Telluride liegt am Ende eines nach drei Seiten geschlossenen Box-Canyons in den San Juan Mountains im Südwesten Colorados, rund 530 km westlich von Denver. Die ehemalige Gold- und Silberminen-Stadt aus den 1870er Jahren steht als National Historic Landmark District komplett unter Denkmalschutz — viktorianische Holzfassaden an der Colorado Avenue, dahinter die 4.000er der San Juans. Eine kostenfreie Gondelbahn verbindet die alte Stadt auf 2.667 m mit dem höher gelegenen Mountain Village auf 2.896 m, dem Resort-Ortsteil mit Ski-In/Ski-Out-Hotels. Das Skigebiet kommt auf rund 2.000 acres und gehört mit 7,8 m Schnee pro Saison zu den schneesichersten Resorts der USA. Wer ein ruhigeres Aspen mit mehr Charakter und schwierigerem Anreiseweg sucht, ist hier richtig.
Anreise und Erreichbarkeit
Telluride zählt zu den abgelegensten Skiorten der USA — und das ist Teil seines Charakters. Die Stadt liegt in einem Hochtal, das nach Osten in eine senkrechte Felswand mündet, die nächstgelegenen Verkehrsflughäfen sind eine bis sieben Autostunden entfernt. Aktuelle Stadtinfos pflegt das Tourismusbüro auf visittelluride.com, Lift- und Pistenstatus auf tellurideskiresort.com.
Mit dem Flugzeug nach Montrose (MTJ)
Der pragmatische Weg für Europa-Reisende ist der Montrose Regional Airport (MTJ), 105 km nördlich. Im Winter direkte Verbindungen aus Denver, Houston, Dallas, Atlanta, Newark und Los Angeles. Aus Frankfurt oder München fliegst du über einen US-Hub (Houston, Newark, Atlanta) plus ESTA-Genehmigung nach MTJ. Vom MTJ-Terminal führt der Highway 550 südlich, dann Highway 62 und 145 in 1:30 Stunden über zwei Pässe nach Telluride. Mehrere Shuttle-Anbieter wie Telluride Express oder Mountain Limo fahren feste Linien für rund 90 USD pro Person und Strecke.
Mit dem Flugzeug nach Telluride (TEX)
Der Telluride Regional Airport (TEX) liegt 8 km westlich der Stadt auf einem Hochplateau auf 2.766 m — der höchstgelegene Verkehrsflughafen Nordamerikas mit Linienverkehr. Wegen der Höhe und der Tallage wird er nur saisonal von Denver Air Connection (über Denver) und Boutique Air angeflogen. Wetterbedingte Umleitungen nach MTJ sind im Winter Routine — wer hier landen will, sollte einen Pufferplan haben. Vom Terminal sind es 15 Minuten Shuttle bis in die Altstadt.
Mit dem Flugzeug nach Denver (DEN)
Der Denver International Airport (DEN) ist mit Direktflügen aus Frankfurt (Lufthansa, United) und München (Lufthansa) das günstige Tor nach Colorado, aber Telluride liegt 530 km westlich. Auf der I-70 westwärts bis Grand Junction, dann Highway 50 südlich nach Montrose und weiter über die 550 und 145 sind sechs bis sieben Stunden Fahrtzeit. Für reine Skifahrer zu lang, sinnvoll nur in Kombination mit ein bis zwei Übernachtungen unterwegs — etwa Glenwood Springs für die heißen Quellen oder Ouray als Zwischenstation.
Free Gondola und Galloping Goose
Telluride hat zwei kostenfreie öffentliche Verkehrsmittel — beide muss man kennen. Die Free Gondola ist eine seit 1996 ganzjährig betriebene Gondelbahn und überwindet in 13 Minuten die 600 Höhenmeter zwischen der alten Stadt am Talboden und Mountain Village auf der Sonnenseite. Drei Stationen, Betrieb von 7 bis 23 Uhr, kein Ticket nötig — die Stadt finanziert das System aus Resort-Abgaben, weil der Pendelverkehr per Auto über die Pässe im Winter unzuverlässig wäre. Der Galloping Goose ist ein kostenfreier Stadtbus innerhalb Tellurides und fährt die Hauptachsen alle 20 Minuten ab. Beide Systeme decken Resort-Pendler mit ab und ersetzen den Mietwagen für die meisten Gäste.
