Die Stadtpfarrkirche Mariä Himmelfahrt am Stadtplatz in 94227 Zwiesel ist das alles überragende Wahrzeichen der niederbayerischen Glasmacher-Stadt im Bayerischen Wald — ein neogotischer Backsteinbau, der zwischen 1891 und 1895 nach Plänen des Münchner Architekten Johann Baptist Schott errichtet wurde und dessen 75 Meter hoher Turm das Stadtbild von Zwiesel weithin sichtbar dominiert. Schott entwarf die Kirche als monumentalen dreischiffigen Bau aus rotem Sichtziegel mit Strebepfeilern, Spitzbogenfenstern und filigranem Maßwerk und schuf damit innerhalb von nur vier Jahren eines der grössten neogotischen Sakralbauwerke Ostbayerns. Im Inneren überwältigt der 1898 fertiggestellte Hochaltar mit reicher Holzschnitzkunst, ergänzt durch eine separate Marienkapelle, einen vollständigen Kreuzweg mit vierzehn Stationen und farbige Glasfenster, die in der Bayerwald-Glasmacher-Tradition gefertigt wurden und die enge Verbindung der Pfarrgemeinde zur Glasindustrie der Region dokumentieren. Die Kirche ist täglich kostenlos zugänglich, dient bis heute als aktive Pfarrkirche der katholischen Pfarrgemeinde Zwiesel und liegt nur rund fünf Minuten Fußweg vom Bahnhof Zwiesel entfernt — ein zentraler Anlaufpunkt für Besucher des Bayerischen Waldes auf dem Weg in den Nationalpark oder zum Großen Arber.
Anreise und Erreichbarkeit
Zwiesel liegt im niederbayerischen Landkreis Regen mitten im Bayerischen Wald und ist über Straße wie Schiene gut erschlossen. Die Stadtpfarrkirche steht direkt am zentralen Stadtplatz und ist von allen Anreisewegen aus in wenigen Minuten erreichbar — ihr Turm dient praktisch als Orientierungsmarke beim Anfahren der Innenstadt.
Mit dem Auto
Aus Richtung München erreicht man Zwiesel über die A92 bis Deggendorf, weiter auf der B11 durch das Tal des Schwarzen Regen nach Norden — insgesamt rund 180 Kilometer in etwa zwei Stunden. Aus Richtung Regensburg führt die Strecke über die A3 bis Deggendorf und ebenfalls die B11. Aus dem Raum Passau geht es über die B85 nach Regen und weiter auf der B11 nach Zwiesel. Im Stadtkern gibt es mehrere bewirtschaftete Parkplätze rund um den Stadtplatz sowie eine zentrale Parkfläche direkt nördlich der Kirche, von wo aus der Eingang in unter zwei Minuten erreichbar ist.
Mit der Bahn und dem ÖPNV
Der Bahnhof Zwiesel ist Knotenpunkt der Waldbahn und wird stündlich von der Linie zwischen Plattling und Bayerisch Eisenstein bedient — über Plattling besteht direkter Anschluss an den Fernverkehr nach München, Nürnberg und Regensburg. Vom Bahnhofsvorplatz führt die Bahnhofstraße in rund fünf Minuten Fußweg zum Stadtplatz und damit direkt vor das Westportal der Kirche. Lokale Buslinien des Regionalverkehrs Donau-Iller halten ebenfalls am Stadtplatz.
Vor Ort bewegen und Parken
Der gesamte historische Stadtkern von Zwiesel ist kompakt und in zehn bis fünfzehn Minuten zu Fuß zu durchqueren. Zur Kirche gibt es einen barrierearmen Zugang über das Hauptportal mit flacher Rampe, in der Pfarrei wird auf Anfrage geholfen. Wer mit dem Wohnmobil anreist, findet einen ausgewiesenen Stellplatz am östlichen Stadtrand mit Anbindung an den ÖPNV in die Innenstadt.
