Sarajevo ist die einzige europäische Hauptstadt, in der man innerhalb von 500 Metern eine osmanische Moschee, eine serbisch-orthodoxe Kirche, eine katholische Kathedrale und eine sephardische Synagoge besuchen kann — ein Stadtgrundriss, der Sarajevo seit dem 16. Jahrhundert den Beinamen Jerusalem Europas eingebracht hat. Die bosnische Hauptstadt liegt auf 511 Metern Höhe im fünf Kilometer langen Talkessel der Miljacka, eingerahmt von den Olympia-Bergen Bjelašnica, Igman, Jahorina und Trebević. Zwei Imperien haben sie geprägt: die Osmanen, die Sarajevo 1461 gründeten und mit der Baščaršija einen der größten Basare des Balkans anlegten, und die Habsburger, die nach 1878 mit Pseudo-Maurischer Architektur wie der Vijećnica und der ersten elektrischen Straßenbahn Europas einen mitteleuropäischen Westflügel hinzufügten. An der Lateinerbrücke fiel am 28. Juni 1914 der Schuss auf Erzherzog Franz Ferdinand, der den Ersten Weltkrieg auslöste. Von 1984 trägt Sarajevo das Erbe der XIV. Olympischen Winterspiele, von 1992 bis 1996 die Wunden der mit 1.425 Tagen längsten Belagerung einer Hauptstadt in der modernen Kriegsgeschichte. Die roten Sarajevo Roses erinnern an Granateneinschläge mitten in einer Stadt, die längst wieder Café-Häuser, Konzerte und ein blühendes Filmfestival hat. Wer drei bis fünf Tage einplant, versteht, warum Sarajevo zwischen Bosporus und Wien eine eigene Sprache spricht.
Anreise und Erreichbarkeit
Sarajevo liegt zentral auf dem Balkan, etwa gleich weit von der dalmatinischen Küste und der serbischen Donau entfernt. Drei Anreise-Optionen aus Deutschland und Österreich dominieren: Direktflüge ab fünf Stunden Reisezeit, Bahn über Wien und Zagreb in rund 24 Stunden oder Autobahn-Tour via Slowenien und Kroatien in zwei Tagen.
Mit dem Flugzeug
Der Flughafen Sarajevo (SJJ) liegt zwölf Kilometer südwestlich der Altstadt. Direktflüge ab Deutschland gibt es ganzjährig von München mit Lufthansa (1:30 Stunden), saisonal von Frankfurt, Stuttgart und Berlin. Aus Österreich bedienen Austrian und FlyBosnia die Strecke Wien — Sarajevo in 1:10 Stunden. Vom Flughafen fährt der Bus 36 in 35 Minuten zur Altstadt für rund 5 BAM, Taxi 25 bis 35 BAM mit offizieller Preis-Tabelle am Schalter.
Mit der Bahn
Internationale Verbindungen nach Sarajevo sind nach dem Krieg lange schwierig gewesen. Heute fährt einmal täglich der Nachtzug von Zagreb mit Umstieg in Doboj in rund 12 Stunden, die Verbindung ab Wien dauert mit zwei Umstiegen knapp 24 Stunden. Tagesverbindungen verkehren mehrfach täglich von Mostar in 2:30 Stunden durch den landschaftlich spektakulären Neretva-Canyon.
Mit dem Auto
Die übliche Auto-Route führt über Salzburg, Ljubljana, Zagreb und Slavonski Brod auf die A1, die seit 2023 durchgehend bis Tarčin ausgebaut ist. Von München sind es rund 1.060 Kilometer und 12 Stunden Fahrzeit. Bosnien verlangt eine grüne Versicherungskarte, Maut wird per Offline-Vignette oder Cash an Mautstationen bezahlt.
Vor Ort bewegen
Die Altstadt rund um Baščaršija ist komplett zu Fuß erschließbar — der historische Kern misst kaum 700 Meter. Für längere Wege nutzt man die Straßenbahnlinie 3, die seit 1885 fährt und damit die zweitälteste Straßenbahn Europas ist (nach Wien). Ticket 1,80 BAM beim Schaffner. Taxis sind erschwinglich (Grundtarif 1,50 BAM plus 1 BAM/km), Bolt und Uber funktionieren nicht. Fürs Olympia-Plateau besser Mietwagen oder geführte Tour.
