Der Waldwipfelweg in Maibrunn liegt auf rund 800 Metern Höhe oberhalb von Sankt Englmar im Bayerischen Wald und führt auf einem 370 Meter langen Holzsteg in bis zu 30 Metern Höhe durch die Baumkronen alter Fichten und Tannen. Eröffnet wurde der Pfad in seiner heutigen Form 2009, betrieben wird er von der Gemeinde Sankt Englmar in Kooperation mit einem privaten Pächter und gilt als einer der ältesten begehbaren Wipfelwege Süddeutschlands. Hauptattraktion ist der 52 Meter hohe Aussichtsturm SinnesWandel, eine markante Holzkonstruktion am Ende des Pfads, die mit ihren schräg gestellten Wänden und perspektivisch verzerrten Innenräumen bewusst die Wahrnehmung herausfordert. Neben dem klassischen Wipfelpfad ist der Waldwipfelweg vor allem für seine Erlebnis-Stationen bekannt, ein Schief-Haus, eine Wackel-Brücke, ein Barfußpfad und mehrere Sinnes-Stationen rund um Hören, Tasten und Sehen ergänzen den Rundgang zu einem Sinnes-Parcours für die ganze Familie. Der Eintritt liegt bei rund zwölf Euro für Erwachsene und neun Euro für Kinder, geöffnet ist meist von April bis Oktober.
Anreise und Erreichbarkeit
Maibrunn ist ein kleiner Ortsteil von Sankt Englmar im Vorderen Bayerischen Wald, gelegen auf einer Hochfläche rund 800 Meter über dem Donautal und etwa 40 Kilometer nordöstlich der Stadt Straubing. Die Lage am Predigtstuhl macht den Ort zu einem traditionsreichen Höhenluftkurort mit eigenem Skigebiet, der Waldwipfelweg liegt am Ortsrand von Maibrunn und ist von Sankt Englmar in wenigen Minuten erreichbar. Wer hierher kommt, kombiniert den Besuch fast immer mit dem Bayerwald-Tierpark in Sankt Englmar, dem Hochseil-Garten Maibrunn oder einer Wanderung auf den Hirschensteig.
Mit dem Auto
Aus Norden fährt man über die A3 bis zur Ausfahrt Straubing und folgt von dort der B20 in Richtung Cham bis zur Abzweigung Sankt Englmar, weiter über die Staatsstraße bis nach Maibrunn. Aus München kommt man über die A92 bis Deggendorf und weiter über die B11 und die Staatsstraße nach Sankt Englmar, die Strecke führt durch enge Serpentinen hoch ins Mittelgebirge. Direkt am Waldwipfelweg gibt es einen größeren kostenfreien Parkplatz für rund 200 Pkw sowie Stellflächen für Reisebusse, in der Hochsaison kann der Parkplatz mittags voll sein.
Mit der Bahn und dem ÖPNV
Der nächstgelegene Bahnhof ist Straubing an der Strecke Regensburg-Plattling, von dort fährt im Schultagsverkehr und an manchen Wochenenden die Linie nach Sankt Englmar, die Verbindungen sind dünn und für Tagesgäste nur eingeschränkt nutzbar. Im Sommer verkehren in der Region zusätzlich Wanderbusse, der Bayerwald-Ticket-Verbund deckt die wichtigsten Linien ab. Realistisch erreicht man Maibrunn ohne eigenes Fahrzeug nur mit etwas Planung und mehreren Umstiegen.
Mit dem Flugzeug
Der nächste internationale Flughafen ist München-Erding, von dort sind es über A92, B11 und Staatsstraße rund 170 Kilometer und gut zwei Stunden Fahrt. Linz Hörsching in Oberösterreich ist mit rund 140 Kilometern eine Alternative für Anreisen aus Wien und Südosteuropa. Mietwagen am Flughafen sind für die Anreise praktisch notwendig, in Sankt Englmar selbst gibt es keine Mietwagen-Stationen.
Vor Ort bewegen und Parken
Der Parkplatz am Waldwipfelweg liegt direkt am Eingang, von hier sind es nur wenige Meter bis zur Kasse und zum Beginn des Pfads. Behindertenparkplätze sind in der ersten Reihe ausgewiesen, ein barrierefreies WC steht im Eingangsgebäude bereit. Wer mehrere Tage in Sankt Englmar verbringt, nutzt die Gästekarte des Bayerischen Walds für Vergünstigungen am Tierpark, am Hochseil-Garten und für die Wanderbus-Linien, die im Sommer zwischen den Ortsteilen pendeln.
