Steile Hänge sind kein Equipment-Problem, sondern ein Technik-Problem. Wer am roten Hang sicher fährt, scheitert auf der schwarzen Piste meist nicht an Kraft, sondern an einem zu späten Schwung-Auslöser und einer halb gesetzten Kante. Dieser Leitfaden zerlegt fünf Bausteine — Pendel-Schwung, Frontside-Carve, Backside-Carve, Side-Slip und Jump-Turn — in saubere Bewegungs-Phasen, zeigt typische Fehler und gibt dir eine Übungs-Reihenfolge vom 25-Grad-Hang bis ins steile Gelände. Mehr Details zu Pisten-Markierungen findest du beim Deutschen Skiverband; einen Überblick zur Boardsport-Geschichte liefert der Snowboard Germany e.V. Wer am Steilhang gut werden will, übt nicht oben — sondern auf einem mittelsteilen Hang, bis die Bewegung sitzt.

Was den Steilhang vom roten Hang unterscheidet

Eine rote Piste hat in den Alpen 25 bis 30 Grad Gefälle, eine schwarze 30 Grad und mehr — manche steile Variante kratzt an 40 Grad. Der Sprung von rot auf schwarz fühlt sich größer an, als die paar Grad vermuten lassen. Drei Dinge ändern sich:

  • Die Beschleunigung pro Sekunde ist deutlich höher — was am roten Hang zwei Sekunden dauert, passiert am schwarzen in einer.
  • Der Schwung-Auslöser muss früher kommen, sonst stehst du quer und rutschst.
  • Die Kante trägt nur, wenn du Druck auf sie bringst. Halbe Kante = Side-Slip = Kontrollverlust.

Wer das versteht, hört auf, an der Kraft zu schrauben, und fängt an, am Timing zu arbeiten. Der Rest dieses Leitfadens ist ein Werkzeugkasten für genau dieses Timing.

Die fünf Technik-Bausteine im Vergleich

Bevor wir in die einzelnen Bewegungen gehen, die Übersicht. Welcher Baustein wann sinnvoll ist, welche Phase ihn ausmacht, was schiefgeht und wo du ihn am besten übst:

Technik Auslöser Phase Typischer Fehler Übungs-Hang
Pendel-Schwung Hüft-Drehung, Blick zur Kurvenausgang-Seite Falllinie überschreiten, Kante sofort wechseln Zu später Auslöser, Brett bleibt quer 20 bis 25 Grad, blau/rot, breit und gleichmäßig
Frontside-Carve Schienbein-Druck nach vorn, Vorderfuß belasten Toeside-Kante sägen, Bogen schreiben Hintern rausgestreckt, Kante kippt weg 25 bis 30 Grad, rot, harter Schnee
Backside-Carve Hüft-Knick, Gewicht auf Heelside-Kante Rumpf zentriert, Bogen zur Bergseite Hintern fällt nach unten, Kante schliddert 25 bis 30 Grad, rot, harter Schnee
Side-Slip Kante leicht aufkanten, kontrolliert nachgeben Brett quer zur Falllinie halten, gleichmäßig rutschen Kante zu stark, Brett blockiert; zu wenig, Sturz 30 bis 35 Grad, schwarz, eisig oder weich
Jump-Turn Knie-Druck plus aktiver Absprung Brett in der Luft drehen, Landung mit neuer Kante Zu wenig Absprung, Brett bleibt im Schnee hängen 35 Grad und steiler, Couloir oder enge schwarze Piste

Stance-Winkel und Brett-Maßangaben sind Richtwerte — viele Profis variieren um drei bis fünf Grad und 2 cm Brett-Länge je nach Tagesgefühl.

Pendel-Schwung — der Steilhang-Überlebens-Schwung

Der Pendel-Schwung (auch "Norwegian Turn" oder "Garland Turn" je nach Schule) ist die wichtigste Technik am Steilhang für Fortgeschrittene, die noch nicht voll im Carven sind. Du fährst nicht durch die Falllinie, sondern pendelst von einer Seite zur anderen und nutzt das Querfahren, um Geschwindigkeit zu kontrollieren.

Bewegungs-Phasen: Du startest quer zum Hang, die Bergkante hält dich. Du drückst dich aus dem Stand kurz aus der Kante (Entlastung), drehst die Hüften zur neuen Richtung, lenkst das Brett mit den Füßen mit. In der Falllinie kippst du auf die andere Kante, fährst quer zum gegenüberliegenden Hangrand und stehst kurz. Dann wiederholt sich der Zyklus.

