Der Westweg ist der erste und berühmteste Fernwanderweg Deutschlands. 1900 vom Schwarzwaldverein als Pionier-Fernweg eröffnet, führt er heute auf 285 Kilometern über die Höhenrücken des Schwarzwalds — von Pforzheim im Norden bis Basel im Süden, mit einer Variante nach Waldshut am Hochrhein. Die rote Raute auf weißem Grund markiert jeden Meter und ist seit über 125 Jahren das ikonische Wegzeichen der Schwarzwälder Wanderkultur. In 12 bis 15 Etappen zwischen 18 und 30 Kilometern überquert der Westweg die drei Schwarzwald-Teile Nord, Mitte und Süd, streift den Hohloh-Turm, den Mummelsee an der Schwarzwaldhochstraße, die Hornisgrinde mit 1.164 Metern, die Allerheiligen-Wasserfälle, den Kniebis-Pass, den Brand-Eck, den Belchen mit 1.414 Metern, den Feldberg als höchsten Punkt mit 1.493 Metern und endet schließlich am Schluchsee oder am Hochkopf vor dem Abstieg nach Basel. Premium-Qualität als Wanderweg, Etappen-Hotels in Schwarzwaldverein-Hütten, Berghäusern und Bauernhöfen sowie ein etablierter Gepäcktransport-Service machen die Tour auch für Genusswanderer planbar. Beste Saison: Mai bis Oktober. Für die Anreise zwischen Etappen ist die KONUS-Gästekarte der Schlüssel zum kostenfreien ÖPNV.
Anreise und Erreichbarkeit
Der Westweg verbindet zwei verkehrsgünstig gelegene Knotenpunkte: Pforzheim als Nordausgang am Rand der Schwäbischen Alb und Basel als Bahnknotenpunkt an der Schweizer Grenze. Beide Städte sind mit ICE und EC direkt erreichbar, was den Westweg zu einem der bahn-freundlichsten Fernwege Deutschlands macht. Wer in Etappen wandert, sollte die KONUS-Gästekarte als Reiseplanungs-Werkzeug einkalkulieren — sie ermöglicht in über 140 teilnehmenden Schwarzwald-Orten die kostenfreie Nutzung des öffentlichen Nahverkehrs während des Aufenthalts und löst damit das klassische Fernweg-Problem der Etappen-Rückkehr ohne zweites Auto.
Mit dem Auto
Pforzheim als Startpunkt liegt direkt an der A8 (Karlsruhe—Stuttgart) und ist über die Ausfahrt Pforzheim-West in zehn Minuten vom Westweg-Portal am Kupferhammer erreichbar. Basel als Südendpunkt ist über die A5 (Karlsruhe—Freiburg—Basel) oder über die Schweizer A2 anfahrbar. Quer durch den Schwarzwald führen die Bundesstraßen B500 (Schwarzwaldhochstraße von Baden-Baden nach Freudenstadt, vorbei an Mummelsee und Hornisgrinde) und die B294 (Pforzheim—Freiburg). Wer mit dem Auto anreist und in Etappen wandert, parkt sinnvollerweise am Start- oder Endpunkt einer Tagesetappe und fährt mit Bahn und Bus zum nächsten Etappen-Ort zurück. Mit Gepäcktransport-Service entfällt diese Logistik weitgehend, weil das Auto am Endpunkt der Gesamttour steht.
Mit der Bahn / dem ÖPNV
Pforzheim Hauptbahnhof ist ICE-Halt auf der Strecke Stuttgart—Karlsruhe und in 30 Minuten ab Stuttgart oder 20 Minuten ab Karlsruhe erreichbar. Basel SBB ist Bahnknotenpunkt zwischen Deutschland, Frankreich und der Schweiz — von Frankfurt in 2:45 Stunden, von München in 3:45 Stunden, von Zürich in 60 Minuten. Auf der Strecke selbst quert die Schwarzwaldbahn von Offenburg nach Konstanz das Mittelgebirge auf 149 Kilometern mit 39 Tunneln und kreuzt den Westweg bei Triberg. Die Höllentalbahn führt von Freiburg über Titisee zum Feldberg und ist die schnellste Verbindung zwischen Süd-Westweg-Etappen und Freiburg. Mit der KONUS-Gästekarte fahren Westweg-Wanderer in ihrer Unterkunft kostenfrei zwischen Etappen und sparen für die Gesamttour leicht 50 bis 100 Euro an ÖPNV-Kosten.