Mietwagen und Schneeketten
Mietwagen lohnt sich nur für Tagesausflüge nach Ouray, Silverton oder Mesa Verde — in Telluride selbst brauchst du keinen. Wer trotzdem fährt: Allradantrieb oder Schneeketten sind im Winter Pflicht auf den Pässen, vor allem auf der 145 zwischen Cortez und Telluride und auf dem Lizard Head Pass (3.117 m). Innenstadt-Parken ist knapp und teuer (Carhenge Parking Garage rund 25 USD pro Tag), Mountain Village hat dezentrale Hotelparkplätze, oft im Übernachtungspreis enthalten.
Pisten und Lifte
Das Skigebiet erstreckt sich vom Stadtrand auf 2.667 m über Mountain Village hinauf zum Palmyra Peak auf 3.831 m — das sind 1.164 Höhenmeter Differenz an einem Stück. Mit rund 2.000 acres Pistenfläche liegt Telluride in Colorado in der Mittelklasse, ist aber landschaftlich eines der spektakulärsten Resorts überhaupt: Pisten direkt am Box-Canyon-Rand, Blick auf Bridal Veil Falls und die 4.000er der San Juans. Saison von Ende November bis Anfang April, Pistenanteil 23 Prozent Anfänger, 36 Prozent Intermediate, 41 Prozent Expert.
Anfänger und Intermediate
Anfänger fahren oben in Mountain Village um den Sessellift Sunshine Express (Lift 10) — flache, breite Hänge auf 3.000 m, gut präparierter Schnee, kurze Lifte. Intermediate-Pisten ziehen sich von der Bergstation Lift 9 (Plunge) zurück Richtung Talstation in Telluride: See Forever ist rund 7 km lang, einer der längsten blauen Runs in Colorado. Ebenfalls lohnend die Hänge am Lift 4 (Coonskin) mit Blick auf den Box-Canyon.
Schwarz und Hike-In am Palmyra Peak
Die schwarzen Pisten am Gold Hill und am Palmyra Peak gehören zum Anspruchsvollsten in Colorado. Gold Hill bietet 11 markierte Routen, alle Expert oder Double-Black, Zugang über Lift 14. Wer auf den Palmyra Peak (3.831 m) will, muss vom Lift 12 aus rund 45 Minuten in den Bootpacks der Patrol-Spur hochsteigen — das Gelände ist nur nach Lawinencheck der Ski Patrol freigegeben. Belohnung: 600 Höhenmeter Couloirs und offenes Hochgebirge mit kompletter San-Juan-Aussicht.
Off-Piste und Backcountry
Telluride hat Bear Creek, ein über das Resort-Tor zugängliches Backcountry-Gelände am Südhang — nur mit Lawinenausrüstung und besser mit lokalem Guide. Der Helitrax-Heliski-Anbieter direkt am Mountain Village fliegt in die umliegenden 4.000er, ein Tag mit fünf Runs liegt bei rund 1.450 USD. Wer ohne Heli unterwegs ist, bucht eine geführte Tour beim San Juan Mountain Guides aus Ouray.
Liftpässe
Tageskarte Erwachsene rund 195 USD in der Hauptsaison, Sechs-Tages-Pass etwa 1.040 USD. Telluride ist Teil des Epic Pass — wer ohnehin in den USA Ski fährt, holt sich den Saisonpass im Voraus, das spart leicht 40 Prozent. Der Pass gilt auch in Vail, Beaver Creek, Park City, Whistler. Mountain Village Hoteliers buchen Liftpässe oft günstiger als der Online-Preis. Skischule rund 750 USD für drei Tage Privatunterricht, Gruppenkurs Anfänger ab 290 USD pro Tag.
Top-Sehenswürdigkeiten
Bridal Veil Falls
Mit 111 Metern der höchste freistehende Wasserfall Colorados, am östlichen Talschluss. Im Sommer Wanderung über die Bridal Veil Falls Road, im Winter gefroren und Eisklettergebiet. Auf der Felskante darüber thront das Smuggler-Union Hydroelectric Plant von 1907, ein historisches Wasserkraftwerk, heute Privatresidenz. Aussicht und Foto-Spot pro Saison anders, Wanderung ca. 4 km hin und zurück.
