Snowboarden ist jünger als die meisten denken — der Sport hat seinen klaren Geburtstag im Winter 1965, als der US-Ingenieur Sherman Poppen aus zwei Kinder-Skiern den Snurfer baute. Aus dem Hinterhof-Spielzeug wurde innerhalb von zwanzig Jahren eine Sportkultur, in den 1990ern eine Industrie und 1998 in Nagano eine olympische Disziplin. Heute trennen sich acht große Fahrstile auf der Piste: Freestyle und Freeride bilden die Hauptachse, dazu kommen Alpine als Renn-Disziplin, Slopestyle, Big Air und Halfpipe als olympische Park-Disziplinen, Boardercross als Vier-Personen-Renndisziplin und Splitboarding als Backcountry-Spielart mit Tourenski-DNA. Die Pioniere — Jake Burton Carpenter, Tom Sims, Dimitrije Milovich und der 2003 in einer Lawine verstorbene Craig Kelly — haben die Stile geprägt, die heute Snowparks und Tiefschneehänge dominieren.

Die Geburtsstunde 1965: Der Snurfer von Sherman Poppen

Die Snowboard-Geschichte beginnt nicht in einer Industrie-Halle, sondern in einer Garage in Muskegon, Michigan. Am Heiligabend 1965 schraubte der Ingenieur Sherman Poppen zwei Kinder-Skier nebeneinander zusammen, befestigte vorne ein Lenkseil und gab das Konstrukt seiner Tochter Wendy. Poppens Frau Nancy schlug den Namen Snurfer vor — eine Verschmelzung aus Snow und Surfer. Innerhalb eines Jahres lizenzierte Poppen die Idee an die Brunswick-Sportartikel-Sparte, im Winter 1966 lagen die ersten Snurfer-Bretter im Handel. Verkauft wurde das Brett zwischen 1966 und 1979 rund eine Million Mal — als Spielzeug, nicht als Sportgerät. Bindungen gab es keine, der Fahrer hielt sich am Bug-Seil fest und stand mit Straßenschuhen auf dem Brett.

Aus den jährlichen Snurfer-Wettbewerben am Pando-Hügel bei Muskegon entwickelte sich ab 1979 die echte Konkurrenz. Ein Außenseiter aus Vermont, der erst 23-jährige Jake Burton Carpenter, trat 1979 mit einem von ihm modifizierten Snurfer mit selbst entwickelten Bindungs-Riemen an — und wurde nach langer Diskussion in einer eigens geschaffenen Modified-Klasse als Sieger ausgerufen. Aus dieser Wettkampf-Anekdote wuchs in den nächsten zehn Jahren der Sport, den wir heute kennen. Der Snurfer wurde 2018 in die USA Snowboard Hall of Fame aufgenommen, ein Jahr vor Poppens Tod. Sein Originalbrett steht heute im Smithsonian National Museum of American History.

Die drei Pioniere: Burton, Sims, Milovich

Drei Männer haben in den späten 1970ern parallel und unabhängig voneinander die Brücke vom Snurfer zum modernen Snowboard gebaut. Jeder mit eigener Philosophie, eigenem Brett-Konzept und eigenem Vermächtnis im heutigen Stil-Spektrum.

Jake Burton Carpenter (1954–2019) — der Industrie-Vater

Carpenter gründete 1977 in einer Scheune in Londonderry, Vermont, die Marke Burton Snowboards. Sein Beitrag war weniger das Brett selbst — die ersten Burton-Modelle waren noch nah am Snurfer mit P-Tex-Belag und Stahlkanten — sondern die Bindung und das Marketing. Carpenter erfand die High-Back-Bindung 1986, die noch heute Standard ist, und brachte den Sport in die zuvor verschlossenen Skigebiete. Ohne seine Lobby-Arbeit gegen die US-Skigebiete (Stratton 1983, Killington 1984, Vail 1985) hätte sich der Sport nicht aus der Hinterhof-Subkultur befreit. Carpenter starb 2019 mit 65 Jahren an einem wiederkehrenden Krebs — Burton ist heute mit rund 800 Mitarbeitern und einem Jahresumsatz von etwa 400 Millionen Dollar die größte Snowboard-Marke weltweit.