Der Trick: Der Auslöser muss früh kommen, oft früher als du denkst. Wenn du erst auslöst, wenn das Brett bereits in der Falllinie ist, hast du verloren — die Beschleunigung erwischt dich, das Brett bleibt quer, du rutschst. Übe den Pendel-Schwung zuerst auf einem 20-Grad-Hang, bis das Timing automatisch geht, bevor du an einen steileren rangehst.

Frontside- und Backside-Carve — die Steilhang-Königsdisziplin

Carven heißt: das Brett zeichnet sauber zwei Linien in den Schnee, ohne zu rutschen. Auf einem Steilhang ist das die effizienteste und sicherste Technik, weil die Kante voll greift und du die Geschwindigkeit aus dem Bogen ziehst, nicht aus der Bremse.

Frontside-Carve (Toeside)

Du fährst auf der Zehen-Kante, der Körper kippt zum Hang. Der Trick: Schienbein-Druck in den Schuh, Vorderfuß aktiv belasten, der Hintern bleibt über dem Brett — nicht nach hinten geschoben. Viele Anfänger strecken den Hintern nach hinten raus, dadurch verliert die Toeside-Kante Druck, das Brett kippt weg. Auf der Steilpiste verzeiht der Schnee diesen Fehler nicht.

Backside-Carve (Heelside)

Du fährst auf der Fersen-Kante, der Hintern senkt sich tief in den Bogen. Knick aus der Hüfte, nicht aus dem Knie — der Rumpf bleibt aufrecht, der Blick geht in die Kurve, nicht auf das Brett. Wer den Hintern nach unten fallen lässt statt aktiv aus den Beinen zu drücken, schliddert auf der Heelside-Kante. Auf der schwarzen Piste schlittert das schnell in Side-Slip um.

Side-Slip — die Notbremse, die du IMMER beherrschen musst

Side-Slip ist kein eleganter Schwung, sondern die Sicherheits-Reserve. Du stehst quer zur Falllinie, Brett in 90 Grad zum Hangverlauf, und lässt das Brett kontrolliert mit angekanter Kante abrutschen. Beide Kanten gehen — Heelside ist Standard, Toeside fortgeschrittener.

Auf jedem schwarzen Hang gibt es Stellen, an denen du nicht schwingen kannst — Eisplatten, enge Stellen, plötzliche Wandstellen. Wenn du dort kein sauberes Side-Slipping hast, fällst du oder überholst dich selbst. Übe Side-Slipping bewusst auf einem 30-Grad-Hang, bis du beide Kanten kontrolliert wechseln kannst, ohne anzuhalten. Das ist die wichtigste Sicherheits-Investition, die du beim Snowboarden machen kannst.

Jump-Turn — für das richtig steile Gelände

Sobald die Piste 35 Grad und mehr hat oder du in ein enges Couloir musst, wird der gewöhnliche Schwung schwierig — die Falllinie ist zu kurz, der Schwung-Auslöser hat keine Zeit zu wirken. Hier kommt der Jump-Turn: Du drückst dich aus den Knien aktiv vom Schnee, drehst das Brett in der Luft, landest mit der neuen Kante.

Der Jump-Turn ist nichts für Anfänger und nichts, was du auf gepräparter Piste oft brauchst. Aber im freien Gelände, im Couloir, in tiefen Buckeln ist er die Technik, die dich aus jeder Klemme holt. Übe ihn zuerst auf einem 25-Grad-Hang ohne Tempo, dann mit Tempo, dann am steileren Hang. Die Versuchung ist groß, ihn zu früh anzuwenden — widerstehe.

Top-Drills für den Steilhang

Die Drills sind kein Pflichtprogramm in einer Stunde, sondern eine Sammlung — pick dir bei jedem Skitag einen oder zwei und mach sie 15 bis 20 Minuten konzentriert. So entwickelst du die einzelnen Bewegungs-Bausteine ohne den Steilhang-Stress.

Heelside-Side-Slip-Treppe

Auf einem 25-Grad-Hang quer stellen, Heelside-Kante leicht aufkanten, kontrolliert ein Stück rutschen, dann wieder anhalten. Wiederhole 8 bis 10 mal in einer Slalom-ähnlichen Treppe über den Hang. Ziel: Du steuerst die Geschwindigkeit, nicht die Schwerkraft. Der Drill schult Kantengefühl und Notbremse.