Hauptattraktion SinnesWandel — der 52 Meter hohe Wahrnehmungs-Turm
Der SinnesWandel ist die bauliche und inhaltliche Krönung des Waldwipfelwegs und steht am Ende des 370 Meter langen Pfads als markantes Wahrzeichen über den Baumkronen. Mit 52 Metern Höhe ragt er deutlich über die umliegenden Fichten und Tannen hinaus und bietet einen weiten Rundumblick vom Donautal im Süden bis tief in den Inneren Bayerischen Wald. Der Turm ist keine klassische Aussichtsplattform, sondern eine begehbare Skulptur mit bewusst schiefen Wänden, kippenden Räumen und perspektivisch verzerrten Innenflächen, die das eigene Wahrnehmungs- und Gleichgewichtsempfinden auf die Probe stellt.
Architektur mit Absicht zum Schwindel
Die Außenhülle des SinnesWandel ist aus heimischem Lärchen- und Fichtenholz gefertigt und wirkt von außen wie ein leicht windschief stehender Turm, beim Eintreten löst sich die scheinbare Stabilität jedoch sofort auf. Treppen mit unterschiedlichen Stufenhöhen, geneigte Böden und Wände mit verschobenen Mustern erzeugen ein Gefühl wie auf einem schwankenden Schiff, ohne dass tatsächlich etwas wackelt. Wer empfindlich auf optische Reize reagiert, sollte sich an den durchgehenden Handläufen festhalten und Pausen einplanen.
Aussicht vom Top-Deck
Ganz oben öffnet sich eine umlaufende Plattform mit Blick auf die Hügelketten des Vorderen Bayerischen Walds. Direkt im Süden liegt das weite Donautal mit Straubing als markantem Punkt, im Westen erkennt man bei klarer Sicht den Hohen Bogen und im Osten die Kette des Inneren Bayerischen Walds mit Großem Arber und Rachel am Horizont. Die Bänke entlang der Plattform laden zum Verweilen ein, ein Fernrohr und Schautafeln helfen bei der Orientierung.
Geschichte und Konzept
Der Turm wurde gemeinsam mit dem neu konzipierten Waldwipfelweg im Jahr 2009 eröffnet und ersetzte einen älteren, kleineren Aussichtspunkt aus den 1980er Jahren. Die Idee, einen Aussichtsturm bewusst als Sinnes-Erlebnis zu gestalten, geht auf das pädagogische Konzept des Wipfelwegs zurück, der nicht nur Aussicht, sondern aktive Wahrnehmung in den Mittelpunkt stellt. Inzwischen gilt der SinnesWandel als das eigentliche Markenzeichen der Anlage und wird in nahezu jeder Beschreibung des Waldwipfelwegs als zentrales Motiv genannt.
Der Pfad — 370 Meter Holzsteg durch die Baumkronen
Der eigentliche Waldwipfelweg führt vom Eingangsgebäude in einer Schleife durch den umliegenden Bergmischwald und steigt dabei bis auf rund 30 Meter über dem Waldboden an. Mit 370 Metern ist er deutlich kürzer als die großen Pfade der Erlebnis Akademie AG, gewinnt aber durch die zahlreichen Stationen entlang der Strecke an Aufenthaltsqualität. Insgesamt sollte man für den Rundgang inklusive aller Stationen und Turmbesteigung gut zwei Stunden einplanen, mit Kindern eher zweieinhalb.
Erlebnis-Stationen am Pfad
Über die Länge verteilt liegen mehrere Stationen, die das Wahrnehmen mit Händen, Ohren und Füßen aktivieren. Dazu zählen ein wackelnder Holzsteg, eine Hör-Station mit Klangröhren, ein Barfußpfad mit unterschiedlichen Untergründen, ein Spiegel-Tunnel sowie mehrere Tasttafeln zur heimischen Holzartenkunde. Die Stationen sind so gebaut, dass sie ohne lange Erklärungen funktionieren, eine kurze Tafel reicht meist als Hinweis.