Sheridan Opera House
Erbaut 1913 als Vaudeville-Theater an der South Oak Street, heute Spielstätte für Filmfestival, Konzerte und Lesungen. 240 Sitze, originale Bühne, akustisch ausgezeichnet. Programm online auf der Stadtseite — wer im Sommer kommt, sollte einen Abend einplanen. Gehört zur National Register of Historic Places.
Telluride Historical Museum
In der ehemaligen Hall Hospital von 1893, am Westende der Colorado Avenue. Sammlung zur Bergbau-, Indianer- und Eisenbahngeschichte der San Juans, Ausstellung über das Galloping-Goose-Bahnsystem. Eintritt rund 8 USD, geöffnet ganzjährig. Lohnt einen Vormittag, wenn das Wetter draußen kippt.
New Sheridan Hotel und Bar
Eröffnet 1895 nach dem Brand des ursprünglichen Sheridan, einer der besten erhaltenen Hotelbauten der Goldgräber-Ära in Colorado. Die Bar im Erdgeschoss hat einen Originaltresen aus Mahagoni und gusseiserne Säulen, hier trank Hunter S. Thompson in den 1970ern. Auch wenn du nicht übernachtest, lohnt ein Drink.
Bear Creek Falls Trail
Zugänglich vom Stadtrand am Südende der Pine Street, 4 km hin und zurück durch den Bear-Creek-Canyon zu einem 24-m-Wasserfall. Im Sommer leichte Wanderung mit 200 Höhenmetern, im Winter Schneeschuh-Tour. Lohnt einen halben Tag — der Zugang ist direkt aus der Stadt, kein Auto nötig.
Free Gondola Mid-Station
Die mittlere Gondola-Station auf 3.124 m heißt Station St. Sophia und ist im Sommer wie Winter ein lohnender Stopp. Restaurant Allred's mit Box-Canyon-Aussicht, im Sommer Startpunkt für die San-Sophia-Wandertour zum Lift 9 oder hinunter Richtung Telluride. Fahrt ist gratis, auch ohne Skipass.
Aktivitäten und Erlebnisse
Was du in Telluride machst, hängt stark von der Saison ab. Sommer und Winter sind zwei verschiedene Orte mit teils gleichem Personal:
Im Winter
- Eisklettern an Bridal Veil Falls: einer der bekanntesten Eisklettersport-Spots der USA, Routen WI4 bis WI6, geführte Touren über San Juan Mountain Guides ab rund 380 USD pro Person und Tag
- Schneeschuhwandern auf dem Jud Wiebe Trail: 5 km Rundkurs mit 400 Höhenmetern, startet am Stadtrand, Aussicht auf den Bridal Veil Falls und das gesamte Box-Canyon-Tal
- Heli-Skiing mit Helitrax: einziger Heli-Ski-Operator in Colorado, fünf Runs in unverspurtem Hochgebirge, ab rund 1.450 USD
- Eislaufen am Hanley Pavilion: kostenfreie Outdoor-Eisbahn an der Town Park Mall, Verleih ab 8 USD
- Sleigh-Ride: Pferdegespannfahrten durch das Aldasoro Ranch südlich der Stadt, mit warmen Decken und Whiskey-Stop
Im Sommer
- Mountainbike auf dem Galloping Goose Trail: 16 km von Telluride über Lizard Head Pass nach Ophir, Single-Track auf einem alten Bahnschotter, mittelschwer
- Wandertour auf den Bear Creek Trail: 4 km zum Wasserfall, mit Verlängerung über Wasatch Trail Tagestour mit 800 Höhenmetern
- Klettersteig Via Ferrata: oberhalb des Bear-Creek-Tals, einer der wenigen Via Ferratas Nordamerikas, geführt von Telluride Mountain Guides ab 290 USD
- Fishing am San Miguel River: Fliegenfischerei auf Forelle, Tageskarte Bundesstaat 17 USD plus lokaler Guide ab 350 USD
- Lone Cone Pass und Alta Lakes: 4WD-Tour über alte Minenstraßen mit Jeep-Verleih, Halbtag ab 200 USD
Familien
Telluride ist familienfreundlicher als sein Luxus-Image suggeriert. Im Winter besuchen Kinder ab vier Jahren die Telluride Ski Resort Schule, am Sunshine Express gibt es einen abgesperrten Kinder-Lernhang. Die Free Gondola fasziniert die meisten Kinder schon allein durch die Aussicht. Im Sommer der Spielplatz im Town Park, der See im Trout Lake (kühle 13 Grad Wassertemperatur, aber Forelle gut sichtbar), der Imogene-Pass-Jeep-Trail. Babysitter-Service vermittelt das Telluride Concierge ab rund 35 USD die Stunde.
