Sizilien ist mit 25.711 Quadratkilometern die größte Insel des Mittelmeers — Schichten aus griechischer Antike, römischen Mosaiken, arabisch-normannischer Architektur und spanischem Barock haben hier mehr Spuren hinterlassen als irgendwo sonst in Europa. Während Taormina, der Ätna und Palermo längst auf jeder Bucket-List stehen, verbergen sich abseits davon Schätze, die selbst Italien-Kenner überraschen. Im Süden liegt das Tal der Tempel von Agrigent mit sieben dorischen Tempeln als größte antike Tempel-Landschaft außerhalb Griechenlands. Selinunte besitzt mit 270 Hektar das größte Ruinenfeld Europas, Segesta einen einsamen, perfekt erhaltenen Tempel über einer Schlucht. Die Villa Romana del Casale bei Piazza Armerina zeigt auf 3.500 Quadratmetern die schönsten römischen Mosaiken der Welt. Im Südosten erstreckt sich der Spätbarock-Bezirk Val di Noto mit den UNESCO-Städten Noto, Ragusa Ibla, Modica und Scicli — nach dem Erdbeben von 1693 in einem Guss neu errichtet. Strände wie die Spiaggia dei Conigli auf Lampedusa, die weiße Felsenklippe Scala dei Turchi und der karibische Sand von San Vito Lo Capo zählen zu den schönsten Europas. Wer 10 bis 14 Tage einplant, kann eine Schleife aus drei Regionen anlegen.
Anreise und Erreichbarkeit
Sizilien ist von Mitteleuropa per Flug schnell erreichbar, hat zwei große Drehkreuze in Palermo und Catania und ein Sekundär-Drehkreuz im Westen bei Trapani. Wer Festland-Italien mit Sizilien kombinieren will, nutzt die Fähren der Reederei Caronte&Tourist über die Straße von Messina von Villa San Giovanni in Kalabrien aus.
Mit dem Flugzeug
Catania-Fontanarossa (CTA) im Osten ist der größte Flughafen Siziliens mit Direktverbindungen ab Frankfurt, München, Düsseldorf, Wien, Zürich, Genf und Berlin in 2:15 bis 2:45 Stunden, betrieben von Lufthansa, Eurowings, Ryanair, easyJet und Swiss. Palermo-Punta Raisi (PMO) im Nordwesten wird ähnlich gut angeflogen und ist ideal für eine West-Schleife. Trapani-Birgi (TPS) bedient seit 2024 wieder mehr Ryanair-Routen und ist für die Egadi-Inseln, Erice und das Tal der Tempel günstig gelegen. Comiso (CIY) bei Ragusa wird saisonal von Ryanair angeflogen und passt für das Val di Noto.
Mit der Bahn und Fähre
Eine Bahnverbindung von Mitteleuropa bis Sizilien dauert 24 bis 36 Stunden und führt über Mailand und Rom nach Villa San Giovanni in Kalabrien. Hier kommt das spektakuläre Detail zum Tragen — der Zug wird vor der Straße von Messina komplett in eine Fähre verladen, in Messina wieder ausgeladen und fährt weiter. In Sizilien selbst übernehmen die Trenitalia-Regionalzüge, Hauptstrecken sind Messina-Catania-Siracusa und Palermo-Catania.
Mit dem Auto
Mit dem eigenen Wagen führt der Weg durch ganz Italien bis Villa San Giovanni in Kalabrien (Mailand-Villa San Giovanni rund 1.300 km, 13 bis 14 Stunden) und mit Caronte&Tourist oder Bluferries über die Straße von Messina. Die Fahrt dauert 20 Minuten und kostet rund 45 bis 60 Euro für einen Pkw mit zwei Personen, sie verkehrt rund um die Uhr im 30-Minuten-Takt. Alternativ Auto-Fähren ab Genua, Livorno, Civitavecchia, Neapel oder Salerno direkt nach Palermo oder Catania mit Grimaldi Lines oder GNV.
Vor Ort bewegen
Ein Mietwagen ist auf Sizilien fast unverzichtbar — viele Schätze liegen abseits der Bahnstrecken, etwa Selinunte, Segesta, die Villa Romana del Casale, Erice oder die Salinen von Trapani. Mietwagen ab 35 Euro pro Tag in Nebensaison, in der Hochsaison Juli und August 60 bis 100 Euro. Die Autobahnen A19 (Palermo-Catania) und A20 (Palermo-Messina) sind kostenfrei, die A18 kostet rund 7 Euro Maut. Die Inseln vor Sizilien erreichen kleine ATR-Flugzeuge sowie Schnellfähren der Liberty Lines und Siremar.
