Avoriaz liegt auf 1.800 Metern in der Haute-Savoie, vier Kilometer Luftlinie und 13 Straßenkilometer oberhalb von Morzine. Das Resort wurde 1966 auf der grünen Wiese eröffnet — vom Skifahrer Jean Vuarnet (Olympia-Gold Abfahrt 1960 in Squaw Valley) als Visionär und vom Architekten Jacques Labro (Prix de Rome 1962) als Gestalter. Das Ergebnis ist eine autofreie Hochlage mit charakteristischer Holzschindel-Architektur, Pferdeschlitten statt Autos und direktem Pisten-Anschluss aus jedem Apartment. Avoriaz ist Knotenpunkt im Portes-du-Soleil-Verbund — zwölf Resorts in Frankreich und der Schweiz, 196 Lifte, 286 Pisten, über 600 Pistenkilometer grenzüberschreitend. Aktuelle Liftpläne und Skipass-Tarife pflegt das Tourismusbüro auf avoriaz.com.
Anreise und Erreichbarkeit
Avoriaz ist autofrei — der letzte Kilometer wird zu Fuß, mit Pferdeschlitten oder Skiern zurückgelegt. Wer mit dem Auto kommt, parkt am Talstation-Parkplatz Prodains (4 km außerhalb von Morzine) und fährt mit der Téléphérique des Prodains-Express in 8 Minuten hoch ins Resort. Alternativ aus dem Ortskern Morzine mit der Super-Morzine-Gondel direkt nach oben.
Mit dem Auto bis Prodains
Aus Deutschland fährst du über Stuttgart, Zürich, Bern und Lausanne nach Genf, von dort weiter über die A40 (Autoroute Blanche) bis Abfahrt Cluses, dann 30 Kilometer durch das Vallée-de-la-Drance über Morzine bis zum Parkplatz Prodains. Im Winter brauchst du Winterreifen ab erstem Schnee — die Loi Montagne 2 schreibt zwischen 1. November und 31. März in den Alpendepartements Winterreifen oder Ketten an Bord vor.
Im Resort selbst fahren keine Autos — Hotel- und Apartment-Service holt das Gepäck an der Bergstation der Téléphérique mit Pferdeschlitten oder elektrischen Skidoo-Anhängern ab. Das Parkhaus Prodains kostet rund 12 EUR pro Tag, im Winterpaket der meisten Apartment-Vermieter inkludiert; offene Parkplätze sind etwas günstiger. In der Hauptsaison Stellplatz vier bis sechs Wochen vorher reservieren.
Mit der Bahn
Aus Deutschland kommst du mit dem ICE oder dem TGV-Lyria via Paris-Gare-de-Lyon und steigst dort in den TGV nach Cluses um. Alternativ via Zürich nach Genf und mit Shuttle weiter ins Vallée-d'Aulps. Vom Bahnhof Cluses fahren Anbieter wie Alpybus und Mountain Dropoffs bis Prodains-Talstation, von dort weiter mit der Téléphérique. Aktuelle Fahrpläne über bahn.de oder sncf-connect.com.
Sammeltransfer ab Genf bis Prodains gibt es ab 45 EUR pro Person, einfache Fahrt. Die Téléphérique des Prodains-Express ist im Skipass enthalten oder einzeln zu lösen (rund 12 EUR Bergfahrt).
Mit dem Flugzeug
Nächster internationaler Flughafen ist Genf-Cointrin (GVA) mit täglichen Verbindungen aus Frankfurt, München, Berlin, Hamburg und Wien. Vom Flughafen kommst du mit Shuttle-Bussen direkt bis Prodains, Fahrtzeit 90 bis 105 Minuten, einfache Fahrt ab 45 EUR pro Person. Mietwagen ab 50 EUR pro Tag, allerdings ist Parken in Prodains kostenpflichtig. Lyon-Saint-Exupéry (LYS) ist die Alternative, aber 225 Kilometer entfernt — nur sinnvoll bei TGV-Anschluss bis Cluses.