Bei Schlechtwetter
Schlechtwetter ist in Telluride selten — die Sonnentage zählen zu den höchsten unter Colorados Skiorten. Wenn doch: das Telluride Historical Museum, das Sheridan Opera House mit Konzert-Programm, das Spa im Peaks Resort (Massage 60 Minuten ab 220 USD) oder ein Lunch im Allred's an der Mid-Station mit Aussicht durch die Wolken.
Gastronomie und regionale Spezialitäten
Die Küche in Telluride ist amerikanische Gebirgsküche mit überdurchschnittlicher Qualität — viel Wild aus den San Juans, Lammfleisch aus den umliegenden Ranches, Forelle aus dem San Miguel River. Die Preise liegen über dem Colorado-Schnitt, aber unter Aspen-Niveau.
Gehobene Restaurants
- Allred's: an der Mid-Station der Gondola auf 3.124 m, wahrscheinlich das beste Steak Tellurides mit Box-Canyon-Aussicht. Reservierung Pflicht, Hauptgericht ab 55 USD
- 221 South Oak: in einem 1898er Holzhaus an der Oak Street, kleines Tasting-Menü zu rund 110 USD pro Person, Schwerpunkt regionale Zutaten
- The Cosmopolitan: im Hotel Columbia, klassische amerikanische Küche mit französischem Akzent, Hauptgericht 45 bis 65 USD
Mittelklasse und Locals-Lokale
- Brown Dog Pizza: Detroit-Style-Pizza an der Colorado Avenue, das wahrscheinlich beste Casual-Restaurant der Stadt. Hauptgericht 18 bis 28 USD, mehrere Pizza-Awards
- The Floradora: typisch amerikanisches Saloon-Essen seit 1981, Burger ab 20 USD, große Portionen
- La Cocina de Luz: schnelle mexikanische Küche, Burrito 14 USD, vegane Optionen — beliebt bei Locals zum Mittag
- The Butcher and the Baker: Frühstück und Lunch in einem Cafe mit eigener Bäckerei, Sandwich 16 USD, Kaffee aus Conway's Roastery in Durango
Cafes und Frühstück
The Coffee Cowboy ist ein Espresso-Anhänger an der Colorado Avenue (geöffnet von Mai bis Oktober) und Treffpunkt für Locals vor der Skifahrt — im Winter ist sein Standort drinnen am Festival Plaza. Baked in Telluride backt seit 1979 selbst, das Croissant-Sandwich kostet 11 USD und reicht bis zur Mittagspause auf der Piste.
Apres-Ski und Bars
Apres-Ski beginnt gegen 15:30 Uhr — kürzer und ruhiger als in Aspen, dafür mit mehr Lokalkolorit. The New Sheridan Bar in der Altstadt (seit 1895) hat den Originaltresen aus Mahagoni und gusseiserne Säulen, Hunter S. Thompson trank hier in den 70ern. There Bar an der Gondola-Talstation in Mountain Village ist Sonnen-Apres mit Live-Musik. The Last Dollar Saloon (Locals-Spitzname Buck wegen der ehemaligen Ein-Dollar-Drinks) an der Pine Street ist die Locals-Kneipe mit Billardtisch und ohne Touristenmenü, geöffnet bis spät.