Architektur und Wahrzeichen-Charakter
Die Stadtpfarrkirche Mariä Himmelfahrt ist die mit Abstand grösste und höchste Bauwerk im historischen Stadtkern von Zwiesel und prägt das Stadtsilhouettenbild aus jeder Richtung. Der 75 Meter hohe Turm an der Westfassade ragt deutlich über jedes andere Gebäude hinaus und ist bei klarem Wetter bis weit ins Tal des Schwarzen Regen sichtbar — eine bewusste städtebauliche Setzung des Architekten Johann Baptist Schott, der die Kirche als selbstbewusstes Zeichen der katholischen Pfarrgemeinde gegenüber den benachbarten Vorgängerbauten konzipierte.
Backstein-Neogotik aus dem späten 19. Jahrhundert
Schott entschied sich für den damals in Bayern selteneren Sichtziegelbau in rotem Backstein — eine Bauweise, die in Norddeutschland längst Tradition hatte, in Niederbayern aber als modern und ausdrucksstark galt. Die Aussenfassaden sind mit feinem Maßwerk, Spitzbogenfenstern und kräftigen Strebepfeilern gegliedert. Das Hauptportal an der Westseite wird flankiert von zwei seitlichen Treppentürmen, über denen sich der eigentliche Glockenturm mit seiner schlanken neogotischen Spitze erhebt.
Dreischiffige Basilika mit Querhaus
Im Inneren öffnet sich eine dreischiffige Basilika mit deutlich erhöhtem Mittelschiff, kurzem Querhaus und einem polygonalen Chor an der Ostseite. Die Gewölbe sind als Kreuzrippen ausgeführt, die Pfeiler in Sandstein verkleidet, der Boden mit ornamentierten Tonfliesen ausgelegt. Die akustische Wirkung des grossen Innenraums macht die Kirche zu einem geschätzten Ort für geistliche Konzerte vor allem während der Sommermonate.
Turm als Stadt-Orientierung
Der 75-Meter-Turm beherbergt fünf Glocken aus dem späten 19. und frühen 20. Jahrhundert sowie ein Schlagwerk, dessen Stunden- und Viertelstundenschläge im gesamten Stadtkern zu hören sind. Eine öffentliche Begehung des Turms ist nicht regulär möglich, gelegentlich werden im Rahmen besonderer Anlässe geführte Aufstiege angeboten — die Pfarrgemeinde informiert über solche Termine in ihrem Aushang am Hauptportal.
Die sechs Höhepunkte im Inneren der Kirche
Hochaltar von 1898
Der dreigeschossige neogotische Hochaltar im Chor wurde drei Jahre nach Fertigstellung der Kirche aufgestellt und gilt als bedeutendste Holzschnitzarbeit ihrer Art im Bayerischen Wald. Das Mittelfeld zeigt die Krönung Mariens, flankiert von Heiligenfiguren und reich vergoldeten Wimpergen mit Krabben und Kreuzblumen.
Marienkapelle
Die separat zugängliche Marienkapelle an der Südseite ist ganz auf das Patrozinium der Kirche ausgerichtet und dient als Ort für stilles Gebet und Kerzenopfer. Im Zentrum steht eine spätbarocke Madonnenfigur aus älterem Bestand, die aus der Vorgängerkirche übernommen und in den Neubau integriert wurde.
Kreuzweg mit 14 Stationen
An den Seitenwänden des Mittelschiffs ziehen sich vierzehn Stationsbilder aus geschnitztem und farbig gefasstem Holz, die den Leidensweg Christi zeigen. Die Tafeln entstanden zeitgleich mit der Kirche und sind in geschlossenem neogotischen Rahmenwerk montiert.
Glasfenster in Bayerwald-Tradition
Die farbigen Spitzbogenfenster im Chor und in den Seitenschiffen wurden in der Bayerwald-Glasmacher-Tradition gefertigt, an die Zwiesel über die örtlichen Hütten direkt anknüpft. Sie zeigen biblische Szenen und Heiligendarstellungen in tiefem Blau, Rot und Grün und sorgen bei Vormittagslicht für eine intensive Lichtstimmung im Kirchenraum.
Orgel auf der Westempore
Die Orgel auf der Westempore über dem Hauptportal ist ein klangstarkes Instrument mit mehreren Manualen und Pedal und wird regelmäßig in Gottesdiensten und bei Sommerkonzerten gespielt. Die hohe Empore mit ihrer durchbrochenen Maßwerk-Brüstung ist ein weiterer architektonischer Höhepunkt.