Im Resort: keine Autos, nur Schlitten und Skier
Sobald du oben in Avoriaz angekommen bist, gibt es keinen Autoverkehr mehr. Innerhalb des Resorts läufst du oder fährst Ski — alle Apartments sind so geplant, dass du mit angeschnallten Skiern direkt aus der Tür auf die Piste rollst. Pferdeschlitten-Touren als Stadt-Rundfahrt kosten ab 25 EUR pro Erwachsenem. Anlieferungs-LKWs dürfen vor 9 Uhr morgens auf bestimmten Wegen fahren, für den Rest des Tages bleibt das Resort verkehrsberuhigt.
Pisten und Lifte
Avoriaz hat 50 markierte Pisten und 36 Lifte direkt am Resort, mit dem höchsten Punkt am Hauts-Forts auf 2.466 m. Mit dem grenzüberschreitenden Portes-du-Soleil-Skipass sind es zwölf Resorts in Frankreich und der Schweiz mit zusammen 196 Liften, 286 Pisten und über 600 Pistenkilometern. Vier Pisten-Bereiche gehören zum Avoriaz-Sektor:
Hauts-Forts (2.466 m, schwarz und rot)
Der höchste Punkt des Avoriaz-Skigebiets, vom Resort mit dem Sessellift Hauts-Forts oder dem Lindarets-Express in 12 Minuten erreichbar. Klassiker ist die schwarze La Combe du Machon — eine der längsten markierten Schwarzen der Portes du Soleil, 4 km Abfahrt mit 800 Höhenmetern. Die roten Pisten Crozats und Hauts-Forts-Direct laufen bis 2.000 m hinunter und sind morgens beim Start meist eisig, ab 11 Uhr griffig.
Lindarets und Snowpark The Stash (1.450 bis 1.900 m)
Der Lindarets-Wald auf 1.450 m liegt am Fuße der Avoriaz-Hochlage und ist vom Resort mit der Sesselbahn Lindarets-Express in 8 Minuten erreichbar. Hier steht der Snowpark The Stash — entworfen 2008 mit Snowboarder-Pionier Jeremy Jones in Kooperation mit Burton, mit 15 Holz-Modulen statt der üblichen Metall-Rails. Daneben die internationale Wettkampf-Halfpipe und das Restaurant Les Marmottes mit den freilaufenden Ziegen vor der Tür.
Pas-de-Chavanette: Wall of Death zur Schweiz
Auf 2.200 m am Schweizer Grenzpass beginnt der berüchtigte Pas-de-Chavanette — eine der steilsten markierten Abfahrten der Alpen mit Neigungen über 35 Grad in den oberen Passagen. Bei Eis oder schlechter Sicht wird die Piste gesperrt; den Status prüfst du am Aushang der Bergstation Chavanette-Express. Reisepass für die Grenze nach Champéry mitnehmen, am Pas-de-Chavanette finden gelegentlich Stichprobenkontrollen statt.
Anfänger-Pisten am Stade und im Quartier des Crozats
Drei blaue Pisten direkt am Place du Festival führen bis ins Resort hinunter und sind ideal für die ersten Tage — kurzes Übungs-Areal mit beheiztem Bereich der ESF-Skischule, Förderband-Lift für Kinder und Anfänger. Die ESF Avoriaz hat einen eigenen Village des Enfants mit Mittagsbetreuung; Mindestalter 3 Jahre für Skikurs, 2,5 Jahre für die Spielgruppe.
Top-Spots im Resort und drumherum
Hauts-Forts (2.466 m)
Höchster Punkt des Skigebiets, mit dem Sessellift Hauts-Forts oder dem Lindarets-Express in 12 Minuten erreichbar. Bei klarem Wetter Panoramablick auf das Mont-Blanc-Massiv, die Dents-du-Midi und den Genfer See. Restaurant Les Hauts-Forts mit Selbstbedienung, Tagesgerichte 16 bis 24 EUR. Im Sommer Wanderdrehkreuz Richtung Pointe-de-Nyon und Lac d'Intrets.