Baščaršija — der osmanische Basar als pulsierendes Herz
Die Baščaršija (vom türkischen Baş Çarşı für Hauptbasar) wurde ab 1462 unter dem osmanischen Stadtgründer Isa-Beg Ishaković angelegt und ist bis heute das geografische, gastronomische und touristische Zentrum Sarajevos. Auf etwa 27 Hektar verdichten sich Handwerkergassen, Karawansereien, Hamams, sieben kleine Stadtmoscheen und Hunderte von Café-Häusern. Anders als der überwucherte Große Basar in Istanbul ist die Baščaršija überschaubar — man verläuft sich nicht, sondern erkundet von Gasse zu Gasse.
Sebilj-Brunnen und Tauben-Platz
Der hölzerne Sebilj-Brunnen aus dem Jahr 1891 ist das ikonische Wahrzeichen der Baščaršija. Der achteckige Pavillon mit dem grünen Pagodendach steht auf dem Plein-Air-Platz Pigeon Square. Ein bosnischer Volksglaube besagt, dass jeder, der vom Sebilj trinkt, eines Tages nach Sarajevo zurückkehrt. Das Wasser ist trinkbar und kalt, der Brunnen läuft seit Restaurierung 1913 ununterbrochen.
Kazandžiluk — die Kupferschmied-Gasse
Die enge Gasse Kazandžiluk östlich des Sebilj-Platzes ist die letzte aktive Handwerkergasse Sarajevos. Hier arbeiten noch 15 bis 20 Kupferschmiede in der dritten oder vierten Generation an Kaffeekannen (Džezve), Tabletts und ziselierten Bechern. Handgeschmiedete Džezve-Sets kosten 40 bis 80 BAM, deutlich weniger als in Mostar.
Morića Han — die letzte erhaltene Karawanserei
Die Morića Han aus dem späten 16. Jahrhundert war einst eine der 50 Karawansereien Sarajevos. Heute beherbergt sie im Innenhof ein klassisches Café mit osmanischen Diwanen sowie einen Teppichladen mit handgeknüpften Stücken aus Anatolien und dem Balkan. Der Innenhof ist tagsüber kostenlos zugänglich und einer der ruhigsten Punkte in der Baščaršija.
Gazi-Husrev-Beg-Moschee — das osmanische Meisterwerk
Die Gazi-Husrev-Beg-Moschee von 1531 ist die größte historische Moschee Bosnien-Herzegowinas und gilt als das bedeutendste Bauwerk der frühen osmanischen Klassik außerhalb der Türkei. Bauherr Gazi Husrev-Beg beauftragte den Mimar-Sinan-Schüler Acem Esir Ali, der eine viereckige Vorhalle, eine Kuppel von 13 Metern Spannweite und ein Minarett von 47 Metern errichtete. Der Komplex umfasst zudem die Begova-Madrasa, die Imaret-Suppenküche, das Tašlihan-Hostel sowie die Sat-Kula, einen Uhrturm, dessen Uhr noch heute nach mondbasierter osmanischer Zeit läuft — die einzige funktionierende dieser Art weltweit. Besucher betreten den Innenhof barfuß über den Marmorhof mit der Šadrvan-Brunnenanlage. Im Inneren beeindrucken Wandmalereien aus dem 19. Jahrhundert, sechs persische Teppiche von 1898 und der Mihrab mit Muqarnas-Stalaktiten. Eintritt rund 3 BAM für die Moschee, 5 BAM für Begova-Madrasa und Schatzhaus mit der Original-Stiftungsurkunde von 1531.
Lateinerbrücke und das habsburgische Erbe
Die kleine Lateinerbrücke (Latinska ćuprija) über die Miljacka stammt aus dem Jahr 1798. Heute ist sie eine der berühmtesten Brücken der Welt, weil exakt an ihrer nördlichen Ecke am 28. Juni 1914 der serbische Nationalist Gavrilo Princip auf Erzherzog Franz Ferdinand und dessen Frau Sophie Chotek schoss — der Schuss, der den Ersten Weltkrieg auslöste. Direkt an der Brücke befindet sich das Museum Sarajevo 1878 bis 1918, das die 40-jährige österreichisch-ungarische Periode dokumentiert. In dieser Zeit verwandelten die Habsburger Sarajevo vom Provinzstädtchen in eine moderne Metropole — mit elektrischer Straßenbahn ab 1885 (vor Wien), erstem Kino auf dem Balkan ab 1913 und über 100 öffentlichen Gebäuden im pseudo-maurischen Stil. Der Architekt Karl Pařík alleine entwarf 70 Bauten, darunter die Vijećnica und die Synagoge.