Mit dem Flugzeug
Karlsruhe-Baden-Baden FKB ist der nächste Flughafen für den Nord-Westweg und in 20 Minuten mit dem Bus zum Bahnhof Karlsruhe erreichbar. Basel-Mulhouse BSL/EAP bedient den Süd-Westweg und ist mit Tram und Bus in 20 Minuten am Basel SBB. Stuttgart STR eignet sich gut für die Anreise nach Pforzheim, Frankfurt FRA bietet die meisten internationalen Verbindungen und ist mit dem ICE in 1:30 Stunden bis Karlsruhe erreichbar. Wer von außerhalb Europas anreist, plant am besten über Frankfurt mit Weiterfahrt im ICE.
Vor Ort bewegen / KONUS-Karte
Die KONUS-Karte ist das wichtigste Werkzeug für Westweg-Wanderer. Sie wird bei der Anmeldung in einer der über 140 teilnehmenden Unterkünfte automatisch ausgegeben und gilt für die gesamte Aufenthaltsdauer. Damit lässt sich nach einer Tagesetappe von Forbach über Unterstmatt zur Hornisgrinde problemlos mit Bus und Bahn zur Unterkunft zurückfahren. Zusätzlich gibt es regionale Wanderbusse wie den Belchen-Wanderbus, den Feldbergbus und den SüdbadenBus, die häufig nur in der Sommer-Saison Mai bis Oktober verkehren. Der Schwarzwaldverein selbst betreibt zudem Etappen-Hütten mit Gepäcktransport-Anbindung — der eigene Rucksack reist mit dem Shuttle voraus zur nächsten Unterkunft, sodass nur Tagesgepäck mitgetragen werden muss.
Geschichte: Wie 1900 der erste Fernwanderweg Deutschlands entstand
Der Westweg wurde 1900 vom Schwarzwaldverein eröffnet und ist damit der älteste markierte Fernwanderweg Deutschlands. Der Verein selbst, 1864 in Freiburg gegründet, war zu diesem Zeitpunkt bereits 36 Jahre alt und hatte sich der einheitlichen Wegmarkierung im Schwarzwald verschrieben — eine Pionierleistung, die später in ganz Deutschland Schule machte. Der Initiator des Westwegs, der Karlsruher Industrielle und Wandererfreund Philipp Bussemer, hatte die Vision eines durchgehenden Höhenweges von der Schwäbischen Alb bis zum Hochrhein. Die rote Raute auf weißem Grund war als Markierung von Anfang an eindeutig und wurde von Wegewarten in mühsamer Handarbeit an Bäume, Felsen und Wegweiser angebracht.
In den ersten Jahrzehnten war der Westweg vor allem eine Sache lokaler Schwarzwälder, die in mehrtägigen Touren von Hütte zu Hütte zogen. Mit der Eisenbahn-Erschließung und später der Schwarzwaldhochstraße in den 1930er Jahren wurde der Weg auch für auswärtige Wanderer zugänglich. Heute ist der Westweg als Premium-Qualitätsweg vom Deutschen Wanderverband zertifiziert und gehört zu den meistbegangenen Fernwegen Deutschlands. Pro Saison sind schätzungsweise 30.000 Wanderer unterwegs, die meisten in Teil-Etappen, einige in der klassischen Variante von Pforzheim bis Basel in 12 bis 15 Tagen.
Die drei Schwarzwald-Teile auf dem Westweg
Eine Besonderheit des Westwegs ist, dass er alle drei landschaftlichen Teile des Schwarzwalds durchquert. Jeder Abschnitt hat einen eigenen Charakter, eine eigene Höhenstaffelung und eine eigene Wald- und Wegbeschaffenheit — wer den ganzen Weg geht, erlebt den Schwarzwald in seiner ganzen Vielfalt.