Antike Schätze — Sizilien als Magna Graecia
Sizilien war ab dem 8. Jahrhundert v. Chr. Teil der Magna Graecia und besass mit Syrakus, Akragas (heute Agrigent) und Selinunt einige der mächtigsten griechischen Polis-Städte überhaupt. Die antiken Ruinen der Insel übertreffen viele in Griechenland an Erhaltungszustand, weil sie nicht ständig überbaut wurden — Agrigent, Selinunte und Segesta sind die drei großen Namen.
Tal der Tempel in Agrigent — UNESCO-Welterbe seit 1997
Das Tal der Tempel (Valle dei Templi) bei Agrigent ist mit 1.300 Hektar einer der größten archäologischen Parks der Welt. Sieben dorische Tempel aus dem 6. und 5. Jahrhundert v. Chr. säumen einen Höhenrücken oberhalb der modernen Stadt. Der Concordia-Tempel von 440 v. Chr. ist der besterhaltene dorische Tempel der Welt — fast vollständig stehend, weil er später als christliche Basilika weitergenutzt wurde. Der Hera-Lacinia-Tempel und der gewaltige Olympieion-Tempel mit 38 mal 113 Metern Grundfläche zählen ebenso zum Park wie die Telamonen-Atlanten. Eintritt 12 Euro, beste Zeit früh morgens oder ab 17 Uhr im Sommer. Im April und Mai blühen die Mandelbäume zwischen den Tempelsäulen — eines der ikonischen Sizilien-Motive.
Selinunte — das größte Ruinenfeld Europas
Selinunte an der Südwestküste umfasst rund 270 Hektar und ist damit der größte archäologische Park Europas. Die griechische Polis wurde 628 v. Chr. gegründet und 409 v. Chr. von Karthago zerstört. Acht Tempel-Ruinen — bezeichnet mit Buchstaben A bis G und O, da die Götter-Zuordnung unsicher bleibt — verteilen sich auf zwei Plateaus. Der teil-rekonstruierte Tempel E steht mit allen 38 Säulen am östlichen Hügel. Anders als in Agrigent fühlt man sich hier oft fast allein. Eintritt 8 Euro, im westlichen Bezirk steht zudem der antike Steinbruch Cave di Cusa mit unvollendeten Säulen-Trommeln.
Segesta — dorischer Tempel und Theater über der Schlucht
Segesta im Westen Siziliens gehörte den Elymern, einem Volk in Konkurrenz zur griechischen Selinunte. Der unvollendete dorische Tempel von Segesta aus dem 5. Jahrhundert v. Chr. mit 36 Säulen ist eines der ikonischsten Bilder Siziliens — er steht isoliert auf einem Hügel umgeben von Wildblumen. Da der Tempel nie ein Dach erhielt und nie geweiht wurde, blieb er fast vollständig stehen. Auf dem 305 Meter hohen Monte Bárbaro liegt das antike griechische Theater aus dem 3. Jahrhundert v. Chr. mit Blick bis zum Golf von Castellammare. Eintritt 6 Euro.
Villa Romana del Casale bei Piazza Armerina — UNESCO-Mosaiken
Die Villa Romana del Casale bei Piazza Armerina im Inneren Siziliens beherbergt auf rund 3.500 Quadratmetern die besterhaltenen römischen Bodenmosaiken der Welt — UNESCO-Welterbe seit 1997. Die Luxus-Villa aus dem späten 3. bis frühen 4. Jahrhundert n. Chr. war nach einem Erdrutsch im 12. Jahrhundert komplett überdeckt und wurde erst ab 1929 ausgegraben. Berühmt sind das Mosaik der Bikini-Mädchen mit zehn Sportlerinnen in Zweiteilern, die 60 Meter lange Große Jagd-Mosaik-Galerie mit afrikanischen Wildtieren und die Herakles-Heldentaten im Triclinium. Eintritt 12 Euro, beste Zeit Vormittag wegen Lichteinfall.
Syrakus, Ortygia und der Spätbarock-Bezirk Val di Noto
Der Südosten Siziliens trägt zwei UNESCO-Welterben gleichzeitig — Syrakus mit der Felsnekropole von Pantalica seit 2005 und die Spätbarock-Städte des Val di Noto seit 2002. Nach dem großen Erdbeben von 1693, das die ganze Region zerstörte, wurden Noto, Ragusa, Modica, Scicli, Caltagirone und Palazzolo Acreide in einem Guss im sizilianischen Barockstil neu errichtet — goldgelber Sandstein, geschwungene Fassaden, Balkone mit Putten-Trägern und Gargoyles.