Ferhadija — der westliche Boulevard
Die Fußgängerzone Ferhadija ist die Hauptachse zwischen orientalischer Baščaršija und westlicher Marijin-Dvor-Erweiterung. Auf 700 Metern reihen sich habsburgische Geschäftshäuser, Wiener Kaffeehäuser, das Hotel Europe (1882, ältestes Stadthotel) und die alte Bezistan-Markthalle aneinander. Mitten auf dem Pflaster markiert eine messingfarbene Linie mit der Inschrift Sarajevo Meeting of Cultures die exakte Grenze zwischen osmanischem und österreichischem Stadtteil — ein Foto-Klassiker.
Sarajevo Šeher — Old Town gegen New Town
Die Sarajevoer Altstadt heißt auf Bosnisch Šeher und reicht historisch nur bis zur Markierungslinie der Ferhadija. Östlich davon liegt der osmanische Šeher mit niedrigen Stein- und Holzhäusern, engen Gassen und Mahala-Vierteln um kleine Moscheen. Westlich beginnt der habsburgische Šeher mit fünf- bis sechsstöckigen Mietshäusern und Boulevards. Drei Mahala-Viertel lohnen einen Spaziergang weg von der Hauptachse: Vratnik am Berghang mit der Žuta Tabija als Aussichtspunkt, Bjelave westlich der Baščaršija mit Galerien und Cafés, sowie Kovači südöstlich mit dem Märtyrer-Friedhof Šehidsko mezarje und dem Grab von Präsident Alija Izetbegović.
Vijećnica — das wiederaufgebaute Rathaus im austro-ungarischen Stil
Die Vijećnica am Ostende der Altstadt ist das spektakulärste Habsburger-Erbe Sarajevos. Der pseudo-maurische Prachtbau wurde 1892 bis 1896 nach Plänen von Karl und Alexander Wittek sowie Ćiril Iveković errichtet und kombiniert islamische Architekturelemente mit der Großzügigkeit eines mitteleuropäischen Rathauses. Nach 1949 diente das Gebäude als Nationalbibliothek mit zwei Millionen Büchern. In der Nacht vom 25. auf 26. August 1992 zerstörten serbische Granaten die Vijećnica vollständig. Mehr als 90 Prozent des Buchbestands verbrannten, Bibliothekarin Aida Buturović starb beim Versuch, Handschriften zu retten. Der Wiederaufbau dauerte 22 Jahre und kostete 19,5 Millionen Euro, finanziert vor allem von EU, Österreich, Ungarn und Spanien. Seit 9. Mai 2014 ist die Vijećnica wieder offen. Eintritt 10 BAM, geführte Tour eine Stunde in mehreren Sprachen.
Sarajevo Roses — Mahnmale der Belagerung
Wer durch Sarajevo läuft, entdeckt im Asphalt immer wieder kleine, mit rotem Harz ausgefüllte Krater — die Sarajevo Roses (Sarajevske ruže). Sie markieren Einschlagstellen von Granaten aus der Belagerung 1992 bis 1996, bei denen mindestens drei Menschen starben. Die rote Füllung gleicht einer aufgesprengten Blume, daher der Name. Rund 200 dieser Mahnmale sind heute noch erhalten. Die längste Belagerung einer Hauptstadt in der modernen Kriegsgeschichte dauerte 1.425 Tage, dreimal so lange wie Stalingrad. Schätzungen sprechen von 11.541 Toten in der Stadt, davon 1.601 Kinder, bei einer Vorkriegsbevölkerung von 525.000. Tag für Tag fielen im Schnitt 329 Granaten, am Spitzentag 3. Juli 1993 sogar 3.777. Die Sniper Alley entlang der Hauptstraße Zmaja od Bosne wurde zum Synonym für Heckenschützen-Beschuss.
