Litauen trägt auf 65.300 Quadratkilometern zwischen Lettland im Norden und Polen im Süden eine der dichtesten Burgenlandschaften des Baltikums und eine außergewöhnlich lebendige Heidenkultur. Über 800 dokumentierte Burgstellen (Piliakalniai) zeigen die vorchristliche Wehrkultur — Litauen war 1387 das letzte heidnische Land Europas, bevor Großfürst Jogaila zum Christentum konvertierte. Die Trakai-Inselburg auf der Insel im Galvė-See, 28 Kilometer westlich von Vilnius, ist die einzige Insel-Wasserburg Osteuropas aus dem 14. Jahrhundert und wurde unter Großfürst Kęstutis begonnen sowie unter seinem Sohn Vytautas dem Großen fertiggestellt. Der Gediminas-Turm hoch über Vilnius bildet das Wahrzeichen der Hauptstadt seit 1409. Die Burg Medininkai südöstlich Vilnius hat mit über zwei Meter Mauerstärke und 568 Metern Außenmauer-Umfang die mächtigste Bauanlage des Großfürstentums. Der Berg der Kreuze bei Šiauliai mit über 200.000 Kreuzen ist seit der Niederschlagung des Aufstands 1831 das Symbol des litauischen Widerstands. Kernavė als erste litauische Hauptstadt des 13. Jahrhunderts gehört seit 2004 zum UNESCO-Welterbe. Lebende Mythologie um den Donnergott Perkūnas und das Užgavėnės-Karnevalfest mit hölzernen Masken durchzieht das Erbe. Dieser Themen-Reiseführer ordnet die wichtigsten Burgen, heiligen Hügel und Traditionen ein und schlägt einen Fünf-Phasen-Plan vor.
Anreise und Erreichbarkeit
Litauen ist über den internationalen Flughafen Vilnius (VNO) sowie die Flughäfen Kaunas (KUN) und Palanga (PLQ) erreichbar. Vilnius ist als Drehscheibe ideal für eine kulturelle Rundreise; die zentralen Stätten verteilen sich auf Vilnius (Gediminas-Turm, Kathedrale), Trakai (Inselburg), Kernavė (UNESCO-Burgwälle), Kaunas (Burgruine, Altstadt), Šiauliai (Berg der Kreuze) und Žemaitija (Aukštaitija-Hügel).
Mit dem Flugzeug
Der Flughafen Vilnius (VNO) ist mit rund 5,3 Millionen Passagieren der größte Hub des Landes und Heimathafen von airBaltic. Direktverbindungen aus allen DACH-Großstädten mit airBaltic, Lufthansa, Ryanair und Wizz Air, Flugzeit 1:50 Stunden ab Berlin bis 2:30 Stunden ab Zürich. Vom Flughafen fährt der Zug in 8 Minuten zum Hauptbahnhof Vilnius (1,80 Euro), Taxi rund 12 Euro.
Mit dem Auto
Aus DACH per Auto via Polen rund 1.300 Kilometer ab Berlin, übliche Strecke A2 bis Warschau, dann Via Baltica über Suwałki nach Kaunas und Vilnius, Fahrzeit etwa 14 Stunden in zwei Tagen. Die Via Baltica E67 ist die Hauptverbindung im Baltikum, durchgehend gut ausgebaut.
Mit der Bahn und dem Fernbus
Direkte Bahnverbindung aus DACH fehlt, üblicher Umstieg in Warschau mit dem Nachtzug nach Vilnius. Lux Express und Ecolines verbinden Warschau, Riga, Tallinn und Kaliningrad mit Vilnius per Fernbus, ab 25 Euro einfache Fahrt von Warschau.
Vor Ort bewegen
Vilnius selbst lässt sich gut zu Fuß und mit Bus erkunden, das gesamte Altstadt-UNESCO-Gebiet liegt in 15 Gehminuten. Für Trakai, Kernavė, Kaunas und Šiauliai ist ein Mietwagen ab Vilnius die effizienteste Variante; alternativ verbinden Lux Express und Kautra die Hauptorte per Fernbus. Trakai erreicht man von Vilnius per Zug in 30 Minuten (1,80 Euro). Kleinwagen-Tagespreis ab 35 Euro, Vollkasko empfohlen.
