Der Waldseilgarten Frauenau liegt am Rand des Nationalparks Bayerischer Wald, etwa zwei Kilometer nordöstlich der Glasstadt Frauenau und auf rund 660 Metern Höhe. Auf einer bewaldeten Fläche von etwa 1,2 Hektar verteilen sich mehrere Parcours unterschiedlicher Schwierigkeit, die höchste Plattform sitzt rund 18 Meter über dem Waldboden. Eröffnet wurde die Anlage in der ersten Hälfte der 2010er-Jahre, sie ergänzt das touristische Angebot rund um den Frauenauer Stausee, das Glasmuseum und die Nationalpark-Eingänge bei Spiegelau. Im weiteren Umkreis betreiben Waldkirchen, Schönberg und Geiersthal eigene Kletter- und Waldseilparks — der Bayerwald hat sich damit zu einer der dichtesten Hochseilregionen Bayerns entwickelt.
Anreise und Erreichbarkeit
Frauenau liegt im südöstlichen Bayerischen Wald, etwa auf halber Strecke zwischen Zwiesel und dem Nationalpark-Eingang bei Spiegelau. Der Waldseilgarten ist von der Ortsmitte aus über die Straße Richtung Flanitzhütte ausgeschildert und mit dem Auto in wenigen Minuten erreichbar. Parkplätze stehen direkt am Eingang zur Verfügung, an Wochenenden in den Sommerferien empfiehlt sich frühe Anreise vor 11 Uhr.
Mit dem Auto
Aus Norden über die A93 Regensburg–Hof und die A3 Richtung Passau, Ausfahrt Deggendorf, weiter über die B11 nach Regen und die B85 nach Zwiesel. Ab Zwiesel führt die Staatsstraße in rund zwölf Kilometern nach Frauenau. Aus dem Münchner Raum lohnt sich die A92 Richtung Deggendorf mit Anschluss an dieselbe Strecke. Von Passau aus ist die Anreise über die B85 durch den Lallinger Winkel landschaftlich besonders schön, dauert aber rund 70 Minuten.
Mit der Bahn und dem ÖPNV
Frauenau hat einen eigenen Bahnhof an der Waldbahn-Strecke Plattling–Zwiesel–Bayerisch Eisenstein. Die Züge der Waldbahn verkehren im Stundentakt aus Plattling, das wiederum direkt an die Fernverkehrslinie München–Passau angebunden ist. Vom Bahnhof Frauenau bis zum Waldseilgarten sind es rund 25 Minuten zu Fuß durch den Ort oder eine kurze Taxifahrt. Die Bayerwald-Ticket-Tarife des Verkehrsverbunds Bayerischer Wald gelten auf der Strecke und bündeln Bahn, Bus und Eintrittsvergünstigungen.
Vor Ort bewegen und Parken
Der Parkplatz am Waldseilgarten ist kostenfrei und fasst etwa 40 Fahrzeuge. Ein Sanitärgebäude mit Wickeltisch sowie ein kleiner Kiosk mit Getränken und Snacks befinden sich am Eingang. Für Wanderer bietet sich die Kombination mit dem Frauenauer Rundwanderweg an, der vom Parkplatz aus erreichbar ist.
Das Konzept Waldseilgarten — vom Niedrig- zum Hochparcours
Anders als ein klassischer Klettersteig oder eine Indoor-Halle setzt der Waldseilgarten auf den natürlichen Baumbestand als Strukturträger. Stahlseile, Holzplattformen und temporäre Befestigungen werden so verbaut, dass die Bäume nicht beschädigt werden — in der Regel über breite Manschetten, die einmal im Jahr nachjustiert werden. Daraus entstehen Parcours, die sich auf verschiedenen Höhenebenen durch den Wald ziehen und ganz unterschiedliche Bewegungsmuster verlangen.
Niedrigseilgarten als Aufwärmer
In Frauenau startet jeder Besuch auf einem ebenerdigen Übungsparcours. Hier erklärt das Personal die Handhabung von Klettergurt, Karabiner und dem sogenannten Smart-Belay-System, das ein versehentliches Aushängen beider Sicherungen verhindert. Die Übungsstrecke ist nur 50 Zentimeter über dem Boden und dauert etwa 15 Minuten.