Tom Sims (1950–2012) — der Skater-Crossover

Während Carpenter aus dem Surfer-Lager kam, war Tom Sims ein Skateboarder aus Kalifornien — er hatte 1963 als 13-Jähriger sein erstes Skiboard als Schul-Werkstatt-Projekt gebaut. Sims gründete 1976 Sims Snowboards in Santa Barbara und prägte den Freestyle-Stil — sein Brett-Design hatte Twin-Tip-Form (vorne und hinten symmetrisch), war kürzer als Burton-Boards und auf Tricks und Sprünge ausgelegt. Sims doubelte 1985 die Snowboard-Stunts in dem James-Bond-Film Im Angesicht des Todes — die Verfolgungsjagd auf einer von einem Skiboard zur Snowboard-Improvisation umgebauten Plattform brachte Snowboarden weltweit ins Mainstream-Bewusstsein. Sims starb 2012 mit 61 Jahren an einem Herzinfarkt.

Dimitrije Milovich (geb. 1949) — der Powder-Vordenker

Der dritte Pionier, Dimitrije Milovich, ist außerhalb der Snowboard-Geschichte fast unbekannt — innerhalb gilt er als der konzeptionelle Vater des Freeride-Stils. Milovich gründete 1972 in Utah die Firma Winterstick und baute die ersten Bretter mit gekippter Nose, Swallow-Tail und Surf-Form. Sein Brett war kein Wettkampf-Gerät, sondern ein Tiefschnee-Werkzeug — das DNA-Vorbild für jedes moderne Freeride-Board mit Tapered-Tail und Setback-Stance. Milovich gab Winterstick 1980 auf, als der Markt sich dem Burton-Sims-Stil zuwandte. Die Firma wurde später wiederbelebt und produziert heute Kleinserien handgefertigter Freeride-Boards. Wer einen heutigen Powder-Spezialist (Burton Family Tree, Jones Hovercraft, Korua) fährt, fährt im Geist von Milovich.

Die acht Hauptstile im Vergleich

Snowboarden hat sich in den 1990ern in klare Stilrichtungen aufgespalten — jede mit eigener Brett-Geometrie, eigenem Standwinkel, eigener Schuh-Steifigkeit und eigenem Wettkampf-Format. Die folgende Tabelle zeigt die acht Stile, die heute auf der Piste, im Park, im Backcountry und im Wettkampf relevant sind.

Stil Brett Stance Schuhwerk Geländetyp Wettkampf
Freestyle Twin-Tip, weich, 148–158 cm +15 / -15 Grad (Duck) Soft, mittel-flex Snowpark, Pisten kein eigener (Trainings-Disziplin)
Freeride Directional, Setback, 156–165 cm +18 / -3 bis +6 Grad Soft bis Mid-Stiff Tiefschnee, Steilhang Freeride World Tour
Alpine / Race Schmal (18–21 cm), sehr steif +45 bis +60 / +30 bis +45 Grad Hardboots Pistenrennen, Slalom FIS Parallel-Slalom & -Riesenslalom
Slopestyle Twin-Tip, weich-mittel +15 / -15 Grad Soft, weich Snowpark mit Rails & Kickern X-Games, Olympia (seit 2014)
Big Air Twin-Tip, mittel-steif +15 / -15 Grad Soft, mittel-stiff Single Kicker (40+ Meter) X-Games, Olympia (seit 2018)
Halfpipe Twin-Tip, mittel +15 / -15 Grad Soft, mittel-stiff Halfpipe (6,7 m Wandhöhe) Olympia (seit 1998), X-Games
Boardercross Directional, mittel-steif +21 / +6 Grad Mid-Stiff Cross-Kurs mit 4 Fahrern Olympia (seit 2006), Weltcup
Splitboard geteiltes Freeride-Board mit Skins +18 / -3 Grad Soft mit Aufstiegs-Funktion Backcountry, Skitouring kein Wettkampf (Tour-Disziplin)

Standwinkel und Brett-Maße sind Richtwerte — viele Profis variieren um 3 bis 5 Grad. Im Park-Bereich (Slopestyle, Big Air, Halfpipe) überschneiden sich die Setups stark, der Unterschied liegt eher in Brett-Steifigkeit und Stance-Breite.