Syrakus und die Insel Ortygia
Syrakus war einst die mächtigste Stadt der griechischen Welt mit 300.000 Einwohnern und Geburtsort des Mathematikers Archimedes. Die historische Altstadt liegt auf der vorgelagerten Insel Ortygia, durch zwei Brücken mit dem Festland verbunden. Hier stehen der Dom auf den Säulen des Athena-Tempels aus dem 5. Jahrhundert v. Chr., die Arethusa-Quelle mit Papyrus-Bewuchs und der Apollon-Tempel als ältester dorischer Tempel Siziliens. Im Archäologischen Park Neapolis liegen das griechische Theater und das Ohr des Dionysios — eine 23 Meter hohe Höhle mit außergewöhnlicher Akustik. Eintritt Park 13,50 Euro.
Noto — Hauptstadt des sizilianischen Barocks
Noto wurde nach 1693 acht Kilometer entfernt vom zerstörten Noto Antica neu errichtet und ist das reinste Beispiel sizilianischen Barocks. Die Corso Vittorio Emanuele führt mit drei Plätzen durch die Stadt — Piazza Immacolata, Piazza Municipio mit dem Dom und Piazza XVI Maggio. Sehenswert ist der Palazzo Nicolaci di Villadorata mit seinen geschnitzten Putten- und Pferde-Balkonkonsolen. Jedes Jahr im Mai schmücken Künstler die Hauptstraße mit dem Blumenteppich Infiorata.
Ragusa Ibla — Stadtteil-Schmuckstück über der Schlucht
Ragusa besteht aus zwei Teilen — dem moderneren Ragusa Superiore auf dem Plateau und dem alten Ragusa Ibla, das nach dem Erdbeben am Originalstandort wiederaufgebaut wurde. 14 von 18 sizilianischen UNESCO-Bauten stehen in Ragusa Ibla, das von oben wie ein Schiff aus honigfarbenem Stein wirkt. Zentrum ist die Piazza del Duomo mit dem Dom San Giorgio von Rosario Gagliardi (1738). Die Krimi-Serie Commissario Montalbano nutzt Ragusa Ibla regelmässig als Drehort.
Modica — Schokoladenstadt mit zwei Domen
Modica an einer Y-förmigen Schlucht ist berühmt für ihre kalt verarbeitete Modica-Schokolade, ein aztekisches Rezept, das die Spanier im 16. Jahrhundert mitbrachten. Die Schokolade wird bei maximal 40 Grad verarbeitet, so dass Zuckerkristalle erhalten bleiben und die Tafel eine markant körnige Textur hat. Klassische Sorten sind Vanille, Zimt, Chili und Meersalz, geführte Verkostungen bei Antica Dolceria Bonajuto seit 1880. Die Stadt hat zwei imposante Dome — San Pietro und San Giorgio mit fünfflügeliger Fassade.
Cefalù, Taormina und die Tyrrhenische Nordküste
Die Tyrrhenische Nordküste Siziliens präsentiert sich mit kristallklarem Wasser, mittelalterlichen Hafenstädten und einem dramatischen Hinterland aus dem Madonie-Gebirge.
Cefalù — normannischer Dom unter dem Felsen
Cefalù an der Nordküste liegt malerisch unter einem 270 Meter hohen Kalkfelsen, der La Rocca. Wahrzeichen ist der normannische Dom von 1131 mit byzantinischen Mosaiken in der Apsis — ein 7 Meter hoher Christus Pantokrator gilt als eines der schönsten byzantinischen Werke außerhalb Konstantinopels. Der Dom ist Teil des UNESCO-Welterbes Arabisch-Normannisches Palermo, Cefalù und Monreale seit 2015. Sehenswert sind die mittelalterliche Wäscherei Lavatoio Medievale und der einstündige Aufstieg zur Felsenburg-Ruine.
Taormina und Teatro Antico
Taormina auf einem 200 Meter hohen Balkon über der Ostküste ist seit dem 18. Jahrhundert das berühmteste Reiseziel Siziliens — Goethe, Wagner und Truman Capote haben hier gelebt. Hauptattraktion ist das Teatro Antico, ein griechisch-römisches Theater aus dem 3. Jahrhundert v. Chr. mit perfektem Blickfang — die Bühnen-Ruine rahmt im Hintergrund den Ätna und die Bucht von Naxos ein. Eintritt 14 Euro, im Sommer Spielort des Taormina Film Festivals. Vom kleinen Strand Isola Bella unterhalb führt ein Pfad zu Mazzaro mit Bootsverleih.