Anreise-Distanzen ab Vilnius
Trakai-Wasserburg — die Insel-Burg des 14. Jahrhunderts
Die Inselburg Trakai auf der größten von 21 Inseln im Galvė-See, 28 Kilometer westlich von Vilnius, ist die einzige erhaltene Insel-Wasserburg Osteuropas und das meistbesuchte historische Monument Litauens mit rund 320.000 Besuchern pro Jahr. Begonnen unter Großfürst Kęstutis um 1350, vollendet unter seinem Sohn Vytautas dem Großen bis 1409, war Trakai bis zur Schlacht von Tannenberg 1410 die wichtigste Residenz des litauischen Großfürstentums. Die rote Backsteinburg mit drei Hauptflügeln, sechseckigem Donjon und Innenhof-Galerie wurde nach Zerstörungen im 17. Jahrhundert ab 1955 rekonstruiert. Heute beherbergt sie das Trakai Historische Museum, Eintritt 12 Euro. Besonders eindrucksvoll im Winter bei Eis und Schnee, im Sommer mit Bootsverleih und Mittelalter-Turnieren.
Gediminas-Turm — das Wahrzeichen von Vilnius
Der Gediminas-Turm thront auf dem 48 Meter hohen Schlossberg in der Vilniuser Altstadt und ist der einzige erhaltene Rest der Oberburg, die Großfürst Gediminas der Sage nach um 1323 nach einem Traum von einem eisernen Wolf gründete — Krivis-Priester Lizdeika deutete das Wolfsgeheul als Zeichen für eine Stadt, deren Ruhm wie das Heulen durch die Welt schallen werde. Der heutige Backstein-Turm aus dem 15. Jahrhundert wurde zuletzt 1968 rekonstruiert und beherbergt eine Außenstelle des Vilnius-Nationalmuseums. Vom Aussichtsplateau geht der Rundblick über Altstadt, Kathedrale, Drei-Kreuze-Hügel und Neris-Mündung. Eintritt 6 Euro, geöffnet täglich 10 bis 21 Uhr im Sommer. Über dem Turm weht die litauische Trikolore, am 7. Oktober 1988 als Symbol der Unabhängigkeitsbewegung wieder gehisst. Aufstieg über Burgberg-Pfad oder Standseilbahn vom Kalnų-Park.
Burg Medininkai — die mächtigste Wehranlage
Die Burg Medininkai im litauisch-belarussischen Grenzgebiet, 32 Kilometer südöstlich von Vilnius, ist mit 568 Metern Außenmauer-Umfang und bis zu 2,2 Meter Mauerstärke die größte mittelalterliche Wehranlage Litauens. Errichtet im 14. Jahrhundert unter Großfürst Gediminas und seinen Söhnen, diente sie als östlicher Vorposten gegen Moskauer Rus und Deutschen Orden. Vier rechteckige Ecktürme, ein mächtiger Wohnturm-Donjon im Nordosten und ein riesiger Innenhof prägen den Grundriss. Während des Polnisch-Schwedischen Krieges 1655 zerstört, ist die Anlage seit 2012 stabilisiert und teilweise rekonstruiert. Im Donjon-Turm zeigt eine Ausstellung des Trakai-Museums Waffen und Münzen. Eintritt 5 Euro, geöffnet Mai bis September Mittwoch bis Sonntag.
Burg Kaunas — die Hüterin des Memel-Beckens
Die Burgruine Kaunas am Zusammenfluss von Memel und Neris ist die älteste erhaltene Mauerburg Litauens — Steinmauern aus dem 13. Jahrhundert sind die frühesten Belege für Kalkstein-Mauerwerk im Großfürstentum. Zwei erhaltene Rundtürme und Teile der Außenmauer zeugen von vier Bauphasen zwischen 1280 und dem 17. Jahrhundert. Berühmt ist die Belagerung 1362 durch den Deutschen Orden unter Hochmeister Winrich von Kniprode, bei der erstmals nördlich der Alpen Pulverwaffen dokumentiert eingesetzt wurden. Die Burg fiel nach drei Wochen und wurde unter Großfürst Vytautas neu aufgebaut. Heute beherbergt sie das Kaunas Stadtmuseum mit Sektion zur mittelalterlichen Memel-Schifffahrt. Eintritt 4 Euro, Dienstag bis Sonntag. Direkt vor der Burg der zentrale Stadtplatz mit der Holzkirche St. Georg.
