Sebnitz liegt auf rund 350 Metern Höhe an der tschechischen Grenze, eingerahmt vom Nationalpark Sächsische Schweiz und den Tafelbergen des östlichen Elbsandsteingebirges. Die sächsische Kleinstadt ist seit 1834 Zentrum der Kunstblumen-Manufaktur — die Deutsche Kunstblume Sebnitz ist die letzte ihrer Art in Deutschland und führt eine Schauwerkstatt im historischen Forsthaus. Wer den Großen Winterberg (556 m) als höchsten Punkt der Sächsischen Schweiz erwandern oder die einsamere Hintere Sächsische Schweiz rund um Hinterhermsdorf und das Kirnitzschtal-Ende erkunden will, findet hier den passenden Standort. Anders als das touristische Bad Schandau bleibt Sebnitz Wohn- und Industriestadt mit eigenem Bahnhof, U28-Linie ins tschechische Děčín und überschaubaren rund 9.000 Einwohnern.
Anreise und Erreichbarkeit
Sebnitz liegt am östlichen Rand der Sächsischen Schweiz unmittelbar an der tschechischen Grenze und ist über die Trilex-Linie U28 stündlich an Bad Schandau und Děčín angebunden. Wer mit dem Auto anreist, fährt über die A17 bis Abfahrt Pirna und über B172 sowie S154 ins Stadtgebiet. Kurzentschlossene prüfen Verbindungen über bahn.de.
Mit dem Auto
Aus Dresden fährst du auf der A17 Richtung Prag bis Abfahrt 3 Pirna, dann über die B172 nach Bad Schandau und weiter über die S154 in 50 Minuten ins Stadtzentrum. Aus dem Norden kommst du über die A4 bis Dresden und auf die A17. Aus Tschechien führt die D8 bis Děčín und die II/258 in 25 Minuten nach Sebnitz — der Grenzübergang Sebnitz/Dolní Poustevna ist permanent offen, Kontrollen finden nur stichprobenartig statt. Die letzten Kilometer der S154 ab Bad Schandau winden sich durch das Sebnitztal und können bei Schnee glatt werden.
Im Sommer staut sich die B172 zwischen Pirna und Bad Schandau ab dem späten Vormittag — wer nach Sebnitz weiterfährt, hat die letzten 15 km auf der S154 meist frei. An Wochenenden mit gutem Wanderwetter zieht der Verkehr im Kirnitzschtal an, der Direktweg über Sebnitz–Hinterhermsdorf bleibt ruhiger. Für Tschechien-Tagesausflüge brauchst du die elektronische tschechische Mautplakette (zehn Tage rund 9 Euro).
Mit der Bahn
Sebnitz hat einen eigenen Bahnhof an der Linie U28 Bad Schandau–Sebnitz–Dolní Poustevna–Děčín, betrieben von Trilex im Stundentakt. Aus Dresden fährst du mit der S1 bis Bad Schandau (40 Minuten), dort einmal umsteigen — die U28 nach Sebnitz braucht weitere 25 Minuten. Aus Berlin, Leipzig oder Hamburg steigst du in Dresden und Bad Schandau um. Aktuelle Verbindungen prüfst du auf bahn.de.
Vom Bahnhof Sebnitz erreichst du den Markt in zehn Minuten zu Fuß bergauf — alternativ Stadtbus 254. Die Schauwerkstatt der Deutschen Kunstblume Sebnitz und das Afrikahaus liegen jeweils fünf Minuten vom Markt entfernt. Wer Wandertouren in der Hinteren Sächsischen Schweiz plant, nimmt vom Bahnhof die Buslinie 269 nach Hinterhermsdorf — Fahrtzeit 25 Minuten.
Mit dem Flugzeug
Nächster Verkehrsflughafen ist Dresden (DRS), etwa 70 km entfernt. Vom Flughafen kommst du mit der S2 in 22 Minuten zum Hauptbahnhof, dort steigst du in die S1 nach Bad Schandau und die U28 nach Sebnitz um. Gesamtzeit Flughafen → Sebnitz: rund 2:15 Stunden inklusive zwei Umstiege. Alternativ Prag (PRG, 115 km) mit deutlich mehr Direktverbindungen, dann mit der Bahn über Děčín und der U28 (rund 1:45 h ab Prag).