Familien- und Einsteiger-Parcours
Die mittlere Ebene zwischen drei und fünf Metern Höhe richtet sich an Familien mit Kindern ab etwa sieben Jahren. Hier finden sich wackelnde Holzbrücken, kurze Seilrutschen und Trittseil-Übergänge — anspruchsvoll genug, um Spaß zu machen, aber ohne große Höhenangst auszulösen.
Hochparcours und Tarzansprung
Auf den oberen Plattformen zwischen 12 und 18 Metern Höhe wird es ernst. Hängende Reifen, Balancier-Drähte und ein Tarzansprung, bei dem man sich an einem freien Seil in ein Sprungnetz wirft, sind die spektakulärsten Stationen. Eine längere Seilbahn führt am Ende auf einer Strecke von etwa 90 Metern zurück zum Boden.
Die sechs zentralen Stationen im Überblick
Übungsparcours
Niedriger Einstieg auf 50 Zentimeter Höhe, dient der Einweisung in Gurt und Smart-Belay. Pflicht für alle Besucher unabhängig von Vorerfahrung.
Kinder-Loop
Etwa 14 Stationen auf zwei bis drei Metern Höhe, ausgelegt für Körpergrößen ab 110 Zentimeter. Mit kurzen Hängebrücken und einer Mini-Seilbahn.
Mittelparcours
Rund 18 Elemente auf 6 bis 8 Metern, geeignet ab etwa zwölf Jahren oder 140 Zentimeter Körpergröße. Mischt Balance- und Kraft-Aufgaben.
Hochparcours
Mehrere Plattformen zwischen 12 und 18 Metern, mit hängenden Reifen, Trittseilen und einer 30-Meter-Zwischen-Seilrutsche im Wald.
Tarzansprung
Auf 14 Metern Höhe wirft man sich an einem freien Pendelseil in ein gespanntes Auffangnetz. Der psychologisch härteste Punkt im Parcours.
Lange Seilrutsche
Abschluss-Seilbahn über etwa 90 Meter und mit leichtem Höhenversatz bis zur Brems-Plattform. Selbstbremsung über Trolley, kein Personal nötig.
Kletterparks im Bayerischen Wald im Vergleich
Preise sind Tagestickets nach Aushang der Betreiber, Stand letzter Saisonbeginn. Kinderpreise liegen je nach Park zwischen 14 und 22 Euro, Familienkarten reduzieren den Stückpreis um ungefähr 10 bis 15 Prozent.
Regionale Charakteristik der vier Nachbar-Parks
Wer nicht zum ersten Mal in einen Kletterwald geht oder mehrere Tage im Bayerischen Wald verbringt, sollte den Vergleich mit den Nachbar-Anlagen nicht scheuen. Jede der fünf großen Anlagen in der Region hat ein eigenes Profil.
Waldkirchen — der breite Allrounder
Der Kletterwald Waldkirchen im Landkreis Freyung-Grafenau liegt in der Nähe des Karoli-Erlebnisbads und bietet mit sieben Parcours die größte Auswahl. Eine besonders lange Seilrutsche und ein gut ausgebauter Kinderbereich machen die Anlage zur ersten Wahl für Familien mit gemischten Altersgruppen.
Schönberg — kompakt und günstig
Der Hochseilgarten Schönberg im Landkreis Freyung-Grafenau ist kleiner, dafür preislich der günstigste der Region. Ein vereinfachtes Doppelkarabiner-System verzichtet auf das Smart-Belay, der Kletterer muss bei jedem Plattformwechsel selbst umhängen — was für eingewiesene Erwachsene kein Problem ist, für Kinder unter zwölf Jahren aber engere Betreuung verlangt.
Geiersthal — Familien-Schwerpunkt mit Arber-Blick
Die Anlage in Geiersthal liegt zwischen Viechtach und Bodenmais und kombiniert Klettern mit Wandern in der Arber-Region. Die Kinderparcours sind besonders ausgefeilt, und der Blick vom Hochparcours reicht bei klarem Wetter bis zum Großen Arber.
Sankt Englmar — Verbindung mit Predigtstuhl
In Sankt Englmar im Landkreis Straubing-Bogen verbindet sich der Waldseilgarten mit der Predigtstuhl-Bahn und einem Sommerrodelbahn-Areal. Ein Continuous-Belay-System, bei dem die Karabiner durchlaufende Schienen entlang gleiten, gilt als das sicherste Konzept und ist besonders kinderfreundlich.