Toeside-Side-Slip mit Blick zum Tal

Wie der Heelside-Drill, aber auf der Zehen-Kante mit Blick den Hang hinunter. Schwerer, weil du gegen den Instinkt arbeitest. Übe ihn auf einem 25- bis 30-Grad-Hang, bis er sich genauso stabil anfühlt wie der Heelside-Slip. Wer Toeside-Slip beherrscht, bekommt jede Eisplatte unter Kontrolle.

Garlands ohne Falllinien-Querung

Du fährst Pendel-Schwünge auf einer Seite des Hangs, ohne die Falllinie zu queren — also nur Heelside-Bogen, Reset durch leichtes Side-Slipping, nächster Heelside-Bogen. Schult den Schwung-Auslöser und Druckaufbau, ohne dass du die Geschwindigkeit aus der Falllinie nimmst. Wechsle nach 6 Bogen die Seite (Toeside-Garlands).

J-Turns mit Stop

Aus dem Side-Slip kippst du in einen kleinen Bogen Richtung Falllinie, überquerst sie, drehst den Bogen weiter zur Bergseite und bremst ab. Sieht aus wie ein "J". Schult den Druckaufbau auf der Kante. Pro Skitag 15 bis 20 Wiederholungen, abwechselnd Heelside und Toeside.

Carve-Spuren zählen

Fahre einen 25-Grad-Hang langsam ab und zähle, wie viele saubere Carve-Spuren (zwei Linien) du siehst — gegenüber Rutsch-Spuren (Wischer). Ziel: 80 Prozent Carve-Spur. Erst wenn das auf der Roten klappt, gehst du in die Schwarze. Tempo ist Nebensache, Spurqualität ist alles.

Jump-Turn flach anlernen

Steh auf einem flachen 15-Grad-Hang, drücke dich aus den Knien hoch, dreh das Brett 30 bis 45 Grad in der Luft, lande wieder. Erst ohne Fahrt, dann aus dem Side-Slip, dann aus langsamem Schwung. Erst wenn der Drehimpuls sicher sitzt, gehst du an die Steilpiste. Beim Lernen Helm Pflicht, Knieprotektoren empfohlen.

Equipment für den Steilhang

Steilhang-Snowboarden ist Equipment-sensibler als das Cruisen am roten Hang. Ein zu weiches Brett oder eine schlecht eingestellte Bindung verzeiht da nichts. Die wichtigsten Einstellungen:

Brett

All-Mountain-Brett mit Camber oder Hybrid-Camber, mittlere bis höhere Steifigkeit (Flex 6 bis 8 von 10). Länge typisch 152 bis 158 cm bei 75 bis 85 kg Fahrer. Zu weich = Brett flattert in der Falllinie, zu steif = ermüdet die Beine. Ein True-Twin ist für reine Piste suboptimal — ein Directional-Shape mit etwas Setback (-15 bis -25 mm) gibt mehr Halt im Bogen.

Bindung

Bindung mit ausreichender Steifigkeit (Flex 6 bis 8). Strap-Bindung Standard, für den Steilhang vorteilhaft, weil sie am Schienbein gut Druck abgibt. Stance-Winkel typisch 18 bis 21 Grad vorn, -3 bis -9 hinten. Stance-Breite knapp Schulterbreite, oder einen Tick enger.

Boots

Mittlere bis hohe Steifigkeit (Flex 7 bis 9). Boa- oder klassische Schnürung — am wichtigsten ist, dass die Ferse fest sitzt, kein Spiel im Boot. Für den Steilhang lohnt der Aufpreis für ein hartes Modell, weil es präzisere Kantenarbeit erlaubt.

Sicherheits-Equipment

  • Helm: Pflicht. Lawinenschutz hat hier Vorrang vor Eitelkeit.
  • Handgelenk-Protektoren: Bei Snowboardern bricht statistisch das Handgelenk am häufigsten — beim Sturz auf gestreckte Hand.
  • Rückenprotektor: Bei Steilhang und Tiefschnee deutlich empfehlenswerter als nur am roten Hang.
  • Knieprotektoren: Beim Jump-Turn-Lernen sehr sinnvoll, da die Landung häufig auf dem Knie endet.