Parken vor Ort
Im Stadtgebiet gibt es drei zentrale Parkbereiche: Parkplatz am Markt (Tagesticket 4 Euro), Parkplatz am Bahnhof (3 Euro pro Tag) und Parkplatz an der Deutschen Kunstblume an der Neustädter Straße (kostenfrei für Schauwerkstatt-Besucher). Für Wandertouren empfiehlt sich der Wanderparkplatz am Großen Winterberg (Anfahrt über Schmilka, 3 Euro pro Tag) oder der Parkplatz Buchenparkhalle in Hinterhermsdorf (3 Euro pro Tag). Hotels mit eigener Tiefgarage sind in der Hauptsaison Gold wert — frag bei der Buchung gezielt nach.
Stadt, Wandern und Kunstblumen-Manufaktur
Sebnitz ist eine der wenigen Sächsische-Schweiz-Adressen, die Stadtleben mit Wandertor-Funktion verbindet — kompakte Altstadt, eigene Industriegeschichte und Zugang zu den weniger besuchten Wanderzielen im Osten des Nationalparks. Drei Schwerpunkte:
Großer Winterberg (556 m)
Der Große Winterberg ist der höchste Berg der Sächsischen Schweiz auf deutscher Seite und liegt etwa 8 km südwestlich von Sebnitz im Kerngebiet des Nationalparks. Vom Wanderparkplatz Schmilka aus erreichst du den Gipfel in 1:30 Stunden Anstieg (rund 350 Höhenmeter), oben warten das Berghotel Großer Winterberg (geöffnet seit 1844, einer der ältesten Berggasthöfe Sachsens) und der Aussichtsturm mit Blick auf Affensteine, Schrammsteine und bei klarem Wetter bis zum Lilienstein. Der Rundweg über den Kleinen Winterberg und zurück nach Schmilka dauert 4 bis 5 Stunden, gut markiert mit dem roten Strich. Die meisten Wandergäste kommen über Bad Schandau — wer aus Sebnitz startet, hat den Aufstieg fast für sich.
Hinterhermsdorf und Kirnitzschtal-Ende
Hinterhermsdorf ist Ortsteil von Sebnitz und gilt als das östlichste und ruhigste Eck der Sächsischen Schweiz — ausgezeichnet als "Schönstes Dorf Deutschlands" 2003. Vom Buchenparkhalle-Parkplatz aus startet die Obere Schleuse, eine 700 Meter lange Kahnpartie auf der gestauten Kirnitzsch durch das Felsen-Schluchtenende — Saison Mai bis Oktober, Fahrt ab 6 Euro. Ringsum führen Wanderwege zu den Wachsteinen, dem Hermannseck und dem oberen Kirnitzschtal. Der Bus 269 ab Bahnhof Sebnitz erreicht Hinterhermsdorf in 25 Minuten.
Deutsche Kunstblume Sebnitz
Die Deutsche Kunstblume Sebnitz ist die letzte Kunstblumen-Manufaktur Deutschlands — Gründung 1834, Sitz im historischen Forsthaus an der Neustädter Straße. In der Schauwerkstatt zeigen Künstlerinnen die Herstellung in fünf Schritten: Stoffschneiden, Färben, Stempeln, Gauffrieren (Prägen) und Montieren. Eintritt rund 6 Euro, Kombiticket mit Workshop ab 18 Euro, geöffnet ganzjährig außer Montag. In der Manufaktur entstanden früher die Brustblumen für den preußischen Hof, heute liefert Sebnitz Stücke an Madame Tussauds und an die Bundespräsidialamts-Dekoration.
Top-Sehenswürdigkeiten
Deutsche Kunstblume Sebnitz
Letzte Kunstblumen-Manufaktur Deutschlands, gegründet 1834 von Wilhelm Friese, im historischen Forsthaus an der Neustädter Straße. Schauwerkstatt mit Vorführungen Dienstag bis Samstag, Workshop mit eigener Blume zum Mitnehmen, Eintritt rund 6 Euro, Kombiticket Workshop ab 18 Euro. Pflichtstation für jeden Erstbesuch — die Werkstatt ist Industriedenkmal und immaterielles Kulturerbe Sachsens.
