Die litauische Küche ist eine der ehrlichsten und am wenigsten bekannten Esskulturen Europas. Auf rund 65.300 Quadratkilometern zwischen Ostsee, Memel und den weiten Wäldern von Aukštaitija entsteht eine Tradition, die Kartoffel, Roggen, Rote Bete, geräucherte Wurst, Honig und Sauermilch zu eigenständigen Klassikern formt. Schwere Schmorgerichte aus dem Eisentopf, hauchdünner gerösteter Roggen aus den Kneipen Vilnius, gefüllte Kartoffelklöße aus Žemaitija und Karaim-Pasteten aus Trakai ergeben ein Geschmacksbild, das spürbar polnisch, jüdisch und tatarisch geprägt ist und trotzdem ganz für sich steht. Wer zehn bis vierzehn Tage mitbringt, kombiniert die Markthalle Halės Turgus in Vilnius mit Familienrestaurants in der Altstadt, Karaim-Tavernen in Trakai, Honighöfen bei Anykščiai und einem langen Abend mit Met und Šakotis bei einer Imkerfamilie. Diese Genussreise ist kein Restaurant-Hopping, sondern eine Einladung in eine Esskultur, die im rauen Klima entstand und sich erst beim Verweilen ganz erschließt.
Anreise und Erreichbarkeit
Eine Genussreise durch Litauen startet meistens in Vilnius, weil sich von dort die wichtigen kulinarischen Regionen sternförmig erschließen - die Karaim-Tavernen in Trakai, die Bauernhöfe und Bierregion rund um Utena und Anykščiai, das samogitische Hügelland um Telšiai und Plungė sowie die Hafenstadt Klaipėda mit Räucherfisch und der Küstenregion Neringa. Für einen Überblick zu Regionen, Erzeugern und Festen hilft die offizielle Tourismusdomain lithuania.travel mit fundiertem Hintergrund zu Produkten, Anbaugebieten und kulinarischen Veranstaltungen.
Mit dem Auto
Aus Mitteleuropa führt die Landanreise über Polen an den Grenzübergang Budzisko-Kalvarija an der Via Baltica E67, von Berlin sind es rund 1.000 Kilometer und 12 bis 14 Stunden Fahrzeit. Aus Lettland gibt es einen schnellen Anschluss von Riga über die A8 nach Panevėžys. Die Autobahnen A1 zwischen Vilnius und Klaipėda und A2 nach Panevėžys sind gut ausgebaut, Nebenstrecken zu Honighöfen und Räuchereien verlangen Zeit. Im Winter sind Winterreifen mit gutem Profil dringend zu empfehlen.
Mit der Bahn und dem ÖPNV
Das litauische Bahnnetz Lietuvos Geležinkeliai verbindet Vilnius mit Kaunas, Klaipėda, Šiauliai und Trakai. Die Strecke Vilnius nach Trakai dauert rund 30 Minuten und kostet 2 bis 4 Euro, Vilnius nach Klaipėda braucht 4 bis 5 Stunden. Fernbusse von Lux Express, Ecolines und Kautra erschließen das Land dichter als die Bahn, Tickets kosten 8 bis 25 Euro. Für gezielte Hofbesuche reicht der ÖPNV jedoch oft nicht aus.
Mit dem Flugzeug
Direktflüge nach Vilnius gibt es ab Frankfurt, München, Berlin, Wien und Zürich, die Flugzeit beträgt rund zwei Stunden. Alternative Einstiegsflughäfen sind Kaunas im Landesinneren sowie Palanga an der Ostseeküste für die Kurische Nehrung und Klaipėda. Vom Flughafen Vilnius ins Zentrum fährt der Bus 88 in 20 Minuten für 1 Euro.
Vor Ort bewegen und Parken
In der Altstadt Vilnius lohnt das Auto kaum, die wichtigen Adressen sind zu Fuß und mit dem Bus erreichbar. Für Honighöfe in Aukštaitija, Käsereien in Žemaitija und Räuchereien an der Küste ist ein Mietwagen klar von Vorteil. In den Altstädten von Vilnius, Kaunas und Klaipėda herrscht Kopfsteinpflaster, festes Schuhwerk ist Pflicht. Parkplätze gibt es am Altstadtrand für 1 bis 3 Euro pro Stunde.