Berg der Kreuze bei Šiauliai — Symbol des Widerstands
Der Berg der Kreuze (Kryžių kalnas) bei Šiauliai, 12 Kilometer nördlich der nordlitauischen Stadt, ist mit über 200.000 Kreuzen die dichteste Kreuz-Akkumulation der Welt und das Symbol des litauischen Widerstands gegen Fremdherrschaft. Auf dem nur 10 Meter hohen Sandhügel — historisch ein vorchristlicher Piliakalnis-Burgwall — begannen Litauer 1831 nach der Niederschlagung des polnisch-litauischen Aufstands gegen das Zarenreich, Kreuze für die gefallenen und nach Sibirien verschleppten Verwandten zu errichten. Während der sowjetischen Okkupation 1944 bis 1991 ließ das KGB den Berg drei Mal vollständig planieren — 1961, 1973 und 1975 — Bulldozer und Soldaten zerstörten Tausende Kreuze; doch jede Nacht stellten Litauer neue auf. Papst Johannes Paul II. besuchte den Ort 1993 und prägte ihn als Wallfahrtsstätte des friedlichen Widerstands. Heute Pilgerziel für 100.000 Besucher jährlich; jeder darf ein eigenes Kreuz hinzufügen, kleine Kruzifixe ab 5 Euro vor Ort. Die Stätte ist 24 Stunden frei zugänglich, am eindrucksvollsten in der blauen Dämmerung. Letzte Sonntags-Pilger-Messe im Juli mit zehntausenden Teilnehmenden.
Kernavė — die UNESCO-gelistete erste Hauptstadt
Kernavė an der Neris, 37 Kilometer nordwestlich von Vilnius, war die erste schriftlich dokumentierte Hauptstadt des litauischen Großfürstentums im 13. Jahrhundert unter König Mindaugas und Großfürst Traidenis und gehört seit 2004 zum UNESCO-Welterbe. Fünf nebeneinanderliegende Piliakalniai-Burgwälle auf dem Hochufer der Neris bilden den größten zusammenhängenden Wehrkomplex Mitteleuropas aus dem Hochmittelalter — Pilies, Aukuro, Mindaugo, Lizdeikos und Kriveikiškio Burgwall mit Wallhöhen von 25 bis 35 Metern. Archäologische Funde belegen Siedlung seit dem 1. Jahrtausend vor Christus. Nach der Eroberung durch den Deutschen Orden 1390 verlagerte sich die Hauptstadt nach Vilnius, Kernavė blieb Dorf. Das Archäologische Museum am Burgwall-Fuß zeigt mittelalterliche Funde, einen rekonstruierten Holz-Burgring und das Modell der mittelalterlichen Stadt. Eintritt 4 Euro. Jeden Juli das Kernavės gyvosios archeologijos festivalis mit experimenteller Archäologie, Wikinger-Kriegerlager und mittelalterlichem Handwerksmarkt — der wichtigste Mittelalter-Event Litauens mit 30.000 Besuchern.
Heilige Hügel der Heiden — Aukštaitija und Žemaitija
Litauen war 1387 das letzte heidnische Land Europas, bevor Großfürst Jogaila im Vertrag von Krewo zum Christentum konvertierte; das Niederland Žemaitija wurde erst 1413 christianisiert — fast 400 Jahre nach Rus, Polen und Deutschland. Diese späte Christianisierung erklärt die außergewöhnlich dichte Erhaltung heidnischer Heiligtümer im ganzen Land. Im Norden, in Aukštaitija (Hochland), gilt der Burgwall Šeimyniškėliai bei Anykščiai als zentrales Mindaugas-Heiligtum mit rekonstruiertem Holz-Burgring. Bei Trakai liegt der Aukuras-Hügel (Altar-Hügel) mit Resten eines Feuer-Heiligtums. Im Westen, in Žemaitija (Niederland), ist der Hügel von Šatrija nordwestlich von Telšiai der mythische Sitz der Hexenbraut des Donnergottes Perkūnas — Bauern legen bis heute Brotgaben am Sommer-Sonnenwenden-Tag (Joninės) auf den Stein. Der Hügel von Medvėgalis bei Šilalė war Sitz des Krivis-Hohenpriesters Krivė Krivaitis im 13. Jahrhundert, mit Quelle, heiliger Eiche und Stein-Altar. Der Hügel der Schicksale (Likimo kalnas) bei Kelmė trägt Reste einer Stein-Spirale, deren Funktion bis heute archäologisch umstritten ist. Die heidnische Gemeinschaft Romuva veranstaltet seit 1992 jährlich am 23. Juni Joninės-Feuer-Zeremonien auf diesen Hügeln.