Nord-Schwarzwald: Pforzheim bis Forbach
Die ersten drei bis vier Etappen führen vom Westweg-Portal am Pforzheimer Kupferhammer durch das Enztal nach Süden und steigen langsam auf das Hauptniveau des Nord-Schwarzwalds. Charakteristisch sind dichte Tannenwälder, sanfte Höhenrücken zwischen 600 und 900 Metern und kleine ländliche Dörfer mit historischer Schwarzwaldhof-Architektur. Der Hohloh-Turm bei Kaltenbronn (988 Meter) ist das erste größere Highlight und bietet bei klarer Sicht einen Panoramablick über den nördlichen Schwarzwald bis zum Pfälzer Wald.
Mittel-Schwarzwald: Forbach bis Hausach
Der mittlere Abschnitt führt über die Schwarzwaldhochstraße mit Mummelsee (1.036 Meter) und Hornisgrinde (1.164 Meter, höchster Berg des Nord-Schwarzwalds), vorbei an den Allerheiligen-Wasserfällen und über den Kniebis-Pass. Hier wird der Weg anspruchsvoller: längere Tagesetappen mit deutlichen Höhenmetern, häufig offene Bergrücken mit weitem Blick. Der Wechsel zwischen Hochmooren, Karseen und tief eingeschnittenen Tälern macht diesen Abschnitt landschaftlich besonders abwechslungsreich.
Süd-Schwarzwald: Hausach bis Basel
Der letzte Abschnitt ist der höchste und steilste. Über den Brand-Eck, den Belchen (1.414 Meter) und den Feldberg als höchsten Punkt mit 1.493 Metern führt der Weg in die alpinen Höhen des Süd-Schwarzwalds. Charakteristisch sind offene Almen, Bergwälder mit alten Buchen und Bergahornen, dramatische Karwände und der Blick auf die Schweizer Alpen, bei Föhn-Lage bis zum Mont Blanc. Den Abschluss bildet entweder der direkte Abstieg nach Basel oder die Variante über Schluchsee und Hochkopf nach Waldshut am Hochrhein.
Die zwölf Etappen des klassischen Westwegs im Überblick
Pforzheim — Dobel
Auftakt durch das Enztal mit sanftem Anstieg, 24 Kilometer, rund sieben Gehstunden. Übernachtung in Dobel oder Bad Herrenalb, beide auf rund 700 Metern Höhe gelegen.
Dobel — Forbach
Über den Hohloh-Turm bei Kaltenbronn und die Schwarzenbach-Talsperre, 26 Kilometer, anspruchsvolle Tagesetappe mit über 700 Höhenmetern. Forbach liegt malerisch im Murgtal.
Forbach — Unterstmatt
Aufstieg auf die Schwarzwaldhochstraße mit Mummelsee und Hornisgrinde (1.164 Meter), 19 Kilometer, viel offene Höhe. Unterstmatt-Hütte bietet einfache Übernachtung in Wegbeschreibung-Tradition.
Unterstmatt — Alexanderschanze
Hochweg-Etappe vorbei an den Allerheiligen-Wasserfällen und über den Schliffkopf, 23 Kilometer. Die Alexanderschanze ist ein historischer Grenzpunkt am Kniebis.
Alexanderschanze — Hausach
Abstieg ins Kinzigtal über den Brand-Eck mit Wandel zwischen Höhenrücken und tiefen Tälern, 27 Kilometer. Hausach ist Etappen-Ort mit Bahnanschluss an der Schwarzwaldbahn.
Hausach — Wilhelmshöhe
Wieder hinauf auf die Höhenrücken des Mittel-Schwarzwalds, 22 Kilometer mit moderaten Steigungen durch dichte Mischwälder und über offene Weide-Säle der Schwarzwälder Almen.