Regionale Mitbringsel
- Telluride Distilling Company Whiskey: Roggen und Bourbon aus lokaler Produktion, im Tasting Room am Mountain Village probierbar
- Honig aus den San Juans: am Wochenmarkt in Ridgway oder Montrose, Saisongeschäft
- Mountainfilm-Festival-Plakat: streng limitiert, jedes Jahr von einem Künstler entworfen, am Festivalbüro nachfragen
Events und Saisonkalender
Telluride ist außerhalb der Skisaison vor allem für seine Festivals bekannt — drei davon haben internationalen Rang. Eine Übersicht nach Quartal, weil die Daten sich jährlich verschieben:
Frühjahr (April bis Juni)
Anfang April endet die Skisaison, von Mitte April bis Mitte Mai läuft die Mud Season — viele Hotels, Restaurants und Lifte schließen für vier bis sechs Wochen. Wer in dieser Zeit kommt, hat den Ort fast für sich, aber wenig offene Infrastruktur. Mitte Mai starten die ersten Mountainbike-Trails. Ende Mai eröffnet das Mountainfilm-Festival am Memorial-Day-Wochenende: vier Tage Outdoor-Dokumentationen im Sheridan Opera House und im Conference Center, Tickets ab rund 250 USD für ein Festival-Pass. Mitte Juni das Bluegrass Festival — vier Tage Open-Air-Konzerte im Town Park, Hauptbühne und mehrere Workshop-Bühnen, Tagestickets von ca. 110 USD, Camping vor Ort möglich.
Sommer (Juli bis September)
Hochsaison für Wandern, Mountainbike und Klettern. Anfang August das Jazz Festival am Town Park (drei Tage), Ende August das Chamber Music Festival im Sheridan Opera House. Anfang September das Telluride Film Festival — eines der wichtigsten Filmfestivals weltweit, hier feiert traditionell die Oscar-Saison ihren Auftakt mit Premieren von Birdman, La La Land oder Slumdog Millionaire. Tickets sind streng limitiert, der reguläre Pass kostet rund 950 USD für vier Tage.
Herbst (Oktober bis November)
Mid-September bis Anfang Oktober ist Indian-Summer-Saison: die Espen färben sich gold, am Last Dollar Road erreichst du in 20 Minuten einen der berühmtesten Aussichtspunkte des Westens. Wer Foto und Wandern verbindet, sollte hier kommen. Ende Oktober die zweite Mud Season, viele Lokale schließen wieder bis zur Skisaison.
Winter (Dezember bis März)
Skisaison öffnet Ende November, voll erst ab Mitte Dezember. Highlight ist die Holiday Week (24. Dezember bis 2. Januar), in der die Hotels zu rund 1.200 USD pro Nacht ausgebucht sind und Vorlauf von zwölf Monaten erfordern. Mitte Februar das Comedy Festival, Ende Februar der Mardi Gras am Mountain Village mit Karnevals-Umzug auf den Pisten. Im März herrschen die längsten Sonnentage der Skisaison — Powder-Tage werden seltener, Spring Skiing wird besser.
Geschichte und Kultur
Wenig andere amerikanische Städte zeigen ihre Geschichte so sichtbar wie Telluride — fast jedes Gebäude in der Altstadt steht seit den 1880ern oder 1890ern. Der Schutzstatus als National Historic Landmark District seit 1961 wirkt wie eine Zeitkapsel.
Goldgräber und Silberminen
Die ersten Siedler kamen 1875 ins Tal, nachdem in den umliegenden Bergen Goldader entdeckt wurden. Bis 1880 war Telluride ein wuchernder Boomtown mit rund 5.000 Einwohnern, Saloons, Spielhäusern und einer eigenen Bahnverbindung über Galloping Goose. Die größte Mine, die Tomboy Mine, lag auf 3.500 m über der Stadt — Bergleute liefen bis Schichtbeginn täglich 1.000 Höhenmeter hoch. 1889 raubte Butch Cassidy hier seine erste Bank und setzte sich mit 24.580 USD ab. Der Niedergang begann 1893 mit dem Silber-Crash, beschleunigte sich nach dem Ersten Weltkrieg, die letzte Mine schloss 1978.