Wetter, Saison und Buchung
Die Saison im Waldseilgarten Frauenau beginnt traditionell zu Ostern und endet mit den bayerischen Herbstferien Anfang November. Der genaue Start hängt vom Wetter ab — bei Schneeresten in den höheren Lagen verzögert sich die Sicherheitsabnahme der Parcours manchmal bis Mitte April. Im Hochsommer ist der Wald angenehm schattig, doch bei Gewitter wird der Park sofort geräumt, weil Stahlseile als Blitzableiter wirken können.
Voranmeldung und Online-Tickets
In den Schulferien lohnt sich eine Voranmeldung per Telefon oder über das Buchungssystem des Betreibers. Gruppen ab zehn Personen, Schulklassen und Geburtstagsrunden sollten mindestens zwei Wochen im Voraus reservieren. Spontane Einzelbesuche sind außerhalb der Hauptsaison meist problemlos möglich.
Stornierung bei Regen
Leichter Regen ist im Wald oft erträglich, weil die Baumkronen viel abfangen — bei Dauerregen oder Sturm jedoch schließt der Park. Im Falle einer wetterbedingten Stornierung gibt der Betreiber Gutscheine aus, die innerhalb der laufenden Saison eingelöst werden können.
Praktische Tipps für den Waldseilgarten-Besuch
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Familienkarte rechnet sich
Ab drei Personen ist die Familienkarte günstiger als Einzeltickets. Wer mit Großeltern oder Patenkind reist, sollte vorher nachfragen, ob diese Konstellation als Familie zählt.
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Frühe Anreise vor 11 Uhr
In den Schulferien füllt sich der Park ab Mittag. Wer um 9:30 Uhr startet, schafft eine entspannte Einweisung und alle Parcours ohne Schlange an den Plattformen.
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Kombi mit Glasmuseum oder Stausee
Ein typischer Tagesablauf endet mit erschöpften Armen — perfekt, um danach ruhig durch das Glasmuseum zu schlendern oder am Frauenauer Stausee Brotzeit zu machen.
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Schuhwerk mit fester Sohle
Sandalen oder offene Schuhe sind im Parcours verboten. Wanderschuhe oder Turnschuhe mit fester Sohle und Schnürung sind Pflicht, sonst kommt man nicht in den Gurt.
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Lange Haare zusammenbinden
Wer lange Haare hat, sollte sie zu einem Zopf binden oder ein Stirnband tragen — Seilrutschen am Helm können sonst unangenehm ziehen.
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♿
Barrierefreiheit eingeschränkt
Der Eingangsbereich und der Übungsparcours sind ebenerdig, doch die Hochparcours setzen volle Greifkraft in beiden Händen voraus. Menschen mit motorischen Einschränkungen sollten vorab telefonisch klären, welche Stationen für sie infrage kommen.
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Sonnenschutz mitnehmen
Auf den höchsten Plattformen ist das Blätterdach lichter, dort brennt die Sonne im Sommer durch. Sonnencreme und eine kleine Trinkflasche im Brustgurt erleichtern den Tag spürbar.
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Wetter-Check am Morgen
Der Park entscheidet kurzfristig über Öffnung oder Schließung. Ein Anruf vor der Anreise spart 45 Minuten Fahrt, wenn das Gewitter über dem Rachel hängt.
Insider-Tipps
Wann sich ein Kombi-Ticket mit anderen Attraktionen lohnt
Die Bayerwald-Card und das Bayerwald-Ticket reduzieren je nach Saison den Eintritt um etwa 10 bis 15 Prozent und bündeln Bahn, Bus und ausgewählte Attraktionen. Wer ohnehin Nationalpark-Tierfreigelände, Glasstraße und Kletterwald besucht, fährt mit der Card oft günstiger als mit Einzeltickets.
Kletterwald-Geburtstag organisieren
Die meisten Anbieter in der Region haben Geburtstagspakete im Programm — Frauenau bietet eine Variante mit Klettern, Picknick und Urkunde ab acht Kindern. Wichtig ist die rechtzeitige Anmeldung mindestens drei Wochen vorher, weil Wochenend-Termine in der Hochsaison schnell ausgebucht sind.