Afrikahaus Sebnitz
Das Afrikahaus an der Hertigswalder Straße zeigt eine völkerkundliche Sammlung mit Masken, Waffen, Alltagsgegenständen und einer rekonstruierten Massai-Hütte. Drei Etagen, Eintritt rund 5 Euro, Schließtag Montag. Lohnt sich an Regentagen oder als Auftakt vor der Hinterhermsdorf-Tour.
Großer Winterberg (556 m)
Höchster Berg der Sächsischen Schweiz auf deutscher Seite. Berghotel seit 1844, klassizistischer Bau mit Aussichtsturm und Panoramaterrasse. Vom Wanderparkplatz Schmilka 1:30 Stunden Anstieg, Rundweg ab Schmilka 4 bis 5 Stunden. Im Sommer Berggaststätte täglich offen, im Winter Mittwoch bis Sonntag.
Stadtmuseum Sebnitz
Das Stadtmuseum am Schillerplatz dokumentiert die Industriegeschichte der Stadt — Spitzenklöppelei seit dem 18. Jahrhundert, Kunstblumen-Manufaktur seit 1834, Spielzeugproduktion ab 1850. Eintritt rund 4 Euro, Schließtag Montag. Originale Webstühle, Klöppelkissen und Spielzeug-Modelle aus der Sebnitzer Feinmechanik.
St. Marien-Kirche
Die spätgotische Stadtkirche am Markt stammt im Kern aus dem 15. Jahrhundert, Umbau zur Renaissance 1599, barocker Innenraum nach Brand 1681. Sehenswert: gotische Sakramentsnische, Renaissance-Altar und barocker Kanzelaltar. Geöffnet täglich 10 bis 17 Uhr, Eintritt frei, Spenden willkommen.
Hinterhermsdorf und Obere Schleuse
Ortsteil von Sebnitz, "Schönstes Dorf Deutschlands" 2003. Kahnpartie auf der gestauten Kirnitzsch durch das östliche Felsen-Schluchtenende, Fahrtzeit rund 30 Minuten, Saison Mai bis Oktober. Tagesticket Erwachsene rund 6 Euro. Ab Sebnitz mit Bus 269 in 25 Minuten erreichbar.
Aktivitäten und Erlebnisse
Was du in Sebnitz unternimmst, hängt vom Wetter und der Reisegruppe ab. Vier Empfehlungen sortiert nach Konstellation:
Bei Sonne
- Wandern: Großer-Winterberg-Rundweg ab Schmilka (5 Std), Hinterhermsdorf-Wachsteine (3 km Rundweg), oberes Sebnitztal Richtung Mittelndorf (8 km)
- Klettern: Klettergärten am Pfaffenstein und am Schmilkaer Kessel, Verleih und Kurse über die Sächsische-Bergsteigerbund-Geschäftsstelle in Bad Schandau
- Obere Schleuse: Kahnpartie auf der gestauten Kirnitzsch ab Hinterhermsdorf, ab 6 Euro
- Tagesausflug Děčín: U28-Bahn ins tschechische Pendant am Elbufer, Schloss und Pastýřská-stěna-Aussichtsturm
Bei Regen
- Deutsche Kunstblume Sebnitz — Schauwerkstatt und Workshop im historischen Forsthaus
- Afrikahaus Sebnitz — drei Etagen Völkerkundesammlung
- Stadtmuseum Sebnitz am Schillerplatz mit Industriegeschichte
- Toskana Therme Bad Schandau — Sole und LiquidSound, U28 in 25 Minuten
- Schloss Děčín — Renaissance-Schloss mit Rosengarten, U28 in 40 Minuten
Mit Kleinkindern
Stadtmuseum mit Spielzeug-Sektion, Schauwerkstatt der Deutschen Kunstblume mit Mini-Workshop ab sechs Jahren und Sebnitzer Wiesenbad mit Kinderbecken decken den Tagesablauf gut ab. Die Kahnpartie auf der Oberen Schleuse fasziniert Kinder von alleine — gestauter Bach zwischen Felsen, der Fährmann erklärt die alten Floßzeiten der Holzfäller. Im Heimatmuseum Hinterhermsdorf gibt es eine Mitmach-Ecke mit historischem Spielzeug. Buggy-tauglich sind der Markt, die Lange Straße und der Sebnitztal-Radweg — Wanderwege im Nationalpark sind für Kinderwagen ungeeignet.