Die acht Stile im Detail

Freestyle

Geschichte: 1980er über Tom Sims und die kalifornische Skater-Szene zum Stil-Mainstream geworden. Charakter: Tricks, Sprünge, Rotationen — Brett und Bindung erlauben symmetrisches Switch-Fahren. Spots: Snowparks Laax (Schweiz), Mayrhofen (Vans Penken Park), Saas-Fee, Hintertux. Empfehlung: Einsteiger ab Mittelstufe, wenn der Carving-Schwung sitzt.

Freeride

Geschichte: Aus Milovichs Winterstick-DNA der 1970er, popularisiert in den 1990ern durch Craig Kelly, der 2003 in einer Lawine in British Columbia starb. Charakter: Tiefschnee, Steilhang, Linien-Lesen statt Tricks. Spots: Verbier (Bec des Rosses), Chamonix, Engelberg-Titlis. Empfehlung: Mittelstufe-plus mit LVS-Set und Lawinenkurs.

Alpine / Race

Geschichte: 1980er als Reaktion auf Carving-Ski entstanden — schmale, sehr steife Bretter mit Hardboots. Heute Nischen-Disziplin mit Olympia-Status (Parallel-Slalom). Charakter: extreme Kantenbelastung, Standwinkel weit nach vorne. Spots: Pisten-Rennstrecken in Sölden, Carezza, Bad Gastein. Empfehlung: Profi-Niveau, eigenes Material.

Slopestyle

Geschichte: X-Games seit 2002, Olympia seit Sotschi 2014 — die Park-Disziplin mit Rails und mehreren Kickern hintereinander. Charakter: Lauf-Komposition, Trick-Vielfalt, Risiko-Management. Spots: Park Laax (Crap Sogn Gion), Absolut Park Flachauwinkl, Snowpark Saas-Fee. Empfehlung: Fortgeschrittene mit Boxen-/Rails-Sicherheit.

Big Air

Geschichte: Olympia-Disziplin erst seit Pyeongchang 2018, X-Games-Klassiker davor. Charakter: ein einziger 40+ Meter Kicker, ein einziger Trick — meist Triple-Cork oder mehrfacher Spin. Spots: X-Games-Anlage Aspen, Air & Style Innsbruck (Bergiselschanze), Park Stubai. Empfehlung: Profi-Niveau, Foam-Pit-Training.

Halfpipe

Geschichte: Olympia-Disziplin seit Nagano 1998, parallel zum Riesenslalom als zweite Premiere-Disziplin. Charakter: 22-Foot-Pipe mit 6,7 Meter Wandhöhe, Wand-zu-Wand-Tricks. Spots: Laax (offizielle FIS-Pipe), Saas-Fee, Stubai (Sommer-Pipe). Empfehlung: Fortgeschrittene mit Air-Awareness.

Boardercross

Geschichte: 1991 in den ersten X-Games-Vorläufern, Olympia seit Turin 2006. Charakter: Vier Fahrer auf einem Cross-Kurs mit Wellen, Steilkurven, Sprüngen — der Erste ins Ziel gewinnt. Spots: Veysonnaz (FIS-Weltcup), Cervinia, Innichen. Empfehlung: Fortgeschrittene mit Pisten-Speed-Erfahrung.

Splitboard

Geschichte: 1991 erste Prototypen von Brett Kobernik in Utah, kommerziell ab 1994 über die Marke Voile. Charakter: Brett lässt sich längs in zwei Tourenski teilen, mit Skins bergauf, zusammengeklipst bergab. Spots: Engelberg-Backcountry, Disentis, Chamonix-Massiv. Empfehlung: Freeride-Erfahrung plus Skitour-Grundkurs.