Die folgenden sechs Etappen Wilhelmshöhe — Titisee — Belchen — Kandern — Lörrach — Basel führen über die höchsten Berge des Schwarzwalds und sind landschaftlich der Höhepunkt der Tour.
Die drei Schwarzwald-Teile im direkten Vergleich
Die Tabelle hilft bei der Etappen-Planung: Wer nur eine Hälfte des Westwegs gehen will, findet hier den direkten Vergleich der drei Schwarzwald-Teile mit ihren jeweiligen Höhepunkten und Schwierigkeitsgraden.
Höhepunkte des Westwegs in Detail
Hohloh-Turm: erstes großes Panorama im Nord-Schwarzwald
Der Hohloh-Turm bei Kaltenbronn steht auf 988 Metern und ist der erste echte Aussichtspunkt des Westwegs. Von der Turmplattform reicht der Blick bei klarer Sicht über die Schwäbische Alb bis zum Pfälzer Wald, im Süden bis zur Hornisgrinde. Der Turm wurde 1897 vom Schwarzwaldverein errichtet und ist seit Generationen ein beliebtes Wanderziel der Pforzheimer und Karlsruher Sonntagsausflügler.
Mummelsee und Hornisgrinde: Schwarzwaldhochstraße
Der Mummelsee auf 1.036 Metern ist einer der bekanntesten Karseen des Schwarzwalds und Schauplatz zahlreicher Schwarzwälder Sagen — die Mummelsee-Saga von den Wassermännern und ihrer schönen Mummel ist seit Eduard Mörikes Ballade von 1830 berühmt. Direkt darüber erhebt sich die Hornisgrinde mit 1.164 Metern als höchster Berg des Nord-Schwarzwalds. Der Hochmoor-Charakter mit Krüppelfichten und freien Heideflächen ist einzigartig in Mittel-Europa.
Allerheiligen-Wasserfälle: dramatischer Schluchten-Abstieg
Die Allerheiligen-Wasserfälle stürzen in mehreren Stufen über rund 90 Höhenmeter durch eine enge Felsschlucht. Der Westweg führt am oberen Ende der Wasserfälle vorbei, ein kurzer Abstecher zu den Klosterruinen Allerheiligen lohnt sich besonders im Frühling und Herbst. Die Felsen sind häufig moosbewachsen, das Mikroklima in der Schlucht ist deutlich feuchter und kühler als auf den umliegenden Höhen.
Belchen und Feldberg: die höchsten Gipfel des Schwarzwalds
Der Belchen erhebt sich mit 1.414 Metern frei aus der südlichen Schwarzwald-Landschaft und gilt unter Kennern als der schönste Schwarzwald-Aussichtsberg überhaupt. Bei Föhn-Lage reicht der Blick von hier über die ganze Alpenkette bis zum Mont Blanc, im Norden bis zum Feldberg, im Westen bis zu den Vogesen. Der Feldberg-Gipfel selbst ist mit 1.493 Metern der höchste Punkt des Schwarzwalds und der höchste deutsche Mittelgebirgsgipfel außerhalb der Alpen. Auf dem Gipfelplateau steht das Feldberg-Haus, das schon im 19. Jahrhundert ein wichtiges Ziel früher Schwarzwald-Touristen war.
Praktische Tipps für den Westweg
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KONUS-Karte sofort nutzen
Die Karte bekommt jeder Übernachtungsgast in einer der über 140 teilnehmenden Schwarzwald-Unterkünfte kostenlos und nutzt damit den ÖPNV im gesamten Gebiet ohne weitere Kosten. Für eine Westweg-Tour mit Bahn- und Bus-Verbindungen zwischen Etappen spart das schnell 50 bis 100 Euro über die Gesamtdauer.
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Gepäcktransport früh buchen
Mehrere Anbieter im Schwarzwald übernehmen den Transport des Hauptgepäcks zwischen Etappen-Hotels. Buchung idealerweise vier bis sechs Wochen vor Tour-Beginn. Kosten je nach Anbieter und Etappen-Zahl 15 bis 25 Euro pro Stück und Tag — eine Investition, die das Wandern für viele erst genusstauglich macht.