Geschichte der Snowboard-Technik

Snowboarden ist eine vergleichsweise junge Disziplin. Die ersten brauchbaren Boards entstanden in den USA der 1970er Jahre — Jake Burton Carpenter und Tom Sims sind die meistgenannten Pioniere. Überraschend lange galt Snowboarden in den Alpen als Außenseiter-Sport: bis Mitte der 1980er war es in den meisten Skigebieten verboten, Snowboarder fuhren auf eigene Faust abseits der Pisten.

Vom Skifahren-Klon zur eigenen Technik

In den frühen Jahren versuchten Snowboarder, das Skifahren zu kopieren — mit den entsprechenden Schwung-Vorstellungen. Erst in den späten 1980ern entwickelten sich snowboard-eigene Techniken: das Carven mit voll ausgesetzter Hüftkippe (anders als beim Ski-Carving), der Jump-Turn aus dem Surfing-Vokabular, das Side-Slipping als Sicherheits-Reserve. Norwegische und schweizerische Schulen prägten den heutigen Standard-Lehrplan, etwa beim Verband Deutscher Snowboardlehrer oder beim Schweizer Snowboardlehrerverband.

Carven nach 1995

Die olympische Anerkennung 1998 in Nagano und der Boom der Hardboot-Disziplin (Race-Snowboarden mit Hartschalen-Boots) brachten in den 1990ern das Carven in den Mainstream. Heute ist Carven die gewünschte Technik auf der Piste — zugleich verschwindet die alte Skid-Technik (mit Rutschen) zunehmend aus dem Lehrplan. Die Folge: Anfänger sind heute schneller im Bogen, brauchen aber länger für den robusten Side-Slip.

Praktische Tipps für den Steilhang-Tag

  • + Aufwärmen: 5 bis 10 Minuten Cardio plus Mobilität für Hüften und Schultern, BEVOR du in die Bindung steigst. Steilhang-Sturz mit kaltem Muskel = Bandverletzung.
  • FIS-Regeln: 10 Verhaltensregeln des Internationalen Skiverbands kennen. Besonders Regel 3 (Wahl der Fahrlinie) und Regel 5 (Einfahren in eine Piste) gelten am Steilhang doppelt — die Geschwindigkeitsdifferenz ist größer.
  • i Pisten-Information: Die Piste vor der ersten Fahrt vom Lift aus ansehen. Wo sind Eisplatten, wo Buckel, wo schmale Stellen? Wer einmal die Piste runterschaut, weiß, wo er Side-Slip braucht.
  • Skikurs lohnt sich: Eine Stunde Privatstunde am Steilhang (rund 70 bis 100 EUR in den Alpen) bringt mehr als drei Tage selbst rumprobieren. Lehrer sehen den Fehler im Schwung-Auslöser sofort.
  • Notbremse vor Tempo: Wer am Steilhang nicht zuverlässig anhalten kann, sollte nicht oben einsteigen. Side-Slip-Notbremse muss in beide Kanten ohne Nachdenken funktionieren.
  • Wetter und Sicht: Bei Schneetreiben oder Whiteout-Bedingungen den Steilhang meiden. Konturen und Kantenwechsel sind ohne Sicht ein Sturzrisiko, kein Trainingsrisiko.
  • Sturz-Strategie: Wer fällt, fällt aktiv. Zur Bergseite kippen, auf den Hintern oder Hüftknochen — niemals auf gestreckte Hand. Handgelenk-Protektoren und der reflektorische Rolle-Wurf retten die Saison.
  • Tagesform respektieren: Nach 4 Stunden Fahrt am Steilhang ermüdet die Bein-Muskulatur. Die meisten Verletzungen passieren in den letzten 30 Minuten des Tages — früher aufhören ist Profi.

Insider-Tipps zur Hangwahl

Drei Hinweise zur Auswahl des richtigen Hangs, die du im Schul-Curriculum eher selten findest:

Den Steilhang am Vormittag wählen

Schwarze Pisten sind früh am Morgen frisch präpariert und am leersten — beste Bedingungen für Lernfahrten. Bis 11 Uhr ist die Piste gleichmäßig, danach beginnen Buckel zu wachsen, der Schnee wird zerfahren, der Steilhang anspruchsvoller. Wer um 8.30 Uhr am Lift steht, hat zwei Stunden Bestbedingungen.