Tunnel-Museum — die Lebensader unter der Startbahn
Das Tunnel-Museum (Tunel spasa) im Stadtteil Butmir am südlichen Stadtrand erzählt die Geschichte des einzigen Versorgungswegs, der Sarajevo während der Belagerung mit der freien Außenwelt verband. Zwischen März und Juni 1993 gruben bosnische Pioniere unter der von der UN kontrollierten Flughafen-Startbahn einen 720 Meter langen, 1,60 Meter hohen und 1 Meter breiten Tunnel von Hand. Über die gesamte Kriegsdauer transportierten 4.000 Menschen täglich rund 30 Tonnen Lebensmittel, Munition und Treibstoff durch den Tunnel — auf Schubkarren und über Schienen mit Loren. Heute sind 25 Meter des originalen Tunnels begehbar. Das Museum im ehemaligen Wohnhaus der Familie Kolar zeigt Original-Uniformen, Fotos und einen 18-minütigen Film. Eintritt 10 BAM, vom Zentrum 25 Minuten Taxifahrt (rund 30 BAM). Eine geführte Tour mit Hotel-Abholung kostet etwa 35 Euro und bietet im Paket auch Sniper Alley und Yellow Bastion.
Olympia-Erbe 1984 — als Sarajevo die Welt empfing
Vom 8. bis 19. Februar 1984 richtete Sarajevo als erste Stadt eines sozialistischen Landes Olympische Winterspiele aus — die XIV. Winterspiele mit 1.272 Athleten aus 49 Nationen. Der bosnische Eiskunstläufer Jure Franko gewann Silber, das deutsche Bob-Duo Schauerhammer/Brehme holte Bronze. Die Olympia-Stätten liegen verteilt um Sarajevo. Auf dem Berg Trebević (1.629 Meter) steht heute die verrostete Bob- und Rodelbahn — ein 1.300 Meter langer Beton-Skelettbau, der von Graffiti-Künstlern zur Open-Air-Galerie umgewidmet wurde und einer der beliebtesten Urbex-Spots Europas ist. Erreichbar in 12 Minuten mit der seit 2018 wieder fahrenden Trebević-Seilbahn (15 BAM einfach, ab Bistrik). Auf Jahorina (1.916 Meter) und Bjelašnica (2.067 Meter) sind die Olympia-Pisten heute aktive Ski-Resorts mit jeweils rund 25 Pistenkilometern.
Vier Religionen in Sichtweite — das Wunder von Sarajevo
Innerhalb eines Halbkreises von 500 Metern Radius rund um den Sebilj-Brunnen stehen vier Gotteshäuser von vier Weltreligionen — eine in Europa einzigartige Konstellation. Sie ist Ergebnis von 500 Jahren Stadtgeschichte, in denen Sultane, sephardische Rabbis, orthodoxe Metropoliten und katholische Bischöfe ihre Communities nebeneinander ansiedelten.
Gazi-Husrev-Beg-Moschee (1531)
Sunnitisch-muslimisch, osmanisch-klassisch, das spirituelle Zentrum der bosnischen Muslime. Etwa 51 Prozent der Sarajevoer sind muslimischen Glaubens, davon viele liberal-säkular. Besichtigung zwischen den Gebeten erlaubt.
Alte Synagoge Stari Hram (1581)
Die älteste sephardisch-jüdische Synagoge des Balkans, errichtet von sephardischen Juden, die nach der Vertreibung aus Spanien 1492 hier Asyl fanden. Heute beherbergt sie das Jüdische Museum mit Sammlungen zur 500-jährigen Geschichte. Vor dem Holocaust lebten 12.000 Juden in Sarajevo, heute rund 700. Eintritt 4 BAM.
Alte Orthodoxe Kirche (Sveti Mihael, 16. Jh.)
Die unscheinbare alte serbisch-orthodoxe Kirche aus osmanischer Zeit liegt versteckt im Hof eines Wohnhauses an der Mula Mustafe Bašeskije. Unter osmanischer Herrschaft durfte sie nicht höher sein als ein Reiter zu Pferd. Im 19. Jahrhundert ergänzten die Habsburger die pompösere Kathedrale der Geburt der Gottesmutter direkt nebenan.