Sportlich
Joggingstrecke entlang des Sebnitzbachs Richtung Hinterhermsdorf: 10 km eine Richtung, überwiegend flach. Mountainbike-Touren auf dem Forstweg-Netz oberhalb des Sebnitztals, Karten gibt es bei der Tourist-Information. Für Tennis hast du den Tennisclub Sebnitz an der Schandauer Straße mit Sand- und Hartplätzen, Gastspielerkarte ab 12 Euro pro Stunde. Im Winter ist Skilanglauf in der Loipe Hinterhermsdorf möglich, ab etwa 30 cm Schneehöhe.
Gastronomie und regionale Spezialitäten
Die Küche in Sebnitz ist deftig-sächsisch mit böhmischem Einfluss aus dem Grenzgebiet — Sauerbraten mit Klößen, Kartoffelsuppe, Quark mit Leinöl, dazu Forelle aus den Bächen der Hinteren Sächsischen Schweiz und tschechische Buchteln zur Kaffeezeit. Die Klassiker findest du an drei Orten:
Restaurants im Ort
- Hotel Sebnitzer Hof: gehobene sächsische Küche, Hauptgericht 18 bis 28 Euro, im historischen Bürgerhaus am Markt mit Innenhof-Terrasse
- Berghotel Großer Winterberg: Berggaststätte auf 556 m, Bratkartoffeln mit Wildgulasch, Hauptgericht 14 bis 22 Euro, im Sommer Reservierung empfohlen
- Erbgericht Hinterhermsdorf: traditionelle Wirtsstube, Wildkraftbrühe und Forelle Müllerin, Hauptgericht 16 bis 24 Euro
- Café am Markt: einfache Mittagskarte, hausgebackene Eierschecke, kinderfreundlich
Hütten und Berggasthäuser
Die Berggaststätte Großer Winterberg auf 556 m ist seit 1844 in Betrieb — eines der ältesten Berghotels Sachsens. Erreichbar nur zu Fuß, im Sommer täglich offen, im Winter Mittwoch bis Sonntag. Bratkartoffeln mit Spiegelei, Soljanka, im Winter Glühwein und Lebkuchen. Die Buchenparkhalle in Hinterhermsdorf ist eher Wanderausgangspunkt als reine Gaststätte, mit Selbstbedienungs-Imbiss, Kaffee und Bratwurst ganzjährig. Bring kleines Geld mit — Kartenzahlung ist eingeschränkt.
Cafés und Konditoreien
Das Café Schönberg an der Lange Straße führt sächsische Eierschecke (Stück 4 Euro) und Quarkkeulchen mit Apfelmus. Die Bäckerei Andreas Müller am Markt öffnet ab 6 Uhr und versorgt Frühaufsteher mit dem Sebnitzer Wandertüten-Brot vor der Tour. Im Sommer Terrasse mit Blick auf die St. Marien-Kirche.
Markttag
Wochenmarkt jeden Mittwoch und Samstag von 8 bis 13 Uhr am Marktplatz. Regionaler Honig, Wurst aus dem Sebnitzer Umland, Forelle aus der Fischzucht im Kirnitzschtal und Quark aus den Höfen der Region. Wer in einer Ferienwohnung kocht, deckt sich hier ein.