Achtung Eisplatten am Schattenhang

Schwarze Pisten am Nordhang (kaum Sonne) bilden im Spätwinter und Frühjahr Eisplatten, die du mit dem bloßen Auge oft nicht siehst. Die Pisten-Markierung "vereist" oder "schwer" ist kein Marketing-Begriff. Bei Eisplatten Side-Slip statt Carve — die Kante greift nur eingeschränkt, Bogen-Versuche enden im Schliddern.

Schnee-Beschaffenheit lesen

Frischer Pulverschnee über harter Unterlage fährt sich anders als feuchter Sulzschnee am Nachmittag. Ein guter Indikator: Wenn dein Brett beim Querfahren laute Geräusche macht (Knirschen, Kratzen), ist der Schnee hart. Wenn es leise und gleichmäßig spurt, ist er weich. Anpassen kannst du über den Druck — auf hartem Schnee mehr Schienbein-Druck, auf weichem mehr Hüftknick.

Anschluss-Skills für den nächsten Schritt

Wer am Steilhang sicher fährt, hat das Fundament für mehrere Spezialisierungen. Drei naheliegende Anschluss-Skills:

Tiefschnee und Off-Piste

Auf gepräparter Piste ist Carven die effizienteste Technik. Im Tiefschnee ändern sich die Spielregeln — das Brett schwimmt, der Druck-Aufbau ist anders, der Stance setbackt stärker. Wer den Steilhang gut fährt, hat das Druckgefühl, das im Tiefschnee zählt. Erste Schritte: einen Powder-Tag in einem markierten Off-Piste-Bereich (mit Lawinen-Equipment und idealerweise Bergführer).

Buckelpiste (Mogul)

Buckel auf Schwarzpisten sind der nächste Lernschritt. Hier brauchst du Jump-Turn-Fähigkeiten, weil zwischen den Buckeln nur 1 bis 2 Meter sind. Wer den Jump-Turn flach geübt hat, kann ihn jetzt rhythmisch in der Buckelpiste anwenden. Achtung: Knieprotektoren sehr empfohlen.

Park und Freestyle

Wer das Carven am Steilhang beherrscht, kann ins Park-Snowboarden wechseln. Twin-Tip-Brett, andere Bindungs-Position (mehr symmetrisch), neue Tricks: Ollie, 180er, Boxen. Ein anderer Schwerpunkt, aber das Pisten-Fundament macht den Lernweg deutlich kürzer.

Race-Snowboarden / Hardboot

Die olympische Disziplin im Snowboarden ist Slalom und Riesenslalom mit Hardboot-Setup (steife Schalen, asymmetrisches Brett). Der Carven-Skill vom Steilhang ist hier die Grundlage. Einstieg oft über Vereins-Trainingsgruppen, etwa beim DSV oder regionalen Snowboard-Clubs. Bring viel Geduld mit — das Gear-Setup ist so anders, dass es zwei bis drei Saisons braucht, bis es klick macht.

HÄUFIGE FRAGEN

Wie steil ist eine schwarze Piste eigentlich?

In den Alpen hat eine schwarze Piste typischerweise 30 Grad und mehr Gefälle, manche Varianten kratzen an 40 Grad. Eine rote Piste liegt bei 25 bis 30 Grad. Der Sprung fühlt sich größer an als die Zahl vermuten lässt, weil die Beschleunigung pro Sekunde am steileren Hang deutlich höher ist und der Schwung-Auslöser früher kommen muss.

Welche Technik lerne ich zuerst für steile Hänge?

Sicheres Side-Slipping in beide Kanten — das ist die Notbremse, die du auf jeder schwarzen Piste brauchst. Erst danach den Pendel-Schwung mit klarer Pause am Hangrand, dann das Carven. Wer ohne sicheren Side-Slip auf den Steilhang geht, hat keinen Notausstieg bei Eisplatten oder Engstellen.

Wie lange dauert es vom roten zum schwarzen Hang?

Wer drei bis vier Skitage solide auf 25-Grad-Pisten geübt hat (Pendel-Schwung, Side-Slip, erste Carve-Versuche), kann an leichte schwarze Pisten gehen. Bis zum Gefühl der Sicherheit am 35-Grad-Hang sind weitere zwei bis vier Skitage realistisch. Privatstunden verkürzen die Lernkurve deutlich.

Was ist ein Pendel-Schwung?