Die siebzehn Geschmacksstationen der litauischen Küche
Die folgenden siebzehn Stationen ergeben gemeinsam ein realistisches Bild der litauischen Küche jenseits der üblichen Foto-Klassiker. Sie reichen vom Kartoffelkloß Cepelinai über die kalte Sommersuppe Šaltibarščiai bis zu Pasteten, Pfannkuchen, Wurst, Käse, Süßspeisen, Bier und Honigwein sowie den großen Marktszenen in Vilnius.
Cepelinai - die Kartoffelklöße mit Fleischfüllung
Cepelinai gelten als heimliches Nationalgericht Litauens und tragen ihren Namen wegen der zeppelinartigen Form. Aus geriebenen rohen und gekochten Kartoffeln entsteht ein dichter Teig, der mit gewürztem Schweinehack gefüllt, in Salzwasser gekocht und mit gebratenem Speck, Zwiebeln und Sauerrahm angerichtet wird. Ein einzelner Cepelin wiegt 250 bis 400 Gramm, eine Portion mit zwei Klößen sättigt einen ganzen Tag. In Familienrestaurants in Vilnius, Kaunas und Trakai kostet eine Portion 8 bis 13 Euro, dazu passen Gira oder ein Glas Švyturys.
Šaltibarščiai - die kalte Rote-Bete-Suppe
Šaltibarščiai ist der unverkennbare pinke Sommerklassiker der baltischen Küche und gehört zwischen Juni und September auf jede Speisekarte. Geriebene gekochte Rote Bete, Gurke, Frühlingszwiebel, hartgekochtes Ei und frischer Dill werden in kaltem Kefir verrührt und tiefkalt serviert. Dazu gehören warme, mit grobem Salz bestreute Kartoffeln auf einem extra Teller. Die Farbe ist leuchtend rosa, der Geschmack erfrischend und säuerlich. Eine Portion kostet 4 bis 8 Euro und gilt als beste Antwort auf einen heißen baltischen Sommertag.
Kepta Duona - der geröstete Knoblauch-Roggen-Snack
Kepta Duona ist der unangefochtene Kneipen-Klassiker Litauens und steht in jeder Bierwirtschaft zwischen Vilnius und Klaipėda. Aus dem dunklen sauerteigschweren Roggenbrot werden lange Stäbchen geschnitten, in Öl knusprig geröstet, mit reichlich rohem Knoblauch eingerieben und mit einer Schale Käsedip oder Knoblauchmayonnaise zum Eintauchen serviert. Der Geschmack ist intensiv, salzig, knoblauchstark und macht Durst auf das nächste Glas Bier. Eine kleine Portion kostet in Vilnius 3 bis 5 Euro, eine große Sharingplatte 6 bis 9 Euro.
Skilandis - die geräucherte Schweinewurst
Skilandis ist eine traditionsreiche kaltgeräucherte Wurst aus Aukštaitija, in Litauen seit 2010 mit europäischem Herkunftsschutz versehen. Grob gewolftes Schweinefleisch wird mit Knoblauch, Pfeffer, Salz und Kümmel gewürzt, in einen ausgehöhlten Schweinemagen gefüllt, drei bis sechs Wochen kaltgeräuchert und anschließend luftgetrocknet. Das Ergebnis ist eine feste Wurst mit kräftigem Raucharoma und ausgeprägter Knoblauchnote. Ein Stück von 200 Gramm kostet auf dem Halės Turgus 6 bis 12 Euro und wird in dünnen Scheiben mit Roggenbrot und Bier serviert.
Kibinai - die Karaim-Pasteten aus Trakai
Kibinai sind halbmondförmige Teigpasteten und gehen auf die Karaim-Gemeinde zurück, die im 14. Jahrhundert vom Großfürsten Vytautas aus der Krim nach Trakai gebracht wurde. Der Mürbeteig wird mit gewürztem Hammel-, Rind- oder Hühnerfleisch sowie Zwiebel gefüllt, am Rand geflochten und im Ofen goldbraun gebacken. In Trakai servieren die alten Karaim-Tavernen am Burgsee Kibinai warm mit klarer Hühnerbrühe als Begleitung. Ein Stück kostet 2 bis 3,50 Euro, drei bis vier Pasteten ergeben eine sättigende Mahlzeit.