Kanzel und Beichtstühle
Aufwendig geschnitzte Kanzel an einem Mittelschiffspfeiler sowie mehrere ebenfalls neogotisch gestaltete Beichtstühle in den Seitenschiffen ergänzen das einheitliche Innenausstattungsprogramm. Sämtliche Holzarbeiten stammen aus der Werkstatt regionaler Bildhauer aus dem Bayerischen Wald.
Stadtpfarrkirche Zwiesel im Vergleich mit anderen Kirchen der Region
Die Stadtpfarrkirche Zwiesel ist mit ihrem 75-Meter-Backstein-Turm die markanteste Sakralbau-Architektur des Bayerischen Waldes und sticht durch ihre Neogotik aus dem barock-dominierten Umfeld der Region deutlich heraus.
Geschichte der Pfarrgemeinde und ihres Neubaus
Eine eigene Pfarrei Zwiesel ist bereits seit dem späten Mittelalter belegt — die heutige Stadtpfarrkirche ist der dritte oder vierte Sakralbau an dieser Stelle. Im 19. Jahrhundert war der Vorgängerbau zu klein geworden, die schnell wachsende Glasmacher-Stadt zählte gegen Ende des Jahrhunderts mehrere Tausend Einwohner und ein neuer, repräsentativer Kirchenbau wurde nötig. Die Pfarrei entschied sich nach mehrjähriger Vorbereitung 1891 für den Münchner Architekten Johann Baptist Schott, dessen Entwurf in der damals modernen Backstein-Neogotik überzeugte.
Bauzeit 1891 bis 1895
Der eigentliche Bau dauerte nur vier Jahre — eine bemerkenswert kurze Zeit für ein Sakralbauwerk dieser Grösse. Möglich wurde das durch die enge Verbindung der Pfarrei zur lokalen Glas- und Holzwirtschaft sowie durch zahlreiche Spenden aus der Bürgerschaft. Steinmetzarbeiten, Holzschnitzerei und Glaserarbeiten wurden weitgehend an Werkstätten aus dem Bayerischen Wald vergeben, der Hochaltar wurde drei Jahre nach Kirchweihe 1898 fertiggestellt und aufgestellt.
20. Jahrhundert und Renovierungen
Die Kirche überstand beide Weltkriege unbeschadet, da Zwiesel von grossflächigen Luftangriffen verschont blieb. In den 1970er und 1980er Jahren wurden umfassende Innenrenovierungen durchgeführt, dabei das ursprüngliche Farbkonzept der Neogotik weitgehend rekonstruiert. Eine grössere Aussensanierung Anfang der 2000er Jahre sicherte die Backsteinfassaden und das Dach des Turms, der seither in seinem heutigen Erscheinungsbild wieder vollständig erhalten ist.
Praktische Tipps für den Besuch der Stadtpfarrkirche
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Eintritt frei, Spenden willkommen
Der Besuch der Kirche kostet keinen Eintritt — am Schriftenstand und an mehreren Opferstöcken können Sie zur Erhaltung der Innenausstattung beitragen. Auch für das Anzünden einer Kerze in der Marienkapelle wird kein fester Betrag verlangt.
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Vormittagslicht für die Glasfenster
Die Chorfenster zeigen ihre intensivste Farbwirkung zwischen etwa neun und elf Uhr vormittags, wenn die Ostsonne direkt durch die Bayerwald-Gläser fällt. Wer die Lichtstimmung erleben möchte, sollte den Besuch entsprechend planen.
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Gottesdienstzeiten respektieren
Während der regulären Gottesdienste an Sonn- und Feiertagen ist Besichtigung nicht möglich, in der übrigen Zeit jedoch täglich tagsüber. Die aktuellen Zeiten hängen am Hauptportal aus und sind auch in der Pfarrkanzlei am Stadtplatz erfragbar.
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Schriftenstand mit Informationen
Direkt im Eingangsbereich gibt es einen Schriftenstand mit Faltblättern zur Baugeschichte, zum Hochaltar und zu den einzelnen Stationen des Kreuzweges. Für vertiefte Informationen lohnt es sich, ein bis zwei Minuten am Stand zu verweilen.