Geschichte des Sports: Vom Pisten-Verbot zur Olympia-Medaille

Snowboarden war in den 1980ern in fast allen US-Skigebieten verboten — Skifahrer beschwerten sich über das laute Schaben der Stahlkanten in Querfahrt-Position, Liftbetreiber fürchteten um die teure Pistenpräparation. Aus diesem Verbot wuchs paradoxerweise der große Sprung des Sports in den Mainstream.

Pisten-Verbot und Aufhebung 1983–2008

Stratton in Vermont öffnete 1983 als erstes US-Skigebiet die Pisten — und das auch nur, weil Burton-Mitarbeiter eine eigene Snowboard-Lehrer-Ausbildung etablierten. Vail folgte 1985, Killington 1984. Die letzten US-Skigebiete kapitulierten erst zwischen 2001 (Aspen) und 2008 (Alta in Utah). In Europa war die Situation entspannter: ab 1985 öffneten die meisten Schweizer und österreichischen Skigebiete schrittweise — Davos 1985, Crans-Montana 1986, St. Anton 1988. Nur Mayrhofen verbot Snowboarden noch bis 1992.

Olympia-Premiere Nagano 1998

Nach Jahren Tauziehen mit dem IOC kam Snowboarden in Nagano ins Programm — mit zwei Disziplinen: Riesenslalom (Alpine) und Halfpipe. Ross Rebagliati gewann das erste Olympia-Gold im Riesenslalom, Gian Simmen aus der Schweiz die Halfpipe. Der Skiverband FIS übernahm die Disziplin nach Konflikt mit der unabhängigen ISF (International Snowboard Federation), was bis heute zu einer Spaltung führt — viele Profis fahren X-Games statt Weltcup, weil sie das FIS-Reglement ablehnen.

Die X-Games-Ära ab 1997

ESPN startete 1997 die ersten Winter-X-Games in Big Bear Lake, Kalifornien — Slopestyle, Big Air, Halfpipe und Boardercross als Hauptdisziplinen. Die X-Games haben für den Stil-Mainstream mehr getan als Olympia: TV-Reichweite, Sponsoring-Deals, neue Disziplinen wie das Best-Trick-Format. Heute laufen die Winter-X-Games jedes Jahr im Januar in Aspen, mit etwa 100.000 Live-Zuschauern und Millionen-Streamen.

Craig Kelly und das Freeride-Erbe

Craig Kelly war zwischen 1986 und 1992 viermaliger Weltmeister, wechselte dann demonstrativ zum Freeride-Stil und brach mit dem Wettkampf-Zirkus. Seine Saga endete am 20. Januar 2003 am Durrand Glacier in British Columbia, als ihn eine Lawine im Backcountry verschüttete. Sein Freeride-Stil — flüssig, surf-orientiert, wenig Sprünge — prägt das Genre bis heute. Burton produziert seine Mystery-Serie weiter als Hommage an Kelly.

Equipment und Material

Wer über Stile redet, muss über Material reden — Brett, Bindung und Boots ergeben zusammen erst den Stil. Vier Komponenten, vier Entscheidungen:

Bretter und ihre Geometrie

Die fünf Brett-Grundformen: Twin-Tip (symmetrisch, für Park und Switch), Directional (mit klarer Nose und Tail, für Pisten und Tiefschnee), Directional-Twin (Kompromiss zwischen beiden), Tapered (Tail schmaler als Nose, für Powder) und das Splitboard (längs teilbar). Länge richtet sich nach Körpergröße und Stil — Park-Boards sind 5 bis 10 cm kürzer als Allmountain-Boards, Powder-Boards 5 bis 15 cm länger. Flex-Skala 1 bis 10: Park-Boards 3 bis 5, Allmountain 5 bis 7, Race 8 bis 10.