Žemaičių Blynai - die samogitischen Pfannkuchen
Žemaičių Blynai sind eine Spezialität aus Žemaitija im Westen Litauens und unterscheiden sich deutlich von dünnen Crêpes. Aus gekochten Kartoffeln, Ei, Mehl und Salz entsteht ein dichter Teig, der zu kleinen Fladen geformt, mit Fleisch, Pilzen oder Quark gefüllt und in Butter goldbraun gebraten wird. Serviert werden sie mit Speck-Zwiebel-Sauce, Sauerrahm und Apfelmus. In Familienrestaurants in Telšiai, Plungė und Kretinga kosten zwei bis drei Stück mit Beilage 7 bis 11 Euro.
Bulvių Plokštainis - der Kartoffelpudding aus dem Ofen
Bulvių Plokštainis, auch Kugelis genannt, ist ein dichter Kartoffelpudding aus dem Ofen und ein Sonntagsklassiker. Geriebene rohe Kartoffeln werden mit Ei, gebratenem Speck, Zwiebel, etwas Milch und Mehl vermischt und 60 bis 90 Minuten gebacken, bis die Oberseite kross und goldbraun ist. Serviert wird in handgroßen Stücken mit Speck-Zwiebel-Sauce und Sauerrahm, dazu Sauerkraut oder eingelegte Gurken. Eine Portion kostet im Restaurant 6 bis 9 Euro.
Saltanosiukai - die kalten Käse-Taschen
Saltanosiukai sind eine ländliche Spezialität aus Aukštaitija und Suvalkija - kleine kalte Teigtaschen aus dünnem Nudelteig, gefüllt mit frischem Quark, Salz, etwas Zucker und Kümmel, kurz blanchiert und kalt mit Sauerrahm, Honig oder Beerenkompott serviert. Der Name bedeutet sinngemäß kalte Nasen und verweist auf die kühle Konsistenz. In bäuerlichen Gaststätten rund um Marijampolė und Vilkaviškis findet man Saltanosiukai noch frisch zubereitet, eine Portion mit acht bis zwölf Taschen kostet 5 bis 8 Euro.
Rauchwurst aus Aukštaitija
Neben Skilandis hat Litauen eine breite Familie kaltgeräucherter Würste, darunter Pernyčios aus magerem Schweinefleisch, Žmogžalė aus Schwein mit Lammanteil und Karštai Rūkyta Dešra als heiß geräucherte Variante. Die Wurstmacher rund um Ignalina, Zarasai und Anykščiai arbeiten mit Erlen- und Wacholderholz, das eine charakteristisch süßliche Rauchnote erzeugt. Auf dem Halės Turgus gibt es eigene Stände nur für Rauchwurst, ein Stück von 150 Gramm kostet je nach Sorte zwischen 4 und 9 Euro.
Rauchschinken vom Schwein
Der litauische Rauchschinken, Rūkytas Kumpis genannt, entsteht in Bauernhöfen rund um Trakai, Anykščiai und Ignalina noch nach alten Familienrezepten. Die Schweinekeule wird in Salzlake aus Wacholderbeeren, Pfeffer und Lorbeer mehrere Wochen mariniert, anschließend zwei bis vier Wochen über Erlen- und Wacholderholz kaltgeräuchert und mehrere Monate im kühlen Keller gereift. Das Ergebnis ist ein fester, dunkler Schinken mit intensivem Raucharoma, eine 200-Gramm-Scheibe direkt vom Hof kostet 7 bis 12 Euro.
Litauisches Bier - Švyturys und Utenos
Litauen blickt auf eine eigenständige Biertradition zurück, die anders schmeckt als das deutsche oder tschechische Pendant. Die beiden landesweit präsenten Marken sind Švyturys aus Klaipėda mit dem hellen Ekstra und dem dunklen Baltas sowie Utenos aus Utena mit klassischem Pilsstil. Daneben blüht eine Craft-Beer-Szene mit Brauereien wie Sakiškės, Davra und Rinkuškiai sowie der bäuerlichen Tradition Kaimiškas Alus aus Aukštaitija, oft aus dem Holzfass gezapft. Ein Glas kostet in Vilnius 3 bis 5 Euro, im Craft-Pub bis 7 Euro.
Met - der litauische Honigwein
Met, in Litauen Midus genannt, ist der älteste alkoholische Trank des Landes und blickt auf eine Tradition aus dem frühen Mittelalter zurück. Hochwertiger Bienenhonig wird mit Quellwasser verdünnt, mit Kräutern wie Lindenblüte, Wermut, Wacholder oder Pfefferminze versetzt und über mehrere Monate bis zu zwei Jahre langsam vergoren. Das Ergebnis ist ein bernsteinfarbener Likör mit 10 bis 18 Prozent Alkohol, fruchtig-süßer Note und langem Nachklang. Eine 0,5-Liter-Flasche aus einer kleinen Imkerei rund um Anykščiai oder Stakliškės kostet 12 bis 28 Euro.