Regionale Spezialitäten zum Mitnehmen
- Sebnitzer Kunstblume: handgefertigte Stoffblume aus der Manufaktur, ab 12 Euro pro Stiel
- Sächsische Eierschecke: dreischichtige Quark-Mohn-Tarte aus der Bäckerei Andreas Müller
- Sächsischer Quark mit Leinöl: typisches Mitbringsel, im Marktstand am Mittwoch und Samstag
- Forellenfilet aus dem Kirnitzschtal: in der Räucherei am Lichtenhainer Wasserfall
Events und Saisonkalender
Sebnitz ist eher ruhig, was Großevents angeht. Die wichtigsten Termine in der Region — generisch nach Quartal, weil die Daten sich jährlich verschieben:
Frühjahr (April bis Juni)
Saisonstart der Oberen Schleuse Anfang Mai, parallel öffnen die Berggaststätten am Großen Winterberg täglich. Mitte Mai die Wandersaison — der Malerweg und der Forststeig füllen sich an Wochenenden mit klarem Wetter. Im Mai läuft auch die Spargelsaison aus dem Hinterland; die Sebnitzer Restaurants nehmen Spargel und Quark mit Leinöl auf die Karte.
Sommer (Juli bis September)
Hauptsaison. Anfang August das Spielzeugfest und Kunstblumen-Markt am Markt mit Schauvorführungen, Workshops und einem Umzug der Sebnitzer Vereine — der Termin lockt Tagesgäste aus Dresden und Tschechien. Im Hochsommer Kurkonzerte in der Stadtparkmuschel mehrmals pro Woche, kostenlos. Anfang September der Internationale Wandertag rund um Hinterhermsdorf mit drei markierten Routen ab Buchenparkhalle.
Herbst (Oktober bis November)
Goldener Oktober mit den besten Wandertagen am Großen Winterberg — Buchenwald in voller Verfärbung, klare Sicht bis zum Lilienstein. Ende Oktober schließt die Obere Schleuse, die Manufaktur startet das Adventssortiment. Mitte November Industriekulturwoche im Stadtmuseum und in der Schauwerkstatt — Sonderführungen zur Spitzenklöppelei und zur Kunstblumen-Geschichte.
Winter (Dezember bis März)
Adventsmarkt am Markt im Dezember, kompakter als die großen Märkte in Dresden, aber ohne Massen — die Manufaktur bietet handgefertigte Adventssträuße an. Silvester eher familiär, kein Großfeuerwerk. Im Januar und Februar ist Sebnitz fast menschenleer — wer Ruhe sucht, findet hier die beste Zeit für Manufaktur-Workshops mit individueller Betreuung. Bei Schneelagen ab 30 cm laufen die Loipen rund um Hinterhermsdorf.
Geschichte und Kultur
Sebnitz wurde im 13. Jahrhundert erstmals urkundlich erwähnt — der Name geht auf das slawische "Sobnica" zurück und bedeutet "Ort am Fluss". Drei Säulen prägen die Stadtidentität bis heute.
Vom Grenzort zur Industriestadt
Lange war Sebnitz unbedeutender Grenzort an der böhmischen Grenze. Der Wandel begann ab dem 18. Jahrhundert mit der Spitzenklöppelei — Sebnitzer Klöpplerinnen lieferten feine Spitzen an die Wiener und Pariser Modehäuser. Im 19. Jahrhundert kamen Spielwarenfabriken dazu, die Stadt erhielt den Beinamen "Spielwarendorf". Beide Branchen verschwanden weitgehend mit der DDR-Industrieumstellung — das Stadtmuseum am Schillerplatz dokumentiert die Geschichte mit Originalwebstühlen, Klöppelkissen und Spielzeug-Modellen.
Kunstblumen-Manufaktur seit 1834
Wilhelm Friese gründete 1834 die erste Kunstblumen-Werkstatt, nachdem er das Verfahren auf einer Wanderschaft in Paris erlernt hatte. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wuchs die Branche auf über 100 Werkstätten in der Stadt — Sebnitz wurde "Stadt der Kunstblumen". Heute existiert die Deutsche Kunstblume Sebnitz als letzte Manufaktur, gepflegt als immaterielles Kulturerbe Sachsens. Die Schauwerkstatt im Forsthaus ist Pflichtstation für jeden Erstbesuch.