Piliakalniai — die Burgstellen-Landschaft
Die Piliakalniai (Burgwälle) sind Litauens dichteste vorchristliche Wehranlagen — über 800 dokumentierte Stellen aus dem 9. bis 14. Jahrhundert mit klar erkennbaren Erdwällen, Rampen und Plateaus. Ein Piliakalnis ist typischerweise ein aufgeschüttetes Plateau von 5 bis 35 Metern Höhe, auf das eine hölzerne Wallburg gesetzt wurde. Bekannteste Beispiele Punios bei Alytus (30 m, letzte heidnische Vytautas-Burg), Apuolė im Norden (9. Jh. von Wikingern aus Birka belagert, erste Erwähnung Litauens), Liškiava bei Druskininkai über dem Memel-Mäander und Veliuona mit zwei Burgwällen. Alle frei zugänglich, viele mit Hinweis-Schildern. Über lithuania.travel gibt es eine interaktive Karte aller dokumentierten Burgwälle.
Heidnisches Erbe — Perkūnas, Žemyna und Saulė
Die litauische Mythologie ist die am vollständigsten erhaltene baltisch-vorchristliche Götterwelt Europas — dokumentiert in den Sammlungen von Wilhelm Mannhardt (1875), Jonas Basanavičius, Norbertas Vėlius und Marija Gimbutas. Im Zentrum steht der Donnergott Perkūnas mit langem rotem Bart und Streitaxt, der auf einem von Ziegen gezogenen Wagen über den Himmel donnert — er ist mit dem slawischen Perun, dem germanischen Thor und dem indischen Indra verwandt. Žemyna ist die Erdmutter, mit Bier-Trankopfern beim ersten Pflugschnitt verehrt. Saulė (Sonne, weiblich) und Mėnulis (Mond, männlich) sind ein streitendes Liebespaar mit Tochter Žvaigždė. Daneben Velnias (Teufel/Trickster), Aušrinė (Morgenstern), Laima (Schicksal), Gabija (Herdfeuer) und Medeinė (Waldgöttin). Heilige Bäume sind Eiche, Linde und Esche. Tempel-Architektur fehlt — die Verehrung fand in Hainen (alkos), an heiligen Quellen und Steinen statt. Das Saulutė-Sonnenmotiv und das Perkūnas-Zeichen durchziehen Holzschnitzerei und Webkunst bis heute.
Užgavėnės — der Karneval mit hölzernen Masken
Užgavėnės ist Litauens spektakulärstes Volksfest — der Karneval vor Aschermittwoch, am Dienstag der siebten Woche vor Ostern, mit hölzernen Schreckmasken, Strohpuppen-Verbrennung und Wettkampf zwischen Winter und Frühling. Charakteristisch sind die Wooden Masks aus geschnitzter Linde oder Erle mit grotesken Gesichtern — Teufel (Velnias), Ziege (Ožys), Bär (Lokys), Hexe (Ragana) sowie Lasininis (Speckmann) und Kanapinis (Hanfmann), die den symbolischen Kampf zwischen Fleisch und Magerkost austragen. Eine drei Meter hohe Strohpuppe Morė wird am Abend auf dem Marktplatz verbrannt; ihre Asche soll das Korn-Wachstum stärken. Hauptfest im Freilichtmuseum Rumšiškės mit 30.000 Besuchern, traditionelles Essen Blynai (Pfannkuchen) und Šaltibarščiai (kalte Rote-Bete-Suppe). UNESCO-immaterielles Kulturerbe seit 2019.
Sąjūdis und die Singende Revolution — Baltische Kette 1989
Die litauische Singende Revolution 1988 bis 1991 ist die jüngste Schicht des nationalen Erbes — eine friedliche Massenbewegung, die das sowjetische Litauen in die Unabhängigkeit führte. Die Bürgerbewegung Sąjūdis wurde am 3. Juni 1988 im Vilniuser Wissenschaftler-Klub gegründet, ihre 35 Mitbegründer um Vytautas Landsbergis und Algirdas Brazauskas trafen sich trotz KGB-Beobachtung. Höhepunkt war die Baltische Kette am 23. August 1989, dem 50. Jahrestag des Hitler-Stalin-Paktes, als rund zwei Millionen Esten, Letten und Litauer eine 600 Kilometer lange Menschenkette von Tallinn über Riga nach Vilnius bildeten. Litauen erklärte am 11. März 1990 als erste Sowjetrepublik die Unabhängigkeit; der sowjetische Gegenschlag am 13. Januar 1991 am Vilniuser Fernsehturm hinterließ 14 Tote und 700 Verletzte. Das Museum der besetzten Litauen-Geschichte (ehemaliges KGB-Gefängnis Vilnius) und das Sąjūdis-Memorial im Parlament dokumentieren die Bewegung. Jährliche Erinnerungstage am 11. März und 13. Januar mit Kerzenketten.