Bindungen

Drei Hauptsysteme: die Strap-Bindung (klassisch, am verbreitetsten), die Step-On-Bindung (Burton-System ab 2017, Klick-Mechanismus, schneller Einstieg) und die Hardboot-Plattenbindung (nur für Alpine/Race). Standwinkel verstellbar, für Freestyle Duck-Stance (+15/-15 Grad), für Alpine vorwärts (+45 bis +60).

Boots

Drei Steifigkeits-Klassen: Soft Boots (Flex 1–3, für Park und Anfänger), Mid-Stiff (4–7, für Allmountain und Freeride), Stiff Boots (8–10, für Big-Mountain und Race). Verschluss-Systeme: BOA (Drehknopf, schneller Wechsel), traditionelle Schnürsenkel (mehr Anpassbarkeit, mehr Zeit) oder Speed-Lacing.

Schutzausrüstung

Helm Pflicht in jedem Stil — FIS schreibt seit 2010 für alle Wettkämpfe vor. Rückenprotektor bei Park und Big Mountain Standard. Handgelenksschoner in Soft Boots für Anfänger — die meisten Snowboard-Verletzungen sind Handgelenksbrüche beim Sturz nach hinten. LVS-Set (Lawinenverschüttetensuchgerät, Schaufel, Sonde) Pflicht im Backcountry.

Praktische Tipps

  • Anfänger-Set: Brett, Bindung und Boots zusammen ab etwa 500 EUR im Komplett-Paket, Mittelklasse 800 bis 1200 EUR, Profi-Setup 2000 EUR aufwärts. Erstmal mieten, bevor man kauft — viele Skischulen haben Wochenmiete um 80 EUR.
  • Stance herausfinden: Im Stehen überraschend von hinten gestoßen werden — der Fuß, der zuerst nach vorne geht, ist der Front-Foot. Goofy (rechter Fuß vorne) ist seltener als Regular (linker Fuß vorne), beides absolut gleichwertig.
  • + Lerndauer: Drei bis vier Tage Skikurs für die ersten sicheren Schwünge, eine ganze Woche für Carving-Grundlagen, ab da Eigenstudium auf der Piste. Wer einen Stil-Wechsel plant (Freestyle nach Freeride), nimmt nochmal eine Woche Spezial-Kurs.
  • i Skischule wählen: Reine Snowboard-Schulen haben besseres Material und mehr Erfahrung als Ski-Schulen mit Snowboard-Anhängsel. Prüf das Lehrer-Niveau (DSV oder vergleichbar) und ob die Gruppe wirklich Snowboard-only ist.
  • Verletzungsrisiko: Etwa 4 Verletzungen pro 1000 Snowboard-Tage laut SUVA-Statistik — Hauptbetroffen sind Handgelenke (40 Prozent), Schulter und Knie. Helm und Handgelenksschoner reduzieren das Risiko deutlich, vor allem im ersten Jahr.
  • Material pflegen: Belag jede Woche heißwachsen, Kanten alle zwei bis drei Wochen schärfen — beim Saisonende einlagern mit Wachs auf dem Belag, damit der Belag nicht austrocknet. Boot-Liner herausnehmen und trocknen, Schimmel ist der häufigste Material-Tod.
  • Sommer-Training: Stubai-Gletscher (Oktober bis Juni), Hintertux (ganzjährig), Saas-Fee (Juli bis September). Beste Park-Saison ist nicht der Hochwinter, sondern März und April mit Spring-Sessions auf weichem Schnee.

Insider-Tipps

Drei Hinweise, die nicht in jedem Snowboard-Buch stehen:

Die Stratton-Connection

Wer in Vermont Skifahren will, sollte einen Tag in Stratton Mountain einlegen — das Skigebiet, das 1983 als erstes weltweit Snowboarden zuließ, hat heute eines der besseren US-Snowparks. Der Carinthia Park mit zehn Kickern und 30 Rails wird jährlich von Burton-Pros getestet. Eintritt rund 130 USD pro Tag, Ausrüstungs-Verleih direkt im Tal.