Bergmischwald in Kronenhöhe
Der Pfad führt durch einen typischen Bergmischwald aus Fichten, Buchen und Tannen, in den Höhenlagen um Maibrunn dominieren ältere Fichten mit eingestreuten Buchen. Von oben sieht man die Kronenstruktur, die am Boden kaum erkennbar wäre, und gewinnt einen Eindruck davon, wie groß diese Bäume tatsächlich sind. Bei feuchter Witterung steigt der harzige Geruch der Nadelbäume bis auf den Steg, ein Detail, das viele Besucher als prägende Erinnerung beschreiben.
Die sechs Stationen am Waldwipfelweg im Überblick
Eingang und Welcome-Plattform
Holzkonstruktion mit Kasse, Übersichtstafel und sanft ansteigender Auftakt-Rampe. Hier startet der eigentliche Pfad in rund acht Metern Höhe und steigt langsam weiter an.
Wackel-Brücke
Beweglicher Holzsteg von rund 15 Metern Länge, der beim Begehen sanft schwingt. Kinder lieben die Bewegung, die Konstruktion ist mit Geländern beidseits gesichert und auch für ängstliche Erwachsene begehbar.
Hör-Station und Klangröhren
Mehrere Lauschpunkte mit Holzröhren leiten Geräusche aus dem Wald gezielt ans Ohr. Wer ruhig steht, hört Spechte, Tannenmeisen und Eichhörnchen oft deutlicher als am Boden.
Barfußpfad
Kurzer Abschnitt mit unterschiedlichen Untergründen wie Kies, Rinde, Moos und glatten Holzscheiben. Zum Ausprobieren ohne Schuhe, mit Bank zum Wechseln und einem kleinen Wasserbecken am Ende.
Schief-Haus
Begehbares Holzgebäude, in dem alle Wände, Böden und Möbel um einige Grad geneigt sind. Das Auge meldet senkrecht, der Gleichgewichtssinn protestiert, ein klassischer Wahrnehmungs-Effekt zum Ausprobieren.
SinnesWandel-Turm
52 Meter hoher Aussichtsturm mit schiefen Wänden und verzerrten Innenräumen. Krönung des Rundwegs, oft 20 bis 30 Minuten Aufenthalt mit Blick über den Vorderen Bayerischen Wald.
Waldwipfelweg Maibrunn im Vergleich mit anderen Pfaden
Maibrunn ist kürzer als die großen Pfade der Erlebnis Akademie AG, punktet aber mit dem ungewöhnlich hohen SinnesWandel-Turm und einem ganzen Parcours an Wahrnehmungs-Stationen, die den Besuch zu einem familienfreundlichen Halbtag machen.
Geschichte und Träger
Sankt Englmar ist seit den 1960er Jahren als Höhenluftkurort und Wintersport-Ort etabliert, der Waldwipfelweg in Maibrunn entstand in seiner ersten Form bereits in den 1980er Jahren als einfacher hölzerner Aussichtssteg und gilt damit als einer der ältesten begehbaren Wipfelpfade Deutschlands. Die heutige Anlage mit SinnesWandel-Turm, Schief-Haus und Erlebnis-Stationen wurde 2009 grundlegend neu konzipiert und seitdem in mehreren Etappen erweitert. Betrieben wird der Pfad von der Gemeinde Sankt Englmar in Kooperation mit einem privaten Pächter, die Einnahmen fließen in den Erhalt der Stege und in die Erweiterung der Stationen.
Sankt Englmar als Höhenluftkurort
Die Gemeinde Sankt Englmar liegt auf einer Hochfläche zwischen 760 und 1.000 Metern Höhe und ist seit 1972 staatlich anerkannter Luftkurort. Der Ort lebt vor allem vom Sommertourismus mit Wandern, Mountainbike und Familienprogramm, im Winter ergänzen kleinere Skigebiete und Loipen das Angebot. Der Waldwipfelweg zählt neben dem Bayerwald-Tierpark zu den meistbesuchten Familien-Attraktionen der Gemeinde.
Erweiterungen seit 2009
Nach der Neueröffnung 2009 wurde der Pfad in mehreren Schritten erweitert, dazu zählen neue Sinnes-Stationen, ein Spiegel-Tunnel sowie ein erweiterter Barfußpfad mit Wasserbecken. Auch das Eingangsgebäude wurde modernisiert und um einen Kiosk, einen kleinen Souvenir-Shop und ein größeres barrierefreies WC ergänzt. In Maibrunn selbst stehen einige Gasthöfe und Ferienwohnungen, die direkt vom Waldwipfelweg profitieren.