Westsizilien — Erice, Trapani und die Salinen
Der Westen Siziliens ist das authentischste, am wenigsten touristisch geprägte Drittel der Insel — bis ins 18. Jahrhundert spürbar arabisch-spanisch geprägt, mit eigener Küche (Couscous in Trapani, Pesto Trapanese), eigenen Weinen (Marsala) und eigenen Inselgruppen.
Erice — mittelalterliche Bergstadt auf 751 Metern
Erice thront auf einem isolierten Berg über Trapani auf 751 Metern Höhe — eine Pflasterstein-Stadt mit 60 Kirchen und einem der spektakulärsten Aussichtspunkte Siziliens. Bei klarer Sicht reicht der Blick bis zu den Egadi-Inseln, dem Cape Bon in Tunesien und am östlichen Horizont sogar bis zum Ätna. Wahrzeichen ist das Castello di Venere aus dem 12. Jahrhundert — angeblich am Ort eines antiken Aphrodite-Tempels. Eine Seilbahn ab Trapani fährt für 11 Euro hinauf. Spezialität sind die Genovesi-Kekse aus der Pasticceria Maria Grammatico.
Trapani und die Saline di Trapani
Trapani ist die Hafenstadt am Westende Siziliens mit einer halbmondförmigen Altstadt zwischen zwei Meeren, berühmt für die 24-stündige Karwochenprozession der Misteri mit 20 lebensgroßen Holzfiguren. Südlich der Stadt erstrecken sich die Saline di Trapani e Paceco — Salinen, in denen seit phönizischer Zeit Meersalz gewonnen wird, heute Naturschutzgebiet mit Flamingos und über 200 Vogelarten. Die kleine Insel Mozia mit phönizischen Ruinen erreicht eine Fähre durchs Salinen-Becken. Bei Sonnenuntergang färben sich die Becken zwischen den traditionellen Windmühlen rosa.
Marettimo — wildeste Egadi-Insel
Die Egadi-Inseln liegen rund 20 Kilometer westlich von Trapani und umfassen Favignana, Levanzo (mit prähistorischer Höhlenmalerei in Grotta del Genovese) und Marettimo (die wildeste). Marettimo mit nur 700 Einwohnern auf 12 Quadratkilometern hat keine Autos im Kern, nur ein Hafendorf mit Bootstaxis zu versteckten Buchten wie Grotta del Cammello und Grotta del Tuono. Anreise per Schnellfähre Liberty Lines ab Trapani in 60 Minuten.
Inseln vor Sizilien — Lampedusa, Stromboli und die Liparischen
Lampedusa und die Spiaggia dei Conigli
Lampedusa, näher an Afrika (113 Kilometer Tunesien) als an Sizilien (205 Kilometer Porto Empedocle), ist Italiens südlichster Punkt. Berühmt ist die Spiaggia dei Conigli (Kaninchenstrand) im Süden, regelmässig als einer der schönsten Strände der Welt geführt — weißer Mehlsand, türkisblaues Wasser, vorgelagertes Felsinselchen Isola dei Conigli, das man bei Niedrigwasser zu Fuß erreicht. Der Strand liegt im Schutzgebiet, Zugang nur über Holzsteg. Brutplatz der unechten Karettschildkröte zwischen Juli und September. Anreise per Flug ab Catania, Palermo oder Rom in 60 bis 90 Minuten.
Stromboli und die Liparischen Inseln
Die Liparischen Inseln (Isole Eolie) sind seit 2000 UNESCO-Naturerbe und bestehen aus sieben bewohnten Vulkaninseln. Stromboli, ein 924 Meter hoher Vulkan, gehört zu den drei aktivsten Europas — er speit etwa alle 20 Minuten Lava aus, sichtbar besonders nachts vom Aussichtspunkt Sciara del Fuoco. Geführte Aufstiege sind seit den Eruptionen 2019 reguliert, Pflicht-Guide rund 30 Euro. Weitere Inseln sind Lipari (größte), Vulcano mit Schwefel-Schlammbädern, Salina (Filmdorf von Il Postino), Panarea (mondän) und Filicudi/Alicudi. Anreise per Schnellfähre ab Milazzo in 1 bis 3 Stunden.