Herz-Jesu-Kathedrale (1889)
Die neugotische katholische Kathedrale wurde 1889 vom Architekten Josip Vancaš nach Vorbild der Notre-Dame-de-Dijon errichtet, Sitz des Erzbistums Vrhbosna. Vor der Kathedrale steht seit 2014 die Bronzestatue Papst Johannes Pauls II. Etwa 5 Prozent der Sarajevoer sind katholisch, vor allem bosnische Kroaten.
Die 6 Schlüssel-Erlebnisse im Überblick
Basar-Bummel Baščaršija
Drei Stunden durch Kupferschmied-Gasse, Sebilj-Brunnen und Morića Han mit Kaffee-Stopp im Café Divan. Idealer Start am späten Vormittag.
Moschee-Besuch Gazi-Husrev-Beg
Außerhalb der fünf Gebetszeiten 3 BAM Eintritt, Schuhe ausziehen, Kopftuch kostenlos. Begova-Madrasa und Sat-Kula-Uhrturm inklusive — eine Stunde.
Kathedrale und Synagoge
Herz-Jesu-Kathedrale täglich frei zugänglich. Die Alte Synagoge beherbergt das Jüdische Museum für 4 BAM, mittwochs und sonntags geschlossen.
Café im Šadrvan-Stil
Bosnischer Kaffee mit Lokum und Wasserglas für 3 bis 5 BAM. Empfohlen Slatko Ćoše im Mala Daira oder Café Divan in der Morića Han.
Tunnel-Museum Butmir
Drei Stunden inklusive Anreise, ideal als Teil einer 4-Stunden-War-Tour mit Sniper Alley und Yellow Bastion. Eintritt 10 BAM, Tour rund 35 Euro.
Trebević-Seilbahn
Zwölf-Minuten-Fahrt von Bistrik auf 1.164 Meter. Vom Gipfel Wanderung zur verlassenen Bob-Bahn und Panorama. 15 BAM einfach, 20 BAM hin/zurück.
Café-Kultur — Türkisch trifft Wienerisch
Kaum eine andere Stadt zelebriert die Café-Kultur so doppelgesichtig wie Sarajevo. Östlich der Meeting-of-Cultures-Linie dominiert die osmanische Tradition mit bosnischem Kaffee aus der Džezve-Kupferkanne, serviert mit Rahatlokum und einem Glas kaltem Wasser. Der Kaffee wird in winzigen Fildžan-Tässchen getrunken, der Satz bleibt am Boden. Westlich der Linie eröffneten die Habsburger ab 1882 Wiener Kaffeehäuser mit Marmortischen und Kaisermelange — das Hotel Europe und das Café Tito an der Ferhadija pflegen diese Tradition bis heute. Sarajevoer Spezialität sind die Salon-Cafés Druga Sloboda, Karabit oder Underground mit Live-Jazz und kuratierten Buchregalen. Bosnischer Kaffee kostet 2 bis 4 BAM, Wiener Espresso 3 bis 6 BAM.
Sehadetstein — wo Bosniens Märtyrer ruhen
Sehadetstein heißt im Bosnischen Märtyrer-Stein und bezeichnet die schlanken weißen Grabsteine ohne Inschrift auf den Friedhöfen der Belagerungs-Toten. Der größte dieser Friedhöfe, Šehidsko mezarje Kovači, liegt direkt unterhalb der Yellow Bastion im Vratnik-Viertel und beherbergt rund 1.000 Gräber bosnischer Soldaten und Zivilisten, die zwischen 1992 und 1995 fielen. In der Mitte ruht Alija Izetbegović (1925 bis 2003), erster Präsident der Republik Bosnien-Herzegowina, in einem schlichten Marmor-Sarkophag. Die weißen Stelen reihen sich in geometrischer Strenge bis zum Hang hinauf, lediglich Geburts- und Todesjahr in arabischer und lateinischer Schrift. Der Friedhof ist ganzjährig frei zugänglich und einer der besten Sunset-Spots Sarajevos.
Sarajevo gestern und heute — Baščaršija oder Marijin Dvor?
Die fünf Stadtteile bilden den Querschnitt Sarajevos vom Mittelalter bis heute. Mit einem Tag kombiniert man Baščaršija und Ferhadija, drei Tage erlauben Vratnik und Skenderija.