Praktische Tipps für den Besuch
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Eintritt und Familienticket
Erwachsene zahlen rund zwölf Euro, Kinder zwischen sechs und 15 Jahren neun Euro, Familien bekommen ein vergünstigtes Familienticket. Tickets gibt es ausschließlich an der Kasse am Eingang, Online-Reservierung ist meist nicht nötig, da auch in der Hochsaison genug Kapazität vorhanden ist.
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Beste Uhrzeit für den Besuch
Vormittags zwischen zehn und zwölf Uhr ist die Belastung am höchsten, weil viele Familien aus den umliegenden Hotels und Ferienwohnungen direkt nach dem Frühstück anreisen. Ab 14 Uhr leeren sich die Stege spürbar, der späte Nachmittag mit weichem Licht im Wald ist die schönste Zeit für Fotografen.
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Barrierefreiheit eingeschränkt
Der Wipfelpfad selbst ist mit Kinderwagen und Rollstuhl befahrbar, der SinnesWandel-Turm jedoch nur über Treppen begehbar, das Schief-Haus ebenfalls nicht barrierefrei. Behindertenparkplätze gibt es direkt am Eingang, ein barrierefreies WC im Eingangsgebäude.
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Schlechtwetter ist kein Hindernis
Bei Regen ist der Pfad weiterhin geöffnet, lediglich bei Sturm und Gewitter wird er kurzfristig gesperrt. Festes Schuhwerk und eine Regenjacke reichen, im Schief-Haus und im SinnesWandel sind die Innenräume ohnehin überdacht.
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Kombi mit Tierpark einplanen
Wer einen ganzen Tag in Sankt Englmar verbringt, kombiniert den Waldwipfelweg vormittags mit dem Bayerwald-Tierpark am Nachmittag. Beide Anlagen sind in wenigen Autominuten erreichbar, gemeinsam ergibt sich ein abwechslungsreiches Familienprogramm ohne lange Fahrtwege.
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Hunde sind erlaubt
Hunde dürfen an der Leine mit auf den Pfad und in das Schief-Haus, im SinnesWandel-Turm bleibt der Hund am Eingang oder wird getragen. Ein eigenes Ticket für den Hund ist nicht nötig, Wassernäpfe stehen am Eingang bereit.
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Öffnungszeiten und Saison
Geöffnet ist der Waldwipfelweg in der Regel von Anfang April bis Ende Oktober, in der Hauptsaison täglich von neun bis 18 Uhr, im Frühjahr und Herbst von zehn bis 17 Uhr. Der letzte Einlass ist eine Stunde vor Schluss, im Winter bleibt die Anlage geschlossen.
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Gastronomie vor Ort
Am Eingang gibt es einen kleinen Kiosk mit Kaffee, Brezen und einfachen Snacks. Wer warm essen möchte, kehrt in den Wirtschaften in Maibrunn oder in Sankt Englmar ein, beide Orte bieten bayerische Küche zu fairen Preisen. Eine eigene Brotzeit ist am Picknickplatz vor dem Eingang willkommen.
Insider-Tipps
Für Familien mit kleinen Kindern
Kinder ab drei Jahren laufen den Pfad meist selbstständig durch, kleinere Geschwister passen problemlos in einen Kinderwagen. Plant für die Tour mit Kindern eher zweieinhalb als zwei Stunden ein, vor allem die Wackel-Brücke und das Schief-Haus laden zum längeren Verweilen ein. Eine Brotzeit im Rucksack hilft, am Picknickplatz vor dem Eingang lässt sich gut pausieren.
Für Fotografen
Die spannendsten Motive sind die schräg gestellten Wände im SinnesWandel-Turm und die geneigten Räume im Schief-Haus, beide bieten überraschende Linien und ungewöhnliche Perspektiven. Auch der Pfad selbst wirkt im Gegenlicht der späten Nachmittagsstunden eindrucksvoll, eine Stunde vor Sonnenuntergang ist Goldene Stunde am Wipfelweg.
Für Naturinteressierte
Im Sommerhalbjahr bieten der Bayerische Wald-Verein und die Tourist-Information in Sankt Englmar geführte Wanderungen rund um Maibrunn an, einige davon enden direkt am Waldwipfelweg. Themen reichen von Bergmischwald über Spechte bis zu den Brauchtumsspuren der Region, die Termine hängen in der Eingangshalle aus.