Place des Dromonts
Architektonisches Herz des Resorts mit den ersten Labro-Bauten der späten 1960er Jahre — Les Dromonts, das Hôtel des Dromonts (eines der ersten Avoriaz-Häuser) und die Tourismusbüro-Pavillons. Wer die Architektur verstehen will, beginnt hier den selbstgeführten Rundgang (Plan kostenfrei beim Office de Tourisme). Im Winter Pferdeschlitten-Halt, im Sommer Hauptzugang zum Aquariaz.
Lindarets und Ziegen-Dorf
Auf 1.450 m am Fuße der Avoriaz-Hochlage, im Sommer berühmt für die halb-wilden Ziegen, die frei zwischen Restaurants und Liftstationen herumlaufen. Mit der Sesselbahn ab Avoriaz in 8 Minuten erreichbar. Restaurant Les Marmottes mit Tartiflette für 18 EUR und Almpanorama. Im Winter steht hier der Snowpark The Stash und die Wettkampf-Halfpipe.
Aquariaz
Ganzjährig geöffnetes Tropenhallenbad direkt am Place des Dromonts — 2.400 Quadratmeter Beckenfläche mit Lagune, Palmen, Wasserfall und Lazy-River, Wassertemperatur 27 Grad. Tagesticket 16 EUR Erwachsene, 12 EUR Kind. Im Winter Schlechtwetter-Anker, im Sommer der Kühl-Spot des Resorts. An Hochsaison-Tagen Reservierung über die Resort-Webseite empfehlenswert.
Pas-de-Chavanette
Berüchtigte schwarze Piste am Schweizer Grenzpass auf 2.200 m, eine der steilsten markierten Abfahrten der Alpen. Vom Avoriaz-Skigebiet über den Sessellift Chavanette erreichbar, Reisepass für die Grenze nach Champéry mitnehmen. Bei Eis oder schlechter Sicht wird gesperrt — vorab Pisten-Status an der Bergstation prüfen.
Hôtel des Dromonts
Erstes Hotel von Avoriaz, eröffnet 1966 zusammen mit dem Resort, von Jacques Labro entworfen mit Stein-Holz-Verkleidung im Erdgeschoss und Schindel-Fassade darüber. Patrimoine-du-XXe-Siècle-Eintrag, restauriert 2010. Bar und Restaurant L'Aubergade auch ohne Übernachtung — der Apero-Spot des architektonisch interessierten Avoriaz-Gastes.
Snowpark The Stash
Snowpark im Lindarets-Wald mit Holz-Modulen statt Metall-Rails, einer der ungewöhnlichsten Funparks Europas — 2008 unter der Leitung von Snowboarder-Pionier Jeremy Jones in Kooperation mit Burton entworfen. 15 Holz-Features, integriert in den Wald, alle Niveaus. Sessellift Lindarets erreicht den Park direkt, im Skipass enthalten.
Lac d'Intrets
Versteckter Bergsee auf 1.950 m hinter dem Hauts-Forts-Plateau, im Sommer in 90 Minuten Wanderung vom Resort erreichbar. Spiegelbild der Hauts-Forts-Wand auf glasklarem Wasser, Picknick-Plätze am Westufer, im Hochsommer Bademöglichkeit (Wasser bei 12 bis 14 Grad). Im September besonders ruhig, dann ist der Lift schon im Wartungs-Modus.
