verbindet auf einem ausgeschilderten Fußrundgang von rund zwei Kilometern die zentralen Stationen des Reichstages 1521 — Dom, Bischofshof, Lutherdenkmal, Bürgermeisterhof, Eulenturm und Rheinufer. Eine kostenlose Begleit-Broschüre der Tourist-Information führt über alle Stationen und enthält historische Quellentexte. Geführte Themenrundgänge 'Auf Luthers Spuren' werden ganzjährig samstags 14 Uhr angeboten, Teilnahme 6 Euro.
Die wichtigsten Wormser Wahrzeichen im Vergleich
Die Tabelle hilft bei der Tagesplanung — wer ein knappes Zeitbudget hat, kombiniert Dom und Lutherdenkmal mit Heiligem Sand und Synagoge zu einem dichten Halbtagesprogramm.
Rheinhessen-Wein und Liebfraumilch
Worms liegt im südlichen Anbaugebiet Rheinhessen, dem mit rund 27.000 Hektar Rebfläche größten Weinbaugebiet Deutschlands. Die berühmteste Lage der Stadt ist das Liebfrauenstift-Kirchenstück, das die gotische Liebfrauenkirche umgibt und auf rund 14 Hektar überwiegend Riesling, daneben Silvaner und Weißburgunder hervorbringt. Das Weingut Liebfrauenstift im Stiftshof bewirtschaftet diese Lage als Monopol, ergänzend ist auch das Weingut Gutzler beteiligt. Die Marke Liebfraumilch, in den 1950er und 60er Jahren als süßlicher Exportwein international zur Massenmarke geworden, hat heute mit den hochwertigen, trockenen Lagenweinen aus dem Liebfrauenstift-Kirchenstück nichts mehr zu tun.
Wein-Events
Das Backfischfest Ende August/Anfang September ist mit über 600.000 Besuchern eines der größten Wein- und Volksfeste am Rhein, neun Tage lang verwandelt sich das Festwiesengelände am Rheinufer in eine bunte Mischung aus Wein-Probierstand, Karussell und Festzelt. Der traditionelle Wormser Weihnachtsmarkt am Lutherplatz und vor dem Dom (Ende November bis 23. Dezember) bietet Glühwein aus regionalen Rieslingen und Spätburgundern. Im Frühjahr lädt das Wein-Wandern Rheinhessen zu geführten Touren durch die umliegenden Lagen ein.
Weingüter in Worms und Umgebung
In der Stadt selbst sind das Weingut Schembs (Bio-Betrieb mit Riesling und Spätburgunder), das Weingut Spohr und das Weingut Gutzler etablierte Adressen. Im umliegenden Wormser Stadtgebiet liegen die Ortsteile Pfeddersheim, Pfiffligheim, Heppenheim an der Wiese, Herrnsheim und Abenheim, in denen weitere Weingüter Vinotheken und Hofschänken betreiben. Eine kommentierte Übersicht stellt die Wormser Weinbörse jährlich im Mai im Wormser-Tagungszentrum vor.
Wer beide Städte verbinden möchte, kann an einem Wochenende Worms am Samstag und Speyer am Sonntag besichtigen — beide Städte liegen 30 Kilometer auseinander und sind per Bahn oder Auto in unter einer Stunde verbunden. Die SchUM-Erlebnis-Card der Tourist-Information bietet ein Kombi-Ticket mit Audio-Guide für beide Städte.
Praktische Tipps für Worms
-
€
SchUM-Card als Sparmodell
Die SchUM-Card der Wormser Tourist-Information kostet 12 Euro und enthält freien Eintritt in das Jüdische Museum im Raschi-Haus, das Museum der Stadt im Andreasstift und das Nibelungenmuseum. Bei Einzeleintritten kämen rund 16 Euro zusammen — eine spürbare Ersparnis für Tagesgäste.
-
✦
Schabbat-Zeiten beachten
Synagoge und Heiliger Sand sind an Schabbat (Freitag-Sonnenuntergang bis Samstag-Sonnenuntergang) und an jüdischen Feiertagen geschlossen. Wer SchUM-orientiert reist, plant den Besuch der jüdischen Stätten möglichst auf Sonntag bis Donnerstag und erkundigt sich vorab nach den jüdischen Feiertagen wie Pessach, Rosch ha-Schana, Jom Kippur und Sukkot.
-
+
Kopfbedeckung mitnehmen
Für Männer ist beim Besuch der Synagoge und des Heiligen Sands eine Kopfbedeckung Pflicht. Wer keinen Hut oder Kappe dabei hat, kann am Eingang der Synagoge eine Kippa kostenlos ausleihen. Frauen brauchen keine Kopfbedeckung, sollten aber wie bei jedem Sakralbau-Besuch auf bedeckte Schultern und Knie achten.
-
i
Audio-Guides per App nutzen
Die kostenlose SchUM-App (für iOS und Android) führt mit Audio-Stationen, Karten und historischen Bildern durch alle Welterbe-Stätten in Worms, Speyer und Mainz. Die Inhalte sind auf Deutsch, Englisch, Französisch und Hebräisch verfügbar. Im Dom gibt es einen separaten Audio-Guide an der Kasse für 4 Euro.