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Wetterumschwung einplanen
Auf den Höhen des Süd-Schwarzwalds kann sich das Wetter in wenigen Stunden grundlegend ändern. Auch im Hochsommer sind auf Belchen und Feldberg Temperaturen unter 10 Grad und kräftige Westwinde möglich. Wind- und Regenjacke gehören in jeden Tagesrucksack, Mütze und dünne Handschuhe ab August.
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Markierung beachten
Die rote Raute auf weißem Grund ist eindeutig und engmaschig angebracht, an Wegkreuzungen häufig auf Steinpoller, Baumstämmen und Wegweisern. Wer länger keine Raute sieht, sollte stehen bleiben und zur letzten gesicherten Markierung zurückgehen. Karten und GPS-Tracks gibt es vom Schwarzwaldverein in offizieller Form.
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Hütten reservieren
Etappen-Hütten und Berghäuser auf dem Westweg sind in der Hauptsaison Juni bis September häufig ausgebucht. Reservierung idealerweise drei bis sechs Monate vor Tour-Beginn, in den Sommerferien auch früher. Schwarzwaldverein-Hütten sind günstig (15 bis 25 Euro pro Nacht im Matratzenlager), Gasthöfe und Berghäuser etwa 60 bis 100 Euro im Doppelzimmer.
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Etappenwahl nach Kondition
Die Etappen zwischen 18 und 30 Kilometern haben unterschiedliche Schwierigkeitsgrade. Wer wenig Bergerfahrung hat, beginnt im Nord-Schwarzwald (moderate Höhen) und steigert sich Richtung Süden. Die Etappen über Belchen und Feldberg sind die anspruchsvollsten und gehören eher ans Tour-Ende, wenn die Beine eingelaufen sind.
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Beste Saison Mai bis Oktober
Mai und Juni bieten frisches Grün, kühle Temperaturen und lange Tage, Juli und August sind warm und sonnig (aber häufig Gewitter am Nachmittag), September und Oktober sind ideal für Genusswanderer mit stabilem Wetter und herbstlicher Farbpracht. Außerhalb dieser Saison sind viele Hütten geschlossen und auf den Höhen liegt Schnee.
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Wasserversorgung planen
Anders als in den Alpen gibt es auf dem Westweg auf den Höhenrücken nur selten Bäche oder Brunnen. Mindestens 1,5 Liter Wasser pro Etappe einplanen, im Hochsommer 2 Liter. Auffüllen ist in den Etappen-Orten und auf den meisten Hütten gegen kleine Gebühr möglich.
Insider-Tipps
Mit dem Schwarzwaldverein Hütten erleben
Die Schwarzwaldverein-Hütten sind nicht nur Übernachtungsmöglichkeiten, sondern auch lebendige Begegnungsorte. Die Wegewarte des Vereins, die ehrenamtlich die Markierung pflegen, sind häufig in den Hütten anzutreffen und erzählen mit Liebe von ihrer Region. Wer eine Hütte über die Westweg-Saison hinaus besucht, lernt eine Wanderkultur kennen, die in Deutschland einmalig ist — geprägt von Vereinstradition, regionalem Stolz und einer fast familiären Atmosphäre.
Belchen-Gipfel zum Sonnenaufgang
Wer im Belchen-Haus übernachtet, kann den Gipfel zum Sonnenaufgang erreichen — der Aufstieg vom Haus dauert nur 15 Minuten. An stabilen Hochdruck-Tagen im Herbst ist die Fernsicht zum Sonnenaufgang spektakulär: Die Alpen liegen in tiefem Blau, langsam beleuchtet von der aufgehenden Sonne, und der Mont Blanc erscheint als heller Punkt im Süden. Wer das einmal erlebt hat, versteht, warum Generationen von Wanderern den Belchen als ihren Lieblingsberg bezeichnen.