Wiedergeburt als Skiresort
1972 öffnete das Skigebiet — die Stadt war damals fast verlassen, Häuser standen leer, viele für ein paar Hundert Dollar zu verkaufen. Hippies, Aussteiger und Skifahrer kauften sich ein, hielten den Ort am Leben. In den 1980ern entstand mit Mountain Village ein zweiter Ortsteil als Resort-Dorf. Heute ist Telluride Premium-Destination, aber die Genossenschafts-Mentalität von damals ist in der Stadtverwaltung sichtbar — viele Entscheidungen werden auf Bürgerversammlungen getroffen, der Festival-Kalender ist Teil der Stadtidentität.
Architektur und Denkmalschutz
Die Altstadt zieht sich rund 1,5 km lang an der Colorado Avenue entlang — die in den 1880er Jahren absichtlich breit angelegt wurde, damit Pferdefuhrwerke wenden konnten. Markante Bauten: das Sheridan Opera House von 1913, das New Sheridan Hotel von 1895, das Telluride Historical Museum in der ehemaligen Hall Hospital von 1893. Jede Fassadenrenovierung muss vom Historic and Architectural Review Committee genehmigt werden — auch Farbtöne, Fensterrahmen, Schilder. Mountain Village ist im Gegensatz dazu seit den 1980ern entwickelt, alpenländisch interpretiert, ohne historischen Ortskern.
Wetter und beste Reisezeit
Telluride hat ein typisches Hochgebirgsklima der südlichen Rocky Mountains — kalte trockene Winter mit viel Sonne, milde Sommer mit Gewittern am Nachmittag. Der Durchschnittsschneefall am Resort liegt bei rund 7,8 Metern pro Saison, die Sonnentage zählen zu den höchsten unter Colorados Skiorten. Klimadaten der nächsten meteorologischen Station NOAA Telluride 4WNW sowie Resort-Aufzeichnungen.
Geheimtipp
September
Skisaison Hoch
Januar bis März
Mud Season
Mai und November
Praktische Tipps
- $ Tageskarte: rund 195 USD in der Hauptsaison, Sechs-Tages-Pass etwa 1.040 USD. Wer mehr als drei Tage skifahrt, sollte den Epic Pass im Voraus prüfen — gilt auch in Vail, Beaver Creek, Park City und Whistler.
- ⛰ Höhenkrankheit ist real. Telluride liegt auf 2.667 m, Mountain Village auf 2.896 m, der Gipfel auf 3.831 m. Plane einen Akklimatisierungstag ohne anstrengenden Sport ein, trink viel Wasser, vermeide Alkohol am ersten Abend.
- ☀ Sonnenschutz: auf 2.700 bis 3.800 m bekommst du auch im Februar einen Sonnenbrand. Sonnencreme LSF 50, Lippenpflege mit UV-Schutz und Sonnenbrille mit Bergglas-Filter sind Pflicht — Reflexion auf Schnee verstärkt die Strahlung deutlich.
- i ESTA: Pflicht für deutsche Pässe, online beantragen mindestens 72 Stunden vor Abflug, gültig zwei Jahre. Kosten 21 USD. Wer länger als 90 Tage bleibt, braucht ein Visum.
- + Krankenhaus und Notarzt: das Telluride Medical Center an der Pine Street ist die einzige Klinik im Tal — bei Skiunfällen wird per Hubschrauber nach Montrose oder Grand Junction verlegt. Reisekrankenversicherung mit US-Abdeckung dringend empfohlen, ohne kommen Beträge ab 5.000 USD pro Skiunfall heraus.
- ⌘ WLAN und Mobilfunk: in der Altstadt und Mountain Village gut, im Skigebiet auf den Pisten variabel. Eine US-eSIM (Airalo, Holafly) für 30 Tage liegt bei rund 35 USD und ersetzt die deutsche SIM problemlos.
- € Trinkgeld: in den USA Pflicht, nicht optional. 18 bis 22 Prozent in Restaurants, 1 USD pro Drink an der Bar, 2 USD pro Gepäck am Hotel, 15 Prozent für den Skischul-Lehrer. Im Hotelpreis ist das Trinkgeld nicht enthalten.