Kreuzschnitzerei und Holzkirchen — UNESCO-Erbe
Die litauische Kreuzschnitzerei (kryždirbystė) ist eine der ältesten dokumentierten Holzschnitz-Traditionen Europas und wurde 2001 als erstes litauisches immaterielles Erbe in die UNESCO-Liste aufgenommen. Charakteristisch sind freistehende Wegekreuze (kryžiai), Bildstöcke (koplytstulpiai) und Kapellenstangen (stogastulpiai) — bis zu acht Meter hohe Holzpfähle mit kunstvoll geschnitztem Heiligen-Häuschen unter dem Dach. Die Schnitzer kombinieren christliche und heidnische Motive — Saulutė-Sonnenmotiv, Drachen am Schaft, Eichenblätter, Lilien. Über 1.000 historische Wegekreuze sind erhalten, dichteste Konzentration in Žemaitija. Die traditionellen Holzkirchen — über 350 erhalten — bilden die zweite UNESCO-Kandidaturliste; Palūšė (1750) am Lūšiai-See ist die bekannteste mit einzeln stehendem Glockenturm. Vilnius-Kathedrale (St. Stanislaus) mit 14 barocken Beichtstühlen und der Aušros-Kapelle mit der Wundermadonna von Vilnius ist Pilgerziel.
Die sechs zentralen Erbe-Stätten im Überblick
Trakai-Inselburg
Die einzige Insel-Wasserburg Osteuropas auf dem Galvė-See, erbaut 14. Jh. unter Kęstutis und Vytautas, heute Trakai Historisches Museum. Eintritt 12 Euro, geöffnet Mai bis September 10 bis 19 Uhr.
Gediminas-Turm Vilnius
Wahrzeichen der Hauptstadt auf 48 Meter hohem Schlossberg, Rest der Oberburg von 1409. Eintritt 6 Euro, Standseilbahn-Aufstieg 1 Euro, Rundblick über die Altstadt.
Berg der Kreuze Šiauliai
Über 200.000 Kreuze auf dem 10-Meter-Sandhügel, Symbol des Widerstands seit 1831 und Papst-Johannes-Paul-II.-Pilgerort. 24 Stunden frei zugänglich.
Kernavė UNESCO
Erste litauische Hauptstadt mit fünf Piliakalniai-Burgwällen über der Neris, seit 2004 UNESCO-Welterbe. Archäologisches Museum 4 Euro, jährliches Mittelalter-Festival Juli.
Burg Medininkai
Größte mittelalterliche Wehranlage Litauens mit 568 Meter Mauer-Umfang und 2,2 Meter Mauerstärke, 32 km südöstlich Vilnius. Eintritt 5 Euro, Mai bis September.
Užgavėnės Rumšiškės
Hölzerne Schreckmasken-Karneval mit Morė-Verbrennung im Freilichtmuseum Rumšiškės, UNESCO-Erbe seit 2019. 30.000 Besucher, jährlich Dienstag vor Aschermittwoch.
Die wichtigsten Burgen im Vergleich
Trakai ist die bildmächtigste Burg für eine Tagestour, Gediminas-Turm bei jedem Vilnius-Besuch Pflicht. Medininkai und Kaunas-Burg sind als Doppel-Tagestour kombinierbar. Kernavė lohnt sich vor allem im Juli zum Mittelalter-Festival.
Praktische Tipps für die Spurensuche
-
€
Trakai-Burg morgens um zehn besuchen
Die Insel-Burg öffnet um 10 Uhr, ab 11:30 Uhr rollen die Bus-Reisegruppen aus Vilnius an. Die erste Stunde gehört Frühaufstehern fast allein. Anreise per Zug ab Vilnius-Hauptbahnhof um 8:55 Uhr, Ankunft Trakai 9:23 Uhr, Fußweg zur Burg 15 Minuten. Tickets nur direkt am Kassen-Häuschen, keine Online-Reservierung nötig.