Vulkan Ätna — höchster aktiver Vulkan Europas
Der Ätna an der Ostküste Siziliens ist mit rund 3.357 Metern Höhe (variabel je nach Eruption) der höchste aktive Vulkan Europas und seit 2013 UNESCO-Welterbe. Der Berg dominiert die Landschaft zwischen Catania und Taormina und ist ständig aktiv — zuletzt große Ausbrüche 2021 bis 2023. Mit Auto erreicht man auf 1.910 Meter den Rifugio Sapienza, ab dort fährt eine Seilbahn auf 2.500 Meter und Geländewagen bringen Besucher bis auf 2.900 Meter. Geführte Wanderungen zu den Hauptkratern dauern 4 bis 5 Stunden, Pflicht-Guide rund 80 Euro. Auf den Hängen wachsen Etna DOC-Weine wie Nerello Mascalese.
Scala dei Turchi und San Vito Lo Capo — Sizliens schönste Strände
Scala dei Turchi — weiße Felsenklippe bei Realmonte
Die Scala dei Turchi (Türkentreppe) bei Realmonte zwischen Agrigent und Porto Empedocle ist eine markante weiße Mergelklippe, die wie Marmor in das türkisblaue Meer abfällt. Der Name kommt von osmanischen Piraten, die hier im 16. Jahrhundert anlandeten, indem sie die natürlichen Stufen erklommen. Wegen Schäden durch Massentourismus ist der direkte Zugang zur Klippe seit 2020 eingeschränkt — Besichtigung vom benachbarten Strand Lido Rossello oder ab dem Aussichtspunkt oberhalb. Beste Fotozeit goldene Stunde am späten Nachmittag. Eintritt frei, Parkplatz kostenpflichtig 5 Euro.
San Vito Lo Capo — karibischer Sand am Cap
San Vito Lo Capo an der Nordwestspitze Siziliens hat einen 3 Kilometer langen Halbmond-Strand mit feinstem weißen Sand und türkisem Wasser — wer Karibik-Fotos in Europa machen will, kommt hierher. Der Strand wird vom Monte Monaco (532 Meter) und der weißen Wallfahrtskirche Santuario di San Vito eingerahmt. Westlich liegt das Naturschutzgebiet Riserva dello Zingaro, Italiens erstes Naturschutzgebiet von 1981 mit 7 Kilometer Küstenpfad über sieben Buchten — Cala dell'Uzzo, Cala Marinella, Cala Beretta — nur zu Fuß erreichbar, frei zugänglich gegen 5 Euro Eintritt. Im September findet der Cous Cous Fest statt — eine Hommage an die arabische Esskultur Westsiziliens.
Die wichtigsten verborgenen Schätze im Überblick
Tal der Tempel Agrigent
Sieben dorische Tempel auf 1.300 Hektar, UNESCO seit 1997. Concordia-Tempel als besterhaltener dorischer Tempel der Welt. Beste Zeit Mandelblüte Februar bis März oder kühle Morgenstunden im Sommer.
Selinunte
270 Hektar größtes Ruinenfeld Europas mit acht Tempel-Resten und Akropolis. Wenig touristisch erschlossen, oft fast alleine. Cave di Cusa mit unvollendeten Säulen-Trommeln seit 409 v. Chr.
Segesta
Unvollendeter dorischer Tempel mit 36 Säulen, einsam auf Hügel mit Wildblumen. Antikes Theater auf 305 Meter Monte Bárbaro mit Blick bis zum Golf von Castellammare.
Villa Romana del Casale
3.500 m² römische Mosaiken bei Piazza Armerina, UNESCO-Welterbe. Bikini-Mädchen, Große Jagd-Galerie, Herakles-Mythen. Konserviert durch Erdrutsch im 12. Jahrhundert.
Val di Noto und Ortygia
Spätbarock-UNESCO mit Noto, Ragusa Ibla, Modica und Scicli, errichtet nach Erdbeben 1693. Goldgelber Sandstein, geschwungene Fassaden. Syrakus-Ortygia mit Dom auf Athena-Tempel.
Lampedusa und Marettimo
Spiaggia dei Conigli auf Lampedusa als Top-3-Strand Weltranglisten, Brutplatz Caretta-Schildkröten. Marettimo als wildeste Egadi-Insel ohne Autos mit Bootstaxi-Buchten.