Sasiankas und der litauische Honig
Honig spielt in Litauen eine kulturhistorisch große Rolle und das Land gilt als eines der bienenreichsten Europas. Imker rund um Anykščiai, Ignalina und Druskininkai produzieren neben Blütenhonig auch Lindenhonig, Heidehonig, Buchweizenhonig und den seltenen dunklen Tannenhonig. Eine regionale Spezialität ist Sasiankas, ein Honig mit dunkler Farbe und kräftigem Aroma aus dem Hochwald im Nordosten. Auf Bauernmärkten kostet ein 500-Gramm-Glas 8 bis 16 Euro, viele Imker öffnen ihre Höfe für Verkostungen mit Brot, Käse und Met.
Tinginys - das No-Bake-Dessert
Tinginys bedeutet auf Litauisch sinngemäß der Faule und beschreibt charmant die einfache Zubereitung dieses Schokoladen-Desserts ohne Backofen. Aus zerbrochenem Butterkeks, geschmolzener Butter, Kakao, Kondensmilch und einem Schuss Likör entsteht eine dicke Masse, die zu einer langen Rolle geformt und mehrere Stunden im Kühlschrank fest wird. Aufgeschnitten zeigt sich ein Mosaik aus Keksstückchen in dunkler Schokoladen-Masse. Ein Stück gibt es in Cafés in Vilnius und Kaunas für 2 bis 4 Euro.
Šakotis - der festliche Baumkuchen
Šakotis ist der bekannteste litauische Festkuchen und prägt das Bild jeder Hochzeit, Taufe und runden Geburtstagsfeier. Aus einem dicken Teig aus Eiern, Butter, Mehl, Zucker und Sahne wird auf einem rotierenden Spieß über offener Flamme Schicht für Schicht ein Baumkuchen mit vielen Spitzen und Ästen gebacken. Ein großer Šakotis erreicht 50 bis 80 Zentimeter Höhe, wiegt drei bis sechs Kilogramm und braucht mehrere Stunden Zubereitung. In Konditoreien in Vilnius und Druskininkai kosten kleine Portionen 4 bis 8 Euro, ein ganzer kleiner Šakotis 25 bis 50 Euro.
Senatorius und die Restaurantszene in Vilnius
Die Restaurantszene in der Altstadt von Vilnius vereint Klassiker mit moderner Interpretation. Senatorius am Vilniaus gatvė ist eine traditionsreiche Adresse mit Cepelinai, Šaltibarščiai und Kepta Duona in sehr guter Qualität, der Innenraum klassisch mit dunklem Holz und Familienbildern. Weitere Klassiker sind Lokys in einem alten Gewölbekeller mit Wildgerichten, sowie modernere Häuser wie Sweet Root und Nineteen18 mit Spitzenküche aus regionalen Zutaten. Hauptgerichte kosten 12 bis 28 Euro, ein Drei-Gänge-Menü mit Wein 40 bis 75 Euro.
Halės Turgus - der zentrale Markt in Vilnius
Der Markt Halės Turgus in der Pylimo gatvė ist seit 1906 das beste Schaufenster der litauischen Esskultur und täglich außer Montag geöffnet. In der historischen Halle gibt es Käse, geräuchertes Fleisch, Skilandis und Pernyčios von Erzeugern aus dem ganzen Land, dazu Honig, eingelegtes Gemüse, Pilze, Beeren und frisches Brot. Im Außenbereich verkaufen Bauern saisonal Wurzelgemüse, Kartoffeln und im Sommer Erdbeeren, Heidelbeeren und Pfifferlinge. Frühaufsteher haben das beste Angebot vor 11 Uhr.
Die sechs Genuss-Aktivitäten im Überblick
Kochkurs Cepelinai und Šaltibarščiai
In Vilnius und Kaunas bieten mehrere Familien Kochkurse in der eigenen Küche an. In drei bis vier Stunden entstehen Cepelinai mit Speck-Zwiebel-Sauce, eine kalte Šaltibarščiai und Kepta Duona zum Bier. Preis pro Person 45 bis 75 Euro inklusive Zutaten, Bier und gemeinsamem Essen am Ende.