Foam-Pit-Training in Innsbruck

Die Bergisel-Schanze in Innsbruck hat im Sommer einen Foam-Pit-Aufbau, in dem du Triple-Corks und Doppel-Backflips ohne Verletzungsrisiko üben kannst. Etwa 60 EUR pro 90-Minuten-Session mit Coach. Beste Vorbereitung für Big-Air- oder Slopestyle-Trainings im Winter.

Die Splitboard-Szene am Disentis

Disentis in Graubünden hat keine große Pisten-Renown, aber eine bemerkenswerte Splitboard-Szene mit eigenen Tour-Treffen jeden Donnerstag von Januar bis April. Treffpunkt 8:30 Uhr Talstation, geführte Tour mit Bergführer kostet 90 CHF, eigener LVS-Set und Schaufel sind Pflicht. Gute Mischung aus Anfänger- und Profi-Niveau.

Anschluss-Skills und Anschluss-Spots

Wer einen Stil drin hat, kann ihn erweitern — entweder zur nächsten Disziplin im selben Lager oder zu einem ganz anderen Bereich. Drei sinnvolle Anschlüsse:

Vom Freestyle zum Slopestyle

Wer auf der Piste sicher Sprünge und Switch fährt, ist reif für den Park. Erste Adresse: kleine Boxen am Anfängerhang, dann mittlere Kicker (3–5 Meter), zuletzt erst Rails und Big-Air-Sprünge. Park Laax hat klar markierte Schwierigkeitsstufen (XS, S, M, L, XL) — der Aufstieg geht über Wochen, nicht über Tage.

Vom Freeride zum Splitboard

Wer Tiefschnee-Sicherheit und Lawinen-Grundwissen hat, kann über den Splitboard-Schnupperkurs in den Tour-Sport einsteigen. Skitour-Grundkurs (DAV oder Alpenverein) als Vorbedingung empfohlen. Erste Touren in geschütztem Gelände: Disentis, Engelberg-Brunni, Lechtal.

Vom Alpine zum Snowboard-Cross

Wer schmale Race-Bretter und Hardboots beherrscht, hat die Speed-DNA für Boardercross — der Stil-Sprung ist kleiner als gedacht. Erste BX-Trainings in Cervinia oder Innichen, FIS-Trainingsgruppen nehmen über den DSV oder den ÖSV auf.

HÄUFIGE FRAGEN

Wer hat das Snowboard erfunden?

Sherman Poppen am Heiligabend 1965 in Muskegon, Michigan — er schraubte zwei Kinder-Skier zum sogenannten Snurfer zusammen. Der moderne Sport mit Bindungen geht aber auf Jake Burton Carpenter (Burton, 1977) und Tom Sims (Sims Snowboards, 1976) zurück, die unabhängig voneinander den Snurfer zum echten Sportgerät weiterentwickelten.

Wann wurde Snowboarden olympisch?

1998 in Nagano mit zwei Disziplinen: Riesenslalom (Alpine) und Halfpipe. Ross Rebagliati gewann das erste Snowboard-Gold im Riesenslalom, Gian Simmen aus der Schweiz in der Halfpipe. Boardercross folgte 2006, Slopestyle 2014, Big Air 2018.

Welcher Stil ist am besten für Anfänger?

Allmountain-Freestyle mit weichem Brett (Flex 4–5), Soft Boots und Duck-Stance (+15/-15 Grad). Das Setup ist verzeihend bei Stürzen und erlaubt sowohl Pistenfahren als auch erste Park-Erfahrungen. Reines Freeride- oder Race-Setup ist für Anfänger ungeeignet — zu spezialisiert, zu unverzeihend bei Material-Wechsel.

Wie lange dauert es, Snowboarden zu lernen?

Drei bis vier Tage Skikurs für erste sichere Schwünge auf blauen Pisten, eine Woche für Carving-Grundlagen, zwei bis drei Saisons für schwarze Pisten und Park-Einstieg, vier bis fünf Saisons für Stil-Spezialisierung. Schneller als Skifahren in der Anfangsphase (Tag 1–3), langsamer ab Mittelstufe.