-
⌘
Festspiel-Tickets früh buchen
Die Nibelungenfestspiele im Juli/August sind regelmäßig ausverkauft. Der Vorverkauf beginnt im November des Vorjahres, beste Plätze in der Mittelreihe sind oft im Dezember vergriffen. Wer kurzfristig reist, prüft die Wormser Tourist-Info auf Rückläufer am Aufführungstag — gelegentlich werden Karten ab 17 Uhr noch ausgegeben.
-
♿
Barrierefreiheit gezielt planen
Der Wormser Dom ist über den südlichen Seiteneingang barrierefrei erreichbar, im Inneren gibt es einen Rollstuhl-Rundgang ohne Stufen. Das Lutherdenkmal liegt auf einem ebenen Platz, die Synagoge ist seit dem Wiederaufbau barrierefrei. Der Heilige Sand hat unebenes Gelände und schmale Pfade, eine Begleitperson ist hier ratsam. Die Tourist-Info hält Begleitservice auf Anfrage bereit.
-
☀
Beste Reisezeit Mai bis September
Worms hat dank seiner Rheinebenen-Lage ein mildes, fast schon mediterranes Klima — die Sommer sind warm und trocken, die Festspielzeit Juli/August fällt fast immer in eine stabile Schönwetter-Phase. Wer Ruhe sucht, plant Mai oder September: Wetter angenehm, Touristenströme moderater, Eintrittspreise und Hotelraten oft leicht reduziert.
-
☂
Regenschirm-Programm bei Schlechtwetter
Bei Regenwetter bieten Dom, Synagoge, Raschi-Haus, Museum im Andreasstift und Nibelungenmuseum drei bis vier überdachte Stunden Programm. Das Wormser-Tagungszentrum am Rathenauplatz hat zudem ein kostenloses Foyer mit Wechselausstellungen. Eine warme Schorle in einer der Weinstuben rund um den Marktplatz beschließt einen verregneten Nachmittag stilvoll.
Insider-Tipps
Wo abends essen
Die Wormser Weinstuben rund um den Marktplatz und in den Gassen der Altstadt bieten regionale Rheinhessen-Küche mit Spundekäs, Saumagen, Riesling-Sauerbraten und Winzersuppe. Die Hagenbräu am Rheinufer kombiniert Brauerei-Atmosphäre mit Blick auf den Rhein und die Hagen-Statue. Für gehobene Küche empfiehlt sich das Hotel Restaurant Mariengarten oder das Restaurant Tivoli am Adenauer-Ring. Wer eine Weinprobe mit Imbiss sucht, findet im Liebfrauenstift-Vinothek im Stiftshof eine ausgezeichnete Auswahl an Riesling und Spätburgunder direkt vom Anbaugebiet.
Übernachtung
Hotellerie in Worms ist überschaubar, aber solide. Das Dom Hotel direkt gegenüber dem Dom ist die zentrale Adresse für Geschäfts- und Bildungs-Reisende, das Hotel Asgard nahe dem Hauptbahnhof bietet preiswerte Stadthotellerie. Ferienwohnungen über Anbieter wie wormser-ferienwohnungen.de oder regionale Plattformen sind eine Alternative für Familien. In der Festspielzeit sind alle Häuser oft ausgebucht, dann lohnt der Ausweich nach Mannheim oder Mainz mit Bahnpendel.
Worms in der modernen Welterbe-Vermittlung
Mit der UNESCO-Anerkennung der SchUM-Stätten im Juli 2021 hat Worms einen neuen Stellenwert in der deutschen und europäischen Welterbe-Landschaft gewonnen. Die Stadt arbeitet seither in einem Verbund mit Speyer und Mainz an einer modernen Vermittlung der mittelalterlichen jüdischen Kultur — die gemeinsame SchUM-App, ein einheitliches Besucherzentrum am Heiligen Sand, neue Audio-Guides und ein wissenschaftliches Forschungsnetzwerk gehören dazu. Für die touristische Erschließung kooperiert Worms eng mit dem Tourismusverband Rheinland-Pfalz und mit dem Verkehrsverbund Rhein-Neckar (vrn.de), der die Anreise per Bahn und Bus im günstigen Verbundtarif ermöglicht. Die Tourist-Information am Marktplatz und die offizielle Stadt-Website worms-erleben.de bündeln alle aktuellen Informationen zu Öffnungszeiten, Veranstaltungen und Führungen.
Ausblick auf das Festjahr
Worms blickt auf eine reichhaltige Veranstaltungsplanung der kommenden Jahre — die Nibelungenfestspiele bleiben das künstlerische Herzstück des Sommers, daneben gewinnt das Reformations- und SchUM-Programm an Profil. Sonderausstellungen im Museum der Stadt, internationale Konferenzen zur aschkenasischen Geschichte und ein wachsendes Bildungs-Angebot für Schulklassen aus dem gesamten deutschsprachigen Raum tragen dazu bei, dass Worms nicht nur als Stadt der großen Geschichte, sondern auch als lebendiger Ort des kulturellen Austauschs wahrgenommen wird. Wer heute nach Worms reist, erlebt eine Stadt, die ihre Vergangenheit mit Selbstverständlichkeit pflegt und ihre Zukunft als europäische Welterbe-Stadt aktiv gestaltet.