Aktivitäten und Erlebnisse
Was du in Avoriaz unternimmst, hängt komplett von der Saison ab — das Resort lebt eine Doppelnatur als Winter- und Sommer-Destination. Vier Konstellationen:
Im Hochwinter (Anfang Dezember bis Ende April)
- Skifahren im Portes-du-Soleil-Verbund — über 600 km Pisten, davon 50 direkt am Resort
- Snowpark The Stash im Lindarets-Wald: Holz-Module statt Metall-Rails, einzigartig in den Alpen
- Halfpipe nach internationaler Wettkampf-Norm, Standard-Spot für Avoriaz-Profi-Camps
- Hundeschlitten-Fahrten mit Husky-Teams am Plateau Lindarets, ab 70 EUR pro Stunde
- Schneeschuh-Touren zum Lac d'Intrets oder zum Plateau Hauts-Forts, geführt ab 35 EUR halbtags
- Pferdeschlitten als nostalgisches Resort-Verkehrsmittel ab 25 EUR pro Erwachsenem
Im Sommer (Mitte Juni bis Mitte September)
- Mountainbike auf 850 km Trails — Pleney-Bike-Park, Lindarets-Trails, Pass'Portes-MTB-Event Anfang Juli
- Wandern auf 800 km markierten Wegen, Klassiker zum Hauts-Forts (3 Stunden, 700 hm)
- Klettersteig Yves-Pollet-Villard im Vallée-d'Aulps, mittelschwer, 3 Stunden
- Paragliding mit Tandem-Pilot vom Hauts-Forts-Plateau, ab 110 EUR pro Flug
- Stand-up-Paddle auf dem Lac de Montriond (Talfahrt), Verleih 15 EUR pro Stunde
Mit Kleinkindern
Avoriaz hat den Family-Status der Stations Vertes seit 2010 — das Resort ist damit eines der wenigen autofreien Skigebiete mit offizieller Familien-Auszeichnung. Die Indiana Park-Kletterwald-Anlage in Lindarets bietet sechs Parcours nach Höhe gestaffelt, Mindestalter 3 Jahre für den blauen Kurs. Die Mountain-Twister-Sommerrodelbahn am Ranfolly-Lift ist 1.000 m lang, Mindestalter 3 Jahre mit Begleitung. Aquariaz als ganzjähriger Schlechtwetter-Anker. Die ESF-Skischule Avoriaz hat einen eigenen Village des Enfants am Place du Festival mit beheiztem Übungs-Bereich. Kinder können sich autofrei zwischen Apartment, Skischule und Aquariaz bewegen — einer der echten Avoriaz-Vorteile gegenüber den Talchalet-Dörfern.
Bei Regen und Schlechtwetter
- Aquariaz: Tropenhallenbad mit Lagune, Palmen und 27 Grad Wassertemperatur, Tagesticket 16 EUR
- Bowling Avoriaz am Place des Dromonts — sechs Bahnen, Bar, ab 16 Uhr geöffnet
- Architektur-Rundgang selbstgeführt mit Plan vom Tourismusbüro, ganzjährig kostenfrei
- Tagesausflug nach Genf (85 km via Lift und Auto): Altstadt, Jet d'Eau, Patek-Philippe-Museum
- Spa-Tag in einem der 4-Sterne-Hotels, Day-Pass ab 45 EUR
Gastronomie und regionale Spezialitäten
Die savoyische Küche ist herzhaft und käselastig — Reblochon, Beaufort und Tomme de Savoie aus den umliegenden Almen, dazu Charcuterie aus dem Vallée-d'Aulps. Im Resort selbst gibt es rund 35 Restaurants, dazu kommen die Hütten in den Pisten und Bike-Trails:
Restaurants im Resort
- La Cabane, Place des Dromonts: traditionelle Savoyer Küche mit Tartiflette und Fondue Savoyard, Hauptgericht 24 bis 32 EUR. Holzkamin und Almatmosphäre, Reservierung in der Hochsaison Pflicht.
- Les Enfants Terribles, Hôtel des Dromonts: gehobene Bistronomie im historischen Hotel, Menü ab 65 EUR, Reservierung 4 bis 6 Wochen im Voraus.
- L'Aubergade, Place du Festival: rustikales Bistro mit Pierrade, Raclette und Fondue ab 28 EUR, Outdoor-Terrasse mit Pisten-Blick.
- Le Briquolet, Quartier des Crozats: ruhige Familien-Adresse mit klassischen Berggerichten, Mittagsmenü 22 EUR, Hauptgericht 19 bis 28 EUR.
Hütten und Almen am Berg
An der Bergstation Hauts-Forts liegt das Restaurant Les Hauts-Forts — Selbstbedienung mit Tagesgerichten 16 bis 24 EUR und 360-Grad-Panorama auf Mont-Blanc und Dents-du-Midi. Die Auberge Les Marmottes in Lindarets serviert Tartiflette für 18 EUR und ist berühmt für die freilaufenden Ziegen vor der Tür. Auf der Schweizer Seite des Portes du Soleil lohnt das Café du Centre in Champéry — Hauptgericht ab CHF 28, Reisepass und CHF (oder Karte) mitnehmen.