Marktrundgang Halės Turgus
Der Markt Halės Turgus in Vilnius ist täglich außer Montag geöffnet und bietet Skilandis, Rauchwurst, Käse, Honig und frische Beeren. Geführte Touren mit Verkostung dauern zwei bis drei Stunden und kosten 25 bis 45 Euro pro Person inklusive kleiner Brotzeit, einem Glas Gira und einem Schluck Met.
Kibinai-Tour in Trakai
Eine Tour in das nahe Trakai verbindet die Inselburg über dem Galvė-See mit dem Besuch zweier traditioneller Karaim-Tavernen. Bei der Verkostung gibt es vier bis sechs verschiedene Kibinai-Sorten mit Lamm, Rind, Huhn und Käse, dazu klare Brühe und Schwarztee. Ein halbtägiges Erlebnis kostet 35 bis 60 Euro pro Person.
Imkerhof in Aukštaitija
Rund um Anykščiai und Ignalina öffnen Imkerfamilien ihre Höfe. Eine Hofführung mit Honigverkostung in fünf bis acht Sorten, Roggenbrot, Käse und Skilandis sowie Met-Probe dauert zwei bis drei Stunden und kostet 20 bis 35 Euro pro Person inklusive Glas Honig zum Mitnehmen.
Brauerei-Tour Švyturys oder Utenos
Die Brauerei Švyturys in Klaipėda bietet Führungen durch die historischen Produktionshallen mit Verkostung von vier bis fünf Sorten, Utenos zeigt klassisches Pilsbrauen. Eine Tour dauert rund 90 Minuten und kostet 15 bis 25 Euro pro Person inklusive Bierprobe und kleinem Imbiss.
Šakotis-Werkstatt in Druskininkai
In Druskininkai und Birštonas zeigen Konditoreien das Backen des Šakotis am rotierenden Spieß. Eine Werkstatt mit Vorführung, Mitmachen und Verkostung dauert zwei bis drei Stunden, kostet 30 bis 55 Euro pro Person und endet mit einem kleinen selbstgebackenen Šakotis zum Mitnehmen.
Regionen Litauens im kulinarischen Vergleich
Die Tabelle hilft bei der Schwerpunktwahl. Wer nur sieben Tage Zeit hat, kombiniert Vilnius mit Trakai und Aukštaitija. Für vierzehn Tage lohnt die volle Schleife über Žemaitija und Klaipėda mit der Kurischen Nehrung.
Geschichte und Einflüsse der litauischen Esskultur
Die litauische Küche entstand in einem Land, das jahrhundertelang an der Grenze zwischen Ostsee, baltischen Wäldern und osteuropäischer Tiefebene lag und entsprechend viele Einflüsse aufgenommen hat. Die heidnischen Wurzeln aus der Zeit vor 1387 spiegeln sich bis heute in einer engen Beziehung zu Wald, Honig und Sauermilch wider. Mit der polnisch-litauischen Union wuchs der polnische Einfluss mit Krautrouladen und ausgeprägter Süßspeisenkultur. Die jüdische Gemeinde in Vilnius und Kaunas prägte über vier Jahrhunderte das Brot, das Geräucherte und die Süßspeisen, die tatarisch-karaimische Gemeinde in Trakai brachte mit den Kibinai eine eigenständige Pastetenkultur. Die Kartoffel kam erst im 18. Jahrhundert nach Litauen und hat die Küche binnen weniger Generationen vollständig umgekrempelt, heute zählt Litauen zu den europäischen Ländern mit dem höchsten Kartoffelverbrauch pro Kopf. Mehr als ein Drittel des Landes ist mit Wald bedeckt und versorgt die Küche zwischen Juli und Oktober mit Pfifferlingen, Steinpilzen, Heidelbeeren und Preiselbeeren - Pilzsammeln gilt bis heute als Volkssport.
Praktische Tipps für die Genussreise durch Litauen
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Budget realistisch ansetzen
Eine kulinarische Reise durch Litauen ist günstiger als in Deutschland oder Skandinavien, aber teurer als in Bosnien oder Bulgarien. Mit 55 bis 85 Euro pro Person und Tag sind Frühstück, ein Marktbesuch oder eine Verkostung sowie zwei warme Mahlzeiten inklusive Bier oder Met realistisch abgedeckt. Wer in einfacheren Pensionen schläft und auf Cepelinai und Kepta Duona in günstigen Lokalen setzt, kommt mit 35 bis 55 Euro pro Tag aus.