Eine Schwung-Technik, bei der du zwischen den beiden Hangrändern hin- und herpendelst, statt die Falllinie direkt zu fahren. Du startest quer, drehst die Hüfte früh in die neue Richtung, überquerst die Falllinie kurz und stehst dann wieder am gegenüberliegenden Hangrand. Das hilft Fortgeschrittenen, am Steilhang die Geschwindigkeit zu kontrollieren, ohne ständig zu carven.

Brauche ich ein spezielles Brett für steile Hänge?

Nicht unbedingt — aber ein All-Mountain-Brett mit Camber oder Hybrid-Camber, mittlerer bis hoher Steifigkeit (Flex 6 bis 8) und einem leichten Setback (-15 bis -25 mm) macht das Carven am Steilhang deutlich einfacher. Länge 152 bis 158 cm bei 75 bis 85 kg Fahrer ist ein guter Richtwert. Ein zu weiches Park-Brett flattert in der Falllinie.

Welche Schutzausrüstung brauche ich am Steilhang?

Helm Pflicht, Handgelenk-Protektoren sehr empfohlen (Snowboarder brechen statistisch am häufigsten das Handgelenk), Rückenprotektor sinnvoll, Knieprotektoren beim Jump-Turn-Lernen. Lawinen-Equipment (LVS, Schaufel, Sonde) erst nötig, wenn du in markierte Off-Piste-Bereiche gehst — auf gepräparter schwarzer Piste reicht der Standard-Pisten-Schutz.

Wann ist der beste Zeitpunkt für den Steilhang-Lerntag?

Früh am Vormittag, zwischen 8.30 und 11 Uhr. Schwarze Pisten sind frisch präpariert, die Piste ist gleichmäßig und am leersten. Ab etwa 11 Uhr beginnen Buckel zu wachsen und der Schnee wird zerfahren. Wer um 8.30 Uhr am Lift steht, hat zwei Stunden Bestbedingungen — danach lieber an leichteren Pisten üben oder Pause machen.

Was ist ein Jump-Turn?

Eine Schwung-Technik, bei der du dich aktiv aus den Knien vom Schnee abdrückst, das Brett in der Luft drehst und mit der neuen Kante landest. Wichtig für richtig steile Hänge ab 35 Grad oder enge Couloirs, wo der gewöhnliche Schwung-Auslöser nicht genug Zeit hat. Erst auf flachem Hang ohne Tempo lernen, dann mit Tempo, dann am steilen Hang anwenden.

Wie unterscheidet sich Frontside- vom Backside-Carve?

Frontside-Carve ist der Bogen auf der Zehen-Kante (Toeside), du kippst zum Hang, drückst Schienbein in den Schuh, Vorderfuß aktiv. Backside-Carve ist der Bogen auf der Fersen-Kante (Heelside), du knickst aus der Hüfte, der Hintern senkt sich tief in den Bogen. Beide brauchen aktiven Druckaufbau, sonst schliddert das Brett. Anfänger haben oft mit Frontside mehr Probleme, weil der Hintern rausgestreckt wird.

Lohnt sich eine Privatstunde für den Steilhang?

Ja, eine Stunde Privatstunde (rund 70 bis 100 EUR in den Alpen) bringt erfahrungsgemäß mehr als drei Tage Selbstprobieren. Ein guter Lehrer sieht den Fehler im Schwung-Auslöser sofort und korrigiert ihn aus dem Stand. Besonders effektiv: zwei Tage hintereinander dieselbe Lehrerin nehmen, dann ist die Bewegung im Muskelgedächtnis.

Was mache ich bei einer Eisplatte am Steilhang?

Side-Slip statt Schwung. Die Kante greift bei Eis nur eingeschränkt, jeder Carve-Versuch endet im Schliddern. Stelle das Brett quer zur Falllinie, kanke vorsichtig auf, lass dich kontrolliert ein Stück rutschen, bis du wieder normalen Schnee hast. Geübte Side-Slipper kommen damit über jede Eisplatte — wer es nicht beherrscht, fällt.

Was ist der nächste Lernschritt nach dem Steilhang?

Drei naheliegende Anschluss-Skills: Tiefschnee und Off-Piste (anderer Druck-Aufbau, Brett schwimmt), Buckelpiste (rhythmischer Jump-Turn zwischen den Mogeln) oder Park-Snowboarden (Twin-Tip-Brett, Tricks wie Ollie und 180er). Race-Snowboarden mit Hardboot ist ein vierter Weg, aber Setup und Material sind so anders, dass zwei bis drei Saisons Lernzeit realistisch sind.
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