Cafés und Boulangerien
Die Boulangerie Goyard am Place des Dromonts öffnet um 6:30 Uhr und versorgt Frühaufsteher mit warmen Croissants und Pain-au-Chocolat vor dem ersten Lift. Das La Folie Douce direkt an der Liftstation Stash gehört zur Folie-Douce-Kette mit Standorten in Val Thorens und Val d'Isère — Apres-Ski-Adresse mit Live-DJ ab 14 Uhr im Winter, im Sommer ruhiger Bistro-Betrieb.
Markttag
In Avoriaz selbst gibt es keinen Wochenmarkt — wer regional einkaufen will, fährt mit der Téléphérique nach Prodains und weiter mit dem Bus de la Vallée nach Morzine. Der Wochenmarkt Morzine ist jeden Mittwochmorgen am Place du Baraty, regionaler Honig, Reblochon AOP, luftgetrocknete Wurst und Beerenobst aus dem Vallée-d'Aulps.
Regionale Spezialitäten zum Mitnehmen
- Reblochon AOP — der Klassiker der Savoyer Käse, Hofverkauf in der Coopérative Fruitière du Val d'Abondance bei Talfahrt
- Abondance AOP — kräftiger Hartkäse aus dem Nachbartal, Fromagerie Le Pas-de-Morgins direkt an der Schweizer Grenze
- Génépi — bitterer Kräuterlikör aus Alpenkraut, in der Distillerie de Morzine in der Talfahrt-Etappe
- Charcuterie de Vallée d'Aulps — luftgetrocknete Wurst, Wochenmarkt Morzine jeden Mittwoch
Events und Saisonkalender
Avoriaz hat zwei klare Saisons mit jeweils eigenen Höhepunkten — dazwischen schließt das Resort fast komplett. Vier Quartale:
Frühjahr (April bis Juni)
Ende April endet die Skisaison, ab Mitte Mai schließen die letzten Restaurants. Mai und Anfang Juni sind Off-Season — das Resort ist fast menschenleer, viele Apartments leer, nur das Aquariaz hat reduzierte Öffnungszeiten. Mitte Juni öffnet der Bike-Park, das ist der inoffizielle Sommerstart. Geheimtipp für die Übergangszeit: günstige Apartments, lange Tage, blühende Almwiesen.
Sommer (Juli bis September)
Hauptsaison Bike und Wandern. Anfang Juli die Pass'Portes du Soleil MTB — eine der größten Mountainbike-Veranstaltungen Europas, zweitägige Trail-Tour quer durch alle zwölf Resorts, Anmeldung Monate im Voraus nötig. Mitte August in Avoriaz das Rock the Pistes Festival-Schwester-Event mit Konzerten an Liftstationen. September wird wieder ruhig, der Bike-Park ist bis Mitte Oktober geöffnet, die Wanderwege bleiben länger zugänglich.
Herbst (Oktober bis November)
Mitte Oktober endet die Sommer-Saison, danach schließt Avoriaz fast komplett für einen Monat — Bergbahn-Wartung, Resort-Vorbereitungen für den Winter. Hotels mit reduziertem Betrieb oder geschlossen. Ende November starten die ersten Lifte wieder, oft mit Wind- und Schnee-Tests.
Winter (Dezember bis März)
Skisaison-Start meist Anfang Dezember. Weihnachtsferien und Neujahrsferien sind sehr voll, Apartmentpreise auf Spitzenniveau. Mitte Februar britische Schulferien — Avoriaz mit großem Anteil britischer Saison-Crew besonders voll. März klassisch der Frühjahrs-Ski-Monat: längere Tage, oft sonnig, weniger Trubel als im Februar. Saisonende Mitte bis Ende April je nach Schneelage.