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Glasmuseum Zwiesel direkt nebenan
Wer den Besuch der Kirche mit der Glasmacher-Geschichte der Stadt verbinden möchte, findet das Glasmuseum Zwiesel innerhalb weniger Minuten Fußweg vom Stadtplatz. Der Bezug zwischen Kirchenfenstern und örtlicher Glaskunst wird damit anschaulich greifbar.
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Barrierearmer Zugang
Das Hauptportal an der Westseite ist über eine flache Rampe zugänglich, der Innenraum ist weitgehend ebenerdig und gut mit Rollstuhl oder Rollator zu durchqueren. Für individuelle Bedarfe hilft die Pfarrkanzlei auf Anfrage gerne weiter.
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Sommermonate für Konzerte
Zwischen Mai und September finden mehrfach geistliche Konzerte und Orgelvespern in der Kirche statt — die Akustik des grossen Innenraums macht jedes Konzert zum besonderen Erlebnis. Termine veröffentlicht die Pfarrgemeinde im Aushang.
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Idealer Schlechtwetter-Stopp
An regnerischen Tagen im Bayerischen Wald ist der Kirchenbesuch eine angenehme Möglichkeit, kulturell anspruchsvolle Stunden im Trockenen zu verbringen. Die Kombination mit dem Glasmuseum lässt sich problemlos zu einem halben Tag erweitern.
Insider-Tipps für Zwiesel-Besucher
Kombi mit Bayerwald-Tagesausflug
Die Stadtpfarrkirche eignet sich hervorragend als erste Station eines Tagesausflugs durch den Bayerischen Wald. Vom Stadtplatz aus erreichen Sie mit der Waldbahn in rund 30 Minuten den Bahnhof Bayerisch Eisenstein oder mit dem Auto in 30 bis 45 Minuten den Großen Arber. Eine sinnvolle Reihenfolge: morgens Kirche und Glasmuseum, mittags Mittagessen am Stadtplatz, nachmittags Wanderung oder Arber-Besuch.
Glasmacher-Themen vertiefen
Die Bayerwald-Glasmacher-Tradition lässt sich in Zwiesel an mehreren Orten vertiefen — neben dem Glasmuseum auch über mehrere Hütten und Schauwerkstätten in der näheren Umgebung. Die Glasfenster der Stadtpfarrkirche bilden dabei eine spirituelle Klammer um den ansonsten oft sehr handwerklich-industriell geprägten Glasmacher-Diskurs der Region.
Zwiesel als Ausgangspunkt im Bayerischen Wald
Zwiesel ist nicht nur Glasmacher-Stadt, sondern auch wichtigster Verkehrsknoten der Region — von hier aus erschließen sich der Nationalpark Bayerischer Wald, der Große Arber als höchster Berg der Region, die Wallfahrtsorte rund um Frauenau und die Grenzregion bei Bayerisch Eisenstein. Die Stadtpfarrkirche markiert dabei den geistigen und städtebaulichen Mittelpunkt — wer in Zwiesel ankommt, beginnt die Tour fast immer hier am Stadtplatz.
Verbindung mit weiteren POIs
In Kombination mit dem Glasmuseum Zwiesel, dem Großen Arber, dem Waldmuseum Waldkirchen und dem Museumsdorf Bayerischer Wald lässt sich ein vollständiger Eindruck der Region in zwei bis drei Tagen gewinnen. Die Stadtpfarrkirche ist dabei der einfachste Einstieg — kurz, kostenlos, atmosphärisch dicht und gut erreichbar mit jedem Verkehrsmittel.
Übernachten in Zwiesel
Mehrere Hotels und Pensionen rund um den Stadtplatz bieten Übernachtungen in Sichtweite des Kirchturms — bei einigen Zimmern ist der Glockenklang am Morgen Teil des Bayerwald-Erlebnisses. Wer ländlicher wohnen möchte, findet Ferienwohnungen in den umliegenden Ortsteilen und Dörfern entlang des Schwarzen Regen.