Praktische Tipps für den Sarajevo-Besuch
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€
Bargeld in Konvertibler Mark mitnehmen
BAM ist die einzige offizielle Währung, Euro werden in vielen Lokalen akzeptiert, der Wechselkurs ist aber meist schlechter als am Bankomat. Geldautomaten der UniCredit oder Raiffeisen erlauben kostenlose Abhebung mit deutscher Karte bis 400 BAM pro Tag.
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Drei Tage als Minimum einplanen
Ein Tag für Baščaršija und vier Religionen, ein zweiter für Vijećnica, Tunnel-Museum und Sniper Alley, ein dritter für Trebević-Seilbahn und Yellow Bastion. Wer fünf Tage hat, ergänzt einen Tagesausflug nach Mostar (2:30 h mit dem Zug) oder zu den Quellen der Buna in Blagaj.
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i
Sarajevo Tourist Information am Sarači
Die offizielle Info-Stelle in der Baščaršija (Sarači 58, neben dem Sebilj) bietet kostenlose Stadtpläne, geführte Walking-Tours für 10 BAM und vermittelt War-Tours zum festen Preis. Öffnungszeiten täglich 9 bis 19 Uhr im Sommer, bis 17 Uhr im Winter. Website sarajevo.travel als digitale Vorbereitung.
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⌘
Bosnischen Kaffee niemals umrühren
Der Kaffeesatz bleibt am Boden der Fildžan-Tasse — wer rührt, beleidigt den Brauer. Vor dem ersten Schluck ein Stück Lokum lutschen, dann den Kaffee in kleinen Zügen trinken.
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♿
Kopftuch und bedeckte Schultern für Moscheen
Frauen erhalten am Eingang der Gazi-Husrev-Beg-Moschee kostenlos ein Kopftuch zum Ausleihen, lange Hosen oder Wickelröcke werden empfohlen. Schuhe werden vor Betreten ausgezogen und in offenen Regalen abgelegt — Diebstähle sind extrem selten. Während der fünf täglichen Gebetszeiten ist der Innenraum geschlossen.
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☀
Sunset-Spots Yellow Bastion und Trebević
Die Žuta Tabija (Yellow Bastion) im Vratnik ist 15 Gehminuten von der Baščaršija entfernt und kostenlos zugänglich, Sonnenuntergang Mai bis September zwischen 20 und 21 Uhr. Der Trebević-Gipfel ist ruhiger, Seilbahn-Rückfahrt kostet 20 BAM.
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Sicherheit überdurchschnittlich gut
Sarajevo gilt als eine der sichersten Hauptstädte Europas. Vorsicht ist beim Wandern abseits markierter Wege geboten — in Bosnien-Herzegowina liegen noch rund 80.000 nicht geräumte Landminen.
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☂
Wetter mit Talkessel-Effekt
Sarajevos Talkessel produziert im Winter eine berüchtigte Smog-Inversion, die Stadt rangiert wochenweise unter den fünf am stärksten luftverschmutzten Städten Europas. Wer im Januar oder Februar kommt, packt FFP2-Masken ein.
Insider-Tipps von einem Sarajevo-Kenner
Geheimtipp Bistrik-Brauerei
Die Sarajevska Pivara wurde 1864 unter den Osmanen gegründet — die einzige Brauerei im Osmanischen Reich, weil die Mönche aus dem benachbarten Trappisten-Kloster die Erlaubnis erwirkten. Heute ist die Brauerei im Bistrik-Viertel ein lebendiges Museum mit Restaurant und Verkostung. Während der Belagerung versorgte sie mit ihren Brunnen die Stadtbevölkerung mit Trinkwasser. Eintritt 5 BAM, Verkostungs-Flight 12 BAM.
Stadtteil Ilidža und Vrelo Bosne
Am westlichen Stadtrand entspringt der Fluss Bosna aus 12 Quellen am Fuß des Igman — eine 1,5 Kilometer lange Promenade mit 110-jährigen Platanen führt vom Pferdekutschen-Stand zum Quellgebiet. Im 19. Jahrhundert war Vrelo Bosne der Wiener Lieblings-Ausflugsort. Anreise mit Straßenbahn 3 bis Ilidža, dann Bus 36 oder Pferdekutsche (10 BAM).