Geschichte und Kultur
Avoriaz hat keine Vor-Geschichte als Dorf — das Resort ist ein Retortenort, geplant in den 1960er Jahren auf der grünen Wiese, ohne historischen Kern. Die Geschichte beginnt mit zwei Männern und einer architektonischen Idee.
Vom Hochweidenplateau zum Resort (1960 bis 1966)
Das Plateau auf 1.800 m über Morzine war bis 1960 reines Sommer-Weidegebiet — Almhütten, freilaufende Kühe, im Winter unzugänglich. Jean Vuarnet, Olympia-Sieger Abfahrt 1960 in Squaw Valley, sah das Potenzial: schneesicher, autofrei, mit Pisten-Anschluss in alle Himmelsrichtungen. Zusammen mit der Investorengruppe um Gérard Brémond entstand das Konzept eines neuen Resorts — auf grüner Wiese, ohne Auto, mit Ski-in/Ski-out aus jedem Apartment. Eröffnet wurde Avoriaz im Winter 1966, mit dem Hôtel des Dromonts und einer Handvoll Apartment-Komplexen.
Architecture vivante: Jacques Labro und das AAA
Der Architekt Jacques Labro (1935 bis 2024), Prix de Rome 1962, prägte den Stil über fünf Jahrzehnte. Mit dem Architekturbüro AAA — Atelier d'Architecture d'Avoriaz — entwarf er die ersten Apartment-Komplexe in den späten 1960er Jahren und blieb bis Anfang 2010er-Jahre der Hausarchitekt des Resorts. Sein Konzept hieß architecture vivante: lebendige Architektur, die sich der Topographie anpasst statt sie zu überschreiben. Keine rechten Winkel, organische Formen, mit roten Lärchen-Holzschindeln verkleidete Fassaden, die mit dem Hang verschmelzen. Die Schindeln werden alle 25 bis 30 Jahre erneuert, das Holz stammt überwiegend aus den Wäldern des Vallée-d'Aulps. 2003 wurde das Resort zum Patrimoine du XXe siècle erklärt — Denkmalschutz für ein 60er-Jahre-Skiresort, ein in Frankreich bis dahin einmaliger Vorgang.
Schlüssel-Bauten zum Anschauen
Wer die Architektur verstehen will, geht den Architektur-Rundgang vom Tourismusbüro: Hôtel des Dromonts (1966, das erste Gebäude), Les Hauts-Forts (1968), L'Élinka (1972), die Mariefoor-Komplexe am Place des Dromonts und das jüngere Les Snowleo aus den 1990er Jahren. Plan kostenfrei beim Office de Tourisme, 90 Minuten Spaziergang, ganzjährig zugänglich.
Wetter und beste Reisezeit
Das Klima in Avoriaz ist alpin-hochmontan und stark höhenabhängig. Die Wetterstation Morzine (1.000 m) bei Météo-France gilt als nächste Hauptstation, die Werte im Resort auf 1.800 m liegen rund 5 Grad darunter. Niederschlagsmenge im Resort etwa 1.700 mm pro Jahr — deutlich mehr als im Tal Morzine (1.250 mm), weil die Lage hinter den Dents-du-Midi Schneefronten aus Westen besonders effizient abfängt. Schnee fällt im Resort von Anfang November bis Mitte Mai, mit gesicherter Schneelage von Anfang Dezember bis Ende April. Avoriaz gilt als eines der schneesichersten Resorts der Nordalpen — die durchschnittliche Schneehöhe (März) liegt bei 2 bis 3 Metern im Skigebiet.
Beste Zeit für Skifahrer
Mitte Februar bis Mitte März
Hochsaison Bike und Wandern
Mitte Juli bis Mitte August
Geheimtipp Übergang
Mitte Juni und September
Praktische Tipps
- € Multipass: in der Kurtaxe enthaltene Gästekarte (im Hotel oder Apartment ausgehändigt), kostenfreie Nutzung aller Skibusse zwischen Avoriaz, Morzine und Vallée-d'Aulps. Téléphérique des Prodains-Express ist im Skipass enthalten, einzeln 12 EUR. Spart pro Woche rund 30 EUR Bus- und Lift-Tickets gegenüber Einzelkauf.