- ♿ Barrierefreiheit: Free Gondola und alle größeren Hotels sind rollstuhltauglich. Adaptive Sports Center bietet Sit-Ski und betreute Skitage für Menschen mit körperlichen Einschränkungen ab rund 250 USD pro Tag.
Insider-Tipps
Drei Spots, die nicht in jedem Reiseführer stehen:
Bridal Veil Falls Road in Frühlings-Stille
Mitte April, wenn die Skisaison beendet ist und die Mud Season noch nicht voll eingesetzt hat, wird die Bridal Veil Falls Road kurz schneefrei und der Wasserfall trotzdem noch teils gefroren. Eine seltene Konstellation für Foto-Spaziergänger. Der Weg ist 4 km hin und zurück, leicht zu finden vom Stadtrand am Ende der East Colorado Avenue. Besser am Vormittag, sonst Schmelzwasser im Weg.
Bear Creek Trail bei Mondschein
Der Bear Creek Trail beginnt direkt am Stadtrand und führt 2 km in einen tiefen Canyon südlich von Telluride. Bei Vollmond im Sommer ist die Wanderung mit Stirnlampe legal, der Mond reicht meist für die Hälfte des Wegs. Am Wasserfall Stille, die im Tal selten ist. Mücken sind lästig, Spray einpacken.
Telluride Town Park bei Festival-Pause
Zwischen den großen Festivals — etwa von Mitte August bis Anfang September oder im Oktober — ist der Town Park ein leerer Stadtparkrasen mit Blick auf den Talschluss. Lokale Familien grillen hier, Kinder spielen, Tacos vom Foodtruck The Grand. Wer ohne Festival kommt, hat die Atmosphäre ohne den Eintrittspreis.
Umgebung und Tagesausflüge
Die San Juans rund um Telluride sind eine eigene Reise wert. Drei Tagestouren in drei Richtungen:
Ouray und Million Dollar Highway (75 km)
Über die Pässe Dallas Divide und Red Mountain (3.358 m) auf dem Highway 550 — bekannt als Million Dollar Highway, eine der spektakulärsten Bergstraßen Nordamerikas. Ouray ist eine kleinere Goldgräber-Stadt mit 1.000 Einwohnern und natürlichen heißen Quellen mitten im Ort (Hot Springs Pool, 18 USD Eintritt). Im Winter Eisklettern im Ouray Ice Park (kostenlos zugänglich), im Sommer Wandertouren auf den Mt. Sneffels (4.315 m). Plan einen ganzen Tag, im Winter unbedingt mit Allrad und früh genug zurück.
Mesa Verde National Park (200 km)
Anasazi-Klippenwohnungen aus dem 12. Jahrhundert, UNESCO-Welterbe. Die Cliff Palace mit 150 Räumen ist die größte Felssiedlung Nordamerikas. Geführte Touren von Mai bis Oktober, Tickets im Voraus über recreation.gov. Anreise über den Highway 145 südlich, drei Stunden eine Strecke. Lohnt als zwei-Tages-Ausflug mit Übernachtung in Cortez oder Durango.
Silverton und Animas Forks (130 km)
Silverton ist eine 600-Einwohner-Stadt auf 2.835 m, ehemaliges Silberminen-Zentrum, heute Endstation der Durango and Silverton Narrow Gauge Railroad — einer Schmalspurbahn von 1881, die im Sommer Touristen aus Durango bringt. 17 km nördlich von Silverton liegt Animas Forks, eine Geisterstadt mit erhaltenen Holzhäusern, nur über 4WD-Strecke erreichbar. Reine Tagestour über Lizard Head Pass und Highway 550.
Weitere Ziele in Reichweite
- Black Canyon of the Gunnison: 130 km nördlich, einer der dunkelsten und tiefsten Canyons der USA, 800 m senkrechte Felswände
- Durango: 200 km südlich, Universitätsstadt mit Pubs und der Durango and Silverton Railroad als Startpunkt, gute Übernachtungsoption für Mesa-Verde-Tage
- Crested Butte: 270 km nördlich, weiteres Goldgräber-Bergstadt-Skigebiet, im Sommer Wildblumen-Hauptstadt der USA