Sizilien-Regionen im Vergleich
Die fünf Hauptregionen Siziliens — wer 14 Tage hat, kombiniert idealerweise zwei bis drei Regionen mit dem Mietwagen, etwa Südküste plus Val di Noto plus Ostküste oder Nordwest plus Ostküste plus eine Inselgruppe.
Praktische Tipps für Sizilien-Reisen
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€
Open-Jaw-Flug Catania ein, Palermo aus
Wer beide Inselhälften kombiniert, spart einen halben Tag Auto-Rückfahrt mit einem Open-Jaw-Flug — Hinflug nach Catania, Rückflug ab Palermo. Eurowings, Lufthansa und Ryanair bieten beide Hubs an, die Aufpreise gegenüber Roundtrip sind minimal.
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Nebensaison Mai, Juni und September bevorzugen
Juli und August bringen oft über 35 Grad, in Inland-Städten wie Caltagirone auch über 40 Grad. Mai und Juni bieten 22 bis 28 Grad mit Mandel- und Mohnblüte zwischen den Tempeln, September warmes Meer und reife Trauben für Weingüter rund um den Ätna.
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Mietwagen ist Pflicht für die antiken Stätten
Selinunte, Segesta, Villa Romana del Casale, Saline di Trapani und die meisten Strände sind ohne Auto kaum erreichbar. Lokale Anbieter (Goldcar, Locauto, Sicily by Car) sind oft günstiger als große Ketten; Klimaanlage und ein kleiner Wagen unter 1,8 Meter Breite für die engen Gassen empfohlen.
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Tempel-Eintritte als Kombiticket buchen
Der Coopculture-Kombipass für Agrigent (Tal der Tempel) plus Villa Romana del Casale kostet 17 Euro und spart gegenüber Einzeltickets 7 Euro. Eintritt am späten Nachmittag, kühler und Park bis 22 Uhr (in der Hochsaison) zugänglich — Beleuchtung der Tempel bei Einbruch der Dunkelheit ist spektakulär.
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Reservieren in Ortygia und Ragusa Ibla
Die besten Trattorien in Ortygia (Don Camillo, Sicilia in Tavola) und Ragusa Ibla (Locanda Don Serafino, Duomo) sind im Hochsommer eine Woche im Voraus ausgebucht. Reservierung via TheFork-App oder telefonisch absichern, in Nebensaison oft noch am Tag möglich.
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Inselausflüge bei Wetter-Puffer
Liparische Inseln und Egadi sind bei Mistral- oder Schirokko-Winden mit über 6 Beaufort oft nicht anfahrbar. Wer Stromboli, Marettimo oder Lampedusa fix in der Route hat, plant einen Puffertag und vermeidet die Insel als letzte Station vor Rückflug.
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Ätna mit Guide statt allein
Oberhalb der Funivia-Bergstation auf 2.500 Meter darf nur mit zertifiziertem Guide weiter — die Lavafelder ändern sich nach jeder Eruption. Etna-Touren mit Volcano Trek oder Etna Touring kosten 80 Euro für 4 bis 5 Stunden inklusive Geländewagen und Stiefel. Festes Schuhwerk, lange Hose und Windjacke selbst im August Pflicht.
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Sizilianische Küche jenseits der Pizza
Klassiker sind Arancini (Reisbällchen, in Catania spitz, in Palermo rund), Pasta alla Norma mit Aubergine, Pasta con le Sarde mit Sardellen, Caponata als süß-saures Auberginenragout, Cannoli und Cassata. Trapani serviert eigenes Pesto Trapanese mit Mandeln und Tomate sowie Couscous mit Fisch — das arabische Erbe ist im Westen noch spürbar.
Insider-Tipps
Marzamemi und Vendicari
Der Naturpark Vendicari zwischen Noto und Pachino bietet vier flache Sandbuchten mit antiken Tonnaras (Thunfischfabriken), Flamingos in den Lagunen und kostenlosen Eintritt. Das Fischerdorf Marzamemi am Südende wirkt wie eine Filmkulisse — abends Pasta con i ricci (Seeigel-Pasta) in der Trattoria Cortile Arabo.
Pantalica und Caltagirone
Wenig bekannt ist die Felsnekropole Pantalica zwischen Syrakus und Sortino mit über 5.000 in den Fels gehauenen Kammergräbern aus dem 13. bis 7. Jahrhundert v. Chr. — UNESCO-Welterbe seit 2005. Caltagirone im Inland ist die Keramik-Hauptstadt Siziliens — die 142 Stufen lange Scalinata di Santa Maria del Monte ist mit handgefertigten Majolika-Fliesen verkleidet.