- 🐕 Hunde: in Avoriaz erlaubt, Leinenpflicht in den autofreien Straßen wegen der Pferde. In der Téléphérique mit Maulkorb erlaubt, in den Apartment-Komplexen je nach Vermieter. Auf Skipisten verboten, im Sommer auf den Bike-Trails Leinenpflicht. Hotels mit Hunde-Zuschlag von 15 bis 25 EUR pro Tag.
- 📶 WLAN und Empfang: kostenfreies Hotspot-Netz Avoriaz-WiFi am Place des Dromonts, an den Liftstationen Stash und Hauts-Forts sowie im Aquariaz. Auf den oberen Pisten ab 2.200 m wird der Empfang oft schwach — Karten und Trail-Daten vorab offline laden (Komoot, IGN-Karten oder Trailforks für Bike).
- + Apotheke und Notruf: Pharmacie d'Avoriaz am Place des Dromonts, Wochenend-Notdienst rotiert mit Morzine. Centre Médical Avoriaz mit Sport-Medizin im Resort, nächstes Krankenhaus Thonon-les-Bains (45 km, im Winter über Morzine erreichbar). Notruf 112, Bergrettung PGHM Chamonix: 04 50 53 16 89.
- € Geldautomaten: zwei Automaten am Place des Dromonts und am Place du Festival. Karten-Zahlung in fast allen Restaurants und Geschäften möglich, kleine Berghütten und Bergrestaurants oft nur Bargeld — vor Bergtouren 50 EUR Bargeld einstecken. In den Schweizer Resorts (Champéry, Les Crosets) CHF nötig oder Karte, Wechselkurs am Automaten meist schlechter als zu Hause.
- ♿ Barrierefreiheit: Resort autofrei und gestreut, daher rollstuhlfreundlich auf den Hauptwegen Place des Dromonts und Place du Festival. Téléphérique des Prodains-Express nimmt Rollstühle mit. Aquariaz mit Lift ins Becken. Im Winter durch Schnee teilweise eingeschränkt, im Sommer barrierefreier Zugang zu allen zentralen Plätzen. Die ESF Avoriaz hat eine Spezial-Skischule Handi-Ski für Adaptiv-Skifahren.
- i Tourist-Information: Office de Tourisme am Place des Dromonts, im Winter und Sommer täglich geöffnet, in der Off-Season (Mai und November) reduzierte Öffnungszeiten. Architektur-Pläne, Skipass-Verkauf, Bergführer-Vermittlung und Pass'Portes-MTB-Buchung. Hier auch geführte Hundeschlitten-Touren, Architektur-Rundgänge und Pferdeschlitten-Stadt-Touren buchbar.
Insider-Tipps
Vier Spots, die nicht in jedem Reiseführer stehen:
Architektur-Rundgang abseits der Pisten
Das Office de Tourisme vergibt einen kostenfreien Plan für einen Architektur-Rundgang durch die Labro-Bauten der 1960er und 1970er Jahre. Der 90-minütige Spaziergang führt vom Hôtel des Dromonts (1966) über Les Hauts-Forts (1968) zum L'Élinka-Komplex und weiter zum Mariefoor — fünf Schlüssel-Bauten von Jacques Labro mit Erläuterungen zu Material, Topographie und der architecture-vivante-Philosophie. Ganzjährig zugänglich, im Winter mit Spikes an den Schuhen, im Sommer mit Wanderschuhen.
Lac d'Intrets als Halbtags-Wanderung
Der Lac d'Intrets auf 1.950 m liegt versteckt hinter dem Hauts-Forts-Plateau — vom Resort in 90 Minuten Wanderung erreichbar (über den Sessellift Lindarets-Express ab Lindarets Mitte Juni bis Mitte September). Glasklarer Bergsee mit Spiegelbild der Hauts-Forts-Wand, Picknick-Plätze am Westufer, im Hochsommer Bademöglichkeit (Wasser bei 12 bis 14 Grad, kalt). Im September besonders ruhig, dann sind die Mountain-Bike-Trails ausgedünnt und der Lift schon im Wartungs-Modus.