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Saisonalität ernst nehmen
Litauen ist eine extrem saisonale Küchenlandschaft. Šaltibarščiai schmeckt zwischen Juni und September am besten, Pfifferlinge und Steinpilze gibt es ab Juli, Heidelbeeren ab August, Honig ab Juli mit Höhepunkt im September. Schmortöpfe wie Cepelinai und Bulvių Plokštainis sind im Herbst und Winter am stimmigsten, wenn die langen Garzeiten und die schweren Aromen am besten zur Geltung kommen.
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Reservierung in den besten Restaurants
Viele der besten Adressen in Vilnius sind kleine Häuser mit 30 bis 50 Plätzen, vor allem in der Altstadt rund um die Stiklių gatvė. An Wochenenden und im Sommer empfiehlt sich eine Reservierung am Vormittag des Reisetags. Die meisten Gastgeber sprechen Englisch, viele auch Deutsch oder Russisch.
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Mietwagen mit Vollkasko absichern
Wer Imkerhöfe in Aukštaitija, Käsereien in Žemaitija und Räuchereien an der Küste besuchen möchte, ist auf einen Mietwagen angewiesen. Tagespreise liegen bei 35 bis 65 Euro für einen Kompaktwagen, Vollkasko ohne Selbstbeteiligung kostet meist 12 bis 20 Euro Aufpreis pro Tag und vermeidet Diskussionen bei der Rückgabe. Im Winter Winterreifen explizit im Vertrag prüfen.
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Maximal zwei Hauptaktivitäten pro Tag
Eine Genussreise mit Markt am Vormittag, langer Mittagspause, Hofbesuch am Nachmittag und Restaurantabend ist anspruchsvoll. Mehr als zwei kulinarische Hauptpunkte pro Tag überfordern den Magen schnell, vor allem weil Cepelinai und Bulvių Plokštainis sehr sättigend sind. Wer das Tempo drosselt, behält Aufmerksamkeit für Details bei Honig, Met und Käse.
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Barrierefreiheit eingeschränkt
Der Markt Halės Turgus in Vilnius ist ebenerdig und gut zugänglich, viele Imkerhöfe und Bauerngüter haben jedoch Schwellen, schmale Treppen oder Hofzugänge ohne Rampe. Die Altstädte von Vilnius, Kaunas und Trakai mit Kopfsteinpflaster sind für Rollstuhl und Rollator schwierig. Vorab Kontakt mit Gastgebern aufnehmen klärt die Lage zuverlässig.
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Sommer und Šaltibarščiai-Saison
Im Juli und August klettert das Thermometer in Vilnius regelmäßig auf 28 bis 32 Grad. Marktbesuche möglichst am frühen Vormittag, Hofbesuche im Hochsommer eher am späten Nachmittag planen. Eine Schale Šaltibarščiai ist um die Mittagszeit die beste Antwort auf die Hitze. Hut, Trinkflasche und Sonnenmilch gehören neben dem Notizbuch in die Tagestasche.
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Plan B für Regen und Winter
Bei Schlechtwetter sind Kochkurse, Brauerei-Touren in Innenräumen und Käseverkostungen gute Alternativen. Die Markthalle Halės Turgus in Vilnius bietet auch bei Regen einen kompletten Vormittag, ebenso die Konditoreien mit Šakotis-Vorführung in Druskininkai. Honighof- und Räucherei-Termine am besten verschiebbar buchen, weil die Wege bei Schnee oder Eis rutschig werden.
Insider-Tipps
Übernachten und Met-Abend
In Aukštaitija und Žemaitija gibt es ein dichtes Netz von Sodybos, kleinen Bauernhöfen mit angeschlossener Hofküche und Übernachtungsmöglichkeit für 45 bis 90 Euro inklusive Frühstück, oft mit eigener Sauna im Garten. In Aukštaitija und im Süden rund um Stakliškės ist die Tradition des Met-Abends besonders lebendig - Imkerfamilien reichen vier bis sechs verschiedene Met-Sorten mit Skilandis, Räucherwurst, Käse, Roggenbrot und einem Glas Gira. Ein kleines Mitbringsel wie ein Wein aus der Heimat wird sehr geschätzt, die Sprache wechselt zwischen Litauisch, Englisch und Deutsch.