Was unterscheidet Freestyle von Freeride?

Freestyle nutzt symmetrische Twin-Tip-Bretter mit Duck-Stance für Tricks und Switch-Fahren in Snowparks. Freeride nutzt Directional-Bretter mit Setback und vorwärts-orientiertem Stance für Tiefschnee und Steilhang. Material, Stance und Gelände sind komplett unterschiedlich — viele Profis haben zwei Setups.

Welche Pioniere prägen den heutigen Sport?

Jake Burton Carpenter (1954–2019, Burton-Gründer und Bindungs-Erfinder), Tom Sims (1950–2012, Skater-Crossover und Twin-Tip-Erfinder), Dimitrije Milovich (Winterstick-Gründer 1972, Powder-Vordenker) und Craig Kelly (viermaliger Weltmeister 1986–92, Freeride-Ikone, gestorben 2003 in einer Lawine in British Columbia). Vier Namen, vier Stile.

Was kostet ein gutes Snowboard-Setup?

Anfänger-Komplettpaket (Brett, Bindung, Boots) ab etwa 500 EUR, Mittelklasse 800 bis 1200 EUR, Profi-Setup 2000 EUR aufwärts. Splitboard-Setups sind teurer (1500 EUR aufwärts), weil das Brett geteilt und mit Skins, Pucks und Bindungs-Adapter ausgestattet ist. Erstmal mieten, bevor man kauft.

Wie hoch ist das Verletzungsrisiko beim Snowboarden?

Etwa 4 Verletzungen pro 1000 Snowboard-Tage laut SUVA — Hauptbetroffen sind Handgelenke (40 Prozent der Verletzungen), gefolgt von Schultern, Knien und Kopf. Helm reduziert Kopfverletzungen um etwa 35 Prozent, Handgelenksschoner reduzieren Handgelenkbrüche um etwa 50 Prozent. Im ersten Jahr ist das Risiko höher als später.

Wo trainieren die Profis im Sommer?

Stubai-Gletscher in Österreich (Oktober bis Juni), Hintertux (ganzjähriger Glacier-Park), Saas-Fee in der Schweiz (Juli bis September). Foam-Pit-Trainings am Bergisel in Innsbruck (Sommer-Programm) für Big-Air-Tricks ohne Verletzungsrisiko. Internationale Camps wie Camp of Champions (früher in Whistler, heute Saas-Fee) sind die Profi-Pflichttermine.

Was ist Splitboarding genau?

Ein Snowboard, das sich längs in zwei Tourenski teilen lässt. Mit Klebe-Skins und Tourenski-Bindung geht es bergauf, oben zusammenklipsen und als normales Snowboard runter. Erfunden 1991 von Brett Kobernik in Utah, kommerziell ab 1994 über die Marke Voile. Voraussetzung: Freeride-Erfahrung, Lawinen-Grundwissen, LVS-Set.

Welche Disziplin hat die höchsten Sprünge?

Big Air — die Olympia-Disziplin seit 2018 nutzt einen einzigen Kicker mit 30 bis 45 Meter Sprungweite. Aktueller inoffizieller Weltrekord-Trick ist der Quadruple Cork (vier Saltos mit dreifacher Schraube), gestanden erstmals 2015 von Billy Morgan. Im Vergleich Slopestyle nur 8 bis 15 Meter pro Kicker, Halfpipe 4 bis 6 Meter über Wandkante.

Welche Stile sind olympisch?

Aktuell sechs Disziplinen: Halfpipe (seit 1998), Parallel-Riesenslalom (seit 1998, Alpine), Boardercross (seit 2006), Slopestyle (seit 2014), Big Air (seit 2018), Parallel-Slalom (seit 2014). Nicht olympisch: Freestyle ohne Park-Format, Freeride und Splitboard. Letztere haben mit der Freeride World Tour eigene Wettkampf-Serien jenseits des FIS-Reglements.
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