-
✦
Eigenes Kreuz auf den Berg der Kreuze stellen
Vor Ort gibt es zwei Holz-Kreuz-Stände mit handgeschnitzten Kreuzen ab 5 Euro bis hin zu 80 Euro für ein groß gearbeitetes Schnitzwerk mit Saulutė-Sonnenmotiv. Tradition ist, Namen geliebter Verstorbener auf das Kreuz zu schreiben und es selbst zwischen die anderen zu stellen. Pilgermesse jeden letzten Sonntag im Juli mit zehntausenden Teilnehmenden.
-
+
Užgavėnės-Maske direkt vom Schnitzer kaufen
Hölzerne Schreckmasken aus Linde oder Erle gibt es authentisch nur in Žemaitija — Werkstätten in Plateliai, Ginteliškė und Telšiai schnitzen ganzjährig. Preise 80 bis 350 Euro für ein traditionelles Stück. Auf dem Užgavėnės-Festival Rumšiškės am Dienstag vor Aschermittwoch zeigen rund 30 Schnitzer ihre Arbeit live.
-
i
Kernavė-Festival im Juli vormerken
Das Kernavės gyvosios archeologijos festivalis findet jährlich am ersten Wochenende im Juli statt — drei Tage experimentelle Archäologie mit Wikinger-Kriegerlager, Bogenschießen, mittelalterlichem Handwerksmarkt und Kampfshows. 30.000 Besucher, Tagesticket 15 Euro. Übernachtung in Vilnius oder im Hotel Karpia am See Asveja.
-
⌘
Piliakalniai-App fürs Smartphone
Die offizielle App Piliakalniai listet alle 800 dokumentierten Burgwälle mit GPS-Koordinaten, Bildern, Hinweis-Schildern und Wander-Routen. Frei verfügbar auf Litauisch und Englisch. Besonders empfohlen Punios bei Alytus, Apuolė im Norden, Veliuona an der Memel und Liškiava bei Druskininkai.
-
♿
Barrierefreiheit der Stätten gemischt
Trakai-Burg-Innenhof zu großen Teilen rollstuhltauglich, Donjon nur über steile Treppe. Gediminas-Turm ausschließlich Standseilbahn rollstuhlgeeignet, Turm-Innenraum mit engen Treppen. Berg der Kreuze über asphaltierten Hauptweg gut zugänglich, Kreuzfeld auf Sandhügel eingeschränkt. Medininkai und Kernavė-Burgwälle haben Sandwege und Stufen. Detaillierte Infos über lithuania.travel.
-
☀
Mai bis September als Hauptsaison
Die beste Reisezeit ist Mai bis September — Trakai-Sommerprogramm mit Bootsverleih und Turnier, Kernavė-Festival Anfang Juli, Berg der Kreuze ohne Schnee zugänglich. Durchschnitt 17 bis 24 Grad tagsüber. Im Winter sind Trakai-Burg und Medininkai geschlossen, Joninės-Mittsommer am 23. Juni und Užgavėnės im Februar sind separate Highlights.
-
☂
Schichten gegen wechselhaftes Baltikum-Wetter
Selbst im Hochsommer können kühle Tage und Schauer auftreten. Drei Schichten — langärmeliges T-Shirt, leichter Fleece-Pulli, wind- und wasserdichte Außenschicht. Festes Schuhwerk für Kernavė-Burgwälle, Berg der Kreuze und Piliakalniai-Wanderungen. Mücken-Spray für Hügel-Wanderungen im Hochsommer unverzichtbar.
Insider-Tipps
Geheimtipp Žemaitija-Hügel und Romuva-Joninės
Der heilige Hügel von Šatrija nordwestlich Telšiai in Žemaitija ist außerhalb der Joninės-Nacht am 23. Juni fast immer menschenleer — ein 200-Meter-Hügel mit Stein-Altar, heiliger Eiche und Quelle, von dem aus der Blick bis zur Kurischen Nehrung reicht. Bei klarem Wetter zwei Stunden Wanderung von Telšiai. Die heidnische Gemeinschaft Romuva veranstaltet die Joninės-Feuer-Zeremonie auf dem Šatrija-Hügel jährlich am 23. Juni mit Trankopfern für Žemyna, Eichenlaubkränzen und Sutartinės-Mehrstimmigkeitsgesang. Gäste sind willkommen, die offizielle Anmeldung läuft über lithuania.travel und die Romuva-Webseite.