Wegbeschreibung und Markierung: das System der roten Raute
Die rote Raute auf weißem Grund ist das offizielle Wegzeichen des Westwegs und seit 1900 unverändert. Sie ist an Bäumen, Wegweisern, Steinpollern und Felswänden angebracht — in der Regel alle 100 bis 200 Meter, an Wegkreuzungen häufiger. Die Markierung folgt einer strikten Logik: Eine einzelne Raute zeigt, dass der Weg weiterführt, eine doppelte Raute (zwei untereinander) markiert eine Wegekreuzung oder einen wichtigen Abzweig. Bei Unklarheit immer zurück zur letzten gesicherten Markierung und neu orientieren.
Der Schwarzwaldverein als Träger des Westwegs hält offizielle Karten und Wanderführer mit Höhen-Profilen und detaillierten Wegbeschreibungen vor. Die GPS-Tracks sind über die Vereins-App kostenlos abrufbar und enthalten alle Etappen, Höhenwerte und Übernachtungs-Empfehlungen. Wer in Eigenregie wandert, sollte sich vor jeder Etappe das Tages-Höhenprofil ansehen — die Schwierigkeit einer Etappe ergibt sich häufig weniger aus der Streckenlänge als aus den Höhenmetern und den Pass-Übergängen.
Unterkunft auf dem Westweg: Hütten, Berghäuser und Bauernhöfe
Die Übernachtungs-Tradition auf dem Westweg ist vielfältig und reicht von einfachen Schwarzwaldverein-Hütten mit Matratzenlager bis zu komfortablen Berghotels mit Wellness-Bereich. Klassisch sind die Vereinshütten: rustikale Holzhäuser mit zentraler Stube, Gemeinschaftsküche und Schlafplätzen im Lager. Preis 15 bis 25 Euro pro Nacht, einfache Küche zwischen 8 und 18 Euro. Für viele Wanderer sind diese Hütten der Inbegriff des Westweg-Erlebnisses — Abend für Abend trifft man dieselben Wandergesichter wieder, tauscht Erfahrungen und plant die nächste Etappe gemeinsam.
Daneben gibt es klassische Schwarzwälder Gasthöfe in den Etappen-Orten, häufig in über mehrere Generationen geführten Familienbetrieben. Doppelzimmer mit Schwarzwälder Frühstück 60 bis 100 Euro, Abendessen häufig mit regionalen Spezialitäten wie Schäufele, Bibeleskäs oder Schwarzwälder Kirschtorte. In den Hauptorten Forbach, Hausach, Titisee, Hinterzarten und Todtnau sind auch komfortablere Hotels mit Wellness-Bereich verfügbar, ideal als Pausen-Tag auf einer langen Tour. Bauernhöfe mit Ferienwohnungen ergänzen das Angebot, vor allem für Wanderer, die einen Etappen-Ort als Basis für mehrere Tagestouren nutzen.
Gepäcktransport: der moderne Westweg-Komfort
Der Gepäcktransport-Service ist seit den 2000er Jahren ein etablierter Teil des Westweg-Erlebnisses. Mehrere regionale Anbieter haben sich darauf spezialisiert, den Hauptkoffer oder Rucksack der Wanderer von Etappe zu Etappe zu transportieren. Morgens wird das Gepäck am Etappen-Hotel abgeholt und nachmittags am nächsten Hotel zugestellt — der Wanderer trägt nur Tagesgepäck mit Verpflegung, Regenjacke und Wasser. Kosten je nach Anbieter und Etappen-Zahl 15 bis 25 Euro pro Stück und Tag, bei Buchung der gesamten Tour häufig mit Rabatt.
Für viele Wanderer ist der Gepäcktransport der entscheidende Faktor, um den Westweg überhaupt in voller Länge zu wagen. Ohne schweren Rucksack auf dem Rücken sind 22 bis 28 Kilometer Tagesetappe für moderat Trainierte gut machbar, auch im Süd-Schwarzwald mit seinen höheren Etappen. Der Schwarzwaldverein hält eine offizielle Liste der zertifizierten Anbieter bereit, die Buchung erfolgt direkt beim Anbieter oder über die Tour-Operatoren mit Westweg-Pauschalangeboten.