Grenzstadt und U28-Verbindung
Sebnitz liegt unmittelbar an der tschechischen Grenze, mit dem Grenzübergang nach Dolní Poustevna im Stadtgebiet. Die U28-Bahn (Trilex) verbindet seit 2014 Bad Schandau, Sebnitz, Dolní Poustevna und Děčín — die einzige grenzüberschreitende Stadtbahn-Verbindung im Elbsandsteingebirge. Stundentakt, Tagesticket EuroNeisse rund 14 Euro, gilt grenzüberschreitend in Bahn und Bus. Die Trilex-Linie hat die Stadt seit 2014 deutlich besser angebunden.
Wetter und beste Reisezeit
Das Klima im östlichen Elbsandsteingebirge ist gemäßigt-kontinental und an der Tallage von Sebnitz auf 350 m etwas kühler als im Elbtal von Bad Schandau (125 m). An der DWD-Station Hohnstein (327 m, vergleichbare Höhenlage) liegt die Jahresmitteltemperatur bei rund 8 Grad und der Niederschlag bei rund 720 mm pro Jahr. Am Großen Winterberg auf 556 m ist es noch einmal etwa 1,5 Grad kühler und nass-nebliger. Schnee liegt in Sebnitz an 35 bis 45 Tagen pro Jahr — deutlich mehr als im Elbtal, am Großen Winterberg ist Schnee von Dezember bis März verlässlich.
Beste Reisezeit für Wanderer
Mai & September
Hochsaison
Juli & August
Manufaktur & Ruhe
November bis Februar
Praktische Tipps
- € Kurtaxe: 1,80 Euro pro Erwachsenem und Tag in der Hauptsaison (Mai bis Oktober), 1,20 Euro in der Nebensaison. Wird über das Hotel mitabgerechnet, gilt als Gästekarte mit Rabatten an Schauwerkstatt, Afrikahaus, Stadtmuseum und Wanderbus.
- 🐕 Hunde: in Sebnitz und im Nationalpark Sächsische Schweiz erlaubt, ganzjährige Leinenpflicht im Schutzgebiet und auf allen markierten Wanderwegen. Im Afrikahaus und in der Schauwerkstatt nicht erlaubt. In Restaurants meist willkommen, Hotels mit Hunde-Zuschlag von 8 bis 15 Euro pro Tag.
- 📶 WLAN: kostenfreies Hotspot-Netz am Markt, an der Tourist-Information und am Bahnhof. In den Felsenschluchten der Hinteren Sächsischen Schweiz und am Großen Winterberg oft kein Mobilfunk-Empfang — Karten offline laden, Komoot oder Outdooractive vor der Tour herunterladen.
- + Apotheke und Ärzte: Markt-Apotheke am Markt, Sebnitzer Apotheke an der Lange Straße, drei Hausarztpraxen im Ort. Notdienst rotiert mit Bad Schandau und Pirna. Nächstes Krankenhaus: Sächsische Schweiz Klinik Sebnitz an der Schandauer Straße, Klinikum Pirna (35 km), Universitätsklinikum Dresden (60 km).
- € Geldautomaten: Sparkasse Sächsische Schweiz am Markt, Volksbank an der Lange Straße, weiterer Automat am Bahnhof. Auf der tschechischen Seite (Dolní Poustevna) Bargeld in Kronen empfohlen — vor der Grenze in der Sparkasse 30 Euro tauschen oder am tschechischen Automaten ziehen.
- ♿ Barrierefreiheit: Markt, Lange Straße und Schauwerkstatt der Deutschen Kunstblume weitgehend rollstuhltauglich (Schauwerkstatt mit Rampe). Stadtmuseum und Afrikahaus mit Treppen, eingeschränkt zugänglich. Wanderwege im Nationalpark eingeschränkt — barrierefrei sind der Sebnitztal-Radweg und der Buchenparkhalle-Promenadenweg in Hinterhermsdorf.
- i Tourist-Information: Neustädter Straße 16, ganzjährig geöffnet, in der Saison auch sonntags. Wanderkarten, Veranstaltungspläne, Gästekartenverkauf, Sebnitzer Wandertüten und Wandertaxi-Vermittlung.