Folie-Douce-Apero im Sommer
Die Folie Douce ist im Hochwinter laute Apres-Ski-Adresse, im Sommer dagegen ruhiges Bistro mit erstaunlich guter Küche — Hauptgerichte 24 bis 32 EUR mit Mont-Blanc-Blick, kein Massentourismus. Open-Air-Terrasse zur Talseite, ab 17 Uhr Live-Music ohne den Winter-Crew-Rummel. Erreichbar mit dem Sessellift Stash oder zu Fuß in 30 Minuten ab Place des Dromonts. Reservierung an Wochenenden empfehlenswert.
Aquariaz früh morgens
Das Aquariaz ist tagsüber voll mit Schul-Skigruppen und Familien — wer entspannt schwimmen will, kommt zur Eröffnung um 10 Uhr und hat das 2.400-Quadratmeter-Becken für die ersten 60 bis 90 Minuten fast für sich. Lazy-River, Wasserrutschen und Lagune sind dann komplett offen, die Sauna im Wellness-Bereich noch leer. Tagesticket 16 EUR Erwachsene, 12 EUR Kinder. In der Skipass-Karte einer Woche oft als Vergünstigung enthalten — am Schalter nachfragen.
Umgebung und Tagesausflüge
Avoriaz's Hochlage macht Tagesausflüge aufwendiger als aus Talchalet-Dörfern — der Weg ins Tal beginnt mit der Téléphérique-Talfahrt, dann Auto oder Shuttle. Drei Tagestouren in alle Richtungen:
Bei Sonne: Lac de Montriond und Cascade d'Ardent (15 km Talfahrt)
Téléphérique nach Prodains, dann Auto via D902 in 20 Minuten zum türkisfarbenen Lac de Montriond auf 1.060 m. Cascade d'Ardent als Halbtags-Abstecher (5 Min Fußweg vom Parkplatz, 30 m hoher Wasserfall), Picknick am Nordufer des Sees, Restaurant Auberge des Glières mit Tartiflette und Forelle. Direktverbindung mit dem Bus de la Vallée auch ab Morzine, kostenfrei mit Multipass. Im Sommer per Bike-Trail auch direkt von Avoriaz erreichbar.
Bei Wechselwetter: Genf (CH, 85 km via Lift und Auto)
Téléphérique nach Prodains, dann Auto via A40 in 1:30 h. Genf bietet Stadt-Sightseeing für Schlechtwetter-Tage: Jet d'Eau, Altstadt mit Kathedrale Saint-Pierre, Museum für Internationales Rotes Kreuz und Halbmond, Patek-Philippe-Uhrenmuseum. Mittagessen in der Carouge-Altstadt — Genfs Schweizer-Italien-Bezirk mit künstlerischer Atmosphäre. CHF mitnehmen oder Karte, Schweizer Vignette 40 CHF (Jahresvignette) oder kürzeste Strecke ohne Autobahn.
Bei Schnee: Champéry (CH, mit Skipass über die Pisten)
Mit dem Portes-du-Soleil-Skipass direkt über die Pisten ins schweizerische Champéry mit den Dents-du-Midi gegenüber. Der Weg führt über den Pas-de-Chavanette oder die Sesselbahn Crosets-Express. Mittagessen im Café du Centre — Reisepass für die Grenze nicht vergessen, CHF in der Tasche oder Karte. Rückfahrt mit der letzten Lift-Verbindung um 16 Uhr (vorher prüfen am Aushang Bergstation).
Weitere Tagesziele (50 bis 200 km)
- Évian-les-Bains: Kurort am Genfer See, 50 km nördlich (mit Talfahrt), Spa-Tagespass und Hafenpromenade.
- Annecy: 95 km, Altstadt mit Kanälen und Schloss aus dem 12. Jahrhundert.
- Chamonix-Mont-Blanc: Bergsteiger-Mekka 75 km, Aiguille du Midi und Mer de Glace.
- Yvoire: mittelalterliche Stadt am Genfer See, Plus-Beaux-Villages-de-France-Eintrag, 55 km.