Insider-Tipps
Vier Spots, die nicht in jedem Reiseführer stehen:
Großer Winterberg im Sonnenaufgang
Der Aufstieg ab Schmilka dauert 1:30 Stunden, die letzten Meter über Holzstufen und Wurzelpfade. Wer um halb sechs am Parkplatz steht, erlebt die Felsenkette der Affensteine im ersten Licht ohne andere Wandergäste. Stirnlampe nicht vergessen — der Wald ist in der Dämmerung dicht. Im Berghotel auf dem Gipfel öffnet die Frühstücksstube ab acht Uhr — Bauernfrühstück mit Speck, Spiegelei und sächsischem Kraut nach der Tour.
Sebnitzer Wandertüte als Lunchpaket
Die Bäckerei Andreas Müller am Markt schnürt ab 6 Uhr die "Sebnitzer Wandertüte" — Brot, Wurst, Käse, Apfel, Wasser und ein Stück Eierschecke für 8 Euro. Bestellung am Vortag in der Tourist-Information, Abholung morgens an der Bäckerei. Wer einmal mit einer richtigen Lunchpause am Großen Winterberg gesessen hat statt mit Energieriegeln, will nicht mehr anders wandern.
Kahnpartie auf der Oberen Schleuse mit dem Frühschiff
Das erste Boot auf der Oberen Schleuse fährt um zehn Uhr — wer vorher in Hinterhermsdorf am Buchenparkhalle steht, kommt in den ruhigsten Tarif. Der Fährmann erzählt die Geschichte der Holzfäller, die im 18. Jahrhundert ihre Stämme bis nach Bad Schandau auf der gestauten Kirnitzsch flößten. Kaffee in der Hütte am Endpunkt, dann zu Fuß zurück über den Wachsteinweg — 90 Minuten in einer der ruhigsten Felsenpartien des Nationalparks.
Umgebung und Tagesausflüge
Die Region rund um Sebnitz hat mehr zu bieten als Großer Winterberg und Kunstblume. Drei Tagestouren für drei Wettertypen:
Bei Sonne: Hinterhermsdorf und Obere Schleuse (10 km)
Mit dem Bus 269 in 25 Minuten zum Buchenparkhalle-Parkplatz, dann 30 Minuten Anstieg zur Oberen Schleuse. Vor Ort: Kahnpartie auf der gestauten Kirnitzsch (30 Minuten, 6 Euro), anschließend Wanderung zu den Wachsteinen (3 km Rundweg) oder über den Wachsteinweg zurück nach Sebnitz (12 km). Mittagessen im Erbgericht Hinterhermsdorf, Rückfahrt mit dem Bus oder zu Fuß über den Sebnitztal-Radweg.
Bei Wechselwetter: Děčín und Schloss (35 km)
U28-Bahn ab Sebnitz Bahnhof in 40 Minuten direkt nach Děčín hl.n. Vor Ort: Renaissance-Schloss Děčín mit Rosengarten und der Langen Fahrt — repräsentativer Aufgang von rund 290 Metern. Aussichtsturm Pastýřská stěna für Panorama auf das Elbtal. Mittagessen in einem der Restaurants am Schlossberg, Rückfahrt mit der U28 vor 19 Uhr — danach nur noch zweistündlich.
Bei Regen: Bad Schandau und Toskana Therme (15 km)
Mit der U28 in 25 Minuten nach Bad Schandau. Vor Ort: Toskana Therme mit Sole und LiquidSound-Show (Tagesticket 22 Euro), Personenaufzug auf das Ostrauer Plateau, Stadtmuseum im Sendig-Haus. Mittagessen am Marktplatz. Rückfahrt mit der U28, in der Hauptsaison stündlich.
Weitere Tagesziele (50 bis 100 km)
- Festung Königstein: größte Bergfestung Europas auf einem Tafelberg, 30 km elbaufwärts
- Bastei und Basteibrücke: bekannteste Aussicht der Sächsischen Schweiz, 25 km westlich
- Dresden Altstadt: Frauenkirche, Zwinger, Semperoper, 60 km elbabwärts mit der Bahn



